Lj. A 2022:  1. -Advent – Advent, du stille Zeit, friedliche Zeit Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 2,1-5

Hören wir das Wort des Herrn, das der Prophet Jesaja, in einer Vision von Gott erhalten hat.  Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.  Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.  Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Impuls:

Wisst ihr, wie sehr ich mich gefreut habe auf diesen Advent, wochenlang. Die letzten Jahre waren keine lustige Zeit. Wirbel und Krisen hatten wir mehr als genug: Corona, Unwetterkatastrophen, Krieg und Teuerung. Jetzt möchte ich einmal alles ausblenden, was belastet. Den Fernseher mit seinen täglichen schlechten Nachrichten schicke ich auf Urlaub. Was ich brauche, ist eine Zeit der Ruhe und Besinnung. Ich nehme lieber ein gutes Buch oder die Bibel zur Hand. Da finde ich jede Menge gute Nachrichten, die mich ruhig und friedlich machen. Heute hören wir die tröstliche Lesung des Propheten Jesaja. Er spricht davon, welcher Friede uns zuströmt und welche Lebensweisheit, wenn wir uns in die Nähe Gottes begeben: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn. Er zeige uns seine Wege. Auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Er weist die Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern. Von einem wohltuenden Frieden ist da die Rede. Friede ist möglich für jeden. Für jeden, der sich in die Nähe Gottes begibt. Gewiss, den Frieden in der Ukraine können wir nicht machen. Da können wir nur beten. Was wir aber machen können: Frieden in unseren Herzen, in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft. Der Un-Friede in uns und im nächsten Umfeld belastet uns mehr als der Krieg in der Ukraine. Wenn das Leben nicht ganz rund läuft, werden viele nervös und aggressiv. Wieviel Streit gibt es in den Familien! Ein böses Wort gibt das andere. Jesaja ruft uns auf: abzurüsten! Das aggressive Verhalten, die scharfen, spitzigen, verletzenden Worte umzuschmieden in Worte des Verstehens, der Güte, des Verzeihens, in Worte des Wohlwollens und der Liebe. Die scharfen Worte sind meist Vorboten für schwere Ausschreitungen, auch für die Gewalt in der Familie, die immer mehr zunimmt. Jesaja ruft uns auf: Schmiedet Pflugscharen aus euren Schwertern. Ein treffendes Bild. Pflugschar und Schwert, beide sind haarscharf. Nur mit dem wesentlichen Unterschied: Das eine ist tödlich, das andere dient dem Leben, ist Werkzeug für mein tägliches Brot.  Genauso ist es mit unserer Zunge. Sie kann töten oder lebendig machen.

Das will uns die folgende Geschichte einschärfen. Ein König hatte einen Diener. Der war hochintelligent. Der König plauderte gern mit ihm über Gott und die Welt. Eines Tages sagte er: Geh und bring mir, was für den Menschen das Beste und Kostbarste ist. Nach geraumer Zeit brachte der Diener auf einer Schale ein Herz und eine Zunge. Der Herrscher war verwundert. So und jetzt bringe mir, was für den Menschen das Schlechteste ist. Der Diener ging und brachte wiederum ein Herz und eine Zunge. Erstaunt fragte der Herrscher: "Du bringst Herz und Zunge als das Beste und Schlechteste zugleich? Der Diener erklärte: Aus dem Herzen und von der Zunge eines Menschen kommt das Wertvollste: Liebe und Wertschätzung. Ein Wort aus einem guten Herzen kann uns so glücklich machen, als wären wir im siebenten Himmel. Und ein Wort aus einem bösen Herzen macht uns das Leben zur Hölle. Lb. Gl. Wir haben die Wahl: Mit denselben Werkzeugen Himmel oder Hölle. Wenn wir klug sind, werden wir uns für den Himmel entscheiden.

 

 

 

Lj. C 2022: 34. So:  Christus, der König.

Evangelium nach Lukas  (Lk 23, 35)   Bild.

In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.  Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.  Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.  Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.  Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Impuls:

Heuer wurde sie zu Grabe getragen, die längst dienende Königin, die große Queen Elisabeth. Längst dienende? Nun, es hat Monarchen gegeben, die haben länger gedient. Einer von ihnen ist jetzt noch im Amt, seit 2000 Jahren, Christus, der König. Davon berichten die Medien nicht. Das wissen sie auch nicht. Das wissen nur die gläubigen Christen und der rechte Schächer am Kreuz. Er hat Jesus gebeten: Denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst. Wer hat ihn denn eigentlich zum König gemacht? Kein Geringerer als sein Vater. Dass er sich selbst als König sieht, das spricht er offen aus bei seinem Prozess vor Pilatus. Pilatus fragt ihn: Bist du der König der Juden? Jesus bekennt ganz offen: Du sagst es, ich bin es. Aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist ein geistiges Reich: Ein Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Also ein ganz andres als ein weltliches Reich, das man verteidigen muss mit Soldaten und Waffen. Die Krone, die hat er sich nicht selber aufgesetzt wie Napoleon. Die haben Soldaten ihm aufs Haupt gedrückt, eine Dornenkrone, keine aus Gold. Das macht den Unterschied zu den Mächtigen dieser Welt. Dieser König ist ein Anti-König. Das ist einer, der sich nicht bedienen lässt, sondern einer, der dient, der sogar sein Leben einsetzt für die Sünden der Welt. Sein Einsatz geht bis zum letzten Atemzug. Zum rechten Schächer sagt er: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.  Noch in seinem Todeskampf begnadigt er einen Verbrecher – mit der letzten Kraft seines Erbarmens. Jesus, der ganz andere König. Jesus, der wahre König der Welt. Papst Pius XI. hat ein eigenes Christkönigsfest eingeführt. Im Jahr 1925. In einer Zeit, da die Zaren, Kaiser und Könige abgedankt hatten.  Diese Herrscher waren nicht unbedingt ein Segen für das Volk.  Das Volk hatte genug von ihren; und einige Jahre später – genug von Hitler, diesem Diktator, der die ganze Welt ins Elend stürzte.

Im Jahr 1934, also mitten in der Nazi-Diktatur, da trafen sich am Christkönigsfest 30.000 Jugendliche in Köln und zogen mit Christusfahnen in den Dom ein. Ein mutiges Zeichen gegen Hitler und gegen die Hakenkreuzfahnen der Nazis.

Lb Gl. Ein wirklich mutiges Bekenntnis. Und ein zeitloser Tipp. Christus als den König der Welt zu bekennen, kann uns vor falschen Heilsversprechen bewahren. Was ist aus dem 1000-jährigen Reich und aus dem "Heil" geworden, das Hitler versprochen hat? Das größte Un-Heil aller Zeiten. Christus, der König und sein Geist kann uns bewahren von falschen Politikern und Führern, von Rattenfängern aller Art. Auch von persönlichen Abhängigkeiten: von Zwängen und Ängsten, von Sünden und Süchten.

Wir haben schon recht, wenn wir unseren König feiern - mit Instrumenten und Liedern - und mit einem brennenden Herzen.

Er verdient es wie keiner sonst.

 

 

 

Lj. C 2022: 33. So:   Apokalypse, Weltuntergang

Evangelium nach Lukas (Lk 21, 5)

In Jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird zerstört. Dann sagte er: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Das Ende kommt noch nicht sofort.  Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.  Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben. Am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.  Aber das Ende kommt nicht sofort.

Impuls:

Was sagt Jesus da? Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Das Ende kommt nicht sofort. Was werden sich Tausende Ukrainer denken, die miterleben müssen, wie ihre Häuser niedergeschossen werden und in Schutt und Asche liegen? Die Betroffenen werden untröstlich jammern: Das ist das Ende! Das Ende unserer Existenz, das Ende unserer Stadt, das Ende unseres Heimatlandes. Und dann wird zu allem Überfluss auch noch von Atomwaffen gefaselt. Ist das jetzt das Ende der Welt, Apokalypse? Jesus sagt: Das Ende kommt nicht sofort. Was hat diese Welt nicht schon alles erlebt und überlebt. Wie viele Katastrophen, angefangen von der Sintflut bis zu den Naturkatastrophen unserer Zeit: Stürme, Überschwemmungen, Dürre…Und wie viele grausame Kriege. Weltkriege sogar. Und die Welt steht immer noch. Jesus sagt: Lasst euch nicht erschrecken! Es reicht, wenn die Menschen in den Kriegsgebieten erschrecken, die von den Gräueln betroffen sind. Wir können Ruhe bewahren und einfach nur 1000-mal Danke sagen, dass in unserem Land Friede herrscht. Aber wir auf der Sonnenseite werden nicht tatenlos zuschauen. Wir können einiges tun für die geschunden Menschen. Wir können helfen. Es gibt genügend Sammelstellen. Wir können alltägliche Gebrauchsartikel abgeben. Wir haben den Kost-nix-Laden hier im Haus. Spenden kann man auch. Und Flüchtlinge aufnehmen auch. Ja, und beten kann man auch. Wie bei allen Katastrophen, schießen auch jetzt die Unheilspropheten aus dem Boden wie die Pilze. Sie verkünden den Welt-Untergang. Jesus sagt: Glaubt ihnen nicht. Das Ende der Welt wird nicht von Putin herbeigeführt oder irgendeinem anderen Diktator. Das Ende der Welt wird genau geplant – und zwar vom Herrn der Welt, von keinem anderen sonst. Wie wird der Weltuntergang über die Bühne gehen? Das sagt Jesus an anderer Stelle: Die Sterne werden vom Himmel fallen. Die Sonne wird sich verfinstern. Das Ende der Welt geschieht in einer Neuschöpfung. Dann schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann kann sich unsere liebe Sonne ruhig verfinstern und dann können die Sterne getrost vom Himmel fallen. Dann haben sie ausgedient. In der anderen Welt brauchen wir sie nicht mehr. Wir brauchen sie nicht mehr als Licht- und Wärmespender, auch nicht mehr als Zeitmaß. In der Ewigkeit laufen die Uhren anders als in diesem Sonnensystem. Es ist also absolut nicht so, dass dem lieben Gott durch ein dummes Missgeschick, oder gar durch einen bösen Streich der Menschen sein ganzes Werk zusammenkracht.

Lb. Gl. In der Apokalypse, beim Weltuntergang passiert im Wesentlichen nichts anderes, als wenn ein Uhrenmacher seinen Betrieb umstellt: Von der altmodischen Sonnenuhr auf ein modernes System. Unser Schöpfer stellt unsere Welt und alle Geschöpfe um von Zeit auf Ewigkeit, von Not und Drangsal auf ewige Freude. Was soll daran so schrecklich sein?

 

 

 

Lj. C 2022: 32. So: Auferstehung der Toten.

 

Evangelium nach Lukas (Lk 20,27)

In jener Zeit hatte Jesus ein Streitgespräch mit den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung der Toten glauben. Er sagte: Habt ihr nicht in der hl. Schrift gelesen, was Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet. Da nennt er den Herrn den "Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs".  Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; für ihn sind alle lebendig.

Impuls:

Ist Jesus streitsüchtig? Ja, wenn es sein muss. Heute streitet Jesus mit einigen Philosophen, sogenannten Sadduzäern. Die Sadduzäer können einfach nicht glauben, dass die Verstorbenen auferstehen. Sie danken: Mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Jesus sagt: Habt ihr nie die hl. Schrift gelesen? Mose redet Klartext vom Hl. Geist erfüllt. Er nennt den lieben Gott den "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Mose würde Gott ganz bestimmt nicht so nennen, wären diese drei Männer tot. Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden, sagt Jesus. Für ihn sind alle lebendig.

Gibt es eine Auferstehung der Toten? Schwierige Frage. Zu allen Zeiten haben Menschen Schwierigkeiten damit. Studierte tun sich schwer, Halb-Studierte ganz besonders. So hat ein Studentenpfarrer zu Ostern einmal folgende Predigt gehalten: Ostern. Der Herr ist auferstanden. Aber ihr glaubt es sowieso nicht. Amen.

Lb. Gl. Ist es denn so wichtig, ob wir an die Auferstehung der Toten glauben oder nicht? Ja, es ist wichtig. Enorm wichtig. Das meint auch der Apostel Paulus. In der heutigen Lesung sagt er: Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert müsst wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Der Glaube an die Auferstehung der Toten gibt unendlichen Trost. Nicht auszudenken, würden unsere Lieben nicht weiterleben. Und es gäbe keine Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Reinhard Fendrich singt in einem seiner Lieder: "Nix is fix". Recht hat er. Aber eines ist fix: Der Tod. Und der ist auch der Grund, warum wir immer wieder in den Friedhof gehen. Einer von unseren Lieben ist gestorben. Wir stehen am Grab und sind traurig. Aber auch das ist nicht ganz fix. Die einen sind traurig, andere sind es nicht. Die einen sind untröstlich, andere sind es nicht. Die einen sind gläubig, andere sind es nicht. Trauer hat ganz verschiedene Gesichter. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen den Glaubenden und den Nicht-Glaubenden - in der Art nämlich, wie sie sterben und in der Art wie sie trauern.

Die Hoffnung macht den Unterschied. Trauer ohne Hoffnung wird unerträglich und kann einen Menschen zerbrechen. Nun, auch der gläubige Mensch hat seine Trauer. Aber wir Christen müssen nicht trauern, wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Die Trauer des Glaubenden hat einen Lichtblick. Der macht die Trauer erträglich. Welchen Lichtblick? Das Wissen: Der Verstorbene lebt. Er lebt bei Gott, so dürfen wir hoffen, und er hat es gut. Das ist nicht bloß ein frommer Wunsch. Das ist sichere Zusage aus der Hl. Schrift. Zusage eines verlässlichen Gottes, der nicht lügen kann. Und dieser Gott sagt uns: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag. Und: Kein Auge hat es gesehen, was Gott denen Schönes bereitet, die ihn lieben.

Lb. Gl. Weil wir Christen an die Auferstehung glauben, können wir unsere lieben Verstorbenen leichter hergeben – in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Der Verstorbene lebt. Das ist Zusage aus der Hl. Schrift. Und diese Zusage ist fix.

 

 

 

Lj. C 2022:  Allerheiligen Oh when the saints… Wenn die Heiligen im Himmel einmarschiern, da wollen wir dabei sein.

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1)

In jener Zeit stieg Jesus mit vielen Menschen  die ihm folgten, auf einen Berg. Er setzte sich und lehrte sie.

Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.  Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.  Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.  Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.  Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.  Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.  Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Impuls:

Ich denke gern zurück, an die Jahre nach dem Konzil, an die 60-er und 70-er Jahre. Was für ein Aufbruch, aber auch jede Menge Spannungen. Da waren die einen, die alles umkrempeln und neu machen wollten - und die anderen, die das Alte retten wollten um jeden Peis. Neue Lieder sind aus dem Boden geschossen wie die Pilze, den einen zur Freude, den anderen zur Qual. Eines von den neuen Liedern war der Gospelsong "Oh when the Saints go marching in". Ein absoluter Ohrwurm. Feurige Musik mit einem griffigen Text, der unter die Haut geht, vor allem die Kernaussage: Wenn die Heiligen in den Himmel einmarschieren, da will ich dabei sein, let me be in that number.

Wer möchte das nicht? Viele denken wehmütig: Wie soll das gehen? Ein Heiliger bin ich nicht, das schaffe ich nie. Grober Irrtum! Wir erreichen zwar nicht die Vollkommenheit der Mutter Gottes oder des Hl. Franziskus, aber - auch wir sind schon geheiligt durch die Taufe. Wir sind Kinder Gottes und haben somit alle Chancen auf den Himmel, wenn wir uns nicht total daneben benehmen, wenn wir uns nicht verhalten wie Raubtiere. Nicht dabei sein werden vermutlich nur die eingefleischten Gottes- und Menschenhasser. Das heutige Evangelium nennt ein paar Kriterien eines heiligen Menschen, die 8 Seligpreisungen. Ich denke: Eine davon kann jeder von uns schaffen.

Ø  Selig, die arm sind vor Gott. Selig, die sich nicht so wichtig nehmen, die wissen, dass sie mit leeren Händen vor Gott stehen. Bettelarm, weil sie wissen, dass sie alles ihrem Gott ver­danken: ihre Leis­tungen sind gottgeschenktes Talent.

Ø  Selig die Trauernden. Selig, die Kummer und Leid zu tragen ha­ben. Von ih­nen heißt es: Gott wird alle Tränen abwischen von ihrem Gesicht.

Ø  Selig die Friedenstifter. Selig, die keine Gewalt anwenden, die nicht zurückschlagen, die sich nicht in Hass und Rache verrennen; die kein Ö1 ins Feuer gießen; die versöhnende Worte und Taten fin­den; die Brücken bauen, die anderen keine Prügel vor die Füße werfen.

Ø  Selig die hungern nach Gerechtigkeit. Selig, die sich nicht mit dem Unrecht ab­finden, die nicht mit den Achseln zucken und sagen: Da kann man halt nichts machen.

Ø  Selig die Barmherzi­gen, die nicht am Leid und Elend des Nächsten vorübergehen, deren Herz sich bewegen lässt zu helfen, wo sie gebraucht werden.

Ø  Selig die ein reines Herz haben. Selig die Menschen mit einem geraden, ehrlichen, gütigen Herzen. Ihre Blicke tun gut, weil ihr Herz gut ist.

Ø  Selig die Verfolgung leiden, weil sie nach ihrem Gewissen denken und handeln.

Lb. Schw. und Brüder. Erstaunlich, wer da aller dabei sein wird unter den Seligen. Hast du dich in einer der 8 Seligkeiten wieder erkannt? Dann wirst auch du dabei sein, when the Saints go

marching in.

 

 

 

 

Lj. C 2022: 31. So: Zöllner Zachäus – Vorurteil

Evangelium nach Lukas (Lk 19, 1)  --- Bild

In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt.  Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.  Er wollte Jesus sehen, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.  Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.  Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.  Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.  Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.  Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.  Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.  Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Impuls:

Frage: Magst du alle Menschen? Ich denke, das schaffst du nicht. Das hat auch Jesus nicht geschafft. Die rel. Führer z.B., die hat er ordentlich beleidigt und beschimpft: Ihr Schlangenbrut! Bei manchen Leuten tun wir uns einfach schwer. Heute hört man immer wieder: Die Ausländer? Mag ich nicht! Die Lehrer? Mag ich nicht! Die Polizisten? Mag ich nicht! Die Schwiegermutter? Mag ich nicht! Vor 2000 Jahren waren es andere. Die Zöllner? Mag ich nicht! Dieser Hass hatte allerdings einen triftigen Grund. Die meisten von ihnen waren richtige Gauner und Betrüger. Sie haben viel mehr Zoll verlangt, als vorgeschrieben war. Der Überschuss ging dann in die eigene Tasche. Was sie zudem verhasst gemacht hat: Sie waren Handlanger der Römer, der Erzfeinde, die ihr Land besetzt hatten.

Heute hören wir die Geschichte vom Zöllner Zachäus. Und da erfahren wir: Zöllner ist nicht gleich Zöllner. Zachäus hat zwar auch ganz ordentlich kassiert. Aber er ist nicht glücklich in seiner Haut. Das Gewissen beißt ihn. Da sucht er Jesus, den Erlöser. Zachäus ist ein Gottsucher. Aber wie soll das gehen? Ein kleiner Zwerg inmitten einer riesigen Masse. Keine Chance! Oh doch. Wer Gott sucht, findet ihn – irgendwie und irgendwo. Wenn es sein musss, auf einem Baum. Er denkt: Hinauf auf den nächsten Baum! Gute Idee! Da kann er Jesus sehen. Und – Jesus sieht auch ihn. Prompt holt ihn Jesus herunter und lädt sich selber bei ihm ein als Gast. Es wird ein unglaubliches Fest. Ein Fest der Bekehrung: Von jetzt an gebe ich die Hälfte meines Vermögens den Armen. Und betrügen? will ich keine Menschenseele mehr. Eine so plötzliche Bekehrung, wie gibt es denn so was? Offenbar war im Herzen dieses Zöllners eine Perle versteckt. Sie wartete nur darauf, dass einer sie entdeckt und freilegt. Jesus kann das – wie kein anderer: die Perle eines Menschen entdecken und freilegen. Kann ich das auch? Warum nicht? --- Schauen wir uns unsere ungeliebten Menschen einmal genauer an: Die Ausländer, die Lehrer, die Polizisten, die Schwiegermütter und manch andere… Hast du einmal daran gedacht, dass es unter ihnen auch Perlen gibt? Und viele Gottsucher mit einem guten Kern? Die Ausländer sind nicht alle nur Schmarotzer und stinkfaul. Ich kenne Ausländer genug mit einem Herz aus Gold. Herzlich und hilfsbereit und fleißig. Und weißt du, wie viele Perlen es gibt unter den Lehrpersonen? Die Perlen kommen oft erst in Krisenzeiten an die Oberfläche. Was haben sich die Lehrpersonen Mühe gegeben, in der Coronazeit die Schüler schonend und glimpflich durch das Schuljahr zu bringen. Was haben sie getestet, getröstet, Mut gemacht. Und die Polzisten? Wir hassen sie, weil sie Strafmandate verteilen für zu schnelles Fahren. Aber was leisten diese Leute für Ordnung und unsere Sicherheit. Ihr Einsatz ist oft alles andere als lustig. Bei Gewalt in den Familien, wo sie schlichten müssen, bei Unglücksfällen und Katastrophen! Und die ungeliebten Schwiegermütter? Sie sind da, wenn Hilfe oder Babysitter- Dienste gebraucht werden.

Lb. Gl. Wenn wir unseren Blick umdrehen vom Vorurteil hin zum Vertrauens-Vorschuss, dann entdecken wir Perlen, auch bei jenen Menschen, wo wir das niemals erwartet hätten. Wenn wir unseren Blick reinigen, kann sogar ein Wunder geschehen. Der Hass wandelt sich - in Wertschätzung.

 

 

 

Lj. C 2022: 30. So: Weltmission: Willkommen ist d. Freudenbote

Lesung aus dem Römerbrief (Röm 10, 5)

Liebe Brüder und Schwestern! Denkt daran: Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. Wenn du mit deinem Mund bekennst: "Jesus ist der Herr" und in deinem Herzen glaubst: "Gott hat ihn von den Toten auferweckt", so wirst du gerettet werden.  Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.  Wie aber sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist? Darum heißt es in der Schrift: "Wie sind die Freudenboten willkommen, die eine gute Botschaft verkündigen!" (Jes 52.7)

Impuls:

Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden (Jes 52.7), sagt der Prophet Jesaja in der heutigen Lesung. 2700 Jahre alt ist dieser Satz. Jesaja hat ihn gesagt in einer schweren Krise. Dieser Satz ist heute wieder hoch-aktuell. Heute ist Tag der Weltmission. An was denken wir da spontan? An fremde, unterentwickelte Länder am Ende der Welt. Und Missionare, die diesen Menschen dort den Glauben verkünden und ihnen helfen in ihrer Not? Am Ende der Welt? Das ist viel zu kurz gegriffen. Das Missions-Gebiet hat sich enorm erweitert. Es hat inzwischen auch unsere Lande erreicht. Glaubens-Not und materielle Not gibt es auch bei uns. Tirol ist längst nicht mehr das "Hl. Land Tirol", wo alle in die Kirche gehen. Österreich schon gar nicht. Gerademal 20% gehen regelmäßig am Sonntag in die Kirche. Das bedeutet: Die Menschen hören keine Lesung, kein Evangelium, keine Predigt mehr. Das bringt im Laufe der Jahre einen zunehmenden Glaubensschwund. Ich sage, wie es ist: Österreich ist Missionsgebiet. Aber es gibt auch die gute Nachricht: Es gibt jede Menge Missionare. Denn wir alle, jeder Christ ist aufgerufen, gute Nachricht zu verkünden. In Zeiten wie diesen, wo es fast nur noch traurige Nachrichten gibt, da sind die Freudenboten besonders gefragt. Menschen, die klaren Kopf bewahren. Die nicht nur das Negative sehen, sondern auch die Chancen. Viele werden depressiv in dieser Situation, besonders auch junge Menschen. Manche brauchen einen Psychotherapeuten. Aber von denen gibt es viel zu wenige. Ein Jahr Wartezeit. Es würde doppelt so viele brauchen. Oder doch nicht? Wir würden nicht so viele brauchen, wenn wir Christen unsere Berufung leben. Wenn wir Väter und Mütter, wir Lehrpersonen und Erzieher, wenn wir an die Macht der guten Worte glauben, besonderes jener Worte, die Mut und Freude machen, wenn wir Freudenboten sind. Zunächst ist es einmal wichtig, dass der Feudenbote einfach da ist. Schauen wir, dass wir uns in dieser Zeit nicht zu viel allein lassen. Dass wir füreinander Zeit haben, für einander da sind. Miteinander reden, miteinander was Schönes unternehmen. Dass wir uns Mut machen, gut zureden, das Positive entdecken. Uns loben, wenn etwas gelingt. Und ein Freudenbote, der zudem noch einen bodenständigen Glauben hat, der hat eine Botschaft, die die meisten Therapeuten nicht mehr haben: Wir haben einen liebenden Gott an unsere Seite, dem es nicht gleichgültig ist, wie es uns geht. Er kann und will uns beschützen und bergen. Und er kann uns Wege zeigen, zu einem guten Leben – auch in der Krise. Je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto weniger Zeit bleibt, im Internet herumzuschnüffeln, wo es so viele falsche und angstmachende Nachrichten gibt.

Lb. Gl. Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden. Worte haben große Macht, viel mehr als uns bewusst ist.

Hast du gewusst?

dass das Wort eines Menschen gesund machen,

krank machen, tot und lebendig machen kann?

Hast du gewusst, dass die Nähe eines Menschen

gut machen, böse machen, traurig und froh machen kann?

Hast du gewusst, dass das Wegbleiben eines Menschen

sterben lassen kann,

dass das Kommen eines Menschen wieder aufleben lässt?

Hast du gewusst, dass das Wort eines Menschen wieder sehend machen kann, einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah,

der keinen Sinn mehr sah in seinem Leben?

Hast du gewusst, dass das Zeithaben für einen Menschen

mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen

mehr als eine geniale Operation?

Hast du gewusst, dass das Anhören eines Menschen

Wunder wirken kann?

Lb. Gl. Was für ein Therapeut, der gute Jesaja: Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden.

 

 

Lj. C 2022: 29. So: Allzeit beten, nicht nachlassen! (Witwe-Richter)

Da ist ein Richter. Er fürchtet Gott nicht, und Tod und -Teufel schon gar nicht. Ein knallharter Typ. Aber eines fürchtet er: die Ohrfeigen einer Witwe und ihre Aufdringlichkeit. Was will Jesus mit dieser Geschichte? Zunächst will er sagen: Gott ist nicht so hart wie dieser Typ. Er verhilft den Seinen zu ihrem Recht. Unverzüglich sogar. Das allerdings ist der schwierigste Punkt der Geschichte. Unverzüglich erfüllt der liebe Gott all unsere Wünsche, fast wie ein Automat auf Knopfdruck. Wirklich? Dieses Missverständnis entschärft Jesus selbst, indem er uns die Witwe als Vorbild vor Augen stellt. Er sagt uns: Nicht zu schnell aufgeben! Manche Menschen hören auf zu beten, wenn ihre Wünsche nicht gleich erfüllt werden. Das ist ein großer Fehler. Wer sofort aufgibt, macht es sich zu billig. Warum werden manche Gebete nicht gleich erfüllt? Nun, es gibt auch eine Eigen-Verantwortung des Beters. Manche denken: Der Papa wird's schon richten. Der Papa richtet gar nichts – ohne uns. Das wiederholte Gebet ist eine Chance. Der Beter muss sich mit dem Problem auseinandersetzen in einer ausführlichen Aussprache mit Gott. Oft ist ja der Beter selbst das größte Problem des Problems. Und das ist dann auch der Grund, warum der liebe Gott ein Problem nicht auf Knopfdruck aus der Welt schaffen kann und will. Diese Geschichte will uns sagen: Nicht aufgeben, dranbleiben. Selber tun, was man kann. Ein Musterbeispiel für eine hartnäckige Beterin ist die hl. Monika. Ihr Sohn Augustinus, hochintelligent. Aber er ist leider auf schiefe Bahn geraten und hat ein liederliches Leben geführt. Für die fromme und rechtschaffene Mutter ein schweres Kreuz. Was hat sie gebetet, wie viele Tränen geweint – bei Tag und Nacht, mit welcher mütterlichen Sorge ihm zugeredet. Nach 19 Jahren endlich kommt die Erhörung.

Im Jahr 384 ziehen Augustinus und seine Mutter von Rom nach Mailand. Dort geschieht die große Wende. Er liest den griechischen Philosophen Plato, seine Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele und das Gericht, über das Leben nach dem Tod. Die Gedanken über das Jenseits lassen ihn nicht mehr los. Die Entdeckung der übersinnlichen Welt bringen seine materialistische Einstellung ins Wanken. Aber noch wichtiger als Plato wird für ihn seine Begegnung mit dem hl. Ambrosius, dem damaligen Bischof von Mailand. Augustinus beginnt, die Predigten des großen Lehrers zu besuchen, die vor allem wegen ihrer schönen Sprache großen Eindruck auf ihn machen. Er war ja selber ein ausgesprochener Sprach-Künstler. Und die Bibel, die er bisher verachtet hatte - wegen ihrer primitiven Sprache, fängt er an zu schätzen. Er liest sie ganz neu - nicht mehr wie ein Stück Literatur, sondern nach ihrem Inhalt. In den Ferien bereitet er sich auf einem Landgut auf seine Taufe vor. Am Ostersamstag 387 empfängt er und sein Sohn die hl. Taufe aus der Hand des Hl. Ambrosius. Seine Mutter ist dabei. Man kann sich denken, was in ihr vorging. Wieder flossen Tränen, diesmal Tränen der Freude. Aus dem liederlichen Augustinus wurde einer der besten Theologen und Lehrer der Kirche.

Lb. Mütter, habt ihr auch Problem-Kinder? Was tun mit ihnen? Für sie beten ist nicht der schlechteste Dienst.

 

 

 

Lj. C 2022: 28. So: 10 Aussätzige – Dankbarkeit?

 

Evangelium nach Lukas (Lk 17,11-19)

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.  Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.  Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; er lobte Gott mit lauter Stimme.  Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war ein Fremder aus Samarien.  Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Impuls:

Heute hören wir, dass sogar Jesus einmal raunzt. Was beißt ihn denn? Die Undankbarkeit. 10 Aussätzige hat er geheilt. Nur einer bedankt sich. Die anderen 9 sind einfach weg, ohne ein Pipp oder Papp. Jesus ist gekränkt. Das verstehe ich. Immerhin hat er sie vom Aussatz befreit. Aussatz ist ja kein harmloser Schnupfen, sondern tödlich. Wo bleibt die Dankes-Kultur? Damals war sie

1 zu 10. Ist es heute besser? Ich weiß nicht. Liebe Mütter, wie oft bekommt denn ihr ein herzliches Danke für all eure Mühe? Viele von euch nur einmal im Jahr, zum Muttertag. Das war's dann schon. Liebe Ärzte, liebe Pflegepersonen, liebe Therapeuten, wie viele von den Geheilten kommen zurück mit einem Blumenstrauß oder einem Fläschchen Wein? Einer von Zehn? Oder Niemand? Liebe Pädagogen und Erzieher, wie viele Eltern bedanken sich am Ende eines Jahres für euren nervenzehrenden Dienst an ihren Kindern? Einer von 10? Oder Niemand? Dankes-Kultur, sie ist offenbar ein Stiefkind in unserer Gesellschaft. Dabei wäre sie so nützlich, sogar heilsam.

Es ist auffallend: In den letzten Jahren häufen sich die Artikel über die Dankbarkeit. Psychologen und Therapeuten haben erkannt, wie wichtig sie ist. Eine Vielzahl von Studien mit Testpersonen ergab: Dankbare Menschen sind ins­gesamt zufriedener mit ihrem Leben. Dankbare Menschen sind optimisti­scher und erleben weniger Stress. Dankbarkeit hat also einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden. Danke-Sagen ist ein Akt der Demut und wahrer Größe. Ich weiß, dass ich die anderen brauche. Dankbarkeit steigert den Selbstwert. Den Selbstwert jener Person, bei der ich mich bedanke und auch meinen eigenen. Wer dankbar und zufrieden ist, muss sich auch nicht ständig mit anderen vergleichen – aus Unsicherheit und Neid. Dankbarkeit kann heilen. Da muss ich an eine Frau in Kirchbichl denken, die der Kaufsucht verfallen ist. Wenn sie ihre prallgefüllten Taschen zuhause auf den Tisch stellt, kommt ihr das Elend. Was mach ich jetzt mit dem ganzen Kram? Ich geh zu meiner Nachbarin Maria. Die kann das brauchen. Und die sagt jedes Mal so herzlich "Vagöt's Gott". Ihr "Vagöt's Gott" tut mir so gut. Es beruhigt mein schlechtes Gewissen.

Psychologen raten, Dankbarkeit zu üben und zu "kultivieren". Kultivieren, wie? Ein Händedruck, ein Küsschen, Blumen, ein Fläschchen Wein, eine Einladung... Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Lb. Gl. Aber wohl gemerkt: Es geht nicht darum, hundertmal am Tag "Danke" zu sagen. Das könnte schnell zu einer Inflation, zu einer Abwertung des wertvollen Wortes führen. Es könnte zur gedankenlosen Floskel verkommen. Wenn ein Danke, dann ehrlich und mit Herz.

 

 

 

Lj. C 2022: Erntedank; nicht jammern, handeln und danken!

 

Evangelium: Mt 22,34-40    Das wichtigste Gebot: die Liebe

Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Jesus antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben - wie dich selbst.

Impuls:

Bist du gut gelaunt? Trotz Corona, Klimawandel, Ukraine-Krieg und Preissteigerung? Trotz alledem gut gelaunt? Ja? Ich auch. Dann sind wir schon zu zweit. Damit sind wir allerdings eine Minderheit. Laut Umfragen sorgen sich derzeit viele Menschen um ihre Existenz. Essen, Energie, Wohnen. Die Stimmung ist angespannt. Was? wegen diesem Putin sollen wir uns einschränken und auf guten Wohlstand verzichten?

Die Politiker sollen endlich was dagegen tun. Nun, mit schimpfen und alles den Politikern überlassen werden wir Krisen nicht überwinden können. Die Politiker werden nicht müde zu sagen: Die Politik kann nicht alles richten. Jeder einzelne ist gefordert, einen Beitrag zu leisten: Energie sparen. Gebrauchs-Artikel länger verwenden und sie nicht wegwerfen. Die Wegwerf-Mentalität müssen wir reduzieren, schon der belasteten Mutter Erde zuliebe.

Der bedeutende Psychiater Reinhard Haller rät: Nicht nur das Negative sehen. Nicht nur in den Abgrund starren. Unsere Genera­tion hat das Privileg, als erste in einer Epoche zu leben, wo es Jahrzehnte lang keinen Krieg und auch keine schweren Epidemien gegeben hat. Wir sind Krisen einfach nicht ge­wöhnt. So neigen wir dazu, zu raunzen und zu schimpfen. Wir starren nur auf die Gefahren wie das Kaninchen auf die Schlange. Das erzeugt Angst, macht depressiv und hilflos. Negative Gedanken schütten jede Menge Stresshormone aus. Zu viele davon über längere Zeit – schaden der Gesundheit an Seele und Leib.

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, die positiven Dinge se­hen, die Chancen. Davon gibt es auch jede Menge. Immer mehr Österreicher erkennen das und werden erfinderisch. Was tun, wenn Energie und Lebensmittel immer teurer werden? Findige Kärntner haben einen Verein gegründet. Bild1:

Der Verein „Together" in Villach sammelt an zwölf Standorten aussortierte Lebensmittel aus dem Supermarkt, ge­brauchte Kleidung, Spiele oder Bücher und gibt sie an Menschen weiter, die sich diese Produkte nicht mehr leisten können. Der Verein möchte auch der Verschwendung von Waren entgegenwirken. Derzeit gibt es bereits neun „Together Points", und es werden immer mehr.

Das Beispiel macht Schule, auch in anderen Bundesländern. Aber nicht nur die anderen haben gute Ideen, wir auch.

Bild2 : Auch wir dürfen stolz sein auf unseren Solali, den Sozialladen in Lienz, der genau dasselbe macht – und zwar seit Jahren schon, nicht erst seit Corona und Ukraine-Krieg. Ich als Seelsorger von Lienz bin mega stolz darauf. Aber - warum denn in die Ferne schweifen? Genau das Gleiche haben wir in unserem Haus:

Bild 3 Den Kostnix-Laden im 1. Stock. 

Lb. Gl. Die Politiker können nicht alles richten und müssen es auch nicht. Jeder von uns kann etwas tun zur Bewältigung von Krisen. Wir können vieles leisten ohne großen Wohlstands-Verlust: Jeder kann Energie sparen, ich auch! Ich bringe einige Dinge in Erinnerung:

1.    Ich nehme kein Wannenbad, sondern eine Dusche. Und mein Wohnzimmer ist nicht wärmer als 20°.

2.    Ich will Verschmutzung vermeiden. Ich trenne meinen Müll, damit er wieder verwertet werden kann.

3.    Ich nehme heimische Produkte, dann fallen lange Transport-Wege weg.

4.    Ich esse weniger Fleisch, weil die überzogene Tierhaltung große Mengen an Treibhausgasen freisetzt.

5.    Ich lasse mein Auto stehen und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder mit dem Fahrrad, oder gehe zu Fuß.

6.    Ich mache Urlaub in meiner schönen Heimat.

      Ich muss nicht mit dem Flugzeug bis ans Ende der Welt

      fliegen.

Um unsere Situation zu verbessern, braucht es im Grunde gar nicht viel: Nur ein kleines Bisschen weniger Egoismus und ein bisschen mehr Liebe. Liebe zur Mutter Natur, Nächstenliebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Wer dazu bereit ist, wird übrigens selber reich beschenkt, mit Glückshormonen nämlich. Liebe, Hilfsbereitschaft machen glücklich. Die Österreicher haben schon schwerere Krisen überlebt, die beiden Weltkriege z.B. Ein beherztes Miteinander hat unsere Vorfahren stark gemacht. Gemeinsam sind wir stark. Dieses Erfolgsrezept greift zu allen Zeiten – auch heute und hier.

 

 

 

Lj. C 2022: 26. So: Reicher Prasser, armer Lazarus

Evangelium nach Lukas (Lk 16,19-31)

Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen klei­dete und Tag für Tag sein Leben genoss. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herun­terfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qual­volle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Laza­rus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Was­ser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzei­ten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.

Impuls:

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Reichen Prasser und dem armen Lazarus? Berührend und missverständlich zu­gleich. Was im ersten Moment ein wenig stört, ist die Schwarz-Weiß-Malerei. Der Arme ist der Gute, der Reiche der Schlechte. Diese Bewertung ist grundfalsch. So naiv ist Jesus nicht. Er weiß schon auch: Die Armen sind nicht alle gut. Manche von ihnen haben Chancen und Talente genug. Sie machen aber nichts daraus - aus Bequemlichkeit, aus Ängstlichkeit oder weil sie in eine Sucht ge­schlittert sind. Jesus spricht im Gleichnis von den Talenten davon. Es ist ein schwerer Fehler, seine Talente zu vergraben. Und die Reichen? Die sind nicht alle schlecht. Es gibt genug Reiche, die ein gutes Herz haben, die viel Gutes tun mit ihrem Vermögen -damals wie heute. Wie viele Spitzensportler geben große Summen für soziale Projekte. Oder: Einer der reichsten Männer der Welt, Bill Gates. Sein Vermögen beträgt etwa 118 Milliarden Dollar. Er spendet fast sein ganzes Vermögen an die gemeinnützige Orga­nisation Bill and Melinda Gates Foundation. Er sagt: "Mein Plan ist es, all meinen Reichtum der Foundation zu geben - außer dem Geld, das ich zum Leben und für meine Familie brauche."

Was will Jesus mit seiner Geschichte sagen? Er will mit einem al­ten Missverständnis aufräumen, das damals in den Köpfen her­umschwirrte: Die Armen sind selber schuld an ihrem Elend. Sie sind einfach nur dumm und faul. Die Armen mag nicht einmal der liebe Gott. Deshalb bestraft er sie mit solchem Elend. Und wenn Gott nichts für sie tut, dann müssen wir erst recht nichts für sie tun. Die Reichen hingegen, die mag er. Die werden überschüttet mit Gütern und herrlichem Genuss. Mit der heutigen Geschichte will Jesus sagen: Gott mag die Armen. Sie sind seine Sorgenkin­der. Die meisten von ihnen sind nicht dumm und faul. Sie hatten einfach nur schlechte Karten, schlechte Bedingungen, schlechte Chancen. Oft genug sind es missgünstige Menschen, die sie ins Abseits gedrängt haben. Andererseits verteufelt Jesus nicht den

Reichtum, sondern nur die Hartherzigkeit. Der Reiche landet im Abseits, nicht weil er reich, sondern weil er hartherzig ist. Solche Menschen gibt es zu allen Zeiten: Herzlose, geizige Reiche. Und wenn die dann auch noch zynisch sind, dann werden sie extrem unsympathisch, wie z.B. die französische Königin Maria Antoin-ette. Eines Tages berichtete man ihr: Die Menschen haben kein Brot. Darauf soll sie gesagt haben: Wenn kein Brot da ist, dann gebt ihnen doch Kuchen! So zynisch ist der Reiche in der heutigen Geschichte nicht. Der Reiche tut eigentlich nichts Schlechtes, er ist weder aggressiv noch bösartig. Sein Vergehen: Er tut das Gute nicht, das er ohne Mühe tun hätte können, ohne Verlust von Wohlstand und Bequemlichkeit. Lb. Gl. Er bekommt seinen Lohn. Er landet in der Einsamkeit, in der Finsternis, hier auf Erden schon und in der Ewigkeit. Einen herzlosen, geizigen Egoisten mag niemand. Freunde hat er nur, solange sie bei ihm schmarotzen können. Wo werden wir schlussendlich landen? Im Schoß Abra­hams? Nun, der Schoß Abrahams muss es gar nicht sein. Uns ge­nügt einfach nur die Freude und Geborgenheit in der Nähe Gottes.

 

 

Lj. C 2022: 25. So: Ungerechter Verwalter. Ungerecht???

Evangelium nach Lukas  (Lk 16,1-8)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er veruntreue sein Vermögen.  Darauf ließ er ihn rufen und sagte: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.  Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.  Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.  Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreibe "fünfzig".  Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er: Nimm deinen Schuldschein, und schreibe "achtzig".  Und Jesus lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewige Wohnung aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.

Impuls:

Was ist deine Reaktion auf dieses Evangelium? Kopfschütteln? Stiller Protest? Alles, was recht ist! Wenn das noch recht ist, was dieser Verwalter sich erlaubt? Rechnungen fälschen, damit er Freunde gewinnt, die ihn aufnehmen, wenn er gekündigt wird? Das ist doch glatter Betrug. Und jetzt wird dieser Betrüger auch noch gelobt von Jesus: Kluger Mann! Dann sagt Jesus noch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Alles, was recht ist! Da gibt es Klärungsbedarf. Ungerechter Mammon, was soll das sein? Das riesige Vermögen des Großgrundbesitzers ist ungerechter Mammon. Er hat von seinen Pächtern Wucherzins verlangt, sie ausgebeutet. Der Verwalter kürzt die Rechnungen und gibt so einen Teil von dem zurück, was er ihnen zu Unrecht abgenommen hat. Das ist klug und gerecht, meint Jesus. Der riesige Besitz ist ungerechter Mammon. Der Wucherzins himmelschreiendes Unrecht, das viele in die Armut treibt. Nicht der Verwalter ist letztlich ungerecht, sondern der Chef.

Lb. Gl. Ungerechte Verteilung der Güter, die haben auch wir. Heute mehr denn je. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.

Unlängst war im Wirtschaftsteil einer großen Zeitung zu lesen, dass in Amerika 1 Prozent der Bevölkerung 70 Prozent des Gesamtein­kommens bezieht. In vielen Teilen der Welt ist das so - oder noch extremer. Kleine Eliten bereichern sich schamlos auf Kosten der breiten Masse. Im Früh­jahr wurde unser Blick auf die immensen Reichtümer der Oligarchen gelenkt, ihre Villen und Luxus­yachten. Die verstehen es ganz raffiniert, ihre Milliarden in undurchsichtigen Konstrukten und Steuerparadiesen zu verstecken, so dass sie keine Steuern zahlen. Und das in einem Land, in dem es den einfachen Leuten am Nötigsten fehlt.

Auch bei uns gibt es Strukturen, die den Reichen dienen und viele ins Elend stürzen. Für ein Handy, das 600 Euro kostet, werden  gerade mal 5 Euro Lohn bezahlt. Und die Rohstoffe werden in Afrika gefördert, von Kindern, in katastrophalen gesundheitsschädigenden Arbeitsverhältnissen. Die sind völlig rechtlos, werden ausgenützt und ausgebeutet.

Lb. Gl. Vielleicht verstehn wir jetzt, was Jesus meint: Mach dir Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit du in die ewige Wohnung aufgenommen wirst. Der Überfluss ist im Grunde ungerechter Mammon. Der Überfluss gehört den Armen. Jetzt wird mancher aufbegehren: Alles, was recht ist. Das hab' ich mir doch redlich verdient. Das mag schon sein. Aber es gibt ein Gesetz, das über allem steht, das Gesetz der Nächstenliebe. Und dieses Gesetz fordert einen angemessenen Ausgleich zwischen Arm und Reich. Dazu haben wir die Möglichkeit - bei verschiedenen Sammlungen für die Ärmsten. Das ist gut, damit alles wieder recht ist.

 

 

Lj. C 2022: 24. So: Jesus setzt sich mit Sündern an einen Fast

Evangelium nach Lukas (Lk 15,1-10)

In jener Zeit kamen Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.  Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.  Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,  und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.  Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. 

Impuls:

 

Von Luther gibt es 2 Sprüche, die völlig gegensätzlich sind. Der eine - ganz ängstlich: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Der andere - locker und furchtlos: Sündige tapfer, aber noch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.

Fast 500 Jahre nach Luther haben die Menschen andere Sorgen als ihre Sünden. Wer fragt heute noch: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Oder wer rechnet gar mit einem un-gnädigen Gott? Heute beißen uns ganz andere Fragen: Wie kriege ich einen gnädigen Nächsten? Wie kriege ich eine Welt, in der Frieden herrscht? Nun, diese Fragen unserer Tage sind wichtig. Dennoch hat die Frage nach dem gnädigen Gott immer noch Gewicht. Und die Kirche muss der Ort bleiben, wo diese Frage beantwortet wird. Denn die grundlegenden Tatsachen haben sich seit Luthers Zeiten nicht geändert: Die Tatsache, dass wir einmal sterben müssen. Und es ist eine Tatsache, dass wir dann vor Gottes Gericht stehen. Und da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Tod oder Freispruch und ewiges Leben. Wer diese Tatsachen ernst nimmt, der wird sich schon fragen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?
Die Bibel gibt jede Menge Antworten darauf. Jesus wird nicht müde, in berührenden Gleichnissen klar zu machen: Gott will nicht den Tod des Sünders. Er will, dass er umkehrt und lebt und Leben in Fülle hat. Das Gleichnis vom gütigen Vater und vom Verlorenen Sohn erzählt von Gott als Vater, der mit offenen Armen auf den verlorenen Sohn wartet, der zu ihm heimkehrt. Und Jesus? Er sagt am Kreuz zum rechten Schächer, der ein Verbrecher war: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Und das heutige Evangelium beschreibt den lieben Gott als fürsorglichen Hirten, der 99 Schafe sich selbst überlässt, um das eine verlorene zu finden und heim zu bringen. Schöner kann man es nicht sagen.

Lb. Gl. Wir müssen uns nicht ängstlich und verbissen mit der Frage quälen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott. Den haben wir. Den haben alle Menschen, auch die Zöllner und die schweren Sünder. Wie sonst wäre es möglich, dass Jesus sich mit solchen Leuten an einen Tisch setzt. Die frommen Religionslehrer sind entsetzt. Die würden sich niemals schmutzig machen mit solchem Gesindel. Jesus ist der beste Religionslehrer und Pädagoge. Sein Erfolgsrezept lautet: Nicht Drohung und Strafe, sondern Liebe und Verzeihung. Und siehe da: Es klappt. Die hartgesottenen Sünder bekehren sich. Ist das nicht ein Grund zum Feiern? Jesus feiert mit den Sündern ihre Bekehrung. Und sogar die Engel im Himmel machen eine Party. Jesus sagt: Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die angeblich keine Umkehr nötig haben.

Lb. Gl. Luther bringt das Ganze auf den Punkt in einem einzigen Satz: Sündige tapfer, aber noch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.

 

 

 

Lj. C 2022: 23. So: Wer mein Jünger sein will…

Familie zurückstellen?

Evangelium nach Lukas ( Lk 14,25-35)

Viele Menschen begleiteten Jesus. Da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben zurückstellt, dann kann er mein Jünger nicht sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann mein Jünger nicht sein.  Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.  Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen Besitz verzichtet. 

Impuls:

Jetzt wird sich mancher denken: Das schaff ich nie, was Jesus da verlangt: Wer mein Jünger sein will, muss seine Familie zurückstellen und sein tägliches Kreuz auf sich nehmen. Willst du sein Jünger sein? Unter diesen Bedingungen wohl eher nicht. Die Familie opfern? Die Familie ist uns heilig. Umfragen aus jüngster Zeit zeigen eindeutig, dass Familie hoch im Kurs steht, bei Jung und Alt. Fast 97 % der Befragten zählen die Familie zum wichtigsten Wert in ihrem Leben, wichtiger als Erfolg im Beruf. Jugendliche nennen in großer Mehrheit ihre Eltern, vor allem die Mütter, als ihre wichtigsten Ratgeber.

90% aller Jugendlichen sind der Mei­nung, dass sie mit ihren Eltern über alles reden können. Sie schätzen eine stabile Gemeinschaft, das Gefühl der Verbundenheit, das Verantwortungsbewusst-sein füreinander, einen Ort der Be­heimatung, wo auch gegenseitiges Verzeihen möglich ist, in schweren Zeiten füreinander da sein… Das alles ist uns sehr sehr viel wert.

So und jetzt fordert Jesus von seinen Jüngern, die Familie hintanzustellen. Nun, das fordert er ja nicht von allen Menschen, sondern nur von den 12 Aposteln, den Profis. Das ist auch verständlich. Wie soll sich ein Wander-Apostel auch noch um seine Familie kümmern? Ist das nicht überzogen, von seinen Jüngern einen Familien-Verzicht zu fordern? Nein! Er zwingt sie ja nicht. Sie alle kennen den Preis ihres Berufs. Und wer diesen Beruf voll und ganz ausüben will, da geht sich eine Familie so nebenbei nicht aus. Übrigens: Es gibt genügend Wissenschaftler und Manager, die dermaßen von Arbeit eingedeckt sind, dass sie auf eine Familie verzichten. Wie klug von ihnen. Denn was nützt der Frau ein Mann, der nie da ist? Was nützt den Kindern ein Vater, der nie da ist? So einer bringt mehr Frust als Freude und Hilfe. Aber – wie geht es den Aposteln ohne Familie? Versinken die nicht in Einsamkeit und Traurigkeit? Ganz und gar nicht. Sie finden sich in einer neuen geistlichen Familie. Menschen mit gleichen Aufgaben und Interessen bilden eine Gemeinschaft. An anderer Stelle hat Jesus Familie neu definiert. Als seine Mutter und seine Geschwister ihn besuchen wollen, meldet einer: Jesus, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sprechen. Da zeigt Jesus auf seine Jünger und sagt: Das ist meine Familie. Wer den Willen meines Vaters tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.

Lb. Gl. Wir sind keine Profi-Apostel. Wir gehören zu den 72 anderen Jüngern, zu den Teilzeit-Aposteln. Für uns gilt eine andere Rangordnung. Familie, Ehepartner und Kinder sind die Nummer eins. Ihnen gilt unsere Hauptsorge. Aber, die Familie muss nicht unbedingt ein Fulltime-Job sein. Da gibt es noch Spielraum und Zeit für ehrenamtliche Dienste: für Gott, für die Kirche, für Menschen, die Hilfe brauchen. Jeder kleinste Dienst ist wichtig für das Reich Gottes. Für uns könnte das Evangelium so lauten: Wer ein Teilzeit-Apostel sein will, kümmere sich zuerst um seine Familie und wenn er Zeit übrig hat, um das Reich Gottes.

 

 

 

Lj. C 2022: 22. So: 1. Lesung: Bescheidenheit, Verzicht

 

Evangelium nach Lukas (Lk 14,1)

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,  und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest einen unteren Platz einnehmen. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht.

Impuls:

Wir  werden in den letzten Jahren nicht gerade verwöhnt von guten Nachrichten.  Manchmal erteile ich mir selbst ein Verbot, Nachrichten zu schauen. Psychohygiene tut mir gut. Ich muss mir nicht jeden Tag anhören: Corona, Klimakatastrophe,  Krieg und Teuerung. Aber ich mache mir schon meine Gedanken, wie wir solche Krisen am besten bewältigen können. Viele meinen ja: Vater Staat muss alles richten. Er muss alles abfedern, möglichst so, dass ich selber keine Einbußen spüre. Dass mein Wohlstand auf höchstem Level bleibt, ohne auf etwas verzichten zu müssen: Urlaub, möglichst dreimal im Jahr, ein Zweitauto, eine Zweitwohnung. Energie sparen? Das geht gar nicht. Die heutige Lesung bringt uns eine alte Tugend in Erinnerung, die hilfreichste in Zeiten wie diesen: Bescheidenheit. Einfachheit. Das hat mit Einfalt nichts zu tun. In Gegenteil. Der Weisheitslehrer der heutigen Lesung bringt es auf den Punkt: Je größer du bist, umso mehr bescheide dich. Der Hl. Franziskus war hochintelligent und ein reicher Kaufmanns-Sohn. Er hat sich freiwillig entschieden, einfach und bescheiden zu leben, um innerlich frei zu werden. Frei zu werden für Gott und für die Mitmenschen. Wer alles haben muss, was er sieht, ist abhängig, süchtig. Er ist nicht frei. Verzichten ist eine Fähigkeit, die uns nicht in die Wiege gelegt wird. Wir müssen sie lernen und üben. Manche Menschen üben den Verzicht in der Fastenzeit z.B. Sie probieren einmal, ob es ihnen gelingt, einige Wochen lang auf Fernsehen, Alkohol, Rau­chen, Fleisch, vielleicht auch auf Kaffee zu verzichten. Wenn es gelingt, fühle ich mich gut. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht Sklave meiner Gewohnheiten bin. Ich bin Herr über mich selbst. Das hebt meinen Selbstwert, meine Würde.

Lb. Gl. In Krisenzeiten gibt es zwei Gruppen. Die einen, denen es trotz aller Krisen gut geht, die keinen Mangel leiden. Dazu gehöre auch ich. Da kann ich nur eines tun: Ein herzliches Danke nach oben schicken, mindestens 10-mal am Tag. Die Dankbarkeit und der Blick nach oben öffnet mir die Augen für die andere Gruppe, die anderen, die wirklich bettel-arm werden. Die sich das Heizen nicht mehr leisten können, die frieren und sogar hungern müssen. Für uns auf der Sonnenseite heißt es: Augen auf! Was kann ich tun für die auf der Schattenseite? Es gibt jede Menge Sammlungen, wo ich meinen Überfluss teilen kann. Sammlungen von alltäglichen Gebrauchs-Artikeln, Nahrungsmitteln, Kleidern… Im Kloster haben wir den sog. Kost-nix-Laden für alltägliche Gebrauchsartikel. Solche und ähnliche Läden gibt es schon sehr viele, und es werden immer mehr. Und es gibt über das Jahr verteilt immer wieder Geld-Sammlungen für die Armen.

Lb. Gl. Wenn wir selber einfach und bescheiden sind und wenn wir aufmerksam sind und teilen, dann kommen wir alle einigermaßen heil über Runden. Das wünsche ich uns von ganzem Herzen!

 

 

Lj. C 2022: 21. So: Bemüht euch durch die enge Tür

Evangelium nach Lukas (Lk 13,22-30)

In jener Zeit zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.  Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Manche werden versuchen, sich hineinzuschwindeln, aber es wird ihnen nicht gelingen.  Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid, ich kenne euch nicht.  Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Wir kennen dich. Er aber wird erwidern: Ich kenne euch nicht. Dann werden Scharen von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.

Impuls:

Da kommt einer und stellt Jesus eine Frage. Nicht irgendeine. Die wichtigste Lebensfrage überhaupt: Werden nur wenige gerettet? Bin ich auch dabei? Wie groß ist die Himmelstür? Wie viele kommen da hindurch? Dermaßen spannende Fragen, und Jesus gibt keine eindeutige Antwort. Schade! Er sagt nicht, dass es viele sind. Er sagt auch nicht, dass es wenige sind. Ganz am Schluss macht er eine Andeutung, die hoffnungsvoll klingt: Sie kommen vom Osten und Westen, von Süden und Norden – und setzen sich zu Tisch im Reich Gottes. Er nennt keine Zahl. Wie klug von ihm. Wenn er nämlich sagt: Es sind viele, dann denken manche: Da bin ich sowieso dabei, ohne mich besonders anzustrengen. Sagt er: Es sind wenige, dann denken einige: Es gibt viel Bessere als mich. Da hab' ich keine Chance. Es hat keinen Zweck, mich zu bemühen. Dem widerspricht Jesus energisch: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Damit korrigiert er einen weit verbreiteten Irrtum. Damals haben viele Juden gedacht, besonders die religiösen Führer: Ich gehöre zum auserwählten Volk Gottes, ich bin ein Kind Abrahams. Ist doch klar, dass ich in den Himmel komme. Die Abstammung allein macht mich zu einem fixen Kandidaten für den Himmel. Da braucht es weiter kein Bemühen um ein gutes Leben. Ähnlich denken auch manche Christen: Ich bin getauft. Ich kann an der Himmelstür meinen Taufschein vorweisen. Sonst brauche ich nichts. Jesus meint: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Was sollen wir denn tun? Das sagt Jesus an anderer Stelle: Sammelt euch Schätze für den Himmel, also Schätze mit Ewigkeitswert. Welche sind es denn? Das sind vor allem die geistigen Werte: Liebe, Einsatz für andere, Geduld, Fürsorge, Pflege, Dankbarkeit, Treue, Verlässlichkeit, Zeit haben für andere, Zeit haben für Gott, für Gebet und Gottesdienst, Glaube, …

Lb. Gl. Wenn wir uns um diese Schätze bemühen, dann spielt die Zahl unserer Sünden nur noch eine geringfügige Rolle. Der sicherste Schlüssel für den Himmel ist ja nicht, dass wir möglichst keine Fehler haben. Der sicherste Schlüssel für den Himmel ist Jesus. Er sagt: Wer an mich glaubt, wird gerettet. Und die vielen Sünden? Jesus ist auch für deine Sünden am Kreuz gestorben. Das möchte uns die folgende Geschichte humorvoll vor Augen führen.

Meine Bilanz.

Wie wird sie am Ende ausfallen, meine Bilanz?

Negativ oder positiv? Minus oder plus?

Da gibt es nämlich den Buchhalter-Engel.

Schon eine halbe Ewigkeit hat der Buchhalter-Engel

alles Negative der Menschen notiert, jede Verfehlung festgehalten.

Auf einmal schielt er nervös durch die Lesebrille,

auf der Stirn tiefe, strenge Falten.

Er kratzt sich mit der Flügelspitze hinter dem rechten Ohr.

Wo ist der Rechenfehler?

Woher kommt denn am Ende das Plus, ein Kreuz?

Es ist das Kreuz Jesu.

Meine ganze Bilanz ist falsch!

"Es ist ein Kreuz mit diesem Jesus!", jammert der Buchhalter.

Und wir dürfen uns freuen. Am Ende unsres Lebens steht ein Plus, das erlösende Kreuz Jesu.

 

 

 

Lj. C 2022: 15. August: Mariä Himmelfahrt

 

Evangelium nach Lukas (Lk1,39-56)

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.  Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Impuls.

Wir Katholiken feiern heute ein absolutes Highlight, die Aufnahme Mariens in den Himmel. Ein Hochfest mit allem Drum und Dran. Vielerorts sogar mit Prozession, mit Musikkapelle und Ehrensalven. Für unsere Evangelischen Mitchristen ein Tag wie jeder andere. Denn Maria ist für sie ein ganz gewöhnlicher Mensch und keine Heilige. Dass ein katholischer Priester heute etwas nettes über Maria predigen wird, ist weiter nichts Besonderes. Dass aber eine evangelische Pfarrerin es noch besser kann, das erstaunt mich, so sehr, dass ich heute ihr die Predigt überlassen will.

Sie spricht von Frau zu Frau.

Julia Schnitzlein, selbst Mutter, sie sieht den heutigen Tag als Muttertag Mariens. Sie schreibt: Liebe Maria, Du bist sicher die bekannteste Mutter der Welt! Du wurdest im Lauf der Geschichte unendlich oft ge­malt, und die Anzahl deiner Beinamen ist erstaunlich: Gottesmutter, Himmelskönigin, reine Magd, Schmerzensmutter, und und und... Zunächst warst du ein­fach nur Maria, eine Mutter, mit einem nicht ganz einfachen Kind.

Dass Du es mit deinem Erstgeborenen nicht leicht haben würdest, hat sich schon von Anfang an gezeigt. Du bist kaum 16, als Du schwan­ger wirst, ungeplant. Dein Verlobter überlegt, dich zu verlassen, denn das Kind - ist nicht von ihm. Er bleibt und steht mit dir alles durch, was auch euch zukommt. Von einem ruhigen Wo­chenbett kann wohl keine Rede sein - in einem dreckigen Stall. Und der viele Besuch. Erst die Hirten, dann auch noch die Magier, seltsame Gestalten. Danach müsst ihr fliehen, um das Neugeborene zu schützen vor einem mörderischen König Herodes.

Als Halbwüchsiger macht es Dir der Jung auch nicht leicht. Bei einer Wallfahrt war er plötzlich verschwunden, einfach weg. Drei Tage!!! Meine Tochter ist im gleichen Alter, und ich mache mir schon Sorgen, wenn ich sie mal kurz übers Handy nicht erreiche. Ich kann mir kaum vorstellen, welche Ängste du durchgestanden hast. Und als du ihn endlich im Tempel wiederfindest, mit den Schriftgelehrten altklug über die Bibel diskutierend, sagt er nur: "Warum habt ihr mich gesucht?"

Du hast Dir für Deinen Erstgeborenen sicher ein "ganz normales" Leben gewünscht. Eine Familie, ein Haus, einen festen Beruf. Von wegen. Er beschließt, als 30-jähriger Junggeselle noch einmal durchzu­starten, als Wanderprediger. Er will den Menschen das Reich Got­tes verkünden und sie zur Mitarbeit aufrufen. Das ist seine Lebensaufga­be, keine Frage - aber für Dich als Mutter sicher schwer zu verstehn. Immer wieder gibt es Spannungen.

Jesus ist seinen eigenen Weg gegangen. Immer wieder weg von dir. Und du - hast ihn niemals aufgehalten! Du warst da. Immer! Noch am Kreuz. Du muss­test zusehen, wie der eigene Sohn gefoltert wird, bis er endlich stirbt. Dass er auferstehen wird, konn­test du nicht wissen. Maria, du weißt, für mich als Evangelische bist du keine Heilige. Aber du bist eine unglaubliche Mutter. Das möchte ich dir heute schreiben, an deinem Muttertag.

Lb. Gl. Ich als katholischer Priester habe dem nichts zuzufügen, außer, dass Maria für mich eine Heilige ist, die Größte.