Lj. C : 13. So.i.J.: Herz Jesu: Der glücklichste Mensch

Evangelium nach Lukas (Lk 15, 3)

Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören.  Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.  Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,  und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.  Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

Impuls:

Letzten Sonntag hat Jesus gefragt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Seine Frage gilt auch uns. Unsere Einschätzung ist ihm wichtig. Ja, für wen halten wir ihn denn? Ist doch klar: Er war

der beste Prediger. Gottes Sohn. Er konnte Wunder tun. Er verkündete eine bisher nie gehörte Botschaft: Das Wichtigste im Leben ist die Liebe. Und das wichtigste Organ: das Herz. Für wen haltet ihr mich? Auf diese Fragen gibt es unzählige Antworten. Unter den vielen Antworten hat mich eine besonders berührt, die von der evangelischen Theologin Dorothee Sölle. Sie schreibt: "Ich halte Jesus für den glücklichsten Menschen, der je gelebt hat." Eine gewagte Behauptung, ausgerechnet über einen Menschen, der qualvoll am Kreuz ums Leben gekommen ist. Sie erklärt, warum: "Jesus zeigt sich in der Bibel als ein Mensch, der seine Umgebung mit Hoffnung und Freude erfüllt hat, der aus vollem Herzen hergegeben hat, was er besaß: Liebe, Zeit, Zuwendung, Heilung, Erbarmen, Verzeihung und vieles mehr. Das Glück, das ein Mensch ausstrahlt, lässt darauf schließen, was er in sich hat. Man kann nur geben, was man hat. Täuschen und Bluffen geht da nicht. Das merken die Leute sofort. Von Jesus lernen wir: Je glücklicher jemand ist, umso leichter kann er loslassen. Was hat Jesus denn so glücklich gemacht? Es war das liebe Kompliment seines Vaters bei seiner Taufe: Das ich mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Die Liebe seines Vaters, das ist es, was ihn rundum glücklich macht. Seither hat er es nicht mehr nötig, verbissen dem Glück nachzulaufen. Seither ist er nur noch darauf bedacht, die Menschen glücklich zu machen. Jesus - der glücklichste Mensch. Warum? Er macht jenen Fehler nicht, den viele von uns machen. Warum tun wir uns denn so schwer mit dem Glücklich-Sein?

Der Dichter Bert Brecht  bringt auf den Punkt in dem folgenden Gedicht:

Ja, lauf' nur nach dem Glück,

doch renne nicht zu sehr.

Alle rennen nach dem Glück,

das Glück rennt hinterher.

Denn für dieses Leben

ist der Mensch nicht anspruchslos genug.

Drum ist sein ganzes Streben

nur ein Selbstbetrug.

Der Dichter meint: Der Mensch erwartet viel zu viel vom Leben. Er ist zu wenig anspruchslos. Deshalb kann er auch nicht glücklich sein und auch nicht glücklich machen.

Anspruchslos, bescheiden... Jesus war es – wie keiner sonst! Er sagt einmal: Die Füchse haben ihre Höhle und die Vögel ihr Nest. Der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Lb. Gl. Trotz solcher Armut der glücklichste Mensch. Er hat gewusst: Geben macht glücklicher als Nehmen. Geben und sich für andere einsetzen schüttet jede Menge Glückshormone aus. Jesus der glücklichste Mensch. Er hat das größte Herz, das je ein Mensch besessen hat.

 

 

 

Lj. C 2022: 12. So.i.J.: Für wen halten mich die Leute?

Evangelium nach Lukas (Lk 9, 18)

Jesus betete in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der großen Propheten ist auferstanden.  Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Du bist der Messias Gottes. Dann sagte er: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein tägliches Kreuz auf sich und folge mir nach.  Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen einsetzt, der wird es retten.

Impuls:

Lb. Gl. Wie geht es dir mit deinem Selbstwert-Gefühl? Bist du unsicher? Dann wirst du dich immer wieder fragen: Was denken und reden die Leute über mich? Mögen sie mich oder nicht? Bin ich ihnen sympathisch oder nicht? Frage nicht, was die Leute über dich sagen. Die einen sagen dies, die anderen das Gegenteil. Neider und Nörgler lassen sowieso kein gutes Haar an dir. Frage lieber deine engsten Angehörigen und Freunde.

Auch Jesus will es wissen: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Ist er unsicher? Zweifelt er an seinem Selbstwert? Ganz bestimmt nicht. Er hat doch das Kompliment seines Vaters: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Was die Leute sagen, ist ihm letztlich egal. Die schreien heute "Hosanna" und morgen "Ans Kreuz mit ihm"! Und das Urteil seiner Feinde hört er sowieso jeden Tag: Der verführt unser Volk mit seiner neuen Lehre. Der hat einen Pakt mit dem Teufel. Mit der Kraft des Teufels wirkt er all die Wunder. Nein, das Urteil irgendwelcher Leute und Neider braucht er nicht. Wohl aber das Urteil  seiner Freunde: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

"Ihr aber, für wen haltet ihr mich?", das ist die entscheidende Frage, auch für uns, für jeden von uns persönlich. Und es ist absolut nicht egal, welche Antwort ich darauf finde. Sie kann für mich zur Schicksalsfrage wer­den - für meine Beziehung zu Gott und für meine Lebensgestaltung. Die Antwort fällt heute wie damals ganz unterschiedlich aus. Für viele ist Jesus eine interessante Persönlichkeit, die Geschichte geschrieben hat und nicht mehr, wie Napoleon. Für den werde ich keinen Finger rühren. Es ist spannend, seine Wundergeschichten zu lesen. Die Bibel ist immerhin ein Bestseller, Weltliteratur. Für andere ist Jesus eine Art Wunschautomat. Ich drücke, wenn ich verzweifelt und am Ende bin. Und wenn der Automat nicht gleich funktioniert, dann ist mein Glaube dahin. Eine Frau hat ganz aufgeregt zu mir gesagt: Gott kann es gar nicht geben. Er rührt sich ja nicht, wenn ich zu ihm schreie. Diese Frau erinnert mich an gewisse Leute, die zum Arzt gehen, sich eine Medizin verschreiben lassen, diese auch kaufen, aufs Nachtkastl stellen, aber nur ab und zu einnehmen. Wenn sie nicht gleich gesund werden, wechseln sie den Arzt. Der kann ja nichts.

Für wen haltet ihr mich? Gott ist kein Wunschautomat, der alles auf Knopfdruck macht und alles alleine - ganz ohne mich! Er ist unser Retter und Erlöser, ja. aber nicht ohne mich. Er gibt uns alle Hilfe, jede Medizin, die wir brauchen, aber wir müssen sie nehmen, die Medikamente, die Sakramente. Das Sakrament der Beichte, um die Schuld loszuwerden, die uns krank macht. Das Sakrament der Hl. Messe und die Kommunion, um die Einsamkeit loszuwerden, die uns krank macht.

Wir bekommen auch alle Rezepte, die wir brauchen, um unser Leben zu bestehen und sinnvoll zu gestalten. Die Bibel ist ein Lebensbuch voller Lebensweisheit. Ich muss sie nur nehmen, lesen und leben.

Lb. Gl. Für wen haltet ihr mich?

Für mich ist Jesus: Sohn Gottes, der alle Macht hat. Mein Retter und Heiland, der mich heil machen kann. Mein Freund, der mich begleitet, der mir Mut macht und mir den rechten Weg zeigt.

Mein Erlöser von vielerlei, was mich belastet, von Sorgen und Sünden. Er ist mein Erlöser - aber nicht ohne mich!

 

 

 

Lj. A 2022: Dreifaltigkeit – Fans der Hl. Dreifaltigkeit

 

Evangelium nach Johannes (Joh 16, 12)

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht fassen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Impuls:

Hast du gewusst? Du bist ein Fan der  Hl. Dreifaltigkeit. Bitte was? Das ist mir neu. Doch, doch! Es gibt bewusste und unbewusste Fans. Die meisten sind unbewusste Fans. Ich denke an so manchen Sportler, der vor dem Wettkampf ein Kreuzzeichen macht. Das ist nichts anders als ein Bittgebet an den dreifaltigen  Gott. Ich bitte um den Beistand des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Oder die Vielen, die in unsere Grotte kommen, eine Kerze anzünden und ein Kreuzzeichen machen in dem Gedanken: Ich gehe in meinen Alltag mit dem Beistand des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Und ihr, die ihr zu diesem Gottesdienst gekommen seid, ihr habt heute schon mindestens 2-x ein Kreuzzeichen gemacht: beim Betreten der Kirche und am Beginn der Hl. Messe. Die einen machen es ganz bewusst. Sie grüßen und ehren den dreifaltigen Gott. Andere machen es eher automatisch, aber sie machen es. Das sind die unbewussten Fans der hl. Dreifaltigkeit. Dreifaltigkeit. Was heißt das? Gott ist kein einsames Wesen. Er ist lebendige Gemeinschaft. Die Drei sind die ideale Gemeinschaft. Da gibt es Liebe, Gehorsam, Respekt, Harmonie, Treue und Verlässlichkeit. Der Vater will das Beste für seine Geschöpfe.

Er will die Erlösung des gefallenen Menschen. Dazu sendet er sein Bestes, seinen Sohn. Im totalen Gehorsam gegenüber dem Vater übernimmt er diesen Auftrag – bis zur Hingabe seines Lebens. Und als krönendes Werk sendet Jesus seinen  Geist – als ständigen Begleiter, Wegweiser, Ratgeber, Tröster und Beistand. Gibt es ein besseres Vorbild für unsere Gemeinsaften, besonders für unsere Familien? Unsere Familien haben nur eine Überlebens-Chance, wenn diese Grundpfeiler einer Gemeinschaft beherzigt werden: Liebe, Gehorsam, Respekt, beherzter Einsatz füreinander.

Lb. Gl. Ich weiß schon: Die Hl. Dreifaltigkeit ist ein schwieriges Glaubensgeheimnis, das besagt: Es gibt nur einen Gott, aber dieser Gott wirkt in drei Personen. Ein scheinbarer Widerspruch. Scheinbar, halt eben ein Geheimnis Gottes. Nicht zu verstehen, das weiß auch Jesus. Nicht umsonst sagt er kurz vor seinem Sterben: Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht fassen. Wenn aber jener kommt, der Hl. Geist, wird er euch tiefer in den Glauben einführen.

Lb. Gl. Wir müssen nicht enttäuscht sein, wenn wir manches nicht fassen können. Einige verstehen mehr, andere weniger. Was soll’s! Gott wirkt auch ohne unser Begreifen. Eines verstehen wir alle: Gott ist ein liebender Gott. Er meint es gut mit uns. Und in diesem Grundvertrauen werden wir wohl noch 1000-mal das Kreuzzeichen machen – als bewusste oder unbewusste Fans der Hl. Dreifaltigkeit. Im Namen des Vaters +++ und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen  

 

 

 

Lj. A 2022: Pfingsten – Darf ich mich vorstellen? Der Hl. Geist

 

Evangelium nach Johannes (Joh 14, 15)

In jener Zeit sprach Jesus: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit.

Der Beistand, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Impuls:

Lb. Gl. Pfingsten, das Fest des hl. Geistes. Ein schwieriges Fest, weil gar nichts Handgreifliches da ist, im Unterschied zu Weihnachten und zu Ostern. Mein Gott, ist Weihnachten schön mit diesem süßen Jesus-Kind. Oder Ostern, wo der tote Jesus aus dem Grab steigt als souveräner Sieger über den Tod. Aber Pfingsten? Der Hl. Geist, wer ist denn das? Vor 2000 Jahren hatte keiner eine Ahnung vom HL. Geist. Jesus kündigt ihn an, kurz vor seinem Sterben. Wie er wirklich sein wird, das war ein großes Geheimnis. Dann hat er sich persönlich vorgestellt, am Pfingsttag, nicht besonders höflich und sanft. Ganz im Gegenteil. In Sturm und Feuerzungen ist er in Jerusalem auf die Menschen herabgekommen. Sturm und Feuer machen eher Angst als ein wohliges Gefühl. Und jene, auf die er herabgekommen ist, haben sich aufgeführt wie Betrunkene. Zaungäste haben gemeint: Die sind ja voll des süßen Weines. Nein, nicht voll des süßen Weines, sondern voll des Hl. Geistes. Die vom Geist Berauschten haben Freudentänze aufgeführt, mitten auf der Straße. Sie haben lauthals Gott gelobt und gepriesen – und zwar nicht nur Juden, auch jede Menge Ausländer. Petrus hat diese sonderbare Erscheinung klären müssen: Ihr Bewohner von Jerusalem, diese Leute sind nicht betrunken. Jetzt geschieht, was durch den Propheten Joèl gesagt worden ist: Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Damals haben die Menschen die wichtigste Gabe des Geistes bekommen, die Gabe der Gottesliebe. Sie können auf offener Straße Gott loben und preisen, ohne sich vor den anderen zu schämen. Zur Gottesliebe bekommen sie eine weitere Geistesgabe dazu, den Mut. Mut, der alle Menschenfurcht überwindet. Das ist noch lange nicht alles, was der Hl. Geist alles kann. Die Bibel erzählt, was der Hl. Geist vermag. Da finden wir zunächst Aussagen von Jesus über den Heiligen Geist. Bei seinen Abschiedsreden sagt er zu den Aposteln: „ ... der Heilige Geist ... wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."

Also,  der Heilige Geist ein Lehrer

Der Heilige Geist ist der geistige Lehrer der Menschen. Er befähigt uns, dass wir Gott erkennen und mit ihm in Verbindung treten können. Zudem erleuchtet er uns bei den wichtigen Entscheidungen. Wie oft schwärmen Menschen: In meiner Ratlosigkeit habe ich gebetet, und plötzlich hatte ich einen Geistesblitz; der hat mir die Lösung gezeigt. Der Heilige Geist kommt also nicht mit leeren Händen. Wer sich für den hl. Geist öffnet, bekommt jede Menge Gaben des Geistes. Paulus nennt ein paar davon: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Selbstbeherrschung (Gal 5,22); und alle anderen guten Charakter-Eigenschaften. Sie sind allesamt Gaben des Hl. Geistes. 

Lb. Gl Der Hl. Geist hat auch seine Handlanger, geisterfüllte Menschen, die uns beraten, Mut machen und weiterhelfen. Der hl. Geist ist alles andere als ein harmloses Lüftchen. Ganz im Gegenteil. Er ist mächtig und stark – auch heute.

 

 

 

2022 Lj. C: 7. Ostersonntag: Alle sollen eins sein.

 

Evangelium nach Johannes (Joh 17,20-26)

In jener Zeit, es war beim letzten Abendmahl, da erhob Jesus seine Augen und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Impuls:

Wir gehen in Gedanken noch einmal zurück zum letzten Abendmahl. Wenige Stunden vor seinem Tod spricht Jesus ein berührendes Gebet: Vater, ich bitte für alle, die an mich glauben: Sie sollen alle eins sein. Jesus macht sich Sorgen um die Zukunft seiner Kirche. Er weiß: Ein zerstrittener Haufen hat keine Überlebenschance. Das gilt für Vereine, für Familien, auch für die Kirche. Eine Pfarrgemeinde, wo alle an einem Strang ziehen, wo alle zusammen-helfen, da kommt Vieles zum Blühen. In einer Pfarre jedoch, wo alle zerstritten sind, da geht auch das wenig Positive noch den Bach hinunter. Sie sollen alle eins sein. Einheit, wie kann das gehen, wo wir doch so grundverschieden sind? Schwierig! In unseren Gemeinden gibt es Männlein und Weiblein – und alle ticken ein wenig anders. Junge und Alte. Dann haben wir die einfach Gestrickten und die Studierten. Die ganz Frommen und die weniger Frommen. Ja und dann noch die verschiedene Hautfarbe: Ausländer in Schwarz und wir in Weiß. Lieber Gott, als du den Menschen schufst, ist dir da nicht ein Fehler passiert mit dieser bunten Vielfalt?

Hättest du uns nicht ein bisschen gleicher machen können?

Alle mit gleicher Haut - am besten weiß,

alle mit gleicher Sprache - am besten deutsch,

alle mit gleicher Religion - am besten katholisch

alle mit gleichen Werten - am besten mit unseren?

Ja, das könnte uns so passen - in unserer Einfalt, aber nicht dem lieben Gott. Er ist die Vielfalt in Person, zumindest dreifaltig. Das spiegelt sich in seiner Schöpfung wider: in der Vielfalt von Geschöpfen, in der Vielfalt von Menschen, Nationen, Kulturen.

Vielfalt, Ander-Sein ist ein Grund-Recht des Menschen. Vielgestaltigkeit ist kein Übel, ganz im Gegenteil. Vielfalt macht unser Leben reich und bunt. Was für eine Menschheit wäre das, in der jeder aussieht wie ich, wo jeder denkt wie ich, handelt wie ich, wo jeder meinen Horizont hat, meinen Geschmack, meine Empfindungen, meine Reaktionen, meine Phantasie oder meine Phantasie-losigkeit,

wo jeder meine Lie­der singt und meine Speisen isst. Was für eine Kirche wäre das, in der jeder haargenau meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe hat - und nicht mehr. Alles gleich? Arme Mensch­heit! Arme Gesellschaft! Arme Kultur! Arme Kirche! Vielfalt dagegen ist reich, schön, erfrischend, belebend, ergänzend. Sie ist reich an Möglichkeiten, wie der liebe Gott.

Lb. Gl. Wohlgemerkt: Jesus betet: Sie sollen alle eins sein und nicht: Sie sollen alle gleich sein. Jesus will keine Gleichmacherei, sondern versöhnte Vielfalt. Versöhnte Vielfalt schenkt Bereicherung. Versöhnte Vielfalt wird in vielen Pfarrgemeinden tatsächlich gelebt. Da gibt es blühendes Leben, Hilfsbereitschaft und lebendige Gemeinschaft. Der liebe Gott hat schon gewusst, warum er uns nicht alle gleich geschaffen hat.

Beten wir in dieser Stunde gemeinsam mit Jesus: Heiliger Vater, ich bitte dich für alle, die an mich glauben: Sie sollen alle eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir.

 

 

 

2022 Lj. C: 5. Ostersonntag: Liebt einander  (siehe 2019)

 

Evangelium nach Johannes (Joh 13, 31)

In jener Zeit, es war beim letzten Abendmahl. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt wird der Menschensohn verherrlicht. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Impuls:

Heute werden wir noch einmal zurückgeführt zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Es ist der letzte Tag vor seinem Tod. Die allerletzte Chance, die Weichen zu stellen. Die allerletzte Chance, sein Testament zu machen. Jesus macht sich Sorgen um  die Zukunft des Reiches Gottes, das er begründet hat. Wie soll es weitergehen, sein Heilswerk, die Verkündigung der Frohbotschaft? Nun, er hat Schüler 3 Jahre lang ausgebildet. Das sollte reichen. Aber das Wissen allein macht es nicht. Dieses Wissen muss auf feste Beine gestellt werden. So hat er sein Testament auf 2 Grundpfeiler gesetzt, die den Fortbestand seines Heilswirkens garantieren sollen. Der erste: das gemeinsame Mahl. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Trefft euch regelmäßig zum gemeinsamen Mahl. Hier werdet ihr meine Nähe spüren - bis unter die Haut im verwandelten Brot. Der 2. Pfeiler: Liebt einander. Das soll euer Markenzeichen sein. Die Menschen werden das wahrnehmen und bewundern: Schau, wie die fein miteinander umgehen. Das macht die Menschen neugierig. Man beginnt zu fragen: Was steht dahinter, welche Botschaft, welcher Geist? Die Liebe ist der beste Boden für die Verkündigung und die einzig glaubwürdige Basis: Liebt einander. Liebt einander. Schön. Aber welche Liebe meint er denn? Ein Kribbeln im Bauch wie bei den Frisch-Verliebten? Ein Wonnegefühl wie im 7. Himmel? Nein, nein. Seine Liebe hat mit Gefühlsduselei nichts zu tun. Seine Liebe bedeutet schlicht und einfach: Ich will das Beste für dich. Ich will, dass es dir gut geht. Diese Liebe hält durch, auch jenen Menschen gegenüber, die unbequem und schwierig sind. Jesus hat uns vorgezeigt, was er meint. Seine Liebe war am größten - nicht auf der Hochzeit zu Kana, wo er mit anderen lustig gefeiert, gegessen und getrunken hat. Seine Liebe war am größten am Kreuz, wo er für unsere Sünden qualvoll gestoben ist. Er sieht es selber so, wenn er sagt: Eine größere Liebe kann niemand, als wer sein Leben einsetzt für die Seinen.

Lb. Gl. Das haben sich die Jünger zu Herzen genommen und radikal umgesetzt. Das war der Beginn eines sozialen Denkens. Schon sehr früh begannen Bischöfe und Or­densleute mit der Gründung von Kindergärten und Schulen, von Hospizen für Kranke, Behinderte, Alte und Fremde. Und sie legten den Mitchristen die Sorge für diese Menschen ans Herz. Die Armen und die geistig oder körperlich Behinderten haben seither einen Platz in der Gesellschaft und müssen nicht mehr ver­steckt werden. Heute wird vieles vom Staat übernommen. Aber bei weitem nicht alles. Die unbezahlten Liebesdienste sind und bleiben unverzichtbar. Das unbezahlte Ehrenamt ist eine Frucht des christlichen Geistes, eine Frucht des Auftrags Jesu: Liebt einander. Hast du gewusst, dass 50% der Tiroler unbezahlte Hilfsdienste leisten? Das ist einfach großartig.

Lb. Gl. Jesus hat unser Christsein also auf 2 Grundpfeiler gestellt: Die regelmäßige Eucharistiefeier, die uns an Jesus erinnert und an sein Wort "Liebt einander". Wo Christen nach diesen beiden Grundsätzen leben und handeln, da wird die Kirche Bestand haben. Da haben Krisen letztlich keine Chance.

 

 

2022 Lj. C: 4. Ostersonntag: Muttertag

Mutter muss keine Heilige sein            

Evangelium: (Mk 10.13)

Die Segnung der Kinder: Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sa­ge ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Impuls:

"Du bist die beste Mama von der Welt!" Wie oft werden die Mütter das hören – heute am Muttertag. Das klingt wunderschön, vielleicht zu schön, um wahr zu sein. Die Mutter freut sich, und im gleichen Moment meldet sich das schlechte Gewissen. Die beste Mama von der Welt? Nein. Das bin ich nicht. Eine Heilige schon gar nicht. Und ich will es auch nicht sein. Bestenfalls eine gute Mama. Aber das kann ich auch nur sein, wenn das ganze Umfeld passt. Wenn ver­nünftige, einfühlsame und hilfsbereite Menschen an meiner Seite sind: Ein hilfsbereiter Mann, hilfsbereite Kinder und Nachbarn und hilfreiche po­litische Einrichtungen. Die Afrikaner haben schon Recht mit ihrer Volksweisheit: Um ein Kind richtig aufzuziehen, braucht man ein ganzes Dorf. Lb. Gl. Wo diese Hilfe aber fehlt, da wird es eng für die Mutter. Solche Mütter werden dann den Muttertag nicht nur als großen Freudentag erleben. Sie werden eher Wehmut ver­spüren und berechtigte Wünsche haben, wie z.B. Frau Andrea Wieser. Sie meint: Am Muttertag wird die Mutter glorifiziert, mit einem Heiligenschein umgeben. Mütter sind doch auch nur Menschen. Sie sind zum Beispiel auch mal müde. Vielleicht sogar die Müdesten. Mütter sind manchmal schlecht gelaunt, manche kochen nicht beson­ders gut. Sie können auch nicht immer zuhören, vor allem, wenn sie selber viel um die Ohren haben. Außerdem ist die Mut­ter nicht so schön wie das Super-Model aus der Werbung, erst recht nicht, wenn sie Kinder geboren hat. Am Muttertag regnet es förmlich gute Wünsche. Das ist lieb und nett. Aber auch die Mutter darf Wünsche haben. Andrea sagt: Ich wünsche mir zum Muttertag, dass wir die Mutter-Rolle nicht so überlasten. Dass Mütter nicht für alles verantwortlich gemacht werden: Zuviel Handy-Konsum bei den Kindern, zu viel Zucker in der Jausen­box, schlechte Noten in der Schule... daran ist doch nur die Mutter schuld. Oder?

Ich wünsche mir zum Muttertag einen Tag ohne schlechtes Gewissen. Einen, an dem ich nicht schuld bin, woran auch immer. Und ich wünsche mir zum Muttertag von mir selbst, dass ich bei all den Anforderungen nicht vergesse, meine Kinder zu genießen. Weil wir in diesem Hamsterrad der Leistungsgesellschaft wenig Zeit haben füreinander, für das Kuscheln oder für gemeinsame Ruhe. Ich wünsche mir zum Muttertag mehr moderne Männer, die gemeinsam mit ihren Partnerinnen die Verantwortung für die Kinder übernehmen. Ich wünsche mir zum Muttertag keine Haushaltsgeräte, keine Pralinen, auch keine Blumen, dafür eine Portion mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit, gerechten Lohn und Absicherung für die alten Tage. Die netten Bastelarbei­ten der Kinder, die können bleiben, wie sie sind. Sie haben den Charme, den man mit Geld nicht kaufen kann. Lassen wir auch ein Kind zu Wort kommen, die 23-jährige Tochter Melanie z.B. Sie sagt in wenigen Zeilen, was die Mutter ihr bedeutet: Liebe Mama, ein Leben ohne dich könnte ich mir nicht vorstellen. Du spürst genau, wann ich eine Umarmung brauche. Du bist meine beste Zuhörerin und fängst mich auf, egal, wie tief ich falle. Ein Leben ohne dich, nicht auszudenken. Niemand schafft es, so rasch mich aufzuheitern wie du. Danke, dass du mich in meinen Entscheidungen unterstützt, dass du zu hundert Prozent hinter mir stehst. Du bist mein ul­timatives Vorbild. Und ich freue mich, dass ich immer öfter bemerke, wie ähnlich ich dir geworden bin. In diesem Sinn, liebe Mütter: Alles Liebe und Gottes Segen zum Muttertag!

 

 

 

2022 Lj. C: 3. Ostersonntag: Liebst du mich?

Evangelium nach Johannes (Joh  21,1)

In jener Zeit zeigte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er zeigte sich in folgender Weise.  Simon Petrus und andere von seinen Jüngern waren zusammen.  Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.  Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.  Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.  Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.  Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Impuls:

Liebst du mich? Liebe ist das Kostbarste, das es gibt auf dieser Welt. Alle Verliebten werden das rot unterstreichen und mit 1000 Herzen verzieren. Liebe ist aber auch das Zerbrechlichste, das es gibt. Das werden all jene bestätigen, die eine Beziehungskrise durchmachen oder deren Liebe gescheitert ist. Diese Zerbrechlichkeit ist es wohl, warum  Verliebte ständig geplagt werden von einem Gefühl der Unsicherheit. Und das ist auch der Grund, warum Verliebte 100mal am Tag sagen müssen: Schatz, ich liebe dich. Und wenn das nicht gesagt wird, muss der Schatz halt nachfragen: Liebst du mich? Ich liebe dich, das können Verliebte nicht oft genug hören. Auch Jesus nicht. Er fragt heute den Apostel Petrus: Liebst du mich? Er fragt gleich dreimal hintereinander, sodass Petrus richtig nervös wird. Du weißt es doch. Nein, man weiß es nie so ganz genau. Und schon gar nicht, wenn es ein paar Tage vorher eine Verleugnung gegeben hat, und das gleich dreimal: Ich kenne diesen Menschen nicht. Jesus will auf Nummer sicher gehen bei dem Jünger, der sein Nachfolger werden soll. Halbes Herz und halbe Liebe, das reicht bei Weitem nicht für so einen Auftrag. Dreimal bekräftigt Petrus seine Liebe.

Lb. Gl. Liebende, die alles geben, ihr ganzes Herz, ihre ganze Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit, die Tag und Nacht überlegen, was könnten sie noch alles tun für den Geliebten, solche Menschen sind besonders empfindlich, wenn vom Geliebten nur wenig oder gar nichts kommt. So auch Jesus.  Auch er gehört zu den empfindlichen Liebhabern, die alles geben. Er hat sein Leben hingegeben – auch für dich und deine Sünden. Und er sendet unaufhörlich seinen Geist, um dir den rechten Weg zu zeigen, den Weg zu einem erfüllten und glücklichen Leben. Dieser empfindliche Liebhaber fragt jeden von uns, auch dich: Liebst du mich? Und er wird das immer wieder fragen. Wie schaut unsere Antwort aus? Ich denke, ganz unterschiedlich. Die einen reagieren genervt: Na klar, du weißt doch. Aber zu sehen und zu spüren bekommt er nichts. Keine Zeit zu einem Gebet. Keine Lust, für andere was zu tun, keine Lust zur Nächstenliebe. Wie wird Jesus darauf reagieren? Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem gekränkten Liebhaber und Jesus. Jesus wendet sich nicht ab und zieht sich nicht in den Schmollwinkel zurück. Im Gegenteil. Er wartet mit offen Armen, und wenn es sein muss - ein Leben lang.

Lb. Gl. Es gibt nicht nur jene, die Gottes Liebe missachten. Es gibt viel mehr andere, die auf seine Frage "Liebst du mich" mit ganzem Herzen antworten: Ja, Herr, ich liebe dich. Ich könnte mir das Leben nicht vorstellen ohne dich. Ich brauche dich. Ich brauche deinen Rat, deinen Schutz, deine Geborgenheit, deine Nähe. Ich suche sie immer wieder, deine Nähe – im Gebet, im Gottesdienst, in der Hl. Kommunion, in der Beichte. Du nimmst von mir weg, was mich bedrückt. Und dein wichtigstes Gebot, das Gebot der Nächstenliebe, ist so was von intelligent. Wenn ich anderen helfe, mache ich andere glücklich – und mich selber auch. Ja, Herr, du weißt alles. Du weißt auch, dass ich dich liebe.

 

 

 

2022 Lj. C: 2. Ostersonntag: Zweifel erlaubt?

Evangelium nach Johannes (Joh 20, 19)

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Thomas, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.  Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.  Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Impuls:

Eben haben wir Ostern gefeiert mit allem Drum und Dran: In der Kirche mit Orgel, Pauken und Trompeten. Und zuhause mit einem schönen Familienfest, mit gutem Essen, mit Nestl-Suchen und Eier-Pecken. Ein strahlendes Fest. Aber - da war doch eine Botschaft, oder? Jesus ist auferstanden, er lebt. Er lebt. Und er wirkt heute noch – bis in alle Ewigkeit. Und er wird auch dich auferwecken an deinem letzten Tag. Glaubst du das? Diese Frage spaltet wie kaum eine andere, auch die Christen. Die einen sagen voll überzeugt: Na klar glaub' ich das. Das ist doch das Herzstück des christlichen Glaubens. Andere wiederum: Na ja, ich weiß nicht so recht. Sie haben Zweifel. Sind Zweifel überhaupt erlaubt für einen guten Christen? Und ob. Sogar die Apostel, die alles hautnah miterlebt haben, die den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen haben, sogar die haben ihre Zweifel. Nach seiner ersten Erscheinung ist noch gar nichts eitel Wonne für sie. Ängstlich bleiben sie in ihrer Bude hocken und verbarrikadieren sich. Durch verriegelte Türen muss der Auferstanden wiederkommen. Ja und da ist noch einer, ein besonders hartgesottener Kritiker. Er will und kann nicht glauben, was seine Kollegen ihm erzählen, sie hätten ihn gesehen. Wenn ich nicht mit eigenen Augen seine Wunden sehe und wenn ich sie nicht betasten kann, glaube ich nicht. Thomas darf es sogar. Und schließlich werden die Wunden Jesu zum Schlüssel für seinen Glauben. Fünf Wunden, da kann es keinen Zweifel geben, es könnte ein anderer sein. Wenn also die  Jünger zweifeln dürfen, dann dürfen wir's erst recht. Deshalb sind wir noch lange keine schlechten Christen. Jesus hat Verständnis für die Zweifler. Und er versucht auch nicht mit allen möglichen Mitteln und Tricks, die Seinen zum Glauben zu bringen. Keine Tricks, einfach nur die Wunden. Der Auferstandene erscheint also nicht als Strahlemann, der seine Wunden versteckt oder gar verschwinden lässt. Er schämt sich seiner Wunden nicht. Im Gegenteil. Seine Wunden wollen uns sagen: Euch zuliebe hab' ich sie mir schlagen lassen. 

Euch zuliebe will ich sie behalten wie einen kostbaren Schmuck - bis in alle Ewigkeit. Meine Wunden sollen Trost sein für alle verwundeten Menschen. Sie sollen wissen: Sie müssen sich ihrer Wunden nicht schämen.

Lb. Gl. Sein Vorbild tut uns gut. Wir alle haben unsere Wunden und Narben, körperliche und seelische. Wir müssen sie nicht verstecken. Die Wunden gehören zu unserem Leben. Sie erzählen von unseren Kämpfen, von unseren Niederlagen, aber auch von unseren Auferstehungen und Siegen. Unsere Kämpfe mit ihren Wunden und Narben haben uns stark gemacht, stark für das Leben und stark im Glauben. 

 

 

 

 

 

2022 Lj. C: Ostern: Unbezwingbare Hoffnung

Evangelium nach Markus (Mk 16,1)  Bild: Frauen am Grab

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.  Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.  Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.  Sie sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.  Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.  Nun aber geht und sagt seinen Jüngern: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.

Impuls:

In aller Herrgotts Frühe gehen die Frauen zum Grab, um endgültig Abschied zu nehmen von dem, der ihre Lebenshoffnung war. Eine Welt war zusammengebrochen. Jetzt müssen sie Trauerarbeit leisten. Da hilft am besten zunächst: Das Nächstliegende zu tun, das getan werden muss. Die Frauen haben Öle gekauft, um den Leichnam zu salben. Diese Zärtlichkeiten sind noch möglich für den Liebling.  Trauerarbeit gelingt aber nicht ohne Lichtblick, nicht ohne einen Hoffnungsschimmer. Für die Frauen ist es der Engel. Er hat eine Botschaft, die Hoffnung aufkommen lässt: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten, den To­ten? Ihr findet keinen Toten hier. Er lebt. Er ist auferstanden und geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.

Haben wir das nicht alle schon erlebt: Abgrundtiefe Trauer - trostlose Einsamkeit - schreckliches Dunkel ohne irgendeinen Lichtblick? Der Gang zum Grab bleibt keinem erspart, so oder so! Auch wir ha­ben schon manche Kostbarkeit zu Grabe getragen. Wie viele Ideale mussten wir begraben, Hoffnungen, persönliche Wünsche und Vorstellungen; Menschen, die uns wichtig waren, von denen wir meinten, ohne sie nicht leben zu können. Und doch mussten wir sie lassen. In unserem Elend brauchen auch wir einen Engel. Einen echten Engel oder einen in Menschengestalt, der einfach da ist. Der uns gut zuredet und weiterhilft. Dann ist für uns ein Auferstehen möglich – mitten im Leben. Was viele Menschen besonders belastet, ist der Gedanke an den eigenen Tod. Viele meinen ja: Mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Dieser Gedanke macht sie besonders traurig. Muss es aber nicht. Das Fest der Auferstehung Jesu ist eine Hoffnungbotschaft – auch für uns. Jesus hat seinen Tod besiegt. Er wird auch unseren Tod überwinden. Das hat er uns versprochen: Ich werde die Meinen, die an mich glauben, auferwecken an ihrem letzten Tag. Auferwecken zu einem neuen Leben, wo es kein Leid und keine Tränen mehr gibt. Zu einem Leben in Fülle.

Ostern heißt: Ich weiß, mein Leben hat einen Sinn, es führt zu einem Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Ostern heißt: Ich kann mit all dem, was mich hier bedrückt, mit meinen Ängsten, Sorgen und Leiden, ja sogar mit dem Tod gelassener umgehen. Wer diese Hoffnung hat, wer in dieser Gelassenheit lebt, hat das Wesentliche von Ostern verstanden. Dietrich Bonhoeffer bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Wer an Ostern glaubt, kann nicht verzweifeln". Osterglaube bedeutet: Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit. Das will uns auch die folgende Geschichte sagen.

Das Schicksal wurde zu einem Interview eingeladen. Das Schicksal prahlte siegesbewusst: Meine Schläge sind knallhart, und meine Rechte ist ebenso gefürchtet wie meine Linke. Sogar die schwersten Brocken wie Treue, Glaube, Liebe habe ich auf die Bretter geschickt, und sie wurden alle aus­gezählt. Nur einen Gegner habe ich bisher nicht erledigen können. Sooft ich ihn k. o. schlage und davon überzeugt bin, dass er jetzt endgültig ausgezählt auf dem Boden liegen bleibt - spätestens bis "neun" ist er wieder auf den Beinen. Und wer, fragte der Interviewer, wer ist dieser Unbezwingbare? Die Hoffnung, sagte das Schicksal.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, die Hoffnung ist das Einzige, das bleibt, wenn alles den Bach hinuntergeht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

 

 

Palmsonntag:

Am Palmsonntag trifft es keine Predigt, da wird die Leidensgeschichte vorgetragen. Statt der Leidensgeschichte schicke ich euch eine

Meditation:

 

Das Kreuz,

der hässliche

Querbalken.

 

Früher oder später stößt du mit deinem Kopf gegen den hässlichen Querbalken, der dein Leben zu einem Kreuz macht. Du wirst krank. Du verunglückst. Ein geliebter Mensch stirbt. Dein Berufsweg wird durchkreuzt. Du wirst betrogen, im Stich gelassen vom eigenen Mann, von der eigenen Frau. Man arbeitet gegen dich. Man macht dich fertig. Du kannst nicht mehr.

Dieser Querbalken kann alle Formen und Ausmaße annehmen. Er schaut nicht auf Titel und Position, auf Name und Stand, nicht auf die Dicke deiner Brieftasche noch auf deine Beziehungen oder dein Ansehen bei den Menschen. Du bist glücklich, alles läuft wunderbar. Und plötzlich ist er da, der schreckliche Querbalken. Er kann dir so unerträglich werden, dass du verzweifelt den Tod herbeisehnst.

Das Kreuz ist eine Realität in jedem Menschenleben. Aber immer weniger Menschen sind ihm gewachsen. Sie nehmen es nicht mehr hin und ertragen nicht seine Last. Aber du hast keine Wahl. Du trägst dein Kreuz, oder es wird dich erdrücken. Aber du kannst es nur tragen, wenn du den verborgenen Sinn des Kreuzes begreifen lernst.

Das Kreuz bringt dich zurück zur Wahrheit über dich selbst, zum wahren Maß eines begrenzten, schwachen, verwundbaren, kleinen Menschenkindes.

Das Kreuz kann dich von den Dingen befreien, die dich zu ersticken drohen. Es kann dich lösen aus deiner Mittelmäßigkeit.

Es ist wie eine Antenne, mit der du eine Nachricht von Gott empfangen kannst. Sie wird dich nicht von deinem Leiden erlösen, aber von der unerträglichen Sinnlosigkeit des Leidens, von seiner Unverständlichkeit.

Du kannst wieder Mensch sein. Du siehst alles anders

und viel besser mit Augen, die geweint haben.

Phil Bosmans

 

 

 

2022 Lj.C: 5. Fastenso: Ehebrecherin (Lj. C '04)

Evangelium nach Johannes (Joh 8,1) Bild: Ehebrecherin

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg.  Am frühen Morgen begab er sich dann  wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.  Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.  Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihm eine Falle stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.  Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.  Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.  Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.  Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Impuls:

Ein Krimi könnte nicht spannender sein. Ein tolles Evangelium für Ehebrecher! Die Ehebrecherin kommt ungestraft davon. Ist das jetzt ein Freibrief für die Ehebrecher? Wenn wir das herauslesen, dann deuten wir das heutige Evangelium gründlich falsch. Jesus will den Ehebruch nicht verharmlosen. Er weiß genau so gut wie jeder Betroffene, welches Übel der Ehebruch ist und was er anrichtet: 1000 Lügengeschichten, kaputtes Vertrauen, Demütigung des Partners, bis zur Zerstörung der Familie mit all den bitteren Folgen für Partner und Kinder. Da gibt es nichts zu bagatellisieren. Jesus wendet sich nur gegen eine doppelte Moral, wo die treulose Frau die Schwerverbrecherin ist, die die Todesstrafe verdient, während der treulose Mann nur ein Kavaliersdelikt begeht und beinahe ungeschoren bleibt.

Die Rel. Führer sagen: "Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen, was sagst du dazu?" Das Gesetz des Mose ist für die religiösen Führer oberste Autorität. Jesus kritisiert das Gesetz des Mose auch nicht. Er weiß sehr wohl, dass Gesetze notwendig sind für ein harmonisches Miteinander. Aber es gilt zu unterscheiden: Gottesgebote und Menschengebote. Gottesgebote sind zeitlos gültig. Menschengebote hingegen müssen immer wieder der Zeit angepasst werden müssen. Die Steinigung z.B. Die Steinigung gab es zur Zeit Jesu kaum noch. Als Hinrichtungsart wurde sie von den Römern weder zugelassen noch von ihnen selbst praktiziert. Die Szene im heutigen Evangelium ist urkomisch. Offenbar ist der Ehebruch nur inszeniert, um Jesus eine Falle zu stellen. Im Grunde wollen sie Jesus weghaben, nicht die Frau. Wer das Gesetz missachtet, wird selbst zum Verbrecher, der die Todesstrafe verdient. So ihr Hintergedanke. Mit hinreißender Klugheit zieht sich Jesus aus der Schlinge. Er sagt nicht: Lasst die arme Frau in Frieden, sondern: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Damit erreicht er, was er will: Die Frau soll am Leben bleiben. Jesus will damit den Ehebruch nicht für straffrei erklären. Aber muss es gleich die Todesstrafe sein? Gott will nicht den Tod des Sünders. Er will, dass er umkehrt und lebt.

Lb. Gl. Das ist die erste Lektion aus dem heut. Evangelium. Die zweite ist ebenso wichtig. Steinewerfer finden sich schnell, auch heute. Wie viele Menschen werden angepatzt und schlecht gemacht. Das fängt schon bei den Kleinen in der Schule an. Wie viele Schüler werden ausgelacht und gemobbt: Die eine ist zu groß, die andere zu klein, die eine dick, die andere zu dünn, die andere ist ungeschickt, wieder eine andere nicht modern genug gekleidet. Wenn sie Glück haben, finden sie einen, der sie in Schutz nimmt: einen Mitschüler, Eltern, oder kluge und aufmerksame Lehrpersonen. Die Steinewerfer finden wir natürlich auch in den Betrieben und Vereinen bis hinauf in die hohe Politik. Irgendein Fehler ist schnell an den Haaren herbeigezerrt. Ihnen allen nimmt Jesus heute die Steine aus der Hand mit der peinlichen Frage: Und du? Bist du perfekt? Nein? Dann halte dich lieber zurück. Wer von euch ohne Makel ist, der werfe den ersten Stein.

 

 

 

 

2022 Lj.C: 4. Fastenso: Der Verlorene Sohn – der gute Vater.

Evangelium nach Lukas (Lk 15, 1)

In jener Zeit kamen Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.  Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: Ein Mann hatte zwei Söhne.  Der jüngere sagte eines Tages zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.  Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.  Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.  Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen.  Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um.  Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.  Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.  Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.  Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.  Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.  Bringt das Mastkalb, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.  Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.  Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.  Da rief er einen der Knechte und fragte. Was soll das bedeuten? Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.  Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu: Wir müssen uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Impuls:

Hast du zuhause auch so eine spannende Mischung? Die Kinder, die Geschwister - grundverschieden. Der Älteste pflegeleicht, angepasst, ein ausgesprochener Musterknabe, fleißig und brav. Und der Jüngste, das gerade Gegenteil: Freiheitsliebend, faul, nur Flausen im Kopf. Klar, dass es dann immer wieder kracht. Ja, und dann sagt der Junge "Tschüss" und ist auf und davon. Der Abschiedsschmerz hält sich in Grenzen. Endlich ist Ruhe im Haus. Oder doch nicht? Zu Hause schon, aber nicht im Herzen des Vaters und der Mutter. Die bringen den Jungen nicht aus ihren Gedanken. So auch der Vater in der heutigen Geschichte. Was wird aus ihm werden? Der hat nur Blödsinn im Kopf. Geld hat er mehr als genug in der Tasche. Er wollte sein Erbteil jetzt schon haben. Da gehen sich tausend Partys aus und jede Menge Freundinnen. Aber bei solchem Lebensstil geht auch ein großes Vermögen einmal zu Ende. Was jetzt? Jetzt wird er halt arbeiten müssen, der verwöhnte Knabe. Aber wer will schon einen Taugenichts? Na ja, zum Schweinehüten wird’s schon reichen. Aber wenn der Schweinebauer nichts zu essen gibt, dann bleibt ihm halt nichts anderes, als mit den Schweinen aus dem Trog zu fressen. Grausig, nicht auszuhalten. Was tun? Gibt es eine allerletzte Chance für mich? Mein Vater vielleicht? Er macht sich auf den Heimweg, voller Angst: Wird er mich aufnehmen oder gleich wieder verjagen? Das Unfassbare passiert. Bild

Seit Jahren wird er erwartet. Mit offenen Armen empfangen. Keine Vorwürfe, keine Strafe, nichts. Im Gegenteil. Es gibt eine rauschende Party mit Mastkalb und allem Drum und Dran. Ist das nicht des Guten zu viel? Viel zu viel? Er hat ja recht, sein großer Bruder, der Musterknabe: Das ist viel zu viel des Guten. So dumm wird doch kein vernünftiger Vater sein! Doch doch.

Lb. Gl. Und genau das ist unser Glück. Denn der Vater in der Geschichte ist kein anderer als der liebe Gott. Und die beiden Söhne sind keine anderen als wir. Wahrscheinlich sind wir eine Mischung von den Beiden. Wir haben etwas vom braven Musterknaben, aber auch vom ausgeflippten freiheitshungrigen Lebenskünstler. Und so passieren auch uns immer wieder Fehler oder gar schwere Vergehen. Gar nicht wenige geraten in eine Sackgasse. Wie kann es weiter gehen? Gibt es noch eine Chance für mich? Der Junge in der Geschichte zeigt uns den Weg. Er geht heim zu seinem Vater, wenn auch reichlich spät.

Lb. Gl. Das ist die wirkliche Tragik des verlorenen Sohnes. Das ist die Tragik von unzähligen Menschen. Erst wenn der Leidensdruck unerträglich wird, finden sie die richtige Adresse: die Sünder, die Ehebrecher, die Süchtigen, die Kranken. Wie oft klagen Ärzte über ihre Patienten: Warum kommen Sie erst jetzt? Familienberater und Therapeuten klagen: Warum kommen Sie erst jetzt, wo kaum noch was zu machen ist, 5 Minuten nach zwölf? Es mag sein, dass wir immer wieder zu spät dran sind: zu spät zum Arzt, zu spät zum Berater und Therapeuten, zu spät zum Priester. Nur bei einem Therapeuten gibt es offenbar niemals ein Zu-Spät, bei unserem Vater im Himmel. Er nimmt uns in die Arme, ganz egal in welchem Zustand wir sind, ohne Vorwurf und ohne Strafe.

Lb. Gl. Seit 2000 Jahren wird den Christen diese Geschichte erzählt. Sie wurde in 1000 verschiedenen Bildern gemalt, mit allen Kindern im Religionsunterricht gelernt und nachgespielt, in 1000 Predigten erklärt, und noch immer sind sie nicht ausgestorben, die  Zweifler. Jene, die Gott immer noch für einen strengen Aufpasser halten, mit der Peitsche in der Hand. Für einen strafenden und rächenden Gott. Wer diese Geschichte vom gütigen Vater hört, wie er seinem heruntergekommenen Sohn all seine Sünden vergibt und wie er ihn zärtlich in die Arme nimmt; Wer da immer noch zweifelt und meint: "Mir wird Gott niemals verzeihen", dem ist nicht zu helfen. Doch! Du kannst sicher sein: Jedem, der heimkehrt zu seinem Vater, gilt sein befreiendes Wort: Komm, lasst uns feiern! Denn mein Sohn, meine Tochter war verloren und ist wieder gefunden.

 

 

 

2022 Lj.C: 3. Fastenso: Katastrophen – Strafe Gottes?

Evangelium nach Lukas (Lk 13,1-9 )

In jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm: Pilatus hat im Tempel Galiläer umbringen lassen, die gerade dabei waren, ihr Ofer darzubringen. Ihr Blut vermischte sich mit dem Blut ihrer Opfertiere. Da sagte Jesus zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer so große Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein. Alle Menschen sind Sünder und sollten sich bekehren.

Impuls:

Bei dieser Geschichte bekommt man Gänsehaut. Pilatus richtet ein Blutbad an. Er lässt im Tempel einige Galiläer  niedermetzeln, während sie ihr Opfer darbringen. Bei Katastrophen steigt sie unwillkürlich auf, die Frage: Wer ist schuld? Diese Galiläer? Waren sie solche Sünder, dass Gott sie dermaßen bestraft? Unser Gott, ein strafender Gott? Das braucht man noch zu allem Elend: Gott mag mich nicht, er straft mich. Was meint Jesus? Nein, es ist nicht Strafe Gottes. Die Galiläer sind keine größeren Sünder als wir. Wenn jemand ein großer Sünder ist, dann ist es der Mörder Pilatus. Jesus macht keine Schuldzuweisung. Er verweist auf uns. Er meint: Katastrophen sind ein Weckruf, der uns sagen will: Moment, Halte inne und denk nach: Wie schaut es bei dir aus? Ist bei dir alles in Ordnung? Wenn nicht, dann kehr um. Kehr um zu einem Leben, das Gott gefällt. Zu einem Leben, das zum Segen wird für deine Mitmenschen und für dich selbst.

Lb. Gl.  Ein grausames Gemetzel, und das im Gottes-Haus. Geht's noch brutaler? Ja, es geht noch brutaler, in der Ukraine z.B. Tausende Verwundete, Tausende getötete Zivilisten, Millionen auf der Flucht. Wer ist schuld? Die Ukrainer oder der Mörder Putin? Ach, lassen wir das. Schuldzuweisungen bringen nichts. Die einzige Frage, die jetzt zählt: Was können wir tun, wenn man solche Katastrophen erlebt? Wir können vieles tun. Wir können für die geschundenen Menschen beten. Wir können beten um Gedanken des Friedens auf beiden Seiten. Wir können helfen mit Geld- und Sachspenden. Und Jesus meint noch etwas: Schau in dich hinein. Wie schaut es bei dir aus? Der Krieg fängt ganz klein an, im Herzen des Menschen. Kränkungen, Neid, Eifersucht… bringen Hassgedanken hervor. Wenn man Hassgedanken nicht bändigt, werden sie irgendwann zur Tat: Böse Worte, Mobbing, Gewalt. Es gibt jede Menge Spaltungs-Potential – auch bei uns. Corona hat das erschreckend zu Tage gebracht. Corona hat die Gesellschaft gespaltet, sogar die Familien in Befürworter und Gegner der Schutzmaßnahmen. Grundsätzlich friedliche Menschen werden plötzlich zu Feinden. Hassparolen auf der Straße werden zu Handgreiflichkeiten, zur Bedrohung von Politikern, Ärzten und Pflegepersonen. Vom Krieg der Worte ist es nur ein kleiner Schritt zur Tat. Jesus meint: Wir alle müssen uns besinnen. Kehrt um! Abrüstung ist angesagt. Abrüstung der Gedanken, Abrüstung der Worte und Abrüstung der Aggression. Vernunft und Besonnenheit sind gefordert. Steht es dafür, dass ein friedliches Land und friedliche Familien feindselig werden, nur wegen eines Virus? Wenn jemand anders denkt, muss er noch lange kein Feind für mich sein. Feindschaft ist das Letzte, was wir brauchen in Zeiten wie diesen. Wir müssen wieder zusammenfinden. Der Friede ist ein extrem kostbares Gut, aber auch extrem zerbrechlich. Siehe Ukraine! Wenn Katastrophen dazu führen, dass wir zusammenhelfen und näher zusammenrücken, dann ist selbst in der größten Katastrophe auch was Positives drin.

Lb. Gl. Eines weist Jesus entschieden zurück. Nicht der

liebe Gott ist der Strafende, der Rächende, der Unfrieden Stifter.

Ganz im Gegenteil. Er ist der Friedensfürst, der jene selig preist, die Frieden stiften. Dazu ist jeder aufgerufen, an erster Stelle wir Christen.

 

 

Hirtenwort zur Fastenzeit (2022)
Kirche mit Freude mitgestalten – trotz allem!

Liebe Schwestern und Brüder!

Papst Franziskus hat einen sog. Synodalen Prozess ins Leben gerufen. Da sind alle Christen eingeladenen, mitzudenken und mitzuarbeiten, um die Kirche zu erneuern. Kirche darf keine starre Organisation sein, ohne menschliche Nähe. Wir fragen uns, wie kann es gelingen, die Freude am Glauben in unserer Kirche neu zu entdecken? Zuerst sollen wir dankbar auf das schauen, was uns geschenkt wurde.
1. Das Geschenk der Taufe
Es ist nicht selbstverständlich, dass uns jemand gewollt und zu uns Ja gesagt hat. Bei der Taufe sagt Gott "Ja" zu uns, mehr noch: Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. Durch die Taufe gehören wir zu Gott.
Diese Zugehörigkeit ist kostbar, sie trägt und tröstet – gerade in schwierigen Phasen. Wir sind Schwestern und Brüder Jesu! Aus der Verbindung mit ihm wächst eine Verbundenheit mit allen Menschen, eine neue Geschwisterlichkeit. Zärtlich und kraftvoll begleitet uns der Heilige Geist, indem er uns stärkt in einer Weggemeinschaft mit vielen Suchenden, Glaubenden und Zweifelnden. Das ist Kirche! Wir erleben miteinander beglückende Wegstrecken, aber auch Momente des Versagens.

2. Nicht dazugehören – tut weh.
Dazugehören, nicht ausgeschlossen sein! Das ist eine große Sehnsucht. Diese Sehnsucht reicht zurück in unsere erste Lebensphase. Sie berührt den innersten wunden Punkt jedes Menschen – die Sorge, wirklich angenommen und geliebt zu sein. Jesus hat keine Berührungsängste. Er will die Menschen annehmen, so wie sie sind – mit ihren guten Seiten, aber auch mit ihren Fehlern und Defiziten. Er will jedem Ansehen geben, obwohl er selbst ausgeschlossen wurde. Das Kreuz stand draußen vor der Stadt. Die Fastenzeit ist für uns persönlich und als Kirche insgesamt eine Zeit zur Umkehr. Dazu kann auch die Bitte um Entschuldigung gehören – zum Beispiel gegenüber jenen Menschen, denen wir Teilnahme verweigern.
Wir erleben heute ein hohes Maß an Aggression – in verschiedensten Bereichen: in der Politik, in den Gemeinden und Vereinen, bis hinein in die Familie. Menschen fühlen sich machtlos ausgeliefert. Sie sind wütend auf die starren Systeme. Sie haben das Gefühl, nicht mehr teilnehmen und mitgestalten zu können. Für uns als Kirche und für die ganze Gesellschaft ist es eine enorme Herausforderung, die vielen enttäuschten und kaum noch gesprächsbereiten Menschen wieder neu zu erreichen. Wir brauchen viel Heiligen Geist für ein neues Zuhören und Vertrauen.
3. Pfarrgemeinderat – als aktive Beteiligung
Eine zentrale Frage des Synodalen Prozesses lautet: Wie gelingt es uns, Menschen auf dem Weg des Glaubens so zu begleiten, dass sie selbst zu aktiv Beteiligten werden? Sie sollen der Kirche mittendrin ein persönliches Gesicht geben. Vielfach geschieht dies in unseren Pfarren, im Religionsunterricht, in Pflegeheimen und Krankenhäusern und an anderen Orten, wo sich das Leben abspielt. Nicht zufällig sind Beteiligung und Mitbestimmung zwei Schlüsselworte für die bevorstehende PGR-Wahl: Wenn Menschen sich selbst, ihre Zeit und Energie einbringen, wollen sie ernsthaft mitgestalten können. Dafür braucht es ein Mindestmaß an Wertschätzung. Allerdings fällt vielen ein längerfristiges Engagement schwer. Es liegt an uns, zeitlich begrenzte Projekte vorzuschlagen und vor allem neue Herzfeuer des Glaubens zu entzünden.

Mein Dank gilt allen, die belastete und verwundete Menschen in die Gemeinschaft zurückholen, ihnen mit Geduld zuhören. Ich danke allen, die trotz eigener Fragen und Unsicherheiten ihren Glauben mit anderen teilen. Es braucht keine gescheiten Predigten. Die beste Predigt ist das Beispiel eines glücklichen Christen. Es kann am glaubwürdigsten vermitteln, dass eine gläubige Gemeinschaft Halt und Orientierung gibt. Die beste Werbung für den Glauben und die Kirche ist jene, die schon in der Urkirche bewundert wird: Seht, wie die einander lieben.
   
Mit dem Wunsch für eine gesegnete Fastenzeit im Vertrauen, dass Jesus selbst mitgeht, nachgeht und vorangeht, grüßt und segnet Euch

Bischof +Hermann

 

 

 

2022 Lj.C: 1. Fastenso: Der Teufel schläft nicht.

Evangelium nach Lukas (Lk 4,1-13)

In jener Zeit verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage in die Wüste zum Fasten und Beten. Dabei wurde er vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts. Er hatte Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesen Steinen, zu Brot zu werden.  Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.  Da führte ihn der Teufel auf einen Berg und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde.  Und er sagte zu ihm: All das will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab;  denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten;  und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.  Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.  Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.

Impuls:

Man kann über den Teufel denken wie man will. In zwei Belangen ist er unschlagbar. Er schläft nicht. Er arbeitet Tag und Nacht. Und er ist ein raffinierter Psychologe. Er kennt die Schwachpunkte des Menschen, und weiß sie auch entsprechend zu nützen. Dieses unverschämte Biest probiert seine Verführungskünste sogar bei Jesus, beim höchsten Chef. Auch bei ihm könnte es Schwachpunkte geben, die Grundbedürfnisse z.B. wie Hunger und Durst. Jesus hat 40 Tage in der Wüste gefastet. Er hat unbändigen Hunger. Der Teufel schleicht sich an. Hast du Hunger? Der tut weh, nicht wahr? Aber bist du nicht Gottes Sohn? Du hast alle Macht. Mach dir doch aus diesen Steinen, die da herumliegen, ein paar köstliche Brötchen. Und der Hunger ist weg. Warum eigentlich nicht? Jesus besinnt sich auf seinen Auftrag: Er ist vom Vater gesandt als Messias und Retter für die Menschen. Ausschließlich für die Menschen ist er da. Ihnen die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Und sie zu heilen. Sie zu befreien von Sündenlast und vom ewigen Tod. Dafür und nur dafür hat er alle göttliche Weisheit und alle Wundermacht. Diese Wundermacht jetzt für sein eigenes Wohlergehen zu missbrauchen, wäre glatter Amtsmissbrauch. Jesus durchschaut die List und entgegnet: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Viel wichtiger ist Gottes Wort und nach dem Willen Gottes zu handeln. Abgeblitzt. Aber der Teufel gibt sich nicht geschlagen. Er versucht es noch zweimal.

Lb. Gl. Bei Jesus hatte er keine Chance, der hinterlistige Verführer. Wie schaut es aber bei uns aus? Er schläft nicht, der heimliche Flüsterer. Er kennt unsere Schwachpunkte: Egoismus, Habgier, Genussgier, Eitelkeit, Machtgelüste und anderes mehr. Die Verführungskünste des Teufels beschreibt der irische Schriftsteller Clive Staple Lewis sehr humorvoll und geistreich in seinem Roman "Dienstanweisung für einen Unterteufel". Der alte erfahrene Teufel muss seinen Neffen, den unerfahrenen Unter­teufel, in die Kunst einweisen, Menschen zu verführen. Seine Aufgabe ist es, den englischen Gentleman Mr. Stroke auf die schiefe Bahn zu bringen. In mehreren Briefen versucht der alte Teufel, dem Anfänger beizubringen, wo Menschen anfällig sind, wo man sie packen kann. Wichtig ist: Der Unterteufel darf unter keinen Umständen zulassen, dass dieser Mr. Stro­ke über das Leben, über den Sinn des Lebens nachdenkt. Dabei könnte er nämlich zum Glauben an Gott kommen. Der alte Teufel weiß das aus eigener Erfahrung. Einmal, da hätte er fast einen Wissenschaftler, einen „Gottesleugner", an Gott verlo­ren. Der hatte doch plötzlich angefangen, über das Wunder der Schöpfung nachzudenken und zu staunen. In letzter Minute konnte der alte Teufel ihm einflüstern, dass er eigentlich Hunger hat. Und ... der leere Magen hatte Vorrang. Die gläubigen Gedanken waren weg!

Lb. Gl. Es heißt also wachsam sein. Dazu mahnt Jesus immer wieder. Besonders wirksame Mittel gegen die Versuchung des Teufels kommen am Schluss des Romans. Der alte Teufel nennt den Unterteufel einen Versager. Was war geschehen? Mr. Stroke ist einer jungen, gläubigen Frau begegnet, in die er sich verliebt hat. Sie hat ihn Glauben und Beten gelehrt. Mr. Stroke findet zu Gott, zum Gebet. Selbst im Krieg, im fürchterlichen Bombenhagel gerät er nicht in Versuchung, seinen Glauben zu verlieren. Er stirbt in Gott und ist für den Teufel verloren - auf ewig! Was heißt das für uns? Es gibt drei besondere Mächte: Liebe, Glaube und Beten. Gegen diese Himmelsmächte hat selbst der erfahrenste Teufel keine Chance!

 

 

 

2022 Lj.C: 8. So.i.Jahr.      Schuldgefühle – wie werde ich sie los?

 

Evangelium nach Lukas (Lk 6, 39)

Jesus gebraucht ein Bild und sagt: Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Impuls:

Was  siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Da stochert Jesus aber gehörig auf unserem wunden Punkt herum. Es geht um Schuld und wie man versucht, sie loszuwerden. Das Problem ist so alt wie die Menschheit. Schon im Paradies hat es angefangen. Adam und Eva haben gesündigt. Sie werden aus dem Paradies vertrieben. Das tut weh, und sie haben ein schlechtes Gewissen. Das wollen sie loswerden. Wie? Indem sie die Schuld auf andere schieben. "Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen". Von diesen Ausreden ist die eine besonders dreist: Die Frau, die du mir gegeben hast, sie gab mir die Frucht. Also ist der liebe Gott an allem schuld. Hätte er diese Frau nicht gegeben, wäre die Misere nicht passiert.

Not macht erfinderisch. Die Schuld ist eine große seelische Not. Was Schuldgefühle anrichten können, das hat der bekannte Psychotherapeut Reinhard Haller in einem seiner Bücher beschrieben. Schuldgefühle sind im Grunde heilsame Signale als Korrektiv für ein harmonisches Miteinander.  Aber sie zählen zu den quälendsten Gefühlen, die am schwers­ten zu ertragen sind. Ähnlich wie Angst und Scham bringen sie Freud­losigkeit und Hemmungen, Zweifel an sich selbst und zwanghafte Grübelei, Schlaf­störungen, sogar körperliche Beschwerden - im Magen, Druck auf der Brust, Kopfschmer­zen und anderes mehr.

Schuldgefühle zermürben. Niemand will mit Schuldgefühlen leben. Aber wie wird man sie los? Da sind manche sehr erfinderisch. Sie machen es wie Adam und Eva: Die Schuld auf andere schieben. Wieder andere versuchen es mit Verdrängen und Vergessen. Aber die Schuldgefühle geben keine Ruh. In schlaflosen Nächten tauchen sie auf wie gefährliche Monster. Oder man versucht es mit der Methode des heutigen Evangeliums: Ablenken. Auf die anderen schauen, was die alles falsch machen. Die sind ja auch nicht besser als ich. Wie tröstlich. Leider ein schwacher Trost. Der wischt die Schuldgefühle auch nicht weg.

Lb. Gl. Der beste Psychotherapeut der Welt, Jesus, hat eine bessere Idee. Er meint: Schau ehrlich hin auf den Balken in deinem Auge. Stehe dazu, ohne Schönreden. Die Wahrheit wird dich frei machen. Wenn du deine Fehler eingestehst, wird Versöhnung möglich. Du kannst andere um Verzeihung bitten. Du kannst dir selbst verzeihen und der liebe Gott wird es ebenfalls tun, mit großer himmlischer Freude. Versöhnung ist die einzige Medizin, die Schuldgefühle wirklich heilt. Sehr tröstlich ist der Gedanke, dass Fehler gute Lehrmeister sein können. "Aus Fehlern lernen wir" sagt eine Volksweisheit. Jesus weiß um die Not der Schuld. Deshalb hat er in seinem Vaterunser der Schuld einen eigenen Platz gewidmet. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 

 

 

2022 Lj.C: 7. So.i.Jahr.     Feindesliebe, Goldes wert?

Evangelium nach Lukas (Lk 6,27)

In jener Zeit sprach Jesus: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.  Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.  Gib dem, der dich bittet. Und: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.  Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.  Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein. Denn auch er ist barherzig, sogar gegen die Undankbaren und Bösen. Versucht, barmherzig zu sein, wie euer Vater im Himmel!

Impuls:

Hättest du auch ganz gern eine Olympia-Medaille?  Am liebsten gleich in Gold? Das ist  das höchste Ziel eines jeden Sportlers. Dafür wird trainiert er viele Stunden am Tag, bis zur Schmerzgrenze, bis zur Erschöpfung. Die Medaille ist es ihm wert. Nun, wir sind nicht bei den olympischen Spielen, also gibt es auch keine Medaillen für uns. Wirklich nicht? Doch. Es gibt ja nicht nur den Sport. Das alltägliche Leben hat weit mehr Disziplinen als nur die

15 Olympischen. Die Disziplinen des Lebens sind wichtiger als Eislaufen und Schifahren. Ich greife drei wichtige Disziplinen heraus: Geduld, Treue und Feindesliebe. Die Feindesliebe ist die Königsdisziplin wie im Wintersport die Abfahrt. Genau von dieser Königsdisziplin redet Jesus im heutigen Evangelium. Jede Disziplin verlangt Training, Geduld und Ausdauer, so auch die Feindesliebe. Die Disziplin der Feindesliebe, die ist so schwierig, dass die meisten gleich abwehren: Ich bin doch nicht blöd! Eigentlich schade. Dabei wäre diese Disziplin die nützlichste unseres Lebens. Möglichkeit zum Üben gibt es mehr als genug. Wir erleben das hautnah, jeden Tag: Verleumdung, Beleidigung, Demütigung, Feindseligkeit, Streitsucht, Mobbing, Hass im Internet, Hass im nächsten Umfeld. Nicht wenige gehen daran kaputt. Was dagegen tun? Wie damit umgehen? Es gibt ganz unterschiedliche Strategien. Viele schwören auf die Strategie der Rache: Dem anderen heimzahlen, aber gründlich, damit er endlich Ruhe gibt. Aber Ruhe gibt er nicht, der miese Kerl! Auch er zahlt es wieder heim, noch schlimmer als du. Es endet in einer Spirale der Gewalt, die beide belastet, sogar krank macht. Das kann es wohl nicht sein. Hast du Hassgefühle? Dann bedenke: Hass ist ein heimlicher Seelenfraß. Der Hassende straft sich selbst am meisten. Der Schriftsteller Karl-Heinz Söhler bringt es auf den Punkt im folgenden Vers:

Wenn du dich ärgerst, denk daran:

Der Ärger ist ein blödes Vieh.

Er fängt am falschen Ende an;

er frisst nur dich,

den, der dich ärgert, frisst er nie.

Eine andere Strategie empfiehlt uns Jesus: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen. Was soll das heißen? Soll ich alles schlucken, mir alles gefallen lassen? Dann werden meine Gegner nur noch frecher. "Lumpen züchten" hieße das. Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen. Ich muss meinem Feind keinen Bruderkuss geben. Ich kann ihn sehr wohl zur Rede stellen. Ich kann ihm sagen, dass sein Verhalten mir weh tut, mich verletzt, dass sein Verhalten nicht fair ist. Auch Jesus hat sich verteidigt bei seinem Prozess vor dem Hohenpriester: Ein Soldat hat ihm ins Gesicht geschlagen. Jesus verteidigt sich: Habe ich unrecht geredet, beweise mir das Unrecht. Habe ich recht geredet, warum schlägst du mich?

Lb. Gl. So und jetzt geht es um die Medaillen. Du verdienst die Goldene, wenn du es fertigbringst, deinem Feind zu verzeihen, ihm sogar zu helfen, wenn er deine Hilfe braucht. Wenn du die Goldene nicht schaffst, dann schaffst du vielleicht Silber oder Bronzene. Die kriegst du, wenn du die sog. Goldene Regel einhalten kannst: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Das heißt: Auf Rache verzichten. Dem Feind nichts Böses wünschen und schon gar nichts Böses tun. Ich schaue jetzt in die Reihen und sehe im Geist jede Menge Sieger. Viele mit der Goldenen, andere mit Silber und wieder andere mit Bronze. Die Medaillen hängt dir nicht irgendein Präsident um den Hals, sondern kein Geringerer als der Herr des Himmels und der Erde. Und sein Lohn ist nicht nur ein kurzer Siegesrausch, sondern tiefe innere Freude - auf dieser Welt und erst recht drüben in der Ewigkeit.

 

 

 

2022 Lj.C: 6. So.i.Jahr.    Seligpreisungen; Vertröstung?

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,3-12)

In jener Zeit sprach Jesus: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig, die ihr jetzt weint, ihr werdet lachen.  Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.  Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.  Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.  Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.  Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt.

Impuls:

Selig die Armen, selig die Hungernden, selig die Trauernden. Diese Seligpreisungen klingen im ersten Moment völlig unverständlich, sogar zynisch. Ist Armsein und Traurigsein denn so toll, dass man es seligpreisen muss? Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Soll das etwa heißen: Lasst die Armen ruhig in ihrem Elend. Sie bekommen schon ihr Glück – und zwar im Himmel? So haben es manche Christen tatsächlich lange Zeit verstanden. Immer wieder hat man die Armen auf ein besseres Jenseits vertröstet. Das hat Jesus keinesfalls gewollt, ganz im Gegenteil. Wenn Jesus sagt: Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich, dann ist das keine Vertröstung auf das Jenseits. Nein. Himmelreich versteht er als Reich Gottes, das er jetzt begründen will, hier und jetzt. Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Ihr Weinenden, ihr werdet lachen, aber nicht erst am Ende eures Lebens, sondern schon jetzt. Denn im Reich Gottes herrscht ein völlig anderer Geist, ein anderes Denken und Handeln. Da gelten ganz neue Spielregeln, da gilt das Gesetz der Liebe und des Mitgefühls. Wahre Christen werden angesichts der Not niemals die Achseln zucken und sagen: Da kann man halt nichts machen. Man kann sehr wohl was machen. Das folgende Beispiel ist nur eines von abertausend.

Da gibt es eine junge deutsche Studentin. Ein einfaches Mädchen. Sie hat eine Reise nach Indien gemacht. Dort kommt man an den Elendsvierteln, an den Slums, nicht vorbei. Sie hat bitterlich geweint, als sie dieses Elend sah. Da muss ich was tun, denn die Regierung rührt keinen Finger. Begonnen hat alles mit Tränen. Sie hat sich ein Herz gefasst. Und gemeinsam mit ihrer in­dischen Brieffreundin hat sie in Dehra Dun eine Schule gebaut, mit deutschen Spendengeldern. Eine Schule mitten in einem Slumgebiet. Inzwischen besuchen hunderte Slumbewohner die Schule, mehr als ein Dutzend Lehrkräfte sind fix angestellt. Die Schüler be­kommen regelmäßiges Essen. Gar nicht wenige haben schon eine gute Ausbildung und einen Beruf, von dem ihre Familie  ein menschenwürdiges Leben führen kann. Begonnen hat alles mit Tränen, mit den Tränen einer Studentin und den Tränen der Slumbewohner. Inzwischen haben sich ihre Tränen in Freude verwandelt. Selig die Weinenden, sie werden lachen. Wie recht er doch hat, unser Jesus. Im Reich Gottes, wo das Gesetz der Liebe herrscht, wo man sich gegenseitig tröstet und hilft, dort werden die meisten Glückshormone ausgeschüttet. Da wird gelacht, und wie! Und es fließen Tränen, Tränen der Freude. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Lb. Gl. Diese Studentin ist ein Wahnsinn! Was für ein Mitgefühl, welcher Mut, welche Zähigkeit! Die meisten von uns können das nicht, müssen wir auch nicht. Was wir aber können: Gute Projekte unterstützen. Dafür gibt es über das Jahr verteilt entsprechende Sammlungen. Da können wir beweisen, welche Christen wir sind und wieviel Mitgefühl wir haben.

 

 

 

2022 Lj.C: 5. So.i.Jahr.   Auf dein Wort hin - Krise

Evangelium nach Lukas (Lk 5,1-11)

In jener Zeit stand Jesus am Ufer des Sees Gennesaret. Das Volk drängte sich um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.  Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und lehrte das Volk vom Boot aus.  Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Petrus: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.  Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.  Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und fassungslos, weil sie so viele Fische gefangen hatten. Dann sagte Jesus zu Simon: Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus nach.

Impuls:

Diese Geschichte rührt mich an. Petrus, der erfahrene Fischer, erlebt einen derartigen Misserfolg. Die ganze Nacht arbeitet er durch. Am Morgen kommt er ans Ufer zurück – und die Netze sind leer. So und jetzt nimmt sich Jesus sein Boot und verwendet es als Bühne für seine Predigt. Jesus muss ihm seinen Frust angemerkt haben. Er gibt ihm einen gutgemeinten Rat: Geh, probier's noch einmal! Fahr noch einmal hinaus. Was? Zum Fischfang ausfahren bei hellem Tageslicht? Das ist ebenso sinnlos, als suche man die Sonne mitten in der Nacht. Nicht zu fassen: Petrus vertraut und sagt: Auf dein Wort hin will ich es noch einmal versuchen. Sein Vertrauen wird belohnt, und wie! So viele Fische hatte er noch nie im Netz. Und nicht nur das. Jesus schenkt ihm einen neuen Beruf: Von nun an sollst du Menschen fangen. Was für eine Karriere! Vom Fische-Fischer zum Menschen-Fischer, zum Apostel, zum engsten Mitarbeiter Gottes.  Lb. Gl., eine berührende Geschichte. Ist das vielleicht auch unsere Geschichte? Uns geht es oft ganz ähnlich wie dem Petrus. Auch in unserem Leben gibt es beides, Erfolg und Misserfolg. Manchmal klappt alles wie am Schnürchen in unserem Le­ben, in unserem Beruf, in unserer Familie. Wir wissen, wie Leben geht. Wir haben Erfahrung. Dann kommt was auf uns zu, und unser Lebens-Boot beginnt zu schwanken. Plötzlich versagt die ganze Le­benserfahrung. Das Arbeitsklima stimmt nicht. Man kommt mit den Mitarbeitern nicht zurecht. Es gibt Ärger mit dem Chef, obwohl man das Beste will und sich alle Mühe gibt. Und zu­hause geht's auch nicht besser. Das Kind, das bisher so lieb und herzig war, ist jetzt in einer schwierigen Phase, ist zickig, aufsäs­sig und faul. Man versucht es mit Güte und mit Strenge, alles umsonst. Und un­ter den Ehegatten: einst wunderschöne Harmonie, jetzt häufen sich die Spannungen bis zur Unerträglichkeit. Was hat man sich bemüht, alles wieder einzurenken, wie viele schlaflose Nächte! Manchmal könnte man verzweifeln und sagen: Ist doch alles umsonst, alles vergebliche Liebesmüh! Es ist ebenso aussichtslos, als wollte man Fische fangen - bei hellem Tageslicht.

Lb. Gl. Vom heutigen Evangelium können wir lernen: Herr, auf dein Wort hin, will ich es noch einmal versu­chen. Wir geben viel zu schnell auf, weil wir nur uns selber sehen, un­sere begrenzten Möglichkeiten, unsere begrenzte Kraft. Bedenke: Eine Krise ist noch keine Katastrophe und auch kein Grund zu verzweifeln. Eine Krise ist oftmals eine Chance. Eine Chance, das Leben neu zu ordnen. Fragen zu stellen. Sind andere schuld an der Misere? Soll ich weiter schlucken oder ihnen sagen: Mir geht's nicht gut. So kann's nicht weitergehen. Wir müssen zusammenhalten und zusammenhelfen. Oder bin ich selber schuld? Soll ich was ändern? Kann ich das? Macht mich das Betriebsklima kaputt? Sollte ich einen anderen Betrieb ins Auge fassen oder gar einen anderen Job? Bin ich über-fordert oder unter-fordert? Bin ich zu Größerem fähig als nur zum Fische-Fischen? Könnte ein Berater weiterhelfen? Wenn ich das mit dem besten Berater, mit Jesus, abgeklärt habe, dann ist es Zeit zu handeln: Herr, wenn du es sagst, will ich es versuchen.

 

 

 

2022 Lj.C: 4. So.i.Jahr.  Stadt ohne Gott

Evangelium nach Lukas (Lk 4,16-30)

So kam Jesus auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. In seiner Predigt verkündete er: Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen und Kranken eine gute Nachricht bringe und den Gefangenen die Freiheit; und dass ich ein Gnadenjahr ausrufe. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete. Dann sagte er: Sicher werdet ihr mir vorhalten: Wenn du in Kafarnaum so große Wunder getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Er aber entgegnete: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie in Wut.  Sie sprangen auf und trieben ihn zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.  Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Impuls:

Letzten Sonntag haben wir gehört: Jesus kommt in seine Heimatstadt Nazareth und predigt. Es war seine erste Predigt dort. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Heute weiß jeder Bischof: Einen Priester darf man nie in seinem Heimatort einsetzen. Dort kennt man alle seine Jugendsünden. Und die hält man ihm ständig vor. Wenn er in seinen Predigten Unangenehmes verlangt, sagen sie gleich:  Sei nur still, du warst ja selber nicht besser. Ja! Predigen geht überall, nur in der Heimat nicht. Das hat auch Jesus bitter erfahren müssen, er, der weltbeste Prediger, der sogar Wunder wirkt. So schnell kann es gehen. So schnell schlägt die Stimmung um. Eben noch sind sie hellauf begeistert, wie begnadet er zu reden versteht. Großmundig verkündet er: Ich bin gesandt, damit ich den Armen und Kranken eine gute Nachricht bringe und den Gefangenen die Freiheit. Ich bin gesandt, ein Gnadenjahr auszurufen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein: keine Armut, keine Krankheiten mehr. Freiheit und Gnade für alle Bürgerinnen und Bürger. Den machen wir doch glatt zum Ehrenbürger. Aber was soll das? Die Wunder bleiben aus, gerade in seiner Heimat. Jesus ist eben nicht der gefällige Gönner, der auf Zuruf heilt und alle glücklich macht. Es geht ihm bei seiner Antrittsrede nicht um Beifall, sondern um den Glauben. Und gerade den vermisst er bei seinen Landsleuten. Verständlich seine Enttäuschung: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Jetzt packt sie die Wut. Sie springen auf und treiben ihn zu Stadt hinaus. Sie wollen ihn sogar von einem Felsen stürzen. Nein! Jetzt ist noch nicht die Zeit zu sterben. Zu viel ist noch zu tun. Mit göttlicher Autorität schreitet er durch die zornige Menge und geht weg. Beifall und Verwerfung, beides innerhalb von wenigen Minuten.

Lb. Gl. Die getrauen sich was, diese Nazarener. Sie treiben Gott zur Stadt hinaus. Das hat Schule gemacht. Das geschieht auch heute, hier und überall. Wo Gott hinausgetrieben wird, da setzt sich der Mensch an seine Stelle. Da macht sich der Mensch zum Maß aller Dinge. Wohin das führt, das haben uns die Nazis vorgezeigt: Sie haben bestimmt, wer es wert ist, am Leben zu bleiben und wer nicht. Behinderte, soge­nanntes lebens-unwertes Leben hatte keinen Platz in diesem Regime. Unerwünschte Menschen sind zu Tausenden über Nacht verschwunden und grausam ums Leben gekommen. Den lieben Gott, den Liebhaber der Menschen, den haben sie hinausgeworfen. Wer Gott vertreibt, verliert das Herzstück. Eine Stadt ohne Gott ist eine tote Stadt. Da helfen die tollsten Veranstaltungen nichts, da hilft kein Stadtfest und kein Feuerwerk. Wenn Gott weg ist, ist die Liebe weg, denn Gott ist die Liebe. Eine gottlose Stadt ist wie ein Ofen ohne Wärme, wie ein Haus ohne Licht.

Lb. Gl. Das heutige Evangelium ist hart aber es hat ein Happy End. Wie oft wird versucht, Gott an den Rand zu drängen, bis hart an den Abgrund. Aber er lässt sich nicht vertreiben. Denn es ist seine Welt. Plötzlich ist er da - in einem Ereignis, in einer Frage, in einem Schicksal, in einem Menschen. Er zeigt sich mächtig und stark. Er schreitet weiter, unbeirrt, und erreicht letztlich, was er will. Das ist unser Trost, in einer zunehmend gottlosen Welt.

 

 

 

2022 Lj.C: 3. So.i.Jahr. Gnadenjahr

Evangelium nach Lukas (Lk 1, 1)

In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.  Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,  reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Gefangenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.  Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.  Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Impuls:

Der junge, frischgebackene Rabbi geht in die Städte und Dörfer und verkündet seine Frohbotschaft. Und er bekräftigt seine Botschaft mit Wundern. Die Menschen erleben: Da wirkt einer, da redet einer mit göttlicher Vollmacht. Schließlich kommt er auch in seine Heimatstadt Nazaret. Er predigt nicht wie ein nervöser Anfänger, sondern mit unglaublichem Selbstbewusstsein. Er verkündet seinen Landsleuten sein Lebensprogramm: Gott hat mich gesandt, den Armen und Kranken die Heilsbotschaft zu bringen und den Gefangenen die Freiheit. Er hat mich gesandt, ein Gnadenjahr des Herrn auszuru­fen. Gnadenjahr, das war damals eine fester Brauch. Alle 49 Jahre, also 2x die heilige Zahl 7. Alle 7x7 Jahre wurde ein Gnadenjahr ausgerufen und gefeiert: Da wurden alle Schulden erlassen, Haus- und Grundbesitz mussten zurückgegeben werden. Wer in Sklaverei geraten war, durfte zu seiner Familie zurück.

Jesus zählt nicht mehr die Jahre. Jedes Jahr soll ein Gandenjahr sein. Er will die Freiheit der Menschen, das ist sein Programm. Er sieht, wie Menschen von Armut und Krankheit, von Leid und Schuld belastet sind. Er sieht, wie die Menschen von religiösen und politischen Füh­rern ausgenützt und unterdrückt werden. Er will die Freiheit der Kinder Gottes. Sein Programm ist also nicht nur ein rein religiöses Programm, nicht nur ein Bibelunterricht oder eine Gebetsschule. Sein Programm ist ein höchst soziales, sogar ein politisches Programm. Er will eine Verbesserung der Verhältnisse, die Veränderung der Gesellschaft.

Das Programm Jesu ist seither auch das Programm der Kirche und jeder lebendigen Pfarrgemeinde. Nur Gottesdienst, nur Gebet und religiöse Erbauung sind zu wenig. Schon sehr früh begannen Bischöfe und Or­densleute mit der Gründung von Hospizen für Kranke, Behinderte, Alte und Fremde. Eigene Diakone wurden bestellt, um die Armen zu versorgen.

Lb. Gl. Hast du schon ein Gandenjahr erlebt? Gewiss, die meisten von uns. Es sind Jahre, in denen wir die Nähe und Hilfe Gottes besonders intensiv erfahren. Es war z.B. das Jahr, in dem du die Liebe deines Lebens gefunden und geheiratet hast. Das Jahr, in dem du die Abschlussprüfung geschafft und deinen Wunschberuf begonnen hast. Das Jahr, in dem du nach langer schwerer Krankheit wieder gesund geworden bist. Ein Gnadenjahr, ein Geschenk Gottes! Und das Jahr 2022, wird das auch ein Gnadenjahr werden? Kommt darauf an. Wer die Hände in den Schoß legt und wartet, dass der liebe Gott ihm ein Gnadenjahr in den Schoß legt, der wird vergeblich warten. Ohne uns macht der liebe Gott gar nichts. Aber jedem, der glauben und vertrauen kann, dass Gottes Geist in ihm wirkt, dem wird ein Gnadenjahr geschenkt. Und zwar nicht nur

eines in 49 Jahren. Wer mit Gott in herzlicher Beziehung lebt, für den ist jedes Jahr ein Gnadenjahr. Für den ist jeder Tag und jede Stunde eine Gnadenzeit, ein Geschenk Gottes.

 

 

 

2022 Lj. C: 2. So.i.J: Leere Krüge? Tut, was Er euch sagt!

Evangelium nach Johannes (Joh 2,1)

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.  Der Wein ging aus. Da sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.  Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.  Er segnete das Wasser und sagte: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.  Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.  So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und seine Jünger glaubten an ihn.

Impuls:

Heute wirkt Jesus sein erstes Wunder. Ausgerechnet bei einer Hochzeit.  Er verwandelt Wasser in Wein. Ist denn das so wichtig? Ja. Es ist ein Zeichen, dass er Mitgefühl hat, auch für scheinbar belanglose Pannen. Er verwandelt Peinlichkeit in den Wein der Freude.  Und das Schöne daran: Sein Heilswirken geht weiter bis heute und weiter bis in alle Ewigkeit. Die Bibel ist für uns geschrieben, auch diese Geschichte von den leeren Krügen. Ehepaare können ein Liedchen davon singen, wie schnell die Krüge, wie schnell die Herzen leer werden können, nicht bei der Hochzeit selbst, aber in den Jahren danach.

Wer kennt sie nicht? - Diese Leere, dieses Gefühl der Sinnlosigkeit. Die Beziehung ist schal und langweilig wie abgestandenes Wasser. Sie haben sich nichts mehr zu sagen, sie lieben sich nicht mehr. Jeder geht nur seinen Interessen nach. Man spürt einfach nur noch Frust. Dann pas­siert, was in vielen Häusern hinter den Kulissen oft geschieht: der maßlose Griff zur Flasche, der wiederholte Gang zum Kühlschrank, der Kaufrausch online und zu jeder Zeit... Ein kalter Schleier legt sich über das Gesicht. Tief drinnen trostlose Traurigkeit. Wie kann man diese Misere überwinden? Geht das überhaupt? Maria gibt uns heute einen nützlichen Tipp. "Was er euch sagt, das tut!", ruft Maria den Die­nern zu. "Was er euch sagt, das tut!" - Was bedeutet das? Was will denn Jesus von jenen, die ihr Herz verhärten und keinen Funken Freude mehr spüren? "Füllt die Krüge mit Wasser!", sagt er. Was könnte das für uns bedeuten. Es könnte bedeuten: Nimm das, was da ist, nimm es und gib es mir". Geh in deine Kammer oder in eine Kirche und rede mit mir. Übergib mir deine Langeweile, gib mir deine Bitterkeit. Bring mir deine Lieblosig­keit und deine Rachegedanken. Und du wirst sehen, was geschehen kann. Auch du wirst erleben: Gottvertrauen kann Wunder wirken, sogar das Wunder einer Verwandlung.

Lb. Gl. Der Hl. Geist kann deine falsche Lebenseinstellung korrigieren, deine überzogenen Erwartungen. Diese sind die Hauptursache von Konflikten. Die Erwartung: Mein Partner ist nur dazu da, mich zu unterhalten und mich glücklich zu machen. Das schafft keiner, auch nicht der beste Partner der Welt. Vor allem dann nicht, wenn der andere nichts tut zu meinem Glück. Wenn einer immer nur geben muss, ohne dass er was zurückbekommt, dann wird der Krug der Liebe einmal leer. Der Hl. Geist hilft uns, diese fatalen Fehler zu sehen. Wenn Einsicht da ist, dann ist das schon der erste Schritt zur Wandlung. Zudem kann eine ruhige Aussprache bei einem Gläschen Wein helfen, so manches Missverständnis zu klären. Plötzlich siehst du, dass manche grobe Worte gar nicht so bös gemeint waren. Der Hl. Geist gibt dir auch den Mut, um Verzeihung zu bitten und Verzeihung zu schenken. Wenn das persönliche Gespräch die beiden Partner nicht weiter hilft, dann schafft es oftmals eine Familienberaterin der Caritas. Was er euch sagt, das tut! Dort wo Menschen tun, was er sagt, geschehen tatsächlich Wunder. Dort werden selbst harte Menschen weich und kalt Herzen tauen auf. Also: Was er euch sagt, das tut!

 

 

 

2022 Lj. C: Taufe Jesu. Taufe, wozu?

Evangelium nach Lukas

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.  Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,  und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.

Impuls:

Ich weiß nicht, wie viele Kinder ich getauft habe. Ich weiß nur: Die Taufe ist von den 7 Sakramenten das berührendste. Berührend schon der Anblick, mit welchem Stolz die jungen Eltern ihren Liebling in die Kirche bringen. Oftmals habe ich mich gefragt: Warum bringen sie denn ihr Kind zur Taufe? Manche von ihnen gehen ja kaum noch in die Kirche. Aber ihr Kind taufen lassen, das ist ihnen wichtig. Dieses Fest wird gefeiert mit allem Drum und Dran: In der Kirche mit schönen Liedern und Gebeten und danach mit einem ordentlichen Taufschmaus. Warum das alles, für so einen Winzling?

Vielleicht wollen die Eltern einfach nur Danke sagen.

Ein Kind, ein neues Leben ist ein Wunder. Was ist das für ein traumhaft schöner Moment, wenn man sein Kind zum ersten Mal in den Armen hält! Viele, die ihr Kind taufen zu lassen, möchten bei der Taufe ihren Dank zum Ausdruck bringen: Dank für die glückliche Geburt, Dank für das neue Familienmitglied, Dank, dass das Kind wohlauf ist. Nicht zuletzt Dank für dieses unfassbare Geschenk Gottes. Zudem möchten sie Gott als Partner.

Manche Eltern haben selbst erfahren, wie wichtig und hilfreich der Glaube ist und eine gläubige Gemeinschaft. Sie wollen unbedingt, dass auch ihr Kind dazu gehört, zur Familie Gottes. Es ist ihnen schon bewusst: Bei all ihrer Freude über das neue Leben – Herausforderung und Verantwortung ist das schon auch, dieses Kind zu versorgen, zu erziehen, es auf seinem Lebensweg zu begleiten. Die meisten Eltern sind ja nicht unbedingt ausgesprochene Profis in Sachen Erziehung. Da muss vieles aus dem Bauchgefühl heraus geschehen. Und da gibt es Unsicherheit und Ratlosigkeit noch und noch. Da ist es schon gut, hilfreiche Menschen, gute Freunde, gute Verwandte, gläubige Mitchristen an der Seite zu haben, die beistehen mit Rat und Tat. Und oft genug gibt es Situationen, wo alle menschliche Weisheit versagt. Dann sagen wir: Da hilft nur noch beten – und: es hilft. Es tut einfach gut zu wissen: Neben Mama und Papa ist da noch einer, der mein Kind behütet. Einer, der stärker ist und weiser als wir. Da ist ein Vater im Himmel, der zu meinem Kind sagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Und was "geliebt" wirklich bedeutet, das wissen wir. Liebe will einfach das Beste tun für das geliebte Wesen.

Lb. Gl. Diesen Glauben haben viele Eltern als hilfreich erfahren. Diesen Glauben möchten sie weitergeben an ihr Kind. Aber die Weitergabe des Glaubens ist ja auch nicht ganz leicht. Das kann man oft nicht allein. Gott sei Dank gibt es gläubige Omas und Opas, gläubige Mitchristen, gute Lehrpersonen und Priester, die das besser können. Es gibt also Gründe genug, den Liebling in die Kirche, in die Familie Gottes zu bringen und taufen zu lassen.

 

 

 

2022 Lj-A: Dreikönig: Suche; verlaufen.

Evangelium nach Matthäus (Mt2,1-12)

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.  Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.  Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.  Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Dann machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.  Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.  Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Impuls:

Dumm gelaufen für die drei Sterndeuter. Da nehmen sie solche Strapazen auf sich. Sie verlassen sich auf ihre Sterndeutekunst und auf ihre menschliche Logik. Wo soll ein König von Israel denn geboren werden, wenn nicht auf dem Königshof in Jerusalem? Sie wandern tage- und wochenlang - und landen schlussendlich beim falschen König, bei Herodes. Der ist total irritiert. Von einem neuen König weiß ich nichts. Wenn es ihn gibt, wo steckt er dann? Herodes wird nervös. Einen anderen König wird er nicht dulden, wer immer es auch sei. Er ist ratlos. Vielleicht wissen die Schriftgelehrten von einem besonderen König. Richtig. Die wissen Bescheid. Und sie wissen auch, wo sie nachschauen müssen: in der Bibel. Vor 500 Jahren schon spricht der Prophet Michäeas von diesem besonderen König und nennt auch den Ort seiner Geburt: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unwichtigste Stadt; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

Jetzt folgen die Sterndeuter der Hl. Schrift - und finden den Richtigen. Sie sind zutiefst berührt von seiner Armut und überwältigt von seiner Ausstrahlung. Sie packen ihre Geschenke aus und huldigen diesem kleinen König. Von Gottes Weisheit erleuchtet, schenken sie genau, was zu ihm passt: Gold, ein Symbol für die Königswürde. Weihrauch, Symbol für die Gotteswürde. Und Myrrhe, Symbol für den Kreuzestod. Dann gehen sie heim. Diesen König werden sie nie und nimmer vergessen. Von ihm werden sie erzählen ein Leben lang. So werden sie zu den ersten Missionaren von Jesu. Lb. Gl. Die Suche der Sterndeuter. Ein Weg voller Strapazen. Ein Weg voller Umwege und Irrwege. Und schlussendlich von Gott an den richtigen Platz geführt. Ist das nicht auch unsere Situation? Unser Leben ist ein einziges Suchen. Suchen und sich Verirren. Suchen und Finden. Wir suchen den richtigen Freund, die richtige Schule, den richtigen Beruf, den richtigen Partner.

Manche finden auf Anhieb das Richtige. Andere verlaufen sich ständig und müssen erkennen: Das ist nicht Meins. Dann heißt es weitersuchen und weiterbangen. Das ist oft zum Verzweifeln. Alle menschliche Logik versagt. Und irgendwann begegnet dir ein Mensch, der einen guten Tipp für dich hat. Vielleicht sagt er dir: Wenn alle menschliche Weisheit nicht weiterhilft, hast du einmal darangedacht, Gott zu fragen nach dem richtigen Weg? Wie soll das gehen: Gott fragen? Ganz einfach. Du kannst dir Gott vorstellen als guten Freund. Als guten Vater, als gute Mutter. Geh in deine Kammer oder in eine Kirche und rede mit ihm über alles, was dich bedrückt. Und höre, was er sagt. Und es passiert gar nicht selten, dass ein Wort der Hl. Schrift einen Geistesblitz entfacht. Dann geht dir ein Licht auf, ein Stern. Das Licht der Hl. Schrift kann auch dir den richtigen Weg zeigen, so, wie den Weisen aus dem Osten.

 

 

 

2022 Lj. C: 2. Sonntag nach Weihnachten: Macht des Wortes

Evangelium nach Johannes (Joh 1,1)

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.  Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.  Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.  Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.  Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,  die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.  Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Impuls:

Wir reden viel, wenn der Tag lang ist. Wir reden Wichtiges, aber auch belangloses Zeug. Wir reden Gutes und Böses. Welchen Wert haben sie denn, unsere Worte? Wie würdest du den Wert deiner Worte bewerten? Und was sind die Worte der anderen wert? Die Worte der Politiker, die Worte der Pfarrer, die Worte der Klatschbasen? Nein, ich will es gar nicht wissen. Über Belanglosigkeiten und Dummheiten lohnt es sich nicht, auch nur ein Wort zu verlieren. Wenden wir uns lieber jenen Worten zu, die wirklich etwas zu sagen haben. Im heutigen Evangelium z.B. Da heißt es gleich zu Beginn: Im Anfang war das Wort. Das ist nicht zu fassen: Vor aller Schöpfung war das Wort, das Wort Gottes: "Es werde". Und es "wurde" - die wunderbare Schöpfung mit allem Drum und Dran.

Die Bibel ist voll von Machtworten Gottes. Gottes Machtwort schafft als erstes das prachtvolle Universum. Gottes Wort hat auch die Macht, uns Menschen auf den rechten Weg zu bringen - durch die 10 Gebote und andere Wegweisungen. Ich bin überrascht: Gott hat es gewagt, zu delegieren, dass andere sein Wort verkünden: Propheten und Prediger. Aber diese Leute verkünden das Wort oft nur halbherzig und lahm. So hat es dann auch nicht den gewünschten Erfolg. Worte müssen anschaulich und griffig sein, wenn sie ankommen sollen. Genau das war der Grund, warum der liebe Gott sein Wort Fleisch werden lässt in Jesus, seinem Sohn. Sein Wort soll ein Gesicht bekommen, das lachen und weinen kann. Sein Wort soll Füße bekommen, die zu den Menschen gehen und Hände, die segnen und heilen.

Deshalb wurde das Wort Gottes Fleisch, deshalb kam sein Wort leiblich zu uns, hautnah, zum Angreifen und Anschauen wie eine Ikone. Dieses Wort Gottes hat Macht, Wunder zu wirken, Kranke zu heilen, Sünden zu vergeben, sogar Tote zu erwecken. Worte voller Macht, wie die folgenden: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause!" (Joh 5,8). Oder: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" (Mk 2,5). Oder: Lazarus, komm heraus. So zeigt sich Gottes Wort: Nicht in Dogmen und Glaubenssätzen zum Auswendig-Lernen, sondern als Wort, das rettet und heilt.

Lb. Gl. Soweit die Macht des Gotteswortes. Jetzt aber zu unseren Worten. Was sind unsere Worte wert? Ich denke, auch sie sind nicht zu unterschätzen. Hast du gewusst, dass das Wort eines Menschen gesund machen, krank machen, tot und lebendig machen kann? Hast du gewusst, dass die Stimme eines Menschen den anderen wieder aufhorchen lässt, dass das Wort eines Menschen wieder sehend machen kann - einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah, der keinen Sinn mehr sah in seinem Leben. Hast du gewusst, dass Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen mehr als eine geniale Operation. Hast du gewusst, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirken kann? Wir sollten nicht zu bescheiden sein. Auch unser Wort kann Wunder  vollbringen, wenn es im Geist Gottes gesprochen und eingesetzt wird.

 

 

 

2022 Lj. C: Neujahr: Des Glückes Schmied oder Störenfried?

Evangelium nach Lukas (Lk 2, 16)

In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen,

erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte. Der Name Jesus bedeutet: Gott heilt.

Impuls:

Lb. Gl. Ich denke, auch du hast jede Menge Glückwünsche bekommen zu Weihnachten und zum Neuen Jahr: Alles Gute und viel Glück! Der Mensch lebt vom Guten. Glücklich, wer Gutes zu essen und zu trinken, wer gute Arbeit hat, und wer in guten Beziehungen le­ben kann. „Es geht mir gut!", könnte ein solcher Mensch von sich sagen. Könnte. Doch wir Österreicher sind bekannt, dass wir gerne jammern. Jammern auf hohem Niveau, da wir im Grunde doch alles haben. Wenn man fragt: Na, wie geht’s, dann bekommt man  häufig nur ein Seufzen: Zu viel zu tun, keine Zeit, der Druck, die miese Lage, die Politik, über­haupt, alles miserabel. So mancher beschmutzt sein eigenes Nest, weil er einfach nichts gut sein lassen will. Alles Gute! Schön und gut. Aber wahrnehmen muss man es und schätzen.

Das Glück fällt uns nicht einfach in den Schoß. Einen guten Teil davon kann man und muss man selber machen. Warum sind einige Menschen glücklicher als andere? Sie haben nicht mehr als jene, weder mehr Besitz, noch größere Fähigkeiten. Aber sie wissen das zu schätzen, was sie haben. Eine alte Volksweisheit sagt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber manche sind leider ihres Glückes Störenfried. Es gibt sogar ein Buch mit dem Titel: „Die Kunst, unglücklich zu sein".  (Watzlawick) Es gibt tatsächlich Menschen, die es immer wieder fertigbringen, das Glück, das ihnen das Leben schenkt, zu stören, zu zerstören. Sie können es nicht aushalten, dass es ihnen einmal gut geht. Sie misstrauen dem Glück. Das kann doch gar nicht sein, dass ich glücklich bin.  Es ist wie eine Wahnidee, dass sie nicht glück­lich sein können oder sein dürfen. Daher müssen sie jede Freude sofort schlecht reden. Sie haben sich auf die Rolle des Un­glücklichen so sehr fixiert, dass sie es nicht schaffen, diese Rolle einmal abzulegen. Dabei hätten sie es selbst in der Hand, wie sie ihr Leben empfinden. Es liegt an ihnen, ob sie glückliche Augenblicke genießen möchten oder ob sie sie lieber zerstören. Allerdings wird keiner zugeben, dass er selbst seines Glückes Stö­renfried ist.

Er wird lieber andere dafür verantwortlich machen, seine El­tern, seine Erzieher, seine Familie, seine Firma, die Gesellschaft, den Staat.

Lb. Gl. Was könnte solchen Menschen helfen? Ganz einfach: den Schalter umlegen. Sich bewusst machen: Gott hat uns nicht für das Leid geschaffen, sondern für Freude. Das Glück ist für alle da, auch für dich. Was hilft noch gegen den Grießgram?

Lachen und Heiterkeit sind bewährte Heilmittel gegen den Frust. Oft machen wir uns Stress, nur wegen unserer Fehler, die wir uns nicht verzeihen können. Hab den Mut, dich wegen deiner Fehler nicht mehr anzuklagen, sondern darüber zu la­chen. Denn sie sind längst in Gottes Barmherzigkeit aufgehoben. Du kannst über dich und deine Fehler lachen, wenn du daran denkst: Du bist Gottes geliebtes Kind. Geliebt, trotz mancher Fehler und Defizite. Gottes Barmherzigkeit ist viel größer als deine Schuld. Lerne vom barmherzigen Gott. Sei auch du barmherzig, sei gut zu dir selbst, und du wirst glücklich.

 

 

 

2021 Lj. C: Heilige Familie:

Evangelium nach Lukas  (Lk 2,41-52)

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.  Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.  Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.  Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.  Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.  Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.  Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.  Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.  Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.  Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. 

Impuls:

Mein Gott, ist die Bibel ein zeitloses Buch. Heute erzählt sie von der Hl. Familie und ihrem pubertierenden Sohn, der sich still und heimlich absetzt. Die Eltern sind empört: Kind, wie konntest du uns das antun? Wir haben dich voller Angst gesucht. Und dann kommt noch die patzige Antwort: Warum habt ihr mich gesucht? Familien-Idylle? Nein, Idylle ist das nicht! Pubertät, die meisten Eltern können ein Liedchen davon singen, welche Kapriolen sie spielt, die Pubertät. In der Pubertät wandelt sich ja nicht nur der Körper des Jugendlichen. Auch die Gefühle verändern sich. Bald himmelhochjauchzend, dann wieder zu Tode betrübt. Manchmal glauben sie, dass sie alles schaffen können und fühlen sich stark, dann wieder fühlen sie sich schwach und trauen sich gar nichts zu. Viele Jugendliche ziehen sich in dieser Zeit von den Eltern zurück. Sie er­zählen nicht mehr alles ihren Eltern, sondern lieber ihren Freuden. Sie wollen viele Entscheidungen jetzt alleine treffen, weil sie sich schon erwachsen fühlen. Kein Wunder also, dass es Streit und Spannungen gibt, wenn Kinder ei­gene Wege gehen und sich abnabeln von ihren Eltern.

Mit Jesus geschieht im Grunde das Gleiche. Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist. Also nicht mehr die Eltern sondern der Vater im Himmel spielt die erste Rolle in seinem Leben. Abnabeln, das tut weh, den Jungen gleich wie den Eltern.

Maria reagiert nicht beleidigt auf die patzige Antwort ihres Sohnes. Und sie straft ihn auch nicht mit Liebesentzug. Sie lässt das Geschehene in ihr Herz hinein. Sie überlegt es hin und her. Schließlich wandelt sich das Zerwürfnis in wohlwollendes Verstehn.

Lb. Gl. Irgendwie tröstlich, dass auch die Hl. Familie Probleme hat. Im Prinzip stehen ja alle Eltern vor dieser Aufgabe. Sie müs­sen akzeptieren, dass ihre Kinder nicht ihren Vorstellungen entsprechen und dass sie nicht ihr Eigentum sind. Wie oft werden Kinder manipuliert von den Vorstellungen und Wünschen ihrer Eltern. Jeder Mensch gehört aber sich selbst und dem lieben Gott. Wie viel Streit und Ärger gibt es immer wieder dadurch, dass wir unter­schiedliche Vorstellungen und Wünsche haben. Beleidigt sein und Liebesentzug hilft beiden nicht, den Eltern nicht und den Jungen nicht. Maria macht es besser. Sie bewahrte den Konflikt in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Sie versteht: Jetzt ist Loslassen angesagt. Ja, los-lassen fällt schwer. Aber gerade im Loslassen finden die Jungen zu ihrer Reife und Selbständigkeit. Und das ist doch das Ziel jeder vernünftigen Erziehung. Wir brauchen selbständige lebenstüchtige junge Menschen und keine weltfremden Marionetten. Erziehung kostet allerdings Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

Lb. Gl. Paulus bringt es auf den Punkt in der heutigen Lesung: Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander ... Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält.

 

 

 

2021 Lj. C: Weihnachten - Fürchtet euch nicht.

Evangelium nach Lukas (2,1-20)

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.  Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.  So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt.  Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.  Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Geburt,  und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.  Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,  der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. 

Bild: Posaunen-Engel

Was hat der Engel den Hirten gesagt: Fürchtet euch nicht? Ein schönes Wort. Solche Worte tun gut, gerade in einer Zeit, wo es so viele schlechte Nachrichten gibt. Fürchtet euch nicht. Ist denn das so wichtig, dass wir uns nicht fürchten? Ja, es ist wichtig. Weil die Angst das Herz zusammenschnürt und viel Gutes blockiert, vor allem die Freude. Und Weihnachten ohne Freude, wie soll das gehen? So, da kommt ein Engel und sagt: Fürchtet euch nicht! Und schon ist sie weg, die Angst? Nein, so einfach geht es auch wieder nicht. Der Engel erklärt ganz genau, was unsere Angst und Furcht besiegen kann. Es ist ein Knabe, der auf die Welt kommt, um den Menschen beizustehen und zu helfen. Als erwachsener Mann hat er dann bewiesen, dass er die Kraft hat, Menschen zu erlösen, zu befreien von vielen Dingen, die sie belasten. Er hat Hungrige gespeist, Kranke geheilt, den Sündern das schlechte Gewissen genommen. Und das Wichtigste. Dieses heilende Wirken geht weiter bis auf den heutigen Tag. Jesus hat Legionen von Engeln zur Verfügung, die gute Nachrichten verkünden, Engel ohne Flügel. Es sind die Christen, die nach dem Gebot der Nächstenliebe leben. Die sich um jene kümmern, denen es nicht so gut geht. Auch du kannst so ein Engel sein, ein Engel ohne Flügel. Du kannst deiner Freundin Mut machen und gut zureden: Lass dich nicht hinunterziehen. Du bist nicht allein. Ich halte zu dir, ich helfe dir. Wir passen auf uns auf, ich auf dich und du auf mich. Und irgendwann ist der Spuk vorbei. Dann fühlen wir uns wieder wie zu Weihnachten, einfach happy. Hast du gewusst: Angst ist im Grunde kein Übel, im Gegenteil. Sie ist uns gegeben als Warnsignal, das uns schützen soll vor Gefahren. Vorsicht, pass auf dich auf! Das ist eine nützliche, eine heilsame Angst. Es gibt auch die andere, die übertriebene, die heillose Angst. Da fürchten wir uns vor Monstern, die es gar nicht gibt. Der bekannte Arzt und Schriftsteller Cronin hat herausgefunden: Die meisten Ängste sind unbegründet. Sie treffen nie ein.

1.    Vergangenes z. B. Was vorbei ist, kann auch keine Gefahr mehr sein: Dennoch machen vergangene Dinge

30 Prozent unserer Ängste aus.

2.    Dann gibt es die unnötige Sorge um die Gesundheit, obwohl wir kerngesund sind: Das sind 23 Prozent unserer Ängste.

3.    Oft machen wir uns Sorgen über lächerliche Kleinigkeiten: Das sind 40 Prozent.

4.    Wirklich berechtigte Sorgen sind nur 8 Prozent.

Das ist eine Bilanz, die Mut macht. Das heißt:

Mehr als 90% sind überflüssige Sorgen. Und für die

wirklichen Sorgen habe ich jede Menge Hilfe: Hilfe von Eltern und Lehrpersonen, von guten Freunden, von Ärzten und Therapeuten, von guten Seelsorgern, von Engeln und Heiligen. Und wir haben den besten aller Angst-Therapeuten: den lieben Gott.

Lb. Gl. Der Engel hat schon recht, wenn er uns heute aufbaut und Mut macht: Fürchtet euch nicht.

 

 

 

2021 Lj-C: 4. Advent-So:  Maria und Elisabeth; Besuchszeit.

Bild: Maria+Elisabeth

Evangelium (Lk 1,39-56)

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.  Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.  Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,  und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Impuls:

Besuchszeit ist, besonders in den Tagen um Weihnachten. Frauen lieben das. Sie besuchen die Nachbarin oder eine Freundin. Das ist sooo schön. Da kann man über alles plaudern: über Gott und die Welt, über die Mode, übers Kochen, über die Nachbarn, über die Männer, über die Kinder. Den Frauen wird ganz gerne nachgesagt, dass sie nur tratschen und Schlechtes weitersagen. Das trifft natürlich überhaupt nicht zu. Und schon gar nicht bei den beiden Frauen im heutigen Evangelium. Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth. Nicht zu einem Kaffee-Klatsch. Nein. Maria will ihrer Base helfen, die in den kommenden Wochen ein Kind zur Welt bringen wird, den künftigen Johannes, den Täufer.  Also helfen will sie, nicht tratschen. Na ja, geredet haben sie schon auch, und wie. Es war kein Alltags-Tratsch. Was sie sagen, ist berührend, aufbauend und schön.

Elisabeth sagt: Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.« Was soll das heißen: »gebenedeit«? Die Bedeutung kommt vom lateinischen benediziere: Gutes sagen über jemanden, jemanden loben. Elisabet redet gut über Maria und über das Kind, das in ihr heranwächst. Vom Hl. Geist erleuchtet sagt sie: Gesegnet bist du, mehr als alle anderen Frauen und ge­segnet ist die Frucht deines Leibes. Und Maria redet gut über Gott: Hochpreiset meine Seele den Herrn… Elisabet ist übrigens ebenso gesegnet. Wie durch ein Wunder bekommt sie noch im vorgerückten Alter ein Kind. Elisabet ist frei von jeder Eifersucht. Sie ehrt das Kind Mariens - ohne Angst, dass ihr eigenes Kind zu kurz kommen könnte.

Gutes sagen über andere, können wir das auch? Andere loben? Kinder loben, das können wir ganz gut: Das hast du gut gemacht. Ich bin stolz auf dich! Aber Erwachsene loben? Das geht schon nicht mehr so leicht. Manche denken: Nicht kritisieren, ist Lob genug. Warum fällt loben denn so schwer? Kann es sein, dass manche fürchten: Wenn ich andere lobe, rücke ich sie in den Vordergrund, und ich bleibe zurück? Übrigens, viele tun sich auch schwer, ein Lob anzunehmen. Da schleicht sich oftmals Misstrauen ein: Schleimt er nur? Wozu lobt er mich? Braucht er was? Möchte er mich ausnützen? Vielleicht tut er mir gegenüber schön, aber hinten­herum ganz anders.

Lb. Gl. Viele von uns werden in den nächsten Tagen mit Ihrer Familie zusammen sein: gut essen und viel miteinander reden. Es wäre schön, wenn du dich unter dem Christbaum erinnerst: Gott redet gut über mich: Du bist mein geliebtes Kind.  Es wäre schön, wenn auch wir uns gegenseitig Gutes sagen und uns loben - nicht nur für das gute Essen. Sondern einfach einmal sagen, was man an seinem Gegenüber schätzt. Ich bin froh, dass es dich gibt. Du bist ein Geschenk - für mich und für meine Familie. Dann wird unsere Weihnacht nicht nur eine fröhliche und lustige, sondern eine gesegnete Weihnacht sein.

 

 

 

2021 Lj-C: 3. Advent-So:  Was sollen wir tun?

Evangelium nach Lukas (Lk 3,10)

In jener Zeit zogen die Leute zu Johannes in die Wüste, um seine Predigt zu hören: Sie fragten ihn: Was sollen wir tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.  Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Impuls:

Der Bußprediger Johannes. Ein knorriger, strenger Mann. Bekleidet mit einem rauen Kamelhaar-Mantel. Seine Mahlzeit: Heuschrecken und wilder Honig. Diesen Mann wollen sie sehen. Diesen Mann wollen sie hören. Zu Tausenden gehen sie hinaus in die Wüste, Fromme und Sünder. Seine Botschaft trifft sie mitten ins Herz: Kehrt um, tut Buße, damit euere Sünden vergeben werden. Alle sind guten Willens, auch die Ehebrecher, die Soldaten, die Zöllner und Dirnen. Sie fragen ganz beschämt: Was sollen wir tun? Man höre und staune. Sie bekommen keine Bußwerke aufgebrummt, wie etwa: Geht jeden Tag in den Tempel und betet stundenlang. Oder gebt 10% eures Vermögens den Armen. Sie müssen auch nicht fasten, dass die Schwarten krachen. Nein, nichts von alledem. Er sagt ihnen nur: Sie sollen ein ganz gewöhnliches ordentliches Leben führen. Er nennt 2 Beispiele.

Von den verhassten Zöllnern verlangt er nicht, dass sie ihren Beruf aufgeben sollen. Nein, sie sollen sich einfach an Recht und Gesetz halten - und nur das verlangen, was ihnen zusteht. Das Gleiche gilt für die Soldaten. Auch sie sollen ihren Beruf behalten, sich aber hüten vor Erpressung und Quälereien.

Dann fordert der Täufer von allen, von den Frommen und Sündern, eine grundsätzliche Haltung der Aufmerksamkeit für den Nächsten, die aber nicht überfordert. Wer zwei Kleidungsstücke besitzt, soll dem eines geben, der keines hat, also eines, aber nicht beide. Das könnte für uns bedeuten: Wenn deine Geldtasche aus allen Nähten platzt, dann gib von deinem Überfluss den Armen, in einem klugen Maß, so, dass du nicht selber arm wirst dabei. Es gibt über das Jahr verteilt immer wieder Sammlungen, wo wir Gelegenheit dazu haben. Das nennen wir heute soziale Gerechtigkeit.

Lb. Gl. Das ist tröstlich für uns alle. "Buße" heißt also nicht: Quält euch ab mit harten Bußwerken, mit Fasten und Beten. Das alte deutsche Wort "Buße" heißt übersetzt: Umdenken. Wenn etwas falsch läuft in deinem Leben, mach es anders!

Wir müssen keine Heiligen werden. Sondern einfach nur ein normales Leben führen, so, dass wir uns nicht gegenseitig zur Last werden. Jeder Fehler, jede Sünde belastet andere und uns selbst. Aber Fehler macht jeder von uns. Und dann ist immer wieder Versöhnung und Verzeihung angesagt. Verzeihung ist eine ganz große Tat der Nächstenliebe und ein wichtiger Beitrag für den Frieden miteinander.