2024 Lj-B: 1. Fastenso: Fasten, wozu?

Evangelium nach Markus (Mk : 1,12)

In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste.  Dort blieb er vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist da, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Impuls:

Mit dem Aschermittwoch hat die 40-tägige Fastenzeit begonnen. Und wir fragen uns? Fasten, wozu? Ist denn das so wichtig? Nun wir haben einen, der es uns vormacht, den Meister selbst. Er geht in die Wüste. Dort fastet und betet er 40 Tage lang. Warum in die Wüste? Hier gibt es nichts, was ihn ablenkt vom Gebet.

Es gibt noch einen, der das Fasten extrem wichtig nimmt: Kaiser Karl der Große. Man höre und staune, welche Weisung der erlassen hat: „Wer die Fas­tenzeit nicht hält, wird mit dem Tod bestraft; es sei denn, er vertraut sich einem Priester an, der ihn von dieser Strafe freisprechen kann." Fasten enorm wichtig, das haben Christen noch einige Jahrhunderte-lang ge­dacht. Man glaubte, durch das Fasten göttliche Strafen, Naturkatastrophen, Krankheiten und Kriege verhindern zu können. Wie denken wir heute über das Fasten? Nun, wir haben das Fasten schon ein wenig abgespeckt. An Todesstrafe denkt da keiner mehr. Dennoch kann Fasten auch für uns einen Sinn haben. Am meisten praktiziert wird das Gesundheits-Fasten. Hat dein Hausarzt auch Klartext mit dir geredet: Überflüssige Kilos müssen weg? Weniger Süßes, weniger Fett und mehr Bewegung. Sonst wird dein Kreislauf streiken irgendwann. Und dann haben wir noch das Schönheits-Fasten, das viele extrem wichtig nehmen – bis hin zum Schlankheitswahn. Der hat nicht wenige in die Magersucht getrieben. Also nicht jedes Fasten ist gesund. Was ist denn gesund? Das religiöse Fasten vielleicht? Na ja, dann sollten wir das ein wenig unter die Lupe nehmen. Beim religiösen Fasten geht es nicht um Leistung. So mancher prahlt: Ich habe 40 Tage lang auf dieses und jenes verzichten können. Beim religiösen Fasten geht es letztlich darum, einen Freiraum zu gewinnen für Wichtiges. Der Verzicht auf Suchtmittel, Alkohol und Zigaretten hätte einen doppelten Zweck. Es würde meiner Gesundheit guttun. Und dann blieben mir noch ein paar Euro, um Notleidende zu unterstützen.

Freiraum gewinnen. Wie vielen Menschen passiert es, sie möchten was Gutes tun für ihre Mitmenschen und für Gott. Aber sie haben einfach keine Zeit. Da ist das Fernsehen, das Smartphone oder irgendein Hobby, das die ganze Freizeit auffrisst. Also keine Zeit mehr für andere. Schade. Dabei würde ein Liebesdienst so viele Glückshormone ausschütten, weit mehr als 100 Stunden am Handy und Fernsehen. Das religiöse Fasten ist also ein Segen für uns und unsere Mitmenschen. Und dieses ist nicht auf 40 Tage begrenzt. Es dauert so lange wie meine christliche Vernunft und mein christliches Mitgefühl reicht.

Lb. Gl. Richtiges Fasten, das bringt Monika Steiner auf den Punkt in dem folgenden Gedicht:

Fasten einmal anders.

Verzichten – klingt so negativ.

Vielleicht läuft's deshalb oftmals schief.

Weniger ist mehr, das kann schon sein.

Aber manchmal ist mehr ja auch ganz fein.

Mehr Zeit für sich und für die Seinen.

Mehr Zeit zum Lachen mit den Kleinen.

Mehr Zeit zum Gottesdienst und Singen.

Mehr Zeit in der Natur verbringen.

Mehr Zeit zum Danken und zum Beten.

Mehr Zeit, die Beine zu vertreten.

Mehr Zeit für Freunde und zum Reden.

Mehr Zeit wär' wichtig, ja für jeden.

Wer meint: "Ich hab' nicht so viel Zeit",

dem sag ich diese Kleinigkeit:

Zeit kann man sich nehmen – wenn man will.

Dann steht die Zeit auf einmal still. Monika Steiner

 

 

2024 Lj-B: 6. So.i.Jahr: Heilung eines Aussätzigen. Aussatz heute?

Evangelium nach Markus (Mk 1,40-45

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.  Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.  Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.  Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Impuls:

Von einem Aussätzigen wird uns da erzählt. Aussatz, eine Erkrankung der Haut. Die Haut ist ein ebenso wichtiges Organ wie Herz, Magen, Lunge, Leber und Nieren. Die Aufgaben der Haut sind vielfältig. Die Haut schützt uns vor dem Eindringen von Schmutz und Mikroben, von winzig kleinen Lebewesen von Bakterien und Viren. Sie sorgt auch dafür, dass wir nicht austrocknen. Sie re­guliert den Wärmehaushalt des Körpers. Auch Gefühlsregungen drücken wir über sie aus, das was uns unter die Haut geht: Wir werden rot vor Wut, blass vor Schreck, wir schwitzen vor Angst. Die Haut ist wichtig für unser Gemüt. Eine Streicheleinheit, ein Kuss, das ist Psychotherapie vom Feinsten.

Es kann vorkommen, dass man sich nicht wohlfühlt in seiner Haut – wie der Mann in der Geschichte. Dieser Mann ist ein Todeskandidat. Er weiß von Betroffen Kollegen, wie das ausgeht. Man wird ausgesetzt. Vor die Tür gesetzt, weil ansteckend. Er darf nicht unter die Leute und schon gar nicht in die Synagoge zum Gottesdienst. Ausgesetzt. Er muss zuschauen, wie er bei lebendigem Leib verfault. Schrecklich anzusehen, ein verfaultes Gesicht. Und dann der üble Geruch. Ausgesetzt. Das tut weh an Leib und Seele. Jetzt trifft er Jesus. Der Aussätzige tut, was er gar nicht darf. Er geht ganz nah zu Jesus hin. Jesus hat keine Berührungsangst. Er berührt ihn sogar, und der Mann wird gesund. Er fühlt sich wie neu geboren. Nach Jahren wieder ein normales Leben: Ohne Ekel, ohne Schmerzen. Wieder bei der Familie, wieder bei Freunden, wieder beim Gottesdienst. Ich weiß nicht, wie hoch seine Luftsprünge waren. Ziemlich hoch, denke ich.

Eine berührende Geschichte. Aber, was hat die mit uns zu tun? Es gibt keinen Aussatz mehr bei uns. Wirklich nicht? Menschen, die sich fühlen wie ein Aussätziger, solche gibt es mehr als genug, auch bei uns. Manche Menschen werden wie Aussätzige behandelt und gemieden:

- geistig oder körperlich Beeinträchtigte,

- psychisch Kranke,

- Obdachlose, Asylanten, schwierige Ausländer,

- Alkohol- und Drogenabhängige,

- entlassene Strafgefangene.

- Menschen mit ekelerregenden Krankheiten,

Jesus hatte keine Berührungsangst gegenüber den Aussätzigen. Er hat sich anrühren lassen von ihrem Schicksal und er hat sie angerührt – und geheilt. Ausgeschossen und isoliert sein, wie schlimm das sein kann, das hat uns Corona gezeigt mit ihren Kontaktbeschränkungen und Ab­standsregeln. Nicht wenige, vor allem junge, sind depressiv geworden durch diesen Entzug. Wir brauchen körperliche Nähe und Berührungen, um glücklich und gesund zu sein. Wir brauchen eine herzliche Umarmung, wenn wir jemanden lange nicht mehr gesehen haben, oder ein Streicheln oder das Halten einer Hand, wenn wir jemanden trösten möchten oder wenn wir am Krankenbett einfach nur zeigen wollen, dass wir da sind: Eine Berührung bewirkt mehr als tausend Worte.

Lb. Gl. Jesus hatte keine Berührungsangst. Lernen wir von ihm: Sich anrühren lassen - auch von kranken und unbequemen Menschen; und sie wertschätzen als Gotteskinder. Sich berühren lassen und Berühren, das ist heilsam. Das würde den Betroffenen so manchen Therapeuten ersparen.

 

 

2024 Lj-B: 5. So.i.Jahr: Gesundheit ist das Wichtigste. Wirklich?

Evangelium nach (Mk 1, 29)

In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas.  Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.  Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus.

In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.  Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.  Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.  Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Impuls:

Wenn ein Arzt große Erfolge hat, dem rennen die Kranken die Türen ein. Bei Jesus versammelt sich die ganze Stadt. Er heilt sie alle. In der Frühe, da hat es auch ihm gereicht. Er macht sich davon, um zu beten und bei seinem Vater Kraft zu schöpfen. Aber die Leute wollen das nicht hinnehmen. Sie laufen ihm nach. Klar, alle wollen gesund werden. Hauptsache gesund. Gesundheit ist das Wichtigste. Diese Meinung wird von Jesus gründlich korrigiert. Gesundheit ist wichtig. Aber nicht das Wichtigste. Deshalb lässt Jesus viele ungeheilt zurück. Sein erster und wichtigster Auftrag ist die Verkündigung der Frohbotschaft, nicht die Heilung der Kranken.

Lb. Gl. Das ist nicht ganz einfach einzusehen. Da fragt man sich: Wenn er nicht alle heilt, hat er diese Menschen weniger lieb? Vielleicht hilft uns das folgende Beispiel, das Verhalten Jesu zu verstehen. Da sitzt eine Runde beisammen mit dem Pfarrer. Sie lesen das heutige Evangelium und jeder sagt dazu, was er meint. Die meisten: Gesundheit ist das Wichtigste. Und Krankheit ist ein böses Übel, das der liebe Gott beseitigen muss, wie eine schwere Sünde. Ein 18- Jähriger sitzt in der Runde. Er ist im Rollstuhl. Er hat Multiple Sklerose. Unheilbar. Das weiß er. Und jetzt sagt auch er, was er denkt. Was ist mit mir? Wenn der liebe Gott alle Krankheiten heilen muss, hat er mich dann vergessen? Nein, nein, er hat mich nicht vergessen. Der junge Mann macht trotz seiner schweren Krankheit einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Er meint: Hauptsache glücklich. Ich bin glücklich. Ich werde von lieben Menschen betreut. Ich habe Freunde. Und ich fühle mich auch von Gott geliebt und getragen.

Lb. Gl. Wenn Jesus nicht alle Kranken heilt, will er auch ein Zeichen setzen – wie bei der Brotvermehrung. Vor der Brotvermehrung sagt er zu den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen! Ein klarer Auftrag an die Jünger und an uns alle. Was für den Hunger gilt, das gilt auch für die Krankheit. Wenn er nicht alle heilt, dann will er wohl auch sagen: Heilt euch selbst! Besinnt euch auf eure eigenen heilenden Kräfte, auf eure heilenden Hände, auf eure heilenden Herzen und auf eure heilende Vernunft. Erwartet nicht alles von einem Wunderdoktor.

Es ist doch so: Wir können selber viel tun für unsere Gesundheit, oder anders gesagt: An vielen Krankheiten sind wir selber schuld. Deshalb zuerst ein Appell an unseren Hausverstand: Gesünder leben! Weg von krankmachenden Süchten: Weg von der Nikotin- Alkohol-, Drogen-, Fress- und Ichsucht. Und wenn ihr krank seid, nützt eure heilenden Hände und die Heilkraft der Mutter Natur. Welches heilende Potential steckt in der Kräuter- und Salbenküche der Oma! Welches heilende Potential liegt in den Händen der Apotheker, der Krankenschwestern, der Pfleger und Ärzte! Und wenn die heilenden Hände nichts mehr ausrichten, dann bleiben uns immer noch die betenden Hände. Von Gott bekomme ich das wichtigste Medikament: Seelische Kraft und Geduld in meinem Leiden. Und er schickt Engel ohne Flügel: Treue Menschen ans Krankenbett, die die Hand des Schwerkranken halten, ihm zart über die Wangen streichen, die ihn versorgen und pflegen. So wird auch die schwerste Krankheit erträglich.

Lb. Gl. "Hauptsache gesund", das stimmt einfach nicht. Wohl aber: Hauptsache glücklich! Ich kenne Menschen, die sind kerngesund und trotzdem todunglücklich. Und ich kenne Schwerkranke, die absolut glücklich sind. Glücklich sein kann ich auch im Rollstuhl. Gesundheit ist ein hohes Gut. Gewiss. Wenn du gesund bist, danke Gott 1000-mal am Tag. Aber viel kostbarer ist: Glücklich sein. Geliebt von guten Menschen und von Gott.

 

 

2024 Lj-B: 4. So.i.Jahr: Dämonen; du bist der Heilige Gottes.

 

Evangelium nach Markus (Mk 1,21)

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.  Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.  In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.  Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.  Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.  Und sein Ruf verbreitete sich im ganzen Gebiet von Galiläa.

Impuls:

Zwischenrufe während der Predigt. Das ist es, was sich kein Prediger wünscht. Mir ist das nie passiert. Gott sei Dank. Wohl aber dem P. Wolfgang. Da ist eine psychisch kranke Frau zum Ambo vorgegangen und hat lautstark gesagt: Was redest du da für ein Zeug? Die Frau wurde von 2 Männern hinausbegleitet und

P. Wolfgang konnte ungestört weiter predigen. Wie ihm zumute war, kann man sich denken.

Jesus erlebt heute das Gleiche. Geschrei während seiner Predigt in der Synagoge. Es war einer, der besessen war von einem bösen Geist. Er schreit: Was haben wir mit dir zu tun? Willst du uns ins Vererben stürzen? Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes. Was er befürchtet hat, geschieht. Er wird von Jesus ausgetrieben mit göttlicher Vollmacht. Da läuft es den Zuhörern kalt über den Rücken. Das ist ja wirklich gruselig. Diese Geschichte hat es in sich. Vor allem, was der Besessene da von sich gibt. Das ist ja ein glattes Glaubensbekenntnis. Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes. Nicht zu fassen. Keiner in der Synagoge hat das gewusst. Der Dämon weiß es: Du bist der Heilige Gottes. Ich denke: Genau das sollen auch wir Christen uns immer wieder bewusst machen, wen wir da vor uns haben. Uns passiert es ja oft und oft. Wir sitzen in der Kirche beim Gottesdienst. Der Körper ist da. Aber der Geist ist weit weit weg. Der Alltag mit seinen Sorgen, mit seinen Plänen und Träumen, er nimmt uns gefangen. Manchmal erwachen wir erst, wenn zur Wandlung die Glocke tönt. Holla! Jetzt passiert was Wichtiges. Wandlung. Jetzt ist Er da! Na ja, nicht erst jetzt. Die ganze Messe ist er da. Bei unseren Gebeten und Liedern. Bei den Lesungen, bei der Wandlung, bei der Kommunion und beim Segen. Er ist da, mitten unter uns. Er feiert mit uns. Er ist unser Gastgeber. Nicht irgendeiner, nein, der Heilige Gottes, Gott selbst. Das hätte sich der Dämon wohl auch nicht gedacht: Er, der die Predigt Jesu stört, wird selber zum Prediger und verkündet die wichtigste Botschaft: Das ist der Heilige Gottes.

Lb. Gl. Das sollte uns zu denken geben. Wenn wir die Kirche betreten zum Gottesdienst, wenn wir die Kniebeuge machen, dann sollten auch wir uns in Erinnerung rufen: Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes. Und schon sind wir ganz anders bei der "Sache", mit Hirn und Herz. Und vergessen wir nicht: Er predigt und handelt wie einer, der göttliche Vollmacht hat. Sein Wort hat die Macht, zu heilen und böse Geister zu vertreiben. Wir sind zwar nicht von einem Dämon besessen. Aber böse Gedanken und Wünsche spielen auch mit uns Katz und Maus. Sie machen uns unfrei und verleiten und oft genug, Böses zu tun. Er, der göttliche Vollmacht hat, ist genau die richtige Adresse. Er hat die Macht, uns zu heilen und zu befreien von vielem, was uns belastet: von Ängsten und Sorgen, von Krankheiten, von bösen Gedanken und Wünschen - und Sünden. Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes.  

 

 

 

2024 Lj-B: 3. So.i.Jahr: Jona – Ninive, Strafgericht.

Lesung aus dem Buch Jona (Jona 3, 1)

Das Wort des Herrn erging an Jona: Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde.  Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.  Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging und rief: Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.  Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.

Impuls:

Ich will es nicht hoffen, aber es kann schon sein, dass auch du zu jenen gehörst, die meinen: Beten hat keinen Zweck. Gott hört mich sowieso nicht. Er macht ohnehin, was er will. Oder er macht gar nichts. Da müsste ich schon ein Heiliger sein, dass der liebe Gott aufhorcht, wenn ich bete, oder gar meine Gebete erhört. Weit gefehlt. Davon berichtet die heutige Lesung. Sie erzählt von Ninive, einer Großstadt mit 120.000 Menschen. Ein liederliches Luder. Ein Sammelbecken von schweren Sündern und Verbrechern. Was soll der liebe Gott denn machen mit dieser Pestbeule? Am besten ausrotten. Ist gar nicht schade um sie. Aber der liebe Gott lässt sich Zeit. Er gibt ihr noch eine Chance. Er schickt den Propheten Jona. Dieser verfluchten Stadt soll Jona ein Strafgericht verkünden: "Noch 40 Tage, und Ninive ist zerstört". Nicht gerade ein Traumjob und irgendwie ungesund. Jona weiß genau: Sie werden mich nur auslachen, mich zur Stadt hinausjagen, womöglich sogar umbringen, wie es manchen meiner Kollegen ergangen ist. Das Gegenteil passiert. Die Stadt ruft ein Fasten aus und wirft sich Sack und Asche, vom König bis zum Kleinsten. Sogar der liebe Gott ist überrascht. Ihn reut das Unheil, das er ihnen antun wollte und tut es nicht.
Diese Geschichte ist eine Lektion für uns alle: Gott sagt zu keinem Volk, zu keiner Stadt und zu keinem Menschen: Es ist nicht schade um dich! Die Gottlosen sollen doch zugrunde gehen. Gott geht den Verlorenen nach, bis er sie findet. Für Jona ist die Stadt Ninive ein hoffnungsloser Fall. Es lohnt sich nicht, auch nur einen Schritt dorthin zu machen. Das kennen auch wir zur Genüge: Dieser Mensch ist ein hoffnungsloser Fall. Da ist jedes Zureden vergebliche Liebesmüh. Das denken sich manche Eltern, manche Pfarrer, manche Lehrer und Erzieher, und so mancher Chef.
Am besten, alles laufen lassen, da ist sowieso nichts zu machen. Die Jona-Geschichte zeigt uns, wie es geht und was alles möglich ist. Eine total verkommene Stadt bekehrt sich. Ein Erfolg, den niemand für möglich gehalten hatte, nicht einmal der liebe Gott. Ein starkes Team, die beiden, Jona und der liebe Gott.
Lb. Gl. Wir klagen so oft, dass wir nichts erreichen. Liegt es vielleicht daran, dass wir vieles im Alleingang machen? Dass wir gar nicht daran denken, dass wir Partner haben: Kluge Menschen und Berater; und einen allmächtigen Gott? Zusammen sind wir ein starkes Team. Da können wir vieles erreichen und vieles zum Guten führen. Mit Geduld und Liebe, mit Gebet und Gottvertrauen erreichen wir mehr als mit Gewalt. Die sog. hoffnungslosen Fälle können wir getrost dem Meister überlassen. Sein Herz ist größer als die größte Verstocktheit und größer als die größte Sünde der Welt.

 

 

2024 Lj-B: 2. So.i.Jahr: Meister, wo wohnst du? Ab-werben.

Evangelium nach Johannes (Joh 1,35-51)

In Jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm.  Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.  Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.  Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels.

Impuls:

Ich weiß nicht, ob du Chorleiter bist oder Trainer in einem Sportverein. Eines weiß ich: Es ist extrem schwer, die Leute zusammenzuhalten. Da verlassen immer wieder welche die Gruppe. Die Gründe sind vielfältig. Manche haben Stress und kommen nie wieder. Andere werden abgeworben von einem anderen Verein. Das tut weh. Und wenn es die Besten sind, tut es doppelt weh. Genau das passiert dem Johannes. Er hatte einiger Jünger um sich, gute, verlässliche Männer. Da kommt Jesus vorbei, den sie noch nie gesehen haben. Und siehe da: Zwei Jünger verabschieden sich von Johannes und folgen Jesus nach. Es sind nicht irgendwelche Mitläufer. Es sind seine Besten, Petrus und Andreas. Was haben sie denn vermisst bei Johannes in der Wüste? Ein Zuhause? Wahrscheinlich. Deshalb ihre Frage an Jesus: Meister, wo wohnst du?

Meister, wo wohnst du? Diese Frage ist zeitlos. Millionen und Abermillionen haben seither diese Frage gestellt: Wo wohnt der Meister? Wo wohnt denn der liebe Gott? Eine schwierige Frage. Schon als Kind hatten wir Probleme mit seiner Adresse. Wohin sollen wir den Brief ans Christkind schicken? Christkind, Himmelstraße 1? Damals hat uns die Mutter den richtigen Tipp gegeben. Leg ihn einfach ins Fenster. Das Christkind kommt überall hin und findet deinen Brief. Auch wir fragen: Meister, wo wohnst du? Schwierig. Er hat ja nicht nur einen Wohnsitz. Wo der überall wohnt, das ist nicht zu fassen. Bald thront er im Himmel, bald haust er in einem Schafstall. Dann nächtigt er wieder irgendwo im Freien, am See Genesareth. Schließlich wohnt er an 1000 Orten zur gleichen Zeit, in zig-tausend Kapellen, Kirchen und Kathedralen auf der weiten Welt. Und, was noch viel wichtiger ist: in den Herzen der Menschen, in jedem Menschen, der ihm Wohnrecht gibt. Das ist praktisch. Wenn wir mit Gott zusammen sein oder mit ihm reden wollen, müssen wir nicht ans Ende der Welt. Es braucht keine Flugreise, kein Telefon, kein E-Mail. Geh einfach in die Kirche oder in deine Kammer und rede mit ihm und genieße seine Gegenwart. Das macht dich stark. Das gibt dir ein Gefühl der Geborgenheit, ein Gefühl der Sicherheit. Denn du hast einen Weggefährten bei dir, der göttliche Macht hat, der dir helfen kann, so wie es gut für dich ist. Sein Einfluss ist weltweit und kennt keine Landesgrenzen. Und was noch wichtiger ist: Er kennt dich - bis ins Innerste. Er weiß, was dich bewegt, was dich freut und was dir Kummer macht. Er weiß, was du brauchst. Er kennt dich besser als dein Ehepartner, besser als deine leibliche Mutter. Sein Geist kann dir raten und helfen, wie keiner sonst.

Lb. Gl. Manchmal frage ich mich: Warum fühlen sich heute viele Menschen so einsam? Haben sie die Adresse verloren? Haben sie vergessen, wo Gott wohnt? Suchen sie ihn irgendwo über den Wolken oder überhaupt nicht mehr? Haben sie vergessen, dass er ganz nahe ist. Haben sie vergessen, dass er in ihnen wohnt – seit der Taufe. Haben sie vergessen, dass seine Lieblingswohnung nicht der Himmel ist, sondern das Herz des Menschen? Meister, wo wohnst du? Er ist überall. Auch in dir und mir.

 

 

2024 Lj-B: Erscheinung des Herrn; Vierter König  

Heute am Dreikönigs-Fest wird uns erzählt, dass Sterndeuter, womöglich sogar Könige aus dem Osten sich auf den Weg machen, um den neugeborenen König zu finden. Später bekommen sie einen Namen: Caspar, Melchior und Baltasar, als Vertreter der damals bekannten 3 Erdteile. Drei sollten es also sein. Schau einmal nach vorn zur Krippe und zähle nach. Natürlich sind es drei, das weiß jedes Kind. Wirklich? Bei uns in der Abstellkammer ist noch ein 4. König. Ich fragte mich oft: Wozu ein 4. König? Bis ich eine Legende fand von einem 4. König. Diese tiefsinnige Legende erzählt von einem König, der auf der Suche war nach einem besonderen König, der in diesen Tagen zur Welt kommen sollte. So hat ein Sternzeichen es mitgeteilt. Diese Suche hat sich jedoch in die Länge gezogen. Es hat Pannen gegeben.

Der König macht sich auf den Weg, um dem göttlichen Königs-Kind zu huldigen. Aber weil sein Reittier schwächelte, kommt er nicht rechtzeitig zum gewünschten Ort. Er kommt zu spät. Eine arme Mutter, die sich nicht trösten ließ, erzählt ihm von den furchtbaren Kindermorden in Betlehem, dem auch ihr Söhnchen zum Opfer gefallen war. Voller Mitleid schenkt er ihr einen leuchtend roten Edelstein, den er eigentlich dem kleinen Königskind hatte schenken wollen. Dann erfährt er: Die Familie hat fliehen müssen vor dem Kindermörder Herodes, nach Ägypten.

Nach langen Monaten erreicht er Ägypten, aber dann sagen ihm die Leute: Das Jesuskind mit seinen Eltern ist inzwischen schon wieder in die Heimat zurückgezogen. Er ist Jahrelang unterwegs. Überall fragt und sucht er. Am Rande einer großen Stadt trifft er einen Aussätzigen, der schon fast verhungert war. Ihm schenkt er den zweiten Edelstein, damit er zu leben hat. Im Hafen hört er, wie eine Familie ihre Schulden nicht bezahlen kann. Da nimmt er den letzten Edelstein und will sie damit auslösen. Doch es reicht nicht. Der Vater der Familie sollte als Sklave auf eine Galeere verkauft werden und so die restliche Schuld begleichen. Da bietet sich der König an, anstelle des Mannes die Schuld abzuarbeiten.

Viele Jahre muss er jetzt als Sklave dienen. Alt und ausgezehrt ist er, und längst hat er die Hoffnung aufgegeben, den zu finden, wo-nach er seit dreißig Jahre gesucht hatte. Dann wird er freigelassen, und er geht nach Jerusalem, dorthin, wo er den Stern zuletzt gese-hen hatte. Plötzlich wird es dunkel. Dabei war es erst kurz nach Mittag. Die Erde beginnt zu beben. In Todesangst denkt er: Ist denn all mein Suchen umsonst gewesen? Aber da strahlt ihm vom Kreuz her ein himmlisches Licht entgegen, und er hört eine Stimme: Du hast mich getröstet, als ich jammerte; du hast mich gerettet, als ich in Lebensgefahr war, du hast mich befreit, als ich gefangen war! Ich, Herr? Wann habe ich denn etwas getan für dich? »Was du den Menschen in Not getan hast, das hast mir getan. Da gibt der vierte König dem Weltenkönig am Kreuz sein Leben zurück. Denn nun hatte er endlich gefunden, wonach er ein Leben lang auf der Suche war.

Lb. Gl. Der Sinn der Legende ist tief. Sie will sagen: Der Weg zum Königskind führt über den Nächsten, der gerade meine Hilfe braucht. Das hat er später selber gesagt: Was ihr für den Gerings-ten meiner Brüder und Schwestern tut, das habt ihr mir getan. Der Weg zum göttlichen König ist zeitlos immer der gleiche. Und er gilt nicht nur für Könige, sondern auch für dich und mich.

 

2024 Lj-B: Taufe Jesu; Taufe so wichtig?

Heute wird uns erzählt: Jesus geht in die Wüste. Er will von Johanes getauft werden. Johannes weigert sich zunächst: Das geht ich nicht! Ich müsste von dir getauft werden und nicht du von mir! Du bist der Messias. Du hast keine Sünden, die ich abwaschen müsste. Wir fragen uns jetzt: Taufe, ist sie denn so wichtig, dass sogar Jesus in die Wüste geht, um sich taufen zu lassen? Heute nehmen viele junge Ehepaare die Taufe nicht mehr so wichtig. Sie lassen ihre Kinder gar nicht mehr taufen. Wozu denn auch, wenn der Glaube fehlt und wenn man keinen Bezug mehr hat zu den heiligen Sakramenten. Andere wiederum nehmen die Taufe extrem wichtig. Die Schiffsbauer z.B. und die Weinbauern. Die feiern Taufen mit allem Drum und Dran. Sie haben jedoch einen anderen geistigen Hintergrund. Da ist viel Aberglaube mit im Spiel.

Die Schiffstaufe findet meist unmittelbar vor dem Stapellauf statt, also bevor das Schiff die erste Reise antritt. Neben Kreuzfahrtschiffen werden auch Yachten und kleinere Schiffe getauft. Die Tradition geht zurück bis ins vierte Jahrhundert vor Christus. So sollten die Götter besänftigt werden, damit die Schiffe auf der Fahrt unversehrt bleiben und gegen Stürme und Ungeheuer geschützt sind. Das beruhigte die Seefahrer. Ein Versäumnis gilt als böses Omen! Das abschreckendste Beispiel: die Titanic! Sie wurde nicht getauft und sank bekanntlich noch während ihrer Jungfernfahrt.     Dann die Weintaufe

Jedes Jahr im November pflegen die Weinbauern eine langjährige Tradition. Nachdem die Ernte eingebracht ist und der junge Wein in den Fässern gärt, lassen sie einen Wein taufen. Rund um Martini wird in einer stimmungsvollen Zeremonie ein Jungwein stellvertretend für den ganzen Weinjahrgang gesegnet.

Aber jetzt zu unserer christlichen Taufe. Warum machen wir das überhaupt? Nun, Jesus hat den Aposteln den Auftrag erteilt: Geht hinaus, lehrt alle Völker und tauft sie. Ihr wichtigster Dienst: Frohbotschaft und Taufe, das sind auch die wichtigsten Säulen eines Christen. Eltern fragen sich: Warum sollen wir unser Kind taufen lassen? Es gibt triftige Gründe für dieses Sakrament.

1. Das Kind ist ein Fest wert. Ein Kind zu bekommen ist etwas Besonderes. Das muss gefeiert werden! 

2. Das Kind unter den Segen Gottes stellen. Eltern sind in den ersten Wochen nach der Geburt rund um die Uhr für ihr Kind da. Ohne diese „Brutpflege" kann das Kind nicht überleben. Doch schon bald zeigen sich auch Grenzen in dem, was Eltern für ihr Kind tun können. Leben ist immer mit Risiko verbunden. Die Welt ist gut und böse zugleich. So ist jedes Leben immer auch von Versagen und Schuld bedroht. Die Taufe stellt das Kind unter den besonderen Schutz Gottes. Wo Eltern mit ihrer Kraft nicht genügen, soll Gottes Kraft das Leben schützen und das Gute bewahren.

Lb. Gl. Jetzt noch einmal zurück zur »Taufe Jesu«, wo es heißt: Nachdem Jesus aus dem Wasser gestiegen ist, öffnet sich der Him­mel, der Geist Gottes kommt herab und eine Stimme ist zu hören: »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen « (Mk 1,11). Das ist die Zusage, die über dem Leben Jesu steht. Das ist auch die Zusage, die über jedem Menschenleben steht: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Und das bleibe ich für immer. Denn die Taufe ist »unauslösch­lich«. Das heißt: Was auch immer mir im Leben widerfährt, was auch immer ich in meinem Leben anstelle, ja selbst, wenn ich aus der Kir­che austreten würde: Ich bin und bleibe Gottes geliebtes Kind! »Ich bin getauft.« Das war seinerzeit der große Trost für Martin Luther, als er eine schwere Glaubenskrise und Anfeindungen durchzustehen hatte. Er sagte sich: Das kann mir keiner neh­men: Ich bin getauft, ich bin Gottes geliebtes Kind.

Evangelium nach Markus (Mk 1,7)

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete:  verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.  Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.  Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.

 

 

2024 Lj-B: Neujahr – Ein besonderer Geburtstag

Evangelium nach Johannes (Joh16,16-24)

Jesus sprach: Noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.  Amen, amen, ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.  Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist. Aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 

Impuls: Geburtstage haben einen besonderen Reiz. In der heutigen Zeit erst recht. Da lassen Jung und Alt ganz ausgiebige Partys steigen. Da feiern schon dreijährige Knirpse ihre Partys, manchmal mit bis zu 30 Freunden. Die haben zuhause nicht mehr Platz. Also, ab ins Gasthaus! Ein nicht sehr billiger Spaß. Junge Leute begießen ihren Geburtstag ganz gern mit Bier und Wein oder anderen Drinks, bis ihnen Hören und Sehen vergeht. Der nächste Tag ist dann meist zu vergessen. Den verbringen viele im Bett mit einem brummenden Schädel und mit einem Brechkübel vor dem Bett. Das wars dann schon mit dem heißersehnten Geburtstag. Das kanns doch wohl nicht sein!

So, und heute feiern wir alle einen Geburtstag. Nicht irgendeinen. Wir feiern den Geburtstag eines neuen Jahres. Vor einer Geburt ist man voller Erwartung wie eine schwangere Frau. Das beschreibt Jesus im heutigen Evangelium so schön: Wenn eine Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde bevorsteht. Aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Auch wir sind heute voller Erwartung. Wie wird er aussehen, der Neuling? Wir erleben ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits Vorfreude auf den Neuling. Andererseits Angst und Sorge. Man weiß, was der Neuling alles braucht, damit er sich gut entwickelt. Wieviel Zeit, Aufmerksamkeit, Pflege, Fürsorge. Der Neuling kann sich wie jeder Säugling nur dann gut entwickeln, wenn viele zusammenhelfen: Die Familie, die Nachbarn, die Arbeitskollegen, eine ganze Christengemeinde und nicht zuletzt der liebe Gott, der den Neuling schenkt. Ja, und welches Geschenk verpacken wir für ihn? Was kann er am meisten brauchen? Ich denke: Vor allem Frieden.

Friede meint: Achtung der Verschiedenheit des anderen, Friede meint, dass ich den anderen nicht ausnütze und ausbeute, nicht benachteilige und nicht hintergehe; dass ich das Beste für ihn will. Der Friede sieht im anderen den Menschen-Bruder, die Menschen-Schwester, die so wie ich das Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben. Die vor Gott die gleiche Würde besitzen, egal ob Mann oder Frau, reich oder arm, ob schwarz oder weiß, ob Jude oder Araber, ob Christ, Hindu oder Muslim. Jesus hat diese Haltung in die Worte der ,,Goldenen Regel" gefasst: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun!" Der Volksmund hat diese goldene Regel auf seine Art umformuliert: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. In Frieden leben, wie geht das? Das ist gar nicht so einfach. Den Frieden muss man übern, jeden Tag. Das möchte uns die folgende Geschichte klar machen. Ein Schriftsteller hat auf der Straße Kinder beobachtet, die mit Waffen aufeinander losgingen. Krieg spielen wollten sie. Er unterbricht ihr Spiel und sagt: Was macht ihr da? Wir spielen Krieg. Er entgegnet: Kinder, spielt nicht Krieg, spielt Frieden!" Die Kinder halten kurz inne und werden verlegen. Aber, wie geht das, Frieden spielen? Das können wir nicht. Das haben wir noch nie gespielt!"

Lb. Gl. Genau dieses Spiel wollen wir dem Neuling als Geschenk verpacken, das Friedensspiel. Dann wird sich das neue Jahr gut entwickeln können, an dem wir unsere Freude haben. So lasst uns anstoßen auf die Geburt des Neuen Jahres. (2 Gläser) Aber nicht zu üppig! Es soll ja keinen Katzenjammer geben mit einem Brechkübel vor dem Bett. Lasst uns den Neuling begrüßen mit der innigen Bitte den lieben Gott, der ja der Vater des Neuen Jahres ist, dass er den Neuling segnet und mit seinem Geist begleitet.

 

2023 Lj-B: Familien-Sonntag.   Erwartungen, Träume

Evangelium nach Lukas (Luk 2,22)

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.  Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt. Als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,  nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.  Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast,  ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.  Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.  Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dir wird aber ein Schwert durch die Seele dringen. 

Impuls:

Wisst ihr, welches Fest mir früher als Pfarrer das berührendste war? Die Taufe. Es ist schon ergreifend, mit welchem Stolz die jungen Eltern ihren Winzling in die Kanzlei zur Anmeldung bringen. In ihren Augen und in den Fürbitten, die sie vorbereitet haben, kann man lesen, was sie alles hineinlegen in ihr Kind, welche Hoffnungen, welche Erwartungen, welche Wunschträume.

Im heutigen Evangelium wird Ähnliches erzählt. Maria und Josef bringen ihr Neugeborenes in den Tempel, um es dem Herrn vorzustellen. Auch sie fragen sich voller Sorge, so wie alle Eltern: Was wird aus diesem Kind wohl werden? Da treffen sie im Tempel den alten Simeon, der von Gott das Versprechen erhalten hat: Du wirst den Tod nicht schauen, bevor du den Messias gesehen hast. Jetzt ist er da, in den Armen der Mutter, der Messias. Simeon, zu Tränen, gerührt nimmt den Kleinen in die Arme und sagt vom Hl. Geist erfüllt: Du bist das Heil für das ganze Volk, für die Juden und Heiden, der Retter und Erlöser. Was für eine Zukunft! Die Eltern sind überwältigt und betroffen. Aber für dich, liebe Mutter, habe ich nichts Schönes zu sagen: Deine Seele wird ein Schwert durchdringen. Ja, Sorgen und Leiden hat sie genug gehabt mit ihrem Sohn. Der Stich mit dem Schwert wird ihr versetzt beim grausamen Leiden und Sterben ihres Sohnes. So sind Freud und Leid ganz nah beisammen, bei der Hl. Familie und auch in unseren Familien.

Lb. Gl. Erwartungen und Träume der Eltern werden oftmals enttäuscht! Manche Eltern sehen in dem kleinen Geschöpf bereits die Ärztin, den Professor, den erfolgreichen Unternehmer oder den, der einmal den Familien-Betrieb übernehmen wird. Und siehe da: Sie gehen völlig andere Wege. Diese nicht erfüllten Erwartungen sind oft Auslöser für Streit, manchmal sogar an den Weihnachts-Feiertagen. Ausgerechnet da, wo man ihn gar nicht haben will. Eltern können ihre Enttäuschung nicht verbergen, und das muss heraus: Warum hast du dein vielversprechendes Studium abgebrochen? Warum treibst du dich mit zweifelhaften Freunden herum, die dir gar nicht gut tun, Sag warum? Erwartungen und Lebens-Träume prallen aufeinander, gerade an Weihnachten.

Lb. Gl. Das muss doch nicht sein. Dieses Familien-Fest könnte viel entspannter sein, wenn man versucht, die eigenen Erwartungen zu mäßigen. Es ist ja ihr Leben, nicht meines. Der Prior der Dominikaner, Timothy Radcliffe, schreibt in seinem Buch über die Taufe: Das genau ist Liebe: die eigenen Kinder freizulassen und nicht einzuengen. Ihnen den Freiraum zu ge­ben, den sie brauchen für ihre Entwicklung. Auch dann, wenn das bedeutet, dass man sie nicht lie­bend in die Arme nehmen kann. Auch dann, wenn das bedeutet, dass sie an­dere Wege gehen, als man sie für sie vorgesehen hatte.

Lb. Gl. In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Familienfest und viel Freude aneinander, auch wenn nicht immer alles eitel Wonne ist. Alles eitel Wonne, muss gar nicht sein. Das wäre ein weit überzogener Wunschtraum.

 

 

2023 Lj-B: Weihnachten

Evangelium nach Johannes. (Joh 3,14-21)

Der Apostel Johannes schreibt:  Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Das Licht kam in die Welt. Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind. Sein Licht will die Erde erwärmen und erleuchten.

Impuls: Bild: Kind.

Geburtstag!!! Geburtstag feiern wir. Nicht irgendeinen. Gottes Sohn feiert Geburtstag. Wenn man das recht bedenkt, muss man erst einmal innehalten, rasten und durchatmen. Als würde man ein großes Gewicht auf den Schultern tragen. Stille. Was bedeutet das: Gott wird Mensch? Es zeigt, wie sehr Gott den Menschen achtet und liebt. Sonst würde er niemals Menschennatur annehmen. Der menschliche Körper, das ist gewiss ein geniales Kunstwerk. Was der alles leistet und kann. Aber die Kehrseite gibt es halt auch: Arbeit mit Erschöpfung und Schweiß. Alltag mit Ärger, Sorgen und 1000 Tränen. Krankheit, Leiden und schließlich der Tod. Das alles nimmt Gottes Sohn einfach an. Ein schlechter Tausch! Menschliche Natur mit dem göttlichen Leben im Paradies, wo alles nur eitel Wonne ist, Glück und Seligkeit. Wieso macht er das? Das sagt uns der Lieblingsjünger Johannes (Joh 3, 16): Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das Leben hat. Also, Gott nimmt das Menschen-Leben nicht, weil ihm im Himmel langweilig ist und weil er ein bisschen Abwechslung braucht. Er macht es nicht, weil Er es braucht, sondern weil seine geliebten Geschöpfe es brauchen. Die haben sich nämlich hoffnungslos verrannt. Einst waren sie Brüder und Schwestern. Schließlich werden sie zu erbitterten Feinden, die sich gegenseitig die Schädel einschlagen und grausame Kriege führen. Das tut dem lieben Gott bis ins Innerste weh. Jeder Vater, jede Mutter kann das nachfühlen, wie das ist, wenn ein Kind sich verrennt, auf schiefe Bahn gerät und zum Gauner wird. Das tut unbeschreiblich weh. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass der seinen Sohn hingab. Durch sein Kommen sind zwar nicht sämtliche Kriege und Grausamkeiten beseitigt. Aber es ist vieles sehr vieles besser geworden durch Menschen guten Willens.

Durch Menschen, die seine Lieblingsidee leben, das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Was, wenn er nicht gekommen wäre? Nicht auszudenken.

Der Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll schreibt: "Die Vorstellung ist gespenstisch: wie diese Welt aussähe, hätte sich die brutale Walze der Geschichte ohne Christus über sie hinweggeschoben. Ich überlasse es jedem einzelnen, sich den Alp­traum einer heidnischen Welt vorzustellen, einer Welt, in der Gott­losigkeit konsequent durchgezogen wird. Unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich, und hier und dort gibt es sie: die echten Christen. Und wo einer auftritt, gerät die Welt in Stau­nen, da verändert sich ein Stück dieser Welt zum Guten. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, für Alte und Schwache. Die Christen haben nicht nur Raum, sondern Liebe und Wertschätzung für jene, die der gottlosen Welt nutzlos erscheinen. Ich glaube an Christus und ich glaube, dass Millionen Christen das Antlitz dieser Erde verändern können. Ich überlasse es der Fantasie meiner Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Jesus nicht gegeben hätte."

Lb. Gl. Das ist so was von berührend: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab. Dass jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das Leben hat. Im Grunde nicht zu fassen. Da müssen wir innehalten und durchatmen, staunen und danken! - Stille

 

 

Lj.B 2023: 3. Adventso: Gaudete: Freut euch (2017)

Glücklich sein - wie geht das? 2. Lesung: vom Lj. A!

Lesung aus dem Brief an die Philipper (Phil 4,4

Paulus sitzt im Gefängnis und ruft die Menschen auf: Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.  Sorgt euch nicht allzu sehr, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.  Schließlich, Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht. Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Impuls:

Der 3. Adventsonntag nimmt eine Sonderstellung ein unter seinen Kollegen. Er hat einen Namen, die anderen drei nur eine Nummer: 1., 2. und 4. Adventsonntag. Der 3. Adventsonntag trägt den stolzen Namen "Gaudete", Freut euch! Sich freuen und glücklich sein, geht das so leicht, einfach auf Knopfdruck. Schön wär's. Aber das spielt's leider nicht. Da kann und muss jeder was dazutun zu seinem Glück. Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt eine Volksweisheit. Jeder von uns möchte glücklich sein. Bist du glücklich? Jetzt werden einige denken: Ja und wie! Ich habe mich frisch verliebt. Ich könnte die ganze Welt umarmen. Andere werden in sich hineinhören und denken: Glücklich-sein, was ist das? Bei mir läuft alles schief. Das macht mich oft sehr traurig. Viele Menschen fragen: Glücklich-sein, wie geht das? Hast du gewusst, dass es in Deutschland inzwischen ein eigenes Unterrichtsfach gibt: Das Schulfach Glück. Und es gibt auch schon ein Buch darüber. Das habe ich mir gleich besorgt. Da stehen einige nützliche Tipps. An erster Stelle steht, man höre und staune: Nächstenliebe. Und das in einem Schulbuch.  Nächstenliebe ist ein großartiger Glücksfaktor. Sie schüttet jede Menge Glückshormone aus. Es macht glücklich, wenn wir andere glücklich machen. Der unglücklichste Mensch ist der, der immer nur sich selbst beglücken will, der Egoist, der alles haben will - und zwar sofort.

Weil sehr viele Menschen immer nur haben wollen, gibt es Habsucht, Unzufrie­denheit, Neid, Geiz, Hass, sogar Krieg. Habsucht ist eine Sucht wie Rauchen und Saufen. Sie ist schlimm, aber heilbar, heilbar durch Übung. Ich muss üben und lernen zu verzichten und zu teilen. Teilen nicht nur materielle Güter, sondern vielmehr menschliche Gütern wie: Aufmerksamkeit, Zuwendung, Zeit, Hilfsbereitschaft. Verzichten und Teilen kann ich in allen Lebensbereichen üben: in der Familie, in der Schule, in der Nachbarschaft und darüber hinaus. Eine Gemeinschaft kann nur harmonisch sein durch gerechtes Geben und Nehmen. Es ist genauso wie mit dem Atmen. Fünfzehntausendmal am Tag, so oft musst Du ausatmen, hergeben, damit Du neue Atemluft bekommst. Hältst Du den Atem zurück, kriegst Du keine Luft. Du wirst ersticken. Genau das passiert dem Geizhals. Die Angst, zu kurz zu kommen, schnürt ihm die Seele zu.

Lb. Gl. Paulus nennt in der heutigen Lesung den Grund, warum er sich freut, obwohl er im Gefängnis sitzt und schmort. Freut euch, denn der Herr ist nahe. Der Herr ist nahe. Diese Nähe zeigt Wirkung. Nähe Gottes bedeutet: Sein Geist kann mir helfen, dass mir ein Licht aufgeht. Dass ich einen Ausweg finde in meiner Ausweglosigkeit. Seine Liebe schenkt Geborgenheit. Sie ist das beste Medikament gegen die Einsamkeit. Gott schenkt mir sein Erbarmen und seine Verzeihung, die mich befreit, wenn Sünde und Schuld mich belasten. Wenn das kein Grund zur Freude ist. Wie recht er doch hat der gute Paulus. Freut euch, denn der Herr ist nahe.

 

 

 

Lj.B 2023: 2. Adventso: In der Wüste predigen?

 

Evangelium nach Markus (Mk 1,1)

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.  Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.  Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.  Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.  Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Impuls:

Und wenn ein Prediger noch so viele Jahre seinen Job macht, er wird immer unsicher sein. So wie bei seiner 1. Predigt wird er sich fragen: Wie sag ich's meinem Kinde, so, dass es ankommt, dass man es versteht. Über den Standort habe ich mir nie den Kopf zerbrochen. Den finde ich gut: Mitten in der Stadt, wo viele Leute sind. Johannes bringt mich aber in Verlegenheit. Der größte aller Prediger geht in die Wüste. Ausgerechnet in die Wüste, wo es keine Zuhörer gibt, wo Heuschrecken und Wüstenflöhe sich gute Nacht sagen. Johannes geht in die Wüste. Warum? Mit der Wüste will er ein Zeichen setzen. Die Wüste ist der Ort der Wahrheit. In der trostlosen Einsamkeit der Wüste, mit ihren krassen Gegensätzen von Kälte und Hitze, da muss man sehen, wie man überlebt. In der Wüste gibt's keinen Luxus. Nebensächliches ist nur Ballast. Nur das Wesentli­che zählt, nur die zentralen Fragen: letztlich die Frage nach dem Leben selbst, wie zerbrechlich es ist. Und in diesem Überlebenskampf kommt unweigerlich auch die Frage nach Gott.

Johannes wünscht das Volk zurück in die Wüstenzeit. Denn in der Zeit der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten, da lernte das Volk den Glau­ben. In der Wüste wurden sie erzogen, auf Gott zu hören und ihm zu vertrauen. Wenn sie morgens erwachten und nicht wussten, ob es etwas zu essen geben wird, da ließ Gott das Manna vom Himmel fallen. Sie lebten jeden Tag von der Fürsorge Gottes. Doch jetzt war dieses Volk satt gewor­den und bequem. Es hatte sich wohlig eingerichtet im gelobten Land. Das Vertrauen auf Gott war am Schwinden. In ihrer Sattheit vergessen sie ihren Gott. Deshalb lockt Johannes sein Volk in die Wüste und ruft sie dort zur Umkehr auf, zum Umdenken.

Lb. Gl. Sein Ruf zur Umkehr ist zeitlos. Er gilt auch uns. Wir müssen dazu nicht in die Wüste gehen. Die Wüste haben viele bei sich zu Hause und in ihrer eigenen Seele.

Auch uns ruft Johannes auf: Bereite dem Herrn den Weg. Was krumm ist, soll gerade werden. Keine Frage: Auch in unserem Leben verläuft nicht alles eben und glatt. Es gibt Fallgruben und  Hindernisse, jede Menge. Da gilt es zu versuchen, gerade Menschen zu sein, aufrichtig, und nicht Menschen, die sich an der Wahrheit vorbeikrümmen. Verbiege dich nicht vor lauter Menschen-Furcht oder um einen Vorteil herauszuschlagen.

"Jede Schlucht soll aufgefüllt werden". Jetzt heißt es Löcher füllen, Versäumtes nachholen. Womit? Zeit haben für andere. Für ein friedliches Klima sorgen. Zeit für Gott.

Lb. Gl. Johannes rät uns, das Leben gelassener zu sehen mit der Frage im Hinterkopf: Was ist wichtig und was nicht? Das Unwichtige können wir getrost beiseite lassen. Im Vertrauen, dass Gott mir schon das Nötigste geben wird, kann ich zur Ruhe kommen. In der Haltung der Einfachheit und Dankbarkeit, da findet auch Gott wieder Platz. Platz in meinem Herzen, Platz in unserer Welt. Das ist Herbergsuche. Das ist Advent, Ankunft des Herrn.

 

 

 

2023 Lj-B: 1. Advent: Fam-Godi; Den Stein unter die Krippe

Wir sollten nicht meinen, dass nur der studierte Theologe ein guter Religionslehrer ist. Der Esel ist auch nicht schlecht, wie die folgende Legende erzählt. Sie erzählt von Joel. Joel ist Eseltreiber. Und er hat Ärger. Über ihm, dem kleinen Eseltreiber, steht nämlich ein Aufseher, Herr Amos. Dem gehören das Haus und die Weiden. Joel hat Pech. Denn sein Esel, so klug er sonst ist, der plärrt immer wieder, laut und lange. Und das geht Herrn Amos auf die Nerven. Er beschimpft Joel. Der wehrt sich und ein Wort gibt das andere. Es kommt, wie es kommen muss: Joel und sein Esel werden vom Hof gejagt. Doch bevor Joel gehen muss, sieht er einen Stein liegen, einen scharfen, kantigen Stein. Er hebt ihn auf. Er liegt ihm gut in der Hand, dieser Stein, und er weckt Rachegedanken in ihm. Joel stellt sich vor, wie er diesen Stein bei einer günstigen Gelegenheit aus der Tasche ziehen und dem verdammten Amos an den Kopf schleudern wird. Voller Wut verlässt er mit seinem Esel den Hof. Schließlich findet er einen Stall. Vor dem Eingang bindet er den Esel an. Er selbst geht einen Steinwurf weit und legt sich unter einen Baum.

Und Joel erzählt, was dann geschah: Kaum war ich eingeschlafen, der Esel hörte nicht auf zu schreien. Weiß Gott, was ihm wieder nicht passte. Jedenfalls, als ich in die Nähe des Stalles kam, sagte der Esel: Kommst du endlich, du Muffel? Muffel nannte er mich, wenn er böse auf mich war. Muffel, siehst du nicht, was hier los ist? fragte der Esel. Ich schaute in den Stall und sah zwei einfache Leute, die sich im Stall niedergelassen hatten, eine Frau und einen Mann. Das Neugeborene sah ich auch. Es weinte, und ich wusste nicht, was tun. Ich bin noch nie ein Kindernarr gewesen. Na, mach schon, sagte der Esel. Er wollte, ich soll die Krippe in Ordnung bringen. Sie wackelte, die Krippe. Ein Bein war zu kurz, deshalb konnte das Kind nicht schlafen. Leg was unter, sagte der Esel. Unterlegen? Was denn? Wie denn? Ich blickte mich im Stall um.

Es war dunkel. Nichts zu finden! Greif doch in die Tasche, Muffel! sagte der Esel. Ich griff in die Tasche, doch in der Tasche war nichts - nur der Stein. Der Esel nickte zufrieden, als ich den Stein unter das kurze Krippenbein schob. Er passte genau. Offen gestanden, ich hatte eine Stink-Wut. Nicht, dass ich dem Kind den Schlaf nicht gönnte. Aber was sollte ich jetzt ohne den Stein? Soll ich etwa meinen Groll vergessen, auf Rache verzichten? Kann ich das überhaupt?

Lb. Gl. Auch uns passiert es immer wieder, dass wir uns schlecht behan­delt fühlen. Und dann gibt es Streit. Den Herrn

Amos gibt es auch in unserem Le­ben. Er hat viele Namen und Gesichter: der Lehrer, der Vater, die Mutter, der Vorarbeiter, der Chef... Leute, die über uns sind, die Macht über uns haben und de­nen wir ausgeliefert sind. Da setzt uns jemand unter Druck, da kriti­siert jemand an uns herum, da kränkt uns jemand.

Dann geht's uns wie dem Joel. Die Wut steigt in uns hoch: Was bildet der sich ein? Warte nur, bis ich einmal Gelegenheit habe, das werde ich dir heimzuzahlen, doppelt und dreifach! Je nach Tempera­ment lassen wir die Wut offen heraus, oder wir vergraben sie im Innern. Und da arbeitet sie weiter, verzehrt unsere besten Kräfte, macht uns verbissen und verbittert. In diesem Zustand kommen wir zur Krippe. An der Krippe steht der Esel und sagt: "Siehst du nicht, was hier los ist, du Muffel. Schau her, die Krippe wackelt, der Haussegen hängt schief. Greif doch in die

Tasche. Es gibt Besseres als Rachepläne zu schmieden. Gib her deinen Stein und leg ihn unter die Krippe! Dann kann das Kind wieder schlafen und du kannst es auch.

 

 

2023 Lj-B: Maria Empfängnis; Womit hab ich das verdient?

Evangelium nach Lukas (Lk 1,26-3 In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott nach Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.  Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.  Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.  Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.  Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.  Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.  Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Impuls:

Womit hab ich das verdient? So platzt es aus uns heraus, wenn wir schlecht behandelt werden. Eine Lehrerin. Ich bin schon Jahrzehnte in meiner Schule. Habe meinen Dienst gewissenhaft gemacht. Weit mehr als nur nach Vorschrift. Ich kenne den Betrieb wie kein anderer. Und jetzt – wird ein neuer Direktor bestellt, von einer anderen Schule. Mich hat man völlig übergangen. Womit hab ich das verdient? War ich nicht gut genug? Hatte ich keine Lobby? So mag es vielen ergehen, die tüchtig sind und auf der Karriere-Leiter einfach nicht weiterkommen. Womit hab ich das verdient? Nun, es geht halt nicht immer und überall mit rechten Dingen zu. So ist es nun mal. Es gibt auch das Gegenstück: Die Überraschung. Wir bekommen einen Posten, wir bekommen ein Geschenk, übergroßzügig. Und wir fragen uns: Womit hab ich das verdient? So ergeht es mir – oft und oft. Aber nicht nur mir. Heute steht eine im Rampenlicht, die sich dasselbe denkt: Womit hab ich das verdient.

Bild: Ein 16-jähriges Mädchen, ein junges Ding, das keiner beachtet. Die junge Frau bekommt überraschend Besuch. Nicht irgendeinen aus der Nachbarschaft. Es ist kein Geringerer als der Erzengel Gabriel, der Wichtigste an der Seite Gottes. Was der da sagt, ist nicht zu fassen: Sei gegrüßt, du Begnadete. Du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, dem sollst du den Namen Jesus geben. Sohn des Höchsten Gottes wird er genannt. Maria bleibt der Mund offen. Sie muss einmal durchatmen. Womit hab ich das verdient. Aber ich weiß nicht, wie das gehen soll: Ein Kind bekommen, ohne Mann? Und der Engel erklärt kurz und bündig: Das Kind ist vom Hl. Geist. Und Maria: Siehe ich bin eine Magd des Herrn. Mit mir soll geschehen, was du gesagt hast. Was für ein Aufstieg, was für eine Auszeichnung!

Lb. Gl. Marienfeste sagen uns, was Gott mit Maria geplant hat. Aber nicht nur mit ihr. Sie sagen uns auch, was Gott mit uns vorhat, mit einem jeden von uns.

Es will zeigen, was jeder Mensch von Gott erhoffen darf. Der Engel nennt Maria »Begnadete«. Gnade bedeutet Nähe, Zuwendung, wohlwollende Beziehung. Das heißt: Maria steht in besonderer Weise Gott nahe. Sie ist ausge­zeichnet mit Gottes Sympathie und Wohlgefallen.

Auch uns ist eine solche wohlwollende Beziehung zu Gott gegeben: Wir leben in der Zuwendung Gottes. Wir sind ihm wertvoll. Wir sind zwar nicht Mutter Gottes, wohl aber Kinder Gottes. Das ist genauso groß. Und Gott hat auch mit uns einen Plan, dort wo wir leben. Dort soll die Welt durch uns ein Stückweit menschlichen und göttlicher werden. Große Aufgabe. Das können viele nicht glauben. Sie zweifeln: »Womit habe ich das verdient«? Eine geistliche Schriftstellerin unserer Tage, Katharina Wiefel-Jenner, hat diesen Zweifel ausgedrückt: »Ich soll ein Teil sein in Gottes Plan? Ich soll etwas Besonderes sein? Ich? Die Unscheinbare? Ich? Der Macht­lose? Ich? Die Mutlose? Ich? Der ständig Übergangene? Ich? Eine, über die sich andere amüsieren? Ich? Dem niemand zuhören mag? Ich? Die man mobbt? Ich? Einen, den man verachtet? Was will Gott mit mir anfangen?«

Lb. Gl. Vielleicht brauchen wir, wie im Evangelium von heute, immer wieder einen Engel, der uns daran erinnert, dass wir durch Gott erwählt sind, dass jeder von uns eine eigene Bestimmung und Berufung hat. Auch du bist ein von Gott geliebter und begnadeter Mensch. Da können wir einfach nur danken und uns vor Herzen freuen und staunen: Womit hab ich das verdient?

 

 

 

2023 Lj-A: 34. So.i.Jahr. Christkönig – Werke der Liebe

 

Evangelium nach Matthäus (Mt 25,31-46)

In jener Zeit sprach Jesus: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.  Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.  Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.  Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz.  Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.  Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig, durstig, fremd und obdachlos gesehen oder krank oder im Gefängnis gesehen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.

Impuls:

Gegen Ende des Kirchenjahres und gegen Ende des Lebens taucht sie öfter auf, die Frage: Was wird nach diesem Leben sein? Jesus gibt klare Auskunft: Es gibt ein Leben nach diesem Leben. Welches denn? Entweder ewige Freude bei Gott, oder ewiges Heimweh in der Gottesferne. Junge Menschen machen sich darüber nicht so viele Gedanken. Verständlich. Sie interessiert das irdische Leben hier und jetzt: Eine glückliche Familie, ein Haus, ein guter Beruf, ein behaglicher Wohlstand. Das ewige Leben ist noch verschwommen und viel zu weit weg. Jesus meint: Wer weiß denn schon, wann für ihn das Ende kommt. Das kann früher sein als gewollt. Also heißt es jetzt schon, über das irdische Leben hinauszuschauen. Vorzusorgen, dass wir auch drüben ein schönes Leben haben. Heute gibt er uns ein paar Tipps, wie das gehen könnte. Jesus verlangt immer wieder dasselbe: Nächstenliebe. Sie ist die sicherste Eintrittskarte an der Himmelstür. Er nennt ganz einfache Beispiele, die jedes Kind versteht: Dem Hungrigen und Durstigen zu essen und zu trinken geben, teilen. Dazu haben wir bei jeder Sammlung die Möglichkeit. Fremde wertschätzen und menschenfreundlich behandeln. Kranke pflegen, Kranke besuchen. Das sind nur einige Beispiele gelebter Nächstenliebe. Aber die Nächstenliebe hat Phantasie genug, noch andere Beispiele zu finden. "Liebe macht erfinderisch", sagt eine alte Volksweisheit. Übrigens, Werke der Nächstenliebe dienen nicht nur als Eintrittskarte für den Himmel. Sie sind auch der Schlüssel zu einem erfüllten, glücklichen Leben. Liebe schüttet jede Menge Glückshormone aus. Es macht Freude, Gutes zu tun. Das bestätigen die Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit unbezahlte Dienste leisten. Glückliche Egoisten hingegen kenne ich keine. Sie müssen ständig ihr schlechtes Gewissen totreden. Die müssen sich rechtfertigen: Ich bin doch nicht blöd.

Lb. Gl. Bemühen wir uns also um Werke der Nächstenliebe, egal, wie alt wir sind. Jeder kann was tun für den andern. Wer möchte an der Himmelstür nicht die schönen Worte Jesu hören: Komm her, der du von meinem Vater gesegnet bist. Er wartet auf dich - mit offenen Armen.

 

 

 

2023 Lj-A: 33. So.i.Jahr. Talente vergraben.

Evangelium nach Matthäus (Mt 25,14-30)

In jener Zeit erzählte Jesus folgendes Gleichnis. Mit dem Himmelreich ist es wir mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.  Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.  Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.  Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.  Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn. Zuletzt kam der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde vergraben. Hier hast du es wieder.  Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die Finsternis!

Impuls:

Wie viele Talente hast du? Zwei? Fünf? Oder gar noch mehr? Eines? Ja, dann hast du allen Grund, dankbar zu sein. Freu dich und entfalte dein Talent zum Segen für dich selbst und zum Segen für die Gemeinschaft. Oder hast du gar kein Talent? Das gibt es nicht. Wenn jemand das meint, dann ist in der Kindheit was schief gelaufen. Gewiss, es gibt Problemkinder, vernachlässigte Kinder. Oder man hat ihnen von Kindesbeinen eingeredet: Lass das, du kannst das nicht. Du bist nichts, du kannst nichts. Das hat dir jedes Selbstbewusstsein zerstört. Jeder hat irgendein Talent. Es wurde nur verschüttet. Es ist schwer, verletzte Herzen zu gewinnen und zu heilen. Da braucht es schon sehr viel pädagogisches Geschick, viel Liebe und Geduld, ein eigenes Charisma. Ein solches hatte Don Bosco. Wie kein anderer hat er sich um die verwahrlosten Kinder und Jugendlichen angenommen. Ich erzähle nur eines von 1000 Beispielen. 

Bartolomeo hatte von Don Bosco gehört. Er wollte zu ihm. Er schlich in die Sakristei. Sein Gesicht war dreckig, die Haare ver­klebt, die Kleider voller Speck - ein Häuf­chen Elend. Als der Mesner den „Taugenichts" sah, warf er ihn zur Tür hinaus. Don Bosco jedoch packte das Mitleid. Er ließ den Bu­ben zurückrufen. Er fragte ihn: Wie heißt du? Woher kommst du? Leben deine Eltern noch? Kannst du lesen und schreiben? Der 16-jährige Waisenknabe antwortete: „Ich kann gar nichts." „Kannst du singen?" fragte Don Bosco weiter. - „Nein". - „Kannst du pfeifen?" Da hat Bartolomeo zum ersten Mal sei­ne Augen erhoben und gelächelt. Pfeifen, ja das kann ich. Na also, sagte Don Bosco, dann pfeifen wir einfach auf alle, die böse über uns reden. Er nahm den Jungen in seine Jugendgruppe. Dort lernte er noch viel mehr als nur pfeifen. Er lernte, sich nützlich zu machen und an Jesus zu glauben.

Lb. Gl. Wir alle haben von Gott Talente mitbekommen. Es gibt keinen, der alle Talente hat und keinen, der keines hat. Das heutige Evangelium ruft uns auf, mit diesen Talenten zu arbeiten, sie einzusetzen zum Segen für unsere Mitmenschen und letztlich auch zum Segen für uns selbst. Es ist schade um jedes Talent, das wir vergraben, sei es aus Bequemlichkeit oder aus Angst. Das sind übrigens die größten Talente-Killer. Bequemlichkeit – ich will nicht, ich mag nicht. Und die Angst – Ich trau mich nicht, ich kann das nicht. Diese Ausreden lässt Jesus nicht gelten.

Somit sind auch die Arbeitslosen aufgerufen, zu kämpfen und sich zu wehren gegen Resignation und trotz allem ein positives Denken zu bewahren. Schau auf das, was du kannst. Setz deine Fähigkeiten ein, so gut es geht. Suche dir eine sinnvolle Beschäftigung. Engagiere dich irgendwo für eine gute Sache. Besser irgendwas, als gar nichts tun. Und sogar diejenigen, die gar nichts tun können, weil sie schwer krank im Bett liegen, auch die sollen wissen, dass ihr Leben einen Sinn hat. Das Talent der Geduld, Krankheit und Scherzen zu ertragen, ist ebenso viel wert, wie die Talente eines tüchtigen Managers. Außerdem weckt ein kranker Mensch in seinem Umfeld die besten menschlichen Qualitäten: wie Barmherzigkeit, Pflege, Liebe und Fürsorge. Qualitäten, die sonst nie zur Entfaltung kommen würden.

Lb. Gl. Ganz egal, welches Talent du bekommen hast und egal wie viele, mach was aus deinem Leben!

 

 

 

2023 Lj-A: 32. So.i.Jahr. Die klugen und dummen Jungfrauen

Evangelium nach Matthäus (Mt 25,1-13)

In jener Zeit erzählte Jesus folgendes Gleichnis. Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.  Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.  Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.  Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.  Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.  Die törichten sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus.  Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.  Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen.  Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.  Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Impuls:

Ölkrisen, die kennen wir zur Genüge. Aber nicht nur wir. Die hat es vor 2000 Jahren schon gegeben. Die 5 dummen Mädchen in unserer Geschichte haben sie schmerzlich erlebt, ausgerechnet bei einer Hochzeit. Wie denn das? Dazu muss man wissen: Hochzeiten bei den Juden hatten es in sich. Sie konnten mehrere Tage dauern. Zunächst wurde getrennt gefeiert, im Haus der Braut und im Haus des Bräutigams. Da gab es auch feierliche Prozessionen, sowohl mit den Angehörigen der Braut wie auch des Bräutigams. Irgendwann dachte sich der Bräutigam: Jetzt wird es Zeit, die Braut zu holen und in mein Haus zu bringen. Die Prozessionen wurden begleitet von Jungfrauen aus der Braut-Familie. Die Mädchen mussten brennende Öllämpchen tragen. Wenn der Bräutigam länger nicht kam, dann konnte es schon passieren, dass eine Laterne einmal erlosch, dann nämlich, wenn ein Mädchen kein Reserve-Öl dabei hatte in einem Fläschchen. Stattdessen hat sie dann Rotz und Wasser geweint, ein ganzes Fläschchen voll. Denn sie musste heimzotteln mit ihrer toten Laterne. Das große Fest ging weiter, ohne sie.

Diese Geschichte, berührend und tragisch zugleich. Was will Jesus mit diesem Gleichnis sagen? Es geht da nicht um irgendeine Hochzeit. Es geht um das Himmlische Hochzeitsmahl, zu dem wir alle eingeladen sind. Aber dieses große Fest gibt es nicht zum Nulltarif. Unsere Lampen müssen brennen. Das heißt: unsere Herzen müssen brennen für Gott und für die Mitmenschen. Nicht immer ganz einfach, bis zum Ende des Lebens das Feuer zu hüten. Das kann müde machen. In der Geschichte heißt es: Alle 10 Mädchen sind müde geworden und eingeschlafen. Aber beim Weckruf sind sie da, und machen ihre Lampen zurecht. Kein Problem für die klugen Mädchen. Sie haben genügend Öl auf Reserve. Wachsamkeit kann anstrengend sein. Aber genau diese Wachsamkeit möchte Jesus von uns. Dass wir zur Stelle sind, wenn unsere Hilfe gebraucht wird. Wir müssen nicht Dienst machen rund um die Uhr. Das könnte niemand ein langes Leben lang. Es gibt genügend Erholungszeit. Aber dann, wenn wir gefordert sind, dann sollten wir zur Stelle sein, mit Hirn und mit Herz.

Eines sollten wir unbedingt vermeiden: Dass wir bequem und nachlässig sind, dass wir denken: Sollen doch die anderen machen. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass andere uns vertreten und für uns einspringen. Das geht leider nicht. Jeder ist persönlich gefordert.

Lb. Gl. Ich weiß: Ein Leben kann sich in die Länge ziehen. Die Gefahr, dass das Öl der Liebe versiegt, ist groß. Da heißt es, immer wieder nachfüllen. Und wo kriegen wir das Öl der Liebe? Der Krug der Christen ist die Kirche. Hier werden die Sakramente gespendet. Die 7 Sakramente sind sichtbare Zeichen der Nähe Gottes, die Kraft geben und Leben in Fülle. In der Kirche hören wir außerdem die wunderbare Botschaft von einem liebenden und barmherzigen Gott. Von ihm können wir lernen, wie Liebe geht. Wer keinen Tropfen Öl, keinen Funken Liebe hat für Gott und für die Mitmenschen, für den wird es eng, eng in seinem Leben und besonders eng an der Tür zum Himmlischen Hochzeits-Saal. Aber ich denke und hoffe: Wir alle zählen zu den klugen Mädchen und zu den klugen Jungen, egal wie alt wir auch sind.

 

 

2023 Lj-A: Fam-Gd: Nov. 2023 Sammle meine Tränen in einem Krug

 

Lesung: aus dem Psalm 56

Hilf mir, lieber Gott, denn nicht alle Menschen meinen es gut mit mir.

An dem Tag, da ich mich fürchten muss, setze ich auf dich mein Vertrauen.

Nimm mich an dein Herz, dann fürchte ich mich nicht. Was können Menschen mir antun?

Meine Traurigkeit ist aufgezeichnet bei dir.

Sammle meine Tränen in einem Krug, zeichne sie auf in deinem Buch!

Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite.

Impuls:

Der Psalm 56, den wir in der Lesung gehört haben, ist eines der feinfühligsten und zärtlichsten Gebete, die ich kenne. "Sammle meine Tränen in einem Krug. Aber, was hat das für einen Sinn, Tränen zu sammeln? Sind Tränen so wichtig, dass man sie sammeln soll? Tränen sind viel wichtiger, als uns bewusst ist. "Tränen sind das Blut der Seele" heißt ein alter Spruch. Blut ist lebenswichtig. Das Blut des Körpers ist knallrot wie ein Warnsignal. Das ist hochintelligent ausgedacht. Jede kleinste Verletzung sieht man sofort. Man reagiert und versucht, die Verletzung so schnell wie möglich zu verbinden und zu heilen. Wer will schon verbluten und sterben?

Das Blut der Seele, die Tränen, sind farblos, jammerschade!!!

Jammerschade deshalb, weil man sie leicht übersieht und nicht so wichtig nimmt. Tränen sind ein Signal der Seele: Mir geht es nicht gut, ich bin in meiner Seele verwundet und verletzt, mir tut etwas in der Seele weh. Werden diese seelischen Wunden ständig verharmlost und tut man nichts dagegen, dann wird der Schmerz immer größer und langsam stirbt die Lebensfreude. Welche Wohltat ist es, Menschen an der Seite zu haben, die unsere Tränen sehen, auch wenn sie farblos sind. Welche Wohltat, Menschen an der Seite zu haben, die uns ans Herz nehmen, uns gut zureden, uns trösten und aufbauen, uns einfach das Gefühl geben, dass wir nicht alleine sind. Ich denke an Ostern. Maria Magdalena sitzt vor dem Grab und weint. Sie weint nicht nur deshalb, weil Jesus tot ist. Zu allem Überfluss ist auch noch sein Leichnam weg. Den wollte sie salben mit aller Zärtlichkeit. Geht nicht mehr. Sie kann nur noch weinen. Da kommt Jesus, den sie für den Gärtner hält. Ihre verweinten Augen erkennen ihn nicht. Das erste, was Jesus sagt, ist nicht: Schau her, ich bin's, Jesus, ich lebe. Nein, er sagt ganz mitfühlend: Frau, warum weinst du. Das rührt mich an. Ein Gott, der sich um die Tränen kümmert. Was für ein Trost für uns alle: Wir haben einen Gott, dem die Tränen nicht gleichgültig sind. Also legen wir vor ihn hin - alles, was uns bedrückt und belastet. Er kann und will auch unsere Tränen trocknen.

Der Psalmist betet: Sammle meine Tränen in einem Krug. Und siehe da: Er macht die Erfahrung, dass unser Gott wie ein feinfühliger Vater ist oder eine ganz einfühlsame Mutter. Er bemerkt unsere farblosen Tränen und sie sind ihm nicht egal. Sie sind ihm so wichtig, dass er sie sammelt in einem Krug. Und er kümmert sich darum, dass der Krug nicht überfließt von Tränen, sondern dass unser Leid möglichst bald ein Ende hat. Er möchte sogar, dass unsere Trauer-Tränen sich verwandeln in Freuden-Tränen. Helfen wir dem lieben Gott in diesem Bemühen. Denn es ist schade um jede Träne, wenn es nicht Freudentränen sind.

 

 

 

2023 Lj-A: Allerheiligen. Willst du ein Heiliger sein? Nein, danke!

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1-7,29)

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.  Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.  Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.  Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.  Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.  Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.  Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.  Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.  Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Impuls:

Frage: Möchtest du eine Heilige sein, ein Heiliger? Jetzt wirst du dich überrumpelt fühlen. Hab' noch nie darüber nachgedacht. Aber, wenn du so direkt fragst: Heilige? Nein, Danke! Was ist es denn, dass du so heftig abwehrst?

Nun, vielleicht hast du eine falsche Vorstellung von den Heiligen. Du siehst in ihnen strahlende Helden, die auf den Altären herumstehen, Kämpfer, Büßer, Asketen und Märtyrer ...  und vieles mehr. So kann und will ich nicht sein. Im Vergleich zu ihren religiösen Höchstleistungen bin ich eher ein religiöser Winzling. Ich bin ein Durchschnittsmensch und will es auch bleiben. Ich habe nicht das Zug zu einem Helden. Allerheilligen, wenn wir da nur an die Über-Drüber-Heiligen denken, dann liegen wir falsch. Wir denken, wie der Name schon sagt, an alle Heiligen. Und das sind weit mehr, als jene, die im Heiligenkalender stehen. Und es sind auch weit mehr, als jene, die bereits im Himmel sind. Es gibt Heilige genug, die dir jeden Tag auf der Straße begegnen. Nur ahnst du es nicht. Und sie selber wissen es ebenso nicht, weil sie bescheiden sind. Und vergessen wir nicht: Auch die großen Hei­ligen haben klein angefangen. Niemand kommt als Heiliger auf die Welt. Sie waren Menschen wie du und ich. Sie haben gerungen - um die einfachen, kleinen Dinge des Lebens. Sie haben die Mühsal des grauen Alltags gekannt, die Lange­weile und die Last der täglichen Arbeit. Sie haben Erfolg und Misserfolg erfahren, Scheitern und Fallen, Konflikt und Streit, Sünde und Schuld. Sie haben geglaubt und gezweifelt, so wie wir auch.

Das Fest Allerheiligen sagt uns: Es gibt Heilige, hier und jetzt, mitten unter uns. Es sind die Heiligen des Alltags. Sie begegnen dir in der Kirche und auf der Straße, heute und morgen. Wir müssen gar nicht in den Himmel starren, um Heilige zu sehn.

Es sind die ,,Lautlosen" am Krankenbett, Menschen mit wachen Sinnen, die einfach wahrnehmen, wo andere der Schuh drückt, und die Hand anlegen. Heilige sind Menschen, die gut sind, weil Gutsein etwas Schönes ist. Sie fragen nicht lange: was habe ich davon, was kriege ich dafür? Jesus muss sie förmlich daran erinnern, dass sie nicht leer ausgehen. Er sagt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Es ist gut, dass Jesus das ausdrücklich sagt, gegen all jene, die immer wieder behaupten: Wer Gutes tut, ist immer der Blöde.

Lb. Gl. Der Prior Roger Schütz von Taizé hat das bedenkenswerte Wort gesagt: Wenn jeder das vom Evangelium tut, was er verstanden hat, dann ist es genug. Wir müssen keine Superheiligen sein. Wenn jeder das vom Evangelium tut, was er verstanden hat, dann ist es genug. Im heutigen Evangelium zählt Jesus einige auf, die selig und heilig sind. Es sind jene, die keine Gewalt anwenden, die Barmherzigen, die Gerechten, die Friedenstifter.

Ich wage noch einmal die Frage: Möchtest du ein Heiliger sein? Vielleicht weißt du gar nicht, dass du längst schon einer bist.  

 

 

2023 Lj-A: 30. So.i.J: Gottes- und Nächstenliebe   

 Evangelium nach Matthäus (Mt: 22,34-40)

Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen.  Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.  Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Impuls:

Wie ist es dir in der Schule ergangen, wenn der Lehrer dich aufgerufen hat zu einer mündlichen Prüfung? Hoffentlich besser als mir. Ich hatte immer schreckliches Lampenfieber. Oft dachte ich mir: Die Schule ist ja ganz o.k., wenn die verdammten Prüfungen und Schularbeiten nicht wären. Heute sehe ich das mit anderen Augen. Ich denke, das war eine gute Übung fürs Leben. Mein Gott, was haben wir im Leben Prüfungen zu bestehen! Da heißt es dann halt auch: Augen zu und durch! Heute wird uns erzählt: Auch Jesus wird ausgefragt wie ein dummer Schüler – von einem Gesetzeslehrer, der ja alle Gesetze im kleinen Finger hat. Jesus ist da bestimmt nicht sattelfest. Also bekommt er eine Frage, nicht irgendeine. Eine Fangfrage. Er soll sich richtig blamieren. Solche Lehrer gibt es leider, die Schüler bloßstellen. Fiese Typen. Dieser Gesetzeslehrer war so einer. ER fragt: Welches Gebot ist das wichtigste? Wer soll das wissen? Es gibt 1000 Gesetze. Jesus antwortet ganz ruhig und souverän. Das erste und wichtigste Gebot: Du sollst Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst. In diesem Liebesgebot sind alle Gesetze zusammengefasst. Der Gesetzeslehrer ist sprachlos. So habe ich das noch nie gesehen. Wie recht er doch hat. Die menschlichen Gesetze geben nur die unterste Marke an. Sie sagen, was du tun musst oder was du lassen musst, um gerade nicht bestraft zu werden. Das Gesetz der Liebe hat ein ganz anderes moralisches Niveau. Da gibt es keine Grenze nach oben. Wer wahre Liebe hat, macht im Wesentlichen alles richtig, auch ohne Gesetz. Mehr noch. Die Liebe tut viel mehr, als das Gesetz verlangt.

Wer wahre Liebe hat, der hat auch die wichtigsten Charaktereigenschaften für ein feines Miteinander: Güte, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft; Geduld mit den Mitmanschen, auch mit ihren Fehlern. Wer wahre Liebe hat, ist auch bereit zu verzeihen. Verzeihen ist Balsam für die verletzte Seele. Wahre Liebe schenkt mir zudem das allerbeste Medikament: Geborgenheit. Geborgenheit bei Gott und Geborgenheit bei guten Menschen.

Lb. Gl. Jesus hat die vielen Gesetze, die sich fast niemand merken kann, in einem einzigen Gebot zusammengefasst, im Gebot der Liebe. Genau genommen ein Dreifach-Gebot: Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Wenn dir die vielen Gesetze auf den Wecker gehen, du kannst sie alle vergessen, wenn du nur das eine nicht vergisst, das wichtigste, das Gebot der Liebe. Das meint übrigens auch der große Hl. Augustinus, wenn er sagt: „Liebe und tu, was du willst". Der Liebende zählt auch nicht die Stunden. Er tut hier und jetzt, was getan werden muss zum Wohl der Menschen, die ihm anvertraut sind. Und die Selbstliebe schützt ihn vor übertriebenem Einsatz.

Lb. Gl. Die Gesetzeslehrer haben Jesus immer wieder vorgeworfen, dass er die guten alten Gesetze aufheben will. Das Gegenteil ist der Fall. Nun, die Menschensatzungen hat er nicht selten kritisiert, weil sie mehr Last sind als Hilfe fürs Leben. Die Gebote Gottes hingegen, die sind ihm enorm wichtig. Und er will, dass alle Menschen sie erfüllen, und zwar nicht nur dem Buchstaben nach, sondern mit Hirn und Herz.

 

 

Lj. C 2023: 29. So: Weltmission: Willkommen ist d. Freudenbote

Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden (Jes 52.7), sagt der Prophet Jesaja in der heutigen Lesung. 2700 Jahre alt ist dieser Satz. Jesaja hat ihn gesagt in einer schweren Krise. Dieser Satz ist heute wieder hoch-aktuell. Heute ist Tag der Weltmission. An was denken wir da spontan? An fremde, unterentwickelte Länder am Ende der Welt. Und Missionare, die diesen Menschen dort den Glauben verkünden und ihnen helfen in ihrer Not? Am Ende der Welt? Das ist viel zu kurz gegriffen. Das Missions-Gebiet hat sich enorm erweitert. Es hat inzwischen auch unsere Lande erreicht. Glaubens-Not und materielle Not gibt es auch bei uns. Tirol ist längst nicht mehr das "Hl. Land Tirol", wo alle in die Kirche gehen. Österreich schon gar nicht. Gerademal 20% gehen regelmäßig am Sonntag in die Kirche. Das bedeutet: Die Menschen hören keine Lesung, kein Evangelium, keine Predigt mehr. Das bringt im Laufe der Jahre einen zunehmenden Glaubensschwund. Ich sage, wie es ist: Österreich ist Missionsgebiet. Aber es gibt auch die gute Nachricht: Es gibt jede Menge Missionare. Denn wir alle, jeder Christ ist aufgerufen, gute Nachricht zu verkünden. In Zeiten wie diesen, wo es fast nur noch traurige Nachrichten gibt, da sind die Freudenboten besonders gefragt. Menschen, die klaren Kopf bewahren. Die nicht nur das Negative sehen, sondern auch die Chancen. Viele werden depressiv in dieser Situation, besonders auch junge Menschen. Manche brauchen einen Psychotherapeuten. Aber von denen gibt es viel zu wenige. Ein Jahr Wartezeit. Es würde doppelt so viele brauchen. Oder doch nicht? Wir würden nicht so viele brauchen, wenn wir Christen unsere Berufung leben. Wenn wir Väter und Mütter, wir Lehrpersonen und Erzieher, wenn wir an die Macht der guten Worte glauben, besonderes jener Worte, die Mut und Freude machen, wenn wir Freudenboten sind. Zunächst ist es einmal wichtig, dass der Freudenbote einfach da ist. Schauen wir, dass wir uns in dieser Zeit nicht zu viel allein lassen. Dass wir füreinander Zeit haben, für einander da sind. Miteinander reden, miteinander was Schönes unternehmen. Dass wir uns Mut machen, gut zureden, das Positive entdecken. Uns loben, wenn etwas gelingt. Und ein Freudenbote, der zudem noch einen bodenständigen Glauben hat, der hat eine Botschaft, die die meisten Therapeuten nicht mehr haben: Wir haben einen liebenden Gott an unsere Seite, dem es nicht gleichgültig ist, wie es uns geht. Er kann und will uns beschützen und bergen. Und er kann uns Wege zeigen, zu einem guten Leben - auch in der Krise. Je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto weniger Zeit bleibt, im Internet herumzuschnüffeln, wo es so viele falsche und angstmachende Nachrichten gibt.

Lb. Gl. Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden. Worte haben große Macht, viel mehr als uns bewusst ist.

 

2023 Lj-A: 28. So.i.J:  Reich Gottes ist wie Hochzeitsmahl.

Evangelium nach Matthäus  (Mt 22,1-14)

In jener Zeit erzählte Jesus den religiösen Führern des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.  Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.  Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.  Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert eingeladen zu werden.  Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.  Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. 

Impuls: Schon wieder ein Gleichnis vom Reich Gottes, vom Himmelreich. Und schon wieder an die Adresse der religiösen Führer. Mit diesen Leuten hat Jesus seine liebe Not. Sie können mit seiner Idee vom Reich Gottes nichts anfangen: Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Was soll das? Der Glaube der Juden war völlig anders. Er war auf das Fundament von 1000 Gesetzen und Vorschriften gebaut. Wer sie nicht halten konnte oder wollte, wurde verachtet als öffentlicher Sünder. Er wurde gemieden und aus der rel. Gemeinschaft ausgestoßen. Jesus bemüht sich, den rel. Führern klar zu machen: Das ist kein guter Weg. Mit Liebe erreicht man viel mehr als mit Strafandrohung und Angst. Im heutigen Gleichnis sagt Jesus den religiösen Führern: Sie sind als erste eingeladen zum Hochzeitsmahl des Reiches Gottes. Aber sie kommen nicht. Sie wollen nicht. Sie bleiben fern mit faulen Ausreden. Wir haben anderes und Wichtigeres im Kopf als Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. Jammerschade um diese Menschen, die sich dermaßen verirren, obwohl sie studiert und hochgebildet sind. Was soll der liebe Gott jetzt machen, wenn die geladenen Gäste wegbleiben? Soll er das Fest des Reiches Gottes abblasen? Die tolle Idee vom Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens verwerfen und begraben? Auf keinen Fall. Es gibt unzählige andere, die sich freuen, beim Fest dabei zu sein. So holt er sie eben von den Straßen und Gassen, sogar vom Ausland, Studierte und Einfache, Fromme und weniger Fromme, sogar die Heiden. Und siehe da, der Hochzeitssaal füllt sich bis auf den letzten Platz. Sie alle erheben das Glas auf die Gerechtigkeit, die Liebe und den Frieden. Frage: Reich Gottes, wann ist denn das? Erst im Jenseits, in der Ewigkeit. Nein. Jesus sagt: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Es ist hier und jetzt.

Lb. Gl. Das Reich Gottes mit ihren Gästen spiegelt sich wider bei unseren Gottesdiensten. Da sind nicht nur Studierte: Priester, Diakone, Religionslehrer. Da findet sich eine bunte Vielfalt von Menschen: Gebildete und einfache Menschen. Fromme und weniger Fromme. Heilige und Sünder. Da sitzt der Hochschulprofessor neben der Aufräumerin, die Nonne neben der Ehebrecherin. Sie alle singen und beten dieselben Lieder und Gebete. Eines hat sich jedoch geändert in den letzten drei Jahren. Wenn ich bei den Gottesdiensten in die Bankreihen schaue, wird mir ein bisschen wehmütig ums Herz. Viele vertraute Gesichter sind nicht mehr da, die vor Corona noch da waren. Einige sind an Corona gestorben, andere an einer anderen Krankheit. Corona hat uns unsicher gemacht. Bischöfe haben geraten, einen Gottesdienst im Fernsehen mitzufeiern. Das haben viele auch gemacht. Und sie haben erlebt, wie bequem das ist, mit Pantoffeln und Trainings-Anzug einen Gottesdienst anzuschauen. Man muss sich nicht mehr angepasst kleiden, keine Wege überwinden. Einfach nur Knopf drücken, und schon ist er da, der Pfarrer mit Ministranten und Musik, mit Predigt und Wandlung. Bequem ist das schon, das kann ich verstehn. Aber es fehlen doch zwei wichtige Elemente: Die Kommunion und die Gemeinschaft. Corona ist zwar immer noch da. Aber es ist kein Monster mehr, das uns verschlingt. In der Kirche wird sich kaum jemand anstecken.

So lade ich alle herzlich ein, wieder in die Kirche zu kommen. Ihr braucht die Kommunion. Ihr braucht die Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft braucht euch. Liebe Eltern, kommt in die Kirche und bringt eure Kinder mit. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Kinder der Kirche entfremden und schließlich auch dem lieben Gott. Was dann? Eine Gesellschaft ohne Gott? Nicht auszudenken. Bitte, richtet denen, die fernbleiben, aus: Wir vermissen euch!!!

 

 

 

2023 Lj-A: 27. So.i.J: Reich Gottes an andere Pächter? An uns?

Evangelium nach Matthäus (Mt 21,33-46)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Schriftgelehrten. Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.  Die Winzer aber packten seine Knechte. Den einen prügelten sie, den andern steinigten sie.  Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.  Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.  Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.  Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Er wird den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben, das die erwarteten Früchte bringt.  Impuls:

Die Schule ist schon wieder voll im Laufen. Für Lehrpersonen jeden Tag eine Herausforderung. Es gibt jede Menge Lernstoff, manches gar nicht leicht zu verstehen. Der gewissenhafte Lehrer zerbricht sich den Kopf: Wie sag ichs meinem Kinde, dass es möglichst alle kapieren. Jesus hat das gleiche Problem. Er hat eine neue tolle Idee, die Idee vom Reich Gottes. Er will ein geistiges Reich errichten, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Geistige, überirdische Dinge sind nicht leicht zu verstehen. Jesus versucht es immer wieder mit Gleichnissen. Heute mit dem Gleichnis vom Weinberg. Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem Weinberg. Der Besitzer, der liebe Gott, will nicht alles selber machen. Er will Mitarbeiter und zwar möglichst viele. Zuerst denkt er an die religiösen Führer. Die wären am besten geeignet. Sie sind hochintelligent. Sie werden die neue Idee vom Reich Gottes ganz sicher verstehen und eifrig Hand anlegen. Sie werden reichlich Früchte abliefern, Fürchte der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Das Gegenteil passiert. Sie sind überhaupt nicht interessiert an dieser Idee. Sie haben Angst, die neue Idee wird ihren guten alten Glauben unterhöhlen oder gar kaputt machen. Und sie haben Angst: Die Liebe beschneidet ihre eigenen Interessen. Kurzum, sie machen nicht mit. Als der liebe Gott Gesandte schickt, Propheten, um nach Früchten zu sehen, findet er keine. Stattdessen werden sie von den rel. Führern verprügelt und fortgejagt. Als der liebe Gott schlussendlich seinen Sohn schickt, bringen sie ihn um. Die religiösen Führer verweigern Jesus die Mitarbeit. Was solls. Dann bekommen das Reich Gottes halt andere, die Interesse haben an der neuen Idee. Es müssen gar nicht Studierte Leute sein. Auch einfache Fischer verstehn die neue Lehre, wenn sie nur wollen. Sie bekommen das Reich Gottes, sogar Zöllner und Sünder, sogar Ausländer und Heiden. Ja, und nicht zu vergessen: auch wir Tiroler.

 

Lb. Gl. Die rel. Führer haben die großartige Idee vom Reich Gottes nicht kaputt machen können. Auch nicht durch den Tod Jesu am Kreuz. Ganz im Gegenteil. Nach seiner Auferstehung ist es erst richtig losgegangen mit dem Reich Gottes, mit seiner Kirche. Heute ist die Kirche eine Weltreligion. Die Christen sind zu finden in den letzten Winkeln der Welt.

Lb. Gl. Ich bin stolz, zu dieser Kirche zu gehören. Geht das so locker - und gratis? Jein! Ich wurde getauft und so in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Das hat mich keine Mühe gekostet. Im Laufe des Lebens wurde ich aufgerufen, die christlichen Gedanken zu lernen, die Spielregeln des Reiches Gottes, die

10 Gebote und vor allem das Gebot der Liebe, die Gottes- und Nächstenliebe. Eltern, Lehrpersonen und Seelsorger haben mir das alles beigebracht. Und wer verstanden hat, was das Reich Gottes ist, nämlich ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, hat auch verstanden, dass jeder Christ aufgerufen ist, Früchte zu bringen. Früchte der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Jesus nennt keine Obergrenze, was jeder abliefern muss. Er macht uns keinen Stress. Wer aber Liebe in sich hat, weiß ohnehin, was er tun kann für seine Mitmenschen, damit möglichst alle ein menschenwürdiges Leben führen können.

 

 

Erntedank

Evangelium: (Lk 17,11-19)

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.  Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.  Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.  Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war ein Ausländer aus Samarien.  Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Impuls: Ich bete jeden Tag das Vaterunser, mindestens einmal. Dieses wunderschöne Gebet hat uns Jesus gelehrt – als Muster, wie wir beten sollen. Aber, wenn wir genauer hinschauen, dann fällt auf: Da sind ja lauter Bitten und kein einziges Danke. Hat Jesus selbst auf das Danken vergessen? Ist es ihm nicht wichtig? Doch doch! Das sagt er uns durch verschiedene Geschichten. Heute durch die Geschichte mit den 10 Aussätzigen. Da ist er total beleidigt, dass es 9 Aussätzige nicht der Mühe wert finden, ihm für die Heilung zu danken. Heute ist Erntedank, da ist danken angesagt. Das wollen wir tun aus ganzem Herzen. Was unsere Bauern produzieren, würde ausreichen, um alle Men­schen auf der Erde zu er­nähren. Gott ist nicht knauserig, er spart nicht. Er schenkt reich­lich. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein. Dankbar sein heißt erken­nen, dass wir nicht alles uns selbst verdanken und dass wir das, was uns ge­schenkt ist, und was wir im Überfluss haben, auch tei­len können mit denen, die es bitter nötig haben.

Klima-Erwärmung.

Komisch. Heute reden alle von Klima-Erwärmung und fürchten sich davor. Ich habe viel mehr Sorge wegen der "neuen Eiszeit". Es wird kälter in unserer Gesellschaft. Der Über-lebenskampf wird immer härter. Alte Gemein­schaftsformen zerbrechen, die Vereinsamung nimmt zu. Es gibt aber auch die anderen, die alles tun, um das zwischenmenschliche Klima wärmer zu machen. Voller Dankbarkeit denke ich an jene Menschen, die sich für andere einsetzen - ohne große Worte zu machen. Ich denke an die junge Mutter, die im sech­sten Stock eines Hochhauses wohnt. Neben ihren zwei eigenen Kindern finden mehrere Nachbars­kinder bei ihr »Nestwärme«. Ich denke an den jungen Arzt, der auf eine Karriere verzichtet, um auf einer Krankenstation in Nepal zu arbeiten. Ich denke an den Musiker, der seit Jahren ohne Honorar in Gefängnis­sen singt und spielt. Ich denke an den alten Farmer in Kanada, der sein Haus für Gäste aus aller Welt öffnet. Ich denke an die zahllosen Menschen, die Liebe und Wärme in dieser Welt verbreiten, deren Namen nicht in der Zeitung stehen. Sie alle sind ein Hoffnungs-Stern in einer kalten Welt.

Lb. Gl. Beten wir ruhig weiterhin das Vaterunser mit all den wichtigen Bitten. Aber vergessen wir nicht: Das Bitten darf nie zur Einbahnstraße werden. Wir können nicht immer nur nehmen, wir müssen auch zurückgeben. Nun, was können wir dem lieben Gott zurückgeben? Am besten, indem wir seine Geschöpfe, Menschen und Tiere und Pflanzen lieben, wertschätzen und schützen. Seine Geschöpfe, die er mit so viel Liebe und Fantasie geschaffen hat. Bild: Mutter Natur. Wir Christen müssen das umso eifriger tun, je egoistischer viele andere die Mutter Natur ausbeuten und drangsalieren, bis sie nicht mehr atmen kann. Die Mutter Erde schwitzt. Es geht ihr die Puste aus. Und manchen von uns auch. Es ist längst bewiesen: Die Umweltverschmutzung hat auch Einfluss auf unsere Gesundheit. Es gibt vermehrt Kreislaufprobleme, Asthma- und Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Neuralgien und Gesichtsschmerzen. Klima-Schutz ist angesagt. Klima-Schutz ist zugleich Gesundheits-Schutz. Wir müssen nicht den Teufel an die Wand malen auch nicht den Weltuntergang– und schon gar nicht Angst machen. Aber auch die Klimaschützer nicht verteufeln. Wir wollen alle gutwilligen Menschen einfach einladen und ihnen sagen: Es ist noch nicht zu spät. Jeder kann was beitragen zum Schutz der Mutter Natur: Ich kann Energie sparen. Luft und Umwelt sauber halten. Es muss nicht immer das eigene Auto sein. Viele Strecken schaffen wir mit den Öffis, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Urlaub in der schönen Heimat, nicht im Ausland. Weniger Fleisch essen. Und anderes mehr. Papst Franziskus mahnt: "Schutz der Umwelt ist Christenpflicht".

 

 

 

2023 Lj-A: 25. So.i.J:  Jeder bekommt einen Denar

Evangelium nach Matthäus (Mt 20,1-16)

In jener Zeit erzählte Jesus das folgende Gleichnis. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.  Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.  Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.  Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.  Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.  Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.  Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Oder bist du neidisch, weil ich auch zu anderen gütig bin? Impuls:

Wisst ihr, was Schüler am meisten hassen? Wenn ein Lehrer ungerecht ist. Ungerechtigkeit bringt nicht nur Schüler zur Weißglut. Viele andere auch. Politiker z.B. kämpfen seit Jahren um gleichen Lohn für gleiche Leistung. Oder sie kämpfen um eine Mindestsicherung für arme Menschen, auch für Asylanten. Das finden andere wieder ungerecht. Die leisten ja nichts. Und dennoch ist es gerecht, wenn jeder Mensch so viel bekommt, dass er leben kann. Die heutige Geschichte riecht auch ganz stark nach Ungerechtigkeit. Da werden Arbeiter angeworben, die ersten gleich in aller Herrgotts Frühe, andere erst viel später. Aber alle bekommen den gleichen Lohn. Verständlich, dass jetzt einige maulen: Das ist ungerecht. Die haben nur eine Stunde gearbeitet und wir den ganzen langen heißen Tag. Jeder bekommt einen Denar. Das war damals die Mindestsicherung. Davon konnte eine Familie einen Tag lang leben. Und diese Mindestsicherung bekommt auch derjenige, der nur eine statt 12 Stunden gearbeitet hat. Ist das ungerecht? Ich denke, das ist im höchsten Maße menschlich, großherzig und sozial. Mindestlohn für alle. So, das ist die Oberfläche der Geschichte. Was will Jesus wirklich mit seinem Gleichnis? Ihm geht es um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit.  Gott wirbt um die Menschen. Alle sollen sie kommen in sein Reich, in die Firma Gott und Sohn, in die Kirche. Hier sollen sie leben und glücklich sein und auch ihre Talente einbringen zum Segen für andere und zum Segen für sie selbst, zum Aufbau und Weiterbau des Reiches Gottes. Viele werden von Kindesbeinen an gerufen, bei der Taufe schon. Manche werden erst viel später erreicht von Gottes Ruf. Manche gar erst knapp vor ihrem Tod. Der Lohn ist für alle gleich: göttliches, ewiges Leben. Das ist doch ungerecht, meinen manche. Nein, ist es nicht. Es ist einfach nur menschlich, großherzig und sozial. Dieses Gleichnis können wir nur aus dem Blickwinkel der Liebe verstehen. Gott ist die Liebe. Die Liebe kennt keinen Mindestlohn, sondern nur den Höchstlohn. Liebe gibt es nicht in größeren und kleineren Münzen. Entweder alles oder nichts.

Lb. Gl. Das ist eine wirkliche Trostbotschaft, besonders für Eltern, deren Kinder andere Wege gehen, die sich von der Kirche und vielleicht sogar von Gott entfernen. Auch wer in der letzten Stunde zurück-kommt, ist bei Gott willkommen und bekommt Leben in Fülle. Die älteren Semester unter uns erinnern sich noch an den Spaßmacher Weiß Ferdl aus Bayern. Er war kein Kind von Traurigkeit. Und er war sich seiner Sünden auch bewusst, sosehr, dass er manchmal Angst hatte: Mich wird wohl der Teufel holen. Als er sein Ende nahe fühlte, ließ er einen Priester rufen, der ihn nach einer ehrlichen Beichte von seinen Sünden lossprach und ihm die Kommunion reichte. Danach sagte Ferdl, der das Scherzen auch auf dem Sterbebett nicht lassen konnte: Jetzt mecht i no den Teufel segn. Ich mecht segn, was der fir a Gsicht macht, weil i ihm auskemmen bin. Glück gehabt, kann man da nur sagen. So ist er, unser Gutsbesitzer, der liebe Gott. Er gibt jedem eine Chance. Rettung in letzter Stunde.

 

 

2023 Lj. A: 24.So.i.Jahr:   7x70mal Verzeihen?

Evangelium nach Matthäus (Mt 18,21-22)

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.  Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.  Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.  Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.  Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.  Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.  Als die übrigen Diener das sahen, waren sie empört; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.  Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.  Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

Impuls:

Wie geht es dir mit deinem Nachbarn? Da verstellt der Nachbar mit seinem Auto die Ausfahrt und er findet es nicht der Mühe wert, sich zu entschuldigen. Oder da hat ein Nachbar viel zu hohe Bäume gepflanzt und bereitet dir ein Schattendasein. Und jetzt ist man sich spinnefeind. Kein Gruß mehr über den Gartenzaun!

Und wie geht es dir mit den lieben Mitmenschen im eigenen Haus? Wenn der lb. Ehegatte oder der Herr Sohn nach dem Duschen immer und immer wieder die Haarbüschel im Abfluss liegen lässt. Andere müssen ständig ihren Dreck wegräumen. Oder wenn die Tochter mit ihren Schlampereien und Zicken an den Nerven sägt... Wird es da nicht höchste Zeit, einmal eine Bombe platzen zu lassen und einen gehörigen Krach zu machen? Oder vielleicht doch lieber schlucken und immer wieder schlucken um des lieben Friedens willen? Weil sonst wieder die gefürchtete Funkstille eintritt, wo man tagelang schmollt und kein Wort mehr miteinander redet. Wer von uns hat nicht auch schon mehrmals die Frage gestellt: Wie oft muss ich meinem Bruder und meiner Schwester verzeihen? Was muss ich mir denn noch alles gefallen lassen? Petrus macht einen durchaus realistischen Vorschlag: 7 mal; damit wäre die Schmerzgrenze wohl erreicht. Jesus ist damit nicht zufrieden. Wenn die 7 Freikarten aufgebraucht sind, was dann? Soll dann ewige Feindschaft herrschen und ewige Hölle? Jesus meint: Nicht 7mal, sondern 70mal 7mal, also 70 mal die hl. Zahl 7. Die hl. Zahl 7 bedeutet ohnehin schon unendlich. Als Begründung bringt Jesus diese peinliche Geschichte, die an Klarheit und Härte nichts mehr offen lässt. Da ist ein Knecht mit einer immensen Schuld: 10.000 Talente, umgerechnet ca. 5 Milliarden Euro, eine Schuld, die man kaum noch zählen, geschweige denn bezahlen kann. Bei einem üblichen Tageslohn von einem Denar müsste er 2000 mal auf die Welt kommen, um diese Schuld abzuarbeiten. Und der gütige König erlässt ihm die ganze Schuld. Ebenderselbe Knecht aber kann dann so hartherzig sein und würgt ei­nen anderen, der ihm den lächerlichen Betrag von 300 Denaren schuldet, 190 Euro.

Lb. Br. u. Schw. Das Peinliche an diesem Gleichnis ist: Dieser elende Knecht sind wir. Wie oft müssen wir sagen: Bitte, lieber Gott verzeih mir, das war nicht in Ordnung und jenes nicht. Hätte Gott nicht immer wieder alles vergeben, wir hätten am Ende einen Schuldenberg beisammen, den wir selbst niemals abtragen könnten. Und wir sind es aber auch, die anderen gegenüber beinhart sein können. Wir hassen den anderen, schauen ihn nicht mehr an, grüßen ihn nicht mehr, oft wegen einer Lächerlichkeit.

Lb. Gl. Wir alle leben von der Verzeihung Gottes und von seiner Geduld. Und die verlangt er auch von uns. Zu viel verlangt? Na Ja! So wie Gott werden wir's wohl nie zusammenbringen, aber das Bemühen darum verlangt er allemal. Die 1. Lesung bringt die ganze Problematik auf den Punkt: Groll und Hass sind abscheulich.

 

 

2023 Lj. A: 23.So.i.Jahr:  Verzeihen – wie oft?

Evangelium nach Matthäus (Mt 18,15-20)

In jener Zeit sprach Jesus: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.  Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.  Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Impuls:

Heute geht es um ein Thema, das enorm wichtig ist, aber ebenso schwierig: Das Verzeihen. Eine der wichtigsten Lebensweisheiten. Sie ist wichtig, wenn eine Beziehung länger halten soll als nur einen Tag. Wir brauchen sie jeden Tag. Jedes Liebespaar braucht sie, jede Familie, jede Gemeinschaft, jeder Verein. Wozu denn? Wir würden das Verzeihen gar nicht brauchen, wenn alle lieb und nett wären, ehrlich, rücksichtsvoll und vollkommen. Das spielt es leider nicht. Niemand ist perfekt, ich selber auch nicht. Der Apostel Johannes meint: Wenn wir sagen: Wir haben keine Sünden, dann belügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Also: Wir alle machen Fehler. Damit belasten und ärgern wir uns gegenseitig. Was tun? Die Beziehung beenden? Den Sünder zum Teufel schicken? Wäre doch schade um ihn. Im Grunde sind es oft ganz wertvolle Menschen. Aber halt eben nicht perfekt, so wie ich auch. Was solls'! Es muss eine bessere Lösung geben. Und die gibt es: Das Verzeihen. Petrus wollte es einmal ganz genau wissen. Davon hören wir am kommenden Sonntag. Er fragt: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? 7mal? Jesus entgegnet: Nicht 7-mal, sondern 70 mal 7-mal. Das ist ein starkes Stück. Dabei ist Petrus schon großzügig. Er nimmt die heilige Zahl 7. 7-mal müsste doch reichen, oder? Jesus meint: Multipliziere die Sieben mit 70, dann liegst du richtig. Das bedeutet: Immer. Ist das nicht weit überzogen? Jein. Es kommt darauf an, welche Kaliber die Kränkungen sind und ob ein Funke guter Wille da ist, sich zu bessern. Das weiß auch Jesus. Deshalb schränkt er das "Immer Verzeihen" heute ein. Er empfiehlt einen 3-Stufen-Plan. Wenn dein Bruder schwer sündigt, rede mit ihm unter vier Augen.  Sag ihm, was dich oder andere kränkt. Wenn jemand sündigt, schwer sündigt, wenn jemand auf die schiefe Bahn gerät und womöglich ins Verderben rennt, dann ist das nicht nur sein Problem, das ist unser aller Problem. Wenn Kinder missbraucht und misshandelt werden, wenn jemand dem Alkohol verfällt oder anderen Süchten, wenn jemand fremdgeht, wenn jemand nicht mehr in die Kirche geht, das geht uns alle an.

Lb. Gl. Warnsignale gibt es bereits im Vorfeld. Aber das große Problem: Wie sag ich's meinem Kinde? Jesus ist ein brillanter Pädagoge. Er empfiehlt eine äußerst feinfühlige Strategie. Das Gespräch unter vier Augen. Dann bleibt die Privatsphäre gewahrt. Der Sünder wird nicht bloßgestellt. Mit ihm reden, auch auf die Gefahr hin, dass er mich abblitzen lässt: Moment, das ist meine Sache. Womöglich geht er sogar zum Gegenangriff über: Kehr lieber vor deiner eigenen Tür, du Saubermann, du Besserwisser. Abfuhr hin oder her. Man stirbt nicht gleich daran. Einen Versuch ist es allemal wert, den Bruder, die Schwester vom falschen Weg abzubringen und sie zu retten. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, nimm einen oder zwei Männer als Zeugen oder einen Schlichter, einen klugen Berater. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Das heißt: einer öffentlichen Person: einem Anwalt oder Richter. Hört er auch auf sie nicht, dann sei er für dich wie ein Heide. Das heißt: Dann ist Schluss. Dann ist heilsame Distanz angesagt, sonst gehst du selber daran kaputt. Für ihn beten können und sollen wir weiterhin. Soweit die großen Kaliber. Für die alltäglichen kleinen Fehler braucht es keine Prozedur. Die alltäglichen Fehler sollten wir am besten überhaupt nicht zählen, schon gar nicht auf die Goldwaage legen, sondern einfach mit einem Augenzwinkern übergehen. Lb. Gl. Verzeihen und Versöhnen zählen gewiss zu den schwierigsten Dingen im Leben. Aber ich denke: Ohne sie wird das Leben noch schwieriger!

 

 

 

 

2023 Lj. A: 22.So.i.Jahr:  Sein Kreuz auf sich nehmen

Evangelium nach Matthäus (Mt 16,21)

In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den religiösen Führern vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.  Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Da wandte sich Jesus um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, er nehme sein tägliches Kreuz auf sich und so folge er mir nach. Impuls:

Jene Menschen, die den 2. Weltkrieg miterlebt haben, mein Gott, was haben die alles durchmachen müssen: Bomben, Verwüstung, Gräuel, Hunger und Armut, Angst vor der Zukunft. Verständlich, dass diese Generation den Wunsch hatte: Meinen Kindern soll es einmal besser gehen. So hat man sich alle Mühe gegeben, Kindern alle Schwierigkeiten und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Man hat sie überschüttet mit Leckerbissen, Annehmlichkeiten und Wohltaten. Das Ergebnis waren jedoch nicht glückliche und fröhliche Kinder und Enkel, im Gegenteil: Es war eher eine verwöhnte, wehleidige und jammernde Generation. Psychologen nennen sie die "Golden-Pampers-Generation". Diese tut sich unheimlich schwer mit Verzicht jeder Art. Sie tut sich schwer, Unangenehmes längere Zeit durchzuhalten. Corona hat das gezeigt. Schon die Maske war für viele unerträglich. Keine Partys, keine Freunde, für viele ein Riesen-Problem. Gar nicht wenige sind depressiv geworden und müssen behandelt werden. Einige sind in eine Sucht geschlittert, Alkohol oder Drogen…, um zu vergessen und ein bisschen Trost zu finden. Was für ein unheilvoller Irrweg! Neuerdings kommt durch den Ukraine-Krieg noch ein Übel hinzu. Alles wird teurer. Auch das ist für viele ein Problem. "Ich will alles, und zwar sofort", das geht sich jetzt halt nicht mehr aus. Alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen? Offenbar keine gute Idee. Das wollte übrigens auch der gute Petrus. Jesus erzählt: Ich muss hinauf nach Jerusalem. Da werden die religiösen Führer mir zusetzen, sie werden mich quälen und schließlich grausam umbringen. Petrus darauf: Das darf mit dir nicht geschehen! Gut gemeint von Petrus. Wie reagiert Jesus? Er sagt nicht: Bist du aber lieb, du willst mir das Schreckliche ersparen. Nein. Er sagt: Du bist ein Diabolus, ein Verführer. Du willst mich von meinem Weg abbringen, den ich gehen muss. Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern, was die Menschen wollen. Die Menschen wollen es immer bequem. Ich aber sage euch: Wer mein Jünger sein will, nehme sein tägliches Kreuz auf sich, und so folge er mir nach. Das ist Psychologie, die dem Menschen wirklich hilft. Ein Kreuz auf sich nehmen, ja, aber das musss man auch richtig verstehen. Es geht Jesus nicht um eine Verherrlichung von Kreuz und Leiden. Viele haben sich Kreuze und Schmerzen selber gemacht, um so Jesus ähnlich zu werden. Das hat Jesus nicht gewollt. Kreuz und Leiden sind keine so tollen Dinge, dass man sie suchen muss. Es geht einzig um jene Kreuze, die das Leben mit sich bringt: Krankheiten, Schmerzen, Ungerechtigkeiten und vieles andere. Wenn man sie beseitigen kann, soll man es tun. Auch Jesus hat Krankheiten geheilt und nicht gesagt: Ertrage deine Krankheit, die ist ja so toll. Aber es gibt jede Menge Kreuze, die man nicht so einfach aus der Welt schaffen kann. Die gilt es mutig und geduldig anzupacken und zu tragen, so gut es geht. Und es ist erstaunlich, was alles geht, wenn man gute Helfer hat. Sogar Jesus hatte einen Simon von Cyrene, der ihm geholfen hat, sein Kreuz zu tragen.

Lb. Gl. Das tägliche Kreuz auf sich nehmen, ist möglicherweise die wichtigste Lebensweisheit überhaupt. Versuchen wir, sie zu lernen, jeden Tag eine Lektion. Einige Jugendlich haben schon gelernt. Der ORF hat Jugendliche gefragt: Wie kommst du mit der Teuerung zurecht? Ein Mädchen sagt mit lachendem Gesicht: Es müssen nicht gekaufte Leckerbissen sein. Selbstgemachte Wurstnudeln schmecken auch ganz gut. Und man hat zudem eine sinnvolle Beschäftigung. Ein Junge meint: Es muss nicht immer Disco und Party sein. Man kann auch in der Familie und mit Freunden nette Stunden verbringen. Lernen auch wir, aus den Widerwärtigkeiten das Beste zu machen.

 

 

 

 

2023 Lj. A: 21.So.i.Jahr:   Für wen haltet ihr mich?

Evangelium nach Matthäus (Mt 16,13)

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.  Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.  Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Impuls:

Impuls: Meinungsumfragen sind hoch im Kurs. Die Politiker wollen es wissen: Wie viele Sympathisanten habe ich? Habe ich die Nase vorn? Reicht es gar zum Bundeskanzler? So, und heute will es auch Jesus wissen. Er fragt seine Jünger: Was wird denn so gemunkelt über mich?  Ist er eitel? Will er Komplimente hören? Die kriegt er sogar: Die meisten halten dich für einen großen Propheten. Schön und gut. Aber viel wichtiger ist ihm, was seine Freunde von ihm denken. Das ist entscheidend. Sie müssen sein Werk ja weiterführen. Und da ist es ganz und gar nicht egal, welche Einstellung seine Mitarbeiter haben. Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus gibt stellvertretend für seine Kollegen die Antwort. Du bist viel mehr als nur ein großer Prophet. Du bist der Messias, der Sohn Gottes. Was für eine Einschätzung! Jesus ist zufrieden. Er macht den Petrus auf der Stelle zum Chef seiner Kirche. Ein Mann mit solchem Glauben ist der einzig Richtige. Schön. Aber Jesus hat noch nicht genug. Er fragt weiter, durch alle Zeiten und Generationen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich. Soll ich jetzt jeden einzelnen von euch herausbitten, dass er uns sagt, was er von Jesus hält? Geht leider mich. So muss ich halt selber herhalten und sagen, was ich von Jesus halte. Das geht am besten, indem ich beschreibe, wie mein Tag mit Jesus ausschaut. Ich wache auf. Mein erster Gedanke ist Jesu. Ich bete ein kurzes Morgengebet. Ich danke ihm für den guten Schlaf. Dann erzähle ich ihm, was ich vorhabe. Ich gehe mit ihm um wie mit einem guten Freund. Montag. Heute ist mein Predigt-Tag. Ich bitte ihn: heute wird dein Geist mir helfen müssen, sonst kommt nur Blödsinn heraus, der den Menschen nicht hilft. Dann übergebe ich ihm alle meine Sorgenkinder, die mich gebeten haben, für sie zu beten. Ich bitte ihn: begleite mich durch den Tag, beschütze mich vor Gefahren. Zeige mir in wichtigen Momenten, was ich tun und sagen soll. Du bist ja Gottes Sohn. Du hast göttliche Weisheit und göttliche Kraft. Und du bist mein Freund. Du hast mich berufen, dein Jünger zu sein. Darauf bin ich stolz und ich tu es gern. Mit deiner Hilfe wird alles gut. Nach einem Frühstück kommt das Highlight, die Hl. Messe. Hier darf ich sein Wort hören und seine Gegenwart spüren in den hl. Zeichen von Brot und Wein. Das gibt Wegweisung und Kraft. Dann an die Arbeit. Allmählich wird es Abend. Ein Abendgebet beschließt meinen Tag. Danken ist angesagt für alles, was gelungen ist, auch für die schönen Begegnungen.

Lb. Gl. Ich kann sie auch euch nicht ersparen, die Frage Jesu: Für wen haltet ihr mich? Stellt euch diese Frage ab und zu. Die Antwort ist sehr wichtig. Sie bestimmt ganz wesentlich dein ganzes Leben. Denn von deiner Einschätzung hängt auch deine Beziehung zu ihm ab. Halte ich ihn nur für einen klugen Rabbi, der vor 2000 Jahren gelebt hat, dann wird er mir ebenso egal sein wie irgendein Religionslehrer. Halte ich ihn aber, so wie Petrus, für den Sohn Gottes, der alle Macht hat, halte ich ihn für den Messias und Heiland, der mich liebt und der aus Liebe zu mir sein Leben hingegeben hat, dann schaut die Sache gleich ganz anders aus. Dann wird seine Liebe und Hingabe vielleicht mein Herz anrühren, vielleicht so sehr, dass ich eine Beziehung zu ihm aufbauen will, dass ich mich an ihm festhalten will, wie an einem Strohhalm. Dass ich mich nach seinen Lebensweisheiten orientieren will. Dass ich sogar mein Leben ändern will, wo es nötig ist.

Lb. Schw. und Brüder. Für wen halten mich die Leute? will Jesus wissen. Er will es wissen - auch von dir.

 

 

 

2023 Lj. A: 20.So.i.Jahr:  Gebet. Erhörung?

Evangelium nach Matthäus (Mt 15,21-28)

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.  Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.  Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her.  Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.  Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.  Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.  Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Impuls: Ist Jesus ein Gesetzesbrecher? Jain! Die religiösen Führer haben das immer behauptet. Jesus hat versucht, ihnen klarzumachen: Es gibt ganz unterschiedliche Gesetze: Das göttliche Gesetz und die Menschen-Satzungen. Die sind von Menschen gemacht und oftmals zu streng und überzogen. Nur damit hatte Jesus Probleme, nicht mit dem göttlichen Gesetz. Heute erlaubt er sich wieder eine Übertretung: Er redet mit einer Heidin. Strengstens verboten. Nehr noch. Er erfüllt ihre Bitte: Heile meine Tochter. Zunächst ignoriert er sie, als wäre sie Luft. Und dann behandelt er sie streng nach jüdischem Gesetz: Du gehörst nicht zu den Kindern Israels, du bist wie ein Hund für die Juden. Die Frau entgegnet ganz demütig: Das weiß ich. Aber bekommen die Hunde nicht auch von den Resten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Jesus ist überwältigt von ihrer Demut und von ihrem Glauben. Da können sich die rel. Führe eine Scheibe abschneiden. Sie hat sein Herz angerührt. Da vergisst er die Menschensatzungen und erfüllt ihre Bitte.

Lb. Gl. Ist das eine schöne Geschichte. Auch mich berührt sie. Und sie ist zudem eine wichtige Lektion: Gott lässt sich anrühren von unseren Gebeten. Das ist gut zu wissen. Viele denken ja: Es hat keinen Zweck zu beten. Gott hat anderes zu tun, als sich um meine Sorgen zu kümmern. Wer bin ich schon? Ich bin eine kleine Aufräumerin. Ich gehöre nicht zu den Wichtigen. Diese kommen als erste dran. Was für ein Irrtum. Jetzt fragen wir uns: Wie schaut es aus mit der Erhörung unserer Gebete? Mein Gott, um was beten wir nicht alles. Um Gesundheit, um einen guten Studienplatz für meine Enkelin oder einen neuen Job für meinen Sohn, um Klarheit in einer Entscheidung, um die Lösung eines finanziellen Problems oder auch um den richtigen Partner, Du betest und betest. Und was pas­siert? - Nichts. Heißt das: Gott will meine Bitte nicht erhören?

Jesus macht uns Mut. Er sagt: Bittet, dann wird euch gegeben.

Natürlich kommt die Erfüllung unserer Wünsche nicht immer sofort, wie auf Knopfdruck. Es kann passieren, dass die Erfül­lung unserer Wünsche auf sich warten lässt, oder scheinbar überhaupt nicht geschieht. Dann werden viele unsicher und sagen: Hat ja doch keinen Zweck, das Gebet hilft sowieso nicht!

Sind unserer Gebete nutzlos? Wenn unser Gebet oft nicht die gewünschte Wirkung zeigt, so kann das meh­rere Ursachen haben:

1. Unser Gebet ist vielleicht nicht beharrlich genug. Wir geben viel zu schnell auf, wenn Gott nicht schon heute unsere Wünsche erfüllt. Die Hl. Monika hat 15 Jahre lang gebetet um die Bekehrung ihres liederlichen Sohnes. Aus ihm ist einer der größten Heiligen geworden, der hl. Augustinus. Und die Heidin in der heutigen Geschichte. Sie lässt sich nicht abwimmeln – und wird erhört.

2. Oft fehlt unseren Gebeten der rechte Glaube. Viele glauben gar nicht wirklich, dass Gott ihnen helfen kann oder helfen will. Gott erhört jedes gute Gebet und zwar so wie es gut für uns ist. Das ist seine Zusage!

3. Oft beten wir um Dinge, die unvernünftig, die sogar schädlich für uns sind. Wir beten um Dinge, die unser Leben süß und behaglich machen sollen. Viele leben nach dem Motto: Ich will alles und zwar sofort! Wenn Gott diese Wünsche nicht erfüllt, so tut er nichts anderes als jede kluge Mutter, die ihrem Kind halt auch manche Süßig­keiten verweigert, weil sie der Gesundheit schaden.

Lb. Gl. Den Glauben dieser Heidin wünsche ich mir, für mich und für uns alle.

 

 

2023 Lj. A: 15. August, Patrozinium; Wohin mich wenden?

Evangelium nach Lukas (Lk 1, 39)

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.  Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.  Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.  Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Impuls: (Bild: Schutzmantel-Madonna)

Wir feiern heute eine ganz Große, die Größte von allen Heiligen: Maria, die Mutter Gottes. Sie hat uns den Erlöser geboren, Jesus Christus, den Sohn Gottes. Aber das ist noch lange nicht alles. Sie hat noch andere wichtige Aufgaben: Mutter der Kirche ist sie. Und sie ist Patronin und Schutzherrin unserer Kloster-Kirche. Ist denn das so wichtig? Kirche, wozu brauchen wir die noch in einer Zeit, wo der Mensch alles selber machen kann und will?

Kirche wozu? Das sagt uns ein altes Kirchenlied in zwei kurzen Strophen, das Eingangslied der Schubert-Messe. In der ersten Strophe heißt es: Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken, wem sag ich mein Entzücken? Wohin soll ich mich wenden, wohin? Nun, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Unsere Jungen sind ganz heiß auf Partys. Hier erleben sie Gemeinschaft. Da können sie Gram und Schmerz, Freud und Leid miteinander teilen. Da können sie den ganzen Frust hinausschreien bei ohrenbetäubender Musik. Andere wiederum mögen es nicht so laut, lieber ruhig und besinnlich. Sie gehen in die Kirche. Hier gibt es im Grunde das Gleiche. Auch hier erleben sie Gemeinschaft. Da können sie Freud und Leid miteinander teilen und hinaussingen in tiefsinnigen Liedern. Wenn Gram und Schmerz mich drücken, wohin? Zum Arzt oder Therapeuten? Keine schlechte Idee, wenn ich schwer krank bin. Aber auch Gesunde werden geplagt von Gram und Schmerz. Die brauchen keinen Therapeuten. Das Lied weiß eine bessere Adresse: Zu dir, zu dir, o Vater, oder zu dir zu dir, o Mutter. Die beiden sind ein guter Ort, um Gram und Schmerz abzulegen und Kraft und Hilfe zu erlangen. Die beiden haben göttliche Kraft und göttliche Weisheit. Die können mir wirklich raten, wie es weitergehen kann. Und sie begleiten mich, treu und verlässlich. Das ist es, was wir brauchen. Wie oft sehe ich betende Menschen vor der Pietà oder in der Grotte, oder unter dem Kreuz. Hier wissen die Menschen sich aufgehoben mit allem, was sie bewegt.

Kirche, wozu? Die 3. Strophe sagt uns noch einen Grund: Doch darf ich dir mich nahen, mit meiner Sündenschuld. Da wird jetzt mancher denken: Sünden? Das mach ich mit dem Herrgott ganz persönlich aus. Gut und recht. Aber es gibt Kaliber, die uns belasten bei Tag und Nacht. Da brauche ich ein Wort der Befreiung. Ein äthiopisches Sprich­wort sagt: "Das Wort, das dich befreit, kannst du dir nicht selber sagen". Das ist ein ganz wichtiger Dienst der Kirche: Die Los-Sprechung der Sünden - in der Hl. Messe und im Beichtstuhl. Kirche, wozu? Eben auch dazu.

Lb. Gl. Kirche wozu? Glaube wozu?

Kirche ist ein Zufluchtsort für all unsere Sorgen. Ein Ort der Geborgenheit. Hier wird zudem eine Botschaft verkündet, die uns den Weg zeigt zu einem erfüllten Leben und wohin es mit uns geht: in die ewige Freude des Himmels. Hier finden wir einen barmherzigen Gott, der uns befreit von vielen Belastungen, von Ängsten, Sorgen und Sünden. Hier finden wir auch eine Barmherzige Mutter. Das schätzen nicht nur die älteren Semester, sondern auch viele junge Menschen. Kirche, wozu? Jetzt wissen wir's. So schauen wir heute dankbar auf unsere Kirche und auf unsere Kirchenpatronin, auf unsere Schutz-Herrin. Sie hat einen großen Schutzmantel. Da haben wir alle Platz.

 

 

2023 Lj. A: 19.So.i.Jahr:  Stürme des Lebens

Evangelium nach Matthäus (MT 14,22-33)

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.  Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.  In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.  Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.  Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.  Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.  Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.  Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Impuls:

Jesus hat einen harten Arbeitstag hinter sich. Einen ganzen langen Tag lang predigen, sich mit Kranken beschäftigen, sie trösten und heilen. Da kann auch ein Gotteslohn einmal müde werden. Was macht er? Er schickt die Leute weg. Er geht in die Einsamkeit, um zu beten. Er nimmt Kurz-Urlaub. Mehr ist nicht drin. Mehr braucht er offenbar nicht. Einige Stunden mit dem Vater reden, und schon ist sein Akku wieder voll. Das ist auch gut so. Denn seine Freunde sind in Lebensgefahr. Sie haben Gegenwind, heißt es. Von wegen Gegenwind. Das wäre noch ein Leichtes. Der See Genezareth ist ein heimtückischer Geselle. Er liegt in einem Kessel. Da können von mehreren Seiten gleichzeitig Stürme daherbrausen. Da weiß der beste Kapitän nicht mehr, wie er das Boot noch steuern soll. Wenn sie es nicht rechtzeitig ans Ufer schaffen, dann hilft nur noch beten und winseln vor Angst. Dann kommt Jesus - in letzter Minute. Er schreitet gemütlich über den aufgepeitschten See und beruhigt seine Freunde. Habt Vertrauen, ich bin es. Sofort legt sich ihre Angst und der Sturm. Er ist da. Was für ein erlösendes Wort in ihrer Verzweiflung. Er ist bei uns, da kann uns nichts passieren. Petrus wird mutig und nicht nur das, er wird übermütig. Er wagt es, aus dem Boot zu steigen; und er will über das Wasser gehen, so wie Jesus. Das klappt sogar für kurze Zeit. Aber beim nächsten Windstoß packt ihn die Angst und er säuft ab. Jesus muss ihn aus dem Wasser ziehen. Schwimmen kann er nicht und glauben - auch noch nicht so recht, dieser Kleingläubige.

Lb. Gl. Ist das nicht auch unsere Geschichte? Deine und meine Geschichte? Unser Leben ist auch so ein Kessel wie der See Genezareth. Da können Stürme hereinbrechen von allen Seiten und unser Lebens-Boot ganz schön ins Trudeln bringen. Eines Tages merkst du: Ich werde nur ausgenützt: von sog. guten Freunden oder gar vom eigenen Partner. Da können beste Beziehungen ist Wanken kommen oder beinah untergehen. Endgültig dann, wenn ein lieber Mensch stirbt. Oder, dein bisher so robuster Körper beginnt zu kränkeln oder gar schwer krank zu werden. Das und manches andere kann uns den Boden unter den Füßen wegziehen. So sehr, dass wir sogar ans Ende denken. Wir möchten schreien vor Angst. Und irgendwann streckt dir jemand seine Hand entgegen, die dich hält und stützt. Ist es Jesus selbst oder ein Engel ohne Flügel, den er schickt? Egal, wer auch immer: Ob Vater oder Mutter, ein guter Freund, ein Arzt oder Therapeut. Wichtig ist: Er hält dich über Wasser. Mit ihm gewinnst du wieder Vertrauen in das Leben. Du kannst nach vorne schauen. Er zeigt dir, wie es weitergehen kann.

Lb. Gl. Wenn du einen Funken Vertrauen hast, wirst auch du erleben: Mit Gott und hilfreichen Menschen an der Seite ist ein neuer Anfang möglich, Du wirst stark, um das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Das genügt. Du musst ja nicht übermütig werden.

Du musst nicht übers Wasser gehen – und absaufen, so wie Petrus.

 

 

2023 Lj. A: 17.So.i.Jahr:  Schatz im Acker

Evangelium nach Matthäus (Mt 15, 44)

In jener Zeit sprach Jesus: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte die Perle.

Impuls:

Heute wieder ein Gleichnis, um das Reich Gottes zu erklären. An den letzten Sonntagen vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Sämann, der guten Samen aussät. Damit will er sagen: Klein wie ein Samenkorn fängt es an, mit einer Handvoll Männer, die die Frohbotschaft verkünden. Sie bringt Frucht, dreißigfach und hundertfach. Schließlich gelangt die Botschaft vom Himmel-Reich bis in den letzten Winkel der Welt. Freilich nicht ganz ungestört. Es gibt Feinde, die das Gute nicht ertragen. Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens, was soll denn das? Sie haben ihr eigenes Reich, das eigene Ich. Alles andere interessiert sie nicht. Das Reich Gottes ist ihnen ein Dorn im Auge. Das hieße ja, die eigenen Interessen zu mäßigen und hinzuschauen auf Gott und den Nächsten. Das wollen sie nicht, also trachten sie danach, das Reich Gottes zu bekämpfen, indem sie die guten Ideen schlecht-reden und lächerlich machen. Nun, sie können stören, aber zer-stören können sie es nicht, das Reich der Gerechtigkeit der Liebe und des Friedens. Denn es gibt schon zu viele, die es schätzen. Schätzen wie den höchsten Schatz. Dafür geben sie alles. Die Jünger z.B. Sie verlassen Vater und Mutter, verzichten auf Frau und Kinder. Sie wollen hinaus und jedem erzählen die großartige Idee vom Reich Gottes. Dafür geben sie Leib und Leben.

Lb. Gl. Wie ist es mit dir? Wer ist dein Schatz? Ist doch klar: Deine Frau, deine Kinder. Die sind dir alles wert. Die würdest du nicht hergeben um keinen Preis der Welt. Das ist gut so. Du bist ja kein Wanderprediger. Aber in deinem Herzen bleibt immer noch ein bisschen Platz für einen geistigen Schatz, für die Botschaft Jesu. Diesen Platz willst du freihalten für die gute Botschaft, weil sie wichtig ist für dein Leben. Die beste Familie kann auf Dauer nicht harmonisch und glücklich sein ohne geistige Werte.

Gott allein hat eine brauchbare Lösung für die großen seeli­schen Probleme, etwa für das Problem der Sünde und des Todes. Er gibt dir die wichtigsten Lebensweisheiten in die Hand. Wie du mit deinen Mitmenschen umgehen sollst, wie mit deinem Gegner und Feind, das sagt er im Gebot der Nächsten- und Feindesliebe. Er gibt dir letztlich die Geborgenheit und Sicher­heit, die kein Mensch auf Erden dir geben kann, nicht einmal der beste Partner. Das Leben mit Gott, das Leben im Reich Gottes wird zwar nicht unbedingt bequemer, aber es wird sinnvoller und reicher. Es gab und gibt zu allen Zeiten Menschen, die den tatsächlichen Wert dieses Schatzes erkennen und dafür alles drangehen.

Lb. G1. Auch wir sind unruhig und ständig unterwegs, ständig auf der Suche, ein wenig Glück zu finden. Wir sammeln Geld, Kleider, tausende Habseligkeiten und häufen sie auf. Und statt einen Haufen Glück haben wir einen Haufen Zeug, das uns mehr belastet als freut. Geben wir uns Mühe, nehmen wir uns Zeit, den bleibenden Schatz zu finden, im Gebet, im Lesen der Bibel. Bei jeder messe hören wir ein Stück. Und er begegnet dir hautnah in der Hl. Kommunion. Du findest ihn im Bestaunen der Natur! Suchen wir jenen Schatz, der uns wirklich reich und glücklich macht. Suchen wir den, der uns erschaffen und erlöst hat, und für den auch wir eine kostbare Perle sind.

Dann könnten wir die gleiche Erfahrung machen wie der russische Dichter W. W. Rosa­now. Der hat sich lange Zeit nur für Kunst und Literatur interessiert. Als er Gott ent­deckte, sagte er: "Ich könnte jetzt auf alles Mögliche verzichten: auf mein Talent, auf die Literatur, auf Anerkennung und Ruhm. Aber nie mehr könnte verzichten auf Gott; denn Gott ist das, was mich am meisten wärmt.

 

 

2023 Lj. A: 16.So.i.Jahr: Unkraut – Vernichten?

Evangelium nach Matthäus (Mt 13, 22)

Jesus erzählte noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.  Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.  Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.  Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.  Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Impuls:

Liebe Eltern, kennt ihr das auch? Kaum ist die Tochter imstande zu sprechen, beginnt die Kleine, alles nachzuplappern, was Erwachsene sagen. Da kommen Dinge daher, die treiben der Mama die Schamröte ins Gesicht. Die Eltern waren immer darauf bedacht, den Kindern zu zeigen, was gut und anständig ist, was richtig und falsch. Und es wird noch schlimmer, wenn die Tochter in den Kindergarten und in die Schule geht. Was da alles daherkommt, schrecklich! Woher hat sie denn das? Die Psychologen nennen das die "geheimen Miterzieher". Kinder werden von vielen Einflüssen geprägt. Am meisten von einer soliden Erziehung durch die Eltern, durch gute Pädagogen und Lehrer. Aber da mischen auch noch andere mit: die Verwandten, Mitschüler, Freunde, gute und weniger gute, manchmal sogar richtig böse Elemente, die bewusst schaden wollen.

Feindselige Menschen hat es immer schon gegeben und es gibt sie auch heute, Menschen, die Böses tun aus Neid und Eifersucht oder aus blindem Hass. Ausrotten? Kann man sie nicht. Wir müssen damit leben. Jesus sagt: Lasst beides wachsen bis zu Ernte. Sonst reißt ihr mit dem Unkraut auch guten Weizen aus. So ist es. Oft ist der Weizen vom Unkraut kaum zu unterscheiden. Ob gut oder schlecht, erkennt man nicht sofort. Jesus meint: Erst an den Früchten werdet ihr sie erkennen. Also reichlich spät, oftmals zu spät, wenn die Bösen bereits großen Schaden angerichtet, andere verführt und auf schiefe Bahn gebracht haben. Da drängt sich die Frage auf: Was tun mit dem Unkraut? Nicht doch lieber ausreißen und vernichten? Jesus sagt: Nein, lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn Jesus das Unkraut auch noch so gelassen sieht: einfach wachsen lassen; so einfach ist es nicht. Kann man denn gar nichts tun? O doch. Ich mach es so: Wenn jemand ständig saure oder gar giftige Früchte bringt, wenn er mich belastet oder hinunterzieht, dann geh ich auf Distanz. Psycho-Hygiene ist angeraten.

Grundsätzlich besitzt jeder Mensch das Geschenk der Freiheit. Er kann sich frei entscheiden für das Gute - oder für das Böse. Wenn er jedoch anderen schweren Schaden zufügt, hat er das Geschenk der Freiheit verspielt. Er muss isoliert werden oder gar eingesperrt. Das Recht auf Leben bleibt ihm weiterhin. Dann hat er auch die Möglichkeit, sich zu bekehren, was gar nicht selten geschieht.

Lb. Gl. Wenn Jesus so gelassen vom Unkraut spricht, dann deshalb, weil er überzeugt ist, dass das Gute stärker ist als das Böse. Stimmt das? Beispiel: Es kommt gar nicht selten vor. Da gibt es Schüler, die zu mündigen und starken Persönlichkeiten erzogen worden sind. Menschen mit Zivilcourage. Und die schaffen es, groben Flegeln, die andere belästigen und mobben, entgegenzutreten: Lass sie in Ruh! Die hat dir überhaupt nichts getan! Jesus meint: Lasst beides wachsen bis zu Ernte. Ob die Bösewichte überleben sollen und wie, das entscheidet einzig und allein der Herr des Lebens, und zwar beim Endgericht.

 

 

2023 Lj. A: 15.So.i.Jahr: Sämann und Samen.

Evangelium nach Matthäus (Mt 13, 1-23)

An jenem Tag setzte sich Jesus an das Ufer des Sees.  Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.  Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.  Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.  Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.  Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.  Wer Ohren hat, der höre! Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du in Gleichnissen? Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen. ihnen aber nicht, denn ihre Herzen sind verhärtet. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Impuls:

Die Lehrpersonen haben es nicht leicht. Jeden Tag müssen sie vor die Schüler hintreten und ihnen Dinge erklären, die gar nicht so einfach sind. Jesus ist in der gleichen Situation. Er hat es noch schwerer. Sein Lehrstoff ist ja nichts, was man sehen, zählen und messen kann. Sein Lehrstoff ist etwas Geistiges. Das Reich Gottes will er errichten, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Schwierig zu erklären. Er versucht es immer wieder mit Gleichnissen. Und auch die sind alles andere als einfach. Auch sie brauchen eine Erklärung. Sogar die Jünger tun sich schwer, seine Gleichnisse zu verstehen. Sie beschweren sich: Warum redest du immer in Gleichnissen? Seine Antwort ist verwunderlich: Meine Gleichnisse sollen gar nicht alle verstehen und sie können es gar nicht, denn ihre Herzen sind steinhart. Den Auserwählten erklärt er dann das Gleichnis. Wenige Zeilen darunter finden wir seine Erklärung: Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.  Der Sämann ist Jesu. Der Samen das Wort Gottes. Der Boden ist das Herz der Menschen. Immer, wenn ein Mensch das Wort vom Reich Gottes hört und es nicht versteht, kommt der Böse Feind und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.  Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt wird, kommt er zu Fall.  In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.  Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Lb. Gl. Wie schaut es bei uns aus? Auf welchen Boden ist das Wort Gottes bei uns gefallen? Ich denke: steinhart sind unsere Herzen nicht. Sonst wären wir gar nicht da. Unsere Herzen werden ein guter Boden sein. Guten Willen haben wir genug. Vielleicht nicht immer den nötigen Eifer, das Wort Gottes zu pflegen durch Gebet und Gottesdienst. Immerhin: Früchte sind möglich, wenn schon nicht 100-, so doch 60- und 30-fach. Früchte des Reiches Gottes: Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Lb. Gl. Das heutige Evangelium ist ein großer Trost für alle, die ein wichtiges Wort sagen müssen, für Eltern, Erzieher und Seelsorger und Prediger. Ihre Worte kommen nicht immer an. Auch Jesus, der sogar mit Wundern aufwarten konnte, auch er hat nicht überall 100% - igen Erfolg.

Und übrigens: Nicht alle Früchte reifen schon im Hochsommer. Es gibt Spätzünder, die reifen erst im Spätherbst.

Liebe Eltern und Erzieher, liebe Seelsorger, wir müssen nicht besser sein als der liebe Gott. Stutzen wir die überzogenen Erwartungen. Die lassen uns viel zu schnell die Geduld verlieren - und dann greifen wir zur Gewalt. Eines ist klar: Mit Gewalt geht gar nichts. Am ehesten mit Geduld und Gelassenheit. Und im Vertrauen: Einige Worte werden schon was bringen, wenn nicht 100%, so doch vielleicht 30. Und wenn nicht heute, dann halt später irgendwann.

 

 

2023 Lj. A: 14.So.i.Jahr: Kommt alle zu mir!

Evangelium nach Matthäus (Mt 11,28)

In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

Impuls:

Was zeichnet einen guten Lehrer aus? Ganz einfach: Wenn er den Lernstoff gut erklären kann, mit wenigen Worten. Ach, lassen wir die Lehrer jetzt in Ruh! Sie haben Ferien, wohlverdiente Ferien. An ihrer Stelle bietet sich heute ein anderer an: "Lernt von mir!" sagt Jesus. Welche Lektion steht denn auf seinem Stundenplan? Die schwierigste, die es gibt. Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und belastet seid! Also alles, was uns das Leben schwer macht: Sorgen aller Art. Geldsorgen, familiäre Sorgen. Sorgen mit dem Partner, den Kindern, den Nachbarn, im Betrieb. Angst vor der Zukunft, eine Krankheit und vieles andere mehr. Da steht aber viel auf dem Stundenplan. Das schafft er nie in einer Stunde. Dafür brauchen Therapeuten 100 Gespräche und ein dickes Buch. Jesus schafft das mit 3 Sätzen. Lernt von mir: Ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden. So einfach? Ja! In drei Sätzen bringt er die Therapie auf den Punkt. Gütig sein von Herzen. Das bedeutet: Sich nicht ständig fixieren auf das eigene Elend. Auf den anderen schauen. Was kann ich ihm Gutes tun? Und schon geht es auch mir viel besser. Gutes tun schüttet Glückshormone aus. Das bestätigen die Ehrenamtlichen in den verschiedenen Vereinen, in der Feuerwehr, Rettung, in den Chören und Musikkapellen. Dort findet man die sonnigsten Gesichter, obwohl auch sie ihre Probleme haben.

Dann sagt Jesus noch: Ich bin demütig von Herzen. In diesem altmodischen Wort steckt eine Menge Lebensweisheit. Demütig hat mit dienen zu tun. Es sollte dien-mütig heißen, bereit sein, zu dienen. Also gütig und dienmütig, das ist die Lösung vieler Belastungen, eigener und die unserer Mitmenschen. Demütig bedeutet auch bescheiden sein. Kommen nicht die meisten Probleme davon, dass wir alles andere als bescheiden sind? Wir wollen alles und zwar sofort. In dieser egoistischen Einstellung kommen wir schnell in Konflikt mit unseren Mitmenschen. Und wir kommen zudem in Konflikt mit unseren begrenzten Finanzen. Wir können uns eben nicht alles leisten, was sich der Nachbar leisten kann. Dann beginnt es in uns zu bohren, die Eifersucht, der Neid,… Alle negativen Gefühle haben das Potential für Feindschaft und Hass. Der Hass nagt und belastet uns bei Tag und Nacht. Er lässt uns keine Ruh. Unerträgliche Ruhelosigkeit.

Lb. Gl. Jesus liefert die Therapie in zwei Sätzen: Ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ich Ruhe finden für euere Seele. Diese Sätze wollen wir uns ins Herz hineinschreiben und auswendig lernen – als Nachhilfestunde für den Sommer und für den Rest des Lebens: Ich bin gütig und von Herzen demütig.

 

 

2023 Lj. A: 13.So.i.Jahr: Wer Vater und Mutter mehr liebt,

ist meiner nicht wert!

Evangelium nach Matthäus (Mt 10, 37)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.  Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.  Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen einsetzt, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Impuls:

Was sagt er da? Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert? Jesus mehr lieben als meine Eltern und Geschwister? Gott sei Dank verlangt er das nicht von uns, sondern nur von seinen Jüngern. Und für die ist das absolut stimmig. Ein Wanderprediger kann keine Familie haben. Er muss frei sein. Die Jünger müssen Prioritäten setzen. Jesus und seine Botschaft sind an erster Stelle. Erst dann kommen die Verwandten.

Lb. Gl. Die richtigen Schwerpunkte setzen, das ist auch für uns wichtig. Insofern ist das heutige Evangelium eine gute Lektion. Wenn wir es nicht schaffen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, kommen wir gehörig ins Schleudern.

Beispiel:

Ein Familienvater möchte es allen recht machen: Seinen alten, hilfsbedürftigen Eltern. Er fühlt sich für sie verantwort­lich. Das kostet Zeit und Nerven. Zugleich sollen auch seine Frau und seine drei Kinder nicht zu kurz kommen. Außerdem will er den hohen Anforderungen seiner Firma entsprechen. Da heißt es oftmals, Überstunden machen.  Was ihm am meisten zu schaffen macht: Seine Eltern und seine Frau sind wir Hund und Katz und voller Eifersucht. Wenn er die Eltern besucht, ärgert sich die Frau. Sie fühlt sich vernachlässigt. Irgend­wann wird ihm alles zu viel. Ein Bourne-out nimmt ihn schließlich aus dem Spiel. Er fällt für lange Zeit aus und niemand weiß, wann und wie er wieder weitermachen kann.

Lb. Gl. Lernen wir von Jesus. Jesus legt für seine Jünger ganz klare Schwerpunkte fest: Er und seine Botschaft sind wichtiger als die Familie, auch wenn es der Familie ganz und gar nichts passt. Würde ein Wanderapostel auf seiner Mission immer wieder umdrehen und Familienbesuche machen, das könnte er nicht durchhalten, beim besten Wilen nicht. Die richtigen Schwerpunkte setzen, ganz wichtig, auch für uns, überlebens-wichtig. Wenn wir ratlos sind, können wir Jesus fragen: Was soll ich tun?

Der bedauernswerte Familienvater will es allen recht machen. Er kann nicht "Nein" sagen, das macht ihn fertig. Er vergisst etwas ganz Wichtiges. Jesus gibt einen wichtigen Tipp:  Neben der Nächstenliebe gibt es auch die Selbstliebe, gleichwertig mit der Nächstenliebe. Die Selbstliebe, ein Selbstschutz. Das hat mit Egoismus nichts zu tun. Liebe bis zum Umfallen ist keine christliche Tugend, sondern Dummheit. Zudem könnte Jesu Geist uns helfen, Menschen zu durchschauen, ob die anderen von echter Nächstenliebe erfüllt sind, oder ob sie voller Ichsucht nur fordern und fordern… und schließlich über-fordern. Einem ausgesprochenen Egoisten muss man nicht alle Wünsche erfüllen, auch wenn es die engsten Angehörigen sind. Wenn man sich überfordert fühlt, sollte man Klartext reden, den anderen sagen. Ich schaffe das nicht mehr. Ich muss Abstiche machen. Ich bitte um Verständnis. Abstriche machen, das bist du dir und deiner Gesundheit schuldig; und es entspricht dem wichtigsten Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben, aber ebenso dich selbst.  

  

 

 

2023 Lj. A: 12.So.i.Jahr: Menschenfurcht

Evangelium nach Matthäus (Mt 10, 26)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.  Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.  Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als alle Spatzen zusammen. Fürchtet euch also nicht

Impuls:

Es gibt Gemeinden, die klagen: Wir finden keinen geeigneten Bürgermeister. Die besten Köpfe, die man bettelt: Bitte mach es doch, du hast das Zeug dazu; die besten sagen: Nein, das tu ich mir nicht an. Da wirst du nur zum Trottel gemacht. Die Ansprüche der Menschen werden immer unverschämter. Der Bürgermeister muss alles richten. Wenn nicht, wird er als Taugenichts beschimpft. Nein, das tu ich mir nicht an.

Ähnliches gibt es in manchen Schulen. Sie finden keinen geeigneten Direktor mehr. Die geeigneten Köpfe sagen: Das tu ich mir nicht an. Wenn es Probleme mit Schülern gibt, hast du gleich die Eltern auf dem Hals, die dich beschimpfen. Du wirst verantwortlich gemacht für alle Fehler, die andere machen, die Lehrpersonen und die Eltern. "Nein, das tu ich mir nicht an"! Was ist die Folge? Dann bekommen die wichtigen Ämter nicht die besten Leute, sondern solche, der sich selbst überschätzen und das größte Mundwerk haben. Schade für das Dorf, schade für die Schule. Schade für uns alle! Vom heutigen Evangelium können wir lernen. Jesus sendet seine Jünger aus zum Predigen. Er weiß, was auf sie zukommt. Sie sind bestens ausgebildet vom besten Lehrer. Sie können sogar Wunder tun, Kranke heilen und Dämonen austreiben. Das wird den Leuten gefallen und sie werden die Jünger verehren wie Götter. Aber es gibt auch jede Menge andere, denen ihre Botschaft zuwider ist. Von denen werden sie beschimpft, bedroht, sogar gefoltert und umgebracht. Darauf will Jesus sie vorbereiten. Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Jesus beschönigt nichts. Jesus macht so was wie einen psychologischen Crash-Test. Nur, wenn du breit bist, was einzustecken, bist du geeignet für diesen Beruf. Jetzt haben sie die Wahl: Entweder hinein in die Höhle des Löwen oder: Das tu ich mir nicht an. Und? Sie haben es sich angetan. Sie haben die wunderbare Botschaft verkündet. Durch ihren Einsatz gelangte sie bis in den letzten Winkel der Welt, sogar nach Lienz. Das verdanken wir unerschrockenen Männern und Frauen, Leuten ohne Menschenfurcht, fest verankert in Gott.

Lb. Gl. Auch wir haben hochtalentierte Menschen unter uns. Auf sie warten wichtige Aufgaben in den Gemeinden, in den Schulen und Krankenhäusern und in anderen Bereichen. Auch für sie wäre ein psychologischer Crash-Test nützlich. Klartext: Was wird auf mich zukommen? Ja, was denn? Ein wichtiger Dienst für die Menschen. Ich kann viel Gutes bewirken für die Menschen. Klar wird es Wichtigtuer geben, die alles besser wissen und alles kritisieren. Da ist es gut zu wissen: Wer sind denn diese Leute? Meist sind es frustrierte Typen, die ihr eigenes Leben nicht in die Reihe kriegen. Die werden immer schimpfen und lästig sein. Aber vergiss nicht:  Du hast auch gutgesinnte Leute an deiner Seite und den Besten von allen, den lieben Gott, der nichts anderes will, als dass du deine Talente einsetzt zum Segen für die Menschen. Vertreibe die Menschenfurcht. Fürchte dich nicht! Nimm die Herausforderung an. Sonst bekommen Nichtskönner die wichtigen Posten. Hab Mut und "tu's dir an" – so wie die Apostel. Und du wirst ein Segen sein für viele und für dich selbst.  

 

 

2023 Lj. A: 11.So.i.Jahr: Herz Jesu.

Evangelium nach Matthäus (Mt 11, 25)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.  Ja, Vater, so hat es dir gefallen.  Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.  Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.  Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht. regelrecht

Impuls:

Wo sitzt unser Verstand? Im Kopf natürlich, so denkt das Volk ganz einfach und unwissenschaftlich. Wenn ich eine gute Idee habe, tippe ich mit dem Zeigefinger an die Stirn: "Köpfchen". Wo sitzt die Liebe? Wenn mich etwas berührt, greife ich ans Herz. Das Herz ist neben dem Gehirn das wichtigste Organ. Es arbeitet rund um die Uhr und versorgt den Körper mit lebenswichtigen Nährsoffen. Das Herz ist jedoch ein sehr sensibles Organ. Wenn man es überfordert, kann es schon mal streiken: Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen. Neuerdings haben Fachleute ein neues Phänomen entdeckt: Das "Broken-Heart-Syndrom", das Gebrochene Herz, den psychischen Herz-Infarkt. Liebeskummer und andere schmerzliche Erfahrungen, Stress und schwere Enttäuschungen können mir das Herz brechen. Die Symptome sind die gleichen wie beim Herzinfarkt: Atemnot, Engegefühl in der Brust. Herzrasen, Schweißausbrüche und anderes…

Ja, das Herz, ein äußerst empfindsames Organ. Wir vermuten dort den Sitz unserer kostbarsten Gefühle wie Liebe, Barmherzlichkeit, Mitgefühl, Dankbarkeit… Schön, aber es gibt auch die andere Seite. Da wird das Herz zur Mülldeponie und zur Mördergrube. Jesus selber sagt: Aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken: Neid, Eifersucht, Mord, Ehebruch, Diebstahl, Lüge und Verleumdung, Hass- und Rache-Gefühle und vieles mehr (Mt 15). Da ist dann immer wieder Reinigung und Entsorgung dringend nötig. Denn all die negativen Gedanken und Gefühle können uns ebenso belasten und krank machen wie der Stress.

So, und dieses sensible Organ steht heute im Mittelpunkt. Wir feiern das Herz-Jesu-Fest. Ich denke: Heute ist unser Herz voll von positiven Gefühlen. Nun, unser Herz kommt nicht so in Wallung wie etwa bei Verliebten. Bei denen kann das Herz regelrechte Freudensprünge machen. Freudensprünge macht unser Herz heute nicht. Warum eigentlich nicht? Nun, es ist nicht leicht, große Gefühle zu haben zu einem Wesen, das ich nie im Leben gesehen habe. Nur ganz wenige Menschen können das. Die Mystiker z.B. Unser Ordensvater Franziskus konnte richtig ausflippen, wenn er an Jesus dachte und an alles, was er für uns Menschen getan hat, bis hin zu seinem Tod am Kreuz. Franziskus war berauscht von der Liebe zu Jesus. In diesem Rausch konnte er von einem Baum 2 Äste abbrechen. Den einen hat er als Geige benutzt, den andern als Bogen. Wie ein Verrückter hat er Geige gespielt und dazu die schönsten Liebeslieder gedichtet für seinen Liebling Jesus. Beneidenswert, diese glühende Liebe zu Jesus. Solche Liebe haben wir nicht. Leider. Sind wir deswegen schlechtere Christen? Ganz und gar nicht. Jesus hat ja selber beschrieben, wie er sich wahre Liebe vorstellt. Nicht derjenige, der am schönsten Geige spielt für mich, ist es, der mich liebt, sondern, wer den Willen meines Vaters tut. Liebe ist also nicht in erster Linie eine Sache des Gefühls, sondern der Treue.

Lb. Gl. Auf dieser Ebene können auch wir mithalten und große Liebesdienste leisten. Wer den Willen meines Vaters tut, der ist es, der mich liebt (Joh 14,21). Jeder noch so kleine Liebesdienst für Gott und für die Menschen ist mehr wert als das rührendste Liebeslied für Jesus.

 

 

2023 Lj. A: 10.So.i.Jahr: Mit Sündern an einem Tisch.

Evangelium nach Matthäus (Mt 9,9-13)

In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm.  Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.  Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.  Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Impuls:

Jesus hat sich wieder einmal danebenbenommen. Die Gesetzeslehrer beschweren sich lautstark bei seinen Jüngern: Wie kann euer Meister mit so einem Gesindel essen? Da muss einem anständigen Juden doch jeder Bissen im Halse stecken bleiben. Jesus aber scheint sich wohl zu fühlen. Er sieht in diesen Leuten ja nicht ein dreckiges Gesindel, sondern irregeleitete, kranke Kinder, die einen Arzt brauchen und die richtige Medizin. Er versucht es nicht - wie die Gesetzeslehrer - mit Beschimpfung und Androhen von Höllenqualen. Jesus verabreicht die richtige Dosis an Verständnis und Liebe. Und er hat Erfolg mit seiner Therapie. Viele bekehren sich und beginnen ein anständiges Leben. Manche drängt es gar, ihm nachzufolgen. Ein strenger Gesetzeslehrer hat noch nie einen Sünder bekehrt.

Lb. Gl. Wie schaut es bei uns aus? Sind wir denn würdig, mit ihm an einem Tisch zu sitzen und mit ihm zu essen? Der gute alte Komponist Johann Hayden ist wohl eher pessimistisch, wenn er die ganze Gemeinde zur Kommunion singen lässt: O Herr, ich bin nicht würdig. Und noch einmal: O Herr, ich bin nicht würdig, zu deinem Tisch zu gehen. Heute sagt uns Jesus: Bei mir geht es nicht um würdig oder unwürdig. Das wäre das Gleiche, als würde einer sagen: Ich bin nicht würdig, zum Arzt zu gehen – in einem solchen Zustand! Natürlich zum Arzt, lieber heute als morgen! Bei Jesus ist jeder eingeladen, ob fromm oder weniger fromm. Die weniger Frommen und die Sünder finden bei ihm Barmherzigkeit und sein Verzeihen, und einen Tipp, was sie besser machen können, um wieder frei zu werden und glücklich. Die meisten Sünder sind ja nicht durch und durch böse, sondern einfach nur irregeleitete Schafe. Sie haben sich verrannt. Ohne einen Hirten sind sie Wege gegangen, die sie nicht glücklich, sondern krank gemacht haben. Was sie brauchen, ist nicht eine Verfluchung und Beschimpfung. Sie brauchen einen Arzt, der sie versteht und heilt.

Lb. Gl. So gesehen, hat jeder Platz an seinem Tisch. Sündenangst ist völlig fehl am Platz. Wenn Jesus Zöllner und schwere Sünder in seiner Nähe haben will, warum dann nicht auch uns? Wir können nur Danke sagen für solche Großherzigkeit, solches Verständnis und solches Erbarmen. Dieses Erbarmen des Gastgebers macht es möglich, dass wir bei unseren Gottesdiensten eine dermaßen bunte Mischung haben. Ansehen und Frömmigkeit sind da keine Auswahlkriterien. Da sitzt der Primar neben dem Stockmädchen, der Professor neben der Aufräumerin und der Strafentlassenen neben derNonne. Sie alle brauchen den Arzt für Seele und Leib.

 

 

2023 Lj. A: Fronleichnam – Gebt ihr ihnen zu essen! ('2003)

Evangelium nach Matthäus (Mt 14,13-21)

In jener Zeit fuhr Jesus mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach.  Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.  Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.  Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.  Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten,  und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.  Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

Impuls:

Lb. Gl. Fronleichnam - eine tiefe Symbolik liegt in diesem Fest: Es steht unter dem Zeichen des Brotes. Mahatma Gandhi sagte einmal: Es gibt so viele hungernde Menschen auf der Welt, dass Gott nur in der Gestalt des Brotes zu uns kommen kann". Dieses Wort drängt uns zum Nachdenken gerade zu Fronleichnam, wo wir Jesus in der Gestalt des Hl. Brotes durch unsere Straßen tragen. Jesus selbst sagt: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit."

Ja, Lb. Gl: Der Hunger hat viele Gesichter. Millionen Menschen sind vom Hungertod bedroht. Nur ein Drittel der Menschheit kann sich täglich satt essen. Und neben dem Hunger des Magens gibt den Hunger der Seele: Kranke hungern nach Gesundheit, nach Fürsorge und Zuwendung. Einsame hungern nach der Nähe eines guten Menschen. Junge Men­schen hungern nach Freundschaft, nach einem Gespräch mit jemandem, der sie versteht. Arbeitslose hungern nach einer sinnvollen Aufgabe.

Viele Menschen hungern nach Frieden, nach dem Frieden im eigenen Land, in der eigenen Familie, auf dem Arbeitsplatz, viele hungern und sehnen sich nach einem Endes des Mobbings.

Als Jesus hier auf Erden war, hat er sich vor allem der hungernden und armseligen Menschen angenommen. Bei der Brotvermehrung hat der Tausende satt gemacht. Und den in der Seele Hungrigen gab er das Evangelium, die frohe Botschaft von der Güte und Zuwendung Gottes. Jesus hat nur drei Jahre hier auf Erden gewirkt. Er konnte nicht allen Hunger dieser Erde stillen und er wollte es auch nicht. Sein Leben sollte Signal, Beispiel für uns sein:

Wie ich gehandelt habe, so sollt auch ihr tun: Gebt ihr ihnen zu essen, so sagt er zu seinen Jüngern und er sagt es uns allen.

Gott hat seine Schuldigkeit getan: Er gab uns eine fruchtbare Erde. Es gäbe hier Nahrung genug für alle Menschen. Zudem gab er uns das Gebot der Nächstenliebe, das uns auffordert, unser Brot unsere Zeit und unsere Liebe mit anderen zu teilen. Wenn es heute noch so viele Hungernde an Leib und Seele gibt, dann ist nicht Gott daran schuld, sondern wir Menschen, die wir uns noch zu wenig um den Auftrag Gottes kümmern: "Gebt ihr ihnen zu essen."

Lb. Schw. u. Brüder: Wenn wir heute an Fronleichnam das hl. Brot der Hostie besonders verehren und in feierlicher Prozession durch unsere Straßen tragen, soll uns bewusst werden:

Jesus will Brot für uns sein. Er schenkt uns die Fruchtbarkeit dieser Erde, er schenkt uns seine ganze Liebe und Zuwendung. Also kommt zu ihm und esst von diesem lebendigen Brot. Lernt von seiner Frohbotschaft, die alle Menschen satt machen will an Leib und Seele.

 

 

2023 Lj. A: Dreifaltigkeit. Gott ist die Liebe

Evangelium nach Johannes: (Joh , )

Der Apostel Johannes schreibt: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.  Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.  Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet.

Impuls:

Lb. Gl. Wir wollen uns heute nicht streiten über das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Es besagt nämlich: Es gibt nur einen Gott, aber in diesem einen Gott sind drei Personen. Wie soll das gehen? Eins ist gleich drei. Jeder Marthe-Lehrer würde diese Gleichung bestrafen mit einer glatten Fünf. Dennoch, es bleibt: In dem einen Gott sind drei Personen. Es geht ja gar nicht anders. Wenn Gott die Liebe ist, dann geht es gar nicht anders. Es geht nicht ohne ein Du. Ohne Du verkümmert jede Liebe zur bloßen Selbstliebe, zum Tanzen um das eigene ICH. Gott ist die Liebe. Dazu braucht auch der liebe Gott ein Du. Für ihn ist es die Dreifaltigkeit. Also drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiliger Geist. Gott ist liebende Gemeinschaft. Und seine Liebe geht noch weit über die Dreifaltigkeit hinaus, hin zu den Menschen und zu allen seinen Geschöpfen. Das heutige Evangelium unterstreicht diesen Gedanken: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab. Vielleicht hast du dich schon gefragt: Was ist der wichtigste Satz der ganzen Bibel? Schwer zu sagen. Nicht einmal die Bibel-Profis wissen das genau. Oft sind es die einfachen ungebildeten Leute, die es wissen. Möglicherweise weiß es der Bauer Lin Ku, wie die folgende Geschichte erzählt:

Ein Missionar auf der Insel Borneo hatte dem Bauern Lin Ku eine Bibel geschenkt, das Neues Testament. Der begann, mit dem zarten Papier Zigaretten zu wuzeln. Die Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas waren bereits in Rauch aufgegangen. Er warf einen flüchtigen Blick auf das nächste Blatt: "Im Anfang war das Wort...las er da. Begreife ich nicht, und riss das Blatt heraus. Aber als er den Tabak ins 3. Kapitel des Johannesevangeliums rollte, hielt er auf einmal inne. Er las die Worte: Gott hat die Welt so sehr geliebt... Was? Ein Gott, der liebt? Lin Ku kannte Götter, grimmige Wesen, die man bei guter Laune halten musste mit allen möglichen guten Werken und schmerzlichen Opfern. Er las weiter: dass er seinen Sohn hingab… Da ging Lin Ku zum Missionar, um sich ein neues Buch zu holen, dieses Mal zum Le­sen. Ein einziger Satz hatte genügt, um den Bauern neugierig zu ma­chen.

Lb. Gl. Was kann dich noch neugierig machen? Ein tolles Geburtstags-Geschenk, eine Reise in ein fernes Land? Ein neues Kleid? Ein neues Smartphone? Oder genügt auch einmal ein Satz, ein liebes Wort, das wir schenken oder bekommen: Ich mag dich, ich brauche dich. Gott sagt uns heute sein liebstes Wort, Jesus, das Wort, das Fleisch geworden ist.

Lb. Gl. "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab!" Der Satz geht noch weiter: damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das Leben hat." Der Sohn hat die Macht, Leben zu schenken, erfülltes und glückliches Leben – schon auf dieser Welt. Das haben unzählige Menschen hautnah erfahren dürfen: die Hungrigen, die er satt gemacht, die Kranken, die er gesund gemacht hat. Er kann vieles von uns nehmen, was uns belastet: Ängste, Traurigkeit, Einsamkeit, das schlechte Gewissen, das uns nicht in Ruhe lässt bei Tag und Nacht. Und seine Lebensweisheiten können uns davor bewahren, dass wir nicht in jedes Fettnäpfchen tappen.

Lb. Gl. Ich weiß nicht, ob du ein Raucher bist und ob auch Du die Bibel als Zigarettenpapier verwendest. Selbst wenn die ganze Bibel in Rauch aufgeht, einen Satz solltest du unbedingt behalten, als eiserne Ration zum Überleben: Gott hat die Welt, Gott hat mich so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

 

 

2023 Lj. A: Pfingsten: Hl. Geist Was kann er denn?

Evangelium nach Johannes (Joh 20,19)

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.  Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.  Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Impuls:

In Sturm und Feuerzungen kommt der hl. Geist auf die Menschen herab. Was macht er denn für einen Wirbel? In Sturm und Feuerzungen.  Wozu denn dieser Lärm? Nun, man muss bedenken: Damals wussten die Menschen rein gar nichts über den Hl Geist.  Sie kannten nur den einen Gott "Jahwe". Erst Jesus verkündet den dreifaltigen Gott. Er selbst ist der Sohn des Vaters im Himmel. Und den Jünger verrät er noch: Ich werde euch einen Tröster senden, den Hl. Geist. Davon erzählt das heutige Pfingstfest. Dieser Unbekannte musste sich erst vorstellen. Und das macht er gründlich. So, dass er nicht überhört und übersehen werden kann. Die Apostel müssen den Leuten erklären: Das ist er jetzt, der Hl. Geist, den Jesus angekündigt hat.

Und wir fragen uns jetzt: Was kann er denn, der Hl. Geist, wenn er so einen Wirbel macht? Nun, er kann einiges:

Paulus nennt einige Gaben des Hl. Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue,  Sanftmut und Selbstbeherrschung. Außerdem:

Der Hl Geist macht, dass du lebst. Er ist dein Lebensatem.

Er ist der Antrieb, dass du lieben kannst und glauben.

Du lebst - bald voller Begeisterung und quicklebendig

manchmal auch lahm und ohne Schwung.

Der Geist weht, wo er will und wie er will.

Manchmal stürmisch:

eine stürmische Begrüßung

eine zündende Rede,

eine feurige Diskussion.

Manchmal ganz leise und still:

Eine sanfte Umarmung

Ein kleines Zeichen der Anerkennung

Eine Geste der Zuwendung

Ein tröstendes Gespräch

Ich glaube, dass der Hl. Geist mich vor Unheil bewahren kann.

Ich glaube, dass er mir hilft,

meine Niedergeschlagenheit zu überwinden,

Angst und Traurigkeit zu besiegen,

meine Gleichgültigkeit zu bewältigen.

meine schlechten Gewohnheiten zu ändern;

meine Vorurteile abzubauen.

Ich glaube, dass er mir Kraft für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er mir Liebe und Aufmerksamkeit ins Herz legen kann für meine Schwestern und Brüder.
Lieber Hl. Geist, und die Gaben, die du mir persönlich geschenkt hast und immer wieder schenkst, das bleibt unter uns. Sonst denken manche: So ein Angeber.

Ich kann nur sagen: Danke, lieber hl. Geist.

 

 

2023 Lj. A: 7. Osterso: Ewiges Leben – was ist das?

 

Evangelium nach Johannes (Joh 17,1)

In jener Zeit – es war beim Letzten Abendmahl – da erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.  Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.  Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus, den du gesandt hast.  Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.  Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 

Für sie bitte ich; bewahre sie, damit sie alle eins sind, so wie wir. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt fortnimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.

Impuls:

Lb. Gl. Heute werden wir zurückversetzt zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Sie sitzen in vertrauter Runde beisammen, Jesus und seine Jünger. Die Stimmung ist durchwachsen. Einerseits feierlich und erhebend. Sie feiern Ostern voraus. Dabei reicht er ihnen verwandeltes Brot und verwandelten Wein, seinen Leib und sein Blut - als Zeichen seiner ständigen Gegenwart. Sie sollen ja immer wieder das Gleiche tun: sich regelmäßig treffen zum gemeinsamen Brotbrechen und dabei an Jesus denken. Aber eine frohe Stimmung kommt nicht wirklich auf. Die Feier schmeckt zu sehr nach Abschied. Während der Feier erhebt Jesus seine Augen zum Himmel und spricht ein Gebet: Vater, die Stunde ist gekommen, da dein Sohn verherrlicht wird, das heißt: zu höchsten Ehren kommt, weil er bereit ist, sein Leben hinzugeben für die Sünden der Welt. Vater, du hast deinem Sohn Macht gegeben über alle Menschen; und du schenkst ewiges Leben all jenen, die dich erkennen und deinen Sohn. Mein Gott, wie schafft er das, das Wichtigste unseres Glaubens in 2 Sätze zu packen. Ewiges Leben, das ist doch der Hauptzweck unseres Glaubens. Aber was ist ewiges Leben? Wie kann ich es erwerben? Wie hoch ist der Preis? Jesus sagt das in einem Satz: Ewiges Leben ist: Gott zu erkennen und seinen Sohn. Gott erkennen und Jesus - was soll das heißen? Muss ich gebildet sein, um „Gotteserkenntnis" zu erlangen? Nein, mit Intelligenz hätten wir keine Chance! Selbst die gebildetsten Philosophen und Wissenschaftler müssen kapitulieren vor der Aufgabe, Gott umfassend zu erkennen und zu beschreiben. Gott ist der ganz Andere – der alles Begreifen übersteigt. Aber vielleicht meint „Erkennen" gar nicht in erster Linie eine Leistung des Verstandes, sondern ein langsames „Kennenlernen". Jesus hat uns einiges vom Wesen Gottes gezeigt durch sein Leben und sein Wirken. Seither haben wir wenigstens eine Ahnung von Gott. Er muss – so wie Jesus - unendlich gütig sein und barmherzig, Liebe in Person, absolut verlässlich. Ihm können wir voll und ganz vertrauen. "Ewiges Leben" bedeutet zunächst: Gott kennenlernen. Und das beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern schon hier im irdischen Leben.

"Erkennen", dieses Wort hat allerdings eine viel tiefere Bedeutung. Die Bedeutung von "Erkennen", wird uns erklärt in der Josef-Geschichte. Da heißt es: Josef nahm Maria als seine Freu zu sich, "erkannte" sie aber nicht. Das heißt: er hatte keine intime Liebesbeziehung. "Erkennen" bedeutet bei den Juden also Liebesbeziehung. Eine solche verlangt Gott von seinen Kindern: Sie sollen den Vater lieben und seinen Sohn. Dann bekommen sie ewiges Leben. Das allein ist der Preis und kein anderer.

Lb. Gl. Ewiges Leben beginnt also schon hier und jetzt. Leben mit Gott und Liebe zu Gott bringt uns hier auf Erden schon Geborgenheit, Kraft, Wegweisung und Freude. Und ich bin schon sehr gespannt, was Gott in der Ewigkeit für uns bereithält. Drüben gibt es dann Leben in Fülle. Jesus selber macht uns neugierig, wenn er sagt: Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was Gott denen Schönes bereitet, die ihn lieben.

 

 

2023 Lj. A: Christi Himmelfahrt: (Ev. Lj B) Sendung

Evangelium nach Markus (Mk 16, 15)

In jener Zeit erschien Jesus den elf Jüngern und sagte zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet. Durch euch werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werdet ihr Dämonen austreiben. Und die Kranken, denen ihr die Hände auflegt, werden gesund. Nachdem Jesus, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.  Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Wunder-Zeichen, die er geschehen ließ.

Impuls:

In manchen Orten gibt es noch den Brauch, dass sich bei einem Todesfall die Angehörigen sechs Wochen nach der Beerdigung noch einmal zu einem Gottesdienst treffen. 6 Wochen, das ist erfahrungsgemäß eine Zeitspanne, wo das Wichtigste erledigt und der erste Schmerz über den Verlust eines geliebten Men­schen ein bisschen abgeklungen ist. Für viele ist es eine Zeit, in der sie erst begreifen, dass der Tote wirklich tot ist. So dass sie nicht mehr bei jedem Geräusch meinen, der Verstorbene kommt durch die Tür und sagt: "Ich bin wieder da." Jetzt steht das Gefühl im Vordergrund: Ich bin mutterseelen allein und verlassen. Der Geliebte fehlt. Da ist eine Lücke, die schmerzt. In dieser Situation kann es helfen, sich mit anderen zu treffen, sich zu erinnern, über die Spuren, die dieser Mensch hinterlassen hat, mitei­nander zu reden. Auch miteinander zu beraten, wie es weitergehen kann.

6 Wochen, eine psychologisch wichtige Zeit.

Eine psychologisch wichtige Zeit. Das weiß auch Jesus. 6 Wochen nach seinem Tod erscheint er den Jüngern. Jetzt haben sie seinen Tod einigermaßen verdaut. Jetzt haben sie den Kopf frei für einen Neuanfang. Jesus gibt ihnen den Auftrag für ihr künftiges Leben: Predigen und Sakramente spenden. Jetzt wissen sie, was sie zu tun haben. Es ist alles gesagt. Da schwebt er plötzlich nach oben und ist nicht mehr zu sehn – wie von einer Wolke verschluckt. Das hat sie wiederum bedrückt und gelähmt. So können sie nicht zu den Menschen gehen und anfangen zu predigen, jetzt noch nicht. Sie gehen in den Tempel und verharren im Gebet. Noch 10 Tag lang. Sie brauchen noch ein bisschen Zeit, seinen endgültigen Abschied zu verkraften.  Sie wissen nicht, wie das werden soll: Zu den  Menschen gehen und predigen. In 10 Tagen wissen sie es plötzlich ganz genau. Dann nämlich, als der

Hl. Geist über sie kommt, da geht ihnen ein Licht auf. Sie bekommen Mut, ihre Menschenfurcht zu überwinden. Vor 1000 Menschen predigen, das ist ja kein Klacks. Bei meiner ersten Predigt, da haben meine Knie ganz schön gezittert, das könnt ihr mir glauben, obwohl ich lange studiert habe. Als der Hl. Geist über die Jünger kommt, der Ratgeber, da wissen sie auch, was sie predigen sollen und was die Herzen der Menschen berührt. Darauf kommt es letztlich an. Sie fangen an zu predigen und auf der Stelle lassen sich 3000 Manchen taufen. Was für ein Erfolg! Einfache, ungebildete Fischer und ein solcher Erfolg. Nun, man muss wissen: Es ist ja nicht die Predigt von naiven Fischern. Es ist die Predigt des hl. Geistes. Jesus hat den Jüngern versprochen: Ich werde euch eingeben, was ihr sagen sollt. Das ist auch mir bewusst. Nicht umsonst bete ich vor jeder Predigt zum HL. Geist.  Er ist der Ratgeber, der eingibt, was ich sagen soll.

Lb. Gl. Eine wichtige Botschaft für alle, die den Glauben weitergeben. Sie dürfen sicher sein: Der Geist Jesu ist mit dabei - als Mutmacher, der mir hilft, lähmende Menschenfurcht zu überwinden; als Ratgeber, der mir eingibt, was ich sagen soll; und das wichtigste: Er ist da als Geist der Liebe. Das ist die Triebkraft, ohne die rein gar nichts geht. Erst die Liebe macht alles vollkommen.

Also, liebe Schwestern und Brüder, habt Mut und sagt die wunderbare Botschaft weiter, nicht durch gescheite Predigten, sondern durch euer Beispiel, durch das Beispiel eines begeisterten und glücklichen Christen.

 

 

2023 Lj. C 6. Ostersonntag. Muttertag

Evangelium nach Matthäus (Mt 22, 34)

Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben - sie wie dich selbst.

Impuls:

Liebe Mutter, wie geht's dir denn an deinem Ehrentag? Gemischte Gefühle. Oder? Da ist ein Gefühl der Freude, wie süß die Kleinen sind. Wie sie sich bemühen, den Frühstückstisch zu richten, einen selbstgepflückten Blumenstrauß zu überreichen oder ein selbstgemachtes Geschenk – mit einem netten Gedicht. Einfach nur lieb! Da gibt es aber auch das andre Gefühl: die bedrückende Frage: Dies alles nur an einem Tag? Liebe, Wertschätzung, Dankbarkeit... nur an einem Tag? Und die andern 354 Tage? Die sind oft nur ein Kampf. Ein Kampf mit zickigen, unfolgsamen Kindern. Und mit einem Mann, dem die Frau und Mutter immer zu wenig ist: Zu wenig gut als Köchin und Hausfrau, zu wenig gut als Managerin des Haushalts. Zu wenig gut als Erzieherin und Mutter. Und zu wenig gut als Partnerin, zu wenig schön. Dieses Zuwenig bekommt sie immer wieder aufs Butterbrot geschmiert. Dabei will sie doch eine gute Frau und Mutter sein. Weil aber keine Frau und Mutter perfekt ist, beginnt für sie der große Stress, um möglichst alle zufrieden zu stellen. Die geldgierige Werbebranche tut das Ihrige dazu. Ihre überzogenen Schönheits-Ideale und die Meinung anderer erzeugen einen immensen Druck. Immer mehr Frauen haben ständig das Gefühl, etwas an ihrem Körper verbessern und an­passen zu müssen. Immer gut aussehen, modisch, schlank und voller Elan. Umfragen zufolge mögen 90 Pro­zent der Frauen ihren Körper nicht, so wie er ist. „Dort könnte ich noch drei Zenti­meter weniger haben. Also noch eine Stunde Sport. Die Scheibe Brot? Nein, die esse ich nicht. Nicht wenige landen beim Schönheits-Chirurgen, in der Magersucht, im Übergewicht, im Fitnesswahn, im Sich-selbst-Verleugnen. Viele Frauen sind brutal zu sich selbst, vor allem durch den Erwartungsdruck von außen. Das ist einfach ungerecht: Ein Körper, der täglich so viel und so Großartiges leistet – und was machen viele Frauen? Sie kritisieren ihn und bestrafen sich selbst. Das habt ihr euch wirklich nicht verdient.

Liebe Frau und Mutter, sei gut zu dir selbst. Du bist es wert!

Du bist gut genug und schön genug, so wie du bist.

Noch was: die Oma. 

Die geldgierige Werbebranche weiß, wie und mit welchen Menschen man Geld machen kann. Mit den Müttern am Muttertag, Ein bisschen auch mit den Männern am Vatertag. Einen Ehrentag jedoch hat man glatt vergessen: Den Oma-Tag. Ist mit der Oma kein Geld zu machen? Offenbar nicht. Dabei ist sie so wichtig in der Familie, der Opa auch. Sie sind da, springen ein bei plötzlicher Erkrankung oder unvorhergesehenen Terminen. Sie leisten unbezahlte und unbezahlbare Arbeit. Großeltern sind ein unerschöpfliches Reservoir von Geschichten. Sie vermitteln Werte und können es sich gleichzeitig leisten, großzügig und nachsichtig zu sein. Heute ist ein guter Tag, den Omas und Opas Danke zu sagen.

Lb. Mütter, wenn auch einige Kinder und Partner den Wert der Mutter nicht gebührend schätzen. Es gibt viele, die es tun. Beispiel: Lassen wir ein Kind zu Wort kommen, die 23-jährige Tochter Melanie z.B. Sie sagt in wenigen Worten, was die Mutter ihr bedeutet: Liebe Mama, ein Leben ohne dich könnte ich mir nicht vorstellen. Du spürst genau, wann ich eine Umarmung brauche. Du bist meine beste Zuhörerin und fängst mich auf, egal, wie tief ich falle. Ein Leben ohne dich, nicht auszudenken. Niemand schafft es, so rasch mich aufzuheitern wie du. Danke, dass du mich in meinen Entscheidungen unterstützt, dass du zu hundert Prozent hinter mir stehst. Du bist mein ul­timatives Vorbild. Und ich freue mich, dass ich immer öfter bemerke, wie ähnlich ich dir geworden bin. In diesem Sinn, liebe Mütter und lb. Omas: Alles Liebe und Gottes Segen zum Muttertag.

 

 

2023 Lj. C 5. Ostersonntag. Wohnung i. Himmel bereitet.

Evangelium nach Johannes: (Joh 14, 1)

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

Impuls:

Was sagt er da: Ich gehe hin, um euch eine Wohnung zu bereiten? Da hat er sich aber was vorgenommen. Wenn das "Wohnung bereiten" drüben auch so mühsam ist wie hier auf Erden, dann gnade ihm Gott. Wohnung einrichten, davon können die meisten von uns ein Liedlein singen. Mit 23 Jahren und schon früher ziehen die Jungen aus, fort von den Eltern und richten sich eine Wohnung ein. Sie wollen frei sein und unabhängig. Ich habe mir eine Checkliste angeschaut, was da alles zu besorgen ist für Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Garderobe und Bad. Vom Küchentisch und Bett bis zum Kartoffelschäler, das sind 150 Stück. Und das ist noch lange nicht alles. Es braucht noch viel wichtigere Dinge: Gesunde Nahrung, sauberes Wasser. Wir Tiroler haben das in Hülle und Fülle. Viele Menschen jedoch haben keine Wohnung, auch in unserem reichen Land Tirol. Manche verdienen nicht genug, manche sind   auf der Flucht vor Hunger und Krieg.

Eine Wohnung haben, bedeutet weit mehr als nur Räume mit 150 Gegenständen. Es bedeutet: einen Platz haben, wo ich mich ausruhen und wohlfühlen kann. Es bedeutet: Heimat haben. Dazu braucht es vor allem Menschen, die Wärme und Behaglichkeit ausstrahlen, Menschen, in deren Nähe man sich wohl fühlt. Wahres Wohlbefinden bedeutet in erster Linie Liebe und Fürsorge – gegenseitiges Geben und Nehmen aller Bewohner, von den Kindern bis zu den Großeltern.

Zuhause-Fühlen, das ist uns wichtig. Das weiß auch Jesus. Deshalb spricht er vor seinem Abschied dieses wichtige Thema an. Euer Herz betrübe sich nicht und verzage nicht. Ich gehe, um euch beim Vater eine Wohnung zu bereiten. Aber nicht erst dort. Es gibt auf Erden schon so etwas wie ein Vorzimmer der Himmlischen Wohnung: Die Kirche. Da können wir jetzt schon Gottes Nähe und Geborgenheit erfahren, besonders in der Hl. Kommunion. Für das Vorzimmer sind wir Menschen zuständig.

Von uns wird es gebaut, eingerichtet, gereinigt, geschmückt und in Stand gehalten. Eine schwierige und kostspielige Sache für jede Pfarre. Weniger Sorgen müssen wir uns machen um die Wohnung im Himmel. Dafür ist ein anderer zuständig. Er sagt: Ich gehe zum Vater, um euch eine Wohnung vorzubereiten. Eine Wohnung im Himmel ist allerdings wesentlich einfacher als hier auf Erden. Im Himmel haben wir einen Geistleib, da fällt einiges weg. Wir brauchen keine Küche, kein Bad und kein Bett. Aber was wir sehr wohl brauchen: Jede Menge Nahrung für's Herz: Liebe, Geborgenheit, Austausch mit lieben Menschen und mit Gott, ihre Nähe und Wärme.

Lb. Gl. Wir haben Grund zu danken. Wir haben eine Wohnung, ein behagliches Zuhause. Und wir haben ein Vorzimmer des Himmels, eine Kirche, wo Gott höchstpersönlich anwesend ist. Wo er mit uns das Leben feiert. Das Leben mit allem Drum und Dran, mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid. Und es wartet auf uns eine Wohnung im Himmel, wo wir Freude in Fülle erleben.

 

 

2023 Lj.C 4. Ostersonntag: Jesus, der gute Hirt

Evangelium nach Johannes (Joh 10, 1)

Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber.  Wer aber durch die Tür hineingeht, der ist der Hirt der Schafe.  Die Schafe hören auf seine Stimme. Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie auf gute Weide.  Wenn er seine Schafe herausgeführt hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.  Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen.  Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Impuls:

Jeder Beruf hat sein Berufs-Profil. Was ist das? Es ist die Zusammenfassung der Leistungen, die in einem Beruf zu erbringen sind. Die Liste der Leistungen ist unterschiedlich lang. Je anspruchsvoller ein Beruf, desto länger die Liste. Bei einem Straßenkehrer ist die Liste eher kurz. Bei einem Lehrer schon wesentlich länger und noch länger bei einem Chirurgen. Er ist ja Arzt und Handwerker in einer Person. Wie ist es bei Jesus? Welchen Beruf hat er denn? Sohn Gottes. Ist das ein Beruf? Ich weiß nicht. Messias? Ja. Ein völlig neuer Beruf. Keiner kennt sein Berufsprofil. Er selber muss es beschreiben. Er beschreibt seinen Beruf in Bildern und Gleichnissen, wie etwa: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Der Täufer Johannes nennt ihn das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Heute vergleicht sich Jesus mit einem Hirten. Nicht mit irgendeinem. Unter den Hirten gibt es ja solche und solche. Da gibt es die habgierigen, die die Schafe nur ausnützen. Sie starren nur auf das Fleisch und die Wolle. Jesus sagt: Ich bin der gute Hirt. Ich bin gekommen, dass es den Schafen gut geht. Dass sie Leben haben und es in Fülle haben. Die meisten Hirten sehen in ihrer Herde nur einen Haufen von dummen Schafen. Jesus nennt seine Herde "Kinder Gottes". Sie sind keine dummen Schafe. Ganz im Gegenteil. Wer sich für Gott entscheidet, ist hochintelligent. Er entscheidet sich für ein erfülltes und sinnvolles Leben. Jesus kennt die Seinen alle beim Namen. Das heißt: er hat eine persönliche, herzliche Beziehung zu jedem einzelnen. Wenn sich eines verirrt, geht er ihm nach bis er es findet und bringt es zur Herde zurück. Die Seinen sind auch intelligent genug, dass sie auf seine Stimme hören. Er hat ja alle Lebensweisheit, die wir brauchen, um uns zurechtzufinden im Wirrwarr dieser Welt und den richtigen Weg zu finden. Er ist die Wahrheit. Ihm liegt es fern, die Seinen zu täuschen, um sie auszunützen für eigene Zwecke. Mein Gott, was werden heute die Menschen getäuscht und ausgenützt, von der Werbung, von einigen Politikern. Von diesen Leuten will Jesus sich entschieden absetzen. Ich bin der gute Hirt. Ich will das Wohlergehen der Meinen. Mein eigenes Wohlergehen steht an zweiter Stelle oder gar an letzter, egal, ob es mich das Leben kostet. Jesus hat das Leben für die Seinen geopfert. Welcher andere Hirt wäre dazu bereit?

Lb. Gl. Der gute Hirt, ein schönes Bild. Das gilt es jetzt, auf unserer Zeit zu übertragen. Welche sind denn heute unsere Hirten? Da gibt es jede Menge: Vater, Mutter, Lehrer, Arzt, Politiker, Bürgermeister, Priester, Gruppenführer… Im Grunde sind es all jene, die andere Menschen führen und begleiten. Sind das jetzt allesamt gute Hirten? Kommt darauf an. Ob gut oder schlecht, das kann man ganz einfach ablesen, indem man den Gute Hirten zum Maßstab nimmt. Wer es gut mit den Seinen meint und das Beste für sie will, ist ein guter Hirt. Dem kann ich voll und ganz vertrauen, dem kann ich folgen. Wer mich hingegen nur ausnützt, wer nur seinen eigenen Nutzen sucht, wer mich für dumm verkaufen will, wenn ich einem solchen Hirten folge, dann bin ich wirklich ein dummes Schaf.

 

 

2023 Lj.C 3. Ostersonntag: Reicher Fischfang, Misserfolg.

Stell dir vor: Der Chef eines Familien-Betriebes stirbt plötzlich und unerwartet. Der Vater ist nicht mehr da. Was jetzt? Wie soll es weitergehen? Wer übernimmt den Betrieb? Wer die Verantwortung? Fragen über Fragen. Die Unsicherheit ist unerträglich.

Den Jüngern geht es ebenso. Der Meister ist weg. Was jetzt? Wie soll es weitergehen mit dem Reich Gottes, das ihm so wichtig war? Keiner von den Jüngern weiß einen Rat. Sie wollen nur auf und davon. Sie flüchten - in die Arbeit, die sie können. Zurück in ihren alten Beruf. Petrus sagt: Ich gehe fischen. Die anderen: Wir kommen auch mit. Ein starkes Team. Das wird ein Fang! Von wegen.  Sie rackern sich ab die ganze Nacht. Und kein einziger Fisch. Alles umsonst. Nicht sehr aufbauend, wenn das, was sie können, auch nicht mehr geht. Was für eine Niederlage.

Misserfolge gehen an die Psyche. Das kennen wir auch. Das kennt der Schüler bis hinauf zum Direktor und zum Chef. Niederlagen kommen über uns wie die Nacht. Sie rauben uns den Schlaf. Legen sich wie ein Schatten auf das Gemüt. Dumpfe Gefühle steigen auf: Ein Gefühl der Beschämung. Quälende Fragen: Was hab' ich falsch gemacht? Gewissensbisse. Ein Gefühl der Traurigkeit und der Enttäuschung, der Leere und Sinnlosigkeit. Oft genug auch ein Gefühl der Ausweglosigkeit. Komm ich da überhaupt noch raus? Ja, wir kommen raus!

Die heutige Geschichte zeigt uns: Erfolg und Misserfolg sind oft ganz nah beisammen. Wir kommen raus, wenn wir geeignete Helfer haben. In der Geschichte ist es Jesus. Er muss den Profis einen Tipp geben: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus. Jetzt klappt es plötzlich– und wie. So viele Fische hatten sie noch nie im Netz. Jetzt erfahren die Jünger: Auch wenn Jesu nicht mehr handgreiflich bei ihnen ist, er bleibt weiterhin am Werk.

Lb. Gl. Ein wichtiger Tipp für uns alle. Wir kommen raus. Aber oftmals brauchen wir Hilfe von außen: "Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden",

lautet Rat des Meisters. Das heißt: Werft eure Netze, eure Talente auf der richtigen Seite aus. Oft genug wühlen wir in den Wunden einer kaputten Vergangenheit, klagen über das, was nicht mehr geht, anstatt nach dem auszuschauen, was noch möglich ist. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Das Wort, das dir weiterhilft, kannst du dir nicht selber sagen". Ein guter Freund, eine gute Freundin, Eltern, Lehrer, Therapeuten… schenken uns tatsächlich oftmals nützlichen Rat. Sie öffnen unseren Tunnelblick und zeigen uns neue Möglichkeiten.

Lb. Gl. Die heutige Geschichte sagt uns: Neben hilfreichen Menschen haben wir noch einen Ratgeber und Therapeuten, den besten. Jesus ist da, immer. Er wirkt durch seinen Geist. Er gibt die richtigen Tipps zur rechten Zeit. Ich persönlich bete zum Hl. Geist vor jeder wichtigen Entscheidung und bevor ich drangehe, eine Predigt zu schreiben. Auch wenn Jesu nicht sichtbar und handgreiflich da ist, er bleibt am Werk. Er hilft dem, der ihm vertraut. Er hilft als Mutmacher, Tröster und Ratgeber.

 

2023 Lj.C 2. Ostersonntag: Der ungläubige Thomas

Evangelium nach Johannes (Joh 20, 19)

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

Thomas, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.  Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.  Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

Impuls: Diese Geschichte ist besonders berührend. Ist ja auch stückweit meine Geschichte. Da ist Einer, der sich schwer tut mit dem Glauben: Wenn es keine Zeichen und Beweise gibt, glaube ich nicht! Sympathisch dieser Thomas, irgendwie seelenverwandt. Mit dir möchte ich ein Zwiegespräch führen.

Lieber Thomas, Glauben ist keine leichte Sache. Du kannst auch nicht so einfach und fraglos annehmen, was deine Freunde dir erzählen. Auch für mich ist es nicht immer leicht, anzunehmen, was Theologen über Jesus erzählen: Dass ein Wanderprediger eines winzigen Landes, dass er der Sohn Gottes und unser Erlöser sein soll. Und dann die Auferstehung von den Toten.... Das kann man nicht verstehen! Ja, und das alles sagen wir herunter im Glaubensbekenntnis, mehr oder weniger gedankenlos: „Ich glaube an Gott Vater, an Jesus, den Sohn Gottes, an den Heiligen Geist,... an die Auferstehung der Toten." Wir Alltagschristen zweifeln diese Glaubens-Sätze auch nicht heftig an, aber leicht zu glauben sind sie nicht. Du, lieber Thomas, wirst uns verstehen!

Du hast ja auch keine Freudensprünge gemacht, als deine Freunde dir erzählen: Wir haben Jesus gesehen - ihn, der vor drei Tagen jämmerlich am Kreuz gestorben und begraben worden ist. Er soll plötzlich mitten unter ihnen ge­standen sein? Das gibt es nicht. Tot ist tot, hast du gedacht. Erst als er dich persönlich anspricht: Thomas komm her, schau, meine Wunden! Erst dann ist dein Glaube erwacht – und wie! Du bist zu einem seiner besten Apostel geworden. Sogar dein Leben hast du für ihn eingesetzt.

Glauben ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Glauben hat mit Begeg­nung, mit Beziehung zu tun. Glauben muss gewagt werden. Es ist wie mit einer Liebesbeziehung: Wer in der Liebe Beweise fordert, wird immer misstrauisch bleiben und kann Liebe nie wirklich erfahren, und auch nie wirklich lieben. Absolute Gewissheit gibt es in der Liebe nicht. Liebe ist immer ein Wagnis, fordert Vertrauen.

Es gibt viele, denen der Glau­be im Laufe ihres Lebens irgendwann abhandengekommen ist. Traurig stel­len sie plötzlich fest, dass es eigentlich gut wäre zu glauben und einen Halt zu haben. Aber ihr Glaube ist verschwunden. Das Wagnis zu einer persönlichen Beziehung mit Gott, das schaffen sie nicht!

Lb. Gl. Glauben, wie geht das? Glauben hat mehrere Stufen: Die niedrigste: Irgendwas wird schon dran sein. Aber mit mir hat es nichts zu tun, mit meinem Leben schon gar nicht. Dann gibt es mittlere Stufen: Ich bin überzeugt vom Christlichen Glauben, weil es glaubwürdige Zeugen gibt. Ich bin sicher, dass Jesus Gottes Sohn ist, dass er lebt, dass er an meiner Seite ist, dass er das Beste für mich will. Und aus diesem Glauben versuche ich, mein Leben zu gestalten, geführt von seinem Wort, mehr oder weniger eifrig. Mein Glaube kann dann zum Vorbild werden für andere: für meine Kindeskinder und für meine Nachbarn.

Die Oberste Stufe: Ich bin glühend, begeistert von meinem Glauben. Sosehr, dass ich mich für die Verkündigung einsetze, egal, was es kostet, wie viele Entbehrungen, wie viele Anfeindungen, der Marter-Tod mit inbegriffen, so wie die Apostel. Auch mein seelenverwandter Freund Thomas hat schließlich sein Leben geopfert für seinen Glauben, für seinen Freund Jesus.

 

 

Lj. A 2023: Ostern. Steine wegwälzen.

Evangelium nach Johannes (Joh 16,1-8)

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.  Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.  Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.  Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.  Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.  Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Impuls:

1.    Bild: Frauen. 

"Wer wird uns den Stein wegwälzen"? Das ist offenbar die größte Sorge der Frauen auf ihrem Weg zum Grab. Irgendwie verständlich. Sie wollen ihrem Jesus noch einen letzten Liebesdienst erweisen. Einen Menschen würdig bestatten, zählt damals wie heute zu den wichtigsten Liebesdiensten. Bei den alten Juden war dieser Dienst eine aufwändige Prozedur. Zuerst wird der Leichnam gewaschen, dann gesalbt - mit Myrrhe, mit wohlriechendem Harz, mit Aloe und schließlich mit duftendem Balsam. Das alles konnten die Freunde Jesu nicht mehr tun. Es war ja schon Freitag Abend. Um 18 Uhr begann nach jüdischer Zählung bereits der

Oster-Sabbat. Da mussten alle zu Hause sein, um das Paschamahl zu halten. Nach dem Sabbat aber, da machen sich die Frauen in aller Frühe auf zum Grab, um das Versäumte nachzuholen. Sie wollen Jesus einbalsamieren. Sämtliche Spezereien und Öle haben sie dabei. Das einzige Problem: Der schwere Stein. Als sie zum Grab kommen, fallen ihre Sorgen wie Steine von ihrem Herzen.  Der Stein ist schon weg.  2. Bild: Stein weg!

Aber wo ist der, den sie salben wollen? Auch weg. Das ist ja schrecklich. Sie können ihren Freund nicht einbalsamieren. Überflüssig ihre teuren Spezereien und Salben. Er ist weg. Aber wohin? Ein Engel bringt Klarheit: Ihr sucht Jesus von Nazareth? Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Geht zu den Jüngern und berichtet, was geschehen ist.

Lb. Gl. Uns geht es oft nicht anders wie den Frauen. Wir machen uns so viele Sorgen. Die Grabsteine sind nicht unser wirkliches Problem, wohl aber jene Steine, die auf unserem Herzen liegen. Da fragen auch wir manchmal voller Sorge: Wer wird uns den Stein wegwälzen, der uns fast erdrückt? Eine Last liegt auf uns: der Verlust eines lieben Menschen, eine schwere Krankheit, eine zerbrochene Liebesbeziehung, Misserfolge, Überlastung im Beruf oder in der Familie, Mobbing, Angst vor der Zukunft; Angst um unsere Mutter Natur, schwere Depression… und anderes mehr. Wer wird uns den Stein wegwälzen? In der heutigen Geschichte heißt es, dass der Stein bereits weggewälzt war. Glück für die Frauen. Wer ihn weggewälzt hat, wird nicht gesagt. War es Gott Vater oder Jesus oder ein Engel? Unsere Steine sind noch da. Wer wird sie wegwälzen? Nun, es sind damals wie heute österliche Wesen, die an das Leben glauben, die das Leben achten und lieben. Es kann mein Schutzengel sein. Oder Engel ohne Flügel: Eltern, gute Freunde, Ärzte, Therapeuten. Österliche Menschen, die aufmerksam sind, die sehen und spüren, dass wir leiden an der Last des Lebens. Es kann auch der Auferstandene selber sein, der an seinem eigenen Leib erfahren hat, wie schweres Leid sich anfühlt, wie ein schwerer Stein. Wenn wir Vertrauen haben, kann er viele Lasten von unserm Herzen nehmen. Er lädt uns ausdrücklich dazu ein: Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und belastet seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Wenn auch nicht alle Steine verschwinden, es tut schon gut zu wissen: Jemand ist an meiner Seite, der mich versteht, der mitfühlt, der mitträgt.

 

 

Lj. A 2023: 5. Fastensonntag:  Erweckung des Lazarus

Evangelium nach Johannes (Joh 11, 3)

In jener Zeit sandten die Schwestern von Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist schwer krank.  Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch einige Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Dann sagte er: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.  Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden.  Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen.  Wir wollen zu ihm gehen.  Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.  Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.  Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.  Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.  Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.  Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.  Als Jesus sah, wie Martha weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.  Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.  Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Da ging er zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.  Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Da nahmen sie den Stein weg. Jesus erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.  Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.  Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen! Viele von den Juden, die zu Maria und Marta gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn. Impuls: Bist du ein Gemüts-Mensch? Oder eher cool und berechnend? Bist du nah am Wasser gebaut, sodass die Tränen fließen wie ein kleiner Wildbach? Oder erlaubst du dir keine Träne – nach dem Motto: Ein starker Mann weint nicht! Wie war Jesus? Von seinen Gemütsregungen steht ganz wenig in der Bibel. Hat er gelacht? Wissen wir nicht. Hat er geweint? Ja. Er weint über die schöne Stadt Jerusalem, deren tragische Vernichtung er voraussieht. Und heute weint er über den Tod seines Freundes Lazarus. Der Sohn Gottes weint über den Tod seines Freundes. Was für eine herzliche Freundschaft! Der junge Lazarus stirbt. Jetzt stehen die beiden Schwestern Maria und Martha alleine da. Wie soll es weitergehen? Sie sind enttäuscht von Jesus. Sie haben doch ausrichten lassen: Lazarus, dein Freund, ist schwer krank. Komm und heile ihn. Und Jesus kommt und kommt nicht. Lazarus stirbt, wird begraben, verbreitet schon Verwesungsgeruch – und jetzt kommt er, wo alles schon zu spät ist. Klar, dass er sich von Martha den Vorwurf anhören muss: Herr, wärest du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Lazarus ist tot, aber ihr Glaube lebt noch, trotz allem. Ich weiß: Gott wird dir alles geben, worum du bittest. Du bist der Sohn Gottes. Dann sagt Jesus: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Glaubst du das? Ja, das glaube ich. Dieser Glaube ist der springende Punkt. Jetzt kann Jesus ihren Bruder erwecken: Lazarus, komm heraus! Dieses größte Wunder, das er wirkte, ist gleichzeitig sein letztes vor seinem Leidensweg. Er, der andere aus dem Tod errettet, muss jetzt selbst durch Leiden und Tod hindurch - und be­weisen, was er von sich selber sagt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben".

Lb. Gl. Der Tod des jungen Lazarus, diese Geschichte rührt mich an, schon deswegen, weil sie immer und immer wieder geschieht, auch bei uns, hier und heute. Schlag die Zeitung auf, dann siehst du: Nicht nur alte Menschen sterben, die sehnsüchtig auf den Tod warten, der sie von schwerem Leid erlöst. Auch junge Menschen gehen von uns, so wie Lazarus. Ursachen gibt es mehrere: Schwere Krankheit, Unfall, Mord, Drogensucht… Wenn ein junger Mensch stirbt, sind wir besonders betroffen und erschüttert. Mitten aus Leben gerissen. Was jetzt? Alles aus und vorbei? Ein junges Leben ausgelöscht – für immer? Eine bekannte Schauspielerin unserer Tage (Hildegard Knef) schreibt in einem ih­rer Bücher den bemerkenswerten Satz: "Die Welt ist geschwätzig und vorlaut, solange alles gut geht. Nur wenn jemand stirbt, dann wird sie verlegen, dann weiß sie nichts zu sagen. Genau an dem Punkt, wo die Welt nur noch ratlos und verzweifelt ist, da gibt uns Jesus eine Bot­schaft, die Hoffnung macht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Das ist ein herrlicher Trost zu wissen: Mein lieber Bruder, meine liebe Schwester, meine liebe Mama, mein Papa, meine Oma, mein Opa, mein lieber Freund, sie verschwinden nicht im Nichts. Im Augenblick des Todes erweckt sie Jesus zum Leben. Sie landen am Herzen Gottes, in der ewigen Freude.

Lb. Gl. Was für eine tröstliche Botschaft für den, der glauben kann. Wir alle sind traurig und weinen über den Tod eines lieben Menschen – so wie Jesus. Aber der Glaubende muss nicht so abgrundtief trauern wie die anderen, die keine Hoffnung haben.

 

 

Lj. A 2023: 4. Fastensonntag: Heilung eines Blinden

Evangelium nach Johannes (Joh 9, 1)

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.  Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.  Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?  Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.  Es war Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.  die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.  Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.  Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.  Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.  Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.  Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Gottessohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.  Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.  Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Impuls:

Blind sein, das stelle ich mir schrecklich vor. Nie im Leben ein Gesicht gesehen, kein Licht, keine Landschaft, kein Bild. Wenn ein Menschenkind geboren wird, sagen wir: Es hat das Licht der Welt erblickt. Geburt bedeutet Herauskommen aus Enge und Dunkelheit, hinein in die Weite, in die bunte Vielfalt der Welt und des Lebens. Sehen hilft zur Orientierung, zum Wiedererkennen und zur Bewältigung unseres Alltagslebens. Das Sehen löst zudem eine Vielzahl von Gefühlen aus. Es kann Bewunderung hervorrufen, aber auch Entsetzen, Aggressionen wecken oder Mitgefühl. Das alles ist Sehen – und noch viel viel mehr. Heute hören wir von einem Blinden, der sich armselig durchs Leben tasten muss. Jesus sieht ihn, er hat Mitleid und heilt den armen Kerl. Das wäre doch ein Grund gewesen, ein deftiges Dorffest steigen zu lassen mit allem Drum und Dran, mit Leckerbissen und Wein, mit Musik und Tanz. Nichts von alledem geschieht. Ganz im Gegenteil. Statt sich mit ihm zu freuen, muss er sich blöden Quatsch anhören. Da sind zunächst die Jünger. Sie denken wie die meisten Juden da­mals: Krankheit ist Strafe Gottes für schwere Sünde. Wer ist schuld? Er selber? Kann's nicht sein, da er als Blinder auf die Welt gekommen ist. Also haben seine Eltern schwer gesündigt. Oft und oft hat Jesus diesem Unsinn widersprochen. Krankheit ist nicht Strafe Gottes.

Und die Pharisäer. Die streiten sich darüber, ob Jesus überhaupt heilen darf. Es ist ja Sabbat, das heißt Arbeitsverbot. Einige unterstellen dem Blindgeborenen so­gar, dass er gar nicht blind war, dass er all die Jahre nur geblufft hat. Und seine Eltern, die tun, als ginge sie das alles gar nichts an. Sie bestätigen gefühllos: »Ja, das ist unser Sohn. Der war blind, doch jetzt kann er sehen. Kein Funke von Freude, kein Zeichen von Dankbarkeit.

Da fragt man sich schon: Verdienen diese Leute überhaupt ein Wunder? Ja doch! Das eigentliche Wunder geschieht erst danach, wo Jesus fragt: Glaubst du an den Gottessohn? Und der Blinde: Wer ist es, damit ich an ihn glaube. Du siehst ihn vor dir. Dann das große Glaubensbekenntnis: Ich glaube Herr, und wirft sich vor ihm nieder.

Zwei Heilungen sind in wenigen Augenblicken geschehen: Die Öffnung seiner Augen und die Öffnung seines Herzens für Gott. Wenn Jesus Wunder wirkt, geht es ihm letztlich immer um den Glauben. Nichtglauben ist in seinen Augen das größte Übel, viel größer als Blindheit und Taubheit.

Lb. Gl. Was soll diese Geschichte? Nun, es ist unsere Geschichte. Wir haben zwar gesunde Augen und dennoch sind wir blind.

Manchmal sind wir blind vor Wut: Wir streiten uns nur noch oder schlagen gar blind aufeinander ein. Manchmal sind wir blind vor Neid: Wir sehen nur, was andere haben und was andere dürfen. Das wollen wir auch - um jeden Preis, ohne zu denken, ob das alles auch wirklich gut ist für uns. Manchmal sind wir blind durch unser Vorurteil: Wir haben eine fixe Meinung über einen Menschen: Der ist schlecht, der ist faul, der ist unehrlich. Ein solcher Mensch hat keine Chance bei uns, und wenn er sich noch so sehr bemüht. Oder: Wir sehen die wunderschöne Natur und unseren bequemen Wohlstand, und es fällt uns im Traum nicht ein, dem lieben Gott dafür zu danken.

Lb. Gl. Da können wir nur beten: Herr, heile meine Blindheit.

 

 

Lj. A 2023: 3. Fastensonntag. Frau am Jakobsbrunnen

Evangelium nach Johannes (Joh 4, 5)

In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf in Samarien. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich an den Brunnen; es war Mittag, um die sechste Stunde.  Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Die Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt.  Da sagte er zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.  Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.  Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.  Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.  Die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.  Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.  Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? Da liefen sie hinaus. Jesus Er sprach lange mit ihnen. Viele Samariter kamen zum Glauben an Jesus.  Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Impuls:

Diese Geschichte berührt mich. Sie beginnt ganz harmlos. Dabei steckt jede Menge Dynamit darin. Ein alter Brunnen. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Es ist Mittag. Die Dorfbewohner haben sich längst in ihre Häuser zurückgezogen. Weit und breit keine Menschenseele. Mit einer Aus­nahme: Eine Frau huscht zum Brunnen. Alle anderen Frauen haben schon in den frühen Morgenstunden Wasser geholt. Da gibt es den beliebten Dorftratsch. Diese Frau, die jetzt zum Brunnen geht, ist allein. Sie ist eine andere Frau, eine "mit Vergan­genheit". Sie will die Begegnung mit anderen vermeiden. Verschämt schaut sie nach rechts und links. Gott sei Dank, es ist niemand da. So muss sie die Blicke der Nachbarinnen nicht ertragen. Wenn Blicke töten könnten, wäre diese Frau lange schon tot. Sie will auch das Getuschel nicht: »Flittchen« sagen sie, »Lebedame«, Hure. Schrecklich. Schnell noch Wasser in den Krug, und nichts wie weg! Doch da sitzt ein Fremder am Brunnenrand. (Bild)

Er ist durstig. Er bittet sie: Gib mir zu trinken. Sie ist verwirrt: Wie kann ein Jude eine Samariterin um einen Gefallen bitten? Sie wollen doch sonst nichts miteinander zu tun haben. Die beiden kommen ins Gespräch. Erst reden sie aneinander vorbei, doch schnell finden sie eine gemeinsame Ebene. Sie sprechen über die ganz großen Themen des Lebens: Über Hoffnung und Zukunft, über Erfüllung und über das Glück, sogar über Gott. Als dieser Fremde ihr Herz durchschaut, klipp und klar ihre Vergangenheit aufdeckt: 5 Männer hast du gehabt, da wird ihr klar: Das ist kein gewöhnlicher Mann, das ist ein Prophet, wenn nicht gar der Messias. Und er bestätigt: Ja, ich bin es, der mit dir spricht. Da trommelt sie ein paar Dorfbewohner zusammen. Jesus redet mit ihnen. Die Frau und viele andere kommen zum Glauben an ihn. Was für eine Bekehrungsgeschichte! Wie schafft er das? Keine Verurteilung, keine Verachtung für diese Frau mit Vergangenheit. Einfach nur Verständnis und Barmherzigkeit. Die Frau hat einfach nur Pech gehabt, nie den Richtigen gefunden.

Wie heißt sie denn eigentlich, diese Frau? Das wird uns nicht gesagt. Gut so. Dann kann jeder von uns seinen Namen einfügen: Sabrina, Franziska, Philip oder Sepp. Ist ja auch unsere Geschichte. Wir alle kennen diesen Durst der Seele, die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach Wertschätzung und Anerkennung. Und viele haben schon versucht, ihren Durst aus Quellen zu stillen, die schnell vertrocknen und nur kurze Befriedigung schenken. Sie nehmen einen langen Schuck aus dem Fernseher oder Computer. Sie nehmen Beruhigungspillen oder Drogen. Sie trinken ein Gläschen Bier oder Wein und dann noch eins und noch eins, damit sie vergessen, wie einsam und vertrocknet sie sind. Sie schauen sehn-süchtig nach Diesem und Jenem und übersehen den, der am Brunnenrand sitzt, den Herrn des Lebens. Um die Wette saufen kann ich nicht mit ihm. Aber ich kann anfangen, mit ihm zu reden, mit ihm in Beziehung zu treten. Erst dann kann er mir sein Wasser des Lebens geben oder das Brot des Lebens. Hinter unseren Bedürfnissen steckt oft ein religiöses Problem. Weil wir nicht in Gott verankert und geborgen sind, werden wir haltlos und leer. Und müssen immer woanders Halt und Freude suchen. Der Hl. Augustinus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: Unruhig ist unser Herz, bis es endlich Ruhe findet bei Gott. Das Wasser des Lebens finde ich, wenn ich bete, wenn ich in der Bibel lese, in jeder Hl. Messe, besonders in der HL. Kommunion.

Lb. Gl. Wie sagt Jesus: Wer zu mir kommt, wird nicht mehr durstig sein.

 

 

Heute ein Hirtenbrief statt einer Predigt von mir. Schönen Sonntag!

2. Fasten-So:

Hirtenbrief

Versöhnung– Heute aktueller denn je!

Unser Bischof hat einen Fasten-Hirtenbrief verfasst, den wir uns ans Herz nehmen wollen.

Versöhnung– Heute wichtiger denn je! Am Beginn der Fastenzeit vor drei Jahren hat uns der Ausbruch der Cornona-Pandemie überrascht. Nach einem anfänglichen Zusammenhalt hat sich leider zunehmend das Klima des Zusammenhalts verschlechtert – bis hinein in Freundeskreise und Familien. Erbitterte Auseinandersetzungen führten zu Kränkungen und zum Bruch von Beziehungen. Umso wichtiger ist, zu begreifen: Nur durch Versöhnung gibt es Heilung und neue Lebensqualität! Einen zweiten Schock haben wir vor einem Jahr erlebt: Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Dämon des Krieges nach Europa zurückgekehrt. Die Auswirkungen dieser Katastrophe sind nicht abschätzbar. Ohnmacht und Ängste machen sich breit, auch Nervosität und Gereiztheit. Aggressionen schaukeln sich hoch. Umso wichtiger wäre es, geduldig miteinander umzugehen. Oft braucht es nur ein einfaches Wort oder ein Entgegenkommen, sodass Begegnungen wieder gelingen. Entschuldigung und Vergebung ermöglichen einen neuen Frieden! Das Thema „Versöhnung“ ist mehr als nur irgendein Thema! Es ist die Mitte unseres christlichen Glaubens: Durch den Tod und die Auferstehung Jesu wurde uns ein neuer Anfang geschenkt. Keine Schuld ist zu groß, dass Gott sie nicht vergeben könnte. Jesus geht uns mit gutem Beispiel voraus. Am Kreuz betet er für seine Mörder: Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Auch unsere Kränkungen passieren meist nicht gewollt, sondern aus Unachtsamkeit. Unversöhnlichkeit und das Nicht-Vergeben führen zu großem Leid für alle Beteiligten. Das gilt für alle Lebensphasen. Freude, Lebenskraft und Kreativität gehen verloren, wenn die Altlasten von Schuld, Kränkung und Verbitterung nicht abgebaut werden. Nur durch Versöhnung gibt es neue Lebensqualität.

Unversöhnlichkeit entstellt den Menschen, die Liebe hingegen macht ihn schön. Niemals ist ein Mensch schöner, als wenn er Vergebung annimmt oder Vergebung schenkt. Ein versöhnter Mensch lebt gelassener und fröhlicher, weil er seine eigenen Grenzen und Schwächen kennt und von Gottes Barmherzigkeit selbst überrascht wurde. Vergebung ist kein billiges „Schwamm-Drüber“. Vergebung schenkt einen inneren Frieden, der uns zur „Abrüstung“ drängt und die Waffenkammer der uralten Vorwürfe ausräumen lässt. Bei verhärteten Fronten kann das dauern. Auch Kränkungen brauchen Zeit, um ausheilen zu können. Versöhnte Menschen finden zu einem neuen Lebensstil. Sie gehen achtsamer um mit den Mitmenschen und mit den begrenzten Gütern der Mutter Natur.

Für den befreienden und heilsamen Dienst der Versöhnung erbitte ich für uns alle den Segen unseres barmherzigen Gottes!

+Hermann Glettler BISCHOF VON INNSBRUCK

 

 

Lj. A 2023: 1. Fastensonntag. Versuchung

(Evangelium nach Matthäus (Mt 4,1)

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.  Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.  Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.  Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.  Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.  Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.  Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.  Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. 

Milka-Schoko herzeigen)

Was haben wir denn da? Milka, die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt. Versuchung, was ist das? Etwas, bei dem man nicht nein sagen kann. Diese Schokolade würde ich am liebsten auf der Stelle aufessen. Aber mein Gewissen redet mir zu: Das darfst du nicht, im Gottesdienst schon gar nicht.

Frage: Wie geht es dir mit der Versuchung? Bei manchen Naschereien denken wir: Wenn i nur aufhören könnt! Die Naschereien machen meine Zähne kaputt und dick machen sie auch. Oder das Computerspiel. "Wenn i nur aufhören könnt". Dann hätte ich mehr Zeit für die Hausaufgaben, für Bewegung in der frischen Luft, für meine Freunde. Ja, die Versuchung ist schon ein Luder. Das spüren nicht nur Kinder und Jugendliche. Die Erwachsenen tun sich ebenso schwer. Auch sie haben Wünsche, die sie über die Maßen begehren, wonach sie geradezu süchtig sind. Das kann der Alkohol sein, die Zigarette, Schokolade, der Fernseher, der Computer. Ein Hobby, das die ganze Freizeit verschlingt, sodass keine Zeit mehr bleibt für die Familie oder für einen Liebesdienst, keine Zeit für Gott. Eine harte Versuchung kann auch sein: ein schöner Mann, eine schöne Frau, die alle Treueschwüre vergessen lässt. Die mich sogar so weit treibt, Frau und Kinder zu verlassen, ohne Rücksicht darauf, was dann alles kaputt geht. Da denkt so mancher: Meine Seitensprünge. Wenn i nur aufhören könnt.

Wir alle schlagen uns mit Versuchungen herum. Aber da sind wir in bester Gesellschaft. Auch Jesus hat damit zu kämpfen. Jetzt mögen einige meinen: Ach der, für einen Sohn Gottes ist das doch ein Klacks. Die heutige Geschichte erzählt uns, dass Jesus in Versuchung geführt wird. Der Teufel, der getraut sich was! Er schleicht sich an Jesus heran und gaukelt ihm Dinge vor, die für jeden Menschen eine Versuchung sind: Bequemlichkeit, Sinneslust, Eitelkeit und Machtgier. Auf diese Schwachstellen des Menschen wird auch Jesus geprüft.

Jesus hat 40 Tage gefastet. Er hat unbändigen Hunger. Mit seiner Wundermacht hätte er ganz locker köstliche Brötchen herbeizaubern können. Und seine Eitelkeit hätte er auch befriedigen können mit einer tollen Show. Er stürzt sich von der Zinne des Tempels, am besten vor großem Publikum, und kurz vor dem Aufprall fliegen ein paar Engelein daher und fangen ihn auf. Was für eine Sensation. Im Nu hätte das die Runde gemacht. Der Teufel versucht auch noch, Machtgelüste bei Jesus zu wecken. Er verspricht ihm alle Reiche der Welt. Jesus muss sich nur vor dem Teufel niederwerfen und ihn anbeten. Ein tolles Angebot! Jesus erteilt dem Teufel eine Abfuhr mit klaren Worten, die auch für uns ganz wichtig sind: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, nicht nur von materiellen Dingen. Und: Gott sollst du anbeten. Nicht irgendwelche Götzen oder gar den Teufel.

Lb. Gl. Ein bisschen von dieser Entschlossenheit wünsche ich uns allen, wenn wir in Versuchung geführt werden. Dass auch wir zur rechten Zeit Nein sagen können zu den Verlockungen, die uns und dem Nächsten nur schaden.

So, was mach ich jetzt mit dieser Schoko? Ich lege sie am besten in den Korb da hinten – für unseren SoLaLi.

 

 

Lj. A 2023: 7. So.i.J: Feindesliebe? Geht das?

Evangelium nach Lukas (Lk 5,27-29)

In jener Zeit sprach Jesus: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin. Da trat Petrus heran und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Die Schi-Impuls:

Weltmeisterschaften gehen dem Ende zu. Ein spannendes Event. Bewundernswert, wie diese jungen Sportler Kopf und Kragen riskieren, wie sie an ihre Leistungsgrenze gehen. Sie wissen: Sonst gibt es nichts zu holen, keine Medaille, kein Preisgeld, nichts. Hast auch du Lust, an deine Leistungsgrenze zu gehen? Ja? Dann hast du heute die Möglichkeit dazu. Jesus legt die Latte ziemlich hoch mit seinem neuen Gebot, mit der Feindesliebe. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. Unsere erste Reaktion: So blöd möchte ich sein, meinem Feind auch noch was Gutes tun. Genau das hat auch der chinesische Präsident Xi Jinping gemeint bei einer großen Handelskonferenz. Im Westen gibt es die Neigung, die rechte Wange hinzuhalten, wenn jemand auf die linke Wange schlägt. In unserem Land - schlagen wir zurück. Nun, das ist der himmelweite Unterschied zwischen einem christlich und einem kommunistisch geprägten Land. Feindesliebe ist nicht normal. Sie ist nicht natürlich, sie ist über-natürlich. Ist Feindesliebe dumm? Ganz im Gegenteil. Jesus verlangt keine Dummheiten von uns, sondern nur Dinge, die hilfreich und heilsam sind. Welche Alternativen haben wir denn? Rache, Vergeltung, Hass. Keine gute Wahl. Der Hass hat die Eigenschaft, sich immer weiter aufzuschaukeln. Die Feindes-Liebe ist das einzig wirksame Mittel, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Der Hass ist ein schlimmes Krebsgeschwür. Er kostet immens viel Substanz. Wir bringen die Kränkung Tag und Nacht nicht aus dem Kopf. Wie kann ich es ihm heimzahlen? Diese Gedanken stören deine Arbeit und zerstören deinen Schlaf.

Nun, ich kann dich schon verstehen.

Da hat dir jemand Unrecht getan, oder Böses zugefügt.

Allmählich bist du kälter geworden und härter.

Du bist nicht mehr derselbe.

Du wunderst dich über dich selbst.

Du bist nicht mehr so freundlich,

nicht mehr so gelassen und gütig.

Deine Herzlichkeit ist umgeschlagen in Hartherzigkeit.

Deine Sympathie in Antipathie.

Und du leidest darunter. Du fühlst dich gefangen.

Die Rollläden sind herunter. Die Sonne bleibt draußen.

Das Leben wird schwer wie Blei.

Du hast Hassgefühle. Hass ist ein heimlicher Seelenfraß. Der Hassende straft sich selbst am meisten.

Der Schriftsteller Karl-Heinz Söhler bringt es auf den Punkt im folgenden Vers:

Wenn du dich ärgerst, denk daran:

Der Ärger ist ein blödes Vieh.

Er fängt am falschen Ende an;

er frisst nur dich,

den Feind, den frisst er nie.

Lb. Gl. Wenn man das bedenkt, muss man sagen: Feindesliebe ist die intelligenteste Lebensweisheit von allen. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. In diesem Punkt sind wir Christen gescheiter als die Chinesen. Tut Gutes, was heißt das? Ich muss meinem Feind nicht jeden Tag einen Bruderkuss geben. Was ein Christ aber sehr wohl kann: Ihm nichts Böses wünschen, ihm nichts Böses tun. Ihm helfen, wenn er in schwerer Not ist. Für ihn beten. Das ist die beste Therapie für beide. Schwierig, aber es lohnt sich. Willst auch du eine Medaille? Dann musst du ab und zu an deine Leistungsgrenze gehen.

 

 

 

Lj. A 2023: 6. So.i.J: Die böse Tat beginnt im Kopf.

Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 17)

In jener Zeit sprach Jesus: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Gesetzeslehrer, dann seid ihr noch nicht im Himmelreich. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

Impuls:

Bist du ein guter Staatsbürger? Na klar! Ich gehe fleißig zu den Wahlen. Und die Gesetze einhalten tu ich auch. Schön! Und wie geht es dir mit den Gesetzen? Kein Problem! Sie sind ja vernünftig. Gut. Aber nicht alle nehmen das so locker wie du. Da gibt es jede Menge Leute, die sind geradezu allergisch gegen jede Einschränkung. Und die sind bitterböse auf die Politiker, die so blöde Gesetze machen. Was war denn das für ein Theater mit der Maskenpflicht! Die Politiker wollten die Menschen vor schwerer Krankheit schützen. Und viele wollten sich das nicht gefallen lassen. Sie verpassen dann bei den Wahlen der Regierung einen Denkzettel.

Gesetze. Sie sind zu allen Zeiten ein Problem. Und weil viele sie nicht halten wollen, deshalb gibt es das Straf-Gesetzbuch. Hier werden alle Gesetze aufgelistet mit den entsprechenden Strafen. In Österreich gibt es 1200 Gesetze mit 61.000 Paragraphen. Ja, die Gesetze. Für viele ein Problem. Das war zu allen Zeiten so. Auch zur Zeit Jesu. Damals gab es die Gesetzeslehrer. Diese Leute waren extrem eifrig im Erfinden von immer neuen Gesetzen. Die waren oft genug überzogen und überhaupt nicht hilfreich für das Zusammenleben. Das hat Jesus oftmals kritisiert. Er hat diese Überfülle reduziert auf die 10 Gebote Gottes und schließlich auf ein einziges Gebot, das Gebot der Liebe. Im heutigen Evangelium jedoch hat es den Anschein, als wäre Jesus noch strenger als die Gesetzeslehrer. Da heißt es: Früher wurde gesagt: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Früher wurde gesagt: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.

Lb. Gl. Jesus sagt da etwas ganz Wichtiges: Die Sünde beginnt nicht erst bei der Tat, sondern schon viel viel früher. Sie beginnt im Kopf, bei den schlechten Gedanken und Phantasien. Heute beklagen wir, dass so viele Frauen von ihren Partnern umgebracht werden. Diesen abscheulichen Verbrechen gehen 1000 böse Gedanken und Worte und Grobheiten voraus. Ebenso beim Ehebruch. Wie viele schlechte Phantasien, wie viele schlechte Schriften und Videos gehen da voraus, bis schließlich der Ehebruch passiert. Es gilt also im Vorfeld schon, wachsam und beherrscht zu sein, meint Jesus. Er hat schon recht, wenn er sagt: Wenn deine Rechtschaffenheit nicht größer ist als die der Gesetzeslehrer, dann bist du noch nicht im Reich Gottes, im Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Der Gesetzeslehrer sagt dir, was du dir alles erlauben kannst, ohne bestraft zu werden. Im Reich Gottes gilt das Gesetz der Liebe. Da fragt man nicht, was ich mir alles ungestraft erlauben kann, sondern: Was kann ich Gutes tun, damit es mir und andern gut geht.

Das Reich Gottes, eine völlig andere Welt!

 

 

Lj. A 2023: 5. So.i.J: Du bist das Licht der Welt.

Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 13)

In jener Zeit sprach Jesus: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.  Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.  Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.  So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Impuls:

Verliebte haben eine unglaubliche Fantasie. Was denen alles einfällt an Komplimenten und netten Worten: Goldschatz, Allerliebster, Goldperle, Sonnenschein und, und und...Jesus kann es ebenso gut. Heute sagt er zu uns: Du bist das Salz der Erde. Das heißt: Du gibst deiner Umgebung Würze und Geschmack. Und noch schöner: Du bist das Licht der Welt. Du bist das Licht der Welt. Das ist viel viel mehr als nur: du bist ein Sonnenschein. Du bist das Licht der Welt. Jetzt wird mancher denken: Das ist aber stark übertrieben. Ich bin ein Licht, ja, aber auch nur dann, wenn ich gut aufgelegt bin; dann stahlen meine Augen. Wenige Minuten kann das wieder ganz anders sein: Wenn mir eine Kleinigkeit nicht passt, bin ich grantig und kratzbürstig. Dann ist mein Licht schon wieder aus. Und meine Geschwister nehmen Reißaus. Und dennoch: Jesus bleibt dabei: Du bist das Licht der Welt, eine Lichtgestalt, die stahlt, weit über die Familie hinaus. Wie denn das? Nun, wenn du deinen Beruf mit Herz ausübst, egal welchen, ob als Schneiderin, Lehrerin oder Mutter… Wenn du dein Herz hineinlegst, dann leuchtet dein Licht, weit über die Familie hinaus. Wir sollen unser Licht nicht unterschätzen, das Licht jedes Einzelnen und erst recht das Licht einer christlichen Gemeinschaft.

Du bist das Licht der Welt. Übertrieben? Nein, nein! Wenn du das nicht glauben wills, schau dir ein Foto von deiner Taufe an. Da brennt deine Taufkerze. Und der Priester spricht dazu die schönen Worte: Christus, das Licht der Welt, hat dieses Kind erleuchtet. Es soll als Kind des Lichtes leben, sich im Guten bewähren und am Ende seines Lebens mit brennendem Herzen dem Herrn entgegengehen, der auf sein Kind wartet. Also, unser Licht haben wir letztlich nicht von uns selbst. Gott hat uns jede Menge Talente gegeben, mit denen wir uns gegenseitig helfen und das Leben heller machen können.

Lb. Gl. Du bist oft viel zu bescheiden. Du denkst: Was kann ich allein schon ausrichten mit meinem bescheidenen Licht  -

in einer stockdunklen Welt? Du kannst mehr als du glaubst. Ich denke da an die junge Greta Thunberg. Sie hat als junges Mädchen die Schule geschwänzt, um für den Umweltschutz zu demonstrieren. Am ersten Schultag nach den Sommerferien im August 2018 stellte sich die damals erst 15-Jährige mit ihrem Streikschild vor den Schwedischen Reichstag in Stockholm. Zunächst blieb die Schülerin von Vorbeigehenden unbeachtet. Heute ist aus einer Einzel-Aktion eine weltweite Umweltschutz-Bewegung geworden, die kein Politiker mehr ungestraft übergehen kann.

Also lass auch du dein Licht leuchten! Wie soll das gehen? Lerne von der Sonne. Unverdrossen macht sie sich jeden Tag an die Arbeit. Sie sendet ihre wärmenden Strahlen – auch durch Wolken und Neben. Lass dich von düsteren Menschen nicht abhalten, zu strahlen. Steh nicht zu spät auf. Schau in den Spiegel und lach dich an. Sei gut zu dir selbst und sag "guten Morgen zu dir". Dann bist du schon in Stimmung und kannst auch anderen was Nettes sagen. Nimm eine Brise Humor mit in den Tag und ein angemessenes Maß an Arbeitslust. Dann giß über alles ein Lächeln – und schon geht die Sonne auf - in dir und für andere. Lass dein Licht leuchten!

 

 

Lj. A 2023: 4. So.i.J: Seligpreisungen – Gerechtigkeit.

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1)

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich.  Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.  Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.  Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.  Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.  Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.  Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.  Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.  Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Impuls:

Die berühmten Acht Seligkeiten haben wir eben gehört. Acht Empfehlungen gibt uns Jesus, die uns glücklich, sogar selig machen. Acht Stück. Hast du sie alle merken können? Selig die Armen, die Trauernden, die Barmherzigen und und und. Ein bisschen viel auf einmal. Ich denke, es ist besser, eine einzige herauszugreifen und diese zu bedenken. Eine ist besonders zeitaktuell: Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Gerechtigkeit, die ist heute in aller Munde. Die einen richten sich's, andere haben das Nachsehen.

Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Hunger und Durst. Da geht es zunächst wirklich um den körperlichen Hunger. Jesus zeigt uns, wie sehr beides zusammenhängt: die Ge­rechtigkeit und das pure Überleben des Menschen. Es gibt verschiedenen Gerechtigkeiten.

Moralische Gerechtigkeit

Der Staat, die Kirche und wir alle haben die moralische Pflicht, dafür zu sorgen, dass jeder Mensch ein menschenwürdiges Leben führen kann.

Soziale Gerechtigkeit

Ich denke, da ist in den letzten Jahren einiges geschehen. Bei uns in Österreich gibt es keinen, der betteln gehen muss. Er bekommt zumindest eine Mindest-Sicherung. Die Frauen jedoch, die fühlen sich noch benachteiligt. Sie fordern Gerechtigkeit: gleichen Lohn für gleiche Leistung. Da ist noch Luft nach oben. Allerdings geht es hier nicht ums nackte Überleben.

Weltweit schaut es anders aus. Da sterben Tausende Menschen an Hunger und Durst. Diese Opfer schreien nach Verteilungs-Gerechtigkeit bei Rohstoffen, bei Nahrung und Wasser. Alle Staaten und wir alle haben die Pflicht, Hunger und Durst zu bekämpfen, so gut wir können. Das ist letztlich kein gnädiges Opfer der reichen Staaten. Wenn wir nichts dagegen tun, schaden wir uns selbst. Dann werden wir halt überrollt von Tausenden Flüchtlingen. Am Ende profitieren alle, wenn es allen gut geht, wenn alle selig sind. Wir profitieren alle – menschlich und wirtschaftlich.

Klimatische Gerechtigkeit.

Das ist der schwierigste Brocken, der uns derzeit beschäftigt. Die reichen Länder verursachen die Umweltverschmutzung und damit den Klimawandel und andere Länder haben die Unwetter und die Dürre. Wir alle, Politiker und die einfachen Bürger haben die Pflicht, den Konsum gerecht zu regulieren. Es gibt zu viel Überproduktion. Die nichtgebrauchten Waren werden dann verbrannt. Sie verpesten die Luft, sie verschwinden im Müll oder im Meer. Ein Gebot der Stunde: Umweltverschmutzung vermeiden, Energie sparen und aufhören, die Mutter Natur auszubeuten. Menschen und Tiere dürfen nicht sterben an unseren Giften und an unserer Ausbeutung. Junge Menschen gehen zu Tausenden auf die Straße. Sie haben Angst um ihre Zukunft. Angst, ob sie auf dieser Welt noch ein gesundes Leben führen können, oder ob auch sie, wie die Menschen in Peking, mit einer Gasmaske herumlaufen müssen. Sie hungern und dürsten nach Klima-Gerechtigkeit. In einer sauberen Mutter Natur können wir dann alle selig sein.

Lb. Gl. Moralische Gerechtigkeit, Soziale Gerechtigkeit und Klima-Gerechtigkeit, nein, alle Acht Seligpreisungen sind im Grunde ganz einfach umzusetzen, wenn wir die sog. Goldene Regel beachten: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andern zu.

 

 

Lj. B 2023: 3. So.i.J: Folgt mir nach.

Evangelium nach Markus (Mk 1, 14)

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um, glaubt an das Evangelium! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.  Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.  Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.  Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.

Impuls:

Wenn ich diese Geschichte lese, bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie Jesus so im Vorbeigehen seine ersten Jünger sammelt.

Wie macht er das? Es wird wohl seine Ausstrahlung gewesen sein. Wärme ist von ihm ausgegangen und Wohlwollen, das den Gerufenen ohne Worte sagt: Ich mag dich. Ich trau dir was zu, ich will das Beste für dich. Wenn du deine Familie verlässt, wartet eine neue auf dich, eine größere, die Familie Gottes. Das kleine Familien-Glück bekommst du ersetzt durch ein Leben in Fülle. Kein Mensch, nicht einmal der beste Partner kann solche Erfüllung geben wie der liebe Gott, von dem wir das Leben haben.

Ehrlich gesagt: Ein bisschen wehmütig bin ich schon, wenn Jesus da so locker seine Jünger gewinnt. Das geht bei uns Seelsorgern schon um einiges zäher. Wenn wir in den Schulklassen Kinder ansprechen: Will jemand von euch ministrieren? Die Messe ist die größte Feier, die es gibt, ein Dienst für den höchsten Herrn, für Jesus. Ja, und bei allem Zureden melden sich dann vielleicht ein zwei Kinder zum Ministrieren. Genauso mühsam ist es, Leute für den Lektorendienst zu finden oder gar für den Pfarrgemeinderat. Nun, wir Priester müssen zur Kenntnis nehmen: Wir sind halt nicht Jesus. Wir haben nicht seine Ausstrahlung und schon gar nicht seine Wundermacht. Aber - sogar Jesus selbst ist abgeblitzt bei gar nicht Wenigen. Das tröstet uns. Im Grunde kommt es gar nicht darauf an, wie viele Ministranten und aktive Laien eine Pfarre hat. Es kommt darauf an, wie viele Menschen sich von Jesus rufen lassen: "Folgt mir nach! Glaubt an das Evangelium." Diese Werbung ist zeitlos. Und die Menschen kommen. Sie kommen zum Gottesdienst, hören sein Evangelium und versuchen, danach zu leben. Das ist der eigentliche Sinn unserer Gottesdienste und unserer Verkündigung: Jesus begegnen, sein Wort hören und danach leben.

Lb. Gl. Jesus gewinnt auch heute Menschen mit seiner unwiderstehlichen Anziehungskraft. Und die Menschen kommen und kommen. Sie suchen seine Nähe und seine Wegweisung. Dazu sind im Grunde keine besonderen Strukturen nötig. Das bestätigen alte Soldaten, die im Schützengraben Gottesdienst gefeiert haben, ohne Ministranten, ohne Lektoren, ohne Orgel. Was erzählen sie? Nie wieder hat ein Gottesdienst sie so sehr berührt, nie wieder haben sie die Nähe und Hilfe Gottes so sehr gespürt wie damals.

Lb. Gl. Wir müssen uns also keine allzu großen Sorgen machen um den Bestand der Kirche. Der Über-Drüber-Missionar Jesus ist auch heute am Werk. Ich staune immer wieder. Da gehen Menschen 10 Jahre nicht mehr in die Kirche. Und plötzlich sind sie wieder da. Sie haben 10 Jahre keine Predigt gehört, und trotzdem kommen sie. Wie gibt es denn so was? Wer hat sie gerufen? Wer sonst, wenn nicht der Meister selbst. Er ruft auch heute Menschen in seine Nähe, in das Reich Gottes - gleichsam im Vorübergehn.

 

 

Lj. B 2023: 2. So.i.J: Lamm Gottes

 

Evangelium nach Johannes (Joh 1, 35)

In Jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Da kam Jesus an diesen Ort. Johannes richtete seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und verbrachten den ganzen Tag bei ihm; Die beiden Jünger des Johannes blieben schließlich bei Jesus und folgten ihm nach.

Impuls:

Was sagt er da, der Bußprediger Johannes? “Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. Viele Jahre schon predigt Johannes in der Wüste. Er ruft die Menschen zur Umkehr auf - und zur Taufe - als Zeichen ihres guten Willens. Sein ganzer Einsatz gilt dem, der nach ihm kommt, dem Messias und Erlöser. Ich bin nur sein Vorbote, um die Menschen auf sein Kommen vorzubereiten. Gesehen hat er ihn noch nie. Und jetzt steht er plötzlich vor ihm, der Messias. Sie sehen sich in die Augen zum ersten Mal. Johannes spürt seine Ausstrahlung. Seine Ausstrahlung ist sanft. Zunächst ist Johannes sprachlos. Das erste Wort, das er herausbringt: Seht, das Lamm Gottes. Zu allen Zeiten haben Menschen sich mit Tieren verglichen. Einem König wäre es im Traum nicht eingefallen, ein Lamm an seine Fahnen zu heften. Schon eher ein Raubtier, das Angst einflößt. Ein Löwe, der König der Tiere, ist gerade recht für einen mächtigen König. Menschen wählen Tiere, um ihr Wesen auszudrücken. Das ist so – bis auf den heutigen Tag. Herrscher, Länder, Städte und Gemeinden, sie alle haben ihr Wappentier. Am häufigsten: Löwe, Adler und Bär. Lienz ist übrigens auch recht selbstbewusst. Auch Lienz hat den Löwen, aber zur Versöhnung noch eine Rose dazu, als wollten die Lienzer den Gästen sagen: Keine Angst, wir fressen euch nicht. Ihr bekommt eine Rose von uns. Löwe, Adler und Bär, hätten die nicht auch zu Jesus gepasst? Nein, ganz und gar nicht. Johannes hat es goldrichtig gespürt: Seht, das Lamm Gottes. Jesus ein Lamm. Lämmer sind die unschuldigsten Wesen. Sie haben keine Giftzähne und keine Krallen. Sie können keiner Fliege was zuleide tun. So ein Lamm soll die Sünde der Welt aushalten, mehr noch: hinwegnehmen? Wohin denn? Gibt es einen Platz für die Sünde der Welt, eine Art Sünden-Mülldeponie? Da, wo sie nichts mehr anrichten kann? Ich stelle mir die Sünde der Welt sehr groß vor wie ein riesiger Haufen. Oder wie ein riesiger Fuß, der alles Gute niedertrampelt, das zaghaft sprießt. Die schwere Sünde trennt. Sie trennt die Menschen von den Menschen und die Menschen von Gott. Sie sät Unfrieden und Hass. Sie missbraucht und zerstört die edelsten Gefühle. Mit einem Wort: Die schwere Sünde zerstört alles, was Hoffnung macht. Was hat in dieser Welt ein Lamm zu suchen? Es geht doch unter, wird von Wölfen gefressen. Und dennoch: Retten kann uns nur ein Lamm, ein Unschulds-Lamm. Sein Beispiel kann Menschen verändern, das Beispiel seiner Unschuld, seiner Reinheit, seiner Liebe und Geduld. Retten kann uns vor allem ein Opfer-Lamm, das sich hinopfert für die Sünden der Welt. Das hat Jesus getan – am Kreuz.

Lb. Gl. Wie recht er doch hat, der Johannes, der auf den ersten Blick erkennt: Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.

 

 

 

Lj. B 2023: Taufe Jesu – unsere Taufe

 

Evangelium nach Markus (Mk 1, 2)

In Jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.  Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret hinaus und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.  Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.  Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.

Impuls:

Gehen wir 2000 Jahre zurück. Gehen wir an den Jordan. Johannes ist dort, ein knorriger Bußprediger mit gewaltiger Stimme. Er ruft die Menschen auf: Kehrt um, bekennt euere Sünden und lasst euch taufen. Sein Ruf kommt an. Zu Tausenden strömen sie hinaus und lassen sich von Johannes taufen. Sie sind voller Erwartung. Ihre Erwartung hat sich erfüllt. Viele haben sich bekehrt und ein neues Leben begonnen, ein erfülltes Leben. Und dann kommt ein ganz besonderer Taufkandidat: Jesus. Er will sich von Johannes taufen lassen. Er, der Messias, der ohne Sünde ist. Johannes weigert sich: Das geht nicht, ich kann dich nicht taufen. Ich müsste von dir getauft werden. Jesus sagt: Lass es nur geschehen. Es ist ein Beispiel für andere. Und dann kommt das Besondere. Der Himmel öffnet sich. Der Hl. Geist schwebt wie eine Taufe auf Jesus herab. Sogar der Vater selbst meldet sich zu Wort: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Hier wird zum ersten Mal die Dreifaltigkeit Gottes präsentiert: Der Sohn, der sich taufen lässt. Der Hl. Geist, der unbedingt dabei sein will, wenn der Vater ein dermaßen schönes Kompliment sagt: Du bist mein geliebter Sohn.

Die Taufe Jesu damals, ein ergreifendes Ereignis. Alle drei sind sie zur Stelle: der Vater, der Sohn und der hl. Geist.

Wenn heute junge Eltern ihr Kind zur Taufe bringen, ist das nicht weniger berührend. Die Eltern sind voller Erwartung. Auch jene Eltern, die gar nicht besonderes fromm sind, legen eine große Hoffnung in dieses Sakrament. Sie wissen, dass sie nicht alles in der Hand haben. Es gibt viele Dinge, die sie nicht richten können, beim besten Willen nicht. Sie erwarten sich, dass Gott ihr Kind annimmt. Dass er es begleitet und schützt, ein ganzes Leben lang. Überzogene Erwartung? Ganz und gar nicht. Gott sagt in der Taufe auch zu ihrem Kind: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich Gefallen. Welche Liebeserklärung! Diese Zusage wird Gott niemals zurücknehmen, auch dann nicht, wenn ein Mensch auf die schiefe Bahn gerät und nicht die Wege Gottes geht. Selbst der schwerste Sünder ist und bleibt ein Kind Gottes, von ihm geliebt. Gott will, dass keines von seinen Kindern verloren geht. Er wird dafür sorgen, dass sie in den Himmel kommen, auf welchen Umwegen auch immer.

Lb. Gl. Wenn es heute Eltern gibt, die ihr Kind nicht mehr taufen lassen - aus welchem Grund auch immer, so kann ich nur sagen: Schade! Sie wissen nicht, was sie tun, was sie ihrem Kind vorenthalten. Viele besinnen sich und holen die Taufe später nach, zur Erstkommunion oder zur Firmung. Das ist erfreulich.

Heute ist der Tag, an unsere eigene Taufe zu denken, uns bewusst zu machen, was an uns geschehen ist. Uns zu erinnern an das liebe Kompliment: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Die Taufe ist jenes Sakrament, bei dem Gott in unserem Herzen Wohnung genommen hat. Seit der Taufe müssen wir Gott nicht mehr über den Wolken suchen, wenn wir ihn finden und zu ihm beten wollen. Er ist da, in unserem Herzen. Er ist da mit der gesamten Dreifaltigkeit: Mit Vater, Sohn und dem Hl. Geist.

 

 

 

Lj. B 2023: Dreikönig: Sterndeuter, die ersten Missionare

Evangelium nach Matthäus (Mt 2, 1)

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.  Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.  Er ließ die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.  Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten Michäas: Du, Betlehem, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.  Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.  Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.  Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.  Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.  Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.  Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Impuls:

Von Sterndeutern ist heute die Rede. Wie stellst du dir einen Sterndeuter vor? Ist doch klar. Noble gescheite Herren, die nächtelang in den Sternenhimmel gucken und genaue Aufzeichnungen machen. (Bild: Sterndeuter)  Sie rühren sich nicht von der Stelle. Das mag bei den meisten so gewesen sein. Jene aber, von denen die Bibel heute erzählt, gewiss nicht. Die haben sich von der Stelle bewegt, und wie! Sie haben ein auffälliges Sternbild über Israel entdeckt, das auf einen neuen König hindeutet. Beherzte Wissenschaftler wollen wissen, ob ihre These auch stimmt. Sie machen sich sofort auf den Weg, auf nach Israel. Dabei werden sie sogar von einem Stern geführt. Zunächst landen sie beim falschen König, bei Herodes, dem Kindermörder. Der fragt die Bibelexperten, ob die Bibel irgendwo von einem besonderen König spricht. Gewiss! In Betlehem soll er geboren werden. Also schickt Herodes sie nach Betlehem. Da werden sie fündig, in einer erbärmlichen Unterkunft. Sie sind überwältigt von diesem Kind, von seiner Ausstrahlung. Der hat was Göttliches an sich, sonst würden nicht die Sterne vom ihm sprechen. Sie sind außer sich über diesen Fund. Sie beschenken ihn, wie einen König. Dann gehen sie wieder heim. Ein Wissenschaftler kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Er will erzählen, was er gefunden hat. Möglicherweise gehen die drei von Haus zu Haus mit einer unglaublichen Botschaft: Wir haben ein menschgewordenes Gotteskind gefunden. Somit werden diese Heiden zu den ersten Missionaren von Jesus.

30 Jahre später gehen Jesus und seine Jünger von Ort zu Ort, von Haus zu Haus – und verkünden die Frohbotschaft. Von einem Gott, der alle Menschen liebt, egal, ob reich oder arm, gebildet oder einfach gestrickt, fromm oder weniger fromm. Den Aposteln trägt Jesus auf: Wenn ihr in ein Haus kommt, so wünscht den Menschen Shalom. Shalom bedeutet vieles: Friede, Segen, Heil für Leib und Seele. Nach ihnen machen sich andere Missionare auf den Weg, eine unendlich lange Reihe, bis auf den heutigen Tag.

ZU diesen Missionaren gehören auch unsere Sternsinger (Bild). Sie ziehen von Haus zu Haus und schreiben 3 Buchstaben an die Tür: C. M. B. Das sind die lateinischen Anfangsbuchstaben eines Segens: Christus mansionem benedicat. Christus segne dieses Haus. Und sie bringen im Lied und im Gedicht die Frohbotschaft: Der Heiland ist geboren – auch für dich. Der Erlöser befreit auch dich von vielem, was dich belastet: von Ängsten, Sorgen und von der Sündenlast. In Österreich sind 85.ooo Sternsinger unterwegs. Ihre Mission ist nicht zu unterschätzen. Naja, Geld sammeln sie auch – für Menschen in Not. Das machen sie im Auftrag Jesu, der uns zur Nächstenliebe aufruft. Gelebtes Beispiel also. Genauso wichtig aber ist ihre Botschaft. Dafür sage ich als Seelsorger ein großes Vergelt's Gott. Eure Predigt ist besser und kommt besser an als jede noch so gescheite Predigt auf der Kanzel.

 

 

 

2023 Lj. B: Neujahr: Löwenzahn-Herz

Bild: Löwenzahn-Herz

Evangelium nach Matthäus (Mt 6.31)

In jener Zeit sprach Jesus: Ihr Kleingläubigen! Macht euch keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.  Euch muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen. Jeder Tag hat genug an eigener Plage.

Impuls:

In diesen Tagen werden wir geradezu überschüttet mit guten Wünschen: Die Besten Wüsche zum Neuen Jahr. Und Gesundheit, das ist das Wichtigste, meinen sie. Die Liste der Wünsche ist lang. Ja, was wünsche ich mir denn? In Zeiten wie diesen wünsche ich mir gar nicht viel. Ich habe nur diesen Wunsch. Ein bisschen ausgefallen, das gebe ich zu. Ich wünsche mir ein Löwenzahnherz. Nicht ein gebasteltes, nein. Ein echtes, in mir drinnen. Was soll das heißen?

Der Löwenzahn ist ein unverwüstlicher Lebenskünstler und ein wahrer Lehrmeister. Der Löwenzahn wird von den meisten unterschätzt. Wer ihn als lästiges Unkraut sieht und ihn ausrotten will, der hat es nicht leicht. Gärtner und Freunde des gepflegten Rasens haben ausgesprochen schlechte Karten im Kampf gegen den Löwenzahn. Ist die Pflanze einmal da, wird man sie nicht wieder los. Dafür sorgt neben vielen Überlebens-Strategien vor allem die Pfahlwurzel, die der Löwenzahn tief in die Erde treibt. Wer versuchen will, sie auszugraben, müsste schon bis zu zwei Meter tief in den Boden graben - aber dann ist auch der schöne Rasen kaputt. Von diesem Lebenskünstler lerne ich: Ich muss tief verwurzelt sein in einem tragenden Grund, am besten im Urgrund allen Lebens, in Gott. In ihm habe ich einen verlässlichen Halt, den besten Ratgeber und einen Begleiter, der mit mir geht durch alle Höhen und Tiefen. Mit seiner Hilfe kann ich viele Herausforderungen schaffen und Schwieriges bewältigen.

Lb. Gl. Mimosen haben es schwer in dieser Zeit. Die Verwöhnten, die keine Belastung aushalten können, keine Einschränkung, keinen Verzicht. Viele Jugendliche fallen in eine Depression, weil sie Einschränkungen nicht annehmen können und auch nicht wollen. Die ältere Generation tut sich leichter. Wer die Nachkriegszeit durchgemacht hat mit Armut, mit Hunger und Entbehrungen, der kennt diesen Zustand und weiß damit umzugehen. Er hat die nötige Geduld und Gelassenheit: Irgendwie schaffe ich das schon. Ich habe schon Schwierigeres geschafft. Geduld fällt uns nicht einfach in den Schoß. Man muss sie übern, jeden Tag. Geduld üben, das heißt nicht nur warten können, das heißt vor allem aushalten. Unangenehme Situationen aushalten in der positiven Erwartung, dass es irgendwann mal besser wird. Jede Krise ist einmal vorbeigegangen.

Was überhaupt nicht hilft: Die Hände in den Schoß legen und raunzen: Klagen über die böse Welt und dass Gott doch eingreifen und dreinschlagen soll.

Besser ist, in allen Turbulenzen auf Gottes Fürsorge zu vertrauen. Er wird uns schon einen guten Weg zeigen, wie wir Krisen am besten überstehn. Sein erster Tipp: die Liebe. Was extrem hilfreich ist: eine herzliche Gemeinschaft. Aber auch die muss gepflegt werden: Einander herzlich und respektvoll begeg­nen, jeden Tag - In der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz. Herzliche Gemeinschaft auch mit Gott - in regemäßigem Gebet und Gottesdienst. In einem herzlichen Miteinander geht alles leichter. Gemeinsam sind wir stark.

Lb. Gl. So wünsche ich mir und uns allen für das neue Jahr ein Löwenzahn-Herz, das uns zu wahren Lebenskünstlern macht, tief verwurzelt in Gott.

 

 

 

Lj. C: 2022 Weihnachten – Krippe und Kreuz geh. zusammen.

Bild: Kind in der Krippe

Evangelium nach Lukas (2,1-20)

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.  So zog auch Josef von der Stadt Nazaret hinauf in die Stadt Davids, die Betlehem heißt. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.  Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Geburt,  und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.  Da trat der Engel des Herrn zu ihnen. Sie fürchteten sich sehr. Der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.  Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.  Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.

Impuls:

Viele fragen sich: Weihnachten feiern in einer Krisenzeit, wie soll das gehen? Der Hl. Franziskus meint: Das geht sehr gut. Krippe und Kreuz gehören nämlich zusammen. Beide sind aus demselben Material, aus Holz. Wenn wir Probleme damit haben, liegt es daran, dass wir Weihnachten zu sehr versüßlicht haben. Wir sind gewöhnt: Jede Menge Geschenke und in der Krippe ein lachender Knabe im lockigen Haar. War es denn wirklich so süß, damals vor 2000 Jahren? Ganz im Gegenteil. Die Geburt nicht im eigenen Haus, sondern in der Fremde, dazu noch in einem dreckigen Stall. Das Kreuz beginnt schon bei der Geburt. Jede Geburt ist im Grunde ein Kreuz, ein schmerzlicher Kraft-Akt. Wenn ein Kind geboren wird, lächelt es nicht. Es schreit. Erbarmungswürdig. Mit Tränen kommt es auf die Welt, nicht mit einem Lächeln. Es spürt die plötz­liche Ungeborgenheit nach der Entbindung. Es hat Hunger, fühlt sich nass. Es sucht Wärme, will getrocknet werden und gestillt. Es kann Wochen lang schon Tränen weinen, noch bevor es das erste Mal lächelt, als spürte es, dass es in der Welt so manches zu beweinen gibt.

Am Ende seines Lebens wird Jesus noch einmal laut schreien, am Kreuz von Golgota. Krippe und Kreuz gehören zusammen. Lachen und Weinen gehören zum Leben. Erst als Erwachsener bringt Jesus jene Hoffnung und Freude, die die Menschen von ihrem Erlöser und Messias erwartet haben und immer noch erwarten. Er hat uns eine Frohbotschaft verkündet von einem Gott, der alle Menschen liebt und wichtig nimmt: die Armen und die Reichen, die Alten und Jungen, die Frommen und die Sünder. Tausende Menschen haben ihn als Erlöser und Befreier erlebet. Er hat sie befreit von Krankheit, von Hunger und Leid; und von der Last ihrer Sünden. Jesus hat das Amt des Erlöser nicht abgelegt mit seinem Tod, im Gegenteil. Er wirkt heute genauso wie damals. Er macht genau das, was in dem beliebten Weihnachtslied verkündet wird "Alle Jahre wieder": Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus.

Was für eine Nachricht, dass Gott seinen Segen in jedes Haus brin­gen will. Und er wählt nicht nur die besonders Braven aus. Er geht in das Haus, in dem sich Eheleute nichts mehr zu sagen haben, die getrennte Wege gehen. Sein Segen will ihnen Mut machen, sich wieder neu zu suchen und einander in Liebe und Respekt zu begegnen. Er geht zu der Familie, wo es zwischen Eltern und Kindern Konflikte gibt, weil die Auffassungen über die Lebensgestaltung aus­einanderklaffen.

Er geht zu den Jugendlichen, die keine Freude am Leben haben. Die in eine Depression gefallen sind, weil sie keine Zukunft sehen oder weil sie in eine Sucht geschlittert sind.

Ist auch mir zur Seite still und unerkannt. Er ist bei mir, der ich mich freue über dieses Fest, das ich mit lieben Menschen feiern kann. Er ist auch bei jenem, dem gar nicht nach Feiern zumute ist; bei dem, der krank ist und Schmerzen hat; bei demjenigen, dem zum Heulen zumute ist, weil er einen lieben Men­schen verloren hat, der sich von Gott und aller Welt verlassen fühlt. Er ist auch bei dem, der sich an Weihnachten gar nicht recht in die Kirche getraut, weil er schon so lange nicht mehr da war, aber dennoch von einer tiefen Sehnsucht getrieben wird. Weihnachten bedeutet: Ein Hoffnungsschimmer fällt auf unser Leben, egal, wie es aussieht.

Lb. Gl. Unser Gott ist ein mitfühlender Gott. Er geht mit uns – durch alle Höhen und Tiefen. Somit haben wir ja recht, wenn wir nicht ein weinendes, sondern ein lachendes Kind in die Krippe legen. Wenn wir einmal alle Sorgen vergessen und uns freuen an unserm Gott. So lasst uns aus vollem Herzen die schönen Lieder singen, auch vom holden Knaben im lockigen Haar.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

 

 

 

4. Advent 2022:  Träume und Wünsche

Evangelium nach Matthäus (Mt 1,18-25)

Mit der Geburt Jesu war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammen wohnten, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete.  Josef, ihr Verlobter, machte sich Sorgen. Weil er gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss er, sich in aller Stille von ihr zu trennen.  Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.  Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. 

Impuls:

Wie geht es dir mit deinen Träumen? Wahrscheinlich so wie jedem Menschen. Manchmal haben wir schreckliche Albträume. Wir träumen, dass wir abgestürzt sind; oder dass ein lieber Mensch gestorben ist; oder dass wir eine Fünf in Mathe geschrieben haben. Schweißgebadet wachen wir auf und denken: Huuu! Gott sei Dank nur ein Traum und nicht die Wirklichkeit. Manchmal aber haben wir traumhaft schöne Träume. Wenn wir aufwachen, denken wir: Wenn es doch Wirklichkeit wäre. Wenn dieser Traum doch niemals aufhören würde. Manchmal haben wir auch Tagträume. Da wünschen wir uns das Blaue vom Himmel, alles Schöne, das es gibt. Gerade vor Weihnachten ist die Zeit der Träume und Wünsche. Manches geht in Erfüllung, manches nicht. Jede Zeit hat andere Wünsche. Mein Gott waren die Kinder vor 70 Jahren noch bescheiden. Im Jahr 1950, fünf Jahre nach dem Weltkrieg, schreibt Simon folgenden Brief: Liebes Christkind, bitte hilf meiner Mama, dass ihr Husten endlich besser wird. Und ich hätte so gern ein ganzes Sackerl voller Glaskugelen, weil man mit denen im Winter in der Stub‘n so fein spielen kann. Und noch einen Wunsch hätt i: es wär schön, wenn du uns hel­fen kannst, dass der Papa end­lich aus der russischen Ge­fangenschaft heim kommen darf. Vielen Dank, liebes Christ­kind!

Ganz anders der Christkindlbrief 70 Jahre später schreibt Fabian:

High, Christkindl! Host du überhaupt no was gscheits do, oder bin i schon z'spät dran  mit‘n Faxen? An tollen Computer möcht  i.

Und das Internet darf a net fehln, dass i surfen kann, in der Fruah, bei der Nacht und den ganzen Tag. A Handy kannst ma a no brin­gen. Wenn du mi bold belieferst, wär's nit schlecht, am besten oa Wochn vorm Fest. Weil am Heilg‘n Abend fliagn ma scho weg, in die Karibik. Tschüs und Ciao, Fabian.

Lb. Gl.

Ja, so ändern sich die Wünsche im Laufe der Jahre. Wir, die Erwachsen, lächeln heute über die Wünsche, die wir als Kinder noch hatten. Heute sind es ganz andere: Da stehen nicht mehr so sehr materielle Dinge im Vordergrund, sondern eher Kostbarkeiten, die man nicht kaufen kann: Gesundheit, ein sicherer Arbeitsplatz, ein verlässlicher Partner, Liebe, Freundschaft, eine glückliche Familie, Geborgenheit, Frieden im Haus und Frieden auf der Welt…Vieles kann uns das Christkind besorgen oder besorgen lassen. Bei manchen Wünschen aber wünscht sich das Christkind, dass wir selber ordentlich mithelfen, damit unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Die Erfüllung gelingt dann am besten, wenn wir bedenken, dass auch Jesus, das Geburtstagskind, seinen Wunschzettel hat. Seine Wünsche stehen in der Bibel, in den Seligpreisungen: Selig die Barmherzigen, selig, die ein gutes Herz haben, selig, die keine Gewalt anwenden, selig die Friedenstifter. Also: Barmherzig sein, ein gutes Herz haben, teilen, keine Streithansl, sondern Friedenstifter sein. Wenn wir die Wünsche Jesu beherzigen, dann werden diese Weihnachten reich beschenkte Weihnachten sein. Das wünsche ich uns allen von ganzem Herzen.

 

 

 

Lj. A 2022 3. Adventsonntag    Freut euch

Evangelium nach Matthäus (Mt 11,2)

In jener Zeit saß Johannes der Täufer im Gefängnis. Seine Jünger berichteten ihm von den Taten Jesu. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll als Messias und Erlöser? Oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird die Freudenbotschaft verkündet

Impuls

Stell dir vor: Du sitzt in einem Gefängnis, stockfinster, mieser Fraß und du wirst zudem noch gepeitscht. Und- du empfindest trotzdem helle Freude. Das gibt es nicht! Doch. Davon erzählt die heutige Lesung. Paulus schafft das Unmögliche. Er sitzt im Gefängnis und freut sich. Und er ruft auch uns zur Freude auf: Freut euch allezeit im Herrn! Noch einmal sage ich Freut euch, trotz allem, was wehtut und belastend ist. Wie schafft er das, der gute Paulus? Er denkt: Ich habe Jesus. Der ist mein allerbester Freund. Wenn ich ihn in meiner Nähe habe, dann ist alles nur noch halb so schlimm: Das Gefängnis nicht mehr so eng. Die Dunkelheit nicht mehr so dunkel. Der Fraß nicht mehr so schlecht. Auch die Peitschenhiebe tun nicht mehr so weh. Ein ganz toller Tipp, den Paulus uns da gibt. Wir haben es ja auch nicht leicht mit den Krisen, die uns plagen. Mit Corona und dass alles so teuer wird. Wir müssen testen und immer aufpassen. Und sparen und verzichten müssen wir auch. Das sind wir nicht gewöhnt. Bisher konnten wir alles haben – und zwar sofort. Das geht halt jetzt nicht mehr. Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten. Wir können jammern – so wie Peter Alexander. Der bekannte Schlagersänger hat alles: Wohlstand, eine liebe Frau an seiner Seite. Und was macht der Dummkopf? Das besingt er in dem folgenden Lied "Ich zähle täglich meine Sorgen".

Ich zähle täglich meine Sorgen, denn ich sorg mich sehr.

   Sorge Nummer eins in meinem Leben
Das ist die Sorge, dass du von mir gehst
   Und Sorge Nummer zwei ist, dass es bald 'nen andern gibt
Den besser du verstehst und der dich liebt

Ich zähle täglich meine Sorgen, denn ich sorg mich sehr
  
Sorge Nummer drei, das ist die Frage
Wie halt ich dich und wie gefall ich dir
   Und wenn du wirklich bleibst,

was erwartest du von mir?
Ja, das ist meine Sorge Nummer vier.

Was ist der Grund seiner Sorgen? Fehlendes Vertrauen.

Nein, so wie Peter dürfen wir's nicht machen, auf keinen Fall.

Wählen wir die 2. Möglichkeit. Zähl' nicht täglich deine Sorgen, zähle deine Freuden. Und suche die Nähe Gottes und die Nähe guter Menschen, denen du vertrauen kannst. Paulus macht es vor. Er hat volles Vertrauen auf Jesus. Mit so einem Freund schafft er alles.

Lb. Gl. Manches geht in der Krise jetzt nicht mehr. Was soll's! Dafür geht anderes umso besser. Wir haben mehr Zeit. Zeit, unsere Beziehungen zu pflegen. Mehr Zeit für den Partner, mehr Zeit für die Kinder, für die Freunde, die Nachbarn. Mehr Zeit für den lieben Gott. Zeit für ein Gebet, für ein herzliches persönliches Gespräch, in dem wir ihm alles übergeben können, Freuden und Sorgen. Plötzlich spüren wir, wie eine tiefe Freude einkehrt in unser Herz. Herzliche Beziehungen schütten jede Menge Glückshormone aus. Was uns auch belastet, lassen wir uns nicht hinunterziehen. Machen wir's wie Paulus: Freut euch allezeit im Herrn. Und freut euch an einem herzlichen Miteinander in der Familie, mit guten Freunden und mit Gott. Gemeinsam sind wir stark.

 

 

 

Lj. A 2022:  8. Dezember –Eva und Maria

Evangelium nach Lukas (Lk 1,26-38

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott nach Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.  Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.  Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.  Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.  Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.  Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

Impuls:

Viele Frauen haben das Bedürfnis, sich mit anderen Frauen zu vergleichen. Es hebt ihren Selbstwert, wenn sie sehen: Meine Nachbarin ist nicht so schön wie ich, nicht so schlank, nicht so intelligent. Was Frauen machen, will auch ich heute tun. Ich vergleiche zwei Frauen: Eva und Maria. Eva. Bild. Ihr Mann gibt ihr diesen Namen. Er nennt sie Eva, Mutter aller Menschenkinder. Ein großer Name. Aber was macht diese Dame? Sie ist ungehorsam gegen Gott. Sie verführt ihren Mann. Sie essen beide vom verbotenen Baum. Beide fliegen aus dem Paradies. Die Mutter aller Menschenkinder hinterlässt den Nachkommen ein Erbe, an dem wir heute noch leiden: die Erbsünde. Erbsünde, was ist das? Es ist die Neigung, Böses zu tun. Ja, so ist es leider. Das Böse geht uns oft viel leichter von der Hand als das Gute.

So und jetzt die Andere, die ganz Andere. Maria. Bild. Sie gehorcht dem lieben Gott – aufs Wort. Sie sagt zum Engel: Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mit mir soll geschehen, was du gesagt hast. Dabei war der Auftrag Gottes zwar ehrenhaft, aber alles andere als paradiesisch angenehm. Sie sollte den Sohn Gottes zur Welt bringen. Soweit so schön. Aber die Konsequenzen hat ihr der liebe Gott nicht verraten. Was diese Mutter mitgemacht hat, musste keine Mutter ertragen.

Das hat ein 16-jähreiges Mädchen erstaunlich klar erfasst, das den folgenden Text geschrieben hat: Ich stelle mir vor, Maria, dass du jung warst, lebendig und voller Fragen. Dass beim Wasserholen dein schwarzes Haar im Winde wehte, dass du mit anderen Mädchen am Brunnen lach­test, deine Träume und Wünsche erzähltest, und dass deine dunk­len Augen heimlich den Jungen des Dorfes folgten. Du wurdest mit Josef verlobt. Ob du glücklich warst, wissen wir nicht. Du hast sicher von einem schönen Leben geträumt, wie die andern: Von einer festlichen Hochzeit, von einer glücklichen Liebesbeziehung mit Josef, von Kindern und schönen Familienfesten. Dann klopft Gott bei dir an. Du lässt ihn ein, und er hat all deine Träume auf den Kopf gestellt. Ich stelle mir vor, Maria, dass du dich manchmal elend gefühlt hast nach deinem Ja, dass du es am liebsten zurückgenommen hättest: Bei der armseligen Geburt im Stall zu Betlehem. Bei der Flucht nach Ägypten und später, als man deinen Sohn ablehnte, als man ihm das Todesurteil sprach, als man ihn grausam zu Tode quälte. Dass du durchgehalten hast, Maria, ich kann dich nur bewundern!

Lb. Gl. Eva, die Mutter aller Menschenkinder hat uns mit ihrem Ungehorsam das verlorene Paradies eingebrockt und die Erbsünde. Maria, die Mutter aller Gotteskinder hat uns mit ihrem Gehorsam den Erlöser zur Welt gebracht. Er befreit uns von der Erbsünde in der hl. Taufe. Er befreit uns auch von allen anderen Sünden, und seien sie noch so groß. Er befreit uns davon - in der Beichte, in jeder Hl. Messe, durch Werke der Nächstenliebe und durch jedes gute Gebet.

Ich frage mich: Wird sich Maria ab und zu mit Eva verglichen haben? Ich weiß nicht. Da hätte Maria die Eva ganz schön alt aussehen lassen.

 

 

Lj. A 2022:  2. -Advent: Johannes. Kehrt um

Evangelium nach Matthäus. (Mt 3,1 - 4,11)

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.  Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.  Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;  sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.  Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr beweisen.

Impuls:

Der Advent hat ganz auffällige Persönlichkeiten. Jede mit einer besonderen Botschaft. Zwei sind sanft und liebenswürdig. Der Hl. Nikolaus z.B. Sein Vorbild ruft uns auf, an die Armen zu denken, zu teilen und zu schenken. Maria. Ihr Beispiel regt uns an, auf das Wort Gottes zu hören und danach zu leben. Sie sagt zum Engel: Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mit mir soll geschehen, was du gesagt hast. Ja und heute der Bußprediger Johannes. Er ist alles andere als sanft - mit seinem rauen Kamelhaar-Mantel und mit seiner Donnerstimme. Seine Botschaft ist fordernd und hart: Kehr um, wenn du auf dem falschen Weg bist! Steig aus! Genau dasselbe will uns die folgende Geschichte sagen: Da sitzt ein Mann im Zug. Seit Stunden schon ist er unterwegs. Bei jeder Station, wo der Zug anhält, schaut er nervös zum Fenster hinaus. Und er hört nicht auf damit, springt auf, schaut hinaus und setzt sich wie­der. Und das immer und immer wieder. Was tun Sie da die ganze Zeit? fragt eine Frau, die ihm gegenüber sitzt. Ich sitze im falschen Zug, sagt der Mann. Ich sollte längst schon ausgestiegen sein. Und warum tun Sie es nicht? fragt die Frau zurück. Ich tue es nicht, weil: Es ist so schön warm hier und bequem.                                                          

Eine Geschichte, die nachdenklich macht. Ich denke: Einige von uns fühlen sich ertappt, weil auch sie den Eindruck haben, dass ihr Leben in die falsche Richtung geht. Natürlich wissen auch sie, dass sie aussteigen sollten und nicht einfach weitermachen wie bisher. Sie werden dabei immer nervöser und ängst­licher. Was tun? Manche stumpfen ab. Sie zerstreuen sich, betäuben sich und denken nicht lange nach. Das reicht gerade zum Überleben. Aber aussteigen? Wirklich aus­steigen? Die Fahrtrichtung ändern? Das können sie nicht - aus Bequemlich­keit, aus Angst vor der Entscheidung und ihren Folgen.  

Der gute Johannes sagt dir im Hl. Geist. Kehr um! Steigt aus. Frag nicht, was die anderen dazu meinen. Folge deiner inneren Stimme, der Stimme deines Herzens und frage dich, worauf es wirklich ankommt. Was sind die wahren Werte? Was ist wertvoll - für Gott, für die Mitmenschen und für dich selbst. Ja. und für uns alle steht die Frage steht im Raum: Wie lange wollen wir noch so weitermachen mit dem "Immer Mehr"? Mehr Konsum, mehr Egoismus, mehr Rücksichtslosigkeit und mehr Gewalt. Noch mehr Verschmutzung und Ausbeutung unserer lieben Mutter Natur.  Aussteigen und Umsteigen wäre dringend angesagt. Aber wie soll das gehen? Ein junges Mädchen Greta hat es uns vorgezeigt, wie es gehen könnte: Unsere Mutter Erde lieben und schützen. Auf manchen Luxus verzichten, der uns selbst und der Mutter Erde schadet. Ebenso unsere Mitmenschen lieben, sie wertschätzen, sie schützen, wenn sie Schutz brauchen. Johannes der Täufer sagt noch zum Schluss: Bringt gute Früchte hervor, die eure Umkehr beweisen.

Lb. Gl. So lasst uns umkehren und aussteigen, dort wo unser Leben kein wirkliches Leben mehr ist, sondern nur ein Trott, Gewohnheit und Bequemlichkeit. Lasst uns aussteigen, damit unser Leben dem Leben dient, meinem Leben, dem Leben der Mitmenschen und dem lieben Gott.

 

 

 

Lj. A 2022:  1. -Advent – Advent, du stille Zeit, friedliche Zeit Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 2,1-5

Hören wir das Wort des Herrn, das der Prophet Jesaja, in einer Vision von Gott erhalten hat.  Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.  Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.  Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Impuls:

Wisst ihr, wie sehr ich mich gefreut habe auf diesen Advent, wochenlang. Die letzten Jahre waren keine lustige Zeit. Wirbel und Krisen hatten wir mehr als genug: Corona, Unwetterkatastrophen, Krieg und Teuerung. Jetzt möchte ich einmal alles ausblenden, was belastet. Den Fernseher mit seinen täglichen schlechten Nachrichten schicke ich auf Urlaub. Was ich brauche, ist eine Zeit der Ruhe und Besinnung. Ich nehme lieber ein gutes Buch oder die Bibel zur Hand. Da finde ich jede Menge gute Nachrichten, die mich ruhig und friedlich machen. Heute hören wir die tröstliche Lesung des Propheten Jesaja. Er spricht davon, welcher Friede uns zuströmt und welche Lebensweisheit, wenn wir uns in die Nähe Gottes begeben: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn. Er zeige uns seine Wege. Auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Er weist die Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern. Von einem wohltuenden Frieden ist da die Rede. Friede ist möglich für jeden. Für jeden, der sich in die Nähe Gottes begibt. Gewiss, den Frieden in der Ukraine können wir nicht machen. Da können wir nur beten. Was wir aber machen können: Frieden in unseren Herzen, in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft. Der Un-Friede in uns und im nächsten Umfeld belastet uns mehr als der Krieg in der Ukraine. Wenn das Leben nicht ganz rund läuft, werden viele nervös und aggressiv. Wieviel Streit gibt es in den Familien! Ein böses Wort gibt das andere. Jesaja ruft uns auf: abzurüsten! Das aggressive Verhalten, die scharfen, spitzigen, verletzenden Worte umzuschmieden in Worte des Verstehens, der Güte, des Verzeihens, in Worte des Wohlwollens und der Liebe. Die scharfen Worte sind meist Vorboten für schwere Ausschreitungen, auch für die Gewalt in der Familie, die immer mehr zunimmt. Jesaja ruft uns auf: Schmiedet Pflugscharen aus euren Schwertern. Ein treffendes Bild. Pflugschar und Schwert, beide sind haarscharf. Nur mit dem wesentlichen Unterschied: Das eine ist tödlich, das andere dient dem Leben, ist Werkzeug für mein tägliches Brot.  Genauso ist es mit unserer Zunge. Sie kann töten oder lebendig machen.

Das will uns die folgende Geschichte einschärfen. Ein König hatte einen Diener. Der war hochintelligent. Der König plauderte gern mit ihm über Gott und die Welt. Eines Tages sagte er: Geh und bring mir, was für den Menschen das Beste und Kostbarste ist. Nach geraumer Zeit brachte der Diener auf einer Schale ein Herz und eine Zunge. Der Herrscher war verwundert. So und jetzt bringe mir, was für den Menschen das Schlechteste ist. Der Diener ging und brachte wiederum ein Herz und eine Zunge. Erstaunt fragte der Herrscher: "Du bringst Herz und Zunge als das Beste und Schlechteste zugleich? Der Diener erklärte: Aus dem Herzen und von der Zunge eines Menschen kommt das Wertvollste: Liebe und Wertschätzung. Ein Wort aus einem guten Herzen kann uns so glücklich machen, als wären wir im siebenten Himmel. Und ein Wort aus einem bösen Herzen macht uns das Leben zur Hölle. Lb. Gl. Wir haben die Wahl: Mit denselben Werkzeugen Himmel oder Hölle. Wenn wir klug sind, werden wir uns für den Himmel entscheiden.

 

 

 

Lj. C 2022: 34. So:  Christus, der König.

Evangelium nach Lukas  (Lk 23, 35)   Bild.

In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.  Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.  Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.  Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.  Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Impuls:

Heuer wurde sie zu Grabe getragen, die längst dienende Königin, die große Queen Elisabeth. Längst dienende? Nun, es hat Monarchen gegeben, die haben länger gedient. Einer von ihnen ist jetzt noch im Amt, seit 2000 Jahren, Christus, der König. Davon berichten die Medien nicht. Das wissen sie auch nicht. Das wissen nur die gläubigen Christen und der rechte Schächer am Kreuz. Er hat Jesus gebeten: Denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst. Wer hat ihn denn eigentlich zum König gemacht? Kein Geringerer als sein Vater. Dass er sich selbst als König sieht, das spricht er offen aus bei seinem Prozess vor Pilatus. Pilatus fragt ihn: Bist du der König der Juden? Jesus bekennt ganz offen: Du sagst es, ich bin es. Aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist ein geistiges Reich: Ein Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Also ein ganz andres als ein weltliches Reich, das man verteidigen muss mit Soldaten und Waffen. Die Krone, die hat er sich nicht selber aufgesetzt wie Napoleon. Die haben Soldaten ihm aufs Haupt gedrückt, eine Dornenkrone, keine aus Gold. Das macht den Unterschied zu den Mächtigen dieser Welt. Dieser König ist ein Anti-König. Das ist einer, der sich nicht bedienen lässt, sondern einer, der dient, der sogar sein Leben einsetzt für die Sünden der Welt. Sein Einsatz geht bis zum letzten Atemzug. Zum rechten Schächer sagt er: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.  Noch in seinem Todeskampf begnadigt er einen Verbrecher – mit der letzten Kraft seines Erbarmens. Jesus, der ganz andere König. Jesus, der wahre König der Welt. Papst Pius XI. hat ein eigenes Christkönigsfest eingeführt. Im Jahr 1925. In einer Zeit, da die Zaren, Kaiser und Könige abgedankt hatten.  Diese Herrscher waren nicht unbedingt ein Segen für das Volk.  Das Volk hatte genug von ihren; und einige Jahre später – genug von Hitler, diesem Diktator, der die ganze Welt ins Elend stürzte.

Im Jahr 1934, also mitten in der Nazi-Diktatur, da trafen sich am Christkönigsfest 30.000 Jugendliche in Köln und zogen mit Christusfahnen in den Dom ein. Ein mutiges Zeichen gegen Hitler und gegen die Hakenkreuzfahnen der Nazis.

Lb Gl. Ein wirklich mutiges Bekenntnis. Und ein zeitloser Tipp. Christus als den König der Welt zu bekennen, kann uns vor falschen Heilsversprechen bewahren. Was ist aus dem 1000-jährigen Reich und aus dem "Heil" geworden, das Hitler versprochen hat? Das größte Un-Heil aller Zeiten. Christus, der König und sein Geist kann uns bewahren von falschen Politikern und Führern, von Rattenfängern aller Art. Auch von persönlichen Abhängigkeiten: von Zwängen und Ängsten, von Sünden und Süchten.

Wir haben schon recht, wenn wir unseren König feiern - mit Instrumenten und Liedern - und mit einem brennenden Herzen.

Er verdient es wie keiner sonst.

 

 

 

Lj. C 2022: 33. So:   Apokalypse, Weltuntergang

Evangelium nach Lukas (Lk 21, 5)

In Jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird zerstört. Dann sagte er: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Das Ende kommt noch nicht sofort.  Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.  Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben. Am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.  Aber das Ende kommt nicht sofort.

Impuls:

Was sagt Jesus da? Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Das Ende kommt nicht sofort. Was werden sich Tausende Ukrainer denken, die miterleben müssen, wie ihre Häuser niedergeschossen werden und in Schutt und Asche liegen? Die Betroffenen werden untröstlich jammern: Das ist das Ende! Das Ende unserer Existenz, das Ende unserer Stadt, das Ende unseres Heimatlandes. Und dann wird zu allem Überfluss auch noch von Atomwaffen gefaselt. Ist das jetzt das Ende der Welt, Apokalypse? Jesus sagt: Das Ende kommt nicht sofort. Was hat diese Welt nicht schon alles erlebt und überlebt. Wie viele Katastrophen, angefangen von der Sintflut bis zu den Naturkatastrophen unserer Zeit: Stürme, Überschwemmungen, Dürre…Und wie viele grausame Kriege. Weltkriege sogar. Und die Welt steht immer noch. Jesus sagt: Lasst euch nicht erschrecken! Es reicht, wenn die Menschen in den Kriegsgebieten erschrecken, die von den Gräueln betroffen sind. Wir können Ruhe bewahren und einfach nur 1000-mal Danke sagen, dass in unserem Land Friede herrscht. Aber wir auf der Sonnenseite werden nicht tatenlos zuschauen. Wir können einiges tun für die geschunden Menschen. Wir können helfen. Es gibt genügend Sammelstellen. Wir können alltägliche Gebrauchsartikel abgeben. Wir haben den Kost-nix-Laden hier im Haus. Spenden kann man auch. Und Flüchtlinge aufnehmen auch. Ja, und beten kann man auch. Wie bei allen Katastrophen, schießen auch jetzt die Unheilspropheten aus dem Boden wie die Pilze. Sie verkünden den Welt-Untergang. Jesus sagt: Glaubt ihnen nicht. Das Ende der Welt wird nicht von Putin herbeigeführt oder irgendeinem anderen Diktator. Das Ende der Welt wird genau geplant – und zwar vom Herrn der Welt, von keinem anderen sonst. Wie wird der Weltuntergang über die Bühne gehen? Das sagt Jesus an anderer Stelle: Die Sterne werden vom Himmel fallen. Die Sonne wird sich verfinstern. Das Ende der Welt geschieht in einer Neuschöpfung. Dann schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann kann sich unsere liebe Sonne ruhig verfinstern und dann können die Sterne getrost vom Himmel fallen. Dann haben sie ausgedient. In der anderen Welt brauchen wir sie nicht mehr. Wir brauchen sie nicht mehr als Licht- und Wärmespender, auch nicht mehr als Zeitmaß. In der Ewigkeit laufen die Uhren anders als in diesem Sonnensystem. Es ist also absolut nicht so, dass dem lieben Gott durch ein dummes Missgeschick, oder gar durch einen bösen Streich der Menschen sein ganzes Werk zusammenkracht.

Lb. Gl. In der Apokalypse, beim Weltuntergang passiert im Wesentlichen nichts anderes, als wenn ein Uhrenmacher seinen Betrieb umstellt: Von der altmodischen Sonnenuhr auf ein modernes System. Unser Schöpfer stellt unsere Welt und alle Geschöpfe um von Zeit auf Ewigkeit, von Not und Drangsal auf ewige Freude. Was soll daran so schrecklich sein?

 

 

 

Lj. C 2022: 32. So: Auferstehung der Toten.

 

Evangelium nach Lukas (Lk 20,27)

In jener Zeit hatte Jesus ein Streitgespräch mit den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung der Toten glauben. Er sagte: Habt ihr nicht in der hl. Schrift gelesen, was Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet. Da nennt er den Herrn den "Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs".  Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; für ihn sind alle lebendig.

Impuls:

Ist Jesus streitsüchtig? Ja, wenn es sein muss. Heute streitet Jesus mit einigen Philosophen, sogenannten Sadduzäern. Die Sadduzäer können einfach nicht glauben, dass die Verstorbenen auferstehen. Sie danken: Mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Jesus sagt: Habt ihr nie die hl. Schrift gelesen? Mose redet Klartext vom Hl. Geist erfüllt. Er nennt den lieben Gott den "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Mose würde Gott ganz bestimmt nicht so nennen, wären diese drei Männer tot. Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden, sagt Jesus. Für ihn sind alle lebendig.

Gibt es eine Auferstehung der Toten? Schwierige Frage. Zu allen Zeiten haben Menschen Schwierigkeiten damit. Studierte tun sich schwer, Halb-Studierte ganz besonders. So hat ein Studentenpfarrer zu Ostern einmal folgende Predigt gehalten: Ostern. Der Herr ist auferstanden. Aber ihr glaubt es sowieso nicht. Amen.

Lb. Gl. Ist es denn so wichtig, ob wir an die Auferstehung der Toten glauben oder nicht? Ja, es ist wichtig. Enorm wichtig. Das meint auch der Apostel Paulus. In der heutigen Lesung sagt er: Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert müsst wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Der Glaube an die Auferstehung der Toten gibt unendlichen Trost. Nicht auszudenken, würden unsere Lieben nicht weiterleben. Und es gäbe keine Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Reinhard Fendrich singt in einem seiner Lieder: "Nix is fix". Recht hat er. Aber eines ist fix: Der Tod. Und der ist auch der Grund, warum wir immer wieder in den Friedhof gehen. Einer von unseren Lieben ist gestorben. Wir stehen am Grab und sind traurig. Aber auch das ist nicht ganz fix. Die einen sind traurig, andere sind es nicht. Die einen sind untröstlich, andere sind es nicht. Die einen sind gläubig, andere sind es nicht. Trauer hat ganz verschiedene Gesichter. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen den Glaubenden und den Nicht-Glaubenden - in der Art nämlich, wie sie sterben und in der Art wie sie trauern.

Die Hoffnung macht den Unterschied. Trauer ohne Hoffnung wird unerträglich und kann einen Menschen zerbrechen. Nun, auch der gläubige Mensch hat seine Trauer. Aber wir Christen müssen nicht trauern, wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Die Trauer des Glaubenden hat einen Lichtblick. Der macht die Trauer erträglich. Welchen Lichtblick? Das Wissen: Der Verstorbene lebt. Er lebt bei Gott, so dürfen wir hoffen, und er hat es gut. Das ist nicht bloß ein frommer Wunsch. Das ist sichere Zusage aus der Hl. Schrift. Zusage eines verlässlichen Gottes, der nicht lügen kann. Und dieser Gott sagt uns: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag. Und: Kein Auge hat es gesehen, was Gott denen Schönes bereitet, die ihn lieben.

Lb. Gl. Weil wir Christen an die Auferstehung glauben, können wir unsere lieben Verstorbenen leichter hergeben – in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Der Verstorbene lebt. Das ist Zusage aus der Hl. Schrift. Und diese Zusage ist fix.

 

 

 

Lj. C 2022:  Allerheiligen Oh when the saints… Wenn die Heiligen im Himmel einmarschiern, da wollen wir dabei sein.

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1)

In jener Zeit stieg Jesus mit vielen Menschen  die ihm folgten, auf einen Berg. Er setzte sich und lehrte sie.

Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.  Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.  Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.  Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.  Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.  Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.  Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.  Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Impuls:

Ich denke gern zurück, an die Jahre nach dem Konzil, an die 60-er und 70-er Jahre. Was für ein Aufbruch, aber auch jede Menge Spannungen. Da waren die einen, die alles umkrempeln und neu machen wollten - und die anderen, die das Alte retten wollten um jeden Peis. Neue Lieder sind aus dem Boden geschossen wie die Pilze, den einen zur Freude, den anderen zur Qual. Eines von den neuen Liedern war der Gospelsong "Oh when the Saints go marching in". Ein absoluter Ohrwurm. Feurige Musik mit einem griffigen Text, der unter die Haut geht, vor allem die Kernaussage: Wenn die Heiligen in den Himmel einmarschieren, da will ich dabei sein, let me be in that number.

Wer möchte das nicht? Viele denken wehmütig: Wie soll das gehen? Ein Heiliger bin ich nicht, das schaffe ich nie. Grober Irrtum! Wir erreichen zwar nicht die Vollkommenheit der Mutter Gottes oder des Hl. Franziskus, aber - auch wir sind schon geheiligt durch die Taufe. Wir sind Kinder Gottes und haben somit alle Chancen auf den Himmel, wenn wir uns nicht total daneben benehmen, wenn wir uns nicht verhalten wie Raubtiere. Nicht dabei sein werden vermutlich nur die eingefleischten Gottes- und Menschenhasser. Das heutige Evangelium nennt ein paar Kriterien eines heiligen Menschen, die 8 Seligpreisungen. Ich denke: Eine davon kann jeder von uns schaffen.

Ø  Selig, die arm sind vor Gott. Selig, die sich nicht so wichtig nehmen, die wissen, dass sie mit leeren Händen vor Gott stehen. Bettelarm, weil sie wissen, dass sie alles ihrem Gott ver­danken: ihre Leis­tungen sind gottgeschenktes Talent.

Ø  Selig die Trauernden. Selig, die Kummer und Leid zu tragen ha­ben. Von ih­nen heißt es: Gott wird alle Tränen abwischen von ihrem Gesicht.

Ø  Selig die Friedenstifter. Selig, die keine Gewalt anwenden, die nicht zurückschlagen, die sich nicht in Hass und Rache verrennen; die kein Ö1 ins Feuer gießen; die versöhnende Worte und Taten fin­den; die Brücken bauen, die anderen keine Prügel vor die Füße werfen.

Ø  Selig die hungern nach Gerechtigkeit. Selig, die sich nicht mit dem Unrecht ab­finden, die nicht mit den Achseln zucken und sagen: Da kann man halt nichts machen.

Ø  Selig die Barmherzi­gen, die nicht am Leid und Elend des Nächsten vorübergehen, deren Herz sich bewegen lässt zu helfen, wo sie gebraucht werden.

Ø  Selig die ein reines Herz haben. Selig die Menschen mit einem geraden, ehrlichen, gütigen Herzen. Ihre Blicke tun gut, weil ihr Herz gut ist.

Ø  Selig die Verfolgung leiden, weil sie nach ihrem Gewissen denken und handeln.

Lb. Schw. und Brüder. Erstaunlich, wer da aller dabei sein wird unter den Seligen. Hast du dich in einer der 8 Seligkeiten wieder erkannt? Dann wirst auch du dabei sein, when the Saints go

marching in.

 

 

 

 

Lj. C 2022: 31. So: Zöllner Zachäus – Vorurteil

Evangelium nach Lukas (Lk 19, 1)  --- Bild

In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt.  Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.  Er wollte Jesus sehen, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.  Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.  Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.  Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.  Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.  Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.  Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.  Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Impuls:

Frage: Magst du alle Menschen? Ich denke, das schaffst du nicht. Das hat auch Jesus nicht geschafft. Die rel. Führer z.B., die hat er ordentlich beleidigt und beschimpft: Ihr Schlangenbrut! Bei manchen Leuten tun wir uns einfach schwer. Heute hört man immer wieder: Die Ausländer? Mag ich nicht! Die Lehrer? Mag ich nicht! Die Polizisten? Mag ich nicht! Die Schwiegermutter? Mag ich nicht! Vor 2000 Jahren waren es andere. Die Zöllner? Mag ich nicht! Dieser Hass hatte allerdings einen triftigen Grund. Die meisten von ihnen waren richtige Gauner und Betrüger. Sie haben viel mehr Zoll verlangt, als vorgeschrieben war. Der Überschuss ging dann in die eigene Tasche. Was sie zudem verhasst gemacht hat: Sie waren Handlanger der Römer, der Erzfeinde, die ihr Land besetzt hatten.

Heute hören wir die Geschichte vom Zöllner Zachäus. Und da erfahren wir: Zöllner ist nicht gleich Zöllner. Zachäus hat zwar auch ganz ordentlich kassiert. Aber er ist nicht glücklich in seiner Haut. Das Gewissen beißt ihn. Da sucht er Jesus, den Erlöser. Zachäus ist ein Gottsucher. Aber wie soll das gehen? Ein kleiner Zwerg inmitten einer riesigen Masse. Keine Chance! Oh doch. Wer Gott sucht, findet ihn – irgendwie und irgendwo. Wenn es sein musss, auf einem Baum. Er denkt: Hinauf auf den nächsten Baum! Gute Idee! Da kann er Jesus sehen. Und – Jesus sieht auch ihn. Prompt holt ihn Jesus herunter und lädt sich selber bei ihm ein als Gast. Es wird ein unglaubliches Fest. Ein Fest der Bekehrung: Von jetzt an gebe ich die Hälfte meines Vermögens den Armen. Und betrügen? will ich keine Menschenseele mehr. Eine so plötzliche Bekehrung, wie gibt es denn so was? Offenbar war im Herzen dieses Zöllners eine Perle versteckt. Sie wartete nur darauf, dass einer sie entdeckt und freilegt. Jesus kann das – wie kein anderer: die Perle eines Menschen entdecken und freilegen. Kann ich das auch? Warum nicht? --- Schauen wir uns unsere ungeliebten Menschen einmal genauer an: Die Ausländer, die Lehrer, die Polizisten, die Schwiegermütter und manch andere… Hast du einmal daran gedacht, dass es unter ihnen auch Perlen gibt? Und viele Gottsucher mit einem guten Kern? Die Ausländer sind nicht alle nur Schmarotzer und stinkfaul. Ich kenne Ausländer genug mit einem Herz aus Gold. Herzlich und hilfsbereit und fleißig. Und weißt du, wie viele Perlen es gibt unter den Lehrpersonen? Die Perlen kommen oft erst in Krisenzeiten an die Oberfläche. Was haben sich die Lehrpersonen Mühe gegeben, in der Coronazeit die Schüler schonend und glimpflich durch das Schuljahr zu bringen. Was haben sie getestet, getröstet, Mut gemacht. Und die Polzisten? Wir hassen sie, weil sie Strafmandate verteilen für zu schnelles Fahren. Aber was leisten diese Leute für Ordnung und unsere Sicherheit. Ihr Einsatz ist oft alles andere als lustig. Bei Gewalt in den Familien, wo sie schlichten müssen, bei Unglücksfällen und Katastrophen! Und die ungeliebten Schwiegermütter? Sie sind da, wenn Hilfe oder Babysitter- Dienste gebraucht werden.

Lb. Gl. Wenn wir unseren Blick umdrehen vom Vorurteil hin zum Vertrauens-Vorschuss, dann entdecken wir Perlen, auch bei jenen Menschen, wo wir das niemals erwartet hätten. Wenn wir unseren Blick reinigen, kann sogar ein Wunder geschehen. Der Hass wandelt sich - in Wertschätzung.

 

 

 

Lj. C 2022: 30. So: Weltmission: Willkommen ist d. Freudenbote

Lesung aus dem Römerbrief (Röm 10, 5)

Liebe Brüder und Schwestern! Denkt daran: Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. Wenn du mit deinem Mund bekennst: "Jesus ist der Herr" und in deinem Herzen glaubst: "Gott hat ihn von den Toten auferweckt", so wirst du gerettet werden.  Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.  Wie aber sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist? Darum heißt es in der Schrift: "Wie sind die Freudenboten willkommen, die eine gute Botschaft verkündigen!" (Jes 52.7)

Impuls:

Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden (Jes 52.7), sagt der Prophet Jesaja in der heutigen Lesung. 2700 Jahre alt ist dieser Satz. Jesaja hat ihn gesagt in einer schweren Krise. Dieser Satz ist heute wieder hoch-aktuell. Heute ist Tag der Weltmission. An was denken wir da spontan? An fremde, unterentwickelte Länder am Ende der Welt. Und Missionare, die diesen Menschen dort den Glauben verkünden und ihnen helfen in ihrer Not? Am Ende der Welt? Das ist viel zu kurz gegriffen. Das Missions-Gebiet hat sich enorm erweitert. Es hat inzwischen auch unsere Lande erreicht. Glaubens-Not und materielle Not gibt es auch bei uns. Tirol ist längst nicht mehr das "Hl. Land Tirol", wo alle in die Kirche gehen. Österreich schon gar nicht. Gerademal 20% gehen regelmäßig am Sonntag in die Kirche. Das bedeutet: Die Menschen hören keine Lesung, kein Evangelium, keine Predigt mehr. Das bringt im Laufe der Jahre einen zunehmenden Glaubensschwund. Ich sage, wie es ist: Österreich ist Missionsgebiet. Aber es gibt auch die gute Nachricht: Es gibt jede Menge Missionare. Denn wir alle, jeder Christ ist aufgerufen, gute Nachricht zu verkünden. In Zeiten wie diesen, wo es fast nur noch traurige Nachrichten gibt, da sind die Freudenboten besonders gefragt. Menschen, die klaren Kopf bewahren. Die nicht nur das Negative sehen, sondern auch die Chancen. Viele werden depressiv in dieser Situation, besonders auch junge Menschen. Manche brauchen einen Psychotherapeuten. Aber von denen gibt es viel zu wenige. Ein Jahr Wartezeit. Es würde doppelt so viele brauchen. Oder doch nicht? Wir würden nicht so viele brauchen, wenn wir Christen unsere Berufung leben. Wenn wir Väter und Mütter, wir Lehrpersonen und Erzieher, wenn wir an die Macht der guten Worte glauben, besonderes jener Worte, die Mut und Freude machen, wenn wir Freudenboten sind. Zunächst ist es einmal wichtig, dass der Feudenbote einfach da ist. Schauen wir, dass wir uns in dieser Zeit nicht zu viel allein lassen. Dass wir füreinander Zeit haben, für einander da sind. Miteinander reden, miteinander was Schönes unternehmen. Dass wir uns Mut machen, gut zureden, das Positive entdecken. Uns loben, wenn etwas gelingt. Und ein Freudenbote, der zudem noch einen bodenständigen Glauben hat, der hat eine Botschaft, die die meisten Therapeuten nicht mehr haben: Wir haben einen liebenden Gott an unsere Seite, dem es nicht gleichgültig ist, wie es uns geht. Er kann und will uns beschützen und bergen. Und er kann uns Wege zeigen, zu einem guten Leben – auch in der Krise. Je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto weniger Zeit bleibt, im Internet herumzuschnüffeln, wo es so viele falsche und angstmachende Nachrichten gibt.

Lb. Gl. Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden. Worte haben große Macht, viel mehr als uns bewusst ist.

Hast du gewusst?

dass das Wort eines Menschen gesund machen,

krank machen, tot und lebendig machen kann?

Hast du gewusst, dass die Nähe eines Menschen

gut machen, böse machen, traurig und froh machen kann?

Hast du gewusst, dass das Wegbleiben eines Menschen

sterben lassen kann,

dass das Kommen eines Menschen wieder aufleben lässt?

Hast du gewusst, dass das Wort eines Menschen wieder sehend machen kann, einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah,

der keinen Sinn mehr sah in seinem Leben?

Hast du gewusst, dass das Zeithaben für einen Menschen

mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen

mehr als eine geniale Operation?

Hast du gewusst, dass das Anhören eines Menschen

Wunder wirken kann?

Lb. Gl. Was für ein Therapeut, der gute Jesaja: Wie sind die Freudenboten willkommen, die gute Nachricht verkünden.

 

 

Lj. C 2022: 29. So: Allzeit beten, nicht nachlassen! (Witwe-Richter)

Da ist ein Richter. Er fürchtet Gott nicht, und Tod und -Teufel schon gar nicht. Ein knallharter Typ. Aber eines fürchtet er: die Ohrfeigen einer Witwe und ihre Aufdringlichkeit. Was will Jesus mit dieser Geschichte? Zunächst will er sagen: Gott ist nicht so hart wie dieser Typ. Er verhilft den Seinen zu ihrem Recht. Unverzüglich sogar. Das allerdings ist der schwierigste Punkt der Geschichte. Unverzüglich erfüllt der liebe Gott all unsere Wünsche, fast wie ein Automat auf Knopfdruck. Wirklich? Dieses Missverständnis entschärft Jesus selbst, indem er uns die Witwe als Vorbild vor Augen stellt. Er sagt uns: Nicht zu schnell aufgeben! Manche Menschen hören auf zu beten, wenn ihre Wünsche nicht gleich erfüllt werden. Das ist ein großer Fehler. Wer sofort aufgibt, macht es sich zu billig. Warum werden manche Gebete nicht gleich erfüllt? Nun, es gibt auch eine Eigen-Verantwortung des Beters. Manche denken: Der Papa wird's schon richten. Der Papa richtet gar nichts – ohne uns. Das wiederholte Gebet ist eine Chance. Der Beter muss sich mit dem Problem auseinandersetzen in einer ausführlichen Aussprache mit Gott. Oft ist ja der Beter selbst das größte Problem des Problems. Und das ist dann auch der Grund, warum der liebe Gott ein Problem nicht auf Knopfdruck aus der Welt schaffen kann und will. Diese Geschichte will uns sagen: Nicht aufgeben, dranbleiben. Selber tun, was man kann. Ein Musterbeispiel für eine hartnäckige Beterin ist die hl. Monika. Ihr Sohn Augustinus, hochintelligent. Aber er ist leider auf schiefe Bahn geraten und hat ein liederliches Leben geführt. Für die fromme und rechtschaffene Mutter ein schweres Kreuz. Was hat sie gebetet, wie viele Tränen geweint – bei Tag und Nacht, mit welcher mütterlichen Sorge ihm zugeredet. Nach 19 Jahren endlich kommt die Erhörung.

Im Jahr 384 ziehen Augustinus und seine Mutter von Rom nach Mailand. Dort geschieht die große Wende. Er liest den griechischen Philosophen Plato, seine Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele und das Gericht, über das Leben nach dem Tod. Die Gedanken über das Jenseits lassen ihn nicht mehr los. Die Entdeckung der übersinnlichen Welt bringen seine materialistische Einstellung ins Wanken. Aber noch wichtiger als Plato wird für ihn seine Begegnung mit dem hl. Ambrosius, dem damaligen Bischof von Mailand. Augustinus beginnt, die Predigten des großen Lehrers zu besuchen, die vor allem wegen ihrer schönen Sprache großen Eindruck auf ihn machen. Er war ja selber ein ausgesprochener Sprach-Künstler. Und die Bibel, die er bisher verachtet hatte - wegen ihrer primitiven Sprache, fängt er an zu schätzen. Er liest sie ganz neu - nicht mehr wie ein Stück Literatur, sondern nach ihrem Inhalt. In den Ferien bereitet er sich auf einem Landgut auf seine Taufe vor. Am Ostersamstag 387 empfängt er und sein Sohn die hl. Taufe aus der Hand des Hl. Ambrosius. Seine Mutter ist dabei. Man kann sich denken, was in ihr vorging. Wieder flossen Tränen, diesmal Tränen der Freude. Aus dem liederlichen Augustinus wurde einer der besten Theologen und Lehrer der Kirche.

Lb. Mütter, habt ihr auch Problem-Kinder? Was tun mit ihnen? Für sie beten ist nicht der schlechteste Dienst.

 

 

 

Lj. C 2022: 28. So: 10 Aussätzige – Dankbarkeit?

 

Evangelium nach Lukas (Lk 17,11-19)

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.  Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.  Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; er lobte Gott mit lauter Stimme.  Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war ein Fremder aus Samarien.  Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Impuls:

Heute hören wir, dass sogar Jesus einmal raunzt. Was beißt ihn denn? Die Undankbarkeit. 10 Aussätzige hat er geheilt. Nur einer bedankt sich. Die anderen 9 sind einfach weg, ohne ein Pipp oder Papp. Jesus ist gekränkt. Das verstehe ich. Immerhin hat er sie vom Aussatz befreit. Aussatz ist ja kein harmloser Schnupfen, sondern tödlich. Wo bleibt die Dankes-Kultur? Damals war sie

1 zu 10. Ist es heute besser? Ich weiß nicht. Liebe Mütter, wie oft bekommt denn ihr ein herzliches Danke für all eure Mühe? Viele von euch nur einmal im Jahr, zum Muttertag. Das war's dann schon. Liebe Ärzte, liebe Pflegepersonen, liebe Therapeuten, wie viele von den Geheilten kommen zurück mit einem Blumenstrauß oder einem Fläschchen Wein? Einer von Zehn? Oder Niemand? Liebe Pädagogen und Erzieher, wie viele Eltern bedanken sich am Ende eines Jahres für euren nervenzehrenden Dienst an ihren Kindern? Einer von 10? Oder Niemand? Dankes-Kultur, sie ist offenbar ein Stiefkind in unserer Gesellschaft. Dabei wäre sie so nützlich, sogar heilsam.

Es ist auffallend: In den letzten Jahren häufen sich die Artikel über die Dankbarkeit. Psychologen und Therapeuten haben erkannt, wie wichtig sie ist. Eine Vielzahl von Studien mit Testpersonen ergab: Dankbare Menschen sind ins­gesamt zufriedener mit ihrem Leben. Dankbare Menschen sind optimisti­scher und erleben weniger Stress. Dankbarkeit hat also einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden. Danke-Sagen ist ein Akt der Demut und wahrer Größe. Ich weiß, dass ich die anderen brauche. Dankbarkeit steigert den Selbstwert. Den Selbstwert jener Person, bei der ich mich bedanke und auch meinen eigenen. Wer dankbar und zufrieden ist, muss sich auch nicht ständig mit anderen vergleichen – aus Unsicherheit und Neid. Dankbarkeit kann heilen. Da muss ich an eine Frau in Kirchbichl denken, die der Kaufsucht verfallen ist. Wenn sie ihre prallgefüllten Taschen zuhause auf den Tisch stellt, kommt ihr das Elend. Was mach ich jetzt mit dem ganzen Kram? Ich geh zu meiner Nachbarin Maria. Die kann das brauchen. Und die sagt jedes Mal so herzlich "Vagöt's Gott". Ihr "Vagöt's Gott" tut mir so gut. Es beruhigt mein schlechtes Gewissen.

Psychologen raten, Dankbarkeit zu üben und zu "kultivieren". Kultivieren, wie? Ein Händedruck, ein Küsschen, Blumen, ein Fläschchen Wein, eine Einladung... Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Lb. Gl. Aber wohl gemerkt: Es geht nicht darum, hundertmal am Tag "Danke" zu sagen. Das könnte schnell zu einer Inflation, zu einer Abwertung des wertvollen Wortes führen. Es könnte zur gedankenlosen Floskel verkommen. Wenn ein Danke, dann ehrlich und mit Herz.

 

 

 

Lj. C 2022: Erntedank; nicht jammern, handeln und danken!

 

Evangelium: Mt 22,34-40    Das wichtigste Gebot: die Liebe

Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Jesus antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben - wie dich selbst.

Impuls:

Bist du gut gelaunt? Trotz Corona, Klimawandel, Ukraine-Krieg und Preissteigerung? Trotz alledem gut gelaunt? Ja? Ich auch. Dann sind wir schon zu zweit. Damit sind wir allerdings eine Minderheit. Laut Umfragen sorgen sich derzeit viele Menschen um ihre Existenz. Essen, Energie, Wohnen. Die Stimmung ist angespannt. Was? wegen diesem Putin sollen wir uns einschränken und auf guten Wohlstand verzichten?

Die Politiker sollen endlich was dagegen tun. Nun, mit schimpfen und alles den Politikern überlassen werden wir Krisen nicht überwinden können. Die Politiker werden nicht müde zu sagen: Die Politik kann nicht alles richten. Jeder einzelne ist gefordert, einen Beitrag zu leisten: Energie sparen. Gebrauchs-Artikel länger verwenden und sie nicht wegwerfen. Die Wegwerf-Mentalität müssen wir reduzieren, schon der belasteten Mutter Erde zuliebe.

Der bedeutende Psychiater Reinhard Haller rät: Nicht nur das Negative sehen. Nicht nur in den Abgrund starren. Unsere Genera­tion hat das Privileg, als erste in einer Epoche zu leben, wo es Jahrzehnte lang keinen Krieg und auch keine schweren Epidemien gegeben hat. Wir sind Krisen einfach nicht ge­wöhnt. So neigen wir dazu, zu raunzen und zu schimpfen. Wir starren nur auf die Gefahren wie das Kaninchen auf die Schlange. Das erzeugt Angst, macht depressiv und hilflos. Negative Gedanken schütten jede Menge Stresshormone aus. Zu viele davon über längere Zeit – schaden der Gesundheit an Seele und Leib.

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, die positiven Dinge se­hen, die Chancen. Davon gibt es auch jede Menge. Immer mehr Österreicher erkennen das und werden erfinderisch. Was tun, wenn Energie und Lebensmittel immer teurer werden? Findige Kärntner haben einen Verein gegründet. Bild1:

Der Verein „Together" in Villach sammelt an zwölf Standorten aussortierte Lebensmittel aus dem Supermarkt, ge­brauchte Kleidung, Spiele oder Bücher und gibt sie an Menschen weiter, die sich diese Produkte nicht mehr leisten können. Der Verein möchte auch der Verschwendung von Waren entgegenwirken. Derzeit gibt es bereits neun „Together Points", und es werden immer mehr.

Das Beispiel macht Schule, auch in anderen Bundesländern. Aber nicht nur die anderen haben gute Ideen, wir auch.

Bild2 : Auch wir dürfen stolz sein auf unseren Solali, den Sozialladen in Lienz, der genau dasselbe macht – und zwar seit Jahren schon, nicht erst seit Corona und Ukraine-Krieg. Ich als Seelsorger von Lienz bin mega stolz darauf. Aber - warum denn in die Ferne schweifen? Genau das Gleiche haben wir in unserem Haus:

Bild 3 Den Kostnix-Laden im 1. Stock. 

Lb. Gl. Die Politiker können nicht alles richten und müssen es auch nicht. Jeder von uns kann etwas tun zur Bewältigung von Krisen. Wir können vieles leisten ohne großen Wohlstands-Verlust: Jeder kann Energie sparen, ich auch! Ich bringe einige Dinge in Erinnerung:

1.    Ich nehme kein Wannenbad, sondern eine Dusche. Und mein Wohnzimmer ist nicht wärmer als 20°.

2.    Ich will Verschmutzung vermeiden. Ich trenne meinen Müll, damit er wieder verwertet werden kann.

3.    Ich nehme heimische Produkte, dann fallen lange Transport-Wege weg.

4.    Ich esse weniger Fleisch, weil die überzogene Tierhaltung große Mengen an Treibhausgasen freisetzt.

5.    Ich lasse mein Auto stehen und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder mit dem Fahrrad, oder gehe zu Fuß.

6.    Ich mache Urlaub in meiner schönen Heimat.

      Ich muss nicht mit dem Flugzeug bis ans Ende der Welt

      fliegen.

Um unsere Situation zu verbessern, braucht es im Grunde gar nicht viel: Nur ein kleines Bisschen weniger Egoismus und ein bisschen mehr Liebe. Liebe zur Mutter Natur, Nächstenliebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Wer dazu bereit ist, wird übrigens selber reich beschenkt, mit Glückshormonen nämlich. Liebe, Hilfsbereitschaft machen glücklich. Die Österreicher haben schon schwerere Krisen überlebt, die beiden Weltkriege z.B. Ein beherztes Miteinander hat unsere Vorfahren stark gemacht. Gemeinsam sind wir stark. Dieses Erfolgsrezept greift zu allen Zeiten – auch heute und hier.

 

 

 

Lj. C 2022: 26. So: Reicher Prasser, armer Lazarus

Evangelium nach Lukas (Lk 16,19-31)

Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen klei­dete und Tag für Tag sein Leben genoss. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herun­terfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qual­volle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Laza­rus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Was­ser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzei­ten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.

Impuls:

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Reichen Prasser und dem armen Lazarus? Berührend und missverständlich zu­gleich. Was im ersten Moment ein wenig stört, ist die Schwarz-Weiß-Malerei. Der Arme ist der Gute, der Reiche der Schlechte. Diese Bewertung ist grundfalsch. So naiv ist Jesus nicht. Er weiß schon auch: Die Armen sind nicht alle gut. Manche von ihnen haben Chancen und Talente genug. Sie machen aber nichts daraus - aus Bequemlichkeit, aus Ängstlichkeit oder weil sie in eine Sucht ge­schlittert sind. Jesus spricht im Gleichnis von den Talenten davon. Es ist ein schwerer Fehler, seine Talente zu vergraben. Und die Reichen? Die sind nicht alle schlecht. Es gibt genug Reiche, die ein gutes Herz haben, die viel Gutes tun mit ihrem Vermögen -damals wie heute. Wie viele Spitzensportler geben große Summen für soziale Projekte. Oder: Einer der reichsten Männer der Welt, Bill Gates. Sein Vermögen beträgt etwa 118 Milliarden Dollar. Er spendet fast sein ganzes Vermögen an die gemeinnützige Orga­nisation Bill and Melinda Gates Foundation. Er sagt: "Mein Plan ist es, all meinen Reichtum der Foundation zu geben - außer dem Geld, das ich zum Leben und für meine Familie brauche."

Was will Jesus mit seiner Geschichte sagen? Er will mit einem al­ten Missverständnis aufräumen, das damals in den Köpfen her­umschwirrte: Die Armen sind selber schuld an ihrem Elend. Sie sind einfach nur dumm und faul. Die Armen mag nicht einmal der liebe Gott. Deshalb bestraft er sie mit solchem Elend. Und wenn Gott nichts für sie tut, dann müssen wir erst recht nichts für sie tun. Die Reichen hingegen, die mag er. Die werden überschüttet mit Gütern und herrlichem Genuss. Mit der heutigen Geschichte will Jesus sagen: Gott mag die Armen. Sie sind seine Sorgenkin­der. Die meisten von ihnen sind nicht dumm und faul. Sie hatten einfach nur schlechte Karten, schlechte Bedingungen, schlechte Chancen. Oft genug sind es missgünstige Menschen, die sie ins Abseits gedrängt haben. Andererseits verteufelt Jesus nicht den

Reichtum, sondern nur die Hartherzigkeit. Der Reiche landet im Abseits, nicht weil er reich, sondern weil er hartherzig ist. Solche Menschen gibt es zu allen Zeiten: Herzlose, geizige Reiche. Und wenn die dann auch noch zynisch sind, dann werden sie extrem unsympathisch, wie z.B. die französische Königin Maria Antoin-ette. Eines Tages berichtete man ihr: Die Menschen haben kein Brot. Darauf soll sie gesagt haben: Wenn kein Brot da ist, dann gebt ihnen doch Kuchen! So zynisch ist der Reiche in der heutigen Geschichte nicht. Der Reiche tut eigentlich nichts Schlechtes, er ist weder aggressiv noch bösartig. Sein Vergehen: Er tut das Gute nicht, das er ohne Mühe tun hätte können, ohne Verlust von Wohlstand und Bequemlichkeit. Lb. Gl. Er bekommt seinen Lohn. Er landet in der Einsamkeit, in der Finsternis, hier auf Erden schon und in der Ewigkeit. Einen herzlosen, geizigen Egoisten mag niemand. Freunde hat er nur, solange sie bei ihm schmarotzen können. Wo werden wir schlussendlich landen? Im Schoß Abra­hams? Nun, der Schoß Abrahams muss es gar nicht sein. Uns ge­nügt einfach nur die Freude und Geborgenheit in der Nähe Gottes.

 

 

Lj. C 2022: 25. So: Ungerechter Verwalter. Ungerecht???

Evangelium nach Lukas  (Lk 16,1-8)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er veruntreue sein Vermögen.  Darauf ließ er ihn rufen und sagte: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.  Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.  Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.  Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreibe "fünfzig".  Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er: Nimm deinen Schuldschein, und schreibe "achtzig".  Und Jesus lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewige Wohnung aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.

Impuls:

Was ist deine Reaktion auf dieses Evangelium? Kopfschütteln? Stiller Protest? Alles, was recht ist! Wenn das noch recht ist, was dieser Verwalter sich erlaubt? Rechnungen fälschen, damit er Freunde gewinnt, die ihn aufnehmen, wenn er gekündigt wird? Das ist doch glatter Betrug. Und jetzt wird dieser Betrüger auch noch gelobt von Jesus: Kluger Mann! Dann sagt Jesus noch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Alles, was recht ist! Da gibt es Klärungsbedarf. Ungerechter Mammon, was soll das sein? Das riesige Vermögen des Großgrundbesitzers ist ungerechter Mammon. Er hat von seinen Pächtern Wucherzins verlangt, sie ausgebeutet. Der Verwalter kürzt die Rechnungen und gibt so einen Teil von dem zurück, was er ihnen zu Unrecht abgenommen hat. Das ist klug und gerecht, meint Jesus. Der riesige Besitz ist ungerechter Mammon. Der Wucherzins himmelschreiendes Unrecht, das viele in die Armut treibt. Nicht der Verwalter ist letztlich ungerecht, sondern der Chef.

Lb. Gl. Ungerechte Verteilung der Güter, die haben auch wir. Heute mehr denn je. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.

Unlängst war im Wirtschaftsteil einer großen Zeitung zu lesen, dass in Amerika 1 Prozent der Bevölkerung 70 Prozent des Gesamtein­kommens bezieht. In vielen Teilen der Welt ist das so - oder noch extremer. Kleine Eliten bereichern sich schamlos auf Kosten der breiten Masse. Im Früh­jahr wurde unser Blick auf die immensen Reichtümer der Oligarchen gelenkt, ihre Villen und Luxus­yachten. Die verstehen es ganz raffiniert, ihre Milliarden in undurchsichtigen Konstrukten und Steuerparadiesen zu verstecken, so dass sie keine Steuern zahlen. Und das in einem Land, in dem es den einfachen Leuten am Nötigsten fehlt.

Auch bei uns gibt es Strukturen, die den Reichen dienen und viele ins Elend stürzen. Für ein Handy, das 600 Euro kostet, werden  gerade mal 5 Euro Lohn bezahlt. Und die Rohstoffe werden in Afrika gefördert, von Kindern, in katastrophalen gesundheitsschädigenden Arbeitsverhältnissen. Die sind völlig rechtlos, werden ausgenützt und ausgebeutet.

Lb. Gl. Vielleicht verstehn wir jetzt, was Jesus meint: Mach dir Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit du in die ewige Wohnung aufgenommen wirst. Der Überfluss ist im Grunde ungerechter Mammon. Der Überfluss gehört den Armen. Jetzt wird mancher aufbegehren: Alles, was recht ist. Das hab' ich mir doch redlich verdient. Das mag schon sein. Aber es gibt ein Gesetz, das über allem steht, das Gesetz der Nächstenliebe. Und dieses Gesetz fordert einen angemessenen Ausgleich zwischen Arm und Reich. Dazu haben wir die Möglichkeit - bei verschiedenen Sammlungen für die Ärmsten. Das ist gut, damit alles wieder recht ist.

 

 

Lj. C 2022: 24. So: Jesus setzt sich mit Sündern an einen Fast

Evangelium nach Lukas (Lk 15,1-10)

In jener Zeit kamen Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.  Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.  Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,  und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.  Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. 

Impuls:

 

Von Luther gibt es 2 Sprüche, die völlig gegensätzlich sind. Der eine - ganz ängstlich: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Der andere - locker und furchtlos: Sündige tapfer, aber noch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.

Fast 500 Jahre nach Luther haben die Menschen andere Sorgen als ihre Sünden. Wer fragt heute noch: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Oder wer rechnet gar mit einem un-gnädigen Gott? Heute beißen uns ganz andere Fragen: Wie kriege ich einen gnädigen Nächsten? Wie kriege ich eine Welt, in der Frieden herrscht? Nun, diese Fragen unserer Tage sind wichtig. Dennoch hat die Frage nach dem gnädigen Gott immer noch Gewicht. Und die Kirche muss der Ort bleiben, wo diese Frage beantwortet wird. Denn die grundlegenden Tatsachen haben sich seit Luthers Zeiten nicht geändert: Die Tatsache, dass wir einmal sterben müssen. Und es ist eine Tatsache, dass wir dann vor Gottes Gericht stehen. Und da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Tod oder Freispruch und ewiges Leben. Wer diese Tatsachen ernst nimmt, der wird sich schon fragen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?
Die Bibel gibt jede Menge Antworten darauf. Jesus wird nicht müde, in berührenden Gleichnissen klar zu machen: Gott will nicht den Tod des Sünders. Er will, dass er umkehrt und lebt und Leben in Fülle hat. Das Gleichnis vom gütigen Vater und vom Verlorenen Sohn erzählt von Gott als Vater, der mit offenen Armen auf den verlorenen Sohn wartet, der zu ihm heimkehrt. Und Jesus? Er sagt am Kreuz zum rechten Schächer, der ein Verbrecher war: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein. Und das heutige Evangelium beschreibt den lieben Gott als fürsorglichen Hirten, der 99 Schafe sich selbst überlässt, um das eine verlorene zu finden und heim zu bringen. Schöner kann man es nicht sagen.

Lb. Gl. Wir müssen uns nicht ängstlich und verbissen mit der Frage quälen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott. Den haben wir. Den haben alle Menschen, auch die Zöllner und die schweren Sünder. Wie sonst wäre es möglich, dass Jesus sich mit solchen Leuten an einen Tisch setzt. Die frommen Religionslehrer sind entsetzt. Die würden sich niemals schmutzig machen mit solchem Gesindel. Jesus ist der beste Religionslehrer und Pädagoge. Sein Erfolgsrezept lautet: Nicht Drohung und Strafe, sondern Liebe und Verzeihung. Und siehe da: Es klappt. Die hartgesottenen Sünder bekehren sich. Ist das nicht ein Grund zum Feiern? Jesus feiert mit den Sündern ihre Bekehrung. Und sogar die Engel im Himmel machen eine Party. Jesus sagt: Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die angeblich keine Umkehr nötig haben.

Lb. Gl. Luther bringt das Ganze auf den Punkt in einem einzigen Satz: Sündige tapfer, aber noch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.

 

 

 

Lj. C 2022: 23. So: Wer mein Jünger sein will…

Familie zurückstellen?

Evangelium nach Lukas ( Lk 14,25-35)

Viele Menschen begleiteten Jesus. Da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben zurückstellt, dann kann er mein Jünger nicht sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann mein Jünger nicht sein.  Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.  Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen Besitz verzichtet. 

Impuls:

Jetzt wird sich mancher denken: Das schaff ich nie, was Jesus da verlangt: Wer mein Jünger sein will, muss seine Familie zurückstellen und sein tägliches Kreuz auf sich nehmen. Willst du sein Jünger sein? Unter diesen Bedingungen wohl eher nicht. Die Familie opfern? Die Familie ist uns heilig. Umfragen aus jüngster Zeit zeigen eindeutig, dass Familie hoch im Kurs steht, bei Jung und Alt. Fast 97 % der Befragten zählen die Familie zum wichtigsten Wert in ihrem Leben, wichtiger als Erfolg im Beruf. Jugendliche nennen in großer Mehrheit ihre Eltern, vor allem die Mütter, als ihre wichtigsten Ratgeber.

90% aller Jugendlichen sind der Mei­nung, dass sie mit ihren Eltern über alles reden können. Sie schätzen eine stabile Gemeinschaft, das Gefühl der Verbundenheit, das Verantwortungsbewusst-sein füreinander, einen Ort der Be­heimatung, wo auch gegenseitiges Verzeihen möglich ist, in schweren Zeiten füreinander da sein… Das alles ist uns sehr sehr viel wert.

So und jetzt fordert Jesus von seinen Jüngern, die Familie hintanzustellen. Nun, das fordert er ja nicht von allen Menschen, sondern nur von den 12 Aposteln, den Profis. Das ist auch verständlich. Wie soll sich ein Wander-Apostel auch noch um seine Familie kümmern? Ist das nicht überzogen, von seinen Jüngern einen Familien-Verzicht zu fordern? Nein! Er zwingt sie ja nicht. Sie alle kennen den Preis ihres Berufs. Und wer diesen Beruf voll und ganz ausüben will, da geht sich eine Familie so nebenbei nicht aus. Übrigens: Es gibt genügend Wissenschaftler und Manager, die dermaßen von Arbeit eingedeckt sind, dass sie auf eine Familie verzichten. Wie klug von ihnen. Denn was nützt der Frau ein Mann, der nie da ist? Was nützt den Kindern ein Vater, der nie da ist? So einer bringt mehr Frust als Freude und Hilfe. Aber – wie geht es den Aposteln ohne Familie? Versinken die nicht in Einsamkeit und Traurigkeit? Ganz und gar nicht. Sie finden sich in einer neuen geistlichen Familie. Menschen mit gleichen Aufgaben und Interessen bilden eine Gemeinschaft. An anderer Stelle hat Jesus Familie neu definiert. Als seine Mutter und seine Geschwister ihn besuchen wollen, meldet einer: Jesus, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sprechen. Da zeigt Jesus auf seine Jünger und sagt: Das ist meine Familie. Wer den Willen meines Vaters tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.

Lb. Gl. Wir sind keine Profi-Apostel. Wir gehören zu den 72 anderen Jüngern, zu den Teilzeit-Aposteln. Für uns gilt eine andere Rangordnung. Familie, Ehepartner und Kinder sind die Nummer eins. Ihnen gilt unsere Hauptsorge. Aber, die Familie muss nicht unbedingt ein Fulltime-Job sein. Da gibt es noch Spielraum und Zeit für ehrenamtliche Dienste: für Gott, für die Kirche, für Menschen, die Hilfe brauchen. Jeder kleinste Dienst ist wichtig für das Reich Gottes. Für uns könnte das Evangelium so lauten: Wer ein Teilzeit-Apostel sein will, kümmere sich zuerst um seine Familie und wenn er Zeit übrig hat, um das Reich Gottes.

 

 

 

Lj. C 2022: 22. So: 1. Lesung: Bescheidenheit, Verzicht

 

Evangelium nach Lukas (Lk 14,1)

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,  und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest einen unteren Platz einnehmen. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht.

Impuls:

Wir  werden in den letzten Jahren nicht gerade verwöhnt von guten Nachrichten.  Manchmal erteile ich mir selbst ein Verbot, Nachrichten zu schauen. Psychohygiene tut mir gut. Ich muss mir nicht jeden Tag anhören: Corona, Klimakatastrophe,  Krieg und Teuerung. Aber ich mache mir schon meine Gedanken, wie wir solche Krisen am besten bewältigen können. Viele meinen ja: Vater Staat muss alles richten. Er muss alles abfedern, möglichst so, dass ich selber keine Einbußen spüre. Dass mein Wohlstand auf höchstem Level bleibt, ohne auf etwas verzichten zu müssen: Urlaub, möglichst dreimal im Jahr, ein Zweitauto, eine Zweitwohnung. Energie sparen? Das geht gar nicht. Die heutige Lesung bringt uns eine alte Tugend in Erinnerung, die hilfreichste in Zeiten wie diesen: Bescheidenheit. Einfachheit. Das hat mit Einfalt nichts zu tun. In Gegenteil. Der Weisheitslehrer der heutigen Lesung bringt es auf den Punkt: Je größer du bist, umso mehr bescheide dich. Der Hl. Franziskus war hochintelligent und ein reicher Kaufmanns-Sohn. Er hat sich freiwillig entschieden, einfach und bescheiden zu leben, um innerlich frei zu werden. Frei zu werden für Gott und für die Mitmenschen. Wer alles haben muss, was er sieht, ist abhängig, süchtig. Er ist nicht frei. Verzichten ist eine Fähigkeit, die uns nicht in die Wiege gelegt wird. Wir müssen sie lernen und üben. Manche Menschen üben den Verzicht in der Fastenzeit z.B. Sie probieren einmal, ob es ihnen gelingt, einige Wochen lang auf Fernsehen, Alkohol, Rau­chen, Fleisch, vielleicht auch auf Kaffee zu verzichten. Wenn es gelingt, fühle ich mich gut. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht Sklave meiner Gewohnheiten bin. Ich bin Herr über mich selbst. Das hebt meinen Selbstwert, meine Würde.

Lb. Gl. In Krisenzeiten gibt es zwei Gruppen. Die einen, denen es trotz aller Krisen gut geht, die keinen Mangel leiden. Dazu gehöre auch ich. Da kann ich nur eines tun: Ein herzliches Danke nach oben schicken, mindestens 10-mal am Tag. Die Dankbarkeit und der Blick nach oben öffnet mir die Augen für die andere Gruppe, die anderen, die wirklich bettel-arm werden. Die sich das Heizen nicht mehr leisten können, die frieren und sogar hungern müssen. Für uns auf der Sonnenseite heißt es: Augen auf! Was kann ich tun für die auf der Schattenseite? Es gibt jede Menge Sammlungen, wo ich meinen Überfluss teilen kann. Sammlungen von alltäglichen Gebrauchs-Artikeln, Nahrungsmitteln, Kleidern… Im Kloster haben wir den sog. Kost-nix-Laden für alltägliche Gebrauchsartikel. Solche und ähnliche Läden gibt es schon sehr viele, und es werden immer mehr. Und es gibt über das Jahr verteilt immer wieder Geld-Sammlungen für die Armen.

Lb. Gl. Wenn wir selber einfach und bescheiden sind und wenn wir aufmerksam sind und teilen, dann kommen wir alle einigermaßen heil über Runden. Das wünsche ich uns von ganzem Herzen!

 

 

Lj. C 2022: 21. So: Bemüht euch durch die enge Tür

Evangelium nach Lukas (Lk 13,22-30)

In jener Zeit zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.  Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Manche werden versuchen, sich hineinzuschwindeln, aber es wird ihnen nicht gelingen.  Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid, ich kenne euch nicht.  Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Wir kennen dich. Er aber wird erwidern: Ich kenne euch nicht. Dann werden Scharen von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.

Impuls:

Da kommt einer und stellt Jesus eine Frage. Nicht irgendeine. Die wichtigste Lebensfrage überhaupt: Werden nur wenige gerettet? Bin ich auch dabei? Wie groß ist die Himmelstür? Wie viele kommen da hindurch? Dermaßen spannende Fragen, und Jesus gibt keine eindeutige Antwort. Schade! Er sagt nicht, dass es viele sind. Er sagt auch nicht, dass es wenige sind. Ganz am Schluss macht er eine Andeutung, die hoffnungsvoll klingt: Sie kommen vom Osten und Westen, von Süden und Norden – und setzen sich zu Tisch im Reich Gottes. Er nennt keine Zahl. Wie klug von ihm. Wenn er nämlich sagt: Es sind viele, dann denken manche: Da bin ich sowieso dabei, ohne mich besonders anzustrengen. Sagt er: Es sind wenige, dann denken einige: Es gibt viel Bessere als mich. Da hab' ich keine Chance. Es hat keinen Zweck, mich zu bemühen. Dem widerspricht Jesus energisch: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Damit korrigiert er einen weit verbreiteten Irrtum. Damals haben viele Juden gedacht, besonders die religiösen Führer: Ich gehöre zum auserwählten Volk Gottes, ich bin ein Kind Abrahams. Ist doch klar, dass ich in den Himmel komme. Die Abstammung allein macht mich zu einem fixen Kandidaten für den Himmel. Da braucht es weiter kein Bemühen um ein gutes Leben. Ähnlich denken auch manche Christen: Ich bin getauft. Ich kann an der Himmelstür meinen Taufschein vorweisen. Sonst brauche ich nichts. Jesus meint: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Was sollen wir denn tun? Das sagt Jesus an anderer Stelle: Sammelt euch Schätze für den Himmel, also Schätze mit Ewigkeitswert. Welche sind es denn? Das sind vor allem die geistigen Werte: Liebe, Einsatz für andere, Geduld, Fürsorge, Pflege, Dankbarkeit, Treue, Verlässlichkeit, Zeit haben für andere, Zeit haben für Gott, für Gebet und Gottesdienst, Glaube, …

Lb. Gl. Wenn wir uns um diese Schätze bemühen, dann spielt die Zahl unserer Sünden nur noch eine geringfügige Rolle. Der sicherste Schlüssel für den Himmel ist ja nicht, dass wir möglichst keine Fehler haben. Der sicherste Schlüssel für den Himmel ist Jesus. Er sagt: Wer an mich glaubt, wird gerettet. Und die vielen Sünden? Jesus ist auch für deine Sünden am Kreuz gestorben. Das möchte uns die folgende Geschichte humorvoll vor Augen führen.

Meine Bilanz.

Wie wird sie am Ende ausfallen, meine Bilanz?

Negativ oder positiv? Minus oder plus?

Da gibt es nämlich den Buchhalter-Engel.

Schon eine halbe Ewigkeit hat der Buchhalter-Engel

alles Negative der Menschen notiert, jede Verfehlung festgehalten.

Auf einmal schielt er nervös durch die Lesebrille,

auf der Stirn tiefe, strenge Falten.

Er kratzt sich mit der Flügelspitze hinter dem rechten Ohr.

Wo ist der Rechenfehler?

Woher kommt denn am Ende das Plus, ein Kreuz?

Es ist das Kreuz Jesu.

Meine ganze Bilanz ist falsch!

"Es ist ein Kreuz mit diesem Jesus!", jammert der Buchhalter.

Und wir dürfen uns freuen. Am Ende unsres Lebens steht ein Plus, das erlösende Kreuz Jesu.

 

 

 

Lj. C 2022: 15. August: Mariä Himmelfahrt

 

Evangelium nach Lukas (Lk1,39-56)

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.  Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Impuls.

Wir Katholiken feiern heute ein absolutes Highlight, die Aufnahme Mariens in den Himmel. Ein Hochfest mit allem Drum und Dran. Vielerorts sogar mit Prozession, mit Musikkapelle und Ehrensalven. Für unsere Evangelischen Mitchristen ein Tag wie jeder andere. Denn Maria ist für sie ein ganz gewöhnlicher Mensch und keine Heilige. Dass ein katholischer Priester heute etwas nettes über Maria predigen wird, ist weiter nichts Besonderes. Dass aber eine evangelische Pfarrerin es noch besser kann, das erstaunt mich, so sehr, dass ich heute ihr die Predigt überlassen will.

Sie spricht von Frau zu Frau.

Julia Schnitzlein, selbst Mutter, sie sieht den heutigen Tag als Muttertag Mariens. Sie schreibt: Liebe Maria, Du bist sicher die bekannteste Mutter der Welt! Du wurdest im Lauf der Geschichte unendlich oft ge­malt, und die Anzahl deiner Beinamen ist erstaunlich: Gottesmutter, Himmelskönigin, reine Magd, Schmerzensmutter, und und und... Zunächst warst du ein­fach nur Maria, eine Mutter, mit einem nicht ganz einfachen Kind.

Dass Du es mit deinem Erstgeborenen nicht leicht haben würdest, hat sich schon von Anfang an gezeigt. Du bist kaum 16, als Du schwan­ger wirst, ungeplant. Dein Verlobter überlegt, dich zu verlassen, denn das Kind - ist nicht von ihm. Er bleibt und steht mit dir alles durch, was auch euch zukommt. Von einem ruhigen Wo­chenbett kann wohl keine Rede sein - in einem dreckigen Stall. Und der viele Besuch. Erst die Hirten, dann auch noch die Magier, seltsame Gestalten. Danach müsst ihr fliehen, um das Neugeborene zu schützen vor einem mörderischen König Herodes.

Als Halbwüchsiger macht es Dir der Jung auch nicht leicht. Bei einer Wallfahrt war er plötzlich verschwunden, einfach weg. Drei Tage!!! Meine Tochter ist im gleichen Alter, und ich mache mir schon Sorgen, wenn ich sie mal kurz übers Handy nicht erreiche. Ich kann mir kaum vorstellen, welche Ängste du durchgestanden hast. Und als du ihn endlich im Tempel wiederfindest, mit den Schriftgelehrten altklug über die Bibel diskutierend, sagt er nur: "Warum habt ihr mich gesucht?"

Du hast Dir für Deinen Erstgeborenen sicher ein "ganz normales" Leben gewünscht. Eine Familie, ein Haus, einen festen Beruf. Von wegen. Er beschließt, als 30-jähriger Junggeselle noch einmal durchzu­starten, als Wanderprediger. Er will den Menschen das Reich Got­tes verkünden und sie zur Mitarbeit aufrufen. Das ist seine Lebensaufga­be, keine Frage - aber für Dich als Mutter sicher schwer zu verstehn. Immer wieder gibt es Spannungen.

Jesus ist seinen eigenen Weg gegangen. Immer wieder weg von dir. Und du - hast ihn niemals aufgehalten! Du warst da. Immer! Noch am Kreuz. Du muss­test zusehen, wie der eigene Sohn gefoltert wird, bis er endlich stirbt. Dass er auferstehen wird, konn­test du nicht wissen. Maria, du weißt, für mich als Evangelische bist du keine Heilige. Aber du bist eine unglaubliche Mutter. Das möchte ich dir heute schreiben, an deinem Muttertag.

Lb. Gl. Ich als katholischer Priester habe dem nichts zuzufügen, außer, dass Maria für mich eine Heilige ist, die Größte.