2019 Lj-C: 15. So.i.J: Samariter

Weißt du, was die Welt wirklich grundlegend verändert hat? Es sind nicht die großen Sprüche der Machthaber. "Yes, we can", hat der amerikanische Präsident Obama großmundig verkündet: Wir können alles! Was ist von seinen Großtaten noch übrig? Sein Nachfolger ist eifrig bestrebt, alles wieder auszulöschen, was er mühsam aufgebaut hat. Nein, die großen Sprüche sind es nicht. Was die Welt wirklich verändert hat, ist eine ganz einfache Geschichte. So einfach, dass jedes Kind sie versteht, die Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Zur Zeit Jesu hat es genügend Fromme gegeben, die bemüht waren, Gott zu gefallen. Sie haben viel Gutes getan, die Gesetzeslehrer, die Schriftgelehrten, die Pharisäer und all die tief-gläubigen Juden. Aber ihre Nächstenliebe reichte gerade mal bis an die Grenzen ihres Landes. Sie reichte nur für die Landsleute. Fremde, oder gar Feinde, die konnte man ruhig übersehen – ohne schlechtes Gewissen. Seit dieser Geschichte geht das nicht mehr. Die Geschichte erklärt uns, worum es geht. Die Samariter sind Feinde der Juden. Und ausgerechnet ein Samariter hilft seinem Feind. Also: Wegschauen und nicht helfen geht wirklich nicht mehr, egal, wer es ist, ob Verwandter oder Fremder, ob Freund oder Feind. Zu eindringlich fordert Jesus: Geh, und handle genauso. Ja, diese simple Geschichte hat die ganze Welt auf den Kopf gestellt. Es ist eine wahre Erfolgsgeschichte. „Geh und handle genauso!" Seit 2000 Jahren hören die Christen diese Aufforderung. Sie stehen auf und gehen - hin zu denen, die unter die Räu­ber gefallen sind, verbinden Wunden, richten auf, kümmern sich um die Vergessenen, pflegen Alte und Behinderte, stehen Sterbenden bei, besu­chen Gefangene, nehmen sich der Aidswaisen an, engagieren sich für Flüchtlinge, brechen auf in die entferntesten Gegenden, um den Armen zu helfen. „Geh und handle genauso!" Diese Aufforderung Jesu hat eine Lawine losgetreten. Es ist unmöglich aufzuzählen, wie viel Gutes durch diese Geschichte geschehen ist und immer noch geschieht, oft ganz still und unscheinbar. Es ist diese kurze, gerade mal zehn Sätze lange Geschichte mit einer knappen Aufforderung, die weiterwirkt bis heute, die ungeahnte Kräfte freisetzt für einen beherzten Einsatz, manchmal bis zur Erschöpfung. Ja, oft bis zum Umfallen, sodass man einige Idealisten einbremsen muss, ihren Eifer auf ein vernünftiges Maß zu beschränken, so dass sie nicht selber zugrunde gehen.

Lb. Gl. Jesus will uns noch etwas klar machen: Unsere Nächstenliebe muss verwurzelt sein in einer tiefen Gottesliebe. Und sie wird beflügelt durch das Beispiel Jesu.  Das ist der wesentliche Unterschied zwischen der christlichen Nächstenliebe und dem bloßen Humanismus politischer Parteien. Die Nächstenliebe der Christen hat deshalb auch einen viel längeren Atem als die Liebe der Nichtgläubigen. Und sie kennt auch keine Grenzen: egal ob Verwandter oder Fremder, ob Freund oder Feind. Noch ein wichtiger Gedanke: Unser Dienst an den Menschen ist immer auch Gottesdienst. Das heißt: Wenn du zuhause einen Kranken zu pflegen hast, dann musst du am Sonntag nicht in die Kirche gehen, um die Sonntagspflicht zu erfüllen. Menschendienst ist Gottesdienst. Das sagt Jesus selbst: Was ihr meinen Brüdern tut, das habt ihr mir getan.

Also: Geh, und handle genauso! Aber in einem vernünftigen Maß.

 

 

2019 Lj-C: 14. So.i.J: Jünger – Wanderapostel und ich.

Mein Gott, ist das romantisch. Die 72 Jünger schwirren aus, um das Evangelium zu verkünden. Wanderprediger ohne festen Wohnsitz, ohne Hab und Gut. Sie besitzen nur, was sie am Leibe tragen: Ein Hemd und Sandalen. Alles Weitere wäre nur Ballast. Ja, und einen Wanderstab haben sie auch. Den brauchen sie vor allem, um die Wölfe zu verscheuchen. Nach einer längeren Predigttour kommen sie zu Jesus zurück und berichten voller Begeisterung, was sie erlebt haben und was ihnen alles gelungen ist: Viele Kranke haben sie geheilt. Sie haben es sogar geschafft, Teufel auszutreiben. Jesus freut sich mit ihnen. Schön, dass euch die bösen Geister gehorchen. –aber noch viel schöner ist, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind. Das heißt: Schon jetzt ist für euch ein Platz im Himmel reserviert.

So, und jetzt schaue ich mir, 2000 Jahre später, die heutigen Jünger an und ihre Mission. Ich gehöre übrigens auch dazu. Wir sind keine Wanderprediger mehr. Wir haben Wohnsitz und Habseligkeiten, die wir brauchen für unser Leben und für unsern Dienst. Wir kommen nicht mehr mit dem Wanderstab. Wir gehen ja nicht mehr zu Menschen, die sich wie Wölfe gebärden und die unser Leben gefährden. Die Wölfe sind längst gezähmt. Die sind höchstens noch knurrende Hunde, die kritisieren und raunzen, wenn etwas nicht passt. Aber beißen tun sie nicht. Was den modernen Aposteln fehlt, ist die Vollmacht, Teufel auszutreiben und Wunder zu tun. So, jetzt könnt ihr hergehen und uns verhöhnen. Was sind das für erbärmliche Apostel! Ja, das sind wir. Aber einen Trost gibt es doch: Wenn sich auch vieles geändert hat, die Botschaft ist dieselbe geblieben. Die Botschaft Jesu ist es, die die Kraft hat, Böses auszutreiben; die die Kraft hat, Menschen zu verändern, sogar Wunder zu tun. Ja, die Wunder gibt es auch heute noch - bei jenen Menschen, die glauben. Das darf ich immer wieder erleben. Die Jünger heute vollbringen keine spektakulären Heilungen.

Aber, wenn ein Mensch in einer guten Beichte seine Sündenlast los wird und wenn er wieder schlafen kann, das ist doch auch eine Heilung. Und wenn ein Kranker, dem ich die Kommunion bringe, wenn der wieder Kraft und Mut findet zum Leben, das ist doch auch eine Heilung. Und wenn jemand in einer Aussprache seine Hass- und Rachegedanken überwindet, das ist doch auch eine Teufelsaustreibung, oder nicht?

Lb. Gl. Und was ist mit euch? Ihr zählt zu den 72 anderen Jüngern. Ihr müsst nicht öffentlich predigen wie die Profis. Aber jeder kann ein gutes Beispiel geben, das Beispiel eines glücklichen Christen. Das ist die beste Werbung für die Frohbotschaft. Und vor allem das Beispiel des Friedensstifters. Das Beispiel bewirkt viel viel mehr als 1000 Worte. Und dein Lohn für deinen Einsatz? Du bekommst den gleichen wie die Profis: Dein Name ist im Himmel verzeichnet. Für dich ist ein Platz im Himmel reserviert.

 

 

 

2019 Lj-C: Herz-Jesu-Fest  (13. So.i.Jahr: (siehe 2018)

Les: Ezechiel (siehe Fest)

Ev: Speisung der 15.000

Herz-Jesu-Fest. Ein Fest mit allem Drum und Dran: mit feierlichem Gelübde, mit Prozessionen und Bergfeuern. Ein absolutes Highlight in Tirol wie Weihnachten und Ostern. Wie kam es zu diesem Fest? Im Frühjahr 1796 besetzten französische Truppen die  Lombardei. Nun  wollte Napoleon nach Kärnten und Tirol vordringen. Die Tiroler Landstände hielten eine Krisensitzung. Man hatte erkannt, dass Tirol  für eine Verteidigung  ganz und gar nicht gerüstet ist. Da machte Abt Stöckl von Stams den Vorschlag, sich in dieser verzweifelten Lage Gott anzu­vertrauen. Am 1. Juni 1796 gelobten die Tiroler Landstände, künftig das Fest des Heilig­sten Herzens Jesu mit einem feierliche Gottesdienst und einem Gelöbnis zu begehen.

Napoleon rückte an. Seinen Truppen eilte der Ruf voraus, sie hätten Klöster geplündert und im Unter-Etsch das Altarsakrament geschändet. Den Tirolern ging es um die Freiheit ihrer Heimat und um die freie Ausü­bung ihres Glaubens. 1809 gelang den Tirolern am Berg Isel ein unerwarteter Sieg. Da wurde dann das Herz-Jesu-Fest zu einer triumphalen Feier. Schön und gut. Aber das Herz-Jesu-Fest hatte damals einen Beigeschmack: die Vermischung von Frömmigkeit mit Politik und Krieg. Unser Gott ist doch kein Kriegs-Gott.

Lb. Gl. Heute können wir das Herz-Jesu-Fest ganz unbelastet feiern, ohne Hass- und Rachegefühle. Das Herz Jesu ist im Mittelpunkt, nichts anderes sonst. Herz meint die Mitte einer Person, es ist Symbol für Liebe, Glück, aber auch für Schmerz. "Ein Herz haben" meint, sich und andere leiden können, aber auch mit anderen mit-leiden können. Empathie. Herz Jesu meint die Mitte seiner Person, sein Mitgefühl mit den Mitmenschen. Sein Herz ist Symbol für sein Lieben- und Leiden-Können - bis zur Hingabe seines Lebens. Man sieht nur mit dem Herzen gut, sagt Exupery sehr treffend. Das Herz sieht tiefer als die Augen. Aber beide sind wichtig, Augen und Herz.

Das Evangelium von der Brotvermehrung erzählt: Jesus hat zunächst mit den Augen gesehen: die Menschen, die Hunger haben. Er hat ihren leiblichen Hunger gesehen und dann ist sein Herz in Gang gekommen und sein Mitleid. Er hat ihren Hunger gestillt mit Brot und Fisch. Mehr noch. Gleich darauf gibt er ihnen ein noch viel wichtigeres Brot, ein Brot für die Seele. Ein Brot, das den Hunger der Seele stillt, den Hunger nach Liebe, nach Freundschaft und Geborgenheit.

Lb. Gl. Unser Herz ist der „Ort", wo der Schöpfer bei seinem Geschöpf ankommen und wohnen kann. Lernen wir von seiner Herzlichkeit, seinem Mitgefühl, seiner Geduld und von seiner Hilfsbereitschaft. Lernen wir von ihm. Jesus selber ruft uns dazu auf. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir: Ich bin gütig und von Herzen dien-mütig.

Speisung der Fünftausend: Lk 9,10-17

Die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus alles, was sie getan hatten. Dann nahm er sie beiseite und zog sich zurück, um mit ihnen allein zu sein.  Aber die Leute erfuhren davon und folgten ihm. Er empfing sie freundlich, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.  Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.  Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen.  Es waren etwa fünftausend Männer, dazu noch Frauen und Kinder. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt den Leuten, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.  Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.  Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.  Und alle aßen und wurden satt. Als man die übriggebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

 

 

2019 Lj-C: 12. So.i.Jahr: Selbstwert

Wie geht es dir mit deinem Selbstwertgefühl? Wie oft fragst du: Für wen halten mich die Leute? Es tut einfach gut, wenn man ein gutes Image hat, wenn man von mir sagt: Dieser Mensch ist liebenswürdig, sympathisch, ehrlich, hilfsbereit, einfühlsam, intelligent, tüchtig und als Zugabe auch noch schön. So etwas steigert den Selbstwert ganz enorm. Nun, so eine Litanei von Komplimenten bekommt nicht jeder zu hören. Oft genug passiert genau das Gegenteil. Du kannst super sein in allen Belangen, und dennoch gibt es Leute, die deinen Wert anpatzen. Neider lassen kein gutes Haar an dir. Das ist auch Jesus passiert. Kein Mensch dieser Welt war besser und vollkommener als er. Dennoch hat er Feinde gehabt, vor allem die religiösen Führer des Volkes. Sie fahren mit den miesesten Verleumdungen auf: Er ist mit dem Teufel verbündet. Er ist ein Freund der Zöllner und Dirnen. Mit seiner neuen Lehre verführt er das ganze Volk. Und jetzt fragt Jesus: Für wen halten mich die Leute? Hat er ein angeschlagenes Selbstwertgefühl? Sicher nicht. Er weiß schon, wer er ist und was er kann. Die Meinung der Feinde ist ihm letztlich völlig egal. Wohl aber ist ihm wichtig die Meinung seiner Freunde. Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Sie sollten wissen, mit wem sie es zu tun haben und für wen sie arbeiten. Wer einen schlechten Ruf hat, mit dem will man nicht zusammenarbeiten, für den kann man nicht das Herzblut opfern und schon gar nicht sein Leben. Petrus gibt stellvertretend für seine Kollegen die Antwort: Du bist der Messias, der Sohn Gottes. Freunde, die eine solchen Wertschätzung haben, auf die ist Verlass. Diesen Leuten kann Jesus getrost sein ganzes Erbe hinterlassen. Lb. Gl. Für wen halten mich die Leute? So fragen viele. Frag nicht, was die Leute in den Gassen von dir halten. Die kennen dich gar nicht. Und manche sind voller Vorurteile und Neid. Die werden immer was Negatives an dir finden. Und wenn sie es nicht finden, dann er-finden sie es halt.

Wenn du die Wahrheit über dich wissen willst, frag deine besten Freunde. Was irgendwelche Leute von dir denken, ist doch völlig egal. Wichtig ist einzig und allein, was deine echten Freunde von dir halten, auch wenn es nur ein einziger ist. Wenn nur einer dich wertschätzt und dich liebt, das reicht doch voll und ganz. Ja, und da ist noch einer: Derjenige, dich geschaffen hat. Er liebt und schätzt dich, so wie du bist, mit deinen Qualitäten und Mängeln. Er sieht zuerst dein gutes Bemühen und verlangt keine Höchstleitungen von dir. Du bist sein Kind und somit unendlich kostbar in seinen Augen. Der hl. Franziskus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: Was du in den Augen Gottes bist, das bist du und nicht mehr – aber auch nicht weniger.   

 

Lj. C 2019:  Fronleichnam - Jesus zu den Leuten bringen

(Lk 9,11 b-17) (Siehe 2013)

Ev: Brotvermehrung

(Ich war vormittags bei der Fronleichnamsprozession)

Ist schon ein seltsames Schauspiel, die Fronleichnamsprozession. Aus den Fenstern schauen Neugierige. Mütter schieben ihre Kinderwägen und tauschen Neuigkeiten aus. Kleine Kinder winken. Schützen feuern Ehrensalven ab. Kinder lachen und quieken. Die Kapelle spielt. Wir beten und singen. Manch einem wird es zu lang und biegt nach Hause ab. Und in der Mitte der Prozession trägt der Priester die Monstranz mit dem Allerheiligsten. Bei der Messe wird die Geschichte von der Brotvermehrung er­zählt. Mindestens 15 Tausend Leute sind zusammengekommen. Jesus wollte sich eigentlich zurückziehen. Aber die Leute finden heraus, wo er ist, und strömen in Massen dorthin. Und dann heißt es: Jesus empfing sie freundlich. Er sprach zu ihnen vom Reich Gottes. Er heilte Menschen von ihren Ängsten und Krankheiten. So ist Jesus. Er ist mitten unter den Leuten. Er hört sich ihre Sorgen an.

Jesus mag die Leute. Er weicht ihnen nicht aus. Davon erzählt die Bibel immer wieder. Er holt den Zöllner Zachäus vom Baum. Er geht zu einer Hochzeit. Er lässt sich von Pharisäern zum Essen ein­laden. Er spricht mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Er hat keine Berührungsängste zu den Frauen. Er kann auch ernste Worte spre­chen, wenn es nötig ist: Jesus mahnt und ruft zur Umkehr. Der Ehebrecherin sagt er: Geh hin und sündige nicht mehr. Dem rei­chen Jüngling, der an seinem Besitz klebt, sieht er traurig nach. Er fordert jeden auf, sein tägliches Kreuz auf sich zu nehmen. Aber fast immer beginnt es mit einer freundlichen Begegnung.

Was tun wir an Fronleichnam? Eigentlich tun wir nichts anderes, als genau diesen Jesus zu den Leuten zu tragen. Das ist ja die Aufgabe der Kirche überhaupt: Jesus zu den Leuten zu bringen. Nun, ich bin kein Träumer. Ich weiß, dass für viele Außenstehende die Fronleichnamsprozession ein seltsames Schauspiel ist und weiter nichts. Ich weiß, dass viele nicht wissen, was da in dem goldenen Gefäß ist, das der Priester trägt. Macht nichts. Viele kapieren und schätzen es. Jesus geht durch unsere Straßen, Dorthin, wo wir leben und arbeiten. Er selber sagt: Es ist meine Freude, bei den Menschen zu sein. Jesus zu den Leuten bringen, das kann auf vielfache Weise geschehen. Wir tun es z.B. in der Seelsorge, wir tun es, in Gesprächen, wenn wir Trauernde trösten, wenn wir Kranke besuchen. Wir tun es in unseren Caritaseinrichtungen, Wir tun es, weil wir wissen, dass das unsere Aufgabe als Christen ist: Je­sus zu den Leuten bringen. Und das tun wir auch jetzt und hier. Wir wollen in der Messe und Prozession die Menschen aufrufen, auf Gott zu schauen und ihn anzubeten. Er ist da, mitten unter uns.

Lb. Gl. Auf Gott schauen und ihn anbeten, das ist angesagt,  nicht nur zu Fronleichnam. Das sollte eigentlich tagtäglich der erste Schritt sein vor jeder wichtigen Tat, Dann wird unser Tun gesegnet. Jesus sagt ja selbst: Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen.

2019 Lj-C: Dreifaltigkeit – gegen die Einsamkeit

Dreifaltigkeit, was heißt das? Die Studierten sagen: Es gibt nur einen Gott, aber dieser Gott wirkt in drei Personen. Mein Gott, was wurden darüber Bücher geschrieben, um zu erklären, was im Grunde unerklärlich ist und unlogisch noch dazu. Drei ist gleich eins, ein grober logischer Fehler. Wir wollen auch gar nicht lang herumgrübeln, was der Verstand sowieso nicht versteht. Das Herz tut sich da schon leichter. Es liest aus diesem Glaubensgeheimnis das Wesentliche heraus. Und zwar: Gott ist nicht einsam. Er ist liebende Gemeinschaft. Wenn man das so sieht, wird dieses Fest plötzlich zu einer wichtigen Lektion für unsere moderne Zeit. Gott liebt die Gemeinschaft. Viele Menschen haben Probleme mit der Gemeinschaft. Wir werden immer mehr zu einer Single-Gesellschaft. Der Single hat entdeckt: Das Alleinsein bringt enorm viel Freiheit. Andererseits auch sehr viel Einsamkeit.

Es gibt verschiedene Sorten von Einsamkeit: Die gewollte und die un­gewollte Einsamkeit. Die un­gewollte Einsamkeit kann verschuldet oder unverschuldet sein. Unverschuldet dann, wenn ein lieber Mensch stirbt. Verschuldet: Eingefleischte Egoisten, Menschen ohne Einfühlungsvermögen, lästige Zeitgenossen werden gemieden und werden in der Folge einsam.

Leiden hauptsächlich ältere Menschen unter Einsamkeit? Nein!Auch die Jungen, vor allem die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen, haben zunehmend mit dieser „Volkskrankheit" zu kämp­fen. Eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt, wie vernetzt die Jungen heute sind und mit wie vielen Facebook-Freunden sie doch prahlen. Das sind halt eben keine wirklichen Freunde. Die sind nicht da, wenn man sie braucht. Das frustriert. Die sozialen Me­dien verstärken nur die Ich-Fixierung und letztlich auch die Einsamkeit. Einsam kann man auch sein mitten unter Menschen. Und umgekehrt: das Fehlen von Men­schen bedeutet nicht auto­matisch drückende Leere.

Eine weitere Unterscheidung:  die gesegnete und die verdammte, die krankmachende Einsamkeit.

Die krankmachende Einsamkeit

Man hockt in der Stube und fühlt sich elend, mutterseelen allein, von Gott und aller Welt verlassen. Zahlreichen Studien zufolge ist Einsamkeit die neue Volkskrankheit, eine wahre Epidemie. Amerikanische Mediziner haben herausgefunden, dass unfreiwillige Einsamkeit genauso schädlich ist wie 15 Zigaretten am Tag. Einsame Men­schen werden häufiger krank. Doch nicht nur der Körper schreit, auch die Seele weint. Depressio­nen schleichen sich ein, Ängste und Schlaflosigkeit.

Eine weitere Unterscheidung:

Es gibt auch die gesegnete Einsamkeit, Gott sei Dank.

Künstler suchen sie: Der Schriftsteller Franz Kafka schreibt: „Was ich geleistet habe, ist eine Frucht des Allein­seins." Auch spirituelle Menschen suchen die Einsamkeit, aber nicht, um allein zu bleiben. Sie suchen die Zweisamkeit mit ihrem Gott.

Lb. Gl. Das Fest der Dreifaltigkeit ist also eine Lektion gegen den modernen Individualismus. Der Mensch ist von Gott als Gemeinschaftswesen gewollt. Er ist auf ein Du hin geschaffen.

Das heutige Fest ruft uns auf: Mach es wie Gott: Suche Gemeinschaft. Geh hinaus aus deiner Bude! Suche Freundschaften, nicht nur auf Facebook. Auch der alte Mensch muss nicht dasitzen und warten, bis Besuch kommt. Geh zur Nachbarin oder lade du sie ein zu einem Kaffee. Geh zu einem Verein, zu einer Gruppe. Mache dich nützlich. Das bringt Glückshormone. Geh regelmäßig in die Kirche. Suche Gemeinschaft mit deinem Gott. Tausend Medikamente und Drogen schlucken die Menschen gegen die Einsamkeit, gegen die Sinnlosigkeit und Traurigkeit. Und das beste und gesündeste Medikament nehmen wir nicht: die Freundschaft mit anderen Menschen und mit ihrem Gott. Schade, nicht wahr!

 

Pfingsten 2019

Lesg: Apg 2,1

Wir feiern Pfingsten, jenes Fest, an dem Jesus seinen Geist auf die Jünger und auf Tausende Menschen in Jerusalem herabgesendet hat. Damals, vor 2000 Jahren geschah das ziemlich auffällig, in Sturm und Feuerzungen. Da war der Geist Gottes nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Sein Wirken war deutlich zu spüren. Die Leute gerieten außer sich vor Freude über Gott. Sie fingen an, auf Straßen und Plätzen Gott zu loben und zu preisen. Sie waren voller Begeisterung für Gott. Heute macht der Hl. Geist nicht mehr solchen Lärm. Er wirkt still und unscheinbar, so, dass viele ihn überhaupt nicht spüren und ihn irgendwann vergessen. Dennoch ist er da und er wirkt, genauso wie damals. Er beschenkt die Menschen mit seinen Gaben, die da sind: Weisheit, Verstand, Guter Rat, Mut, Selbstbeherrschung und das Wichtigste: die Gottesliebe. Dazu kommen noch die vielen geistigen Talente. Der Geist kann aber nur dort wirken, wo man ihn bewusst einlässt. Ich persönlich bete oft zum Hl. Geist: dann, wenn ich ratlos bin, vor jeder wichtigen Entscheidung, oder wenn ich mich daranmache, eine Predigt zu schreiben. Jeder Komponist und alle anderen Künstler sollten zum Hl. Geist beten, wenn sie ein neues Werk beginnen. Der Hl. Geist wirkt auch in dir, wenn du ihn einlässt. Der Heilige Geist tritt so in dein Leben, wie du ihm dein Herz aufmachst. Es ist ähnlich wie mit der Sonne. Es gibt Migränepatienten, die verkriechen sich in ihrem Zimmer, ziehen die Vorhänge zu und legen sich ins Bett. Sie können die Sonne nicht ertragen. Wenn die Vorhänge zu sind, kann die Sonne nicht herein, obwohl sie scheint. Wenn jedoch nur ein kleiner Spalt geöffnet ist, kommt ein Lichtstrahl herein; wenn man den Vorhang ein bisschen weiter aufmacht, wird es im Zimmer schon ziemlich hell; aber erst wenn der Vorhang ganz geöffnet ist, können die Sonnenstrahlen den Raum vollständig ausleuchten und erwärmen.

Genauso ist es mit dem Hl. Geist. Wenn du dem Hl. Geist dein Herz ganz aufmachst, kann bei dir einziehen und dich mit seinen Gaben beschenken.

Lb. Gl. Pfingsten wird der Geburtstag der Kirche genannt. Ohne den Hl. Geist gäbe es die Kirche nicht.

Der griechischen Patriarch Athenagoras bringt es auf den Punkt in dem folgenden Gebet: Ohne den Heiligen Geist ist Gott in weiter Ferne. Ohne ihn bleibt Jesus irgendeine von 1000 Persönlichkeiten aus der Geschichte. Ohne ihn ist das Evangelium nur eine Sammlung von toten Buchstaben. Ohne ihn ist die Kirche ein bloßer Verein. Ohne ihn ist das kirchliche Amt nur Bürokratie. Ohne ihn ist Mission nur Propaganda. Ohne ihn ist Liturgie eine Geisterbeschwörung. Ohne ihn ist die christliche Moral nur Schikane.

So wünsche ich unserem Geburtstagskind, der Kirche und uns allen viel Heiligen Geist. Denn mit ihm ist Gott uns nah, mit ihm lebt Jesus mitten unter uns, mit ihm ist die Kirche eine Gemeinschaft von Glaubenden, mit ihm ist kirchliches Amt ein Liebes-Dienst, mit ihm ist Mission Verkündigung des Gotteswortes, mit ihm ist Liturgie ein heiliges Fest mit Gott, mit ihm ist christliche Moral Wegweisung zu einem harmonischen und glücklichen Leben.

2019 Lj-C: 7. Osterso. – Sie sollen eins sein.

Noch einmal werden wir zurückgeführt zum Gründonnerstag. Beim letzten Abendmahl übergibt Jesus den Jüngern sein Testament: Das Hl. Brot und den Auftrag: Liebt einander. Heute hören wir ihn beten, wie es inständiger nicht sein könnte. Sein eigener Tod, der kurz bevorsteht, ist offenbar nicht seine größte Sorge. Seine größte Sorge sind seine Freunde und alle, die an ihn glauben, also auch wir. Seine Sorge: dass sie zusammenhalten, dass sie alle eins sind. Einheit. Da möchte man fragen: Gibt es denn keine wichtigeren Probleme als die Einheit. Nein! Das ist das Wichtigste. Das ist die Basis. Ohne Einheit gehen die besten Vorhaben den Bach hinunter. Das beginnt schon im Kindergarten und in der Schule. Die Erzieher bringen oft beim besten Willen und mit bestem Können nichts weiter, wenn die Kinder zerstritten sind und womöglich auch die Eltern und Erzieher untereinander. Da muss man so viel Zeit und Kraft aufwenden, nur um die Gemüter zu beruhigen, um Streit zu schlichten. Ohne Einheit geht gar nichts. Nicht einmal die Familie hat Bestand, wenn es keine Einheit gibt. Das wissen Eltern nur zu gut. Deswegen werden sie nicht müde, den Familiengliedern zuzureden: Geh, streitet euch doch nicht. Vertragt euch wieder! Einheit. Ohne Einheit geht es nicht: Im Kindergarten nicht, in der Schule nicht, in der Familie nicht, und schon gar nicht in der Politik. Das wurde uns in den letzten Tagen erschreckend vor Augen geführt. Der Bundespräsident appelliert eindringlich, nicht ständig auf dem Trennenden herumzureiten. Nein, ohne Einheit geht es nicht. Auch in der Kirche nicht. Es gibt nichts Abstoßenderes in einer Pfarrgemeinde als die läppischen Streitereien. Oft ist es nur dummes Machtgehabe, Neid oder Eifersucht. Da meint einer: Ich komme zu kurz, andere werden bevorzugt. Und schon gibt es Streit. Oft sind es nur Kleinigkeiten, sodass man sich nur wundern kann, dass solche Lächerlichkeiten eine derartige Zerstörung anrichten können.

Jesus hat schon Recht, wenn einen Tag vor seinem Tod die Einheit seine wichtigste Sorge ist, die Einheit der Seinen. An einer anderen Stelle sagt er: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde. Und keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, wird Bestand haben. (Mt 12,25).

Lb. Gl. Beten wir in dieser Stunde: Für unsere Welt, für unser Land, für unsere Stadt, für die Nachbargemeinden, für unsere Kirche und für unsere Familien. Beten wir gemeinsam mit Jesus: Heiliger Vater, ich bitte dich für alle, die glauben: Alle sollen eins sein.

 

 

 

2019 Lj-C: Himmelfahrt – Hüter der Schöpfung

Himmelfahrt. Gemeinsam mit den Jüngern schauen wir zum Himmel. Wir feiern die Himmelfahrt Jesus und auch unsere Himmelfahrt, die hoffentlich jeder von uns einmal erleben wird. Wozu dieses Fest? Nun, der Blick zum Himmel ist wichtig, weil wir sonst in Gefahr sind zu vergessen, wer wirklich Herr ist über Himmel und Erde. Weil wir in Gefahr sind, uns total in das Irdische zu verkrallen. Letztes Jahr starb Kardinal Lehmann in Mainz. Er hat ein geistliches Testament hinterlassen, das mich betroffen macht. Er schreibt: „Wir haben uns alle, gerade in der Zeit nach dem

2. Weltkrieg, tief in die Welt und in das Diesseits vergraben und verkrallt, auch wir Christen. Dies gilt auch für mich. Ich bitte Gott und die Menschen um Vergebung. Die Erneuerung muss tief aus Glaube, Hoffnung und Liebe kommen. Wie Recht er doch hat, der Kardinal. Wir haben uns in die Welt verkrallt. Viele meinen: Wir sind die Herren der Welt. Sie sind überheblich geworden. Sie haben den Auftrag Gottes vergessen, die Mutter Erde zu bebauen und – zu behüten. Die Erde ist uns nur geliehen zu unserem Unterhalt – aber nicht zu einer maßlosen Verschwendung. Die Erde gehört nicht mir allein. Sie gehört zuerst dem Schöpfer des Himmels uns der Erde und erst dann allen Geschöpfen, allen Geschöpfen, dass sie davon leben. Viele Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten zu Göttern gemacht, die über die Schöpfung nach Belieben verfügen. Sie haben die Mutter Erde nicht behütet sondern ausgebeutet. Die Folgen der Ausbeutung der Natur sind schon dermaßen krass, dass Jugendliche in Massen auf die Straßen gehen, um zu protestieren: für einen vernünftigen Klima-Schutz, für einen Schutz der Mutter Erde. Es muss doch nicht sein, dass so viele Grünflächen geopfert werden für riesige Parkplätze und andere wirtschaftliche Interessen. Es muss doch nicht sein, dass die Felder für einen optimalen Ertrag dermaßen bearbeitet werden, dass keine Blumen mehr wachsen. Fachleute klagen: Unsere Felder sind zu einer grünen Wüste geworden. Unzählige Arten sterben. Nun, wir sollten uns jetzt nicht aus der Pflicht nehmen und sagen: Das müssen die Politiker richten. Jeder einzelne Bauer, jeder von uns kann einen Beitrag leisten zum Schutz der Mutter Erde: Jeder kann Energie sparen, Verschmutzung vermeiden, wiederverwertbare Materialien verwenden. Jeder kann sein Konsumverhalten überdenken und korrigieren. Der Handel wird Wesentlich von unserem Konsumverhalten bestimmt. Wenn wir nur noch heimische Produkte wollen und keine exotischen mehr, dann werden diese halt eben nicht mehr gebrauch und werden nicht mehr durch die halbe Welt gekarrt.

Lb. Gl. Welche Position empfiehlt uns das heutige Fest? Mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und immer wieder einen Blick zum Himmel. Nicht wie ein träumender Hans-guck-in-die Luft. Nein! Ein Blick zum Himmel, um dort die Wegweisung zu holen für einen beherzten Einsatz hier auf der Erde – zum Segen für die Mutter Erde und zum Segen für uns alle.

 

 

 

2019 Lj-C: 6. Osterso. – Abschied, Loslassen

Jesus erweist sich einmal mehr als feinfühliger Psychologe. Sein Abschied steht bevor. Er geht heim zu seinem Vater. Jesus weiß, was Abschied nehmen heißt: Es ist immer ein Stück Sterben. Sein Abschied wird seinen Freunden zu schaffen machen. Er bereitet sie feinfühlig darauf vor. Er tröstet sie: Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ich lasse euch nicht als Waisenkinder zurück. Mein Vater wird euch einen Tröster senden und einen Beistand, der euch sagen wird, was zu tun ist. Dann sagt er noch etwas ganz Entscheidendes: Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe. Dort ist meine eigentliche Heimat. Die Liebe will das Beste für den andern. Nur der Egoist klammert an sich. Liebe kann loslassen, vor allem dann, wenn sie weiß: Es ist besser so für den Geliebten. Was für eine Lektion für uns alle. Wir haben ja alle unsere Abschiede. Beinahe jeden Tag.

Das Kind, das morgens in den Kindergarten oder zur Schule geht, muss sich von Mama und Papa ver­abschieden. Da fließen nicht selten Abschiedstränen. Und wie erleichtert ist es, wenn die Zeit der Trennung vorüber ist. Größere Kinder trennen sich schon leichter. Sie haben sich im Laufe der Jahre an Trennungen gewöhnt. Außerdem trösten sie sich: Es kommt Mittag oder Abend. Da werde ich wieder zu Hause sein. Manchmal jedoch sind auch längere Trennungen nötig. Wenn etwa der große Bru­der eine Ausbildung beginnt in einer anderen Stadt. Dann wird er daheim aus­ziehen und auswärts wohnen. Oder die Schwester geht für einige Monate ins Ausland, um eine Fremdsprache zu lernen. Besonders schwer ist es, wenn liebe Menschen sterben. Aber auch da haben wir einen Trost: Der liebe Mensch ist ja nicht endgültig verschwunden. Wenn er im Himmel ist, was wir hoffen dürfen, dann ist er uns ganz nah. Denn der Himmel ist überall, auch in deinem Herzen.

Abschied nehmen, Loslassen.

Unser ganzes Leben steht in dieser Spannung:

Wir müssen loslassen, um neuen Halt zu finden.

Wir müssen weggeben, um zu gewinnen.

Wir müssen fortgehen, um heimzukommen.

Abschied ist immer ein Stück Sterben.

Abschied ist aber nur die eine Seite,

die andere heißt: Aufbruch und neue Chance.

Lb. Gl. Abschiede zu verkraften, ist kein Honiglecken. Da brauchen wir jede Menge Streicheleinheiten. Andenken können helfen. Ein tröstlicher Abschiedsbrief, ein Bild. Das Loslassen fällt uns leichter, wenn ich mir bewusst mache: Es ist besser so für die geliebte Person. Und somit auch besser für mich.

Genau damit tröstet Jesus seine Freunde: Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe. Das ist besser für mich - und besser für euch.

 

 

 

2019 Lj-C: 5. Osterso. – Liebt einander

Heute werden wir noch einmal zurückgeführt  zum Gründonnerstag. Es ist der letzte Tag vor seinem Tod. Die allerletzte Chance, die Weichen zu stellen, die allerletzte Chance, ein Testament zu machen. Jesus macht sich Sorgen um  die Zukunft des Reiches Gottes, das er begründet hat. Wie soll es weitergehen, sein Heilswerk, die Verkündigung der Frohbotschaft? Nun, er hat 3 Jahre lang Schüler ausgebildet. Das sollte reichen. Aber das Wissen allein macht es nicht. Dieses Wissen muss auf feste Beine gestellt werden. Er hat sein Testament auf 2 Grundpfeiler gestellt, die den Fortbestand seines Heilswirkens garantieren sollen. Der erste: das gemeinsame Mahl. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Trefft euch regelmäßig zum gemeinsamen Mahl. Hier werdet ihr meine Nähe spüren – bis unter die Haut im verwandelten Brot. Der 2. Pfeiler: Liebt einander. Das soll euer Markenzeichen sein. Das wird von den anderen wahrgenommen. Die gehen so fein miteinander um. Das macht die Menschen neugierig. Man beginnt zu fragen: Was steht dahinter, welche Botschaft, welcher Geist? Die Liebe ist der beste Boden für die Verkündigung und die einzig glaubwürdige Basis: Liebt einander. Das haben sich die Jünger zu Herzen genommen und radikal umgesetzt. Das war der Beginn eines sozialen Denkens. Schon sehr früh begannen Bischöfe und Or­densleute mit der Gründung von Hospizen für Kranke, Behinderte, Alte und Fremde und legten den Mitchristen die Sorge für diese Menschen ans Herz. Die Armen und die geistig oder körperlich Behinderten haben seither einen Platz in der Gesellschaft und müssen nicht mehr ver­steckt oder gar umgebracht werden. Eine große sozialpolitische Errungenschaft, auf die die Kirche mit Recht stolz sein darf. Die Kirche hat die ersten Heime, Schulen und Kindergärten errichtet. Heute wird vieles vom Staat übernommen. Aber bei weitem nicht alles. Die unbezahlten Liebesdienste bleiben unverzichtbar. Das unbezahlte Ehrenamt ist eine Frucht des christlichen Geistes, eine Frucht des Auftrags Jesu: Liebt einander.

Hast du gewusst, dass 50% der Tiroler unbezahlte Hilfsdienste leisten? Diese Arbeitsbienen halten unsere Sozialeinrichtungen aufrecht, unsere Gemeinden, unsere Pfarren, unsere Vereine. Wir finden sie bei den Schützen, bei den Sängern und Musikanten. Im Bereich der Freizeitgestaltung, bei den Sportvereinen. Bei den Natur-Schützern. Sie machen sich nützlich bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz. Sie engagieren sich in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie be­suchen alte und kranke Menschen. Sie helfen mit in der Haus-Krankenpflege. Da helfen sogar Kinder und Jugendliche mit. Und die Ehrenamtlichen schenken das kostbarste Gut: Zeit für andere.

Lb. Gl. Jesus hat unser Christsein auf 2 Grundpfeiler gestellt: Die regelmäßige Eucharistiefeier, die uns an Jesus erinnert und an sein Wort "Liebt einander". Wo Christen nach diesen beiden Grundsätzen leben und handeln, da werden Glaube und Kirche Bestand haben. Da haben Krisen keine Chance.

 

 

 

Predigt: Muttertag 2019 - Was ist die Mutter wert?

Was ist die Mutter wert? Den Wert der Mutter kann man nach verschiedenen Gesichtspunkten bemessen, nach wirtschaftlichen und nach menschlichen Kriterien.

Wie hoch ist ihr Marktwert? Nun, das wird von ihrem Beruf abhängen. Aber egal welcher Beruf, die Frau verdient für gleiche Leistung viel weniger als der Mann. Sie ist also immer die Geprellte. Am schlechtesten dran ist die sogenannte Nur-Hausfrau und Mutter. Laut einer Universitätsstudie wird ihre Arbeit mit rund 1.950 Euro im Monat berechnet, bei einer Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 70 Stunden. Keine Spur von einer Vier-Tage-Woche. Die 1.950 Euro bekommt sie aber nicht. Die erspart man sich. Die Mutter ist somit die Beste - und die Billigste. Soweit ihr Marktwert.

Viel wichtiger und größer ist der menschliche Wert der Mutter.

Ein Gefängnis-Pfarrer hatte eine besondere Gabe. Er konnte mit Straffälligen umgehen wie kein anderer. Bei ihm haben sie aufgemacht. Mit ihm haben sie offen geredet über Gott und die Welt. Eines Tages fragte man ihn: Hast du mit keinem Häftling Probleme? Oh doch. Es sind jene, denen nichts Gutes einfällt, wenn man sie nach ihrer Mutter fragt.

Franz Dähler, der charismatische Jugend-Seelsorger aus St Gallen, hat wunderschön beschrie­ben, welche Kostbarkeit eine gute Mutter ist.

Frau, liebe Mutter!

Du umarmst dein Kind mit deinen Blicken,

wärmst seine Glieder mit deinen Händen,

nährst es mit deinem Herzen.

Du entlockst ihm das erste Wort,

gibst ihm Mut zum ersten Schritt,

zum aufrechten Gang,

sich selbst zu vertrauen,

über Felsen zu klettern, Lieder zu singen.

Tausendfältig ist dein Erfindergeist, um der Tochter, dem Sohn ins Leben zu leuchten. Ich danke Euch, Müttern unter allen Völkern, die ihr da seid als bunter, wärmender Strahl Gottes.

Die Mutter ist unentbehrlich. Das schätzen wir nicht immer, weil die Mutter sowieso immer für uns da ist.

Lb. Väter, liebe Jugendliche, lb. Kinder! Heute ist Muttertag! Wenigstens ein Tag im Jahr, der uns bewusst machen soll, was uns die Mutter bedeutet, und dass alles, was sie für uns tut, keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht zeigen wir unsere Wertschätzung heuer nicht nur an einem einzigen Tag.

Vielleicht gelingen uns heuer 20 oder 100 oder gar 365 Muttertage, Tage, wo sie an unserer Aufmerksamkeit und an unserer Hilfsbereitschaft ablesen kann, dass wir sie wirklich wertschätzen und lieben. Sie ist es wert!

 

 

 

2019 Lj-C: 3. Osterso - Nichts gefangen  (Siehe: 2016)

Der Karfreitag liegt erst wenige Tage zurück. Der Schock sitzt tief bei den Jüngern. Sie sind wie gelähmt. Jetzt sitzen sie da und wissen nicht was tun ohne ihren Meister. Aber sie können doch nicht ewig dasitzen. Das ist ja zum Verrücktwerden. Petrus hat die erlösende Idee: Machen wir einfach das, was wir können. Also: Zurück zum ersten Beruf, zurück zu den Netzen. Da kennen wir uns aus - und wie! Wirklich? Sie plagen sich ab die ganze Nacht und fangen nicht ein einziges Schwänzchen von einem Fisch. Totale Pleite, wie schon lange nicht. Ohne ihn geht offenbar gar nichts mehr, nicht einmal der vertraute Beruf. Erst als sie auf seinen Rat hin die Netze auf der rechten Seite des Bootes auswerfen, erst dann werden ihre Netze voll. Ihre Netze und auch ihr Herz. Jetzt haben sie eine wichtige Lektion erhalten: Auch wenn Jesus heimgegangen ist zu seinem Vater, er bleibt ihnen dennoch nahe und gibt ihnen zur rechten Zeit den richtigen Rat. Er zeigt ihnen, was zu tun ist und führt sie schrittweise ein in ihren neuen Beruf, in den Beruf als Menschenfischer.

Lb. Gl. Diese Geschichte berührt uns. Irgendwie spüren wir: Das ist auch unsere Geschichte. Das kennen wir auch. Schockerlebnisse, die uns lähmen und ratlos machen: Wie soll es weitergehen? Misserfolge und leere Netze - im Beruf, in der Familie, in der Erziehung der Kinder. Nichts läuft mehr rund. Es ist zum Verzweifeln. Hat mich der liebe Gott total vergessen? Was soll ich tun? Nun, zunächst vielleicht nur ein paar gewohnte Arbeiten verrichten. Das hilft ein bisschen über die Leere hinweg. Es lenkt ein wenig ab. Vielleicht auch ein Hilfe-Schrei nach oben: Bitte hilf mir, lieber Gott! Du hast doch versprochen: Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens. Wenn ich in diesem Vertrauen bleibe und Geduld bewahre, dann wird der Auferstandene auch mir ein Feuer anzünden, ein Licht der Hoffnung. Er wird mir zur rechten Zeit einen Rat geben, wie es weitergehen kann, ein gutes Wort.

Dieses Wort kann mich überall treffen: in der Hl. Messe, im Evangelium, in der Predigt. Oder auch in meinem Alltag. Gott hat Legionen von Menschen und Engeln, die er meine Wege kreuzen lässt, um mich zu beraten und zu stützen. Dafür brauche ich allerdings österliche Augen und Ohren, das heißt offene Sinne und ein gläubiges Herz - und auch den Mut, Neues zu probieren und zu wagen.

Lb. Gl. Wir sollten seinen Hinweis nicht überhören: Werft die Netze auf der anderen Seite aus. Das heißt: Mach's ein bisschen anders als bisher. Der alte Trott hat dich ja auch nicht weitergebracht. Also: Wirf deine Netze auf der richtigen Seite aus. Möglicherweise ist eine neue Weichenstellung angesagt, vielleicht

sogar ein neuer Beruf wie bei den Aposteln? Warum nicht? Versuch es noch einmal – im Vertrauen dass Gott mit dabei ist – mit Rat und Tat.

 

 

Lj.C 2019: 2. Osterso. – die Wunden Jesu - Thomas

Thomas hat ein massives Glaubensproblem. Seine Kollegen reden auf ihn ein: Uns ist Jesus er­schienen, er lebt! Thomas ist ein Realist. Er weiß, wenn Menschen tief verwundet und verängstigt sind, dann kann es leicht sein, dass sie Gespenster sehen. Thomas glaubt nur, was er gesehen hat. Und was hat er gesehen? Jesus ist qual­voll am Kreuz gestorben, er ist tot. Dass er jetzt plötzlich leben soll? Das gibt es nicht. Ob Je­sus wirklich auferstanden ist oder nicht, das kann er nur begreifen, wenn er ihn angreifen darf. Wenn Jesus wirklich lebt, wie die ande­ren behaupten, dann will er seine Wun­den sehen, mehr noch, er will sie mit seinen Fingern betasten. Das wird ihm erlaubt. Tho­mas darf die Nagelwunden berühren. Er darf sogar seine Hand in die große Seitenwunde legen. Die Wunden bluten nicht mehr, aber sie sind immer noch da. Diese Berührung be­rührt den Thomas bis ins Innerste. Sie berührt und heilt, heilt seinen kaputten Glauben. Jetzt kann er mit überzeugtem Herzen bekennen: „Mein Herr und mein Gott!"

Interessant, dass sich Thomas so sehr auf die Wunden versteift. Nun, der Auferstandene hat ein anderes Aussehen als vorher. Er ist nicht mehr ganz selbstverständlich zu erkennen. Die Wundmale sind das Erkennungszeichen des Auferstandenen. Sie verschwinden nicht in seiner Auferstehung. Davon erzählt die folgende Legende vom Hl. Martin: Einmal wollte sich der Teufel dem heiligen Martin als Begleiter und Beschützer anbieten. Er erschien ihm als König in majestätischer Pracht. Er sagte: Martin, ich danke dir für deine Treue! Du sollst erfahren, dass auch ich dir treu bin. Du sollst jetzt immer meine Nähe spüren. Du kannst dich an mir festhalten.  Sankt Martin fragte: Wer bist du denn? Ich bin Jesus, der Christus, erklärte der Teufel. Wo sind deine Wunden? fragte Martin zurück. Ich komme aus der Herrlichkeit des Himmels, sagte der Teufel, da gibt es keine Wunden. Darauf Sankt Mar­tin: Den Christus, der keine Wunden hat, mag ich nicht sehen. An dem Christus, der nicht das Zeichen des Kreuzes trägt, kann ich mich nicht festhalten.

Lb. Gl. Ein starkes Wort: Ich kann mich nur festhalten an einem Jesus, der die Zeichen des Kreuzes trägt, die mir beweisen: Er ist bereit, sein Leben einzusetzen für mich. Durch seine Wunden sind wir geheilt – von den Sünden und vom ewigen Tood. Was für ein tröstlicher Gedanke: Der Auferstandene kaschiert seine Wunden nicht. Sie gehören zu seinem Leben. Dieses Vorbild tut uns gut. Auch wir haben unsere Wunden und Narben, körperliche und seelische. Wir müssen uns nicht schämen. Die Wunden gehören zu unserem Leben. Sie erzählen von unseren Kämpfen, von unseren Niederlagen, aber auch von unseren Auferstehungen und Siegen. Unsere Kämpfe mit ihren Wunden und Narben haben uns stark gemacht, stark für das Leben und stark im Glauben.  

 

 

 

2019 Lj-A: Oster-Montag- Emmausjünger;

Reden und Zuhören = Therapie

Neulich kam eine Frau zu einer Aussprache. 1 1/2 Stunden hat sie geredet und geredet von ihren familiären Problemen: von ihrem Mann, der nur fordert, sie aber nicht wirklich liebt. Von ihrer Arbeit, die sie über die Schmerzgrenze belastet. 1 1/2 Stunden nur geredet. Am Schluss musste ich ihr sagen. In Ihrer Situation kann ich Ihnen leider nicht helfen. Sie sollten zu einem Familienberater gehen. Nein, nein sagte sie. Sie haben mir schon geholfen. Sie haben mir zugehört. Jetzt ist mir schon viel leichter.

Ja, Zuhören ist wirklich ein Zaubermittel, das heute allerdings viel zu wenig angewendet wird - mit der faulen Ausrede: Keine Zeit. Alles andere ist wichtiger: die Zeitung, der Fernseher, das Hobby, die viele Arbeit. Für ein Gespräch keine Zeit. Schade. Dann stauen sich die Probleme bis zur Explosion. Die heutige Geschichte von den Emmaus-Jüngern ist eine tolle Lektion, Psychologie vom Feinsten. Die beiden frustrierten Jünger sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Ein weiter Weg. Da haben sie alle Zeit der Welt, miteinander zu reden und zu schimpfen, Dampf abzulassen. Und plötzlich gesellt sich einer zu ihnen, der sich zunächst nicht zu erkennen gibt. Er geht einfach mit. Diesem Fremden erzählen sie ihren ganzen Schmerz. Und dieser Fremde tut gar nichts. Er hört einfach zu. Er hat alle Zeit der Welt. Und schließlich nimmt er sich noch die Zeit und setzt sich mit ihnen an den Tisch. Sie essen miteinander. Erst jetzt erkennen sie ihn. Es ist der Herr. Er ist auferstanden, er lebt. Ihr ganzer Frust ist plötzlich weg. Voller Freude laufen sie zurück nach Jerusalem, um den Kollegen zu erzählen, was sie erlebt haben. Nein, sie laufen nicht, sie fliegen. So leicht sind sie jetzt.

Lb. Gl. Das solltest auch du so machen. Wenn du Probleme hast, sag zu deinem Partner, zu deiner Partnerin, die gerade vor dem Fernseher sitzt: Komm, lass uns einen Spaziergang machen, oder setzten wir uns an den Tisch und trinken wir ein Gläschen. Unterwegs oder gemütlich am Tisch da redet es sich leichter. Es gibt dem anderen das Gefühl: Ich habe alle Zeit der Welt für dich. Dann kann er das an die Oberfläche bringen, was ganz tief drinnen rumort und belastet. Offen reden und zuhören ist die beste Therapie. Und wer außerdem noch gläubig ist, darf darauf vertrauen, dass noch ein Dritter sich dazugesellt, der mit seinem Geist manches klären kann, was bisher unerklärlich war.

 

 

 

Lj.C 2019: Osternacht:  Lesung: 1 Kor 15,1-34f

Der Preußenkönig Friederich der Große bekam ein Schreiben vorgelegt. Er sollte darin die Amtsenthebung eines Pfarrers besiegeln. Der Geistliche hatte nämlich zu Ostern gepredigt: Aus Gründen der Vernunft kann ich nicht an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag glauben. Der König hat die Angelegenheit abgewiesen mit den Worten: »Das ist ganz und gar seine Sache! Wenn er nicht auferstehen will, dann soll er meinetwegen liegen bleiben am Jüngsten Tag. Friederich der Große war bekannt für seine Toleranz in religiösen Dingen. Einer seiner Leitsätze lautete: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Eine solche Toleranz klingt sympathisch. Aber ganz hilfreich ist sie nicht. Der Apos­tel Paulus nimmt es schon weniger locker. Er sagt: Die Frage nach der Aufer­stehung ist eine Kernfrage des christlichen Glaubens. Nicht Weihnachten und das Kind in der Krippe sind der Beginn des Christentums, sondern Ostern und das leere Grab. Paulus schärft den Korinthern mit Nachdruck ein: Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere ganze Verkündigung nutzlos, nutzlos auch euer Glaube. (1 Kor 15,14). Wenn Christus im Tod geblieben ist, dann ist sein Kreuzestod nichts anderes gewesen als ein sinnloser grausamer Tod, der uns von nichts erlöst hat. Unsere Liebe würde einer Leiche gelten, nicht dem lebendigen Gott. Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann werden auch wir nicht auferstehen. Und wenn wir keine Hoffnung hätten auf ein Weiterleben nach dem Tod, dann wären wir, wie Paulus sagt, ebenso erbärmlich dran wie die Heiden, sie sagen: »Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot« (1 Kor 15, 32). Ihr Gott ist der Bauch. Einen anderen Lebenssinn haben sie nicht.

Der gute Pfarrer hat gezweifelt an der Auferstehung der Toten. Nun, Zweifel an der Auferstehung hat es immer schon gegeben. Zweifel hatten sogar die Apostel, besonders der Apostel Thomas. Jeder Todesfall in der Familie, oder im Freundeskreis, jede Trauer über den Verlust eines lieben Menschen,

jeder endgültige Abschied ruft diesen Zweifel hervor, zumindest für einige Zeit. Zweifel sind berechtigt. Die Auferstehung Jesu ist zu gewaltig und beinahe unglaublich. Gäbe es keine Einwände, wäre Ostern zu einfach. Die Osterbotschaft ist revolutionär, etwas ganz und gar Neues. Umso wichtiger sind dann die Erzählungen von seinen Freunden. Auch sie haben zuerst gezweifelt, sind aber nicht im Zweifel geblieben. Von Gottes Geist wurden sie schrittweise zu einem felsenfesten Glauben geführt. Das geschah erst 50 Tage später, zu Pfingsten.

Und mit diesem felsenfesten Glauben konnten sie vor die Massen treten und ihnen verkünden: Jesus lebt, er ist auferstanden. Nicht nur die Apostel, auch Jesus selbst redet Klartext: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag. Also: Unser irdisches Leben ist mit dem Tod nicht einfach aus und vorbei, es landet nicht im Niemandsland, sondern in der ewigen Freude des Himmels. Was für eine Botschaft, was für eine Hoffnung!

Lb. Gl. Der Pfarrer, der abgesetzt werden sollte, konnte zu Ostern nichts anderes verkünden als nur seine Zweifel. Armer Pfarrer, der nicht glauben kann. Arm sind alle, die nicht glauben können.

Den Glauben können wir nicht selber machen. Er muss uns

geschenkt werden vom lebendigen Gott. Um dieses Geschenk sollten wir immer wieder beten, besonders heute, am Tag seiner Auferstehung.

 

Lesung: 1 Kor 15,1-34f

Brüder und Schwestern. Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündet habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,  und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,  und erschien dem Petrus, dann den Zwölf.  Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube.

Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.  Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden;  und auch die in Christus Verstorbenen sind dann verloren. Wenn wir nur Hoffnung haben für das irdische Leben, sind wir ebenso

erbärmlich wie die Heiden. Ihr Gott ist der Bauch. Sie sagen: Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot.

Meine Geliebten, lasst euch nicht irreführen.

 

 

 

2019 Lj.C: 5. Fastensonntag  - Ehebrecherin

Seit Jahren kämpfen sie um Gleichberechtigung, unsere Frauen. Dafür werden sie nicht selten als Emanzen beschimpft. Manches haben sie erreicht. Völlige Gleichberechtigung ist immer noch in weiter Ferne. Immer noch verdienen sie für gleiche Leistung viel weniger als die Männer. Ich kann die Frauen schon verstehen, wenn sie um ihre Rechte kämpfen. Männer, die sie in ihrem Kampf unterstützen, gibt es kaum. So, und jetzt liefert uns das heutige Evangelium auch eine Frau, die ungleich behandelt wird. Sie wurde beim Ehebruch ertappt. Nach dem Gesetz des Mose stand darauf die Todesstrafe durch Steinigung. Zu einem Ehebruch gehören doch zwei. Wo ist der Mann? Hat er sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht? Oder hat man bei den Männern ein Auge zugedrückt? Die religiösen Führer zerren die Ehebrecherin zu Jesus und erklären ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Die hohen Herren haben nicht die ganze Wahrheit zitiert. Wenn man im Gesetz des Mose nachliest, heißt es genau: Wenn ein Mann beim Ehebruch ertappt wird, sollen beide sterben, der Mann und die Frau. Die religiösen Führer haben das Gesetz zurechtgestutzt. Sie haben sich's gerichtet? Offenbar hatten sie sich selbst den einen oder anderen Seitensprung gegönnt. Die Ehebrecherin hat Glück. Ein Mann ist es, der sich für sie einsetzt, ausgerechnet ein Mann. Und zwar nicht einer, der selbst ab und zu einen Seitensprung macht. Er verharmlost ihr Vergehen nicht. Ehebruch ist und bleibt ein schweres Vergehen, auch heute. Aber – keinesfalls ein Vergehen, das die Todesstrafe verdient, meint Jesus. Er stellt klar: Ich will nicht den Tod des Sünders. Ich will dass er umkehrt und lebt.

Es ist einfach genial, wie Jesus diese Frau und sich selbst aus der Schlinge zieht.

Die Religiösen Führer wollten letztlich ja ihn zu Fall bringen mit ihrer Fangfrage. Wenn er nämlich gegen das Gesetz entscheidet, macht er sich selber schuldig und verdient den Tod. Er steckt in einer Falle. Jesus nimmt sich Zeit. Er schreibt mit dem Finger auf den Boden, weiß Gott was. Und dann – gibt er die Frau zu Steinigung frei. Ja, steinigt sie. Aber derjenige soll damit beginnen, der selber ohne Sünde ist. Ein Stein nach dem andern fällt zu Boden und sie schleichen sich davon. Keine Sünde hat niemand – außer er selbst. Und er selbst begnadigt die Frau. Auch ich verurteile dich nicht.

Lb. Gl. Steinewerfer finden sich schnell, auch heute. Wie viele Menschen werden angepatzt und schlecht gemacht. Das fängt schon bei den Kleinen in der Schule an. Wie viele Schüler werden ausgelacht und gemobbt: Die eine ist zu groß, die andere zu klein, die eine dick, die andere zu dünn, die andere ist ungeschickt, wieder eine andere nicht modern genug gekleidet. Wenn sie Glück haben, finden sie einen, der sie in Schutz nimmt: einen Mitschüler, Eltern, oder kluge und aufmerksame Lehrpersonen. Die Steinewerfer finden wir natürlich auch in den Betrieben und Vereinen bis hinauf in die hohe Politik. Irgendein Fehler ist schnell an den Haaren herbeigezerrt. Ihnen allen nimmt Jesus die Steine aus der Hand mit der peinlichen Frage: Und du? Bist du perfekt? Nein? Dann halte dich lieber zurück. Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

2019 Lj.C: 4. Fastensonntag  - Verlrener Sohn – Barmherziger Vater

Eine dramatische Geschichte, die vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater. Und das Besondere daran: Es ist deine Geschichte. Das gibt es nicht, wird mancher denken. So was kommt in Wirklichkeit nicht vor: Ein freiheitsliebender Sohn landet bei den Schweinen. Das ist doch übertrieben. Wirklich? Leider nicht. In dieser oder in abgeschwächter Form gibt es das immer noch, auch bei uns. An dem unbändigen Freiheitsdrang der Jungen hat sich bis heute nichts geändert, rein gar nichts. Ist auch ihr gutes Recht. Nur in einem angemessenen Freiraum können sie sich entfalten, können sie sich ausprobieren, was in ihnen steckt, was ihnen liegt und was gar nicht geht. Aber dieser Freiraum ist es, der wiederum die Eltern ganz schön nervt. Was ist angemessen? Und was ist des Guten zu viel? Ein ständiger Streitpunkt. Die Eltern wissen genau, dass zu viel Freiheit auch in die Katastrophe führen kann. Die Jungen sehen das naturgemäß ganz locker. In die heutige Zeit übertragen geht die Geschichte vom verlorenen Sohn vielleicht so:

Ein Ehepaar hat zwei Söhne. Der Ältere ar­beitet bereits im elterlichen Betrieb. Der Jüngere ist noch in Ausbildung. Bald nach

seinem 18. Geburtstag bricht er die Ausbildung ab. Er verlangt seinen Anteil am Erbe, lässt sich auszahlen und zieht zu zweifelhaften Freun­den in eine Wohngemeinschaft. Ihr Einfluss macht sich bald bemerkbar: Er übernimmt nur noch Gelegenheitsjobs. Ihn interessieren vor allem flotte Par­tys mit Alkohol, Drogen und schönen Mädchen. Doch nach einiger Zeit geht ihm das Geld aus. Er beginnt, mit Drogen zu handeln. Er wird von der Polizei aufge­griffen und muss längere Zeit ins Gefängnis. Was machen jetzt Vater und Mutter? Sie haben ja nicht vergessen, dass der Taugenichts sie vor Jahren als spießig und altmodisch belächelt hat. Die Verwandten und Freunde raten, sich von dem undankbaren Flegel loszusagen. Lasst euch das nicht bieten! Den braucht ihr doch nicht. Euer Betrieb ist beim älteren Sohn in besten Händen. Die Eltern beraten. Sie kommen zu dem Schluss: Wir brauchen unseren Jüngs­ten nicht, nein - aber vielleicht braucht er uns. Sie besuchen ihn im Gefängnis und reden mit ihm. Und tatsächlich zeigt sich der Sohn reumütig: Danke, dass ihr gekommen seid; ich habe alles falsch gemacht. Gebt mir bitte eine Chance. Die Eltern sagen: Du bist und bleibst unser Sohn. Als er entlassen wird, holen sie ihn ab. Sie gehen mit ihm heim, ohne auf die verächtlichen Blicke der Nachbarn zu achten. Daheim feiern sie das Wiedersehen und beraten mit ihm, wie es weitergehen kann.

Lb. Gl. Ja, und da ist auch noch der Andere. Der Musterknabe, der ganz und gar kein Verständnis aufbringen will für den Bruder, der aus dem Rahmen gefallen ist. Und zu guter Letzt sind dann auch noch wir. Zu welcher Gruppe gehören wir? Zu den Musterkindern oder zu den anderen? Ich denke, wir alle haben unsere Defizite und Schwächen. Wie gut, dass ein barmherziger Vater auf uns wartet mit offenen Armen, egal, was wir falsch gemacht haben.

In der heutigen Geschichte ruft Jesus alle Musterkinder und auch alle Eltern auf, vom barmherzigen Vater zu lernen: Türen offen zu halten. Dann können sie wieder heimkommen und ein neues sinnvolles Leben beginnen. Spät, aber doch. 

2019 Lj.C: 3. Fastensonntag  - Katastrophen - Umkehr

Dieses Evangelium ist hoch aktuell. Katastrophen und Anschläge gibt es auch bei uns – mehr, als uns lieb ist. Jesus erwähnt zwei Ereignisse, über die das ganze Volk entsetzt war. Pilatus hatte ein Blutbad angerichtet und – der Turm von Schiloach war eingestürzt und hatte 18 Menschen erschlagen. Die erste Reaktion: Warum? Warum passiert denn so was Schreckliches? Wer ist schuld? Die Frommen habe auch gleich die Antwort: Das kann nur Strafe Gottes sein für Menschen, die schwer gesündigt haben. Unser Gott also ein strafender Gott? Wirklich? Jesus wehrt sich massiv. Es ist nicht Strafe Gottes. Katastrophen gab es immer schon und wird es immer wieder geben. Und es trifft die Frommen ebenso wie die schweren Sünder. Jesus meint: Es ist falsch, irgendwelchen Menschen die Schuld zuzuschieben. Die anderen sind schuld oder gar der liebe Gott, der so streng ist und rachsüchtig. Nein, so nicht! Natürlich können Menschen schuld sein an schweren Katastrophen: Ein Pilatus z.B., der so brutal ist, Menschen, die ihr Opfer bringen, einfach abzuschlachten. Oder wieviel Elend haben ein Hitler und andere Kriegstreiber angerichtet! Jesus meint: All diese Katastrophen, ob Kriege oder Naturkatastrophen, sind für uns ein Signal, das uns aufwecken will: Schau, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Ein Signal, das uns aufruft, unser Leben immer wieder zu überdenken. Bin ich auf dem rechten Weg? Gibt es Dinge, die ich in Ordnung bringen soll? Wenn ja, dann ist Bekehrung angesagt. Jesus vergleicht sich mit einem Gärtner, der in seinem Weinberg einen Feigenbaum hat, der keine Früchte bringt. Das passt ihm ganz und gar nicht. Ein Baum ist doch eigentlich dazu da, Früchte zu tragen. Wenn ein Baum längere Zeit keine Früchte bringt, dann fragt sich jeder Gärtner: Soll ich ihn noch stehen lassen? Der belastet doch nur die anderen Bäume. Er nimmt ihnen Saft und Kraft. Jesus hat Geduld:

Lass ihn noch stehen! Ich will diesen Baum besonders pflegen, den Boden aufgraben und düngen. Irgendwann wird er Früchte bringen.

Lb. Gl. Es ist berührend, wie sich Jesus um jene Menschen kümmert, die nichts Gutes hervorbringen. Er will nicht den Tod des Sünders. Er will, dass er umkehrt und lebt. Der Seelsorger Jesus will zwar absolut, dass jeder Mensch Gutes hervorbringt. Und er verhilft ihm dazu. Er lockert den steinigen Boden, er lockert die verhärteten Herzen und verwöhnt sie mit gutem Dünger. Er will die Herzen bewegen, jedoch nicht mit Angst und Strafe, sondern mit Fürsorge und Geduld. Von dieser Pädagogik haben unzählige Seelsorger gelernt. Franz von Sales ist einer davon. Er hat es selber ausprobiert und empfiehlt allen Pädagogen, allen Eltern und Erziehern: Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Kübel Essig. 

2019 Lj.C: 1. Fastensonntag  -  «Ashes to go" »Asche zum Mitnehmen

Bild: «Ashes to go"  

Was es nicht alles gibt. Für die Leute, die keine Zeit haben, gibt es  Coffee to go, Kaffee zum Mitnehmen. Nicht nur das. Es gibt auch «Ashes to go" »Asche zum Mitnehmen«. So steht es auf einem Plakat am Eingang zur U-Bahn in New York. Am Aschermittwoch, am Beginn der Fastenzeit, ste­hen Priesterinnen und Priester der Episcopal Church, und halten eine Schale mit Asche in der Hand, um den Leuten ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. Ein­fach so im Vorbeigehen. Ein Service, der seit ein paar Jahren in einigen Städten der USA angeboten wird. Ein Dienst für jene, die keine Zeit haben für den Gottesdienst, aber dennoch die Fastenzeit gut beginnen wollen. Keine schlechte Idee im Zeitalter der Schnell-Imbisse, der Stehkaffees und der Fast-Food-Restaurants. Und wohl auch eine missionarische Chance, Leute zu erreichen, die sonst nie die Kirche von innen sehn.

Schön und gut. Aber die wichtigsten Dinge gibt es nicht im Vorbeilaufen. Fasten-Zeit. Ich denke, wir sollten jetzt das Wort Fasten-Zeit einfach einmal umdrehen: Zeit-Fasten. Das heißt: die kostbare Zeit nicht nur für sinnloses Zeug verprassen, sondern für das, was wirklich zählt. Für Dinge, die Ewigkeitswert besitzen. Das sind zuerst geistige Werte: Nächstenliebe, Treue, Geduld, Selbstbeherrschung, Zeit haben für andere und für Gott. Wenn wir vernünftig Zeit fasten, dann bleibt genügend Zeit für unsere Mitmenschen: für den Partner, für die Eltern und Großeltern und für die Kinder, auch für die Menschen in der Nachbarschaft und in meinem Betrieb. Es bleibt auch genügend Zeit mich selbst und für meine wichtigsten Beziehungen – auch für die Beziehung zu Gott.

Es braucht Zeit, mit Gott ins Gespräch zu kommen, sei es im persönlichen Gebet oder im Gottesdienst. "Keine Zeit", das ein

Problem unserer Zeit.

Das meint auch großartige Edith Stein. Die deutsche Philosophin jüdischer Herkunft hat sich taufen lassen. Vor ihrem Eintritt in das Kölner Karmelitinnenkloster war sie als Lehrerin im Kloster St. Magdalena in Speyer tätig. Sie rät allen gestressten Menschen, immer wieder kurz inne zu halten und vor dem Kreuz oder vor dem Tabernakel alle Sorgen auszuschütten! Viele von euch tun das schon längst. Ich freue mich, wenn ich immer wieder tagsüber Menschen in der Kirche sitzen sehe. Da gönnt sich jemand die Zeit, einfach da zu sein vor IHM, der auch da ist - unter der Gestalt des Brotes. Und wenn du nicht in die Kirche gehen kannst? Dann empfiehlt Edith Stein »eine Atempause im eigenen Zimmer.« Ein guter Tipp. Viel­leicht hast du schon eine Gebetsecke eingerichtet, einen Herrgottswinkel, der dich einlädt, vor einem Kreuz oder einem Bild still zu verweilen. Das tut einfach gut.

Lb. Gl. «Ashes to go": eine pfiffige Idee. Die beteiligten Geistlichen sagen: Da sind schon tiefe Gespräche oder sogar Beichten daraus entstanden. Großartig: Da begegnen Menschen Jesus, mitten auf Straßen und Plätzen. Sie begegnen mitten im Leben dem heilenden Gott. Asche zum Mitnahmen, schön und gut. Noch besser: Gott zum Mitnehmen. Das geschieht bei jedem Gottesdienst.

 

2019 Lj.C: 8. So.i.Jahr: Splitter und Balken im Auge

Unsere Ehen und Familien haben es heute nicht leicht. Ein Drittel bis die Hälfte aller Ehen wird geschieden. In manchen Beziehungen ist der Wurm drin. Gründe hierfür gibt es viele. Einen nennt Jesus im heutigen Evangelium: Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Das kleinliche Kritisieren und Nörgeln ist ein echter Liebestöter. Dieses Evangelium zeigt mir einmal mehr, was für ein Psychologe Jesus ist und wie zeitlos seine Lebensweisheiten sind. Psychologen haben sich eingehend damit befasst, welche Würmer es sind, die unsere Beziehungen kaputt machen können. Fachleute haben 4 Würmer gefunden,  4 sog. Liebestöter. Hast du gewusst, dass die gefährlichsten Liebestöter nicht die großen Be­ziehungs-Dramen sind, nicht die großen Ausrutscher, sondern die Ichsucht mit ihren täglichen Lieblosigkeiten und Gleichgültigkeiten.

Liebestöter Nr.1 ist die Gefühls-Kälte. Wer nicht gehalten, nicht an sich gedrückt, wer nicht mit Händen und Worten liebkost wird, geht seelisch mehr und mehr auf Distanz.

Liebestöter Nr.2: die Überheblichkeit, das Geringschätzen, den anderen lächerlich machen, womöglich noch vor fremden Leuten.

Liebestöter Nr.3: das Abschieben von Problemen. Anstatt ein Problem objektiv zu beurteilen und in Ruhe zu besprechen, schiebt man die Schuld auf den anderen: Du bist schuld.

Liebestöter Nr.4: das kleinliche Kritisieren und Nörgeln.

Und die überzogenen Erwartungen: Der andere muss perfekt sein, ich selber aber nicht. Der andere muss vollkommen sein, bildhübsch und intelligent. Ich? Bin es sowieso! Welcher Balken im Auge führt zu einer dermaßen schiefen Optik? Die anderen sollen, ich aber nicht.  So mancher schimpft lautstark über die Umweltverschmutzung und selber fährt er jeden Meter mit dem Auto. Er heizt die Wohnung auf 25 Grad und liegt mit nacktem Oberkörper gemütlich auf der Couch. Manche Eltern beklagen sich lautstark über Lehrpersonen und Kindergärtnerinnen, dass sie unfähig sind, Kinder zu erziehen. Dabei sind es oft genug die Eltern selbst, die es verabsäumen, ihren Kindern das 1x1 des richtigen Verhaltens beizubringen. Aber wir sollten Jesus nicht missverstehen. Kritik ist nicht grundsätzlich was Schlechtes, im Gegenteil! Es gibt auch die wohlwollende und aufbauende Kritik, die Brüderliche Zurechtweisung, wie sie Jesus selber empfiehlt. Die haben wir alle manchmal nötig. Sie hilft uns zum Wachsen und Reifen. Aber auf das Wie kommt es an. Der Ton macht die Musik.

Jesus will uns eine gesunde Optik beibringen, wenn er sagt: Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?

Eine alte Volksweisheit sagt dasselbe mit anderen Worten: Kehre zuerst vor deiner eigenen Tür.

Lb. Gl. Fachleute haben also 4 Würmer gefunden, die unsere Beziehungen gefährden oder gar kaputt machen können.  Es gibt Liebes-Beziehungen auch ohne Würmer, Gott sei Dank! Ich hoffe und wünsche, dass eure Beziehung eine solche ist. Solche Beziehungen sind gesund. Ausführliche Studien belegen: Liebende und tolerante Menschen leben im Durchschnitt sieben Jahre länger als ihre ich-süchtigen kratzbürstigen Zeitgenossen. 

2019 Lj.C: 7. So.i.Jahr: Feindesliebe

So, heute wird uns eine Nuss vorgelegt, die kaum zu knacken ist, die Feindesliebe: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. Unsere erste Reaktion: So blöd möchte ich sein, meinem Feind auch noch was Gutes zu tun. Genau das hat auch der chinesische Präsident Xi Jinping gemeint bei einer großen Handelkonferenz: Im Westen gibt es die Neigung, die rechte Wange hinzuhalten, wenn jemand auf die linke Wange geschlagen hat. In unserem Land - schlagen wir zurück. Nun, das ist der himmelweite Unterschied zwischen einem christlich und einem kommunistisch geprägten Land. Feindesliebe ist nicht normal. Feindesliebe ist nicht natürlich, sie ist über-natürlich. Ist sie dumm? Ganz im Gegenteil. Jesus verlangt keine Dummheiten von uns, sondern nur Dinge, die hilfreich und heilsam ist. Verzeihen ist gesund. Das bestätigen auch die Psychotherapeuten. Der Hass hat die Eigenschaft, sich immer weiter aufzuschaukeln. Die Feindes-Liebe ist die einzig wirksame Methode, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Der Hass ist ein schlimmes Krebsgeschwür. Er kostet immens viel Substanz. Wir bringen die Kränkung Tag und Nacht nicht aus dem Kopf. Wie kann ich es ihm heimzahlen? Diese Gedanken stören unsere Arbeit und zerstören unseren Schaf

Ich kann dich verstehen.

Da hat dir jemand Unrecht getan, oder Böses zugefügt.

Allmählich bist du kälter geworden und härter.

Du bist nicht mehr derselbe.

Du wunderst dich über dich selbst.

Du bist nicht mehr so freundlich,

nicht mehr so gelassen und gütig.

Deine Herzlichkeit ist umgeschlagen in Hartherzigkeit.

Deine Sympathie in Antipathie.

Und du leidest darunter. Du fühlst dich gefangen.

Die Rollläden sind herunter. Die Sonne bleibt draußen.

Das Leben wird schwer wie Blei.

Du hast Hassgefühle. Hass ist ein heimlicher Seelenfraß. Der Hassende straft sich selbst am meisten.

Der Schriftsteller Karl-Heinz Söhler bringt es auf den Punkt im folgenden Vers:

Wenn du dich ärgerst, denk daran:

Der Ärger ist ein blödes Vieh.

Er fängt am falschen Ende an;

er frisst nur dich,

den Anlass frisst er nie.

Im Tiefsten deines Herzens sehnst du dich nach Befreiung.

Ein guter Weg dorthin ist die Vergebung.

Vergib! Das kostet viel, ich weiß, aber es ist seinen Preis wert.

Und - wie oft sollst du vergeben? Jesus meint:

„siebzigmal siebenmal".

Denn genau so oft hast auch du Vergebung nötig.

Vergebung ist schwierig, aber heilsam und gesund.

Lb. Gl. Wenn man das bedenkt, muss man sagen: Feindesliebe ist die intelligenteste Lebensweisheit von allen. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. In diesem Punkt sind wir Christen gescheiter als die Chinesen. 

2019 Lj.C: 6. So.i.Jahr: Seligpreisungen (ohne Wehe)

Magna Charta

Hast du auch schon einmal gedacht: Mein Gott, wäre das schön, einmal eine Predigt von Jesus zu hören. Nun, gerade vorhin hast du die berühmteste von ihm gehört, die Bergpredig, die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen werden von Fachleuten als das Herzstück der Bibel bezeichnet, als Magna Charta der Christen. Schön und gut. Nur nützen uns die schönsten und gewaltigsten Worte nicht viel, wenn wir sie nicht verstehen. Sie klingen wirklich eigenartig. Selig, ihr Armen; selig die Hungernden; selig die Weinenden; selig die Verfolgten und Gehassten. Da denkt man im ersten Moment: Bitte Wie? Das kann doch nicht sein. Dieses Evangelium irritiert wie kaum ein anderes. Es wird auch missverstanden wie kaum ein anderes.

Diese Seligpreisungen müssen sich einige Vorwürfe gefallen lassen: Das ist Tagträumerei, Sozialromantik, Vertröstung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag, auf das Jenseits. Ja, so falsch kann man diese Worte einschätzen. Was wollen sie wirklich sagen?

Jesus will mit seinen Seligpreisungen letztlich nichts anderes, als den Armen und Geplagten jene Wertschätzung geben, die jedem Menschen zusteht. Damals hat man die Armen und Kranken verachtet. Man glaubte: Diese Menschen mag nicht einmal der liebe Gott. Also hat man auch nichts für sie getan. Plötzlich heißt es: Selig, ihr Armen. Selig! Ihr seid nicht von Gott verachtet und von Gott vergesse­n. Ihr seid vielmehr seine geliebten Kinder! Allerdings gibt es da noch einige Missverständnisse zu beseitigen. Selig, ihr Armen. Wer ist damit gemeint? Gemeint sind die wirklich Armen, nicht die faulen Schmarotzer. Die wirklich Armen haben denselben Wert wie die Reichen und die Schönen.

Ein weiteres Missverständnis. Selig, ihr Armen. Das heißt keineswegs, dass die Reichen nicht selig sind. Nicht selig sind nur jene Reichen, die nur für sich selber horten und kein Herz haben für Menschen in Not.  Und noch ein Missverständnis: Selig, ihr Armen? Heißt das, dass die Armut was Tolles ist und der Wohlstand hingegen was Verwerfliches? Nein! Nicht die Armut wird seliggepriesen, sondern die Ar­men! Nicht der Hunger wird gepriesen, sondern die Hungernden!

Das ist ein wesentlicher Unterschied! Weder Armut, noch Hunger, noch Trauer sind ein Idealzu­stand, den der Messias bejubelt. Armut ist niemals anzu­streben, Armut gilt es zu überwinden. Deshalb wird den Armen gesagt, dass ihnen das Reich Gottes gehört, dass sie Gottes geliebte Kinder sind. Das gibt ihnen Selbstwert, Selbstbewusstsein. Und dieses Selbstbewusstsein gibt den Armen und Leidtragenden Kraft und Mut, sodass sie auch ein wenig sich selber helfen können. Jetzt können sie selber einiges dazu beitragen, ihr Elend zu überwinden. Sie sind nicht dazu verdammt, die Hände in den Schoß zu legen und sich ihrem Schicksal zu überlassen. Andererseits ändert sich mit der Aufwertung der Armen auch die Einstellung der Reichen. Ihnen wird klar: Wenn sie den Armen helfen, so helfen sie Menschen, die in den Augen Gottes angesehen sind. Sie helfen nicht dem Abschaum, sondern den Lieblingen Gottes. Das ist ein starkes Motiv, Gutes zu tun.

Lb. Gl. Also gar nicht so dumm, diese Seligpreisungen. Immerhin haben sie ein weltweites soziales Empfingen und Handeln in Gang gebracht – bis auf den heutigen Tag. Die großartigen Ergebnisse bei verschiedenen Sammel-Aktionen sind ein sprechender Beweis dafür. 

Lb. Gl. Also gar nicht so dumm, diese Seligpreisungen. Immerhin haben sie ein weltweites soziales Empfingen und Handeln in Gang gebracht – bis auf den heutigen Tag. Die großartigen Ergebnisse bei verschiedenen Sammel-Aktionen sind ein sprechender Beweis dafür. 

2019 Lj.C: 5. So.i.Jahr: Das Netzwerk der Kirche

Ein Netz -  zusammengebundene Löcher (Siehe 2001)

Ein Urlauber schaut einem Fischer zu, der gerade dabei ist, sei­ne Netze zu flicken. Er spricht ihn an: ,,So ein Netz zu machen, muss ganz schön schwierig sein!?" - ,,Nein" - sagt der Fischer. Das ist es nicht. ,, Man nimmt einfach ein paar Löcher und bin­det sie zusammen". Na ja! Aber mit diesen zusammengebundenen Löchern kann man offenbar doch einiges machen: Man kann Fische da­mit fangen, und zwar eine Menge, wie uns das heutige Evange­lium erzählt. Man kann Menschen damit auffangen: Tänzer, die vom Seil stürzen, oder Rennläufer, die aus der Piste fliegen.

Nach dem wunderbaren Fischfang sagt Jesus zu Petrus: Von nun an wirst du Menschen fangen. Jesus schlägt eine direkte Brücke vom Fischerberuf zum Apostel. Der Fischerberuf hat verblüffend viele Ähnlichkeiten mit dem Beruf des Apostels. In beiden Berufen ist das Hauptwerkzeug ein Netz. Und dieses Netz ist nichts anderes als zusammengebundene Löcher. Ja, es ist tatsächlich so:

Auch das Netz der Kirche besteht aus lauter zusammengebun­den Löchern. Im Vergleich zum Meister sind alle seine Jünger, die Päpste, Bischöfe und Pfarrer und wir alle nur Schwächlinge und Nichtskönner, Löcher und Nullen. Das meint auch Jesus, wenn er sagt: Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen. Der große Paulus nennt sich selbst eine Missgeburt. Die Apostel und alle ihre Nachfol­ger sind nichts als schwache sündige Menschen. Aber - So wie beim Fischernetz können die vielen zusammengebundenen Lö­cher und Nullen doch manches bewirken. Unzählige Nullen werden zur astronomischen Zahl, wenn ein Einser davor steht. Dieser Einser ist der Herr. Unzählige Löcher werden zur Großmacht, wenn einer sie zusammennäht zu einem Netz. Die Kirche ist ein großes Netzwerk. Wenn man in die 2000 jährige Kirchengeschichte zurückschaut: Wie viele Menschen sind durch dieses Netzwerk schon aufgefangen und geheilt worden,  gerettet worden vor dem leiblichen und seelischen Unter­gang. Und was haben diese Nullen in der Kirche herausgefischt aus dem großen Meer der Frohbotschaft: Wie viel Hoffnung, wie viel Lebensfreude, wie viel Lebensweisheit und Lebenssinn, wie viel Kraft und Mut, um schwierige Lebenskrisen ertragen und meistern zu können. Und wenn es heute ein so aus­gedehntes soziales Sicherheitsnetz gibt, wo Arme, Schwache und Behinderte aufgehoben sind, so muss man doch erwähnen, dass die Grundidee des sozialen Denkens und Handelns von Je­sus und seiner Kirche kommt. Darauf dürfen wir Christen durchaus ein wenig stolz sein. Auch wenn es immer wieder Fehler und Skandale in der Kirche gegeben hat und gibt, das Positive überwiegt um ein Vielfaches.

Lb. Gl. Eine Legende erzählt folgendes: Als Jesus zum Himmel aufgefahren war, fragten ihn die Engel: wie soll es jetzt mit deinem Reich auf der Erde weitergehen? Er antwortete ,,Ich ha­be meine Jünger auf Erden". Aber die Engel sahen, wie erbärmlich und schwach die Jünger waren, und fragten erschro­cken: ,,Herr, hast du denn wirklich keinen anderen, keinen bes­seren Plan?" Da entgegnete Jesus: ,,Nein - einen anderen Plan habe ich nicht." 

2019 Lj.C: 4. So.i.Jahr: Kein Prophet wird anerkannt

in seiner Heimat.

Das Evangelium liefert uns heute das Drehbuch zu einem spannenden Krimi. Nazareth ist der Tatort. Man will einen lästigen Bürger aus der Welt schaffen. Beflecken will man sich nicht mit seinem Blut. Besser, man stürzt ihn von einem Felsen hinab.

Dieser Bürger ist ja nicht irgendwer. Er ist ein Prophet, der von Gott gesandte Messias, der Sohn Gottes. Was ist der Grund für einen derartigen Stimmungswandel? Zuerst sind sie ja voll begeistert von ihm, wie begnadet er zu reden weiß. Als er dann aber beginnt, ihnen klarzumachen, wer er wirklich ist, nämlich der Messias; und dass mit ihm eine Heilszeit beginnt, besonders für die Armen, die Kranken und die Sünder, da fangen sie an zu tuscheln: Wie will er das machen? Wer ist er schon? Der Sohn des Zimmermanns! Sie wollen Beweise sehn. Ein Wunder wäre nicht schlecht, wie er sie schon mehrfach gewirkt hat. Weiß Gott wo! Nur nicht bei uns. Diesem Wunsch erteilt Jesus eine klare Abfuhr. Wer immer ein Wunder fordert für seinen Glauben, der braucht es gar nicht erst probieren. Jesus bemerkt, wie die erste Begeisterung seiner Landleute in Hass umschlägt. Jesus kann nur noch wehmütig feststellen. Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Ihre Wut schaukelt sich dermaßen hoch, dass sie nicht einmal vor einem Mord zurückschrecken. Aber, der ist noch viel zu früh. Jesus hat doch gerade erst angefangen mit seiner Mission. Noch spielt er nicht mit. Drei Jahre später lässt er den Mord geschehen. Jetzt noch nicht. Mit göttlicher Autorität schreitet er durch die zornige Meute und geht weg. Keiner wagt es, ihn anzurühren. Das grenzt an ein Wunder. Also doch ein Wunder in seiner Stadt, wenn auch sehr sehr unerwünscht. Was für eine Tragik. Da haben sie einen solchen Sohn in ihrer Stadt, Gottes Sohn, und sie wollen ihn nicht.

Lb. Gl. Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Dieses Wort ist zu einem berühmten Sprichwort geworden. Es bewahrheitet sich bis auf den heutigen Tag. Wie viele berühmte Söhne und Töchter erleiden dasselbe Schicksal. Dieses verdammte Vorurteil! Das Vorurteil hat nicht nur Propheten zum Auswandern gezwungen sondern auch unzählige Künstler und Wissenschaftler. Der Prophet gilt nichts in seiner Heimat. Das Vorurteil vertreibt die besten Talente oder macht sie kaputt. Wie viele Talente und Chancen werden bereits im Keim erstickt, im Kindesalter schon durch tödliche Kommentare: Das kannst du nicht, du bist zu dumm. Das ist nichts für dich.

Tauschen wir einmal unser Vorurteil mit einer Portion Vertrauensvorschuss - und ich garantiere: Wir werden Wunder erleben. Es ist erstaunlich, was Menschen zustande bringen, wenn sie in einer positiven Atmosphäre aufwachsen, wo positive Lehrer und Chefs, wo positive Eltern und Geschwister an ihrer Seite sind, die ihnen was zutrauen, die sie aufbauen und ihnen Mut machen: Das schaffst du! Du hast das Zeug dazu! Probier's einfach! Es ist brutal, aber wahr: Es liegt auch in unserer Hand, ob ein Mensch zum Könner wird oder zum Versager. 

Lb. Gl. Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Dieses Sprichwort darf sich meinetwegen überall bewahrheiten, nur nicht hier in Lienz und Umgebung. 

2019 Lj.C: 3. So.i.Jahr: Gnadenjahr

Ich bin gekommen, ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Was meint er damit? Das erklärt er selbst: Die Armen bekommen eine gute Nachricht. Jetzt ist einer da, der sie ernst nimmt, der sie liebt und der ihnen hilft in ihrer Not. Das ist ganz neu. Damals wurden die Armen und Kranken verachtet. Man dachte: Diese Menschen mag nicht einmal der liebe Gott. Gefangene werden in Freiheit gesetzt. Nicht nur jene, die im Gefängnis sitzen. Auch jene, die gefangen sind in ungerechten Verhältnissen. Die gefangen sind im Kerker schwerer Schuld, im Kerker ihrer Ich-Sucht. Das gierige Ego ist der schlimmste von allen Tyrannen. Gefangene werden frei. Blinde bekommen das Augenlicht. Nicht nur die Gesundheit des Augapfels. Sie werden auch geheilt von der Blindheit des Herzens, sodass sich ihr Blickwinkel weitet, über den eigenen Tellerrand hinaus. Sodass man auch den anderen sieht, das, was ihn freut und das, was ihn bedrück. Blinde können wieder sehen. Die Leute in der Synagoge starren ihn an. Ist das aber spannend – aber unglaubwürdig zugleich. Wie will er das machen? Er ist ja nur der Sohn eines Zimmermanns, weiter nichts, so tuscheln sie hinter seinem Rücken. So wird die schönste Freudenbotschaft von Missgünstlingen gleich wieder zerpflückt und mies gemacht.

Lb. Gl. Ich bin gekommen, ein Gnadenjahr auszurufen. Das ist schön, wird Mancher denken. Schön für die Armen, für die Blinden und Kranken von damals. Damals hat es alle 50 Jahre ein Gnadenjahr gegeben. Da wurden alle Schulden erlassen, Haus- und Grundbesitz mussten zurückgegeben werden. wer in Sklaverei geraten war, konnte zu seiner Familie zurück. Schön! Aber was ist mit uns? Kriegen auch wir ein Gnadenjahr? Hast du schon ein Gnadenjahr erlebt? Gewiss. Es sind Jahre, in denen wir die Nähe und Hilfe Gottes besonders intensiv erfahren. Ich denke: Die Erstkommunion-Kinder erleben ein Gnadenjahr. Ein ganzes Jahr lang bereiten sie sich vor und freuen sich, Jesus zum ersten Mal ganz hautnah spüren zu dürfen in der hl. Kommunion. Bei den Firmlingen ist es ebenso. Ein Gnadenjahr verkosten dürfen auch jene, die eine Hochzeit feiern, oder die ein Kind taufen lassen. Ein Gnadenjahr gibt es auch für jene, die sich in schwere Schuld verstrickt und sich versöhnt haben. Sich versöhnt mit einem schwierigen Menschen und versöhnt mit Gott - in einer guten Beichte. Ein Gnadenjahr haben auch jene erlebt, die nach schwerer Krankheit wieder geheilt worden sind.

Lb. Gl. Jedem von uns schenkt Gott ein Gnadenjahr, wenn er glauben und vertrauen kann. Und das Schöne daran: dass das Gnadenjahr, das Jesus schenkt, nicht nur eines ist in 50 Jahren. Wer mit Gott in herzlicher Beziehung lebt, für den ist jedes Jahr ein Gnadenjahr. Jeder Tag und jede Stunde eine Gnadenzeit.

2019 Lj.C: 2. So.i.Jahr: Hochzeit zu Kana – leere Krüge

Die Meisten von euch werden verheiratet sein. Dann werdet ihr mitfühlen können, was das heißt: Die Krüge sind leer. Was für ein Schock für den Bräutigam! Die Gäste haben nichts mehr zu trinken. Da schlägt die tollste Hochzeitsstimmung um mit einem Schlag. Die Gäste zerreißen sich das Maul: Was ist das für ein Bräutigam? Ein Geizhals! Leere Krüge? Hat die Hochzeit zu lange gedauert? Eine Woche. Das ist verdammt lange.

Leere Krüge. Ein Schock – auch heute, allerdings nicht bei der Hochzeit selbst, sondern für die Zeit danach. Ein Drittel bis die Hälfte aller Ehen wird geschieden. Der Hauptgrund: leere Krüge. Dauert die Beziehung zu lange? Kann schon sein. Muss aber nicht. Es gibt diamantene Jubelpaare, die nach 60 Jahren noch verliebt sind bis über die Ohren. So Mancher denkt wehmütig: Wie hoffnungsvoll bin ich in die Partnerschaft aufgebrochen, betrunken vor Liebe, voll Zuneigung und Zärtlichkeit. Liebes-Wein war da in Hülle und Fülle. Und auf einmal - leere Krüge, nichts mehr da. Man hat sich nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu geben. Statt guter Gespräche, eisiges Schweigen. Statt herzlicher Nähe, kalte Distanz. Die Krüge sind leer. Wie gibt es denn so was? Wer ist schuld? Fragen über Fragen. Ratlosigkeit an allen Ecken. Wenn wir ratlos sind, sollten wir auf den schauen, der weiß, wie es geht, unser Zusammenleben.

Was macht Jesus, als man ihm sagt: Sie haben keinen Wein mehr? Er bleibt gelassen. Er ist Realist. Er weiß: Eine Krise kann schon passieren. Da muss einer nicht ein Geizhals sein oder gar ein Bösewicht. Jesus sagt einfach: »Füllt die Krüge mit Wasser.«

In diesem Satz allein steckt schon eine Menge Lebensweisheit: »Füllt die Krüge mit Wasser.«  Unser Zusammenleben kann nicht immer nur nach Hochzeitstorte schmecken und nach süßem Wein.

Es wird viel öfter wie hartes Schwarzbrot sein und abgestandenes Wasser. Das ist ganz normal. Die Ursache vieler Krisen ist oftmals eine überzogene Erwartung: Der Partner muss vollkommen sein, tüchtig und schön. »Füllt die Krüge mit Was­ser.«

Jesus zeigt, dass man auch mit dem Alltagswasser des Lebens noch sehr viel anfangen kann, mit seiner Hilfe. Füllt die Krüge mit Was­ser! Bring deinen kümmerlichen Rest an Liebe. Bring einen Tropfen guten Willen, einander zu verstehen und füreinander da zu sein. Gib Anstand und Respekt, Fürsorge und Treue in den Krug. Bring die gewöhnliche Pflicht und Schuldigkeit, die alltäglichen kleinen Mühen. Fülle den Krug mit dem Rinnsal deiner Arbeit. Bring deinen Mangel, das Scheitern, den Ärger und den Frust. Im Krug ist auch Platz für die Tränen über das Gewesene und über das, was jetzt nicht mehr geht.

Lb. Gl. Lb. Ehepaare. Liebe Freunde in einer engen Beziehung. Das heutige Evangelium will uns Mut machen. Leere Krüge müssen noch lange nicht das Ende einer Beziehung sein. Jesus hat eine Schwäche, besonders für alle Liebenden, weil die Liebe das Größte und Heiligest ist, was es gibt. Er kann uns helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das ist oft schon die halbe Therapie. Er kann uns helfen, überzogene Erwartungen zu mäßigen. Er kann heilen, was verwundet ist. Gemeinsam mit Jesus sind Wunder nicht ausgeschlossen, auch heute nicht. Hier und da wandelt Jesus auch heute langweiliges Wasser in köstlichen Wein.

2019 Lj.C: Taufe Jesu

Ist dir aufgefallen? Die Taufe Jesu, die der Evangelist Lukas erzählt, ist haargenau auch deine Taufe.

1. Das gleiche Element. Wasser bei der Taufe Jesu, Wasser auch bei deiner Taufe.

2. Der Hl. Geist. Er kommt auf Jesus herab und auf dich. Bei Jesus in Gestalt einer Taube. Bei dir in Gestalt von Feuer - wie die Feuerzungen am Pfingstfest. Symbol für dieses Feuer ist die brennende Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird.

3. Die gleiche Zusage des Himmlischen Vaters: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich Gefallen. Diese Gleichheit mit Jesus, ist das nicht wunderschön? Jetzt kommt es darauf an, diese Ähnlichkeit mit Jesus auch zu pflegen, ein ganzes Leben lang. Schwierig, ich weiß. Genauso wie Jesus werden wir nie. Diese Latte liegt zu hoch für uns. Macht nichts. Ähnlich werden heißt ja nicht haargenau gleich. Ähnlich werden wie Jesus, das ist der Auftrag jedes getauften Christen. Um das zu schaffen, sollten wir von Zeit zu Zeit fragen: Jesu, was willst du, dass ich tun soll? Jesus, wie würdest du in dieser wichtigen Situation entscheiden und handeln? Wir sollten auch daran denken: Ich wurde mit Hl. Geist und mit Feuer getauft. Wie schaut es aus mit dem Feuer der Begeisterung für Jesus? Ist die Flamme des kindlichen Glaubens gleich geblieben wie bei deiner Erstkommunion? Ist sie größer geworden oder kleiner? Ist sie womöglich erloschen? Das kann nicht sein. Sonst wärst du jetzt nicht hier. Dass unsere Begeisterung für Jesus nicht immer ein Höhenflug ist, das ist im Grunde ganz normal. Das schaffen nur die großen Heiligen und auch die nicht immer. Bei uns wird es immer wieder ein Auf und Ab geben, manchmal sogar längere Durchhänger. Wer dennoch in Verbindung mit Jesus bleibt, indem er an ihn denkt und zu ihm betet, der wird sich immer wieder aufrappeln. Jesus gibt dazu die Kraft. Das hat er zugesagt: Ich bin gekommen, zu suchen, zu suchen und zu retten. Jesus macht es wie gute Eltern.

Die lassen ihr Kind ja auch nicht fallen, auch dann nicht, wenn es einmal auf schiefe Bahn geraten ist. Wenn der Himmlische Vater uns bei der Taufe sagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, dann steht er zu seinem Wort, dein ganzes Leben lang. Da kannst du sicher sein.

Lb. Gl. Du bist mein geliebtes Kind. Weißt du, was das heißt? Gott will mich, ohne Wenn und Aber, auch mit meinen Fehlern und Macken. Gott gibt mir Ansehen und Würde. Ich bin ein Gottes-Kind. Größeres gibt es nicht. Gott denkt groß von mir, auch wenn ich keine religiösen Großtaten vollbringe. Darin übertrifft der liebe Gott so manche leiblichen Eltern, die oft viel zu klein denken von ihren Kindern, wenn sie nämlich zu wenig leisten. Der liebe Gott denkt auch um Welten größer von seinen Kindern als jene Eltern, die ihre Kinder jeden Tag spüren lassen: Du bist unerwünscht. Für Gott gibt es keine unerwünschten Kinder. Dieses wunderbare Vaterbild Gottes könnte allen Eltern als Spiegel dienen.

Lb. Gl. Du bist mein geliebtes Kind, sagte Gott bei deiner Taufe. Er geht mit dir – durch alle Höhen und Tiefen, bis an die Himmelstür und weiter in die Ewigkeit. 

2019 Lj.C: Dreikönig „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!"

1. Lesung

Mein Gott, ist das romantisch: die vielen Sterne in der Advents- und Weihnachtszeit. Sterne überall: in den Häusern, in den Geschäften, sogar in den Straßen und Gassen. Warum sind ausgerechnet die Sterne so beliebt? Es gibt 1000 andere Beleuchtungskörper und 1000 andere Dekorations-Möglichkeiten.

Sterne haben seit Urzeiten die Menschen fasziniert. Viele Völker sahen Götter darin, huldigten ihnen und lasen aus ihnen ihr Schicksal. Für die Seefahrer sind sie wichtige Wegweiser, auch heute noch. Sterne sind auch Bilder für die Sehnsucht des Menschen nach einem lichtvollen Leben. Seit jeher suchen die Menschen nach einem Stern, der die Dunkelheit ihres Lebens erhellt. Und zu allen Zeiten gibt es die Lust der Wissenschafter, die Sterne zu erforschen. Die Sterne, ein beliebtes Thema auch in der darstellenden Kunst, sogar in den Schlagern, aber auch in der ernsten Musik. In der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven heißt es: „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!"

Wie Recht er doch hat, der gute Beethoven und derjenige, der das Libretto schrieb. Wir Christen sehen keine Götter in den Sternen, wohl aber über den Sternen, Den, der das gewaltige All erschaffen hat. Der Prophet Jesaja sieht in einer Vision diesen aufgehenden göttlichen Stern: Auf, werde licht, Jerusalem! Denn es kommt dein Licht. Die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. Was für eine Botschaft für die Leute von Jerusalem. Sie haben Dunkelheit genug erlebt. Sie hatten ihren Gott vernachlässigt und vergessen und schließlich ganz verloren. Dann brach Finsternis über sie herein. Fremde Völker haben sie besiegt und sie als Sklaven verschleppt. Und zu schlechter Letzt wird dann noch die ganze Stadt dem Erdboden gleich gemacht mit samt dem Tempel. Das war eine rabenschwarze Nacht für Jerusalem und das ganze Volk. Jesaja verkündet Hoffnung und Trost. Nach einer langen Durststrecke, nach einer langen Dunkelheit verkündet der Prophet die Rückkehr Gottes nach Jerusalem. Gott will wieder bei den Menschen sein und schenkt neue Hoffnung - ihnen und der ganzen Menschheit. Weil dieses Licht viel heller ist als der hellste Stern, werden Menschen aufmerksam. Die Völker der ganzen Welt werden in seinen Bann gezogen. Das heutige Evangelium erzählt von der ersten Wallfahrt zu diesem Licht. Sterndeuter aus dem fernen Osten haben dieses besondere Licht entdeckt und sind ihm nachgereist. Seither ist die Wallfahrt hin zu Jesus nicht mehr abgebrochen. Tausende pilgern jedes Jahr zu den Heiligen Städten, hin zu Jesus. Tausende pilgern jeden Sonntag in die Kirche, hin zu Jesus. Es treibt sie die Sehnsucht nach dem Licht.

Gottesferne bedeutet Dunkelheit und Nacht. Dunkelheit ist ganz schwer zu ertragen. Wir wehren uns dagegen mit allen möglichen Mitteln. Jede Kerze, die wir entzünden, ist ein stiller Protest gegen die Dunkelheit, gegen die Gottesferne. Jede Kerze lädt uns ein zur Stille, zur Meditation und zum Gebet, zur Nähe Gottes.

Lb. Gl. Die Trostworte des Propheten sind auch uns gesagt: Auf, werde licht, Stadt Lienz und Umgebung! Denn es kommt dein Licht. Die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir. Diese Freudenbotschaft hat Beethoven in eine ganze Symphonie verpackt, wo es heißt: „Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen!" Kommt, lasst uns staunen und anbeten.

2019 Lj.C: Neujahr – Glückwünsche

Auf der ganzen Welt wünscht man sich Glück zum Neuen Jahr. Das muss doch helfen, vor allem, wenn dann noch jede Menge Glücksbringer aufmarschieren: Hufeisen, Glückspilze, Kaminkehrer, Bleigießer und Wahrsager. Warum gibt es dennoch so viele Menschen, die ganz und gar nicht glücklich sind? Haben die Wiener Schrammeln Recht mit ihrem Lied:

„Das Glück is a Vogerl,
gar liab, aber scheu,
es lasst si schwer fangen,
aber fortg'flogn is glei.

Glücksforscher sind der Sache nachgegangen und haben herausgefunden: Ein großer Teil unseres Glücks ist von unseren Genen abhängig. Unsere Eltern haben uns eine Gemüts-Struktur vererbt, die uns mehr oder weniger glücklich werden lässt. Der eine ist von Natur aus ein positiver, sonniger Typ, der sich die gute Laune nicht verderben lässt, auch wenn das Leben es nicht immer gut mit ihm meint. Und dann gibt es den pessimistischen, schwermütigen Menschen, die nicht einmal die glücklichen Stunden richtig genießen kann. Er findet überall ein Haar in der Suppe. Aber, es wäre fatal zu meinen: Wenn ich glücklich oder unglücklich bin, daran sind allein die Eltern und die Gene schuld.

Die Gene allein machen es nicht. Der Volksmund hat schon Recht, wenn er sagt: Jeder ist selbst seines Glückes Schmied.

Das heißt: Wir haben das Glück zu einem guten Teil selbst in der Hand.

Positiv denkende und dankbare Menschen sind glücklicher. Sie haben auch einen gesunden Sinn für die Wirklichkeit: Sie wis­sen, dass das Leben Höhen und Tie­fen bereithält und finden sich damit ab. Ein besonderer Glücksfaktor ist die Liebe, sie hilft, Schick­salsschläge zu überwinden, und stärkt nachweislich das Immunsystem. Partnerschaften, Familie und Freun­de zählen zu den wesentlichen Funda­menten des Glücks.

Gute Beziehun­gen machen unser Leben lebens-wert.

Genauso kann eine sinnvolle Auf­gabe sehr viel Lebensfreude schenken. Und: wer sich sozial engagiert, ist glückli­cher, sagen Studien. Also: Gemeinschaft pflegen ist ein großer Garant, um glücklich zu sein. Liebesdienste schütten Glückshormone aus. Helfen macht Freude, das bestätigen die Ehrenamtlichen immer wieder. Das Gegenstück dazu: der Egoismus und die daraus folgende Einsamkeit, das sind ausgesprochene Glücks-Töter,  und sie schaden auch der Gesundheit.

Der Na­turwissenschafter  Prof. Ludwig behauptet: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Einsamkeit ist so schädlich wie 15 Zigaretten am Tag. Gebraucht zu sein, geliebt zu werden, das löst eine Ausgegli­chenheit aus, die nach­weislich den Blutdruck senkt."

Hast du gewusst? Glück kann man trainieren

Es liegt in der eigenen Verantwortung, was man denkt und worüber man sich aufregt - oder eben nicht. Die Gehirnforschung bestätigt, dass wir Gefühlszentren im Gehirn trainieren können wie einen Muskel. Beschäftigen wir uns mit guten Gefühlen, wachsen automatisch die entsprechenden Zonen im Gehirn und hemmen die negativen Gefühle. Ein Weisheits-Spruch sagt: Es geht im Leben nicht darum, immer gute Karten zu haben, sondern auch mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen. Und die Schriftstellerin Maria Ebner-Eschenbach meint treffend: Sich glücklich zu fühlen auch ohne Glück – das ist Glück.

Lb. Gl. Die besten Glücksbringer sind herzliche Beziehungen: zum Partner, zu den Kindern, zu guten Freunden und nicht zu vergessen zu den Himmlischen Wesen, zu den Engeln und Heiligen und zu einem liebenden Gott. Diese Beziehungen geben Wärme, Geborgenheit, Wegweisung und Schutz.

Selbst wenn alle dich verlassen, einer bleibt dir immer, Er, der versprochen hat: Ich bin bei dir alle Tage – bis zum Ende deiner Zeit.

2018 Lj.C: Hl. Familie – Treue

Das Fest der Hl. Familie ist ein guter Anlass, über unsere Familien nachzudenken. Wie geht es unseren Familien? Die Statistik ist

eher ernüchternd. In den großen Städten wird beinahe jede zweite Ehe geschieden. Wie gibt es denn so was? Familienberater zerbrechen sich den Kopf. Ich auch. Es mag viele Gründe geben. Der Zeitgeist ist sicher nicht hilfreich für unsere Ehen und Familien. Die Werbung redet uns tagtäglich ein: Wir müssen das Leben genießen mit allem Drum und Dran. Dieses Denken züchtet einen Egoismus, der blankes Gift ist für eine Beziehung. Der Egoist tanzt nur um sein gieriges Ego. Nimmt sich alles, was ihn gelüstet. Der Egoist verliert jedes Einfühlungsvermögen. Er fragt kaum noch: Wie geht es meinem Partner, meinen Kindern? Was kann ich für sie tun. Er fragt fast immer nur: Was tut mir gut?

Eine Tugend scheint es heute besonders schwer zu haben: Die Tugend der Treue. Es gibt jede Menge Umfragen zum Thema Treue. Die Ergebnisse sind widersprüchlich. Einerseits ist da der Egoismus, der total frei sein will, der sich alles nehmen will, auch so manches Liebes-Abenteuer.

Andererseits erwar­ten Menschen, die jungen ebenso wie die alten, sie erwarten sehr wohl Treue von ihrem Freund, von ihrer Freundin, von ihrem Ehepartner, von Menschen, die ihnen wichtig sind. Selbstverständlich erwartet ein Junge, der mit einem Mäd­chen »geht«, dass sein Mäd­chen nicht »fremdgeht«. Also: Die Erwartung von Treue ist durchaus hoch. Der  Mensch hat offenbar eine un­ausrottbare Sehnsucht nach dauerhaften und verlässlichen Beziehungen. Aber - die Treue kostet einen hohen Preis: Rücksicht, Feingefühl, Einschränkung und Verzicht – dem anderen zuliebe. Diesen Preis hat jeder zu leisten, der Andere, ich aber auch. Und da liegt der Hund begraben. Der Egoist kann bei diesem Anspruch nicht mithalten. Er fordert mehr als er selber geben will. Dann kommt die Beziehung in eine Schieflage, die man auf Dauer kaum durchhalten kann. Einer ist da immer der Dumme.

Treue, die im Grunde jeder schätzt, die muss gelernt und geübt werden. Treue ist zunächst einmal Arbeit. Ich arbeite dar­an, dass in einer Beziehung ein Klima des Vertrauens entsteht. Ich bemühe mich um ein korrektes Verhalten im Umgang mit anderen Personen, sodass mein Freund, mein Partner nicht zweifeln muss an meiner Treue. Vertrauen schafft einen Raum der Sicherheit, wo ich leben kann - ohne Angst, betrogen zu werden. Treu sein heißt, ich gebe dem Menschen, den ich liebe, ein Stück Hei­mat, ein Stück Sicherheit, so dass er wachsen und sich entfalten kann.

Lb. Gl. Manche Partner bedauern wehmütig, dass der Zauber der ersten Jahre verflogen ist. Sie fragen dann: Wenn ich mich jeden Tag um meinen Partner kümmere und um meine Kinder, wenn ich schaue, dass es ihnen gut geht – aber keine Verliebtheit mehr verspüre - ist das noch Liebe? Nun, es ist Treue. Und die Treue ist nicht die schlechteste Form der Liebe. Sie ist das Band, das imstande ist, auch angeschlagene Beziehungen über eine Krise zu retten. Ehepartner haben bei der Hochzeit Liebe und Treue gelobt. Treue ist also keineswegs nur eine Fleißaufgabe, die ich machen kann oder auch nicht. Exupery  bringt es auf den Punkt: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. 

2018 Lj.C: Märtyrer Stephanus

Weißt du, was junge Menschen am meisten hassen? Wenn sie ungerecht behandelt werden, etwa von einem Lehrer, vom Vater oder von der Mutter. Da werden sie fuchsteufels wild. Das legt sich im Lauf des Lebens, weil sie erfahren, dass es im späteren Leben noch viel mehr Ungerechtigkeit gibt. Menschen werden ungerecht, wenn sie kein Einfühlungsvermögen haben. Egoisten, die nur im das eigene Ego tanzen und sich alle Vorteile verschaffen. Diese Leute werden immer wieder ungerecht. Sie können sogar über Leichen gehen. Nicht einmal der beste Richter kann volle Gerechtigkeit garantieren. Ein raffinierter Rechtsanwalt kann den Sachverhalt immer so drehen, so, dass ein Rechtsbrecher noch glimpflich davon kommt und der Geschädigte dann der Dumme ist.

So einen Dummen feiern wir heute, den hl. Stephanus, den ersten Märtyrer der Kirche.

Das Gericht ist normalerweise der Ort, wo Streitigkeiten in geordneten Verhältnissen ausgetragen werden und wo Recht gesprochen wird. Am Gericht spielen auch Zeugen eine wichtige Rolle. Sie helfen, Umstände zu klären und Beweise zu liefern. In der Regel sind zwei Zeugen nötig; denn einer irrt eher als zwei. Am Beispiel des Stephanus wird jedoch deutlich, dass auch eine ganze Horde von sogenannten Zeugen irren und ein falsches Zeugnis ablegen kann. Hier geht es nicht mehr um Wahrheit. Hier übernimmt der Hass das Regiment - gegen einen scheinbar Abtrünnigen. Statt das Urteil des Hohen Rates abzuwarten, erheben sich die Zeugen selbst zum Richter. Hier herrscht nicht Gerechtigkeit, sondern das Faustrecht. Stephanus wird zu Tode gesteinigt.

Dieser zornigen Meute steht Stephanus gegenüber, der sich ebenfalls als Zeuge versteht. Er redet als Zeuge für Jesus Christus. Stephanus verkündet mutig vor der zornigen Meute: Jesus ist unser Retter und Erlöser.

Er hat sein Leben hingegeben für die Sünden der Welt. Er ist gestorben, damit wir leben, ewig leben.

Stephanus steht scheinbar allein vor seinen Anklägern. In Wirklichkeit ist er nicht allein. Er weiß genau: Jesus steht zu mir. Mit Gott an seiner Seite nimmt er schließlich mutig das Martyrium auf sich. Er betet noch für seine Mörder: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. Stephanus verdient unsere ganze Hochachtung. Stephanus wird zum Vorbild für all jene, die selber in Bedrängnis geraten sind.

Lb. Kinder, lb. Jugendliche, lb. Schw. und Brüder. Es ist gut, wenn wir uns für Gerechtigkeit einsetzen. Aber bei aller Mühe wird es uns nicht gelingen, Ungerechtigkeit gänzlich aus der Welt schaffen. Da bleibt einem oft nichts anderes, als sich damit abzufinden und sich zu sagen: Jetzt erst recht. Die anderen sollen machen, was sie wollen. Ich gehe den geraden Weg. Das Beispiel des hl. Stephanus kann uns trösten. Er sieht den Himmel offen. Das ist sein Trost: Volle Gerechtigkeit bekomme ich erst drüben, und zwar vom Richter der Welt, von dem, an den ich geglaubt und für den ich gelebt habe. Und was unsere Feinde betrifft, da können wir nichts Besseres tun, als für sie zu beten: Herr, rechne ihnen diese Sünden nicht an. 

2018 Lj.C: Weihnachten – Krippe im Herzen

(Bild: Krippe). Hast du auch vor Weihnachten die Krippe aus dem Versteck geholt? Oder gar eine neue gebastelt? Mit allem Drum und Dran? Mit Josef und Maria und dem Jesuskind? Mit Ochs und Esel und Schafen, mit Hirten und Engeln? Gute Idee, das Ereignis der Geburt Jesu so anschaulich darzustellen. Diese Idee hatte übrigens unser Ordensvater Franziskus als erster. Der hat es ja ganz dramatisch gemacht in einer Waldhütte bei Greccio. Da hat er die Christmette gefeiert mit lebendigen Hirten und Schafen, sogar mit einem Vater und einer Mutter und mit einem kleinen Säugling. So was geht schon unter die Haut. Genau das ist der Sinn: Die Geburt Jesu soll unter die Haut gehen. Angelus Silesius bringt es auf den Punkt, worauf es an Weihnachten ankommt: Und wäre Jesus 1000-mal in Betlehem geboren und nicht in dir, du wärest ewiglich verloren. Auch die teuerste Krippe nützt dir nichts, wenn sie dich nicht zum Wesentlichen führt, zum Kind in der Krippe. Er, er allein ist der Brennpunkt, der leuchtende Stern. Jesus wird nicht mehr in Betlehem geboren. Das war einmal. Einmal und nicht wieder dort. Seit damals sucht sich Jesus abertausend andere Orte für seine Geburt: Das Herz der gläubigen Christen. Eines jedoch bleibt ihm auch heute nicht erspart: die Herbergsuche. Jesus will niemanden überrumpeln. Er kommt dort, wo er eingelassen wir. Eingelassen nicht nur als Säugling. Er will in uns Platz nehmen – mit seiner ganzen Botschaft. Er und seine Botschaft sind also immer wieder zu hinterfragen: Wozu kommt er denn überhaupt?

Er kommt – damals wir heute, uns zu erlösen. Zu erlösen von unseren Sünden und damit vom ewigen Tod der Hölle. Das heißt: wir dürfen das Weihnachtsgeschehen nicht isoliert betrachten, nur seine Geburt. Seine Geburt hat nur einen Sinn im Zusammenhang mit seiner ganzen Erlösungstat. Dazu gehört wesentlich sein Tod am Kreuz für die Sünden der Menschen. Krippe und Kreuz gehören zusammen.

Und noch etwas gehört wesentlich zu ihm: seine Botschaft. Nun, seine Botschaft ist umfangreich. Aber sie lässt sich auf den Punkt bringen im Liebesgebot: du sollst Gott lieben aus ganzem Herzen; und deinen Nächsten – so wie dich selbst. Dieses Gebot ist die Grundformel für ein gelingendes Leben. Jesus selber sagt: Handle danach und du wirst leben.

Lb. Gl. Wenn du also in deinem Herzen eine Krippe bauen willst für Jesus, dann lass noch ein wenig Platz für das Paket, das er mitbringt, für seine Botschaft, für die Botschaft der Liebe.

So beten wir in dieser festlichen Stunde: Kleines Gotteskind, vor dir stehe ich und staune. Der allmächtige Gott ist ein Kind geworden. Und wie alle Kinder veränderst du die Menschen, die dich um­geben. Du gibst ihrem Leben neuen Sinn. Wie kein anderes Kind veränderst du die Welt, damals wie heute - gegen alles Eingefahrene, Gewohnte und Satte.

Gib uns die Offenheit, dass wir dich einlassen in unser Leben, dass wir dir bei uns Herberge geben, sodass du immer mehr zum Mittelpunkt wirst, der unser Leben bestimmt. Amen.

2018 4. Adventsonntag

Schwiegen ist Silber – Reden ist Gold

 

Evangelium: Mt 18,1-35 (siehe Lj. B, 25. So)

Er stellte ein Kind in die Mitte

Bild 1 (Vater mit Handy)

Eltern, die auf das Handy starren - das ist ein Anblick, den viele Kinder ständig erleben. Einem Siebenjährigen aus Hamburg ging das so auf die Nerven, dass er eine Demo organisierte. In Hamburg sind dann 70 Kinder mit ihren Eltern auf die Straße gegangen, um gegen den übertriebenen Handy-Konsum der Erwachsenen zu protestieren. Die Idee zu dieser Demonstration kam diesem Knirps, vom siebenjährigen Emil. Bild 2 (Junge)

Seine Mutter, offenbar eine selbstkritische Frau, hatte die Demo dann offiziell angemeldet. Bei dem Marsch zum Schanzenviertel saß der Junge mit einem Megaphon auf den Schultern seines Vaters.
Bild 3 (Demo)

Die Kinder trugen selbstgebastelte Schilder und Banner mit Sprüchen wie "Wir sind laut, weil ihr immer aufs Handy schaut", oder: "Am Sandkasten bitte Handyfasten" oder "Chatte mit mir!". Ein Polizeisprecher sagte: "Wir nehmen die Kinder-Demo genauso ernst wie eine Veranstaltung von Erwachsenen."

Ein Vater gesteht: Meine Tochter tadelt mich immer wieder: Was spielst du ständig auf dem Handy herum? Sie hat Recht. "Da muss ich mich an die eigene Nase fassen."
Bild 4 (Mutter)
Eltern, die zuhause oder an Spielplätzen sitzen und die auf ihr Handy starren. Die Köpfe gesenkt, die Augen auf dem Smartphone. Ein typisches Bild. Doch aufs Handy-Schauen erhöht die Unfallgefahr und kann sich sogar negativ auf die Entwicklung der Kleinen auswirken.

Professor Julian Schmitz vom Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung sagt: Studien haben ergeben: "Wenn Eltern auf den Blickkontakt ihrer Kinder nicht reagieren, können Kinder ganz massiv mit körperlichem und mit hormonellem Stress reagieren". Das Eingehen der Eltern auf ihre Kinder ist ganz wichtig. Doch davon lenkt das Handy ab.

Professor Julian Schmitz vom Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung sagt: Studien haben ergeben: "Wenn Eltern auf den Blickkontakt ihrer Kinder nicht reagieren, können Kinder ganz massiv mit körperlichem und mit hormonellem Stress reagieren". Das Eingehen der Eltern auf ihre Kinder ist ganz wichtig. Doch davon lenkt das Handy ab.

Im Schnitt werfen wir ja alle 10 bis 15 Minuten einen Blick auf das Smartphone. Das ist weiter nicht schlimm. Wenn es aber häufig passiert, kann das bei Kindern zu Wut und Hyperaktivität führen. Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen klagen vermehrt über Verhaltensauffälligkeiten unserer Kinder. Sind sie handy-gestört? Gewiss. Aber nicht nur das: Die Ablenkung bringt auch eine erhöhte Unfallgefahr mit sich. Die tippende Mutter bemerkt nicht, dass ihre Tochter zur Schere greift. Eine Situation, die gefährlich werden kann.

Tatsächlich zeigt eine österreichische Studie: Seit 2008 haben sich die Unfälle auf Kinderspielplätzen verdoppelt, bei Kindern unter fünf Jahren sogar verdreifacht. Dass der Grund dafür auch die Smartphones sind, liegt auf der Hand: Denn neun von zehn Aufsichtspersonen sind auf dem Spielplatz abgelenkt. In den meisten Fällen durch das Handy.

Kinder protestieren dagegen. Wie Recht sie doch haben!

Die junge Mutter Sara Koller hat es begriffen. Sie sagt: Ich verwende mein Handy nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Wenn der 7-jährige Samuel da ist, lasse ich das Handy sein. Ich spiele und spreche lieber mit meinem Kind. Das Kind ist es mir wert.

Lb. Gl. Jesus unterstreicht das noch mit einer strengen Mahnung: Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen gering zu schätzen!

2018 - Lj.C: 3. Adventso: Freut euch!  2. Lesung!

Bist du ein fröhlicher Mensch? Oder eher ein wenig ernst? Wie auch immer. Der Apostel Paulus ruft uns heute auf: Freut euch! Freut euch zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: Freut euch!!! Gleich 3-mal: Freut euch! Warum denn? Offensichtlich weiß der Apostel, wie schwer es ist, sich wirklich von Herzen zu freuen. Und erst recht: zu jeder Zeit! Wie soll das gehen? Wann hast du dich zum letzten Mal gefreut? War's bei der letzten Shopping-Tour? (Bild: Kaufrausch). Diese Frau hat einen Korb voll Freude. Wie lange wird sie halten? Wir bekommen im Kloster beinahe jeden Monat verschiedene Waren geschenkt: nagelneue Bettwäsche und Küchengeräte. Sie stammen von einer Frau, die die Kaufsucht hat. Sie geht ins Geschäft und möchte Dinge kaufen, die sie glücklich machen. Wenn sie dann zuhause ist, kommt ihr das Elend. Was mach ich denn mit diesem ganzen Kram? Davon hab ich schon mehr als genug. Das geb' ich am besten gleich wieder her. Dann bekomme ich wenigstens ein Vergelt's Gott. Das beruhigt mein schlechtes Gewissen. Ein Korb voller Freude? Schön wär's! Es ist nur teures Minuten-Glück. (Bild weg!)

Gibt es denn gar keine Freude, die länger dauert? O doch! Aber es sind nicht die materiellen Dinge. Etwas länger dauert die Freude z.B. über einen besonderen Erfolg, über etwas, das gelungen ist. Noch länger dauert die Freude, die Freundschaft und Liebe dir schenken kann. Oder: Die Freude über das Geschenk des Lebens, wenn Du dein Kind in die Arme nimmst, wenn es dich selig anlächelt. Eine tiefe Freude überkommt uns, wenn wir eine hartnäckige Krankheit oder eine Krise glücklich überstanden haben. Oder: Die Freude, wenn Versöh­nung gelungen ist und man sich wieder in die Augen schauen kann. Oder: Die Freude auf irgendetwas, die Vorfreude. Solche Freude ist in diesen Tagen fast bei den meisten zu finden. Vorfreude auf Weihnachten. Wie lange diese Freude dauern wird, das wird wesentlich davon abhängen, auf was du dich freust. Wenn es wieder nur die Geschenke, also materielle Dinge sind, dann wird die Freude rasch verschwinden, ebenso schnell, wie wir den dürren Christbaum entsorgen. Beim Aufruf des Apostels Paulus sollten wir das Wichtigste Wort nicht überhören: Freut euch allezeit – im Herrn. Die Freude an Gott und mit Gott, die kann lange anhalten, ein ganzes Leben lang. Wir haben Grund zur Freude: Wir feiern den  Geburtstag unseres Retters. Er will auch heute zur Welt kommen. Jeden Tag! Er will uns retten und befreien von allem, was uns belastet: von unnötigen Sorgen. Zuerst von unserer Ichsucht, die immer Angst hat, zu kurz zu kommen und das und jenes noch zu brauchen. Er will uns befreien von Hass und Feindschaft, die uns schlaflose Nächte bereiten. Er will uns befreien von Sünde und Schuld, die manchmal wie ein Stein auf unsere Seele drückt. Jesus ist der Herr des Lebens, der uns nach diesem irdischen Leben ein neues Leben schenken wird: das ewige Leben, ewige Freude in seinem Paradies.

Lb. Gl. Die meisten von uns wissen aus Erfahrung, wie die Liebe eines Menschen beinahe schwindlig machen kann vor Glück. Solche Freude können Menschen auch empfinden, wenn sie verliebt sind in Jesus. Franziskus war in Jesus verliebt und es sind Abertausende bis in unsere Zeit. Einer davon ist der Dichter Hans Dieter Husch. Er lässt seine Freude strahlen aus dem folgenden Gedicht:

Mit heller Freude lauf ich durch die Gegend

mal durch die Stadt, mal meinen Fluss entlang

Jesus kommt, der Freund der Menschen.

Ich gehe völlig anders meinen Weg.

Ich grüße freundlich, möchte alle Welt umarmen.

Mach dich fein! Jesus kommt.

Schmücke dein Gesicht

Schmücke dein Haus und deinen Garten

Mein Herz schlägt ungemein, macht Sprünge

Mein Auge lacht und färbt sich voll - mit Glück.

Jesus kommt - Alles wird gut!

2018_LjC: 2. Adventso: Wer ist der Größte?

Wer von euch will der Erste sein? – keiner? nur so wenige? Recht habt ihr. Ich würde mich auch nicht melden. Ich würde sagen: Es kommt darauf an: wo? Bei einem sportlichen Wettkampf will jeder gern der Erste und Beste sein. Wenn aber die Mutter fragt: Wer hilft mir beim Abspülen? Da drängt sich keiner gern in die erste Reihe. Aber nach einem langen Schultag, da möchte jeder der erste sein – draußen bei der Schultür. Wer ist der Erste und Wichtigste? Diese Frage führt nicht selten zu Machtkämpfen und Streit. Nun, da sind wir in guter Gesellschaft. Sogar die Apostel haben sich gestritten, wer von ihnen der Wichtigste ist.

Wer ist der Größte und Beste? Schwer zu sagen.

Was meint Jesus dazu? Das haben wir im Evangelium gehört: Wer von euch der Erste und Beste sein will, der soll es zeigen, indem er anderen dient und hilft, so gut er kann.

Dienen, wozu? Das können viele nicht verstehen. Da brauchen wir schon griffige Vorbilder, die uns das vorleben und die uns klar machen: Dienen ist gar nicht so dumm, wie viele sagen. Das beste Beispiel gibt uns Jesus selbst. Er sagt: Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben einzusetzen für die Vielen. Heilige haben es Jesus nachgemacht. Aber nicht nur sie. Es gibt auch Sportler, die leuchtende Vorbilder sind, wie die folgende Geschichte erzählt.

Es war bei der berühmten "Tour de France", dem größten Rad­rennen der Welt. Der Rennfahrer Jean Forestier, der Liebling der Franzosen, lag in Führung. Er war somit der heißeste Favorit. Nur einer, nämlich der Ita­liener Ricardo, war sein gefährlichster Gegner. Und der überholte ihn tatsächlich, bei einer Abfahrt ins nächste Tal! Doch plötzlich wa­ren Mann und Fahrrad verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Der Italiener war von der Straße abgekommen und einen Abhang hinuntergestürzt. Das hatte keiner mitbekommen, außer Jean Forestier, der Franzose. Er zögerte kurz, bremste ab, stieg vom Rad und kroch den Abhang hinunter. Mit großer Mühe schleppte er den verun­glückten Konkurrenten hinauf zum Straßenrand, wo ihn Sanitäter versorgten. Forestier selbst hatte kostbare Zeit verloren — und damit den sicheren Sieg! Doch als der kleine Franzose weit hinter dem Ersten über die Ziellinie fuhr, toste ein Beifall der Zuschauer auf, der nicht mehr aufhören wollte. Der Verlierer war der eigentliche Sieger. Wer ist der Größte? Die meisten denken: Der Stärkste, der Schnellste, der auf dem obersten Podest, wer mit dem Pokal durchs Stadion tanzt. Der Größte ist der Mächtigste, der Intelli­genteste, der mit dem besten Mundwerk. Der Präsident, der Chef, der Direktor, in der Familie der Vater oder die Mutter.

Wer ist der Größte? Jesus meint: Der Größte ist, wer am besten dienen kann. Das gilt für den kleinen Mann genauso wie für die Vorgesetzten und die Chefs. 

2018 Lj-C: 8. Dezember – Sündenfall  und Erlösung

1. Lesung: Sündenfall  (siehe Bußfeier!)

Wenn i nur aufhörn könnt! Du kennst sicher diesen Werbeslogan von Napoli. Da werden die unwiderstehlichen Dragee Keksi präsentiert. Wer die Schachtel aufmacht, muss naschen, bis die Leckerbissen fertig sind, selbst wenn eine Naschkatze ohnehin schon bedenkliches Übergewicht hat. Wenn i nur aufhörn könnt!

Oder: Da kommen im Fernsehen täglich Filme mit Liebesszenen. Ehebruch ist da kein Problem. Abwechslung muss sein. Dann denkt sich mancher: Ja! Warum nicht einmal ausprobieren. Man könnte womöglich was versäumen. Und er macht es, obwohl er eine glückliche Familie hat mit einer feinen Frau und ganz lieben Kindern. Er macht es wieder. Und irgendwann kommt die Krise. Wenn i nur aufhören könnt. Versuchung, Kämpfen und Nachgeben, Gewinnen und Verlieren – ein uraltes Spiel. Schon unsere Stammeltern waren vor die Wahl gestellt: den verlockenden Apfel zu nehmen oder nicht. Der Apfel in der Mitte des Gartens versprach Weisheit, also eine göttliche Eigenschaft. Sein wie Gott, das wär doch was! Warum nicht einmal ausprobieren. Man könnte womöglich was versäumen. Sie nehmen den Apfel, die Beiden, Adam und Eva. Sie wagen es und - verlieren alles, ihr traumhaft schönes Paradies. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf – durch die ganze Menschheitsgeschichte. Das Böse geht immer weiter, es vererbt sich. Erbsünde. Kain ermordet seinen Bruder Abel aus Neid, weil Gott dessen Opfer lieber hat. Erbarmungswürdiger Mensch, mit ständigen Schuldgefühlen und einem ewigen Heimweh nach dem Paradies. Erbarmungswürdiger Mensch! Wäre da nicht ein anderer Mensch, der Hoffnung macht.

Das heutige Fest ist eine wirklich Frohe Botschaft: Gott gibt den Menschen nicht auf. Nach der Geschichte der Sünde und des Unheils beginnt er mit den Menschen eine Geschichte des Heils. Für seinen Heilsplan nimmt Gott wieder einen Menschen, ausgerechnet ein Wesen, das so unverlässlich ist. Nein. Eine ist anders:

eine junge Frau aus Nazaret: Sie hört auf Gott - und sie gehört ihm ganz. Sie fragt nicht, was es kostet, Gott zu gehorchen. Sie ist ganz Ohr für ihn und findet in der Beziehung zu Gott tiefste Erfüllung. Sie ist ein Mensch, der nicht ständig hin- und hergerissen wird von 1000 Wünschen und Versuchungen. Ein Mensch, der genau weiß: Den Willen Gottes zu erfüllen, ist in jeden Fall die beste Wahl. Sie ist verlässlich. Sie gibt nicht auf, auch dann nicht, wenn es schwierig wird. Sie geht bis zum Kreuz mit ihrem Sohn.

Lb. Gl. Das ist genau der Mensch, den Gott braucht als Mutter für seinen Sohn. Die Beste ist gerade gut genug. Sie bringt den zur Welt, auf den Generationen sehnsüchtig warten: Unseren Erlöser, der uns befreien will von all unseren Sünden. Und der uns Hoffnung macht, dass er uns am Ende heimführen wird – in sein Paradies. 

2018 Lj-C: 1. Advent: Es naht eure Erlösung

Advent, du stille Zeit, singen die Christen auf aller Welt. Stille, besinnliche Zeit. So wünschen sich viele den Advent - mit Adventkranz und Kerzenschein. In diese Ruhe hinein poltert das heutige Evangelium. Es beschreibt den Weltuntergang in dramatischen Bildern: Die Kräfte des Himmels und der Erde werden erschüttert. Die Völker werden bestürzt und ratlos sein. Ist die Kirche eine Spaßverderberin? Nein, nein. Wir müssen nur weiterlesen. Das Leben hört ja nicht mit dem Weltuntergang. Der ist nichts anderes als ein Vorspiel. Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Jesus sagt: Wenn das geschieht, dann richtet euch auf und erhebt euer Haupt. Denn es naht eure Erlösung. Der Weltuntergang ist weiter nicht schlimm. Der Sonne blüht dasselbe Schicksal  wie allen Geschöpfen. Sie ist vergänglich. Untergänge und Katastrophen wird es immer geben, solange wir auf dieser Welt zuhause sind. Kleinere und größere Katastrophen können über ein Land hereinbrechen, aber auch über mein persönliches Leben. Und da gibt es verschiedene Strategien, mit Angst und Katastrophen umzugehn. Eine erwähnt Jesus ausdrücklich: Nehmt euch in Acht, dass ihr nicht dem Rausch und der Trunkenheit verfallt, um so die Angst zu betäuben. Es gibt bessere Strategien: Gute Freunde, die uns beistehen. Und noch besser: ein guter allmächtiger Gott, der uns Kraft und Weisheit geben kann, unsere Krisen zu überwinden.

Krisen und Katastrophen können jeden treffen, ganz gleich, ob jemand gläubig oder ein ungläubig ist. Nur hat der gottverbundene Mensch einen entscheidenden Vorteil: Er weiß einen liebenden Gott an seiner Seite, der das Beste für ihn will. Genau das möchte uns heute dieser Mann hier sagen mit seiner Lebensgeschichte: Merch Maschiach (Bild). Der begabte Modedesigner hat berühmte Damen eingekleidet: Königinnen und Prinzessinnen. Seit 6 Jahren leidet er an einer fortschreitenden Erblindung. Er kann keine Farben mehr erkennen.

Eine Katastrophe für einen Modedesigner. Er war verzweifelt, hat gehadert mit seinem Schicksal und mit Gott. Für ihn war eine Welt zusammengebrochen. Am dunkelsten Punkt seines Lebens begeht er einen Selbstmordversuch. Der ist ihm jedoch nicht gelungen, Gott sei Dank. Als er im Krankenhaus von seiner Bewusstlosigkeit erwacht, stehen seine Familie und seine Freunde am Bett. Er hat sich schrecklich vor ihnen geschämt. Nach längerem Schweigen meinte sein bester Freund: Der liebe Gott hat schon gewusst, warum er dich nicht sterben ließ.

Merch Maschiach erzählt: Dieses Wort hat mich zum Leben erweckt. Früher habe ich jeden Tag Gott gedankt für mein Talent und für meinen Erfolg. Heute bete ich jeden Tag: Wenn es so sein soll, dann bitte ich dich einfach um deine Hilfe, damit ich weiterleben und weiterarbeiten kann, so gut es geht. Nach 6 Jahren geht Merch Maschiach jetzt mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, um jenen Menschen Mut zu machen, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen. Er will ihnen allen sagen: Schaut mich an! Es geht weiter - mit der Hilfe von guten Freunden und mit der Hilfe Gottes. Jeder Tag ist ein besonderes Geschenk. 

2018 Lj-B: 34. So.i.J: Christkönig; der andere König

Österreich feiert dieser Tage 100 Jahre Demokratie. Im November 1918 hat der letzte Habsburger Monarch Kaiser Karl I. den Regierungsverzicht verkündet und die Gründung der ersten Republik ausgerufen. Das mächtige Habsburgerreich, beinahe 200 Jahre hat es gedauert. Durch einen fatalen Krieg ging es in Trümmer. Unvorstellbares Leid hat der 1. Weltkrieg über uns gebracht, unzählige Opfer hat er gekostet. Man kann sich vorstellen, dass nach dem verlorenen Krieg sich die meisten Bürger einig waren: So einen Kaiser brauchen wir nicht, der unser Land und die halbe Welt ins Unglück stürzt. Viele werden sich gefragt haben: Hat der Kaiser es wirklich gut gemeint mit uns? Hat er uns geliebt? Da ist uns schon lieber eine Demokratie, wo das Volk ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat, was geschehen soll. Und wo auch die Frauen ein Wahlrecht haben. Jetzt besteht sie bereits hundert Jahre lang, unsere Demokratie. Und komischer weise gibt es in letzte Zeit immer mehr Menschen, die sich einen starken Mann, das heißt einen Diktator wünschen, der über unsere Köpfe hinweg regieren kann. Wie gibt es denn so was?

So, und gerade in einer Zeit, wo man sich so unsicher ist: Was denn das Beste ist für Volk und Land, da mutet uns die Kirche wieder einen Monarchen zu. Sie feiert heute Christus, den König. Als gebrannte Kinder haben wir das Recht, uns diesen König genauer anzuschauen. Was ist das für einer? Wie denkt er? Wie handelt er?

Je genauer man hinschaut, umso deutlicher wird: Das ist ein ganz anderer König. Ein schlagkräftiges Heer, mit dem man Kriege gewinnen und verlieren kann, das hat er nicht. Das ist schon positiv. Wie schaut es aus mit den anderen Attributen, die man einem König zuschreibt? Normalerweise besitzt ein König ein prunkvolles Schloss mit allem Drum und Dran. Er hat einen ganzen Hofstaat um sich herum, der rund um die Uhr zu seinen Diensten steht. Macht und Reichtum hat er genug. Und er kämpft mit allen Mitteln, seine Macht und seinen Besitz zu sichern und noch weiter auszubauen. Was ist Jesus für ein König? Wie groß ist seine Macht?

Nun, gerade in seiner größten Ohnmacht, kurz vor seiner Hinrichtung,  bekennt er: Ja, ich bin ein König. Aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Es ist ein geistiges Reich: ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Glanz und Glamour hat er nicht. Sein einziger Schmuck ist die Dornenkrone. Einen Hofstaat von Dienern hat er ebenso nicht. Er sagt: Das Dienen, mach ich lieber selbst. Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und mein Leben hinzugeben für die Meinen. Und jetzt kommen wir zur wichtigsten Eigenschaft eines Königs. So wie die Leute vor 100 Jahren sich gefragt haben: Hat der Kaiser es wirklich gut gemeint mit uns? Hat er uns geliebt?

Lb. Gl. Johannes bringt es in der Lesung auf den Punkt, was unseren König Jesus ausmacht: Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns. Er hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut. Das macht den himmelweiten Unterschied zwischen den weltlichen Königen und ihm. Für die anderen Könige müssen Tausende Soldaten und Zivilisten ihr Blut vergießen. 

Jesus vergießt sein eigenes Blut, damit wir frei werden von Sünden und vom ewigen Tod der Hölle. Bei einem solchen König habe ich als überzeugter Demokrat kein Problem, ihm meine Stimme zu geben.

2018 Lj-B: 33. So.i.J: Ende der Welt

1. Lesung!

Jedes Jahr dasselbe Lied: Am Ende des Kirchenjahres kommen auch die Geschichten vom Ende der Welt – in dramatischen Bildern. Apokalypse, Weltuntergang. Diese Geschichten hören viele nicht gern. Sie machen Angst. Genau das Gegenteil will der Evangelist Markus mit seiner Geschichte. Er will Mut machen. Und den haben wir auch bitter nötig – in einer Welt, die an vielen Orten dem Weltuntergang ganz ähnlich ist.

Die Apokalyptik, die Geschichten vom Weltuntergang. Wie sind sie zu verstehen? Diese Geschichten gibt es bereits 200 Jahre vor Chris­tus, im Buch Daniel z.B., in der heutigen Lesung. Das jüdische Volk lebte damals in großer Bedrängnis. Fremde Mächte beherrschten das Land, wollten den Juden ihren Glauben verbieten, ihnen eine andere Religion aufzwingen. Not und Verfolgung, Kriege und Zerstörung überall. Die größte aller Katastrophen ereignete sich im Jahr 70 nach Christus. Da haben die Römer Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht. Schlimm genug. Und das Schlimmste von allem: Es war das Ende ihres Heiligtums, das Ende des jüdischen Tempelkultes. Für die Juden war eine Welt zusammengebrochen. Das war für sie Weltuntergang, Apokalypse pur. In solcher Not fragte man nach Gott, hoffte auf seine Hilfe, dass er endlich eingreift.

Genau das will Jesus im heutigen Evangelium:  Er will Mut und Hoffnung wecken und keineswegs Angst machen. Er sagt: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und die Sterne werden vom Himmel fallen.

Nun, die große Not hat die Menschheit schon erlebt und wir stehen noch mitten drin: Kriege, Katastrophen, Not und Leid, gibt es zu jeder Zeit irgendwo auf der Welt. Das alles durchzustehen, ist unser Menschenschicksal, solange wir auf dieser Welt zu Hause sind. Aber irgendwann ist es genug, irgendwann gibt es für die bösen Mächte ein Ende ihrer Narrenfreiheit. Dann ist die Zeit für die Ernte. Dann schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und der Menschensohn kommt mit großer Macht und Herrlichkeit, um seine Auserwählten von allen Windrichtungen zu sammeln. Dann kann sich unsere liebe Sonne ruhig verfinstern und dann können die Sterne getrost vom Himmel fallen. Dann haben sie ausgedient. In der anderen Welt brauchen wir sie nicht mehr. Wir brauchen sie nicht mehr als Licht- und Wärmespender, auch nicht mehr als Zeitmaß. In der Ewigkeit laufen die Uhren anders als in diesem Sonnensystem. Es ist also absolut nicht so, dass dem lieben Gott durch ein dummes Missgeschick, oder gar durch einen bösen Streich der Menschen sein ganzes Werk zusammenkracht.

Lb. Gl. In der Apokalypse, beim Weltuntergang passiert im Grunde nichts anderes, als wenn ein Uhrenmacher seinen Betrieb umstellt: von der alten Sonnenuhr auf ein modernes System. Unser Schöpfer stellt dann unsere Welt von Zeit auf Ewigkeit, von Not und Drangsal auf ewige Freude. Was soll daran so schrecklich sein??

2018 Lj-B: 32. So.i.J: Das Opfer der Witwe

Jesus ist überwältigt von dieser Frau. Er kennt nicht einmal ihren Namen. Er ist fasziniert, nicht vom Geldbetrag, den sie gibt, sondern von ihrem maßlosen Gottvertrauen. Mit 2 lumpigen Lepta kann man keinen Tempel renovieren und keinen Priester bezahlen. 2 Lepta sind gerade die Tagesration eines Bettlers, der Preis für ein Stück Brot. Die Frau wirft ihre letzten beiden Lepta in den Kasten - sie wirft ihr Leben in Gottes Hand. Sie vertraut felsenfest: Gott liebt mich, auch wenn ich arm bin wie eine Kirchenmaus. Und ich liebe ihn auch. Trotz meiner Armut bin ich reich beschenkt und glücklich. Ich weiß, er lässt mich nicht zugrunde gehen. Niemand kennt ihren Namen. Aber sie steht in der Bibel als leuchtendes Vorbild. Nun, dieses Evangelium ist keineswegs als Werbung gedacht, möglichst viel Geld in den Klingelbeutel zu werfen. Es geht da in erster Linie um unser Gottvertrauen. Viele meinen: Ich werde verhungern, wenn ich nicht jede Menge Vorräte anhäufe. Sie horten und horten und geben nichts. Ich kenne viele Witwen. Die haben eine kleine Pension. Wenn man sie fragt: Kommst du über die Runden mit so wenig Geld? Dann sagen sie: Es geht schon. Ich muss ja nicht alles haben. Wieviel sie in den Klingelbeutel werfen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass genau diese Witwen mit ihrer Spende Sonntag für Sonntag, dass sie zu einem großen Teil unsere neue Orgel finanziert haben. Die meisten von diesen Witwen kenne ich gar nicht. Doch, eine Witwe kenne ich ganz genau: meine Mutter. Sie ist inzwischen verstorben. Sie hatte nur das Nötigste zum Leben, sie und ihre 11 Kinder. Aber einen

Luxus hat sie sich geleistet. Sie hat mein Studium bezahlt. Das war oft so eng, dass sie die Dienstmagd bitten musste, ihr den Beitrag fürs Internat vorzustrecken, bis sie die Kinderbeihilfe bekommt. Wie viel sie in den Klingelbeutel gegeben hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Sie hat alles gegeben – für mich.

Das Opfer der Witwe. Opfer, das ist ein ganz altes verstaubtes Wort. Es kommt aus dem Lateinischen offerre, ein gutes Werk verrichten. So altmodisch das Wort ist, so hochaktuell ist die Sache selbst: Das gute Werk. In diesen Tagen, wo das Unwetter bei uns in Osttirol so viel Schaden angerichtet hat, da ist Nachbarschaftshilfe dringend nötig, manuelle und finanzielle Hilfe. Auch das Kloster wird einen angemessenen Beitrag leisten. Opfer, das kann auch was anderes sein als Geld. Es können geistige Werte sein: Zeit haben für andere, für den Partner, die Kinder, die Großeltern, Aufmerksamkeit schenken, einen Liebesdienst leisten.

Lb. Gl. Opfer, ein altmodisches Wort. Ja, aber das Opfer selbst sollten wir nicht unterschätzen. Es kommt aus einem liebenden Herzen.  Und wir dürfen sicher sein: Alle Liebesdienste haben Ewigkeitswert – auch wenn es nur 2 lumpige Lepta sind.

2018 Lj-B: 31. So.i.J: Die Liebe –Fundament unseres Lebens

Nicht wenige Menschen klagen: Ich habe den Boden unter den Füßen verloren. Mein ganzes Lebensgebäude schwankt. Mein Leben ist wie ein Haus, bei dem eine Grundmauer eingebrochen ist. Jesus weiß um diese Not. Deswegen wird er nicht müde, unserem Leben ein stabiles Fundament zu geben. Unser Leben steht am besten auf einem dreieckigen Grund. Der 1. Eckpfeiler ist eine solide Verbindung zu Gott, die Liebe zu Gott. Der 2. Eckpfeiler ist eine gute Beziehung zu unseren Mitmenschen, die Liebe zum Nächsten. Und der 3. Eckpfeiler: eine gesunde Selbstachtung, die Liebe zu sich selbst.

Was heißt eigentlich "Lieben"? Ich liebe jemanden, wenn ich von ihm sagen kann: Gut, dass es dich gibt. Das kann ich nur von jemandem sagen, den ich kenne. Wenn ich aalso Gott lieben soll, muss ich ihn erst kennen lernen. Wie geht das? Ich kann seine Schöpfung bestaunen. Ich kann ihn finden im Gebet, in der Meditation, im Zeugnis gläubiger Menschen, in der Bibel, im Gottesdienst.

Und was bedeutet Nächstenliebe und Selbstliebe? Wenn ich sagen kann: Gut, dass es dich gibt. Gut, dass es mich gibt.

Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Diese drei Pfeiler müssen ausgewogen sein. Wo es in einem Bereich ein Zuviel oder ein Zuwenig gibt, gerät das Lebensgebäude in eine Schieflage. Ich kenne Menschen, die eine Überdosis an Gottesliebe haben. Sie verbringen enorm viel Zeit in der Kirche und im Gebet. Die Familie fühlt sich vernachlässigt. Menschen mit einer schädlichen Überdosis an Gottesliebe sind die religiösen Fanatiker, die über Leichen gehen. Ich kenne Gutmenschen mit einem ausgeprägten sozialen Sinn. Sie meinen, sie müssen sich zerreißen für die Mitmenschen. Gott brauchen sie dafür nicht. Und siehe da: Sehr schnell geht dem Gutmenschen die Puste aus, wenn er nicht mit Gott verbunden ist. Ich kenne Menschen, die eine Überdosis Selbstliebe haben: Wichtig ist einzig und allein, dass es mir gut geht. Gott und die Menschen interessieren mich nicht.

Die selbstverliebten Narzissten sind die Allerärmsten. Ihr Schicksal ist bekannt. Narziss ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Jüngling Narziss verschmäht die Liebe einer Frau und wird dafür bestraft mit unstillbarer Selbstliebe. (Bild)

Er verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild, das er im Wasser sieht. Er möchte dem Objekt seiner Liebe immer näher kommen, näher und näher, bis er schließlich ins Wasser fällt und ertrinkt. Sind Egoisten in Lebensgefahr? In Gefahr, nglücklich zu werden ganz gewiss.

Nach Meinung der Psychologen sind Männer stärker gefährdet als Frauen, sich selbst anzuhimmeln. Betroffene sehen nur sich selbst. Es mangelt ihnen an Einfühlungsvermögen. Na ja, ein gewisses Maß von Selbstverliebtheit trägt jeder Mensch in sich. Kritisch wird es erst, wenn diese Selbstliebe außer Kontrolle gerät. Der Narzisst ist ein Angeber. „Scheitern" gibt es nicht bei ihm. Mit negativen Erlebnissen beschäftigt er sich nicht. Er versteht es blendend, sich selbst und anderen was vorzu­machen. In Wirklichkeit ist er alles andere als ein Supermann, sondern einfach nur ein Mensch mit einer massiven Persönlichkeitsstörung.

Lb. Gl. Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe. Wer sich an diese Grundpfeiler hält, vernünftig und ausgewogen, kann nie in Schieflage geraten. Wo einer dieser Pfeiler aufgebläht wird oder verkümmert, da gerät unser ganzes Beziehungsgefüge ins Wanken. Jesus hat schon recht, wenn er uns immer wieder einschärft: Du sollst Gott lieben aus ganzem Herzen - und deinen Nächsten – so wie dich selbst. 

2018 Allerheiligen: Muss man sich den Himmel "verdienen?"

Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt der Volksmund. Was kostet eigentlich das Kostbarste, das es gibt, der Himmel? Julian, sieben Jahre alt, ist schwer krank, er wird sterben. Und er spürt das auch. Neulich sagte er zu seiner Mutter: „Ich hatte noch gar keine Zeit, Gutes zu tun. Wie soll ich da in den Himmel kommen?" Die Mutter war fassungslos und wusste im Moment nicht, was sie antworten sollte. Diese Geschichte macht mich betroffen. Gibt es Schwereres, als einem eigenen Kind beim Sterben zuzusehen und es in den Tod zu begleiten? Julian meint: Ich habe nicht genug Gutes getan, um in den Himmel zu kommen. Woher kommt es denn, dass Julian meint, sich den Himmel verdienen zu müssen?

Kann es sein, dass Julian sich die Liebe seiner Eltern oder anderer Bezugs-Personen immer verdienen musste? Normalerweise ist die Liebe der Eltern beim ersten Anblick schon da. Es ist eine „Augenweide" für die Eltern, ihrem Kind beim Spielen „heimlich" zuzuschauen. Ihre Augen leuchten - aus Freude an ihrem Kind, aus Freude an seinem bloßen Da-Sein. Ist das nicht immer so, wenn man liebt? Das Da-Sein des anderen, ist das große Geschenk, das Beglückende. Es zählt viel mehr als das, was er leistet oder tut. Soll das bei Gott anders sein? Soll unser Schöpfer nicht an uns seine Freude haben, an unserem „bloßen" Da-Sein? Ich glaube, das ist der eigentliche Grund, warum wir leben und warum wir „ewig" leben: weil Gott einfach Freude hat an unserem Da-Sein und dass er ohne uns nicht sein will. Das ist viel wichtiger als das, was wir tun - sei es gut oder schlecht. Wie oft drücken Eltern ein Auge zu aus bloßer Freude darüber, dass sie einen wertvollen Schatz besitzen. Was immer das Kind auch anstellen mag: ob es ihnen Freude macht oder Kummer - ihre Liebe ist da, unabhängig von seinem Verhalten. Dass es so ist, das ist im Grunde ein Wunder, ein großes, unfassbares „Geheimnis".

Lb. Gl. Ich bin mir sicher, dass die Mutter von Julian nach einer Nachdenkpause die richtigen Worte gefunden hat für ihr Kind: Julian, du musst dir keine Sorgen machen, ob du in den Himmel kommst. Du weißt, wie sehr ich die gern mag. Du bist mein geliebtes Kind. Aber nicht nur mein Kind. Du bist auch ein geliebtes Kind Gottes, der eine noch viel größere Liebe hat als ich. Die Liebe muss man sich nicht verdienen, man bekommt sie geschenkt. Genauso ist es mit dem Himmel. Den Himmel kann man sich gar nicht verdienen, man bekommt ihn geschenkt von einem grenzenlos liebenden Gott. Von einem Gott, der das Beste für seine Kinder will und der seine Kinder in seiner Nähe haben will, immer und ewig. 

2018 Lj-B: 30. So.i.J: Der binde Bartimäus (2003)

Ich war beim Augenarzt. Warum? Ich wollte wieder sehen können, nicht nur Bäume und Berge, nein, auch das Kleingedruckte. Das war schnell erledigt: Augenkontrolle, neue Brille. Jetzt kann ich wieder sehen. Mein Leidensgenosse Bartimäus ist da viel schlechter dran. Der sieht überhaupt nichts. Er landet am Straßenrand mit seiner Behinderung. Er wird zum Außenseiter, der nicht dazugehört; nicht nur wegen seiner körperlichen Behinderung. Damals glaubte man: Gott hat ihn mit dieser Krankheit bestraft für irgendein schweres Vergehen. Wenn Gott ihn schon nicht mag, warum sollten die Menschen ihn mögen?

Bartimäus sitzt an der Straße, wo sich das Leben abspielt. Hier kommen viele Menschen vorbei, die ihm ab und zu eine Münze zuwerfen. Hier ist sein Arbeitsplatz. Eines Tages kommt auch Jesus vorbei. Das ist die Stunde des Bartimäus. Er hat von Jesus gehört und dass dieser Mann der Messias ist, der Retter seines Volkes und dass er Kranke heilt. Das ist meine Chance, sagt er sich. Er schreit aus vollem Hals: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Bartimäus macht alles richtig. Er zieht das beste  Register. Er appelliert an das Erbarmen des Messias. Das ist seine Schwachstelle: Erbarmen und Mitleid. Ruft ihn her, sagt Jesus. Dann erfolgt die Heilung im Zeitraffer. Geh, dein Glaube hat dir geholfen. So schnell möchte ich einmal aus einer Ordination heraus kommen. Dabei hat Jesus innerhalb von Sekunden gleich 2 Heilungen vollbracht: Die Heilung der Augen und die Heilung des Herzens. Bartimäus wurde ein gläubiger Christ. Es heißt: Er folgte Jesus auf dem Weg. Eine berührende Geschichte.

Lb. Gl. Das ist auch deine Geschichte. Wie lautet deine Diagnose? Was uns manchmal mehr zu schaffen macht als schlechte

Augen, ist die mangelnde Sehschärfe des Herzens. Da sind wir manchmal blind. Wie oft ärgern wir uns über einen Menschen und kommen nicht zurecht mit ihm.

Wir sehen nur seine Schattenseiten und Fehler und sehen nicht die vielen guten und liebenswerten Eigenschaf­ten, die er ebenso hat. Wir sehen sie nicht, weil wir Schmutz in den Augen haben und im Herzen: Vorurteile, Neid, Eifersucht, Schadenfreude, Hass, Gleichgültigkeit… das alles kann blind machen. Oder wie oft langweilen wir uns, wissen nicht, wie wir die Zeit totschlagen sollen und sehen nicht, wie sehr andere gerade diese totgeschlagene Zeit gebraucht hätten - zu einem Gespräch, zu einem gemütlichen Beisammensein, zu einer kleinen Aufmerksamkeit, zu einer Gefälligkeit. Kinder und Ehepartner haben schon Recht, wenn sie manchmal, wie der binde Bartimäus, lästig sind und stören, weil Eltern oder der Ehepartner sich ständig hinter der Zei­tung verschan­zen, oder hinter irgendeinem Hobby, hinter dem Fernseher oder dem Handy. Miteinander reden, spielen oder einfach irgendetwas gemeinsam tun, wäre wichtiger als vieles andere.

Lb. Schw. + Brüder. Fragen wir uns in dieser Stunde: Sehe ich die Not des anderen, seine verborgenen Wün­sche, seine Einsamkeit,  seine Angst, seine Traurigkeit? Sehe ich, was die Mitmenschen bewegt - am Arbeitsplatz, in meiner Familie? die Frau, den Mann, die Kinder?

Bitten auch wir wie der binde Bettler: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.

2018 Lj-B: 28. So.i.J: Wie komm ich in den Himmel?

In den Himmel kommen? Wer möchte das nicht? In einem Schunkellied wird lauthals gesungen: Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind. Weil wir so brav sind? Genau daran haben viel ihre Zweifel. Bin ich denn so brav, dass es für den Himmel reicht? Diese Frage bewegt auch den jungen Mann im heutigen Evangelium. Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortet kurz und bündig: Du kennst doch die Gebote. Lebe danach und du gewinnst das ewige Leben. Der junge Mann kann voller Stolz sagen: Das mach ich schon längst, schon von Kindesbeinen an. Gut so. Nur weiter so, und du gewinnst das ewige Leben. Die Gebote halten, das ist eine gute Voraussetzung für den Himmel. Aber Jesus meint: Dir, lieber junger Mann, dir mit solchem Idealismus traue ich noch viel viel mehr zu, als nur ein paar Gebote zu erfüllen, quasi: Dienst nach Vorschrift. Du hast das Zeug zu einem Apostel. Wenn du für das Reich Gottes mehr tun willst als nur die verdammte Pflicht, dann wirf alles ab, was dich bindet und abhängig macht. Verkauf, was du hast, und gib den Erlös den Armen. Dann bist du frei. Dann komm und folge mir nach. Und siehe da: Ausgerechnet diese Hürde schafft er nicht. Er geht traurig weg. Was dann? Nun, das ewige Leben wird er wohl bekommen haben, aber nicht jenes volle Leben, das ein Jünger Jesu erleben darf. Schade für ihn. Der verdammte Reichtum war sein Stolperstein zu einer tiefen Gottesbeziehung, zu einer tiefen Freundschaft mit Jesus.

Lb. Gl. Die Hl. Schrift ist für uns geschrieben. Wir alle spielen darin die Hauptrolle. Mit dem jungen Mann sind auch wir gemeint. Seine Frage ist auch unsere Frage: Wie komme ich in den Himmel? Ganz einfach, meint Jesus: Halte die Gebote. Nun, so einfach ist das auch wieder nicht. Uns fällt das nicht so leicht wie dem jungen Mann. Dann drängt sich die nächste Frage auf? Wie kann ich trotzdem gerettet werden, wenn mich so vieles abhält von einem guten Leben: so viele Begierden und Süchte? So viel Ichsucht, Habsucht, Genusssucht und vieles andere. Wer kann da noch gerettet werden, fragen die Jünger bestürzt. Aus rein menschlicher Kraft geht es nicht, sagt Jesus. Unsere Rechtschaffenheit ist immer nur Stückwerk. Aber – und das ist unser Trost: Was für uns unmöglich ist, für Gott ist alles möglich. Seine Barmherzigkeit gleicht unsere Defizite aus – so sehr, dass sogar der rechte Schächer, ein Verbrecher, in den Himmel kommt.

Lb. Gl. Wenn wir jetzt noch einmal fragen? Wie komme ich in den Himmel? Dann kann die Antwort nur lauten: Der Weg in den Himmel führt nicht über Leistung und Vollkommenheit. Er führt einzig und allein über das Erbarmen Gottes. 

2018 Lj-B: 27. So.i.J: Erntedank – Danke sagen

10 Aussätzige

Kinder mögen das gar nicht, wenn Eltern immer wieder sagen: Hast du auch "Danke" gesagt? Wozu denn? Eltern bestehen darauf, dass ihre Kinder die einfachsten Anstandsregeln lernen. Dazu gehört nun einmal das "Bitte" und "Danke". Gar nicht so einfach, vor allem das "Danke". In der heutigen Geschichte schafft es nur einer von 10. Auch Jesus ist enttäuscht. Nur einer, und der ist noch dazu ein Ausländer!

Aussatz ist eine entsetzliche Krankheit. Der Mensch verfault bei lebendigem Leib. Die 10 armen Teufel erfahren, dass Jesus vorbei kommt. Sie haben von seiner Wundermacht gehört. Das ist ihre Chance. Von weitem schreien sie: Jesus, lieber Meister, hab Erbarmen mit uns. Da hat jemand an sein Erbarmen appelliert. Das ist seine Schwachstelle. Er heilt alle 10. Was für ein Glück für sie. Sie können wieder zurück zu ihrer Familie, teilnehmen am normalen Leben. Sie können Luftsprünge machen. Das machen sie auch. Nur eines machen sie nicht: Zurückgehen zu Jesus und Danke sagen, außer dem Einen. Der kommt zurück. Bei ihm geschieht eine doppelte Heilung: die Heilung vom Aussatz, und noch wichtiger, Heilung von seiner Gott-Losigkeit. Indem er Gott dankt, findet er zu Gott. Er kommt, um sein Leben neu von Gott her zu ordnen, auf Gott zu bauen. Er weiß jetzt: alles kommt von Gott, von dem Ewigen. Jesus sagt ihm noch: Dein Glaube hat dich gerettet. Ein starkes Wort. Er ist nicht nur gesund, er ist gerettet. Es genügt, dass du kommst und Danke sagst. Und schon bist du in Gott. Du kannst nicht mehr abgleiten in die Gottlosigkeit und in die Sinnlosigkeit.

Lb. Gl. Dieser Eine ist ein Vorbild für uns alle. Er zeigt uns, wie Heilung geht. Der erste Schritt: Er schreit zu Jesus: Herr, lieber Meister, hab Erbarmen mit mir. Der 2. Schritt: Seine Bitte wird erhört. Er wird geheilt. Der 3. Schritt: Er kehrt zurück, um Jesus zu danken. Machen wir's wie er.

Auch uns geht es oft nicht gut. Wir haben zwar keinen Aussatz. Aber wir haben anderes, das uns zu schaffen macht: Überlastung, Stress, keine Arbeit. Probleme mit dem Partner, Probleme mit den Kindern. Schwere Krankheit, Krankheit oder gar Sterben eines lieben Menschen. Jesus ist die beste Adresse für alle Leidenden. Komm zu Jesus. Sag ihm in einem Stoßgebet: Herr, lieber Meister, hab Erbarmen mit mir. Erbarmen, das ist seine Schwachstelle. Er hat Erbarmen. Er hilft, zur rechten Zeit und so, wie es gut für dich ist.

Lb. Gl. Und wenn alles sich zum Guten gewendet hat, vergiss nicht zu danken. Bring, was du hast, zu Gott. Lieber Meister: Hier sind meine gesunden Kinder, danke. Hier sind meine Talente und Fähigkeiten, danke. Hier sind meine Freunde. Danke. Hier ist mein Haus und mein Garten. Danke. Hier ist mein Konto. Ich habe genug zum Leben und kann noch etwas abgeben für Menschen in Not. Danke.

Dann wird Jesus auch zu dir sagen: Dein Glaube hat dich gerettet. Nicht nur von irgendeinem Leid, sondern von der Gottesferne. Du kannst nicht mehr abgleiten in die Gottlosigkeit und Sinnlosigkeit. Das ist dein wahres Glück.

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2019 Lj-C: Pfingsten  – Hl. Geist, sein Wirken heute