2022 Lj. C: 2. So.i.J: Leere Krüge? Tut, was Er euch sagt!

Evangelium nach Johannes (Joh 2,1)

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.  Der Wein ging aus. Da sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.  Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.  Er segnete das Wasser und sagte: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.  Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.  So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und seine Jünger glaubten an ihn.

Impuls:

Heute wirkt Jesus sein erstes Wunder. Ausgerechnet bei einer Hochzeit.  Er verwandelt Wasser in Wein. Ist denn das so wichtig? Ja. Es ist ein Zeichen, dass er Mitgefühl hat, auch für scheinbar belanglose Pannen. Er verwandelt Peinlichkeit in den Wein der Freude.  Und das Schöne daran: Sein Heilswirken geht weiter bis heute und weiter bis in alle Ewigkeit. Die Bibel ist für uns geschrieben, auch diese Geschichte von den leeren Krügen. Ehepaare können ein Liedchen davon singen, wie schnell die Krüge, wie schnell die Herzen leer werden können, nicht bei der Hochzeit selbst, aber in den Jahren danach.

Wer kennt sie nicht? - Diese Leere, dieses Gefühl der Sinnlosigkeit. Die Beziehung ist schal und langweilig wie abgestandenes Wasser. Sie haben sich nichts mehr zu sagen, sie lieben sich nicht mehr. Jeder geht nur seinen Interessen nach. Man spürt einfach nur noch Frust. Dann pas­siert, was in vielen Häusern hinter den Kulissen oft geschieht: der maßlose Griff zur Flasche, der wiederholte Gang zum Kühlschrank, der Kaufrausch online und zu jeder Zeit... Ein kalter Schleier legt sich über das Gesicht. Tief drinnen trostlose Traurigkeit. Wie kann man diese Misere überwinden? Geht das überhaupt? Maria gibt uns heute einen nützlichen Tipp. "Was er euch sagt, das tut!", ruft Maria den Die­nern zu. "Was er euch sagt, das tut!" - Was bedeutet das? Was will denn Jesus von jenen, die ihr Herz verhärten und keinen Funken Freude mehr spüren? "Füllt die Krüge mit Wasser!", sagt er. Was könnte das für uns bedeuten. Es könnte bedeuten: Nimm das, was da ist, nimm es und gib es mir". Geh in deine Kammer oder in eine Kirche und rede mit mir. Übergib mir deine Langeweile, gib mir deine Bitterkeit. Bring mir deine Lieblosig­keit und deine Rachegedanken. Und du wirst sehen, was geschehen kann. Auch du wirst erleben: Gottvertrauen kann Wunder wirken, sogar das Wunder einer Verwandlung.

Lb. Gl. Der Hl. Geist kann deine falsche Lebenseinstellung korrigieren, deine überzogenen Erwartungen. Diese sind die Hauptursache von Konflikten. Die Erwartung: Mein Partner ist nur dazu da, mich zu unterhalten und mich glücklich zu machen. Das schafft keiner, auch nicht der beste Partner der Welt. Vor allem dann nicht, wenn der andere nichts tut zu meinem Glück. Wenn einer immer nur geben muss, ohne dass er was zurückbekommt, dann wird der Krug der Liebe einmal leer. Der Hl. Geist hilft uns, diese fatalen Fehler zu sehen. Wenn Einsicht da ist, dann ist das schon der erste Schritt zur Wandlung. Zudem kann eine ruhige Aussprache bei einem Gläschen Wein helfen, so manches Missverständnis zu klären. Plötzlich siehst du, dass manche grobe Worte gar nicht so bös gemeint waren. Der Hl. Geist gibt dir auch den Mut, um Verzeihung zu bitten und Verzeihung zu schenken. Wenn das persönliche Gespräch die beiden Partner nicht weiter hilft, dann schafft es oftmals eine Familienberaterin der Caritas. Was er euch sagt, das tut! Dort wo Menschen tun, was er sagt, geschehen tatsächlich Wunder. Dort werden selbst harte Menschen weich und kalt Herzen tauen auf. Also: Was er euch sagt, das tut!

 

 

 

2022 Lj. C: Taufe Jesu. Taufe, wozu?

Evangelium nach Lukas

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.  Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,  und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.

Impuls:

Ich weiß nicht, wie viele Kinder ich getauft habe. Ich weiß nur: Die Taufe ist von den 7 Sakramenten das berührendste. Berührend schon der Anblick, mit welchem Stolz die jungen Eltern ihren Liebling in die Kirche bringen. Oftmals habe ich mich gefragt: Warum bringen sie denn ihr Kind zur Taufe? Manche von ihnen gehen ja kaum noch in die Kirche. Aber ihr Kind taufen lassen, das ist ihnen wichtig. Dieses Fest wird gefeiert mit allem Drum und Dran: In der Kirche mit schönen Liedern und Gebeten und danach mit einem ordentlichen Taufschmaus. Warum das alles, für so einen Winzling?

Vielleicht wollen die Eltern einfach nur Danke sagen.

Ein Kind, ein neues Leben ist ein Wunder. Was ist das für ein traumhaft schöner Moment, wenn man sein Kind zum ersten Mal in den Armen hält! Viele, die ihr Kind taufen zu lassen, möchten bei der Taufe ihren Dank zum Ausdruck bringen: Dank für die glückliche Geburt, Dank für das neue Familienmitglied, Dank, dass das Kind wohlauf ist. Nicht zuletzt Dank für dieses unfassbare Geschenk Gottes. Zudem möchten sie Gott als Partner.

Manche Eltern haben selbst erfahren, wie wichtig und hilfreich der Glaube ist und eine gläubige Gemeinschaft. Sie wollen unbedingt, dass auch ihr Kind dazu gehört, zur Familie Gottes. Es ist ihnen schon bewusst: Bei all ihrer Freude über das neue Leben – Herausforderung und Verantwortung ist das schon auch, dieses Kind zu versorgen, zu erziehen, es auf seinem Lebensweg zu begleiten. Die meisten Eltern sind ja nicht unbedingt ausgesprochene Profis in Sachen Erziehung. Da muss vieles aus dem Bauchgefühl heraus geschehen. Und da gibt es Unsicherheit und Ratlosigkeit noch und noch. Da ist es schon gut, hilfreiche Menschen, gute Freunde, gute Verwandte, gläubige Mitchristen an der Seite zu haben, die beistehen mit Rat und Tat. Und oft genug gibt es Situationen, wo alle menschliche Weisheit versagt. Dann sagen wir: Da hilft nur noch beten – und: es hilft. Es tut einfach gut zu wissen: Neben Mama und Papa ist da noch einer, der mein Kind behütet. Einer, der stärker ist und weiser als wir. Da ist ein Vater im Himmel, der zu meinem Kind sagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Und was "geliebt" wirklich bedeutet, das wissen wir. Liebe will einfach das Beste tun für das geliebte Wesen.

Lb. Gl. Diesen Glauben haben viele Eltern als hilfreich erfahren. Diesen Glauben möchten sie weitergeben an ihr Kind. Aber die Weitergabe des Glaubens ist ja auch nicht ganz leicht. Das kann man oft nicht allein. Gott sei Dank gibt es gläubige Omas und Opas, gläubige Mitchristen, gute Lehrpersonen und Priester, die das besser können. Es gibt also Gründe genug, den Liebling in die Kirche, in die Familie Gottes zu bringen und taufen zu lassen.

 

 

 

2022 Lj-A: Dreikönig: Suche; verlaufen.

Evangelium nach Matthäus (Mt2,1-12)

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.  Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.  Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.  Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Dann machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.  Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.  Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Impuls:

Dumm gelaufen für die drei Sterndeuter. Da nehmen sie solche Strapazen auf sich. Sie verlassen sich auf ihre Sterndeutekunst und auf ihre menschliche Logik. Wo soll ein König von Israel denn geboren werden, wenn nicht auf dem Königshof in Jerusalem? Sie wandern tage- und wochenlang - und landen schlussendlich beim falschen König, bei Herodes. Der ist total irritiert. Von einem neuen König weiß ich nichts. Wenn es ihn gibt, wo steckt er dann? Herodes wird nervös. Einen anderen König wird er nicht dulden, wer immer es auch sei. Er ist ratlos. Vielleicht wissen die Schriftgelehrten von einem besonderen König. Richtig. Die wissen Bescheid. Und sie wissen auch, wo sie nachschauen müssen: in der Bibel. Vor 500 Jahren schon spricht der Prophet Michäeas von diesem besonderen König und nennt auch den Ort seiner Geburt: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unwichtigste Stadt; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

Jetzt folgen die Sterndeuter der Hl. Schrift - und finden den Richtigen. Sie sind zutiefst berührt von seiner Armut und überwältigt von seiner Ausstrahlung. Sie packen ihre Geschenke aus und huldigen diesem kleinen König. Von Gottes Weisheit erleuchtet, schenken sie genau, was zu ihm passt: Gold, ein Symbol für die Königswürde. Weihrauch, Symbol für die Gotteswürde. Und Myrrhe, Symbol für den Kreuzestod. Dann gehen sie heim. Diesen König werden sie nie und nimmer vergessen. Von ihm werden sie erzählen ein Leben lang. So werden sie zu den ersten Missionaren von Jesu. Lb. Gl. Die Suche der Sterndeuter. Ein Weg voller Strapazen. Ein Weg voller Umwege und Irrwege. Und schlussendlich von Gott an den richtigen Platz geführt. Ist das nicht auch unsere Situation? Unser Leben ist ein einziges Suchen. Suchen und sich Verirren. Suchen und Finden. Wir suchen den richtigen Freund, die richtige Schule, den richtigen Beruf, den richtigen Partner.

Manche finden auf Anhieb das Richtige. Andere verlaufen sich ständig und müssen erkennen: Das ist nicht Meins. Dann heißt es weitersuchen und weiterbangen. Das ist oft zum Verzweifeln. Alle menschliche Logik versagt. Und irgendwann begegnet dir ein Mensch, der einen guten Tipp für dich hat. Vielleicht sagt er dir: Wenn alle menschliche Weisheit nicht weiterhilft, hast du einmal darangedacht, Gott zu fragen nach dem richtigen Weg? Wie soll das gehen: Gott fragen? Ganz einfach. Du kannst dir Gott vorstellen als guten Freund. Als guten Vater, als gute Mutter. Geh in deine Kammer oder in eine Kirche und rede mit ihm über alles, was dich bedrückt. Und höre, was er sagt. Und es passiert gar nicht selten, dass ein Wort der Hl. Schrift einen Geistesblitz entfacht. Dann geht dir ein Licht auf, ein Stern. Das Licht der Hl. Schrift kann auch dir den richtigen Weg zeigen, so, wie den Weisen aus dem Osten.

 

 

 

2022 Lj. C: 2. Sonntag nach Weihnachten: Macht des Wortes

Evangelium nach Johannes (Joh 1,1)

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.  Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.  Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.  Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.  Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,  die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.  Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Impuls:

Wir reden viel, wenn der Tag lang ist. Wir reden Wichtiges, aber auch belangloses Zeug. Wir reden Gutes und Böses. Welchen Wert haben sie denn, unsere Worte? Wie würdest du den Wert deiner Worte bewerten? Und was sind die Worte der anderen wert? Die Worte der Politiker, die Worte der Pfarrer, die Worte der Klatschbasen? Nein, ich will es gar nicht wissen. Über Belanglosigkeiten und Dummheiten lohnt es sich nicht, auch nur ein Wort zu verlieren. Wenden wir uns lieber jenen Worten zu, die wirklich etwas zu sagen haben. Im heutigen Evangelium z.B. Da heißt es gleich zu Beginn: Im Anfang war das Wort. Das ist nicht zu fassen: Vor aller Schöpfung war das Wort, das Wort Gottes: "Es werde". Und es "wurde" - die wunderbare Schöpfung mit allem Drum und Dran.

Die Bibel ist voll von Machtworten Gottes. Gottes Machtwort schafft als erstes das prachtvolle Universum. Gottes Wort hat auch die Macht, uns Menschen auf den rechten Weg zu bringen - durch die 10 Gebote und andere Wegweisungen. Ich bin überrascht: Gott hat es gewagt, zu delegieren, dass andere sein Wort verkünden: Propheten und Prediger. Aber diese Leute verkünden das Wort oft nur halbherzig und lahm. So hat es dann auch nicht den gewünschten Erfolg. Worte müssen anschaulich und griffig sein, wenn sie ankommen sollen. Genau das war der Grund, warum der liebe Gott sein Wort Fleisch werden lässt in Jesus, seinem Sohn. Sein Wort soll ein Gesicht bekommen, das lachen und weinen kann. Sein Wort soll Füße bekommen, die zu den Menschen gehen und Hände, die segnen und heilen.

Deshalb wurde das Wort Gottes Fleisch, deshalb kam sein Wort leiblich zu uns, hautnah, zum Angreifen und Anschauen wie eine Ikone. Dieses Wort Gottes hat Macht, Wunder zu wirken, Kranke zu heilen, Sünden zu vergeben, sogar Tote zu erwecken. Worte voller Macht, wie die folgenden: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause!" (Joh 5,8). Oder: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" (Mk 2,5). Oder: Lazarus, komm heraus. So zeigt sich Gottes Wort: Nicht in Dogmen und Glaubenssätzen zum Auswendig-Lernen, sondern als Wort, das rettet und heilt.

Lb. Gl. Soweit die Macht des Gotteswortes. Jetzt aber zu unseren Worten. Was sind unsere Worte wert? Ich denke, auch sie sind nicht zu unterschätzen. Hast du gewusst, dass das Wort eines Menschen gesund machen, krank machen, tot und lebendig machen kann? Hast du gewusst, dass die Stimme eines Menschen den anderen wieder aufhorchen lässt, dass das Wort eines Menschen wieder sehend machen kann - einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah, der keinen Sinn mehr sah in seinem Leben. Hast du gewusst, dass Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen mehr als eine geniale Operation. Hast du gewusst, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirken kann? Wir sollten nicht zu bescheiden sein. Auch unser Wort kann Wunder  vollbringen, wenn es im Geist Gottes gesprochen und eingesetzt wird.

 

 

 

2022 Lj. C: Neujahr: Des Glückes Schmied oder Störenfried?

Evangelium nach Lukas (Lk 2, 16)

In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen,

erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte. Der Name Jesus bedeutet: Gott heilt.

Impuls:

Lb. Gl. Ich denke, auch du hast jede Menge Glückwünsche bekommen zu Weihnachten und zum Neuen Jahr: Alles Gute und viel Glück! Der Mensch lebt vom Guten. Glücklich, wer Gutes zu essen und zu trinken, wer gute Arbeit hat, und wer in guten Beziehungen le­ben kann. „Es geht mir gut!", könnte ein solcher Mensch von sich sagen. Könnte. Doch wir Österreicher sind bekannt, dass wir gerne jammern. Jammern auf hohem Niveau, da wir im Grunde doch alles haben. Wenn man fragt: Na, wie geht’s, dann bekommt man  häufig nur ein Seufzen: Zu viel zu tun, keine Zeit, der Druck, die miese Lage, die Politik, über­haupt, alles miserabel. So mancher beschmutzt sein eigenes Nest, weil er einfach nichts gut sein lassen will. Alles Gute! Schön und gut. Aber wahrnehmen muss man es und schätzen.

Das Glück fällt uns nicht einfach in den Schoß. Einen guten Teil davon kann man und muss man selber machen. Warum sind einige Menschen glücklicher als andere? Sie haben nicht mehr als jene, weder mehr Besitz, noch größere Fähigkeiten. Aber sie wissen das zu schätzen, was sie haben. Eine alte Volksweisheit sagt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber manche sind leider ihres Glückes Störenfried. Es gibt sogar ein Buch mit dem Titel: „Die Kunst, unglücklich zu sein".  (Watzlawick) Es gibt tatsächlich Menschen, die es immer wieder fertigbringen, das Glück, das ihnen das Leben schenkt, zu stören, zu zerstören. Sie können es nicht aushalten, dass es ihnen einmal gut geht. Sie misstrauen dem Glück. Das kann doch gar nicht sein, dass ich glücklich bin.  Es ist wie eine Wahnidee, dass sie nicht glück­lich sein können oder sein dürfen. Daher müssen sie jede Freude sofort schlecht reden. Sie haben sich auf die Rolle des Un­glücklichen so sehr fixiert, dass sie es nicht schaffen, diese Rolle einmal abzulegen. Dabei hätten sie es selbst in der Hand, wie sie ihr Leben empfinden. Es liegt an ihnen, ob sie glückliche Augenblicke genießen möchten oder ob sie sie lieber zerstören. Allerdings wird keiner zugeben, dass er selbst seines Glückes Stö­renfried ist.

Er wird lieber andere dafür verantwortlich machen, seine El­tern, seine Erzieher, seine Familie, seine Firma, die Gesellschaft, den Staat.

Lb. Gl. Was könnte solchen Menschen helfen? Ganz einfach: den Schalter umlegen. Sich bewusst machen: Gott hat uns nicht für das Leid geschaffen, sondern für Freude. Das Glück ist für alle da, auch für dich. Was hilft noch gegen den Grießgram?

Lachen und Heiterkeit sind bewährte Heilmittel gegen den Frust. Oft machen wir uns Stress, nur wegen unserer Fehler, die wir uns nicht verzeihen können. Hab den Mut, dich wegen deiner Fehler nicht mehr anzuklagen, sondern darüber zu la­chen. Denn sie sind längst in Gottes Barmherzigkeit aufgehoben. Du kannst über dich und deine Fehler lachen, wenn du daran denkst: Du bist Gottes geliebtes Kind. Geliebt, trotz mancher Fehler und Defizite. Gottes Barmherzigkeit ist viel größer als deine Schuld. Lerne vom barmherzigen Gott. Sei auch du barmherzig, sei gut zu dir selbst, und du wirst glücklich.

 

 

 

2021 Lj. C: Heilige Familie:

Evangelium nach Lukas  (Lk 2,41-52)

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.  Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.  Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.  Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.  Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.  Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.  Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.  Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.  Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.  Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. 

Impuls:

Mein Gott, ist die Bibel ein zeitloses Buch. Heute erzählt sie von der Hl. Familie und ihrem pubertierenden Sohn, der sich still und heimlich absetzt. Die Eltern sind empört: Kind, wie konntest du uns das antun? Wir haben dich voller Angst gesucht. Und dann kommt noch die patzige Antwort: Warum habt ihr mich gesucht? Familien-Idylle? Nein, Idylle ist das nicht! Pubertät, die meisten Eltern können ein Liedchen davon singen, welche Kapriolen sie spielt, die Pubertät. In der Pubertät wandelt sich ja nicht nur der Körper des Jugendlichen. Auch die Gefühle verändern sich. Bald himmelhochjauchzend, dann wieder zu Tode betrübt. Manchmal glauben sie, dass sie alles schaffen können und fühlen sich stark, dann wieder fühlen sie sich schwach und trauen sich gar nichts zu. Viele Jugendliche ziehen sich in dieser Zeit von den Eltern zurück. Sie er­zählen nicht mehr alles ihren Eltern, sondern lieber ihren Freuden. Sie wollen viele Entscheidungen jetzt alleine treffen, weil sie sich schon erwachsen fühlen. Kein Wunder also, dass es Streit und Spannungen gibt, wenn Kinder ei­gene Wege gehen und sich abnabeln von ihren Eltern.

Mit Jesus geschieht im Grunde das Gleiche. Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist. Also nicht mehr die Eltern sondern der Vater im Himmel spielt die erste Rolle in seinem Leben. Abnabeln, das tut weh, den Jungen gleich wie den Eltern.

Maria reagiert nicht beleidigt auf die patzige Antwort ihres Sohnes. Und sie straft ihn auch nicht mit Liebesentzug. Sie lässt das Geschehene in ihr Herz hinein. Sie überlegt es hin und her. Schließlich wandelt sich das Zerwürfnis in wohlwollendes Verstehn.

Lb. Gl. Irgendwie tröstlich, dass auch die Hl. Familie Probleme hat. Im Prinzip stehen ja alle Eltern vor dieser Aufgabe. Sie müs­sen akzeptieren, dass ihre Kinder nicht ihren Vorstellungen entsprechen und dass sie nicht ihr Eigentum sind. Wie oft werden Kinder manipuliert von den Vorstellungen und Wünschen ihrer Eltern. Jeder Mensch gehört aber sich selbst und dem lieben Gott. Wie viel Streit und Ärger gibt es immer wieder dadurch, dass wir unter­schiedliche Vorstellungen und Wünsche haben. Beleidigt sein und Liebesentzug hilft beiden nicht, den Eltern nicht und den Jungen nicht. Maria macht es besser. Sie bewahrte den Konflikt in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Sie versteht: Jetzt ist Loslassen angesagt. Ja, los-lassen fällt schwer. Aber gerade im Loslassen finden die Jungen zu ihrer Reife und Selbständigkeit. Und das ist doch das Ziel jeder vernünftigen Erziehung. Wir brauchen selbständige lebenstüchtige junge Menschen und keine weltfremden Marionetten. Erziehung kostet allerdings Geduld, Geduld und nochmals Geduld.

Lb. Gl. Paulus bringt es auf den Punkt in der heutigen Lesung: Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander ... Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält.

 

 

 

2021 Lj. C: Weihnachten - Fürchtet euch nicht.

Evangelium nach Lukas (2,1-20)

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.  Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.  So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt.  Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.  Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Geburt,  und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.  Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,  der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. 

Bild: Posaunen-Engel

Was hat der Engel den Hirten gesagt: Fürchtet euch nicht? Ein schönes Wort. Solche Worte tun gut, gerade in einer Zeit, wo es so viele schlechte Nachrichten gibt. Fürchtet euch nicht. Ist denn das so wichtig, dass wir uns nicht fürchten? Ja, es ist wichtig. Weil die Angst das Herz zusammenschnürt und viel Gutes blockiert, vor allem die Freude. Und Weihnachten ohne Freude, wie soll das gehen? So, da kommt ein Engel und sagt: Fürchtet euch nicht! Und schon ist sie weg, die Angst? Nein, so einfach geht es auch wieder nicht. Der Engel erklärt ganz genau, was unsere Angst und Furcht besiegen kann. Es ist ein Knabe, der auf die Welt kommt, um den Menschen beizustehen und zu helfen. Als erwachsener Mann hat er dann bewiesen, dass er die Kraft hat, Menschen zu erlösen, zu befreien von vielen Dingen, die sie belasten. Er hat Hungrige gespeist, Kranke geheilt, den Sündern das schlechte Gewissen genommen. Und das Wichtigste. Dieses heilende Wirken geht weiter bis auf den heutigen Tag. Jesus hat Legionen von Engeln zur Verfügung, die gute Nachrichten verkünden, Engel ohne Flügel. Es sind die Christen, die nach dem Gebot der Nächstenliebe leben. Die sich um jene kümmern, denen es nicht so gut geht. Auch du kannst so ein Engel sein, ein Engel ohne Flügel. Du kannst deiner Freundin Mut machen und gut zureden: Lass dich nicht hinunterziehen. Du bist nicht allein. Ich halte zu dir, ich helfe dir. Wir passen auf uns auf, ich auf dich und du auf mich. Und irgendwann ist der Spuk vorbei. Dann fühlen wir uns wieder wie zu Weihnachten, einfach happy. Hast du gewusst: Angst ist im Grunde kein Übel, im Gegenteil. Sie ist uns gegeben als Warnsignal, das uns schützen soll vor Gefahren. Vorsicht, pass auf dich auf! Das ist eine nützliche, eine heilsame Angst. Es gibt auch die andere, die übertriebene, die heillose Angst. Da fürchten wir uns vor Monstern, die es gar nicht gibt. Der bekannte Arzt und Schriftsteller Cronin hat herausgefunden: Die meisten Ängste sind unbegründet. Sie treffen nie ein.

1.    Vergangenes z. B. Was vorbei ist, kann auch keine Gefahr mehr sein: Dennoch machen vergangene Dinge

30 Prozent unserer Ängste aus.

2.    Dann gibt es die unnötige Sorge um die Gesundheit, obwohl wir kerngesund sind: Das sind 23 Prozent unserer Ängste.

3.    Oft machen wir uns Sorgen über lächerliche Kleinigkeiten: Das sind 40 Prozent.

4.    Wirklich berechtigte Sorgen sind nur 8 Prozent.

Das ist eine Bilanz, die Mut macht. Das heißt:

Mehr als 90% sind überflüssige Sorgen. Und für die

wirklichen Sorgen habe ich jede Menge Hilfe: Hilfe von Eltern und Lehrpersonen, von guten Freunden, von Ärzten und Therapeuten, von guten Seelsorgern, von Engeln und Heiligen. Und wir haben den besten aller Angst-Therapeuten: den lieben Gott.

Lb. Gl. Der Engel hat schon recht, wenn er uns heute aufbaut und Mut macht: Fürchtet euch nicht.

 

 

 

2021 Lj-C: 4. Advent-So:  Maria und Elisabeth; Besuchszeit.

Bild: Maria+Elisabeth

Evangelium (Lk 1,39-56)

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.  Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.  Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.  Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.  Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.  Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,  und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Impuls:

Besuchszeit ist, besonders in den Tagen um Weihnachten. Frauen lieben das. Sie besuchen die Nachbarin oder eine Freundin. Das ist sooo schön. Da kann man über alles plaudern: über Gott und die Welt, über die Mode, übers Kochen, über die Nachbarn, über die Männer, über die Kinder. Den Frauen wird ganz gerne nachgesagt, dass sie nur tratschen und Schlechtes weitersagen. Das trifft natürlich überhaupt nicht zu. Und schon gar nicht bei den beiden Frauen im heutigen Evangelium. Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth. Nicht zu einem Kaffee-Klatsch. Nein. Maria will ihrer Base helfen, die in den kommenden Wochen ein Kind zur Welt bringen wird, den künftigen Johannes, den Täufer.  Also helfen will sie, nicht tratschen. Na ja, geredet haben sie schon auch, und wie. Es war kein Alltags-Tratsch. Was sie sagen, ist berührend, aufbauend und schön.

Elisabeth sagt: Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.« Was soll das heißen: »gebenedeit«? Die Bedeutung kommt vom lateinischen benediziere: Gutes sagen über jemanden, jemanden loben. Elisabet redet gut über Maria und über das Kind, das in ihr heranwächst. Vom Hl. Geist erleuchtet sagt sie: Gesegnet bist du, mehr als alle anderen Frauen und ge­segnet ist die Frucht deines Leibes. Und Maria redet gut über Gott: Hochpreiset meine Seele den Herrn… Elisabet ist übrigens ebenso gesegnet. Wie durch ein Wunder bekommt sie noch im vorgerückten Alter ein Kind. Elisabet ist frei von jeder Eifersucht. Sie ehrt das Kind Mariens - ohne Angst, dass ihr eigenes Kind zu kurz kommen könnte.

Gutes sagen über andere, können wir das auch? Andere loben? Kinder loben, das können wir ganz gut: Das hast du gut gemacht. Ich bin stolz auf dich! Aber Erwachsene loben? Das geht schon nicht mehr so leicht. Manche denken: Nicht kritisieren, ist Lob genug. Warum fällt loben denn so schwer? Kann es sein, dass manche fürchten: Wenn ich andere lobe, rücke ich sie in den Vordergrund, und ich bleibe zurück? Übrigens, viele tun sich auch schwer, ein Lob anzunehmen. Da schleicht sich oftmals Misstrauen ein: Schleimt er nur? Wozu lobt er mich? Braucht er was? Möchte er mich ausnützen? Vielleicht tut er mir gegenüber schön, aber hinten­herum ganz anders.

Lb. Gl. Viele von uns werden in den nächsten Tagen mit Ihrer Familie zusammen sein: gut essen und viel miteinander reden. Es wäre schön, wenn du dich unter dem Christbaum erinnerst: Gott redet gut über mich: Du bist mein geliebtes Kind.  Es wäre schön, wenn auch wir uns gegenseitig Gutes sagen und uns loben - nicht nur für das gute Essen. Sondern einfach einmal sagen, was man an seinem Gegenüber schätzt. Ich bin froh, dass es dich gibt. Du bist ein Geschenk - für mich und für meine Familie. Dann wird unsere Weihnacht nicht nur eine fröhliche und lustige, sondern eine gesegnete Weihnacht sein.

 

 

 

2021 Lj-C: 3. Advent-So:  Was sollen wir tun?

Evangelium nach Lukas (Lk 3,10)

In jener Zeit zogen die Leute zu Johannes in die Wüste, um seine Predigt zu hören: Sie fragten ihn: Was sollen wir tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.  Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Impuls:

Der Bußprediger Johannes. Ein knorriger, strenger Mann. Bekleidet mit einem rauen Kamelhaar-Mantel. Seine Mahlzeit: Heuschrecken und wilder Honig. Diesen Mann wollen sie sehen. Diesen Mann wollen sie hören. Zu Tausenden gehen sie hinaus in die Wüste, Fromme und Sünder. Seine Botschaft trifft sie mitten ins Herz: Kehrt um, tut Buße, damit euere Sünden vergeben werden. Alle sind guten Willens, auch die Ehebrecher, die Soldaten, die Zöllner und Dirnen. Sie fragen ganz beschämt: Was sollen wir tun? Man höre und staune. Sie bekommen keine Bußwerke aufgebrummt, wie etwa: Geht jeden Tag in den Tempel und betet stundenlang. Oder gebt 10% eures Vermögens den Armen. Sie müssen auch nicht fasten, dass die Schwarten krachen. Nein, nichts von alledem. Er sagt ihnen nur: Sie sollen ein ganz gewöhnliches ordentliches Leben führen. Er nennt 2 Beispiele.

Von den verhassten Zöllnern verlangt er nicht, dass sie ihren Beruf aufgeben sollen. Nein, sie sollen sich einfach an Recht und Gesetz halten - und nur das verlangen, was ihnen zusteht. Das Gleiche gilt für die Soldaten. Auch sie sollen ihren Beruf behalten, sich aber hüten vor Erpressung und Quälereien.

Dann fordert der Täufer von allen, von den Frommen und Sündern, eine grundsätzliche Haltung der Aufmerksamkeit für den Nächsten, die aber nicht überfordert. Wer zwei Kleidungsstücke besitzt, soll dem eines geben, der keines hat, also eines, aber nicht beide. Das könnte für uns bedeuten: Wenn deine Geldtasche aus allen Nähten platzt, dann gib von deinem Überfluss den Armen, in einem klugen Maß, so, dass du nicht selber arm wirst dabei. Es gibt über das Jahr verteilt immer wieder Sammlungen, wo wir Gelegenheit dazu haben. Das nennen wir heute soziale Gerechtigkeit.

Lb. Gl. Das ist tröstlich für uns alle. "Buße" heißt also nicht: Quält euch ab mit harten Bußwerken, mit Fasten und Beten. Das alte deutsche Wort "Buße" heißt übersetzt: Umdenken. Wenn etwas falsch läuft in deinem Leben, mach es anders!

Wir müssen keine Heiligen werden. Sondern einfach nur ein normales Leben führen, so, dass wir uns nicht gegenseitig zur Last werden. Jeder Fehler, jede Sünde belastet andere und uns selbst. Aber Fehler macht jeder von uns. Und dann ist immer wieder Versöhnung und Verzeihung angesagt. Verzeihung ist eine ganz große Tat der Nächstenliebe und ein wichtiger Beitrag für den Frieden miteinander.