2018_LjC: 2. Adventso: Wer ist der Größte?

Wer von euch will der Erste sein? – keiner? nur so wenige? Recht habt ihr. Ich würde mich auch nicht melden. Ich würde sagen: Es kommt darauf an: wo? Bei einem sportlichen Wettkampf will jeder gern der Erste und Beste sein. Wenn aber die Mutter fragt: Wer hilft mir beim Abspülen? Da drängt sich keiner gern in die erste Reihe. Aber nach einem langen Schultag, da möchte jeder der erste sein – draußen bei der Schultür. Wer ist der Erste und Wichtigste? Diese Frage führt nicht selten zu Machtkämpfen und Streit. Nun, da sind wir in guter Gesellschaft. Sogar die Apostel haben sich gestritten, wer von ihnen der Wichtigste ist.

Wer ist der Größte und Beste? Schwer zu sagen.

Was meint Jesus dazu? Das haben wir im Evangelium gehört: Wer von euch der Erste und Beste sein will, der soll es zeigen, indem er anderen dient und hilft, so gut er kann.

Dienen, wozu? Das können viele nicht verstehen. Da brauchen wir schon griffige Vorbilder, die uns das vorleben und die uns klar machen: Dienen ist gar nicht so dumm, wie viele sagen. Das beste Beispiel gibt uns Jesus selbst. Er sagt: Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben einzusetzen für die Vielen. Heilige haben es Jesus nachgemacht. Aber nicht nur sie. Es gibt auch Sportler, die leuchtende Vorbilder sind, wie die folgende Geschichte erzählt.

Es war bei der berühmten "Tour de France", dem größten Rad­rennen der Welt. Der Rennfahrer Jean Forestier, der Liebling der Franzosen, lag in Führung. Er war somit der heißeste Favorit. Nur einer, nämlich der Ita­liener Ricardo, war sein gefährlichster Gegner. Und der überholte ihn tatsächlich, bei einer Abfahrt ins nächste Tal! Doch plötzlich wa­ren Mann und Fahrrad verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Der Italiener war von der Straße abgekommen und einen Abhang hinuntergestürzt. Das hatte keiner mitbekommen, außer Jean Forestier, der Franzose. Er zögerte kurz, bremste ab, stieg vom Rad und kroch den Abhang hinunter. Mit großer Mühe schleppte er den verun­glückten Konkurrenten hinauf zum Straßenrand, wo ihn Sanitäter versorgten. Forestier selbst hatte kostbare Zeit verloren — und damit den sicheren Sieg! Doch als der kleine Franzose weit hinter dem Ersten über die Ziellinie fuhr, toste ein Beifall der Zuschauer auf, der nicht mehr aufhören wollte. Der Verlierer war der eigentliche Sieger. Wer ist der Größte? Die meisten denken: Der Stärkste, der Schnellste, der auf dem obersten Podest, wer mit dem Pokal durchs Stadion tanzt. Der Größte ist der Mächtigste, der Intelli­genteste, der mit dem besten Mundwerk. Der Präsident, der Chef, der Direktor, in der Familie der Vater oder die Mutter.

Wer ist der Größte? Jesus meint: Der Größte ist, wer am besten dienen kann. Das gilt für den kleinen Mann genauso wie für die Vorgesetzten und die Chefs. 

2018 Lj-C: 8. Dezember – Sündenfall  und Erlösung

1. Lesung: Sündenfall  (siehe Bußfeier!)

Wenn i nur aufhörn könnt! Du kennst sicher diesen Werbeslogan von Napoli. Da werden die unwiderstehlichen Dragee Keksi präsentiert. Wer die Schachtel aufmacht, muss naschen, bis die Leckerbissen fertig sind, selbst wenn eine Naschkatze ohnehin schon bedenkliches Übergewicht hat. Wenn i nur aufhörn könnt!

Oder: Da kommen im Fernsehen täglich Filme mit Liebesszenen. Ehebruch ist da kein Problem. Abwechslung muss sein. Dann denkt sich mancher: Ja! Warum nicht einmal ausprobieren. Man könnte womöglich was versäumen. Und er macht es, obwohl er eine glückliche Familie hat mit einer feinen Frau und ganz lieben Kindern. Er macht es wieder. Und irgendwann kommt die Krise. Wenn i nur aufhören könnt. Versuchung, Kämpfen und Nachgeben, Gewinnen und Verlieren – ein uraltes Spiel. Schon unsere Stammeltern waren vor die Wahl gestellt: den verlockenden Apfel zu nehmen oder nicht. Der Apfel in der Mitte des Gartens versprach Weisheit, also eine göttliche Eigenschaft. Sein wie Gott, das wär doch was! Warum nicht einmal ausprobieren. Man könnte womöglich was versäumen. Sie nehmen den Apfel, die Beiden, Adam und Eva. Sie wagen es und - verlieren alles, ihr traumhaft schönes Paradies. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf – durch die ganze Menschheitsgeschichte. Das Böse geht immer weiter, es vererbt sich. Erbsünde. Kain ermordet seinen Bruder Abel aus Neid, weil Gott dessen Opfer lieber hat. Erbarmungswürdiger Mensch, mit ständigen Schuldgefühlen und einem ewigen Heimweh nach dem Paradies. Erbarmungswürdiger Mensch! Wäre da nicht ein anderer Mensch, der Hoffnung macht.

Das heutige Fest ist eine wirklich Frohe Botschaft: Gott gibt den Menschen nicht auf. Nach der Geschichte der Sünde und des Unheils beginnt er mit den Menschen eine Geschichte des Heils. Für seinen Heilsplan nimmt Gott wieder einen Menschen, ausgerechnet ein Wesen, das so unverlässlich ist. Nein. Eine ist anders:

eine junge Frau aus Nazaret: Sie hört auf Gott - und sie gehört ihm ganz. Sie fragt nicht, was es kostet, Gott zu gehorchen. Sie ist ganz Ohr für ihn und findet in der Beziehung zu Gott tiefste Erfüllung. Sie ist ein Mensch, der nicht ständig hin- und hergerissen wird von 1000 Wünschen und Versuchungen. Ein Mensch, der genau weiß: Den Willen Gottes zu erfüllen, ist in jeden Fall die beste Wahl. Sie ist verlässlich. Sie gibt nicht auf, auch dann nicht, wenn es schwierig wird. Sie geht bis zum Kreuz mit ihrem Sohn.

Lb. Gl. Das ist genau der Mensch, den Gott braucht als Mutter für seinen Sohn. Die Beste ist gerade gut genug. Sie bringt den zur Welt, auf den Generationen sehnsüchtig warten: Unseren Erlöser, der uns befreien will von all unseren Sünden. Und der uns Hoffnung macht, dass er uns am Ende heimführen wird – in sein Paradies. 

2018 Lj-C: 1. Advent: Es naht eure Erlösung

Advent, du stille Zeit, singen die Christen auf aller Welt. Stille, besinnliche Zeit. So wünschen sich viele den Advent - mit Adventkranz und Kerzenschein. In diese Ruhe hinein poltert das heutige Evangelium. Es beschreibt den Weltuntergang in dramatischen Bildern: Die Kräfte des Himmels und der Erde werden erschüttert. Die Völker werden bestürzt und ratlos sein. Ist die Kirche eine Spaßverderberin? Nein, nein. Wir müssen nur weiterlesen. Das Leben hört ja nicht mit dem Weltuntergang. Der ist nichts anderes als ein Vorspiel. Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Jesus sagt: Wenn das geschieht, dann richtet euch auf und erhebt euer Haupt. Denn es naht eure Erlösung. Der Weltuntergang ist weiter nicht schlimm. Der Sonne blüht dasselbe Schicksal  wie allen Geschöpfen. Sie ist vergänglich. Untergänge und Katastrophen wird es immer geben, solange wir auf dieser Welt zuhause sind. Kleinere und größere Katastrophen können über ein Land hereinbrechen, aber auch über mein persönliches Leben. Und da gibt es verschiedene Strategien, mit Angst und Katastrophen umzugehn. Eine erwähnt Jesus ausdrücklich: Nehmt euch in Acht, dass ihr nicht dem Rausch und der Trunkenheit verfallt, um so die Angst zu betäuben. Es gibt bessere Strategien: Gute Freunde, die uns beistehen. Und noch besser: ein guter allmächtiger Gott, der uns Kraft und Weisheit geben kann, unsere Krisen zu überwinden.

Krisen und Katastrophen können jeden treffen, ganz gleich, ob jemand gläubig oder ein ungläubig ist. Nur hat der gottverbundene Mensch einen entscheidenden Vorteil: Er weiß einen liebenden Gott an seiner Seite, der das Beste für ihn will. Genau das möchte uns heute dieser Mann hier sagen mit seiner Lebensgeschichte: Merch Maschiach (Bild). Der begabte Modedesigner hat berühmte Damen eingekleidet: Königinnen und Prinzessinnen. Seit 6 Jahren leidet er an einer fortschreitenden Erblindung. Er kann keine Farben mehr erkennen.

Eine Katastrophe für einen Modedesigner. Er war verzweifelt, hat gehadert mit seinem Schicksal und mit Gott. Für ihn war eine Welt zusammengebrochen. Am dunkelsten Punkt seines Lebens begeht er einen Selbstmordversuch. Der ist ihm jedoch nicht gelungen, Gott sei Dank. Als er im Krankenhaus von seiner Bewusstlosigkeit erwacht, stehen seine Familie und seine Freunde am Bett. Er hat sich schrecklich vor ihnen geschämt. Nach längerem Schweigen meinte sein bester Freund: Der liebe Gott hat schon gewusst, warum er dich nicht sterben ließ.

Merch Maschiach erzählt: Dieses Wort hat mich zum Leben erweckt. Früher habe ich jeden Tag Gott gedankt für mein Talent und für meinen Erfolg. Heute bete ich jeden Tag: Wenn es so sein soll, dann bitte ich dich einfach um deine Hilfe, damit ich weiterleben und weiterarbeiten kann, so gut es geht. Nach 6 Jahren geht Merch Maschiach jetzt mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, um jenen Menschen Mut zu machen, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen. Er will ihnen allen sagen: Schaut mich an! Es geht weiter - mit der Hilfe von guten Freunden und mit der Hilfe Gottes. Jeder Tag ist ein besonderes Geschenk. 

2018 Lj-B: 34. So.i.J: Christkönig; der andere König

Österreich feiert dieser Tage 100 Jahre Demokratie. Im November 1918 hat der letzte Habsburger Monarch Kaiser Karl I. den Regierungsverzicht verkündet und die Gründung der ersten Republik ausgerufen. Das mächtige Habsburgerreich, beinahe 200 Jahre hat es gedauert. Durch einen fatalen Krieg ging es in Trümmer. Unvorstellbares Leid hat der 1. Weltkrieg über uns gebracht, unzählige Opfer hat er gekostet. Man kann sich vorstellen, dass nach dem verlorenen Krieg sich die meisten Bürger einig waren: So einen Kaiser brauchen wir nicht, der unser Land und die halbe Welt ins Unglück stürzt. Viele werden sich gefragt haben: Hat der Kaiser es wirklich gut gemeint mit uns? Hat er uns geliebt? Da ist uns schon lieber eine Demokratie, wo das Volk ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat, was geschehen soll. Und wo auch die Frauen ein Wahlrecht haben. Jetzt besteht sie bereits hundert Jahre lang, unsere Demokratie. Und komischer weise gibt es in letzte Zeit immer mehr Menschen, die sich einen starken Mann, das heißt einen Diktator wünschen, der über unsere Köpfe hinweg regieren kann. Wie gibt es denn so was?

So, und gerade in einer Zeit, wo man sich so unsicher ist: Was denn das Beste ist für Volk und Land, da mutet uns die Kirche wieder einen Monarchen zu. Sie feiert heute Christus, den König. Als gebrannte Kinder haben wir das Recht, uns diesen König genauer anzuschauen. Was ist das für einer? Wie denkt er? Wie handelt er?

Je genauer man hinschaut, umso deutlicher wird: Das ist ein ganz anderer König. Ein schlagkräftiges Heer, mit dem man Kriege gewinnen und verlieren kann, das hat er nicht. Das ist schon positiv. Wie schaut es aus mit den anderen Attributen, die man einem König zuschreibt? Normalerweise besitzt ein König ein prunkvolles Schloss mit allem Drum und Dran. Er hat einen ganzen Hofstaat um sich herum, der rund um die Uhr zu seinen Diensten steht. Macht und Reichtum hat er genug. Und er kämpft mit allen Mitteln, seine Macht und seinen Besitz zu sichern und noch weiter auszubauen. Was ist Jesus für ein König? Wie groß ist seine Macht?

Nun, gerade in seiner größten Ohnmacht, kurz vor seiner Hinrichtung,  bekennt er: Ja, ich bin ein König. Aber mein Reich ist nicht von dieser Welt. Es ist ein geistiges Reich: ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

Glanz und Glamour hat er nicht. Sein einziger Schmuck ist die Dornenkrone. Einen Hofstaat von Dienern hat er ebenso nicht. Er sagt: Das Dienen, mach ich lieber selbst. Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und mein Leben hinzugeben für die Meinen. Und jetzt kommen wir zur wichtigsten Eigenschaft eines Königs. So wie die Leute vor 100 Jahren sich gefragt haben: Hat der Kaiser es wirklich gut gemeint mit uns? Hat er uns geliebt?

Lb. Gl. Johannes bringt es in der Lesung auf den Punkt, was unseren König Jesus ausmacht: Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns. Er hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut. Das macht den himmelweiten Unterschied zwischen den weltlichen Königen und ihm. Für die anderen Könige müssen Tausende Soldaten und Zivilisten ihr Blut vergießen. 

Jesus vergießt sein eigenes Blut, damit wir frei werden von Sünden und vom ewigen Tod der Hölle. Bei einem solchen König habe ich als überzeugter Demokrat kein Problem, ihm meine Stimme zu geben.

2018 Lj-B: 33. So.i.J: Ende der Welt

1. Lesung!

Jedes Jahr dasselbe Lied: Am Ende des Kirchenjahres kommen auch die Geschichten vom Ende der Welt – in dramatischen Bildern. Apokalypse, Weltuntergang. Diese Geschichten hören viele nicht gern. Sie machen Angst. Genau das Gegenteil will der Evangelist Markus mit seiner Geschichte. Er will Mut machen. Und den haben wir auch bitter nötig – in einer Welt, die an vielen Orten dem Weltuntergang ganz ähnlich ist.

Die Apokalyptik, die Geschichten vom Weltuntergang. Wie sind sie zu verstehen? Diese Geschichten gibt es bereits 200 Jahre vor Chris­tus, im Buch Daniel z.B., in der heutigen Lesung. Das jüdische Volk lebte damals in großer Bedrängnis. Fremde Mächte beherrschten das Land, wollten den Juden ihren Glauben verbieten, ihnen eine andere Religion aufzwingen. Not und Verfolgung, Kriege und Zerstörung überall. Die größte aller Katastrophen ereignete sich im Jahr 70 nach Christus. Da haben die Römer Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht. Schlimm genug. Und das Schlimmste von allem: Es war das Ende ihres Heiligtums, das Ende des jüdischen Tempelkultes. Für die Juden war eine Welt zusammengebrochen. Das war für sie Weltuntergang, Apokalypse pur. In solcher Not fragte man nach Gott, hoffte auf seine Hilfe, dass er endlich eingreift.

Genau das will Jesus im heutigen Evangelium:  Er will Mut und Hoffnung wecken und keineswegs Angst machen. Er sagt: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und die Sterne werden vom Himmel fallen.

Nun, die große Not hat die Menschheit schon erlebt und wir stehen noch mitten drin: Kriege, Katastrophen, Not und Leid, gibt es zu jeder Zeit irgendwo auf der Welt. Das alles durchzustehen, ist unser Menschenschicksal, solange wir auf dieser Welt zu Hause sind. Aber irgendwann ist es genug, irgendwann gibt es für die bösen Mächte ein Ende ihrer Narrenfreiheit. Dann ist die Zeit für die Ernte. Dann schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und der Menschensohn kommt mit großer Macht und Herrlichkeit, um seine Auserwählten von allen Windrichtungen zu sammeln. Dann kann sich unsere liebe Sonne ruhig verfinstern und dann können die Sterne getrost vom Himmel fallen. Dann haben sie ausgedient. In der anderen Welt brauchen wir sie nicht mehr. Wir brauchen sie nicht mehr als Licht- und Wärmespender, auch nicht mehr als Zeitmaß. In der Ewigkeit laufen die Uhren anders als in diesem Sonnensystem. Es ist also absolut nicht so, dass dem lieben Gott durch ein dummes Missgeschick, oder gar durch einen bösen Streich der Menschen sein ganzes Werk zusammenkracht.

Lb. Gl. In der Apokalypse, beim Weltuntergang passiert im Grunde nichts anderes, als wenn ein Uhrenmacher seinen Betrieb umstellt: von der alten Sonnenuhr auf ein modernes System. Unser Schöpfer stellt dann unsere Welt von Zeit auf Ewigkeit, von Not und Drangsal auf ewige Freude. Was soll daran so schrecklich sein??

2018 Lj-B: 32. So.i.J: Das Opfer der Witwe

Jesus ist überwältigt von dieser Frau. Er kennt nicht einmal ihren Namen. Er ist fasziniert, nicht vom Geldbetrag, den sie gibt, sondern von ihrem maßlosen Gottvertrauen. Mit 2 lumpigen Lepta kann man keinen Tempel renovieren und keinen Priester bezahlen. 2 Lepta sind gerade die Tagesration eines Bettlers, der Preis für ein Stück Brot. Die Frau wirft ihre letzten beiden Lepta in den Kasten - sie wirft ihr Leben in Gottes Hand. Sie vertraut felsenfest: Gott liebt mich, auch wenn ich arm bin wie eine Kirchenmaus. Und ich liebe ihn auch. Trotz meiner Armut bin ich reich beschenkt und glücklich. Ich weiß, er lässt mich nicht zugrunde gehen. Niemand kennt ihren Namen. Aber sie steht in der Bibel als leuchtendes Vorbild. Nun, dieses Evangelium ist keineswegs als Werbung gedacht, möglichst viel Geld in den Klingelbeutel zu werfen. Es geht da in erster Linie um unser Gottvertrauen. Viele meinen: Ich werde verhungern, wenn ich nicht jede Menge Vorräte anhäufe. Sie horten und horten und geben nichts. Ich kenne viele Witwen. Die haben eine kleine Pension. Wenn man sie fragt: Kommst du über die Runden mit so wenig Geld? Dann sagen sie: Es geht schon. Ich muss ja nicht alles haben. Wieviel sie in den Klingelbeutel werfen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass genau diese Witwen mit ihrer Spende Sonntag für Sonntag, dass sie zu einem großen Teil unsere neue Orgel finanziert haben. Die meisten von diesen Witwen kenne ich gar nicht. Doch, eine Witwe kenne ich ganz genau: meine Mutter. Sie ist inzwischen verstorben. Sie hatte nur das Nötigste zum Leben, sie und ihre 11 Kinder. Aber einen

Luxus hat sie sich geleistet. Sie hat mein Studium bezahlt. Das war oft so eng, dass sie die Dienstmagd bitten musste, ihr den Beitrag fürs Internat vorzustrecken, bis sie die Kinderbeihilfe bekommt. Wie viel sie in den Klingelbeutel gegeben hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Sie hat alles gegeben – für mich.

Das Opfer der Witwe. Opfer, das ist ein ganz altes verstaubtes Wort. Es kommt aus dem Lateinischen offerre, ein gutes Werk verrichten. So altmodisch das Wort ist, so hochaktuell ist die Sache selbst: Das gute Werk. In diesen Tagen, wo das Unwetter bei uns in Osttirol so viel Schaden angerichtet hat, da ist Nachbarschaftshilfe dringend nötig, manuelle und finanzielle Hilfe. Auch das Kloster wird einen angemessenen Beitrag leisten. Opfer, das kann auch was anderes sein als Geld. Es können geistige Werte sein: Zeit haben für andere, für den Partner, die Kinder, die Großeltern, Aufmerksamkeit schenken, einen Liebesdienst leisten.

Lb. Gl. Opfer, ein altmodisches Wort. Ja, aber das Opfer selbst sollten wir nicht unterschätzen. Es kommt aus einem liebenden Herzen.  Und wir dürfen sicher sein: Alle Liebesdienste haben Ewigkeitswert – auch wenn es nur 2 lumpige Lepta sind.

2018 Lj-B: 31. So.i.J: Die Liebe –Fundament unseres Lebens

Nicht wenige Menschen klagen: Ich habe den Boden unter den Füßen verloren. Mein ganzes Lebensgebäude schwankt. Mein Leben ist wie ein Haus, bei dem eine Grundmauer eingebrochen ist. Jesus weiß um diese Not. Deswegen wird er nicht müde, unserem Leben ein stabiles Fundament zu geben. Unser Leben steht am besten auf einem dreieckigen Grund. Der 1. Eckpfeiler ist eine solide Verbindung zu Gott, die Liebe zu Gott. Der 2. Eckpfeiler ist eine gute Beziehung zu unseren Mitmenschen, die Liebe zum Nächsten. Und der 3. Eckpfeiler: eine gesunde Selbstachtung, die Liebe zu sich selbst.

Was heißt eigentlich "Lieben"? Ich liebe jemanden, wenn ich von ihm sagen kann: Gut, dass es dich gibt. Das kann ich nur von jemandem sagen, den ich kenne. Wenn ich aalso Gott lieben soll, muss ich ihn erst kennen lernen. Wie geht das? Ich kann seine Schöpfung bestaunen. Ich kann ihn finden im Gebet, in der Meditation, im Zeugnis gläubiger Menschen, in der Bibel, im Gottesdienst.

Und was bedeutet Nächstenliebe und Selbstliebe? Wenn ich sagen kann: Gut, dass es dich gibt. Gut, dass es mich gibt.

Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Diese drei Pfeiler müssen ausgewogen sein. Wo es in einem Bereich ein Zuviel oder ein Zuwenig gibt, gerät das Lebensgebäude in eine Schieflage. Ich kenne Menschen, die eine Überdosis an Gottesliebe haben. Sie verbringen enorm viel Zeit in der Kirche und im Gebet. Die Familie fühlt sich vernachlässigt. Menschen mit einer schädlichen Überdosis an Gottesliebe sind die religiösen Fanatiker, die über Leichen gehen. Ich kenne Gutmenschen mit einem ausgeprägten sozialen Sinn. Sie meinen, sie müssen sich zerreißen für die Mitmenschen. Gott brauchen sie dafür nicht. Und siehe da: Sehr schnell geht dem Gutmenschen die Puste aus, wenn er nicht mit Gott verbunden ist. Ich kenne Menschen, die eine Überdosis Selbstliebe haben: Wichtig ist einzig und allein, dass es mir gut geht. Gott und die Menschen interessieren mich nicht.

Die selbstverliebten Narzissten sind die Allerärmsten. Ihr Schicksal ist bekannt. Narziss ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Jüngling Narziss verschmäht die Liebe einer Frau und wird dafür bestraft mit unstillbarer Selbstliebe. (Bild)

Er verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild, das er im Wasser sieht. Er möchte dem Objekt seiner Liebe immer näher kommen, näher und näher, bis er schließlich ins Wasser fällt und ertrinkt. Sind Egoisten in Lebensgefahr? In Gefahr, nglücklich zu werden ganz gewiss.

Nach Meinung der Psychologen sind Männer stärker gefährdet als Frauen, sich selbst anzuhimmeln. Betroffene sehen nur sich selbst. Es mangelt ihnen an Einfühlungsvermögen. Na ja, ein gewisses Maß von Selbstverliebtheit trägt jeder Mensch in sich. Kritisch wird es erst, wenn diese Selbstliebe außer Kontrolle gerät. Der Narzisst ist ein Angeber. „Scheitern" gibt es nicht bei ihm. Mit negativen Erlebnissen beschäftigt er sich nicht. Er versteht es blendend, sich selbst und anderen was vorzu­machen. In Wirklichkeit ist er alles andere als ein Supermann, sondern einfach nur ein Mensch mit einer massiven Persönlichkeitsstörung.

Lb. Gl. Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe. Wer sich an diese Grundpfeiler hält, vernünftig und ausgewogen, kann nie in Schieflage geraten. Wo einer dieser Pfeiler aufgebläht wird oder verkümmert, da gerät unser ganzes Beziehungsgefüge ins Wanken. Jesus hat schon recht, wenn er uns immer wieder einschärft: Du sollst Gott lieben aus ganzem Herzen - und deinen Nächsten – so wie dich selbst. 

2018 Allerheiligen: Muss man sich den Himmel "verdienen?"

Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt der Volksmund. Was kostet eigentlich das Kostbarste, das es gibt, der Himmel? Julian, sieben Jahre alt, ist schwer krank, er wird sterben. Und er spürt das auch. Neulich sagte er zu seiner Mutter: „Ich hatte noch gar keine Zeit, Gutes zu tun. Wie soll ich da in den Himmel kommen?" Die Mutter war fassungslos und wusste im Moment nicht, was sie antworten sollte. Diese Geschichte macht mich betroffen. Gibt es Schwereres, als einem eigenen Kind beim Sterben zuzusehen und es in den Tod zu begleiten? Julian meint: Ich habe nicht genug Gutes getan, um in den Himmel zu kommen. Woher kommt es denn, dass Julian meint, sich den Himmel verdienen zu müssen?

Kann es sein, dass Julian sich die Liebe seiner Eltern oder anderer Bezugs-Personen immer verdienen musste? Normalerweise ist die Liebe der Eltern beim ersten Anblick schon da. Es ist eine „Augenweide" für die Eltern, ihrem Kind beim Spielen „heimlich" zuzuschauen. Ihre Augen leuchten - aus Freude an ihrem Kind, aus Freude an seinem bloßen Da-Sein. Ist das nicht immer so, wenn man liebt? Das Da-Sein des anderen, ist das große Geschenk, das Beglückende. Es zählt viel mehr als das, was er leistet oder tut. Soll das bei Gott anders sein? Soll unser Schöpfer nicht an uns seine Freude haben, an unserem „bloßen" Da-Sein? Ich glaube, das ist der eigentliche Grund, warum wir leben und warum wir „ewig" leben: weil Gott einfach Freude hat an unserem Da-Sein und dass er ohne uns nicht sein will. Das ist viel wichtiger als das, was wir tun - sei es gut oder schlecht. Wie oft drücken Eltern ein Auge zu aus bloßer Freude darüber, dass sie einen wertvollen Schatz besitzen. Was immer das Kind auch anstellen mag: ob es ihnen Freude macht oder Kummer - ihre Liebe ist da, unabhängig von seinem Verhalten. Dass es so ist, das ist im Grunde ein Wunder, ein großes, unfassbares „Geheimnis".

Lb. Gl. Ich bin mir sicher, dass die Mutter von Julian nach einer Nachdenkpause die richtigen Worte gefunden hat für ihr Kind: Julian, du musst dir keine Sorgen machen, ob du in den Himmel kommst. Du weißt, wie sehr ich die gern mag. Du bist mein geliebtes Kind. Aber nicht nur mein Kind. Du bist auch ein geliebtes Kind Gottes, der eine noch viel größere Liebe hat als ich. Die Liebe muss man sich nicht verdienen, man bekommt sie geschenkt. Genauso ist es mit dem Himmel. Den Himmel kann man sich gar nicht verdienen, man bekommt ihn geschenkt von einem grenzenlos liebenden Gott. Von einem Gott, der das Beste für seine Kinder will und der seine Kinder in seiner Nähe haben will, immer und ewig. 

2018 Lj-B: 30. So.i.J: Der binde Bartimäus (2003)

Ich war beim Augenarzt. Warum? Ich wollte wieder sehen können, nicht nur Bäume und Berge, nein, auch das Kleingedruckte. Das war schnell erledigt: Augenkontrolle, neue Brille. Jetzt kann ich wieder sehen. Mein Leidensgenosse Bartimäus ist da viel schlechter dran. Der sieht überhaupt nichts. Er landet am Straßenrand mit seiner Behinderung. Er wird zum Außenseiter, der nicht dazugehört; nicht nur wegen seiner körperlichen Behinderung. Damals glaubte man: Gott hat ihn mit dieser Krankheit bestraft für irgendein schweres Vergehen. Wenn Gott ihn schon nicht mag, warum sollten die Menschen ihn mögen?

Bartimäus sitzt an der Straße, wo sich das Leben abspielt. Hier kommen viele Menschen vorbei, die ihm ab und zu eine Münze zuwerfen. Hier ist sein Arbeitsplatz. Eines Tages kommt auch Jesus vorbei. Das ist die Stunde des Bartimäus. Er hat von Jesus gehört und dass dieser Mann der Messias ist, der Retter seines Volkes und dass er Kranke heilt. Das ist meine Chance, sagt er sich. Er schreit aus vollem Hals: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir. Bartimäus macht alles richtig. Er zieht das beste  Register. Er appelliert an das Erbarmen des Messias. Das ist seine Schwachstelle: Erbarmen und Mitleid. Ruft ihn her, sagt Jesus. Dann erfolgt die Heilung im Zeitraffer. Geh, dein Glaube hat dir geholfen. So schnell möchte ich einmal aus einer Ordination heraus kommen. Dabei hat Jesus innerhalb von Sekunden gleich 2 Heilungen vollbracht: Die Heilung der Augen und die Heilung des Herzens. Bartimäus wurde ein gläubiger Christ. Es heißt: Er folgte Jesus auf dem Weg. Eine berührende Geschichte.

Lb. Gl. Das ist auch deine Geschichte. Wie lautet deine Diagnose? Was uns manchmal mehr zu schaffen macht als schlechte

Augen, ist die mangelnde Sehschärfe des Herzens. Da sind wir manchmal blind. Wie oft ärgern wir uns über einen Menschen und kommen nicht zurecht mit ihm.

Wir sehen nur seine Schattenseiten und Fehler und sehen nicht die vielen guten und liebenswerten Eigenschaf­ten, die er ebenso hat. Wir sehen sie nicht, weil wir Schmutz in den Augen haben und im Herzen: Vorurteile, Neid, Eifersucht, Schadenfreude, Hass, Gleichgültigkeit… das alles kann blind machen. Oder wie oft langweilen wir uns, wissen nicht, wie wir die Zeit totschlagen sollen und sehen nicht, wie sehr andere gerade diese totgeschlagene Zeit gebraucht hätten - zu einem Gespräch, zu einem gemütlichen Beisammensein, zu einer kleinen Aufmerksamkeit, zu einer Gefälligkeit. Kinder und Ehepartner haben schon Recht, wenn sie manchmal, wie der binde Bartimäus, lästig sind und stören, weil Eltern oder der Ehepartner sich ständig hinter der Zei­tung verschan­zen, oder hinter irgendeinem Hobby, hinter dem Fernseher oder dem Handy. Miteinander reden, spielen oder einfach irgendetwas gemeinsam tun, wäre wichtiger als vieles andere.

Lb. Schw. + Brüder. Fragen wir uns in dieser Stunde: Sehe ich die Not des anderen, seine verborgenen Wün­sche, seine Einsamkeit,  seine Angst, seine Traurigkeit? Sehe ich, was die Mitmenschen bewegt - am Arbeitsplatz, in meiner Familie? die Frau, den Mann, die Kinder?

Bitten auch wir wie der binde Bettler: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.

2018 Lj-B: 28. So.i.J: Wie komm ich in den Himmel?

In den Himmel kommen? Wer möchte das nicht? In einem Schunkellied wird lauthals gesungen: Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind. Weil wir so brav sind? Genau daran haben viel ihre Zweifel. Bin ich denn so brav, dass es für den Himmel reicht? Diese Frage bewegt auch den jungen Mann im heutigen Evangelium. Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortet kurz und bündig: Du kennst doch die Gebote. Lebe danach und du gewinnst das ewige Leben. Der junge Mann kann voller Stolz sagen: Das mach ich schon längst, schon von Kindesbeinen an. Gut so. Nur weiter so, und du gewinnst das ewige Leben. Die Gebote halten, das ist eine gute Voraussetzung für den Himmel. Aber Jesus meint: Dir, lieber junger Mann, dir mit solchem Idealismus traue ich noch viel viel mehr zu, als nur ein paar Gebote zu erfüllen, quasi: Dienst nach Vorschrift. Du hast das Zeug zu einem Apostel. Wenn du für das Reich Gottes mehr tun willst als nur die verdammte Pflicht, dann wirf alles ab, was dich bindet und abhängig macht. Verkauf, was du hast, und gib den Erlös den Armen. Dann bist du frei. Dann komm und folge mir nach. Und siehe da: Ausgerechnet diese Hürde schafft er nicht. Er geht traurig weg. Was dann? Nun, das ewige Leben wird er wohl bekommen haben, aber nicht jenes volle Leben, das ein Jünger Jesu erleben darf. Schade für ihn. Der verdammte Reichtum war sein Stolperstein zu einer tiefen Gottesbeziehung, zu einer tiefen Freundschaft mit Jesus.

Lb. Gl. Die Hl. Schrift ist für uns geschrieben. Wir alle spielen darin die Hauptrolle. Mit dem jungen Mann sind auch wir gemeint. Seine Frage ist auch unsere Frage: Wie komme ich in den Himmel? Ganz einfach, meint Jesus: Halte die Gebote. Nun, so einfach ist das auch wieder nicht. Uns fällt das nicht so leicht wie dem jungen Mann. Dann drängt sich die nächste Frage auf? Wie kann ich trotzdem gerettet werden, wenn mich so vieles abhält von einem guten Leben: so viele Begierden und Süchte? So viel Ichsucht, Habsucht, Genusssucht und vieles andere. Wer kann da noch gerettet werden, fragen die Jünger bestürzt. Aus rein menschlicher Kraft geht es nicht, sagt Jesus. Unsere Rechtschaffenheit ist immer nur Stückwerk. Aber – und das ist unser Trost: Was für uns unmöglich ist, für Gott ist alles möglich. Seine Barmherzigkeit gleicht unsere Defizite aus – so sehr, dass sogar der rechte Schächer, ein Verbrecher, in den Himmel kommt.

Lb. Gl. Wenn wir jetzt noch einmal fragen? Wie komme ich in den Himmel? Dann kann die Antwort nur lauten: Der Weg in den Himmel führt nicht über Leistung und Vollkommenheit. Er führt einzig und allein über das Erbarmen Gottes. 

2018 Lj-B: 27. So.i.J: Erntedank – Danke sagen

10 Aussätzige

Kinder mögen das gar nicht, wenn Eltern immer wieder sagen: Hast du auch "Danke" gesagt? Wozu denn? Eltern bestehen darauf, dass ihre Kinder die einfachsten Anstandsregeln lernen. Dazu gehört nun einmal das "Bitte" und "Danke". Gar nicht so einfach, vor allem das "Danke". In der heutigen Geschichte schafft es nur einer von 10. Auch Jesus ist enttäuscht. Nur einer, und der ist noch dazu ein Ausländer!

Aussatz ist eine entsetzliche Krankheit. Der Mensch verfault bei lebendigem Leib. Die 10 armen Teufel erfahren, dass Jesus vorbei kommt. Sie haben von seiner Wundermacht gehört. Das ist ihre Chance. Von weitem schreien sie: Jesus, lieber Meister, hab Erbarmen mit uns. Da hat jemand an sein Erbarmen appelliert. Das ist seine Schwachstelle. Er heilt alle 10. Was für ein Glück für sie. Sie können wieder zurück zu ihrer Familie, teilnehmen am normalen Leben. Sie können Luftsprünge machen. Das machen sie auch. Nur eines machen sie nicht: Zurückgehen zu Jesus und Danke sagen, außer dem Einen. Der kommt zurück. Bei ihm geschieht eine doppelte Heilung: die Heilung vom Aussatz, und noch wichtiger, Heilung von seiner Gott-Losigkeit. Indem er Gott dankt, findet er zu Gott. Er kommt, um sein Leben neu von Gott her zu ordnen, auf Gott zu bauen. Er weiß jetzt: alles kommt von Gott, von dem Ewigen. Jesus sagt ihm noch: Dein Glaube hat dich gerettet. Ein starkes Wort. Er ist nicht nur gesund, er ist gerettet. Es genügt, dass du kommst und Danke sagst. Und schon bist du in Gott. Du kannst nicht mehr abgleiten in die Gottlosigkeit und in die Sinnlosigkeit.

Lb. Gl. Dieser Eine ist ein Vorbild für uns alle. Er zeigt uns, wie Heilung geht. Der erste Schritt: Er schreit zu Jesus: Herr, lieber Meister, hab Erbarmen mit mir. Der 2. Schritt: Seine Bitte wird erhört. Er wird geheilt. Der 3. Schritt: Er kehrt zurück, um Jesus zu danken. Machen wir's wie er.

Auch uns geht es oft nicht gut. Wir haben zwar keinen Aussatz. Aber wir haben anderes, das uns zu schaffen macht: Überlastung, Stress, keine Arbeit. Probleme mit dem Partner, Probleme mit den Kindern. Schwere Krankheit, Krankheit oder gar Sterben eines lieben Menschen. Jesus ist die beste Adresse für alle Leidenden. Komm zu Jesus. Sag ihm in einem Stoßgebet: Herr, lieber Meister, hab Erbarmen mit mir. Erbarmen, das ist seine Schwachstelle. Er hat Erbarmen. Er hilft, zur rechten Zeit und so, wie es gut für dich ist.

Lb. Gl. Und wenn alles sich zum Guten gewendet hat, vergiss nicht zu danken. Bring, was du hast, zu Gott. Lieber Meister: Hier sind meine gesunden Kinder, danke. Hier sind meine Talente und Fähigkeiten, danke. Hier sind meine Freunde. Danke. Hier ist mein Haus und mein Garten. Danke. Hier ist mein Konto. Ich habe genug zum Leben und kann noch etwas abgeben für Menschen in Not. Danke.

Dann wird Jesus auch zu dir sagen: Dein Glaube hat dich gerettet. Nicht nur von irgendeinem Leid, sondern von der Gottesferne. Du kannst nicht mehr abgleiten in die Gottlosigkeit und Sinnlosigkeit. Das ist dein wahres Glück.

2018 Lj-B: 26. So.i.J: Verführung der Kinder – ihre Engel.

Der liebe Jesus kann ganz schön böse werden, wenn es um seine Lieblinge geht, um die Kleinen. Da kann er schimpfen wie ein Rohrspatz. Wehe dem, der einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt. Für den wäre es besser, er würde ins Meer versenkt. Ganz selten verwendet Jesus das Wort Wehe. Wehe denen, die es wagen, Kinder zu verführen und sie vom rechten Weg abzubringen. Dieses Wehe gilt allen, die Kindern Schaden zufü­gen, ob es Eltern sind, Verwandte, Erzieher, Geistliche oder ganze Bildungs-Einrichtungen. Dieses Wehe gilt auch all denen, die an der Zerstörung der Familien mitwirken. Es gilt den Verführern und denen, die geistige Um­weltverschmutzung betreiben mit schlechten Schrif­ten und Filmen. Kinder sind die absoluten Lieblinge Gottes. Der Sohn Gottes ist selbst ein Kind geworden. Die scheinbar Schutzlosen haben ihre Beschützer: Die Engel Gottes, aber nicht nur sie. Jesus selbst ist ihr bester Anwalt. Er sagt: „Wer ein Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf." Er identifiziert sich mit jedem einzelnen Kind. Zugleich preist er selig all jene, die sich der Kleinen in Liebe annehmen. Selig und gesegnet sind also alle Väter und Mütter, die Kindern das Leben schenken und dieses Geschenk als Gabe und Aufgabe von Gott annehmen und dieses Geschenk liebevoll behandeln und pflegen. Gesegnet sind alle Lehrer und Erzieher, alle Kinder- und Jugendbetreuer, die sich mit den Kindern beschäftigen und ihnen zu positiver Entwicklung ver­helfen. Ihnen allen gilt die volle Sympathie Gottes. Gewiss, die Arbeit an den Kindern ist nicht immer ein Honiglecken. Es kann zur Knochenarbeit werden, die Nerven kostet. Die Arbeit an den Kindern erfordert Geduld. Gewissenhafte Erziehung bedeutet: Hundertmal dasselbe sagen, für eine gewisse Grundordnung sorgen. Verantwortungsvolle Eltern werden darauf bedacht sein, dass die Familie zusammen kommt zum gemeinsamen Mahl. Hier ist die beste Schule, hier geschieht Psychotherapie.

Wer regel­mäßig in familiärer Runde das Mahl einnimmt, lernt die Tischmanieren, ein richtiges Essverhalten und auch die angemessene Portion. Das bewahrt vor Fett- und Magersucht. Fachleute haben herausgefunden: Kinder, die mit der Familie am Esstisch sitzen, sind meist aus­geglichener, glücklicher und meistern ihre Probleme besser. Hier können sie alles auf den Tisch legen, was sie freut und was die bedrückt. Das erfordert logischerweise ein Absolutes Handyverbot bei Tisch!, weil das Handyphonieren das Miteinander-Sprechen stört oder gar zerstört. Verbote aussprechen und sie auch durchsetzen, das ist nicht ganz einfach und erfordert auch von den Eltern ein hohes Maß an Disziplin und Konsequenz. Und es heißt: selber Vorbild sein.

Vorbild sein, jeden Tag, das ist schwierig und mühsam. Aber das ist Dienst an den Lieblingen Gottes. Und wir dürfen sicher sein, dass Gott diese Geduld, diese Liebe und Fürsorge auch gebührend belohnt. 

2018 Lj-B: 25. So.i.J: Der Größte – im Dienen;

Wer ist der Erste?

Hast du die Weltmeisterschaft der Kletterer mitverfolgt? Da haben wir in Innsbruck ganz schön abgeräumt: 3x Gold und 1x Bronze. Unsere Kletterer sind die Weltbesten, die Größten. Nun, jeder Sportler will der Erste und Beste sein. Aber nicht nur sie. Die meisten von uns haben dasselbe Bestreben, besser zu sein als andere. Und wenn das nicht gelingt, wird der Kontrahent nicht selten getreten und schlecht gemacht, bis er ganz unten ist. Man höre und staune. Sogar die Apostel haben solche Allüren. Während Jesus von seinem bevorstehenden Leiden und Sterben spricht, haben seine Freunde nichts Besseres im Sinn, als darüber zu streiten, wer von ihnen der Größte ist. Als Jesus sie darauf anspricht, schämen sie sich und schweigen. Er stellt sie nicht bloß. Nein, das macht er nicht. Aber er muss ihren Ehrgeiz auf ein anderes Ziel hinlenken. Es ist ja gut und schön, dass ihr solchen Eifer habt. Wenn ihr die Ersten und Besten sein wollt, dann nicht in Sachen Ansehen und Macht, sondern in der Bereitschaft, den Menschen zu dienen.

Da könnt ihr euch gegenseitig übertreffen, jeden Tag neu.

Lb. Gl. Dienen, das ist heute nicht mehr so im Trend. Da brauchen wir schon griffige Vorbilder, die uns das vor-leben und die uns klar machen: Dienen, das ist gar nicht so dumm, wie viele sagen.

Das beste Beispiel gibt uns Jesus selbst. Er sagt: Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben einzusetzen für die Vielen. Jesus redet immer wieder vom Dienen und von Demut. Demut kommt vom alten Wort Dien-Mut, d.h. Mut zum Dienen. Dienen erfordert wirklich Mut. Wer dient, wir nicht selten belächelt. Na ja, das ist halt ein Dummele, der sich ausnützen lässt. Ausnützen lassen, müssen wir uns nicht. Dafür hat Jesus vorgesorgt in seinem Gebot der Nächstenliebe, das lautet: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Dich selbst! Du hast das Recht, auf dich selbst zu schauen. Du musst nicht helfen bis zum Umfallen.

Das hat Jesus getan und einige Heilige. Du musst kein Held und kein Heiliger sein. Und erst recht musst du dich nicht ausnützen lassen, womöglich von Leuten, die zu faul sind, ihre Angelegenheiten und Pflichten selber zu erledigen. Sich ausnützen lassen ist Dummheit. Nächstenliebe ohne Klugheit ist Dummheit.

Lb. Gl. Was meint Jesus? Wer von euch der Erste und Größte sein will, soll ein Diener der anderen sein. Wenn wir das tun mit Vernunft und Augenmaß, bekommen wir jede Menge Glückshormone. Das bestätigen die Ehrenamtlichen immer wieder: Mein Einsatz macht mir Freude. Dienen bringt also doppelten Gewinn. Es nützt dem Hilfsbedürftigen und ebenso mir selbst.

2018 Lj-B: 24. So.i.J: Kreuzesnachfolge

Was für eine Karriere? Sie könnte steiler nicht sein: Vom Sohn eines einfachen Zimmermanns bis zum Nachfolger des großen Königs David ist alles drin. Die Stimmung im Volk ist gut. Nach der großen Brotvermehrung wollen sie ihn mit Gewalt zum König machen. Einen besseren kriegen wir nie mehr. Er gibt Brot, er heilt die Kranken und treibt sogar die Teufel aus. Alles ist angerichtet für einen Machtwechsel. Und Jesus? Er spielt nicht mit auf der Bühne der Macht. Er hat keinerlei Machgelüste. Er will nicht auf den Thron Davids. Sein Weg führt auf einen anderen Thron, auf den Thron des Kreuzes. Von dort aus will er seinem Volk dienen. Er will mit seinem freiwilligen Tod Sühne leisten für die Sünden der Welt und dadurch die Menschen erlösen vom ewigen Tod der Hölle. Was für eine Mission! Mutiger geht es nicht. Aber diese Mission wird nicht begriffen, nicht einmal von seinen engsten Vertrauten, nicht einmal von Petrus. Der will ihn mit allen Mitteln abbringen von seinem Weg. Dafür bekommt er postwendend ein Schimpfort: Geh mir aus den Augen, du Satan. Du willst ja auch nur, was alle wollen: Ein mächtiges jüdisches Reich, in dem du eine wichtige Rolle spielen kannst. So nicht! Ja, du wirst eine Rolle spielen, aber nicht auf der Bühne der Macht, sondern in der Nachfolge des Gekreuzigten. Wer mein Jünger sein will, nehme sein tägliches Kreuz auf sich und so folge er mir nach.

Kreuzesnachfolge? Das klingt nicht gerade nach Frohbotschaft und Wellness. Wellness ist sie nicht, aber heilsamer als die beste Wellness. Die Botschaft von der Kreuzesnachfolge zählt zu den wichtigsten Lebensweisheiten, die in der Bibel stehen.

Mein Kreuz? Was ist das? Es ist alles, was mir das Leben schwer macht: Eine Krankheit, eine zerbrochene Beziehung, der Verlust des Ar­beitsplatzes, die Enttäuschung über meine Kinder, die nicht so ganz nach Wunsch geraten sind. Ein Kreuz ist es, wenn ich ungerecht be­handelt werde oder wenn es einen Todesfall gibt in der Familie oder im Freundeskreis.

Dir fallen sicher noch 1000 andere Kreuze ein.

Lb. Gl. Sein Kreuz auf sich nehmen? Was bedeutet das? Vertrauen, dass Gott mir Kraft und Geduld gibt, mit einem Kreuz zu leben, das ich nicht beseitigen kann. Es gibt Leid, das ich beseitigen kann. Dann soll ich es beseitigen, je schneller umso besser. Es gibt aber auch Leid, das nicht zu vermeiden ist. Gottes Geist hilft mir zu verstehen: Ein gewisses Maß an Leiden und Belastungen gehören einfach zum Leben. Es hat einen tieferen Sinn. Es hilft mir zu wachsen, reifer und stärker zu werden und einfühlsamer für fremdes Leid. Jesus hätte sein Kreuz ganz locker abwerfen können. Er macht es nicht. Warum? Weil sein Kreuz einen Sinn hat. Nämlich: uns Menschen zu befreien von Sünde und ewigem Tod. Er geht uns mit seinem Kreuz voraus, damit auch wir den Mut finden, unser Kreuz aufzunehmen und ihm nachzufolgen auf dem Weg in die ewige Freude des Himmels. In jenen Ort, wo es keinen Schmerz und keine Trauer mehr gibt. 

2018 Lj-B: 23. So.i.J: Taubstumm

Taubstumm. Was heißt das? Er hört nichts und kann nicht sprechen. Eine doppelte Behinderung. Ein erbärmlicher Mensch. Niemand spricht zu ihm. Keiner hört auf ihn. Keiner fragt nach seiner Mei­nung. Selbst wenn er in seiner Familie lebt und in der Dorf- Gemeinschaft, so richtig dazugehören tut er nirgendwo. Er kann nur zuschauen, wie andere rührig sind und wie sie sich vergnügen. Mehr kann er nicht. Er ist allein und einsam in seiner stillen Welt. Welche Isolation!

Bei uns gibt es ganz wenige Taubstumme. Und sie bekommen auch jede Unterstützung, damit sie herausfinden aus ihrer Isolation. Damit könnten wir das Thema abschließen, gäbe es da nicht die Zwillingsschwestern dieser Behinderung: die Taubheit und Stummheit des Herzens. Es gibt Menschen, die haben völlig gesunde Organe, und können trotzdem nicht hören und sprechen. Wann hören Menschen auf zu sprechen? Wenn niemand zuhört. Oder wenn sie grob verletzt werden.

Ich werde das nie im Leben vergessen. Ich kam als Religionslehrer in eine 2. Klasse Volksschule. Vorbereitung auf die Erstkommunion war das große Ziel. Da war ein Mädchen, hochintelligent. Aber es brachte kein Wort heraus. In der Schule nicht, zuhause schon. Wenn man sie was fragte, schrieb sie eine knappe Antwort auf einen Zettel. Sagen konnte sie es nicht. Weiß Gott, was da passiert war, dass solche Blockaden entstehen. Und siehe da: Gegen Ende der 2. Klasse hat sie plötzlich aufgemacht und konnte reden wie ihre Mitschüler auch. Ein Wunder? Das nicht. Wunderbar? Das auf jeden Fall.

Wann werden Menschen sprachlos? Freudige Überraschungen können sprachlos machen. Schock-Erlebnisse können einem die Sprache verschlagen, für einen Moment, und in schweren Fällen ein Leben lang. Die häufigste Form von Stummheit ist wohl die: Menschen werden ,,mundtot“ gemacht: Das passiert Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie werden abgekanzelt, kritisiert, blamiert und bloßgestellt. Dann ziehen sie sich in ihr Schneckenhaus zurück und geben keinen Laut mehr von sich. Ehepartner werden plötzlich stumm. Sie reden nicht mehr miteinander, oft wegen einer kleinen Kränkung. Funkstille, tagelang, wochenlang.

Lb. Gl. Sprachlosigkeit. Gibt es eine Therapie? Welche? Von Jesus können wir sie lernen. Er geht feinfühlig, sogar zärtlich mit dem Kranken um. Er nimmt den Kranken beiseite, redet ihm zu, berührt ihn zärtlich und sagt nur ein kurzes Wort: Effata. Und der Kranke ist gesund. Das könnte jeder von uns auch. Man  muss kein Wundertäter sein, sondern einfach nur ein Mensch mit Gespür. Auch wir können sprachlose Menschen zum Sprechen bringen. Wir müssen nur das Gleiche machen wie Jesus. Er nimmt den Kranken beiseite, weg von der Umgebung, die ihn belastet, die ihm Angst macht. Er nimmt ihn hinein in einen geschützten Raum des Vertrauens. Dann legt sich die Angst. Und das kaputte Selbstvertrauen kommt langsam wieder auf die Beine. Und dann schafft er es plötzlich, wenn man ihn auffordert: Effata! Öffne dich, sag doch was! Dann schafft er es!

2018 Lj-B: 22. So.i.J: Reinheit des Herzens

Du hast dir sicher die Hände gewaschen, womöglich nicht nur mit gewöhnlicher Seife, sondern mit Sterilium. Die Putzmittel-Industrie redet uns ein: "Porentief rein" muss alles sein! Der Haushalt, die Kleidung, der Körper. Die Böden blitzblank, so dass man vom Fußboden essen kann. Überall lauert ein gefährlicher Mikrokosmos: Staubmilben, Mikroben und Krankheitserreger... So reden sie. Vernünftige Ärzte warnen jedoch vor zu viel

Sauberkeit. Da wird unser Immunsystem nicht mehr stimuliert. Dann entwickeln sich Allergien, gerade bei den Kindern.

Bauernkinder, die in Pfützen plantschen und die alles in den Mund nehmen, sogar den Kuhdreck, die haben keine Allergien.

Die Pharisäer und Schriftgelehrten erinnern mich ein wenig an die Werbemanager der  Putzmittelindustrie und an die Gesundheitspolizei: Sie sind empört: "Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit

ungewaschenen Händen«?

Nun, die jüdischen Reinheitsvorschriften sind durchaus sinnvoll für die Hygiene. Das wissen auch Jesus und seine Jünger.

Worum geht es Jesus? Er hat nichts gegen Hygiene. Er ist nur

gegen eine falsche Rangordnung! An erster Stelle steht für ihn nicht die äußere Rein­lichkeit, sondern die innere Reinheit. Viel wichtiger als die äußere Hygiene ist ihm die Reinheit des Herzens. Psychohygiene ist also angesagt.

Das Böse, das Jesus aufzählt: Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Verleumdung und vieles andere ist ja nicht schon im Kindesalter im Herzen drin. Es kommt erst durch äußere Einflüsse, durch Medien, durch unmoralische Menschen.

Wie gehen wir damit um? Es empfiehlt sich, unser Inneres von Zeit zu Zeit zu entrümpeln, unsere Gedanken ehrlich anzuschauen: Was ist gut, was hilft mir, was bereichert mich?

Und was ist schlecht und was schadet mir vielleicht? Zu einer

klugen Psychohygiene gehört auch, dass ich nicht jeden Unrat hineinlasse in mein Herz. Es gibt jede Menge Filme und Videos. Viele sind nützlich und lehrreich, andere sind einfach nur Schmutz und Schund. Ich muss nicht jeden Dreck anschauen. Ich muss mir auch nicht jedes böse Gerede anhören.

Lb. Gl. Schlechte Gedenken bestimmen unser Handeln viel mehr als uns lieb ist. Das gilt auch in der eignen Familie. Da empfiehlt der Apostel Paulus, jeden Abend die bösen Gedenken aus dem Herzen zu entfernen, so wie man vor dem Schlafengehen

Körperhygiene betreibt. Paulus sagt: Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen. Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehn. Gebt dem Teufel keinen Raum (Eph 4,26).

Gebt dem Bösen und dem Teufel keinen Raum! Das merk ich mir. 

2018 Lj-B: 21. So.i.J: Wollt auch ihr weggehen? Krise

Es kam, wie es kommen musste. Zu viel hat er den Landleuten zugemutet mit seiner Brotrede. Ich bin das Brot, das vom Himmel kommt. Dieses Brot ist mein Fleisch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben. Was er da sagt, ist unerträglich. Da laufen sie scharenweise davon, sogar viele von seinen Jüngern, außer dem engen Jüngerkreis, die Zwölf. Und auch diese Getreuen provoziert er noch: Wollt auch ihr weggehen? Will er sein Werk, das Reich Gottes völlig zerstören? Was wir da miterleben, ist eine handfeste

Kirchenkrise. Fachleute haben einen Namen dafür: die Galiläische Krise. Die Zeit davor war der sog. „Galiläische Frühling". Es war die Zeit seiner beispiellosen Predigten und seiner vielen Wunder. Zehntausende sind zu ihm gelaufen wie zu einem Riesen-Event. Und dann die plötzliche Wende.

Das war die 1. Kirchenkrise. Inzwischen hat es jede Menge davon gegeben, auch jede Menge Aufbrüche. Ein ständiges Auf und Ab. Auch heute hört man immer wieder von einer Kirchenkrise. Die Kirchenaustritte und leere Kirchenbänke in vielen Pfarren sprechen  Klartext.

Zündstoff für die Krisen gibt es genug. Zündstoff  Nr. 1 ist die Botschaft Jesus selbst. Sie birgt in sich ein hohes Maß an moralischem Anspruch. Jesus legt die Latte für das Leben der Menschen ziemlich hoch. Das erfordert radikale Umkehr, konsequentes Umdenken, zu dem Jesus unermüdlich aufgefordert hat. Ein Leben in echter Gottes-und Nächstenliebe. Das wollen viele nicht, die eingefleischten Egoisten schon gar nicht. Da fällt schon eine gute Hälfte von möglichen Christen weg.

Dann gibt es welche, die können sich vieles leisten, nur ausgerechnet die Kirchensteuer nicht.

Und andere machen sich davon, wenn es Ärgernis und Skandale gibt. Skandale von Bischöfen und Priestern. Da sagen sich viele: Nein, mit dieser Kirche mag ich nicht, mit dieser Kirche kann ich nicht.

Lb. Gl. Was bleibt noch übrig? Es ist eine Schar von Getreuen, und zwar absolut keine geringe Schar. Das sind Leute, die sich nicht beirren lassen von äußeren Wirren und Stürmen. Sie schauen auf das Wesentliche, auf den Kern der Kirche: auf Jesus und seine Botschaft. Und dieser Kern ist gut, sehr gut sogar. Gut genug, um mein Leben besser, sinnvoller, glücklicher und geborgener zu machen. Es sind jene Christen, die so wie Petrus sich einen klaren Blick bewahren. Die alle Für und Wider abwägen und zum Schluss kommen, dass ein Leben ohne Jesus keinesfalls besser ist, im Gegenteil. Sie spüren so wie Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Es gibt keine Alternative, keine gleichwertige Alternative. Religionen und Philosophien gibt es wie Sand am Meer. Welche aber hat einen Gott, der höchstpersönlich auf die Erde kommt als Religionslehrer. Der schließlich sein Leben einsetzt, um uns Menschen zu erlösen von Sünde und ewigem Tod? Nein, es gibt wirklich keine Alternative! Er allein hat Worte des Lebens, mehr noch: Worte und Heilstaten ewigen Lebens.

2018 Lj-B: 20. So.i.J: Mein Leib ist wahrhaft eine Speise

 

Wie geht es dir mit diesem Evangelium? Womöglich genauso wie den Juden damals: Kopfschütteln. Was soll das heißen: Ich bin das lebendige Brot? Und dieses Brot ist mein Fleisch. Diese Aussage hat Empörung und Streit ausgelöst: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Und dann setzt Jesus noch einen drauf: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Der Ärger der Leute ist durchaus verständlich. Sie können mit seiner Bildersprache einfach nichts anfangen. Sie nehmen alles wortwörtlich. Und das ist in diesem Fall tatsächlich fatal. Das führt geradewegs zum Kannibalismus. Menschenfleisch essen, das ist ja schrecklich. Das wurde den Christen immer wieder vorgeworfen: Ihr esst ja Menschenfleisch! Was meint Jesus mit seinen Bildern? Was er wirklich meint, das zeigt er später, einen Tag vor seinem Sterben, beim letzten Abendmahl. Er zeigt es einer kleinen Gruppe von Freunden. Die haben dann eine Ahnung bekommen, was er meint. Er nimmt Brot, unser wichtigstes Nahrungsmittel und spricht: Das ist jetzt mein Leib. Nach diesen Worten ist Jesus im Brot gegenwärtig – mit seinem verklärten Leib.

Er will seinen Jüngern und uns allen ein sichtbares Zeichen seiner Gegenwart hinterlassen und ein wirksames Mittel gegen das Vergessen. Es ist ja leider so: Wir vergessen so schnell. Aus den Augen, aus dem Sinn. Geistig ist Jesus ja immer und überall gegenwärtig, immer, wenn ich an ihn denke und zu ihm bete. Aber im Zeichen des Brotes wird seine Gegenwart sichtbar und greifbar. Wir sind Sinnenwesen. Wie kleine Kinder wollen wir alles sehen und angreifen können, auch den lieben Gott. Das ist ein großes Problem für unseren Glauben: Wir können Gott nicht sehen. Das hat viele Völker dazu verleitet, sich selber Götter zu basteln, die man sehen und angreifen kann. Gott hat seinem Volk aber streng verboten, sich Bilder und Figuren von ihm zu machen. Jesus jedoch hat ganz feinfühlig auf das Bedürfnis der Menschen Rücksicht genommen: Er, der Sohn

Gottes wird gegenwärtig in den Zeichen von Brot und Wein.

Starke und vielsagende Zeichen. Brot, das wichtigste Lebensmittel. Jesus will damit sagen: Ich bin lebensnotwendig für euch wie das tägliche Brot. Und der Wein ist ein Zeichen der Lebensfreude. Damit will Jesus sagen: Ihr sollt nicht nur leben und vegetieren. Ihr sollt auch Freude haben, Freude in Fülle. Und die werdet ihr haben, wenn ihr euch ein Beispiel nehmt an meinem Leben und an meiner Hingabe. Wer sich einsetzt für Gott und für die Menschen, der bekommt Leben in Fülle. Er bekommt jede Menge Endorphine, jede Menge Glückshormone. Das bestätigen die Ehrenamtlichen immer wieder: Unser Einsatz macht uns Freude. Wer hingegen nur um sein Ego tanzt, wird bestenfalls vegetieren, aber nicht wirklich leben.

Vielleicht wird uns jetzt ein bisschen verständlich, wenn Jesus sagt: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Das bedeutet tiefste Verbindung, tiefste Freundschaft, die man spürt bis unter die Haut. Und wahre Freundschaft stirbt nicht. Sie reicht bis ins ewige Leben. Wer mein Fleisch isst, hat das ewige Leben. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag.

Lb. Gl. Das sind ganz gewaltige Worte.

Im Grunde nicht zu fassen. 

2018 - 15. August: 12 Sterne bei Maria und auf der

Lesung: Offenbarung    Europafahne

Der Apostel Johannes hat eine Vision. Er sieht eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond unter ihren Füßen und ein Kranz von 12 Sternen auf ihrem Haupt. 12 Sterne? Welche Frau meint er denn, der Hellseher Johannes? Meint er am Ende gar unsere EU? Bild Europafahne: Die EU hat 12 Sterne auf ihrer Fahne.

Oder meint er diese Frau? Bild Maria. 12 Sterne hat auch sie. Wie gibt es denn so was? 1950, als der „Europarat" noch ganz in den Anfängen stand, wurde ein Mitarbeiter, Ar­séne  Heitz damit beauftragt, eine „Europafahne" zu entwerfen. Er legte meh­rere Entwürfe vor. Ange­nommen wurde der mit den 12 Sternen. Die zwölf Sterne können ja vieles bedeu­ten, etwa die 12 Monate des Jahres, die 12 Tierkreiszei­chen. Jahre später hat Arsene Heitz „verraten", dass er sich damals bei sei­nem Entwurf von diesem Marienbild hat anregen lassen. Blau ist die Farbe Mariens. Und die zwölf Sterne gehen auf die Vision des Johannes zu­rück.

Europa und Maria. Ein ziemlich ungleiches Paar. Hat Maria möglicherweise dem heutigen Europa etwas zu sagen? Die Vision des Johannes geht noch weiter und ist höchst dramatisch. Sie zeigt auch „ein anderes Zeichen", das am Himmel erscheint: einen „feuerro­ten Drachen", erschreckend und gewalttätig. Er will die Frau, die ein Kind geboren hat, vernichten. In dieser äußersten Gefahr greift Gott selber ein. Er nimmt das Kind zu sich und gibt der Frau in der Wüste rettende Zuflucht. Diese Vision spricht von

Jesus und seiner Mutter Maria. Sie deutet aber auch das Schicksal der Men­schen und Völker. Wer an die Geschichte Europas im

20. Jahrhundert denkt, dem kommen unweigerlich auch apokalyptischen Bil­der: zwei menschenvernichtende Weltkriege, zwei menschenverachtende Ideologien: der Kommunis­mus und der Nationalsozia­lismus.

 

Ihnen steht, schein­bar wehrlos und bedroht, die Friedensbotschaft Marias und seines Sohnes gegenüber. In der Vision des Johannes siegt schließlich die Frau mit dem Sternen­kranz über den tödlichen Drachen. Der Weg zum Sieg ist freilich schwer und reich an Leiden. Aber letztlich wird Gottes Hilfe stärker sein. Das dürfen wir hoffen. Bild Europafahne. Die Europafahne mit ihren

12 Sternen – ist sie ein Aus­druck dieser Hoffnung? Warum nicht? Für den Gläubigen ganz bestimmt.

Lb. Gl. Österreich hat für ein halbes Jahr den EU-Ratsvorsitz übernommen. Die Meinungen über Europa sind geteilt. Die einen sagen: Europa hat keine Überlebenschance. Zu groß sind die Unterschiede und Wünsche der 28 Nationen. Länder denken über den Austritt nach. Wieder andere wollen um jeden Preis hinein, in die EU. Sie hoffen auf bessere Wirtschaft und vor allem auf mehr Sicherheit. Wir wünschen unseren Politikern den Geist Gottes, dass es ihnen gelingt, die egoistischen nationalistischen Interessen zu mäßigen und die 28 Länder zusammenzuführen zu einem geeinten, friedlichen Europa. Gemeinsam sind wir stark. Bild Maria. Möge unsere Gottesmutter Maria mit den 12 Sternen auf ihrem Haupt unser Europa schützen und segnen. Der feindliche Drache soll nicht noch einmal sein Unwesen treiben wie in den beiden Weltkriegen. 

2018 Lj-B: 19. So.i.J:Elija – Burne out

Eine der berührendsten Geschichten haben wir eben gehört. Der große Prophet Elija, ein Häufchen Elend. Er wünscht sich nichts anderes als den Tod. Wie gibt es denn so was? Elija war ein eifriger Diener Gottes, übereifrig offenbar. Er hat gebrannt für seinen Gott. Er hat sich sogar mit der gefährlichsten Sekte angelegt, mit den Baals-Priestern. Er wollte ihnen beweisen, dass sie völlig falsch liegen. Da hat er sie zu einem Gottesurteil herausgefordert. Also, machen wir's so: Wir richten ein Brandopfer her: mit Altar, Brennholz und Opferstier. Und dann betet jeder zu seinem Gott, er soll das Opfer entzünden, euer Gott Baal und mein Gott Jahwe. Und siehe da: Der Gott Jahwe hat das Opfer des Elija mit einem Blitz in Brand gesetzt. Das Opfer der Baalspriester blieb hingegen kalt. Ein Riesenerfolg für Elija. Er hätte richtig stolz sein können. Aber die Königin Isebel, eine Anhängerin des Baals-Kultes hat ihm gedroht: Ich werde dich umbringen lassen. Jetzt schlägt sein Hochgefühl ins Gegenteil um. Er wird schwermütig. Er legt sich unter einen Ginsterstauch und wünscht sich den Tod. Gott, nimm mein Leben, ich bin nicht besser als meine Väter. Seine anfängliche Begeisterung ist weg, sein Feuer völlig ausgebrannt. Burne out, sagen wir heute. Aber Gott lässt seinen treuen Diener nicht zugrunde gehen.

Lb. Gl. Nicht zu fassen. So modern ist diese Geschichte. Burne out hat es also vor 3000 Jahren schon gegeben. Und die Krankheitsgeschichte ist die gleiche wie heute. Von Burne Out Betroffene erzählen fast immer das Gleiche: Ich habe schon län­ger gespürt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich habe keinen rechten Schwung mehr gehabt, hatte Schlafstörungen und Ängste. Anfangs habe ich mir befohlen: Reiß dich zu­sammen, lass dich nicht so hängen, du bist doch kein Weichei! Als es immer schlimmer wurde, bin ich dann doch zum Arzt gegangen. Der sagte mir: Sie haben ein Burn-out. Sie brauchen eine längere Auszeit und therapeutische Begleitung. „Burn-out" , „ausgebrannt".

Ausgebrannt sein - das setzt voraus, dass vorher etwas gebrannt hat. Men­schen, die ausbrennen, haben nicht Daumen ge­dreht. Sie haben sich leidenschaftlich ins Zeug gelegt. Sie haben für eine Sache gebrannt. Wer gleichgültig ist und eine ruhige Kugel schiebt, bekommt ganz sicher kein Burn-out. Dabei kommt das Ausbrennen meist gar nicht von zu viel Arbeit. sondern von einem Gefühl der Sinnlosigkeit. Oder man fühlt sich ausgenützt oder von missgünstigen Menschen bedroht.

Die Frage ist: Was hilft? Das lernen wir von der Elija-Geschichte. Es geht nicht ohne fremde Hilfe. Bei Elija ist es ein Engel, der Brot und Wasser bringt. Der ihm freundschaftlich in die Seite stößt: Steh auf und iss! Auch heute schickt Gott seine Engel. Sie kommen in Menschengestalt, als Arzt, als Therapeut, als Berater, als guter Freund. Leute, die dir einfach sagen: Jetzt ist nichts anderes wichtig als du selbst. Lass dir jede Menge Zeit. Erhole dich, schlaf dich richtig aus. Meist sind es die ganz einfachen Dinge des Lebens, die gut tun: selber kochen, im Garten arbeiten, wandern, Musik hören oder sich an einem Son­nenaufgang freuen.

Lb. Gl. Wenn ein Engel dem Elija Brot hinstellt, wenn der Erschöpfte isst und Kraft zum Weitergehen bekommt, dann dürfen wir Christen an das Brot denken, das Jesus uns gibt in der Eucharistie. Jesus ist der beste Therapeut, er sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Brot zum Leben, Brot zum Überleben. Er selbst ist wie Brot. Und sein Wort ist Brot. Sein Wort ist vielleicht die allerbeste Therapie, weil es uns hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Was ist denn fast immer die Ursache von Burne out? Nicht die wichtigen sondern die unwichtigen Dinge machen uns kaputt. Wir, lb. Schw.+Br. können jetzt nichts Besseres tun, als dem Aufruf des Engels folgen: Steh auf und iss, steh auf und stärke dich – sonst wird der Weg zu weit für dich. 

2018 Lj-B: 18. So.i.J: Ich bin das wahre Brot

Wer hatte bei den alten Römern die besten Chancen, Kaiser zu werden? Derjenige, der dem Volk Brot und Spiele versprach: Panem et circenses. Das ist heute nicht anders. Wer gewinnt heute die Wahlen? Wer Brot verspricht, das heißt Wirtschaftswachstum, Luxus und Wellness. Wer hat in Amerika die Wahl gewonnen und warum? Es war der geschäftstüchtige Trump. Auch Jesus hätte die besten Chancen gehabt, König zu werden. Das Evangelium des letzten Sonntags erzählt davon. Nach der Brotvermehrung wollen sie ihn mit Gewalt zum König machen. Und heute kommen sie schon wieder. Jesus hat sie durchschaut. Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht um die Speise, die verdirbt, von der man wieder und wieder hungrig wird. Müht euch um die Speise, die bleibt. Interessant ist, dass er ausdrücklich von Zeichen spricht. Viel wichtiger als das Brot für den Bauch ist ihm das Zeichen, das er in der Brotvermehrung setzen wollte. Er will damit sagen: Das wahre Brot, das bin ich, das ist meine Liebe. Meine Liebe ist verschwenderisch. Meine Liebe macht Menschen satt – auch in der Einöde. Das Brot, das ich gebe, schenkt Leben, nicht nur für einen Tag. Nein, ein ganzes Leben lang und darüber hinaus, bis in die Ewigkeit. Das Brot als Zeichen. Brot ist unser wichtigstes Nahrungsmittel. Genau dieses Zeichen nimmt Jesus als wesentliches Element beim letzten Abendmahl und bei jeder Hl. Messe. Zeichen sind schön, aber auch problematisch. Sie können lebendig und vielsagend sein. Sie können auch tot und nichtssagend sein. Der Ehering zum Beispiel. Ein Zeichen der ewigen Liebe und Treue. Es gibt Partner, die tragen voller Stolz den Ehering. Und immer wieder, wenn sie ihn anschauen, denken sie an ihr Ja-Wort, damals bei der Hochzeit. Und still für sich selbst wiederholen sie dieses Ja immer und immer wieder. Es gibt auch andere Partner. Bei ihnen hat sich die Liebe abgenützt.

Den Ring tragen sie längst nicht mehr. Der liegt irgendwo in einer Schublade. Ein ähnliches Schicksal kann auch jenes Zeichen erleben, das Jesus uns schenkt, die Hl. Hostie, wo er selber gegenwärtig ist.

Für manche ist es nur ein Mini-Bissen. So schnell, wie er verzehrt wird, so schnell ist er wieder vergessen. Für viele jedoch ist es

eine wirkliche Wegzehrung, von der sie leben. Die ihnen Kraft und Geborgenheit gibt, einen Tag lang, eine Woche lang und mehr. Mit diesem Brot nehmen sie Jesus mit nach Hause, in ihren Alltag.

Lb. Gl. Jesus sagt: Müht euch nicht um die Speise, die verdirbt, von der man wieder und wieder hungrig wird. Das heißt: Wer nur den materiellen Dingen und dem Augenblick hinterherrennt, wird nicht glücklich, sondern süchtig. Du kannst die ganze Welt bereisen, du kannst 1000 Sehens­würdigkeiten genießen und 1000 Leckerbissen, du kannst 1000 oberflächliche Bekanntschaften schließen und 1000 Facebook-Freunde haben, — und bist doch nicht zufrieden und satt. Du wirst immer wieder fragen: Wann kommt das Nächste? "Ich bin das Brot des Lebens", sagt Jesus; "wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nicht mehr durstig sein" (Joh 6,35). 

Kannst du das glauben? Dann bist du ein glücklicher Mensch. 

2018 Lj-B: 17. So.i.J: Brotvermehrung

Diese Brotgeschichte ist wunderschön, beinahe kitschig schön. Wie da ein Junge einfach seine Jause hergibt. Wie Jesus mit 5 Broten und 2 Fischen mehr als 15.000 Menschen satt macht. Kein Wunder, dass man einen solchen Zauberkünstler mit Gewalt zum König machen will. Der löst alle Probleme mit einem Streich. So, jetzt könnten sagen: Schön und gut. Aber eine Brotvermehrung brauchen wir heute nicht mehr. Wir haben schon viel zu viel davon, so viel, dass tonnenweise Lebensmittel im Müll verschwinden. Aber mit "Brot" meint Jesus ja nicht nur eine Nahrung für den Körper.

Das Wort "Brot" seht für alles, was wir zu einem glücklichen oder wenigstens zu einem erträglichen Leben brauchen. Jesus geht es in erster Linie um den Hunger der Seele: den Hunger nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Zuwendung, nach Aufmerksamkeit und Angenommensein, den Hunger nach Erbarmen und Verzeihung. Aber all diese Dinge brauchen Zeit. Und ausgerechnet die – haben wir nicht.

Eine wunderbare Zeitvermehrung, die sollte er heute machen, der Wundertäter aus Nazareth. Dann allerdings müsste das heutige Evangelium umgeschrieben werden. Vielleicht so:

Die wunderbare Zeitvermehrung

Jesus zog sich zurück, um allein zu sein. Die Volksscharen in den Städten hörten davon und folgten ihm zu Fuß. Als es Abend wur­de, sagten seine Jünger zu ihm: „Herr, die Zeit ist vorge­rückt, es ist spät. Schick die Leute weg. Darauf antwortete Jesus: „Sie brauchen nicht wegzugehen? Gebt ihr ihnen, was sie brauchen, gebt ihnen von eurer Zeit!" Da sagten sie zu ihm: „Wir ha­ben ja selber keine, und das Wenige, was wir ha­ben, wie soll das rei­chen, wenn man sich womöglich um jeden einzelnen küm­mern soll?"

Doch siehe da, es gab da einen, der hatte noch fünf Termine frei, dazu noch zwei Viertelstunden. Und Jesus lächelte und sagte: „Gut, das ist doch was! Geben wir's den Leuten!"

Er nahm die fünf Termine und dazu die beiden Viertelstunden, blickte auf zum Himmel und sprach den Segen. Dann ließ er austeilen die kostbare Zeit, durch sei­ne Jünger an die vielen Leute. Und sie­he, es reichte nun das Wenige für viele.

Lb. Gl. Es gibt heute weit mehr als 1500 Menschen, die Hunger haben. Sie haben Hunger nach Liebe, nach Wertschätzung:

Kinder z.B., die in einer zerrütteten Familie einfach ins Abseits geraten sind. Frauen und Männer, die nach der Scheidung die bittere Erfahrung machen, wie schwer es ist, allein zurechtzukommen. Oder da ist die alte Frau, die manchmal zu unmögli­chen Tages- und Nachtzeiten anruft, weil sie sich allein und ver­lassen fühlt. Da ist der Alkoholiker von nebenan, oder Men­schen, die eine Unmenge Tabletten schlucken, weil sie ihre Depressionen und Ängste einfach nicht aushalten können. Es ist nicht zu fassen, wie viel Hunger es geben kann in einer Wohlstandsgesellschaft – Hunger nach einem Menschen, der einfach nur Zeit hat, Hunger nach einem guten Wort, das tröstet und Mut macht. Ein Wort, das ihre lange Weile wenigstens ein bisschen verkürzt

Lb. Gl. Zeit ist Geld, sagen wir, Zeit ist kostbar. Wenn wir sie teilen, wird sie zur gesegneten Zeit für andere und für uns selbst. Geteilte Zeit ist also nicht halbe Zeit, sondern doppelte Zeit. Das Gespräch mit anderen ist auch eine Bereicherung für mich.

Ja, eine wunderbare Zeitvermehrung, die sollte er machen,

der Wundertäter aus Nazareth.

2018 Lj-B: 16. So.i.J: Ruht ein wenig aus

Die Firma Gott und Sohn, d.h. Jesus und seine Mitarbeiter, diese Firma scheint ein ziemlich moderner Betrieb zu sein – und sozial noch obendrein. In den guten Betrieben gibt es das: Der Chef ruft seine Mitarbeiter regelmäßig zusammen zu einer Dienstbesprechung: Was haben wir gemacht? Was ist gelungen, welche Pannen hat es gegeben? Was sollte besser werden? Und ein guter Chef wird dann auch ein Wort des Lobes und des Dankes übrig haben und eine Bitte um gute Zusammenarbeit weiterhin. Und wenn es besonders streng war, wird er sagen: Du und du, ihr macht jetzt ein paar Tage frei. Oder wir schalten gar einen Betriebsurlaub ein. Genau das macht Jesus mit seinen Jüngern: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Die Leute kennen kein Erbarmen. Die kommen bei Tag und bei Nacht mit ihren Sorgen und Wehwehchen. Jesus meint: Die Leute können auch einmal warten. Die Jünger brauchen Erholung. Welche denn?

Das ist interessant. Er empfiehlt seinen Jüngern keinen Erlebnis-Urlaub in irgendeiner Großstadt, wo sie das und jenes sehen und erleben. Nein er empfiehlt einen ruhigen Ort, wo sie allein sind. Jetzt werden manche denken: Urlaub in der Einsamkeit? Nichts für uns! Wir wollen was sehen und erleben. Dann haben wir zuhause was zu erzählen, wo wir überall gewesen sind. Das macht uns richtig stolz. Aber - wo ist das Wichtigste geblieben, die Erholung? Auf der Strecke womöglich. Ein Erlebnis-Urlaub wird ja nicht selten wieder zum Stress. Vielleicht sollten wir von Jesus lernen: Weniger ist mehr!

Lb. Gl. Ihr seid in die Kirche gekommen. Keine schlechte Wahl. Die Kirche ist ein Ort der Ruhe. Hier ist der Ort, wo wir das hl. Brot essen, das uns die Nähe Gottes spüren lässt, seine Liebe, seine Geborgenheit. Wenn wir beten und Messe feiern, dann geben wir Gott Raum in unserem Herzen.

Hier ist auch der Ort, wo wir Ballast abwerfen können: unsere Ängste und Sorgen. Hier ist der Ort, wo wir Gottes Wort hören, das uns Wegweisung gibt, das uns hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, ja, von all dem Unwichtigen, das uns oft am meisten stresst. Beruhigt und gestärkt schaffen wir es, dass wir sogar in der größten Hektik ruhig bleiben und kühlen Kopf bewahren. Hier ist der Ort, wo unsere aufgewühlte Seele zur Ruhe kommen kann. Er hat schon Recht, der hl. Augustinus, wenn er feststellt: Unruhig ist unser Herz, bis es endlich Ruhe findet bei Gott.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen schöne und erholsame Sommertage.

2018 Lj-B: 15. So.i.J: Jünger – Wanderapostel und ich.

Mein Gott, wie sich die Zeiten ändern und mit ihnen auch die Lebens-Umstände. Vor 2000 Jahren schickt Jesus seine Jünger aus, die Frohbotschaft zu verkünden und die Menschen zur Umkehr aufzurufen. Mitnehmen auf ihren Weg dürfen sie nichts, nur einen Wanderstab. Keine Vorratstasche, kein Geld, keine Schuhe, kein zweites Hemd. Das wäre nur Ballast. Dafür hat er ihnen was anderes mitgegeben: die Vollmacht, Teufel auszugtreiben und Kranke zu heilen. Heute, 2000 Jahre später, bin ich so einer, der im Auftrag Jesu  die Frohbotschaft verkünden soll. Mein Outfit und das ganze Drum und Dran ist ein völlig anderes. Ich bin kein Wanderprediger. Ich habe ein fix eingerichtetes Gotteshaus mit Predigtpult und Mikrofon. Ich trage keine Sandalen, sondern Schuhe. Ich habe Geld. Und der Kleiderschrank ist voll mit Hemden und Hosen und allem möglichen Kram. Und eine Vorratstasche habe ich auch. Was mir jedoch fehlt, ist die Vollmacht, Teufel auszutreiben und Wunder zu tun. So, jetzt könnt ihr hergehen und mich verhöhnen. Was ist denn das für ein erbärmlicher Apostel! Ja, das bin ich. Aber einen Trost gibt es für mich: Wenn sich auch vieles geändert hat, die Botschaft ist dieselbe geblieben. Ich muss ja keine Wunder vollbringen und keine Teufel austreiben. Die Botschaft Jesu ist es, die die Kraft hat, Böses auszutreiben; die die Kraft hat, Menschen zu verändern, sogar Wunder zu tun. Ja, die Wunder gibt es auch heute noch - bei jenen Menschen, die glauben. Das darf ich immer wieder erleben. Ich bin kein Apostel, sondern einfach nur ein Werkzeug, ein Sprech-Werkzeug. Und dass ich diese großartige Botschaft verkünden darf, das macht mich sogar ein bisschen stolz. Und die heilenden Sakramente spenden darf ich auch. Alles in Allem kann dieser erbärmliche Apostel nach fast 50 Priesterjahren sagen: Das ist der schönste Beruf, den es gibt. Ich möchte keinen anderen.

Was den Lohn angeht? Ich kann gut davon leben, ich muss nicht Hunger leiden. Und was meine weitere Zukunft betrifft, da habe ich die Zusage meines Meisters: Wer mir nachfolgt, wird ein Hundertfaches dafür bekommen - und das ewige Leben noch dazu. (Mt 19,27)

2018 Lj-B: 14. So.i.J: Stachel im Fleisch (2. Lesung)

Zurzeit hängt die halbe Menschheit vor dem Fernseher herum. Das ist so spannend: Wer wird Weltmeister? Es ist schon toll, wie diese durchtrainierten kerngesunden Männer über das Spielfeld sausen. Das sind sportliche Höchstleistungen. Aber ich denke, noch mehr zu bewundern sind die Paralympics, Wettkämpfe von Menschen mit körperlicher Behinderung. Ihre Leistungen sind doppelt hoch zu werten. Sie haben ja nicht nur einen Gegner, sondern zwei: Den Konkurrenten und ein körperliches Gebrechen, ein Handicap. Auch Paulus spricht in der Lesung davon. Mir wurde ein Stachel ins Fleisch gestoßen, damit ich nicht überheblich werde. Er gibt dem Teufel die Schuld. Das war früher so üblich: Alles, was unangenehm ist und schmerzt, ist ein Werk des Teufels. Von wem auch immer dieser Stachel kommt, von Gott selbst, vom Teufel oder selbstverschuldet, er ist da. Und da heißt es, damit fertig zu werden, damit zu leben. Der Stachel im Fleisch. Paulus sagt uns nicht, was für einer das bei ihm ist. Einen Stachel im Fleisch, den haben wir alle. Es kann ein körperliches oder seelisches Gebrechen sein oder schwierige Menschen, die mir die Arbeit und das Leben schwer machen. Das können sein: ein schwieriger Partner, schwierige Kinder, schwierige Arbeitskollegen, schwierige Chefs, beschwerliche Arbeit. Die Frage ist: Was soll ich machen mit dem Stachel. Entfernen? Geht leider nicht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dem Stachel umzugehn. Ich kann mich auf den Stachel fixieren, ständig daran herumstochern und mich ärgern. Dann darf ich mich auch nicht wundern, wenn es immer schlimmer wird. Dann werde ich womöglich zu einem chronischen Raunzer und Schwarzseher. Es gibt auch die Möglichkeit, mich mit dem Stachel abzufinden, mich nicht so sehr auf die Defizite, sondern viel mehr auf meine Stärken zu besinnen – und das Beste daraus zu machen. Dann werde ich staunen, was alles geht, trotz eines Handicaps. Beispiele hierfür gibt es genug:

Der Apostel Paulus z.B. Trotz eines Stachels ist er zum besten und tüchtigsten Apostel geworden. Oder z.B. die Behinderten-Sportler. Trotz schwerster Behinderung bringen sie Leistungen, die man nicht für möglich hält. Und das beste Beispiel möglicherweise bist du selbst. Schau doch genauer hin, was du alles schaffst, trotz eines oder mehrerer Stachel im Fleisch, trotz mancher Handykaps.

Lb. Gl. Und was sagt Gott selbst zu meinem Stachel? Du hast meine Gnade und meine Hilfe. Das genügt. Natürlich könnte man sich ärgern und hadern: Wozu dieser Stachel, warum gerade bei mir? Paulus hat eine Erklärung: Der Stachel wurde mir gesetzt, damit ich nicht überheblich werde.

 

Segen - Meditation

 

das Leben ist kostbar...

 

In einem Pflegeheim von Mutter Teresa hängt in der Eingangshalle ein Poster mit folgenden Gedanken:

 

Das Leben ist kostbar, geh sorgsam damit um.

Das Leben ist eine Herausforderung, nimm sie an.

Das Leben ist eine Pflicht, erfülle sie.

Das Leben ist ein Rätsel, löse es.

Das Leben ist ein Versprechen, erfülle es.

Das Leben ist Traurigkeit, überwältige sie.

Das Leben ist ein Lied, sing es.

Das Leben ist ein Kampf, nimm ihn auf.

Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.

Das Leben ist Glück, erkenne und schätze es.

So segne euch +++

2018 Lj-B: 13. So.i.J: Heilung einer Frau (Blutfluss)

Diese Geschichte macht mich betroffen. Ich kenne Menschen, denen es ähnlich ergeht wie dieser Frau: Da ist eine Krankheit, die nicht besser werden will. Man geht von einem Arzt zum andern, schließlich von einem Naturheiler und Handaufleger zum andern. Jeder doktert herum und kassiert nicht wenig Geld. Das Geld ist weg. Was bleibt, ist die Krankheit.

Die Frau in der heutigen Geschichte. Man muss die Hintergründe wissen, um die Geschichte zu verstehen. Die Frau leidet an Blutungen, die nicht aufhören. Sie hat Angst: Werde ich ganz verbluten? Und zu allem Überfluss bin ich in diesem Zustand auch noch unrein. Ich darf nicht unter die Leute und schon gar nicht in den Gottesdienst. Darf ich nicht mehr in die Nähe Gottes? Was habe ich denn verbrochen? 12 Jahre leidet sie an dieser Krankheit. Krankenkasse? Die gibt es nicht. Somit heißt es bei jedem Arztbesuch in die eigene Tasche greifen. Und irgendwann ist es weg, das Ersparte. Es gibt nur eine Hoffnung. Sie hat von Jesus gehört, und dass er Kranke heilt. Das ist schön – aber – sie darf nicht zu ihm. Sie ist unrein. Sie hat nichts mehr zu verlieren. Mit dem Mut der Verzweiflung mischt sie sich in die Menschenmenge. Sie schafft es sogar ganz in die Nähe von Jesus. Sie hat schreckliche Angst. Was sie macht, ist ja so was von verboten! Sie berührt sein Gewand. Jesus bemerkt es und fragt: Wer hat mich berührt? Sie möchte im Erdboden versinken. Und dann das erlösende Wort: Meine Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden.

Wisst ihr, welche Hochachtung ich habe vor dieser Frau, vor solchem Wagemut! Und vor Jesus auch, der nicht die Gesetzesübertretung sieht, sondern den Glauben dieser Frau. Jesus, der sie nicht bloßstellt und sie nicht der Steinigung preisgibt, die ihr geblüht hätte nach jüdischem Gesetz.

Lb. Gl. Eine Frau, ausgeschlossen vom Gottesdienst, liturgisch unrein. Das war einmal, vor langer Zeit. Das gibt es heut nicht mehr! Wirklich nicht?

Wie lange hat unsere Kirche Menschen für unrein erklärt und von den Sakramenten ausgeschlossen: Geschiedene und Wiederverheiratete oder Menschen, die eine andere sexuelle Empfindung haben. Das ging bis in die jüngste Zeit. Bis Papst Franziskus endlich klargestellt hat: Wer in der Ehe gescheitert ist und wer sexuell anders empfindet, das sind nicht allesamt schwere Sünder, die unrein sind und nicht zu den Sakramenten dürfen, also auch nicht in die Nähe Gottes. Papst Franziskus hat nach gründlichen Beratungen mit verschiedensten Fachleuten diesen Menschen einen Zugang zu den Sakramenten möglich gemacht. Er empfiehlt jedoch den Betroffenen, sich mit einem klugen Seelsorger in Verbindung zu setzen.

Nun, die Betroffenen sind Menschen mit einem schweren Schicksal. Viele von ihnen wollen in die Nähe Gottes. Sie haben in ihrem Leben erfahren: Das Heil kann man nicht kaufen, nicht mit allem Geld der Welt. Das Heil muss man sich schenken lassen von wohlwollenden Menschen und vor allem von einem barmherzigen Gott. 

2018 Lj-B: 12. So.o.J: Warum habt ihr solche Angst?

 

Warum habt ihr solche Angst? Das verstehe ich nicht. Soll das ein Vorwurf sein? Das ist ebenso unverständlich, als würde mir jemandem vorwerfen: Warum hast du Kopfweh? Das ist ja nicht meine Schuld. Der liebe Gott ist schuld. Er hat es so gemacht, dass wir Schmerz empfinden. Der Schmerz ist ja kein Übel, sondern ein Warnsignal. Der Körper sagt mir: Da stimmt was nicht. Geh der Sache nach! Oder geh zu einem Arzt! Mit der Angst ist es im Grunde ebenso. Die Angst ist ja nicht nur ein Übel, sie kann ein Warnsignal sein. Vorsicht! Es besteht Gefahr, pass auf. Manche Ängste sind heilsam, weil sie uns zur Vorsicht mahnen, dass wir lebensgefährliche Dinge besser lassen. Einigen Leuten, die hirnlos durch die Gegend rasen und dann im Krankenhaus landen, könnte man nichts Besseres wünschen als ein bisschen mehr von der heilsamen Angst. Den bequemen Schülern übrigens auch.

Es gibt auch die andere: die heil-lose Angst, die uns einschnürt und lähmt.

Alle Menschen haben Angst. Die Erwachsenen haben Angst, und erst recht Jugendliche und Kinder. Jugendliche wurden befragt, wovor sie Angst haben. Das Ergebnis der Umfrage: Jugendliche haben Angst vor schlechten Noten, vor Misserfolg, Entscheidungen zu treffen, liebe Menschen zu verlieren, vor der Einsamkeit, vor einer schweren Krankheit, vor dem Tod.

Johanna (11 Jahre) meint: Angst zu haben ist keine Schande. Jeder hat Angst. Aber wie können wir sie überwinden? Das ist die Frage. Da gibt es einige Möglichkeiten.

1.    Möglichkeit: Ich schaue auf Menschen, die Angst haben, und was ihnen hilft. Auch Jesus hatte Angst. Er hat am Ölberg sogar Blut geschwitzt vor lauter Angst. Da kam ein Engel und stärkte für den Weg ans Kreuz. Das ist bruhigend: Ich bin nicht allein mit meiner Angst. Es gibt rettende Engel – auch für mich.

2.    Möglichkeit, Angst zu überwinden, ist eine sachliche Analyse.

Josef Cronin, ein bekannter Arzt und Schriftsteller hat unsere Ängste einmal genauer unter die Lupe genommen. Laut seiner Studie finden sich auf der Sorgenliste viele Befürchtungen, die niemals eintreffen: das sind immerhin 40 Prozent.

Dann ist da Vergangenes, das längst vorbei ist und das durch keine Sorge mehr gelöst werden kann: Das sind 30 Prozent.

Dann finden sich auf der Liste unnötige Sorgen um Belanglosigkeiten und Eitelkeiten: 23 Prozent.

Das heißt: Nur 8% unserer Sorgen sind wirklich berechtigt. Es sind die Sorgen um unsere Grundbedürfnisse: Unsere Lieben, unser Leben, Nahrung und Kleidung und ein Dach über dem Kopf.

Das ist tröstlich: Mehr als 90% sind überflüssige Sorgen, sie treffen nie ein. Und für den Rest der wirklichen Sorgen habe ich jede Menge Hilfe: Hilfe von guten Eltern und Pädagogen, von guten Freunden, von Ärzten und Therapeuten. Das sind Engel in Menschengestalt. Dann haben wir noch Schutzpatrone und Schutzengel. Und wir haben den besten aller Angst-Therapeuten: den lieben Gott höchstpersönlich. Er hat schon recht, wenn er uns heute liebevoll ermahnt: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Ich schlafe doch nicht, ich bin hell wach. Ich werde dafür sorgen, dass keines von meinen Kindern zugrunde geht. Das sollten wir nie vergessen. Letztlich ist und bleibt der Glaube die beste Medizin gegen die Angst.

2018 Lj-B: 11. So.o.J: Reich Gottes wie ein Senfkorn

Vom Reich Gottes redet Jesus. Reich Gottes, was ist das? Schwierig. Um das zu erklären, haben hochgescheite Theologen dicke Bücher geschrieben. Jesus, der Meister-Prediger, schafft das mit einer einzigen Geschichte, mit dem Gleichnis vom Senfkorn. Ein anschauliches Bild. Jesus nimmt ganz einfache Dinge aus dem Alltag. Der Senf als Gewürz, schon damals hochgeschätzt, so wie bei uns auch. Wir kennen den Senf aus der Tube. Aber die meisten von uns haben noch nie ein Senf-Korn oder eine Senf-Staude

gesehen (Bild).

Jesus erklärt: Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. Ja, das schwarze Senfkorn hat einen Durchmesser von nur einem Millimeter und es wiegt nur ein Milligramm. Man muss also 1000 Körner nehmen, damit man ein Gramm Senf bekommt.

Und aus so einem winzigen Korn wächst eine Staude, in der Vögel mit Vorliebe ihre Nester bauen.

Mit so was Winzigem vergleicht Jesus das Reich Gottes.

Warum erzählt Jesus das überhaupt? Jesus ist in einem Erklärungsnotstand. Er redet ständig vom Reich Gottes, und viele wiedersprechen ihm: Wo, bitte, ist es denn, dein Reich Gottes? Wir sehen und spüren überhaupt nichts. Wo ist Gott? Wann greift er endlich ein? Die verdammten Römer, die unser Land besetzen, die uns aussaugen wie Vampire, die sind immer noch im Land.

Mit dem Gleichnis vom Senfkorn ruft er seine Landsleute auf, Geduld zu haben. Es geht nicht von heute auf morgen. Wachstum braucht seine Zeit. Die Samenkörner für das Reich Gottes sind schon da. Er selbst und seine 12 Jünger und ihre Botschaft von der Liebe, das sind die Samenkörner. 13 Personen nur. Nun, das ist herzlich wenig, wenn man bedenkt, dass das Reich Gottes sich ausbreiten soll bis in die letzten Winkel der Welt, wie Jesus meint. Und siehe da: Aus den 13 Körnern ist in den 2000 Jahren eine weltumspannende Kirche geworden.

Wie Recht er doch hatte mit den winzigen Senfkörnern, die zur großen Staude werden, zu einem beliebten Nistplatz für vielerlei Vögel.

Lb. Gl. Ein wohliges Nest für vielerlei Vögel. Genau das soll das Reich Gottes und die Kirche sein. Das Reich Gottes, sagt Jesus, ist ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Ein Stück Himmel auf Erden.

In den 2000 Jahren sind aus den 13 Körnern der Urkirche  beinahe zwei-einhalb Milliarden geworden, zwei-einhalb Milliarden Christen, die das Zeug haben, mitzubauen an einer

lebenswerten Welt.

Das ist der Auftrag an uns alle: Den Himmel auf die Erde zu holen. So zu leben und zu handeln, dass möglichst viele Menschen sich wie im 7. Himmel fühlen - und das möglichst oft. Das geschieht tatsächlich, überall dort, wo ein guter Geist herrscht. Das geschieht in vielen glücklichen Beziehungen, in vielen Gruppen und Vereinen, in vielen glücklichen Familien. Unsere kleine Welt um uns herum kann tatsächlich zu einem Stück Himmel werden, zu einem wohligen Nest für vielerlei Vögel. So geht Reich Gottes.

Übrigens: Ein Stück Himmel auf Erden ist auch jede Hl. Messe, wo Gott selbst sich ein Nest einrichtet - in den Herzen jener Menschen, die ihn lieben.

2018 Lj-B: Herz Jesu – Man sieht nur mit dem Herzen gut

Ev: Brotvermehrung Joh 6,22-59

Der französische Schriftsteller Exupery hat den berühmten Satz geprägt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen un­sichtbar." Derselben Meinung ist auch der Dichter Rainer Maria Rilke, wie die folgende Geschichte erzählt. Rilke kam gemeinsam mit einer jungen Französin an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Spender aufzuschauen, ohne ein Zeichen des Bit­tens oder Dankens, nur die Hand ausstreckend, saß die Frau immer am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin legte jedes Mal ein Geld­stück in ihre Hand. Eines Tages fragte die Französin: Warum gibst du nichts? Rilke gab zur Antwort: „Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ih­rer Hand." Wenige Tage später brachte Rilke eine Rose mit, legte sie in die Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, schaute dem Geber in die Augen, stand auf, ergriff die Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden. Nach acht Tagen hockte sie wieder am gewohnten Platz, stumm, mit aus­gestreckter Hand. Die Französin fragte: „Wovon hat sie denn all die Tage nur gelebt?" Rilke antwortete: „Von der Rose ..." 

Lb. Gl. Rilke hat offenbar auch mit dem Herzen gesehen.

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Die Augen sehen nur die Oberfläche. Sie nehmen die groben Gesichtszüge wahr. Sie sehen den Ärger, die Unzufriedenheit, den Gram und das Leid, die Härte, den Hass. Und wenn einer gar noch eine schwarze Brille trägt, sieht er nur noch Schwarz und jedes Haar in der Suppe.

Der Herzliche sieht viel viel mehr als der Herz-lose Mensch, und sei dieser noch so intelligent. Wer mit dem Herzen sieht, sieht auch die versteckte Not. Und - er entdeckt sogar das Gute im andern, das keiner sonst sieht, auch die verborgenen gute Eigenschaften und Talente.

Lb. Gl. Für den rechten Blick braucht es beides, die Augen und das Herz. Die Geschichte von der Brotvermehrung erzählt uns: Jenen Menschen, die einen ganzen Tag lang bei Jesus ausgehalten haben, diesen Menschen hat der Hunger aus den Augengescheut. Jesus hat ihren Hunger gesehen und gestillt mit Brot und Fisch, Nahrung für den Bauch. Dann kam eine andere Schicht des Herzens ins Spiel. Es gibt nämlich eine tiefere Schicht des Herzens als jene, die Mitleid empfinden kann. Die tiefste Schicht des Herzens ist der Ort der Gottesbegegnung. Nach dem Brot und dem Fisch hat Jesus ihnen eine andere Speise angeboten, ein Brot für die Seele. Ein Brot, das den Hunger der Seele stillt: den Hunger nach Anerkennung, den Hunger nach Liebe und Geborgenheit. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Wenn wir die hl. Kommunion empfangen, sehen die Augen nur eine kleine Scheibe Brot. Das gläubige Herz hingegen spürt die Nähe Gottes – bis unter die Haut. 

2018 Lj-B: 9. So.i.J: Sonntags-Ruhe

1. Les!

Hast du auch schon Mitleid empfunden – mit jenen Berufsgruppen, die am Sonntag arbeiten müssen? Welche sind es denn? Die Bäcker und Köche, die Ärzte und Pflege-Personen; und nicht zu vergessen: die Pfarrer, die Armen. Nun, diese Berufsgruppen haben dann eben einen anderen freien Tag. So kommen auch sie auf ihre Rechnung. Allerdings nicht ganz. Sonntag ist doch was anderes als jeder andere Tag. Sonntag ist auch ein Familien-Tag. Ein Tag, wo die ganze Familie freihaben und Zeit miteinander verbringen soll – auch die Pfarrfamilie. Und da ist es immer schade, wenn ein Glied in der Gemeinschaft fehlt und nicht mitfeiern kann.

Ein freier Tag in der Woche, das ist schon eine tolle Erfindung. Wer hat ihn denn erfunden? Kein Geringerer als Gott selbst. In sechs Tagen hat Gott die Welt erschaffen mit allem Drum und Dran. Der 7. Tag ist ein Ruhe-Tag für den lieben Gott. Mein Gott, was hätte der nicht alles erschaffen können an diesem Tag! So eine Verschwendung, ein freier Tag! Nein! sagt Gott. Es ist genug. Heute ist Ruhetag.

Man könnte sich fragen: Was macht denn der liebe Gott an seinem freien Tag? Nun, ich denke: Er feiert! Er liebt Partys offenbar genauso wie wir. Und mit wem feiert er? Mit den Engeln und Heiligen? Gewiss. Am liebsten aber mit uns. Er sagt ja selbst: Es ist meine Freude, bei den Menschen zu sein.

Jetzt könnte einer denken: Können wir uns das überhaupt leisten: Einen ganzen Tag nur frei haben und feiern? Was könnte man an einem langen Tag nicht alles leisten und produzieren!? Die Wirtschaftsbosse haben es abgesehen auf den Sonntag. Die wollen produzieren an diesem Tag. Die wollen möglichst viele Menschen zur Arbeit drängen, viel mehr als nötig. Das riecht schon stark nach Sklaverei. Wir Christen müssen auf der Hut sein. Wir müssen unser Kostbarstes nicht opfern einem Moloch mit seinem

unersättlichen Maul, dem Wirtschafts-Wachstum. Mir ist schon klar: auch die Wirtschaft muss leben. Aber dazu braucht auch sie letztlich den Sonntag. Die arbeitenden Menschen brauchen den Sonntag, um Kraft zu schöpfen.

Umso besser geht ihnen dann die Arbeit von der Hand. Der Sonntag ist eine Kostbarkeit. Er ist wichtig für unser leibliches und seelisches Wohlbefinden: Zeit für Gott, Zeit für Familie und Freunde, Zeit für sich selbst. Nichts leisten und produzieren. Ruhe finden und einander Ruhe gönnen, das ist nicht vergeudete, das ist geschenkte Zeit.

Lb. Gl. Wir sind nicht Sklaven des Wirtschafts-Wachstums. Wir sind keine Sklaven, wir dürfen die Freiheit der Kinder Gottes genießen. Damit wir das nicht vergessen, hat uns der Herr geboten, den Sabbat bzw. den Sonntag heilig zu halten.

2018 Lj-B: Fronleichnam

Eigentlich könnten wir nach der Messe gleich nach Hause gehen - ohne Prozession. Der ursprüngliche Zweck der Prozession ist uns nämlich abhanden gekommen. Die Prozession war einmal eine große Demonstration. Eine Macht-Demonstration gegen die Protestanten. Das hat heute keinen Sinn mehr. Der Konfessionskrieg ist vorbei, Gott sei Dank. Wir streiten nicht mehr mit den Protestanten. Die Protestanten sind längst keine Feinde mehr, sondern unsere Schwestern und Brüder. Dennoch behalten unsere Prozessionen ihren Sinn, allerdings mit einem völlig anderen Ziel. Die Marschrichtung gibt uns das Evangelium vor: Gebt ihr ihnen zu essen.

Wir Christen haben den Auftrag, uns an der Sorge Got­tes für die Welt zu beteiligen, uns zu kümmern um die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Wenn unser Miteinander gelingen soll, dann geht das nicht ohne das Grundgesetz Gottes, das Grundgesetz der Liebe: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.  Kümmere dich um den, der schwächer ist als du.

"Uns geht's gut, wir haben keine Sorgen", die meisten von uns kennen dieses Lied. Wenn es ums Essen und Trinken geht, stimmt das auch tatsächlich: uns geht's wirklich gut! Wir sind eher übersatt und übergewichtig, so dass die Lebensmitte­lindustrie eigene Artikel erfinden muss, die nicht dick ma­chen: Du-darfst-Artikel. Aber es gibt den Hunger in vielen anderen Bereichen: Wir erleben immer mehr Kinder, die verhaltens-auffällig sind, denen der Hunger nach Liebe und Geborgenheit aus den Augen schaut. Sie sind in einer zerrütteten Familie einfach ins Abseits geraten. Es gibt immer mehr Frauen und Männer, die nach der Scheidung die bittere Erfahrung machen, wie schwer es ist, allein zurechtzukommen. Oder da ist die alte Frau, die manchmal zu unmögli­chen Tages- und Nachtzeiten anruft, weil sie sich allein und ver­lassen fühlt. Da ist der Alkoholiker von nebenan, oder Men­schen, die eine Unmenge von Tabletten zu sich nehmen, weil sie ihre Depressionen und Ängste einfach nicht aushalten können. Wir sehen, wie viel Hunger es geben kann und gibt - trotz unseres Wohlstandes.

Wir wissen um diesen vielfachen Hunger und möchten, so wie die Jünger, sagen: "Schick die Menschen weg, damit sie in die um­liegenden Beratungsstellen und Sozialstationen gehen; denn wir sind damit überfordert; und überhaupt, wir haben auch keine Zeit.

Und Jesus fordert uns auf: "Gebt ihr ihnen zu essen! Werden wir nicht zu Recht sagen: Das können wir nicht! Wir haben keine ent­sprechende Ausbildung, keine entsprechenden Fähigkeiten, wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische! Was ist das für so viele?!

Jesus aber erwidert: Sagt den Menschen, sie sollen sich in Gruppen zusammensetzen: in einer Familienrunde, in der Frauengruppe, im Gebetskreis, im Bibel- oder Liturgiekreis, in einer Kinder- und Jugendgruppe, in einer Selbsthilfegruppe, in einem Verein. Und Jesus segnet unsere wenigen Brote und die Stunden, die wir übrig ha­ben. Er segnet unsere Fähigkeiten und unseren guten Willen und fordert uns auf,

auszuteilen. Und siehe: alle bekommen wenigstens das Nötigste zum Leben und zum Über-leben!  

Lb. Gl. Der aufmüpfigen französische Bischofs Gaillot bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts."

2018 Lj-B: Dreifaltigkeit – Kinder Gottes, Erben

2. Les!

Wenn ein Vater stirbt, ist das allein schon schlimm genug für die Familie. Noch schlimmer wird es dann, wenn der Vater das Erbe nicht haargenau und gerecht im Testament festgeschrieben hat. Dann kommt es zu Erbstreitigkeiten – so gewiss wie das Amen nach dem Gebet. Da entstehen plötzlich Feindschaften, sogar in solchen Familien, wo es bis zum Tod des Vaters nur Harmonie und Frieden gab.

Der Apostel Paulus spricht heute auch von Erbschaft, von Gott und seinen Erben. Wer sind denn seine Erben? Niemand anderer als wir, die wir getauft sein auf seinen Namen: auf den Namens des Vaters, des Sohnes und des HL. Geistes. Paulus findet dafür berührende Worte: Ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sodass ihr euch fürchten müsstet. Sondern einen Geist, der euch zu Söhnen und Töchtern macht. Jesus

erlaubt uns: Wir dürfen Gott sogar mit einem Kosenamen anreden: Abba, lieber Papa. Das war damals ein Skandal in den Ohren der Schriftgelehrten und Pharisäer. Die haben den Menschen eingebläut: Gott ist so was von erhaben und heilig, dass man nicht einmal seinen Namen aussprechen darf. Man darf nur "Herr" zu ihm sagen. Die Pharisäer haben immer wieder den strengen und strafenden Gott verkündet, vor dem man sich fürchten muss, wie ein Sklave vor dem strengen Herrn. Diese Botschaft hat sich dermaßen in den Köpfen festgesetzt, dass es auch heute nach 2000 Jahren immer noch Menschen gibt, die sich fürchten vor Gott. Viele können mit Gott Vater nichts anfangen, weil sie ein angekratztes Vaterbild haben von ihrem leiblichen Vater, der grob und herzlos war. Viele machen einen weiten Bogen um Gott und gehen mit ihren Sorgen lieber zur Mutter Gottes. Sie meinen, die ist viel gütiger und gnädiger als der liebe Gott. Was für ein Irrtum! Das Geschöpf kann doch nicht besser sein als der, der es erschaffen hat. Gott ist die Liebe, und es gibt kein Wesen, das gütiger und barmherziger ist als der liebe Gott. Jesus selber sagt:

Es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand sein Leben hingibt für die Seinen. Jesus hat sein Leben für uns hingegeben – am Kreuz. Und der Vater hat uns sein Liebstes gegeben, seinen Sohn.

Eine größere Liebe gibt es nicht. Wenn gesagt wird: wir müssen Gott fürchten, so heißt das auf keinen Fall, dass wir Angst haben müssen vor Gott. Gott fürchten heißt nichts anderes als Ehrfurcht haben und Respekt. Paulus verkündet also im Auftrag Jesu: Ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sodass ihr euch fürchten müsstet. Sondern einen Geist, der euch zu seinen Kindern macht. Sind wir Kinder, dann auch Erben. Das Erbgut Gottes ist un-teilbar, so wie die Liebe un-teilbar ist. Entweder alles – oder nichts. Es ist nicht so, wie wenn ein Bauer sein Erbe vermacht. Das wird nicht selten aufgeteilt. Da bekommt der Erstgeborene den Hof, der Zweite ein Stück Wald und die Tochter einen Baugrund.

Lb. Gl. Bei Gott und seinem Erbe ist es ganz anders. Da bekommt jedes Kind den ganzen Anteil: Nämlich das ewige Leben, Freude in Fülle im Vaterhaus. Und das alles ganz ohne Erbstreitigkeiten. 

2018 Lj-B: Pfingsten: Gesundheit beginnt im Kopf

Les: Gal 5,16.

Gesundheit beginnt im Kopf, sagen die Ärzte. Was meinen sie damit? Nun, ein Arzt kann eine Krankheit feststellen und Medikamente verschreiben. Aber einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit muss der Patient selber leisten: Zunächst die Medikamente gewissenhaft nehmen. Und vor allem die Ess- und Lebensgewohnheiten überdenken: Was schadet mir, was muss ich ändern? Das ist Kopfarbeit. Also: Gesundheit beginnt im Kopf. Gesundheit betrifft aber nicht nur den Leib. Noch wichtiger ist das Wohlbefinden der Seele. Aus diesem Grund mahnt uns heute der Apostel Paulus: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen." (Gal 5,16). Mit dem Begehren des Fleisches ist gar nicht in erster Linie die Sexualität gemeint, sondern alles, was uns schadet an Seele und Leib.

Der Geist ist es, der uns befreien kann von dem, was uns hinunterzieht und krank macht. Geisterfülltes Leben ist angeraten. Was aber ist geisterfüllt? Vielleicht können wir das besser verstehen, wenn wir das Gegenteil benennen. Das Gegenteil von geisterfüllt ist: geistlos, hohl. Der Volksmund nennt einen geistlosen Menschen einen Hohlkopf.

Bei der Firmvorbereitung mussten die Firmlinge eine Übung machen. Sie mussten verschiedene Verhaltensweisen richtig zuordnen. Was kommt aus dem Geist und was aus dem Un-Geist, oder aus einem bösen Geist? Diese Übung ist lehrreich auch für uns. Wir wollen sie still für uns beantworten:

·       Was ist das für ein Geist, wenn ich erst um Mitternacht nach Hause komme, obwohl ich meinen Eltern versprochen habe, um 21 Uhr zurück zu sein?

·       Welcher Geist ist das, wenn ich aus Feigheit mich nicht einsetze für einen Mitschüler oder Kollegen, der ständig gemobbt und belästigt wird?

·       Was ist das für ein Geist, der mir zuredet: du musst nicht  jeden Tag eine Schokoladetafel vernaschen, wenn du ohnehin schon Übergewicht hast?

·       Was ist das für ein Geist, wenn ich jede Woche meine Oma besuche, obwohl sie immer die gleichen Geschichten

erzählt?

·       Welcher Geist ist es, der mich drängt, meine Arbeiten anzugehen, obwohl ich überhaupt keine Lust dazu habe?

 

Geist oder Ungeist – das ist hier die Frage.

Der Apostel Paulus zählt eine lange Litanei auf, was der Un-Geist alles hervorbringt: Trägheit, ausschweifendes Leben, Feindschaften, Jähzorn, Ichsucht, Eifersucht, Neid und Missgunst und ähnliches mehr. Und er nennt auch eine Liste von Früchten des guten Geistes: Liebe, Freude, Friede, Treue, Geduld und Selbstbeherrschung.

Lb. Gl. Gesundheit beginnt im Kopf. Wie ich mich fühle an Seele und Leib, wird wesentlich davon abhängen, welchem Geist ich folge.

2018 Lj-B: Muttertag

Sie ist eine Frau in den besten Jahren, so um die 35. Die Kinder sind in der Schule. Sie sucht einen Habtages-Job. Sie geht zum Arbeitsamt. Der Beamte fragt: Welchen Beruf haben Sie? Sie sagt: Ich bin Mutter von 2 Kindern. Mutter ist kein Beruf, meint der Beamte. Haben Sie nichts gelernt? Sie wollte sagen: Mutter sein, ist das nichts? Sie sagte: Nein, sonst habe ich nichts gelernt. Schwierig, schwierig, murmelte der Mann.

Wenn ein Sportler in seiner Disziplin einige hundertstel Sekunden schneller ist oder das entscheidende Tor schießt, wird er mit Lob und Geld überschüttet. Wie steht es um die Meisterleistung unserer Mütter! Die meisten von ihnen leisten eine der edelsten Aufga­ben, nämlich die Erziehung künftiger Generationen der Menschheitsfamilie. Wäre es nicht die Mutter, die Ehre und Respekt verdient, gerechten Lohn und unser aller Un­terstützung? Und das nicht nur an einem Tag im Jahr, nicht nur am Muttertag.  

Eine Studie hat folgendes herausgefunden: Kinder lachen noch bis zu 400-mal am Tag. Sie sind entspannt, offen und glücklich - noch ohne größere Sorgen. Als Erwachsene lachen wir nur noch 5-mal am Tag, sind oft gestresst, ver­schlossen und niedergedrückt. Wie kommt es, dass Kinder noch so glücklich sein können? Da haben die Eltern und vor allem die Mütter den größten Anteil daran. Wenn dann aber verschiedenste Menschen und Einflüsse auf uns einwirken, ist es plötzlich aus und vorbei mit unserer Leichtigkeit und Freude. Wir verlieren 96 Prozent (!) unseres Lachens.

Jammerschade. Umso mehr ein Grund, unseren Eltern und besonders den Müttern dankbar zu sein – wenigstens für eine unbeschwerte Kindheit. Wenn wir glücklich sind, ist das zum Großteil nicht selbstgemachtes, sondern geschenktes Glück. Geschenk aus einem Herzen voller Liebe. Die Liebe ist eine Zaubermacht. Sie vollbringt wahre Wunder und sie ist erfinderisch. Sie ist eine wahrhaft göttliche Kraft.

Ein besonderes Talent der Mutter ist: Sie kann trösten wie niemand sonst. Sogar der liebe Gott ver­gleicht sich mit einer Mutter: Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, so tröste ich euch. (Jes 66,13).

Eine von den Hauptaufgaben der Mutter ist das Trösten. Wie oft kommt das Kleine zur Mama und jammert: „Mama, schau, wie arm ich bin. Zur Mutter kommt bis ins hohe Alter jeder Mensch, um getrös­tet zu werden. Die Mutter ist ein Naturtalent. Sie kann das Trösten mit einer Leichtigkeit und mit ganz einfachen Mitteln: Mit einer Umarmung, mit einem Kuss, einem guten Essen, mit einem Lied, mit Zu-Reden und vielem mehr.

Wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Wann brauchen wir Trost? Immer und immer wieder. Und wer braucht ihn? Jeder! Jung und Alt. Auch die Mutter selbst. Und auch das geht ihm Grunde ganz einfach: Mit einem herzlichen Danke, mit einer Umarmung, mit einem aufbauenden Wort, mit einem Lob. Vor allem, indem wir sie unterstützen mit unserer Hilfe. Und: Dass wir sie nicht überfordern, indem wir uns rundum bedienen und verwöhnen lassen. Für die Mutter selbst wird es ein Trost sein, wenn sie erlebt: Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich nicht perfekt bin und wenn ich nicht alle Wünsche erfüllen kann und will. Das Leben ist schließlich kein Wunsch­konzert.

Lb. Gl. Wir werden getröstet, von unserer Mutter und von einem mütterlichen  Gott. Das ist schön. Denn getröstet erlebe ich die Welt wie am ersten Tag der Schöpfung, wo es heißt: Alles ist gut.

2018 Lj-B: Christi Himmelfahrt

Les: Apg; Ev: Lk 24,51

Wenn ein lieber Mensch von uns geht, da wird man ordentlich durchgebeutelt. Unsere Gefühle spielen verrückt. Es ist wie ein Stich ins Herz. Abgrundtiefe Traurigkeit. Tränen fließen. Tausend Fragen bedrängen uns: Wie soll es weitergehen ohne ihn? Große Ratlosigkeit. Man fühlt sich wie gelähmt, unfähig, etwas in Angriff zu nehmen. So sind die meisten Abschiede. Völlig anders bei der Himmelfahrt Jesu. Die Jünger starren zwar auch ihrem Meister nach. Jetzt ist er verschwunden hinter den Wolken, einfach weg. Aber im gleichen Moment werden sie von 2 Engeln auf den Boden zurückgeholt: Was steht ihr da und starrt zum Himmel? Da ist keine Rede von einem Schlusspunkt. Es ist der Zeitpunkt der Hofübergabe. Die Jünger sind längst mündig geworden. Jesus segnet sie noch und dann gibt er ihnen den Auftrag: Ihr sollt meine Zeugen sein – in Jerusalem, in ganz Israel und bis an die Grenzen der Erde. Und dann heißt es noch: Die Jünger gingen nach Jerusalem zurück, voller Freude und Tatendrang. Also keine Spur von lähmender Traurigkeit. Himmelfahrt ist das Vorspiel von Pfingsten, wo der hl. Geist in Sturm und Feuerzungen auf sie herabkommt. Die Himmelfahrtsgeschichte ist also keine Abschieds- , sondern eine Aufbruchsgeschichte. Übrigens: Die Himmelfahrt Jesu war nicht die einzige. Mehrere Personen sind in den Himmel aufgefahren.

Im Alten Testament lesen wir von der Himmelfahrt des Henoch und des Elija; die Himmelfahrt des Mose und des Jesaja. Auch die Ägypter kannten vor mehr als viertausend Jahren bereits die Überfahrt des Pharao aus der Welt der Lebenden in die Erhöhung des Himmels. Eine Entrückung bzw. Himmelfahrt ist auch bei den Griechen be­kannt. Herakles soll nach der Vollendung von zwölf Aufgaben in den Olymp entrückt worden sein. Und der Prophet Muhammad wurde zunächst von Mekka nach Jerusalem versetzt, um von dort zum Himmel hinaufzusteigen.

Und nicht zu vergessen: die Auf­nahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele. Bei so viel Himmelfahrten fragt man sich doch: Was hat das zu bedeuten? Es kann doch nicht nur das Ende einer großen Persönlichkeit sein, und die Zurückbleibenden jammern und klagen. Nein, bei all den Himmelfahrtsgeschichten, sind die Zurückbleibenden gar nicht weiß Gott wie trau­rig und gelähmt. Im Gegenteil. Sie sind sogar äußerst aktiv. Die Zurückbleibenden bekommen den Auftrag, den Himmel auf die Erde zu holen.

Lb. Gl. Das also ist der Auftrag von uns allen: Den Himmel auf die Erde zu holen. So zu leben, dass möglichst viele Menschen sich wie im 7. Himmel fühlen und das möglichst oft. Das geschieht tatsächlich, überall dort, wo ein guter Geist herrscht:

in vielen glücklichen Beziehungen, in vielen Gruppen und Vereinen, in vielen glücklichen Familien. Himmel auf Erden – den gibt es wirklich an vielen Orten auf der Welt. Jesus nennt das "Reich Gottes" mitten unter uns.

2018 Lj-B: 6. Osterso.: Liebt einander (Les: Jes. Sir 6,5)

Letzten Sonntag war von Liebe die Rede, heute schon wieder. Da kann es schon sein, dass einer sich denkt: So viel Liebe, jetzt reicht's! Wann reicht es denn wirklich, wann ist es denn zu viel? Nun, da müssen wir die Profis fragen, die Profis in Sachen Liebe, die Verliebten. Die sagen mindestens 10-mal am Tag: Schatz, ich liebe dich! Und keiner dankt: Jetzt reicht's! Im Gegenteil! Von der Liebe kann man nie genug bekommen, aber nur dann, wenn sie echt ist und von Herzen kommt. Wenn aber das "Ich liebe dich" zur toten Floskel oder gar zur Lüge wird, dann ist einmal schon zu viel. Also, dann reden wir halt wieder von der Liebe. Immerhin ist sie das Wichtigste im Leben.

Jetzt zum Evangelium: Jesus sitzt mit seinen Freunden beim letzten Abendmahl. Es ist ein Fest tiefer innerer Freude. Denn Jesus bietet ihnen seine Freundschaft an. Waren sie bisher nur Schüler, werden sie heute zu Freun­den! Jesus sagt zu ihnen: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Stell dir vor: Jesus sagt zu dir: Du bist mein Freund. Was heißt das? Was zeichnet einen guten Freund aus? Ein wahrer Freund kennt mich durch und durch. Er freut sich auf die Begegnung mit mir. Er steht zu mir, auch in der Not. Wenn ich mit dem Freund zusammen bin, verfliegt die Zeit, da denke ich nicht an Morgen. Der Moment zählt. Der Freund ist immer willkommen, bei Tag und Nacht. Besondere Momente der Freundschaft sind die, in denen die Freundschaft sichtbar und spürbar ausgedrückt wird, in Worten oder Gesten, in einer Umarmung z.B. Schon der Philosoph Aristoteles besteht darauf: Die Gefühle dürfen nicht verborgen bleiben, sie müssen ausge­drückt werden. Das heißt aber nicht, dass ein Freund immer nur "freundlich" sein muss. Ganz und gar nicht! Ein echter Freund gibt auch einmal ehrliche, zuweilen unangenehme Kritik. Aufbauende Kritik ist nützlich und bringt mich weiter im Leben, bewahrt mich vor einem Irrweg. Aber, wie alles Kostbare, kostet auch die Liebe ihren Preis: den Preis der Treue und Aufmerksamkeit.

Das gilt auch von unserer Freundschaft mit Jesus. Auch sie muss gepflegt werden. Treue kann heißen, bestimmte Orte und Zeiten reservieren für die Begegnung mit ihm. Zeiten des Gebets, Inne­halten im Alltag, regelmäßiges Lesen der Bibel oder eines anderen religiösen Buches.

Lb. Gl. Für unsere Freundschaft mit Jesus ist es gut, die Beziehung Jesu zu seinem Vater genauer anzuschauen: Wie er sich immer wieder zurückgezogen hat, um mit dem geliebten Vater allein zu sein, mit ihm alles zu besprechen, mit ihm die wichtigen Weichen zu stellen. Er nennt das "Gebet". Davon können wir lernen. Unser Gebet ist dann am besten, wenn es zur persönlichen Zwiesprache wird und vor allem zu einem Hören auf den Willen Gottes. So wie Jesus am Ölberg betet: Vater, nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Solche Meditation wird Fruchte bringen, auch für unseren Alltag. Unsere Aufmerksamkeit wird wachsen. Unsere Beziehungen, unser Handeln wird feinfühliger werden: mit mehr Hingabe, mehr Verlässlichkeit, mehr Freude, nicht gezwungen, vielleicht sogar mit einem Lächeln.

2018 Lj-B: 5. Osterso.: Ich bin der Weinstock

Man muss kein Weinbauer sein, um das Bild vom Weinstock zu verstehen. Jedes Kind weiß, dass die Äste eines Baumes verbunden sein müssen mit den Wurzeln, die aus dem Boden die Nährstoffe saugen und damit den Stamm und die Äste versorgen. Dann wird der Baum auch Früchte bringen. Dieses Bild wendet Jesus auf sich selber an: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer an mir bleibt, bringt reiche Frucht. Getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Heißt das jetzt: Nur die Christen bringen gute Früchte hervor, alle anderen nicht? Bilder können hilfreich sein für das Verstehen einer religiösen Botschaft. Sie dürfen aber nicht zu eng gesehen werden. Etwa in dem Sinn, dass Atheisten überhaupt nichts Gutes hervorbringen, die Frommen hingegen nur Gutes. Ich denke da an den Alt-Bundespräsidenten Heinz Fischer. Er nennt sich selbst einen Agnostiker, einen Zweifler. Hat er rein gar nichts Gutes getan? Im Gegenteil. Als Politiker war er bestrebt, dem Wohl der Menschen zu dienen. Was bedeutet das? Offenbar ist er mehr mit Gott verbunden als er nach außen zugeben will. Offenbar hat er mehr sozialen und christlichen Saft in sich als so mancher bekennende Christ, der nur um sein Ego tanzt. Vorsicht also mit den Bildern! Wer ist nun wirklich gottverbunden und wer nicht? Schwierige Frage. Woran erkenne ich denn, dass ich in meinem Tun und Lassen wirklich dem Geist Jesu folge und nicht mei­nem eigenen Ich? Nun, Jesus sagt es uns: An den Früchten werdet ihr die wahren Christen erkennen.

Was heißt das? Ein wirklich gottverbundener Mensch wird immer wieder fragen: Gott, was willst du, dass ich tun soll? Und der Apostel Johannes unterstreicht diesen Gedanken in der heutigen Lesung: Wir wollen nicht nur lieben mit schönen Worten, sondern in Tat und Wahrheit. Die Tat ist wichtig und die Wahrheit ebenso, das heißt die Ehrlichkeit. Es gibt nämlich auch Liebesdienste aus Berechnung, weil ich mir einen Vorteil erhoffe.

Wenn mir jemand eine nettes Wort oder einen Liebesdienst schenkt, und ich davon Bauchweh bekomme an Seele oder Leib, dann weiß ich: Diese Früchte waren giftig oder faul.

Lb. Gl. Ob ehrlich oder nicht, an den Früchten wird es offenbar. 

2018 Lj-B: 4. Osterso.: Guter Hirt, sein Berufsprofil

Unsere Gesellschaft ändert sich – rasend schnell. Da ändert sich auch die Arbeitswelt. Was gestern noch funktioniert hat, geht heute nicht mehr. Viele Berufe sind überhaupt verschwunden. Ich bin der gute Hirt, sagt Jesus. Ein schönes Bild, wenn man es versteht. Den Beruf des Hirten gibt es bei uns fast gar nicht mehr. Mein Bruder treibt vor dem Sommer seine 30 Schafe in die Berge und im Herbst holt er sie wieder zurück. Und fast jedes Jahr fehlt das eine oder andere Stück. Von wegen: der gute Hirte, der seine Schafe beschützt. Wenn wir Jesus als guten Hirten wirklich verstehen wollen, müssen wir nachschauen, wie es damals war mit den Hirten. Die haben mit den Schafen gelebt, Tag und Nacht. Wirklich gute Hirten haben die besten Weideplätze gesucht für ihre Schafe. Ihr Hirtenstab war Wanderstab und Waffe zugleich. Damit konnten sie wilde Tiere, sogar Bestien vertreiben. Aber selbst einem aufmerksamen Hirten konnte es passieren, dass sich ein Schaf verirrte in ein unwegsames Gebiet. Dann wurde er nervös. Er suchte unverdrossen, bis er es fand und brachte es zur Herde zurück. Das bedeutete nicht selten Einsatz des Lebens, Lebensgefahr. Wenn die Suche gelang, war das für den Hirten ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zugleich. Genau ein solcher Hirte ist Jesus. Ich bin der gute Hirt, sagt er selbst. Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Ich gebe mein Leben für die Meinen. Das hat er tatsächlich getan – am Kreuz. Das macht den Unterschied zwischen einem guten Hirten und einem bezahlten Knecht. Der macht nur Dienst nach Vorschrift mit minimalstem Einsatz.

Lb. Gl. Jesus zeichnet ein beachtenswertes Berufs-Bild eines guten Hirten. Daran können sich all jene ein Beispiel nehmen, die eine leitende Stellung innehaben: In der Kirche der Papst,

die Bischöfe und Priester.

Im gesellschaftlichen Leben: Die Chefs, die Direktoren, die Pädagogen und Lehrpersonen; und in der Familie die Eltern. Wie könnte ihre Hirten-Sorge aussehen? Als erstes gilt: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Da heißt es, sich in andere hineinfühlen, Zeit haben füreinander, einander zu­hören, Geduld haben, die Last des andern mittragen mit helfender Hand, mit einem tröstenden und aufbauenden Wort. Beherzter Einsatz ist gefragt, nicht nur Dienst nach Vorschrift.

Lb. Gl. Jetzt werden manche denken: schön und nett. Aber was bringt das mir? Jesus meint dazu: Wer sein Leben für andere einsetzt, wird ein Hundertfaches dafür bekommen und das ewige Leben dazu. Wer sein Leben einsetzt für andere, darf erleben, wie bereichernd und erfüllend das sein kann, dem Leben der Mitmenschen zu dienen und daran teilzuhaben. Psychologen sagen: Einsatz für andere schüttet jede Menge Glückshormone aus. Wer sein Leben für andere einsetzt, hat auch kein Problem, einen Sinn im Leben zu finden: Er weiß, wozu er auf der Welt ist, nämlich: Gott und den Menschen zu dienen und dabei selber glücklich zu werden. 

2018 Lj-B: 3. Osterso.: Ostern – was heißt das für mich?

Eltern und Lehrpersonen haben es nicht leicht. Sie brauchen eine Eselsgeduld. Wie oft stöhnen Mütter und Lehrer: Dir muss man alles 10-mal sagen. Warum eigentlich 10-mal? Ist das Kind so schwer von Begriff? Begreift es nicht? Oder ist es bequem und will gar nicht begreifen und gehorchen? Nun, die Pädagogen sind da in bester Gesellschaft. Jesus hat dasselbe Problem, und zwar nicht mit Kindern sondern mit seinen Jüngern. Mindestens 10-mal muss er erscheinen, um ihnen klar zu machen: Ich bin nicht tot. Ich lebe. Zuerst erscheint er Maria Magdalena am Grab. Abends kommt er durch die verriegelte Tür zu den Jüngern. Am Tag darauf gesellt er sich zu den beiden Jüngern, die nach Emmaus gehen. Eine Woche später kommt er wieder durch die verschlossene Tür zu den Jüngern. Immer wieder zeigt er ihnen seine Wunden. Dennoch zweifeln sie. Sie halten ihn für ein Gespenst. Alle Tricks muss er versuchen, bis sie endlich begreifen. Er isst vor ihren Augen ein Stück gebratenen Fisch, obwohl der Auferstehungsleib keinen Hunger mehr kennt. Es will ihnen einfach nicht in den Kopf, dass ein Messias sich umbringen lässt. Da muss Jesus die alten Propheten zitieren, die über ihn geschrieben haben: Der Messias muss leiden und sterben, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen. Das Leiden und Sterben des Messias ist also keinesfalls eine Panne, die dem lieben Gott passiert ist. Es hat einen tiefen Sinn. Es war stellvertretende Sühne für die Sünden der Menschen. Jesus opfert sich wie ein Opferlamm, um für unsere Sünden zu büßen, damit nicht wir die Strafe aushalten für das, was wir im Leben falsch machen. Er tilgt unsere Sünden, damit wir in den Himmel kommen, auch jene, die keine Unschuldslämmer sind. Stellvertretende Sühne. Der mühsame Lernprozess der Jünger dauert 50 Tage, bis Pfingsten, bis der Hl. Geist auf sie herabkommt und sie in die volle Wahrheit führt.

 

Lb. Gl. Auch wir müssen die Auferstehung mühsam lernen wie Analphabeten. Die meisten von uns haben zwar kein Problem zu glauben, dass Jesus auferstanden ist. Dafür gibt es genügend glaubwürdige Zeugen. Wesentlich schwieriger ist die Frage: Was bedeutet Ostern für mich?

In einer Welt, in der uns Tag für Tag von Katastrophen, Kriegen und Todesmeldungen berichtet wird, da werden nicht wenige depressiv und nachdenklich. Wo geht es hin mit dieser verrückten Welt? In Zeiten wie diesen brauchen wir dringend Gegenbotschaften, gute Nachrichten, Botschaften, die uns vom Leben erzählen, von Liebe und Frieden. Wie sonst könnten wir es aushalten, dieses Leben – ganz ohne Hoffnung? Ostern sagt uns: Jesus ist der eigentliche Herr der Welt, der Herr über Leben und Tod. Seine Liebe ist stärker als der ganze Hass der Welt. Der Herr des Lebens kann Unheil abwenden, auch von uns. Er kann von uns nehmen Sünde und Hass, die uns sosehr belasten, oft sogar krank machen. Er kann uns wieder auf die Beine helfen, wenn wir am Boden sind. Der Herr des Lebens hat auch den größten Feind im Griff, den Tod. Er hat seinen eigenen Tod besiegt. Er wird auch meinen Tod überwinden. Das hat er versprochen: Wer an mich glaubt, wird leben. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag. Er wird mich auferwecken zu einem neuen Leben. Zu einem Leben ohne Tränen und Leid. Zu einem Leben ohne Tod. Zum ewigen Leben, zur Freude in Fülle.

Lb. Gl. Es gibt also nicht nur schlechte, sondern auch gute Nachrichten. Ostern ist die beste von allen. Aber auch die muss uns mindestens 10-mal gesagt werden, bis wir sie begreifen.

2018 Lj-B: 2. Ostersonntag: Der ungläubige Thomas

Lebst du auch nach dem Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Nun, das ist durchaus vernünftig in Zeiten wie diesen, wo so viel geblufft und betrogen wird. Im Sport zum Beispiel. Wie viele Sportler nehmen verbotene Substanzen, um ihre Leistung zu stei­gern. Damit zerstören sie den fairen Vergleich. Oder in der Ernährung. Mein Gott, was da alles hineingeschmuggelt wird in unsere Lebensmittel. Etikettenschwindel überall. Da nützt nichts anderes als: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Das hat sich wohl auch Thomas gedacht nach der abgrundtiefen Enttäuschung des Karfreitags. Ein Messias lässt sich doch nicht einfach umbringen. Nein, das war kein Messias. Und jetzt kommen zu allem Überfluss noch seine Kollegen und faseln wirres Zeug: Du, wir haben den Herrn gesehen. Er lebt. Schade, dass du nicht dabei warst. Was soll der Quatsch: Er lebt? Wenn ich ihn nicht mit eigenen Augen sehe und nicht seine Wunden abtasten kann, glaube ich nicht. 8 Tage später bekommt auch er die Chance. Jesus kommt wieder durch die versperrte Tür. Thomas sieht den Auferstanden. Er sieht und glaubt. Jetzt muss er gar nicht mehr in die Wunden greifen. Die Kontrolle wird überflüssig. Jetzt hat sich alles gedreht – um 180 Grad. Jetzt gilt nicht mehr: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Jetzt ist es umgekehrt: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Das ist der Grundsatz, der einzig und allein tauglich ist in Sachen des Glaubens. Das gilt auch für uns. Im Glauben versagt jede Kontrolle. Die wesentlichen Dinge des Glaubens kann ich nicht kontrollieren. Ich kann nicht kontrollieren und schon gar nicht beweisen, dass Jesus auferstanden ist. Da muss ich einfach vertrauen, vertrauen den Augen- und Ohrenzeugen der Auferstehung: Dem Engel und den Aposteln, die verkündet haben: Jesus lebt.

Lb. Gl. In dieser Thomasgeschichte sind 3 wichtige Hinweise für uns: Der erste Hinweis: Thomas trägt den Beinamen Zwilling. Der passt zu ihm. In seinem Herzen stecken  Zwillinge: Glaube und Zweifel. Glaube und Zweifel sind wie Zwillinge. Sie gehören zusammen.

Es ist nicht schlimm, wenn wir Fragen und Zweifel haben. Schlimm wäre, würden wir nicht mehr fragen und suchen. Der liebe Gott hält unser Fragen und Zweifeln schon aus.

Der zweite Hinweis: Thomas sucht die Gemeinschaft mit seinen Kollegen, redet mit ihnen, bleibt im Gespräch, hält fest an der Gewohnheit, sich wöchentlich zu treffen. Acht Tage darauf, das ist ein Hinweis, dass sich die Christen schon von Anfang an wöchentlich getroffen haben, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Der wö­chentliche Gottesdienst ist wichtig für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft und für ihren Glauben. Das gilt auch für uns. Der Sonntagsgottesdienst ist wichtig für uns, für unseren Zusammenhalt und für unseren Glauben.

Der dritte Hinweis: die Wundmale sind das Markenzeichen Jesu. Thomas will den auferstandenen Herrn mit eigenen Augen sehen, vor allem seine Wunden. Die Wundmale des Auferstandenen, sie zeigen: Leid und Kreuz werden nicht einfach weggewischt, sie bleiben auch in der Verklärung. Aber die Wunden sind nicht das letzte Wort. Das letzte Wort heißt Auferstehung und Leben.

Lb. Gl. Das heißt für uns: Was wir an Leid und Kreuz in unserem Leben erfahren, prägt uns, es gehört zu uns, zu unserem Leben. Wir können und müssen sie nicht wegwischen. Aber - sie sind nicht das letzte Wort über mein Leben. Das letzte Wort spricht Gott selbst, wenn er mich auferweckt und mir neues Leben schenkt, ein Leben ohne Tränen und Leid, Leben in Fülle.

2018 Ostermontag: Frust der Jünger (siehe 2011)

Ich kann den Frust der beiden Jünger schon versteh'n. Sie schimpfen wie die Rohrspatzen über die Führer des Volkes. Die haben ihren Meister umgebracht. Denk dich hinein in die Beiden. Stell dir vor: Du hast deine ganze Hoffnung auf einen einzigen Menschen gesetzt. Er ist der Sinn deines Lebens. Plötzlich ist er tot. Weg aus deinem Leben. Für die beiden Jünger war Jesus dieser Mensch. Und jetzt ist er tot. Und die Art, wie er ums Leben kam, macht die Sache doppelt schlimm. Wäre er doch abgestürzt am Berg Tabor oder ertrunken im See Genesareth. Nein, er stirbt wie ein Verbrecher. Ein Gehenkter galt nach damaliger Vorstellung als ein von Gott Verfluchter. So einer kann unmöglich der Messias sein. Sie sind maßlos enttäuscht, todtraurig. Da helfen auch die Frauen nicht, die da wirres Zeug daher faseln von einem leeren Grab.

Ihr Glaube ist tot. Tot wie der Messias. Da müsste schon ein Wunder geschehen, um ihren Glaube noch zu retten. Das weiß auch Jesus. Also macht sich der Meister höchstpersönlich auf den Weg zu den Beiden. Sie erkennen ihn gar nicht mit ihren frustverklebten Augen, Jesus lässt sie zunächst ihren ganzen Frust von der Seele schimpfen. Er nimmt ihre verletzten Gefühle ernst. Was für ein Psychologe! Dann führt er sie behutsam in das wahre Mes­siasgeheimnis ein und korrigiert zugleich ihre falschen Vorstellungen, ihre falschen Hoffnungen. Sie hatten von einem politischen Messias geträumt, der die verhassten Römer aus dem Lande treibt. "Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, das zu glauben, was die Propheten sagen? Musste nicht der Messias all das er­leiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ Der Messias hat sein Leben eingesetzt für die Sünden der Menschen. So lautet der Erlösungsplan des Vaters: Der Messias ist für alle Menschen da, auch für die Römer. Besonders aber für die leidgeprüften Menschen: für die Armen, die Kranken, die Schwachen, die Sünder. Einsatz bis zum Letzten. Und wenn es sein muss: Der Tod mit inbegriffen. Plötzlich geht ihnen ein Licht auf. Sie sehen die Zusammenhänge, einen Sinn im Geschehen der letzten grausamen Tage. Ihr Glaube blüht wieder auf. Und dieser Glaube wird zudem noch gestärkt beim Brotbrechen, wo sie endlich erkennen: Er ist es. Er lebt. Jetzt kommt wieder Licht und Wärme in die Bruchbude ihres Lebens.

Lb. Gl. Eine Lektion - auch für uns. Wie oft müssen wir Hoffnungen begraben, falsche Hoffnungen zumeist. Wie oft brüten wir dahin: Hat doch alles keinen Sinn. Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Doch. Es gibt ein Licht, auch für dich. Glaube fest daran: Der Auferstandene begleitet auch dich auf deinem Weg, oft unerkannt. Jesus hat doch versprochen: Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt. Halte inne, öffne dich. Suche im Gebet Zwiesprache mit ihm. Im Gespräch mit ihm zeigen sich Zusammenhänge, klärt sich so manches. Du siehst plötzlich einen Hoffnungsschimmer, vielleicht sogar einen Sinn in deiner Misere. Der auferstandene Herr, er geht mit dir, er spricht zu dir sein wegweisendes, sein heilendes Wort. Und sollten Worte nicht genügen, dann lässt er dich seine Nähe spüren. ER kommt zu dir, sichtbar und greifbar im Zeichen des Brotes, in der Hl. Kommunion.

Siehe,  ich bin bei euch - alle Tage. Auf diese Zusage kannst du dich verlassen.

2018 Lj-B: Ostern; Wissenschaft verspricht ewiges Leben.

 

Bild: Wissenschaftler

Die haben was vor, diese Wissenschaftler!

Wenn man der Wissenschaft Glauben schenkt, wird es in 30 Jahren nicht mehr nötig sein, die Auferstehung Jesu zu feiern. Es wird nicht mehr nötig sein, uns mit der Auferstehung Jesu zu trösten und daraus Hoffnung zu schöpfen, dass auch wir einmal auferstehen. Das wird in Hinkunft die Wissenshaft übernehmen. Die Wissenschaf­tler werden in Zukunft Gott ablösen und für dein ewiges Leben sorgen.

Nun, der Tod ist für viele Menschen ein Schreckgespenst, ein Feind des Lebens. Diesem Erz-Feind gilt es, ein Schnippchen zu schlagen, koste es, was es wolle. Daran wird in­tensiv gearbeitet. Mithilfe der Gentechnik ist es schon möglich, die DNA von Men­schen zu verändern.- Und mit der „Crispr/Cas"-Methode er­hofft man sich, neue Abwehrmechanismen zu entwickeln und dadurch Krankheiten zu verhindern. Damit könnte der Tod in weite Ferne rücken.

An der Erasmus-Universität in Rotterdam ist es For­schern gelungen, Mäusen mit einem bestimmten Peptid eine Verjünge-rungskur zu verpassen. Ziel ist, den Alterungsprozess auch unserer Zellen zu stop­pen. Großmundig erklärt der Forschungs­chef

Aubrey de Grey: „Mein Ziel ist, dass Menschen einmal den Tod so lange vermeiden können, wie sie das wol­len". Anti-Aging ist das große Modewort. Altwerden darf man nicht und sterben schon gar nicht.

Und dann gibt es noch das Start-up-Unternehmen Humai, das bereits 2015 verkündet hat: In 30 Jahren wird es möglich sein, Menschen nach ihrem Tod wieder auferstehen zu lassen. Wie das geht? Ganz einfach: In­dem man das Gehirn ein­friert und in einen künstli­chen Körper transplantiert.

Lb. Gl. Das ist aber nett, was uns Wissenschafter da versprechen. Allein, mir fehlt der Glaube. Da glaube ich schon lieber an Jesus. Bild: Auferstandener

Er ist ehrlich und realistisch. Er weiß, dass jeder Mensch einmal sterben wird. Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.

Aber dieses Sterben ist nur ein Übergang.

Jesus - und nicht die Wissenschafter, Er ist Herr über Leben und Tod, Er allein hat die Macht über den Tod. Und Er wird uns zu neuem Leben erwecken. Das hat er versprochen und er wird es halten. Er sagt: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag.

Und was wird das für ein Leben sein? Jesus beschreibt es nicht im Detail. Er sagt nur lapidar: Kein Auge hat es gesehn, kein Ohr hat es gehört, was Gott denen Schönes bereitet, die ihn lieben. Es ist ein Leben ohne Tränen und Leid, ein Leben ohne Tod, ewiges Leben, ewige Freude. Jesus lässt Spielraum für deine Fantasie. Denke das Schönste, das du dir nur vorstellen kannst…. So – und noch viel schöner wird der Himmel sein

Lb. Gl. Auf dieses Leben freue ich mich. Und es ist mir 1000x lieber als ein Leben in einem künstlichen Körper mit aufgefrorenem Gehirn.

Also, liebe Wissenschaftler, lasst mich doch bitte sterben, damit Jesus mich auferwecken kann zu einem Leben in Fülle.

2018 Lj-B:5. Fasten-So: Wir möchten Jesus sehen

Bild: Leichentuch

Wir möchten Jesus sehen. Das wünschen sich ein paar neugierige Griechen. Da ist er.  Bild.

Ihr habt sicher vom Turiner Leichentuch gehörtDas ist jenes Tuch, in das der Leichnam Jesu eingehüllt wurde. Jesus hat Abdrücke hinterlassen auf diesem Tuch. Mit raffinierten technischen Tricks hat man es geschafft, das Angesicht Jesu fotografisch darzustellen. Da kann man sehen, wie Jesus ausgeschaut haben - könnte. Eine Freude für all jene, die den Wunsch haben, Jesus zu sehen. Und – wie schaut er aus? Schön ist er nicht. Wie halt eben ein misshandeltes und totes Gesicht aussehen kann.

Wir möchten Jesus sehen, bitten ein paar fromme Griechen Philippus. Sie kommen zu Jesus. Und welchen Jesus erleben sie? Den Wundertäter, den Strahlemann? Nein, das gerade Gegenteil. Einen Mann voller Angst. Jetzt ist meine Seele erschüttert, sagt er. Jesus sieht sein qualvolles Ende voraus. Am liebsten würde er davonlaufen. Es geht um die letzten Stunden: um seine Gefangennahme, um das Verhör, um Folterung, um seinen Kreuzweg und seinen Tod am Kreuz. Davor zittert er, davor hat er Angst. Und er fragt sich: Soll ich den Vater bitten, dass er mich verschont von dieser unmenschlichen Qual? Nein! Er will sich nicht drücken, er will den Weg gehen, der für ihn bestimmt ist. Er geht ihn, weil auch vielen anderen Menschen der Kreuz-Weg nicht erspart bleibt. Mit seinem Leidensweg stellt sich Jesus solidarisch an die Seite jedes Menschen, der leidenden und sterben muss. Viele müssen Schlimmes erleiden, körperliche und seelische Qualen und 1000 Fragen: »Wa­rum gerade ich? Warum muss ich das alles durchmachen, warum werden mir solche Schmerzen zugemutet? Was wird aus denen, die ich zurücklasse? Fra­gen über Fragen - die meist ohne Antwort bleiben. Auch Jesus wird sich gefragt haben: Warum ausgerechnet eine Kreuzigung, die schrecklichste von allen Foltern?

Seine Antwort? Ist der grenzenlose Gehorsam gegenüber seinem Vater. Vater, nicht mein Wille, dein Wille soll geschehen, so betet er vor seiner Gefangennahme am Ölberg.

Das also bekommen sie zu sehen, die Griechen, und auch wir:

Einen Jesus, der sich kein Privileg vergönnt, der den Leidensweg auf sich nimmt, um mit mir und mit dir solidarisch zu sein, wenn wir einen Leidensweg gehen müssen. Da will er uns nicht allein lassen. Denn er weiß aus eigener Erfahrung, dass die Einsamkeit jedes Leid um ein Vielfaches verschlimmert. Er selbst klagt am Kreuz: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Lb. Gl. Wir möchten Jesus sehen. Was wir sehen, das bringt der Dichter  Conrad Fer­dinand Meyer auf den Punkt im folgenden Vers: "Je länger ich's betrachte, wird die Last mir abgenommen um die Hälfte fast, denn statt des einen leiden unser zwei. Mein dorngekrönter Bruder steht mir bei." 

2018 Lj-B:4. Fasten-So: Gott hat die Welt so sehr geliebt

Martin Luther ist beinahe verzweifelt an der Frage: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Wir sind nicht Luther – Gott sei Dank. Wir sind ganz normale Christen. Und wie schaut es aus, das Leben eines ganz normalen Christen? Wir haben ein Haus, einen gemütlichen Wohlstand, wir haben eine Familie. Wir beten ab und zu, gehen für gewöhnlich am Sonntag in die Kirche. Das reicht. Die großen Existenzfragen zwicken uns nicht. Uns quält nicht die Frage: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Aber ab und zu drängt sich diese Frage doch an die Oberfläche: Reicht das für den Himmel? Ein paar Gebete und die Sonntagsmesse? Müsste da nicht viel viel mehr geschehen? Kommt derjenige, der 3 Rosenkränze täglich betet ein bisschen höher in den Himmel als jener, der ab und zu ein Stoßgebet zum Himmel schickt? Welche religiösen Leistungen muss ein Christ vollbringen, dass er in den Himmel kommt? Ja, das Leistungsdenken hat uns fest im Griff: im Alltag, im Berufsleben, sogar im Glaubensleben. Welches Minimum ist von einem Christen gefordert? Das heutige Evangelium sagt es uns: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Also: Die einzige Leistung, die ein Christ zu bringen hat: An Jesus glauben. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. An Jesus glauben ist viel mehr als nur denken: Na ja, den Jesus wird's schon geben, wie auch immer. An Jesus wirklich glauben bedeutet, diesen Jesus zum Freund machen. Ein wirklicher Freund ist nur derjenige, der sich müht, seinen Freund immer besser kennen zu lernen. Denn je mehr ich ihn kenne, umso mehr werde ich ihn lieben. Umso mehr werde ich versuchen, mein Leben in Einklang zu bringen mit ihm. Ein wirklicher Freund wird auch immer wieder fragen: Was willst du, dass ich tun soll?

Lb. Gl. Glaube ist also nicht eine tote Formel: Ich glaube an Gott. Wirklicher Glaube ist lebendige Beziehung, ist Freundschaft mit Gott. Erst dann hat die Zusage Jesu volle Gültigkeit: Wer an mich glaubt, wird gerettet, kommt in die Himmel. Mehr braucht es nicht – aber auch nicht weniger. Von unserer Sündenlast erlösen, das müssen wir nicht selber machen. Wie denn auch? Mit 1000 Bußwerken und Opfern vielleicht? Nein. Das hat Jesus für uns getan – am Kreuz. Paulus hat schon Recht, wenn er sagt: Aus Gnade seid ihr gerettet, nicht aufgrund eurer Werke. Unsere Leistung ist einzig und allein: ein lebendiger Glaube

2018 Lj-B:3. Fasten-So: Das, was bleibt – Schätze f.d. Himmel

Mit dem Aschermittwoch hat sie begonnen, die Fastenzeit. Asche, ein Symbol für Vergänglichkeit und Tod. Das wird sogar noch zelebriert: Asche auf den Kopf und dazu die düsteren Worte: Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehrst. Was soll das? Was will die Kirche damit? Uns den Spaß verderben? Gewiss nicht. Die Kirche will uns an unsere Vergänglichkeit erinnern, damit wir uns auf die Suche machen nach jenen Dingen, die bleiben, die Ewigkeitswert besitzen.

Was ist wichtig im Leben? Was bleibt von uns, wenn wir gehen?

Die meisten stellen sich diese Fragen viel zu selten. Die ehemalige Journalistin Julia Schnitzler bringt es auf den Punkt. Sie erzählt ihre Bekehrungsgeschichte. Sie sagt: Ich selbst habe früher kaum darüber nachgedacht, was wichtig ist im Leben. Ich war Journalistin bei einem Wochenmagazin. Ha­be ehrgeizig um jede Cover­geschichte gekämpft. War er­folgsverwöhnt. So wie viele berufstätige Mütter ro­tierte auch ich zwischen Job und Familie, stets mit dem schlechten Gefühl, beiden nicht wirklich gerecht zu werden. Ich steck­te tief drinnen - in meinem Hamsterrad. Vermutlich war es die Krankheit meiner klei­nen Tochter, die mich zum Nachdenken zwang. Irgendwann wurde eine innere Stimme laut, die mich an meine eigentli­che Berufung erinnerte, an mein Theo­logiestudium. Die Sehnsucht danach, mehr Tiefe und Sinn in meiner Arbeit zu erleben, wurde immer stärker. Im vergangenen Sommer kündigte ich meinen Job und begann meinen Dienst in der evangelischen Kirche. Hier lernte ich, was wirklich zählt im Leben.

Lb. Gl. So wie sie wird jeder Seelsorger fast täglich mit den grundlegenden Themen des Lebens befasst. Vor allem mit den Themen Krankheit und Tod. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Was bleibt von uns, wenn wir gehen?

Diese Frage steht im Raum bei jeder Beerdi­gung.

Im Trauergespräch erzählen die Ange­hörigen aus dem Leben des Verstorbenen. Da werden selten Belanglosigkeiten erzählt. Noch nie erzählte mir eine Witwe, wie viel Geld ihr Mann verdient, welches Auto er gefahren hatte. Und kein Witwer erzählt, welches Kleid und welcher Schmuck seiner Frau am liebsten war.

Der Theologe Albert Schweitzer sagt es treffend: „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen". Das, was uns ausmacht, sind aufrichtige Worte, die wir an­deren schenken. Zeit, die wir anderen widmen. Das Lied, das die Mutter zum Ein­schlafen singt. Das Baum­haus, das der Vater im Gar­ten errichtet. Die Umarmung des Großvaters, die jeden Kummer lindern kann. Der Rat der Großmutter, der für immer nachklingt. Das ge­meinsame Weinen mit dem besten Freund. All das ist Liebe.

Lb. Gl. Jesus empfiehlt uns heute: Sammelt euch Schätze für den Himmel, also Schätze mit Ewigkeitswert. Welche sind es denn? Das sind vor allem die geistigen Werte: Liebe, Einsatz für andere, Fürsorge, Pflege, Dankbarkeit, Treue, Verlässlichkeit, Zeit haben für andere, Zeit haben für Gott, für Gebet und Gottesdienst…

Würden wir alle ab und zu ans Sterben denken - vermutlich würden wir besser leben! Also: Bedenke, Mensch dass du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehrst.

2018 Lj-B: 1. Fasten-So: Teufel - Versuchung

Der Teufel führt Jesus in Versuchung. Der getraut sich was. Welche Chance hat er denn? Schafft er es, Jesu zu verführen? Schafft er es, dass Jesus einen Ehebruch begeht oder gar einen Mord?

Nein! Das probiert er gar nicht. Wo er eine Chance sieht, ist die Berufung Jesu. Die Berufung, den Menschen die Frohbotschaft zu verkünden. Jesus hat voraus gewusst, dass dies kein Honiglecken wird. Seine Berufung wird ihm viele Feinde schaffen. Und schlussendlich wird das Ganze ein schreckliches Ende nehmen – am Kreuz. Dennoch: Jesus geht seinen Weg, unbeirrt, bis ans Kreuz. Nein, bei Jesus hat er keine Chance, der Teufel.

Die Frage ist: Wie stehen seine Chancen bei uns?

Seine Verführungskünste sind unerschöpflich. Er versucht es nicht mit Gewalt, sondern mit List. Unauffällig und schmeichelhaft. Unter Versuchung stellen wir uns meist die großen Kaliber vor: Ehebruch und Mord. Nun, auch das gelingt dem Teufel – oft genug. Die kleinen alltäglichen Verführungskünste sind aber auch nicht zu unterschätzen, und ihre Folgen sind alles andere als ein Klacks. Wer denkt bei der 1. Zigarette schon daran, dass er mit 50 an Lungenkrebs sterben wird? Wer denkt beim ersten Rausch gleich an Leberzirrhose und an Herzinfarkt? Wer denkt bei einer gierig verschlungenen Schokoladetafel daran, dass er sich irgendwann ein Übergewicht einhandeln wird mit schwerwiegenden Folgen: mit Bluthochdruck und Schlaganfall? Wer denkt als Kind daran, dass es ihm schaden könnte, wenn er von seinen Eltern verwöhnt wird, wenn er auf gar nichts verzichten muss? Der Sprössling genießt es. Und irgendwann wird aus dem verwöhnten Kind ein Haustyrann, ein Egoist, der nur um sein eigenes Ego tanzt. Ein Mensch mit Null Einfühlungsvermögen, mit Null Rücksicht. Wer denkt bei dem Smartphone, das unter dem Christbaum liegt, wer denkt da schon daran, dass dieses Gerät zur Sucht werden kann, wenn man keine Selbstdisziplin hat.

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind Handy-süchtig. Es sind beinahe 10%. Psychologen schlagen Alarm. Stunden verbringen sie mit diesem Ding, vernachlässigen das Lernen, ihre Familie, sogar die besten Freunde. Einen Facebook-Freund kann man nicht umarmen. Er stiehlt nur kostbare Zeit. Zu Beginn meint man immer: Ist das aber cool! Das meint man so lange, bis man in einer Misere landet, körperlich oder seelisch. Sucht kommt immer aus einer inneren Leere. Diese Leere kann nicht mit Suchtmitteln ausgefüllt werden, sondern nur mit einer lebendigen herzlichen Beziehung zu anderen Menschen und zu Gott.

Fastenzeit. Ist die Kirche eine Spaßverderberin mit ihrer Fastenzeit? Im Gegenteil. Sie will, so wie Jesus, dass wir Freude in Fülle haben. Freude gibt es aber nicht ohne Vernunft, nicht ohne ein gesundes Mittelmaß, nicht ohne Disziplin, nicht ohne Verzicht. Das ist die Botschaft der Fastenzeit: Wir müssen uns nicht quälen und kasteien. Müssen nicht verzichten, bis uns die Luft wegbleibt.

Lb. Gl. Die Kirche will uns einfach nur die Augen öffnen für das, was uns schadet. Der Teufel schläft nicht. Aber, ein Feind, dessen Schliche man kennt, ist nur noch halb gefährlich.

2018 Lj-B: 6. So: Aussätzige, damals und heute

 

Sie haben alles falsch gemacht, beide: der Aussätzige und Jesus. Beide pfeifen sie auf die Vorschriften. Auf die Weisungen, die die Gesunden schützen sollten vor Ansteckung. Aussatz ist ja kein harmloser Schnupfen, sondern eine tödliche, höchst  ansteckende Krankheit. Der Aussätzige hätte nach dem Gesetz Distanz halten, hätte schon von weitem schreien müssen: Ich bin unrein. Nein, er kommt zu Jesus heran und bittet: Mache mich rein. Und Jesus? Der hätte ihn zum Teufel schicken müssen. Macht er nicht. Er berührt ihn sogar. Jesus hätte eine Fern-Heilung machen können. Das hat er oft genug getan. Nein, er berührt den Aussätzigen. Sie machen alles falsch – und trotzdem: der Aussätzige wird gesund. Man sollte jetzt nicht den Schluss ziehen: Mein Gott, sind diese Gesetze dumm. Die Gesetze waren nicht dumm. Sie haben die Ausbreitung einer Seuche verhindert. Diese Gesetze zu brechen, kann sich nur leisten, wer unverschämt ist, oder eben der Herr des Lebens, der Herr über Leben und Tod, der Herr über Krankheit und Leid. Aber ein völlig gesetzloser Mensch ist Jesus auch wieder nicht. Immerhin schickt er den Aussätzigen zum Priester. Die Priester waren die oberste Gesundheitsbehörde. Sie allein waren befugt,  einen Aussatz festzustellen und dann die Isolation des Kranken zu verfügen. Sie allein konnten einen Geheilten für gesund erklären. Erst dann war der Aussätzige gesellschaftsfähig.

Schön, dass der arme Kerl von seinem Übel befreit worden ist. Aber da ist ja viel viel mehr passiert. Jesus macht keine Fernheilung, er berührt den Kranken. Da ist Zärtlichkeit im Spiel und nicht einfach nur Therapie. Die Zärtlichkeit sagt dem Kranken: du bist wertvoll, ich mag dich. Diese Geste hat er dringend gebraucht, um ganz gesund zu werden, gesund an Leib und Seele. Denn ein Aussatz macht ja nicht nur den Körper kaputt, sondern auch jedes Selbstwertgefühl.

Eine berührende Geschichte.

Nun, der Aussatz ist für uns kein Problem. Den gibt es bei uns nicht. Was es aber gibt, jede Menge Menschen, die sich fühlen, oder die behandelt werden, als hätten sie den Aussatz: von allen verachtet, in der Gemeinschaft nicht erwünscht. Menschen, die uns auf die Nerven gehen, die lästig sind. Menschen, die eine ekelerregende Krankheit haben, Beeinträchtigte, Süchtige, Ausländer, Alte Menschen; ungeliebte Kinder, ungeliebte Jugendliche, ungeliebte Erwachsene, die gemobbt und ausgegrenzt werden im Kindergarten, in der Schule, im Betrieb. Da ist unser Mitgefühl gefragt, unsere Zivilcourage. Dass wir einschreiten: Lass ihn doch. Der hat dir überhaupt nichts getan!

Lb. Gl. Da steht im heutigen Evangelium der Hilferuf des Aussätzigen: Wenn du willst, kannst du mich heilen. Dieser Ruf ist nicht nur an Jesus gerichtet, sondern an uns alle! Auch durch uns kann Heil geschehen, wenn wir nur wollen. Ich brauche kein Doktor zu sein. Ich kann manches heilen nur durch mein Da-Sein, durch mein Annehmen, mein Zuhören, durch ein aufbauendes gutes Wort, oder eine positive Geste, die dem Ausgegrenzten sagt: Ich mag dich! Du gehörst dazu.

2018 Lj-B: 5. So: Jesus, Arzt und Apotheker

Jetzt hat sie wieder Hochsaison, die Grippe. Viele liegen im Bett mit Kopfweh und Fieber. Die Wartesäle der Ärzte sind übervoll. Wäre schön, wenn Jesus kurz vorbeikäme, um sie zu heilen, wie die Schwiegermutter des Petrus. Das spielt es leider nicht. Kranke heilen, das hat Jesus seinen Jüngern übertragen, vor allem den 72 anderen Jüngern. Das sind heute die Ärzte und Pflegepersonen. Hat Jesus als Arzt heute ausgedient? Keinesfalls. Er ist und bleibt der Oberprimar. Er ist zuständig für das Herz und für den Kopf, also für unsere Lebenseinstellung. Und die ist ganz entscheidend für unsere Gesundheit.

Es gibt da ein nettes Bild: Jesus, der Arzt und Apotheker. Bild

Da ist ein Ladentisch, Dosen und Flaschen darauf. Und verschiedene Aufschriften. Da steht: Glaube, Hoffnung,  Liebe, Geduld, Vertrauen, Trost und Vernunft...

Jesus wirkt auch heute seine Wunder, große und kleine. Wenn eine Krankheit den Menschen zur Vernunft bringt, ist das schon ein kleines Wunder. Wenn er kapiert: Es geht nicht ohne Disziplin! Ich muss umstellen auf gesunde Ess- und Lebensgewohnheiten. Übertreibungen vermeiden beim Essen und Trinken: nicht zu viel, auch nicht zu wenig, nicht zu heiß, nicht zu kalt, nicht zu fett und nicht zu süß – genügend Bewegung und genügend Ruhe und Schlaf. Das ist schon die halbe Miete für ein gesundes Leben.

Jesus will außerdem unsere Einstellung zu den Kranken heilen.

Wir dürfen nicht vergessen: Wie Jesus mit den Kranken umgeht, war für die damalige Zeit eher ungewöhnlich.

Kranke, körperlich und geistig Beeinträchtigte galten vielfach als Außenseiter, für die man sich schämt, die man am besten wegsperrt. Für Jesus aber sind das Men­schen, denen eine besondere Zuwendung gebührt. Sein Beispiel hat Schule gemacht. Seine Einstellung zu den Kranken haben die Jünger übernommen. In der Apostelgeschichte und den Apostelbriefen hören wir davon.

Der Apostel Jakobus empfiehlt ausdrücklich das Gebet für die Kranken. Daraus hat sich schließlich das Sakrament der Krankensalbung entwickelt.

Gerade die Sorge um die Kranken war ein Merkmal, das die ersten Christen von den Nichtchristen deutlich unterschied.

Wenn wir unseren Kranken einfühlsam behandeln,  können sie mit ihrer Krankheit leben und einen Weg finden, damit umzugehen. Heilung bedeutet ja nicht nur das Freisein von Schmerzen und Gebrechen, sondern auch: mit einer Krankheit leben zu können, wenn sie nicht heilbar ist. Dazu braucht es allerdings auch das richtige Umfeld und eine Atmosphäre, die dem Kranken hilft, seine Situation anzunehmen.                                                                          In der heutigen Heilungsgeschichte finden wir einen wichtigen Impuls. Da ist die kranke Schwiegermutter. Und es sind Menschen im Hintergrund, die „einfach da" sind, die selbstverständlich für sie sorgen. Wir wissen, wie gut es tut, wenn in schwierigen Situationen jemand in Rufweite ist, dem man vertrau­en kann, der zuhört, der Handgriffe übernimmt, die man als Kranker nicht mehr leisten kann. Wenn jemand da ist, der Hoffnung und Zuversicht weckt, der zuredet, der mit dem Kranken betet, der zu ihm hält und ihn begleitet, auch wenn er auf die Nerven geht.

Lb. Gl. In Sachen Heilung und Krankenpflege geschieht unendlich viel: in den Fami­lien, unter Nachbarn, im Bekanntenkreis und auch in unseren Krankenhäusern und Heimen. Allen, die in der Heilung und Krankenpflege tätig sind, sage ich an dieser Stelle ein großes Vergelt's Gott.

2018 Lj-B: 4. So: Gott gefallen (2. Lesung!)

N. (Lektor), kann es sein, dass jemand den Kopf geschüttelt hat, als du die Lesung vorgelesen hast? Da werden die Unverheirateten in den Himmel gehoben. Nur sie sorgen sich um die Sache des Herrn. Die Verheirateten hingegen haben nur weltliche Dinge im Kopf. Da will der Mann der Frau gefallen und die Frau dem Mann. Ist der gute Paulus familienfeindlich? Gewiss nicht. Seine Gewichtung wird verständlich, wenn man weiß: Paulus ist im Stress. Er rechnet mit der baldigen Wiederkunft des Herrn, mit dem Ende der Welt. Also gibt es für ihn nichts wichtigeres, als sich ganz auf den Herrn auszurichten. Nun, die Welt steht heute noch. Und der Herr ist auch heute noch wichtig. Aber die Beziehung zu Gott wird ein unverheirateter Mönch anders pflegen als ein verheiratetes Paar mit Kindern. Das darf und soll auch so sein. Ein Mönch, den keine finanziellen Sorgen plagen, hat auch mehr Zeit für Gott als berufstätige Eheleute. Und man sollte auch nicht meinen, dass die Mönche allesamt ein gottgefälliges Leben führen. Von wegen: Der Unverheiratete sorgt sich nur um die Sache des Herrn. Es gibt in den Klöstern Leute genug, die sehr weltlich leben. Ich habe größte Hochachtung vor allen Vätern und Müttern, die hart arbeiten, dass es der Familie gut geht. Die sich durchkämpfen mit all den finanziellen Sorgen und besonders den Sorgen um die richtige Erziehung der Kinder. Wenn sie diesen Dienst gewissenhaft machen, dann sind das in meinen Augen jene Menschen, die dem Herrn gefallen.

Dem Herrn gefallen, das gilt für alle, ob verheiratet, ledig oder zölibatär. Aber die „rechte Weise" kann ganz unterschiedlich aussehen. Während ich im Kloster alle Zeit der Welt habe für Gebet und Meditation, machen sich berufstätige Eltern schon in aller Frühe auf, für die Familie das Frühstück zu bereiten, die Kinder für die Schule fertigzu­machen, sich selbst für ihre Arbeitsstelle herzurichten. Ihre Art, dem Herrn zu gefallen wäre etwa, ihren Kindern ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen, ein kurzes Stoßgebet zum Himmel zu schicken - und dann: Ab in den All­tag! Und wenn sie dort sich bemühen, ihren Mitmenschen herzlich zu begegnen und all die Nervensägen geduldig zu ertragen, dann wäre das ihre „rechte Weise", dem Herrn zu gefallen.

Und wenn der Ledige seine überschüssige Zeit und Kraft nicht nur vor dem Fernseher und für ein sinnloses Hobby vergeudet,

sondern wenn er sich fragt: Wie und wo kann ich meine Kräfte und Talente sinnvoll einsetzen – vielleicht in einem ehrenamtlichen Dienst - dann wäre das eine Möglichkeit, dem Herrn zu gefallen.

Lb. Gl. Eines ist für alle zu empfehlen, egal aus welchem Alltag sie kommen: Am Abend vor Gott innehalten und sich bewusst in die Nähe Gottes begeben. Ich könnte ihm sagen: Hier bin ich, Herr, ich gehöre zu dir. Ich lege dir alles hin, was in mir ist - Dankbarkeit, Freude, Ärger, Erfolg, Enttäuschung. Oder ich sage ihm einfach nur: Lieber Gott, das war's, mein Tag, mein Leben! Danke, dass du mich begleitet hast. Der liebe Gott braucht nicht lange Gebete, auch nicht großartige Leistungen und Opfer. Er sucht die Beziehung zu mir, damit er mich beschenken kann mit dem, was mir gut tut: mit seiner Nähe und Geborgenheit,  mit seiner Kraft und Lebensweisheit. Das anzunehmen, das ist es, was dem Herrn gefällt.

2018 Lj-B: 3. So: Menschenfischer

 

Ich werde euch zu Menschenfischern machen, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Menschenfischer! Wie das klingt. Das würde er heute gewiss nicht mehr sagen. Zu negativ besetzt ist dieses Wort. Fast jeden Tag lesen wir die Warnung: Nehmt euch in Acht vor dem phishing! Gib niemals persönliche Daten an Unbekannte weiter. Schneller als du schauen kannst ist dein Konto leer-geplündert. Es gibt Menschenfänger, die die Blauäugigkeit mancher Leute schamlos ausnützen.

Ist Jesus auch so einer? Da holt er junge Männer weg von ihrem Job. Von einem Job, von dem man locker leben kann, eine sichere Existenz für die ganze Familie. Und siehe da, die blauäugigen Jünger hängen ihre Netze an den Nagel und wagen sich in eine ungewisse Zukunft. Sie laufen einem Rabbi nach, der von sich selber sagt: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. Also keine rosigen Aussichten. Nichts mit Wohlstand und Wellness. Und die Jünger? Sie gehen drauflos. Nach 3 Jahren, kurz vor seinem Sterben, fragt er sie: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein! Sie haben nichts verloren. Sie haben alles gewonnen, Leben in Fülle.

Lb. Gl. Heute spricht er zu uns, zu jedem von uns: Komm und folge mir nach. Ich werde dich zu einem Menschenfischer machen. Wir müssen keine Angst haben. Jesus ist kein Menschenfänger. Ob ein Fischer es gut meint mit den Fischen, erkennt man an seinem Fanggerät. Man kann Fische fangen mit einer Angel. Aua, das tut weh. Beim Menschenfang ist es ebenso. Wenn ich von jemandem geangelt, hereingelegt werde, das tut weh. Ich kann Menschen aber auch gewinnen mit Herz, auf faire Art, indem ich ein faires Angebot mache und Klartext rede: Das ist deine Aufgabe und dafür bekommst du deinen Teil.

Lb. Gl. In einer Pfarre heißt es immer wieder, Mitarbeiter anzuwerben - für den Pfarrgemeinderat, für den Kirchenrat, für einen Chor, für alle möglichen ehrenamtlichen Dienste. Auch wenn sie keinen Lohn dafür fordern, so steht ihnen doch eine Belohnung zu, wenn schon nicht materiell, so doch wenigstens ideell: Dass sie wenigstens ein Stück Heimat und Wärme finden in der Pfarre, dass sie sich wohlfühlen in der Gruppe, dass sie Freude und Erfüllung finden in einer sinnvollen Tätigkeit, dass sie dabei auch Erfolg erleben dürfen, und - dass sie gebührend bedankt werden. Wenn sie nur angeheuert, nur gebraucht oder gar nur ausgenützt werden, dann ist das einfach unfair, und unklug obendrein. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn die besten Mitarbeiter sich wieder aus dem Staub machen.

Lb. Gl. Sich für Gott und für die Mitmenschen einsetzen - Jesu sagt, dass wir das nicht umsonst machen müssen. Wer mir nachfolgt, wird das 100-fache dafür erhalten, nämlich tiefe innere

Erfüllung und jede Menge Glückshormone - und das ewige Leben noch dazu. Ich darf stellvertretend für Jesus ein großes Vergelt's Gott sagen allen, die sich einsetzen, die irgendeinen Dienst tun in der Pfarre und im Kloster oder in der Stadt- und Dorfgemeinde. 

2018 Lj-B: 2. So: Meister, wo wohnst du?

 

Warst du schon im Hl. Land? Tausende pilgern jedes Jahr dorthin. Sie wollen mit eigenen Augen sehen, wo Jesus gelebt hat. Wollen sehen, wo er geboren und aufgewachsen ist, wo er gepredigt und Wunder gewirkt hat und wo er gestorben und auferstanden ist. Es ist ihnen wichtig, Jesus und sein Umfeld besser zu kennen. Genau dasselbe wollen die beiden Johannes-Jünger. Meister, wo wohnst du? Sie bleiben den ganzen Tag und hören ihm zu. Schließlich bleien sie für immer bei ihm, werden seine Jünger. Das ist unfassbar, dass man für einen Rabbi, den man gar nicht richtig kennt, den Beruf an den Nagel hängt und sein Jünger wird. Welche Sympathie, welche Glaubwürdigkeit muss er ausgestrahlt haben. Es war offenbar Liebe auf den ersten Blick. Meister, wo wohnst du? Die Beiden wollen mehr von ihm wissen, wollen sogar mit ihm leben. Das ist es, was einen echten Jünger ausmacht. Das gilt auch für jeden Christen. Man kann nur lieben, was man kennt. Wer ein Christ sein will, muss zunächst Christus kennen lernen. Dazu müssen wir nicht ins Hl. Land. Die heiligen Stätten können nach 2000 Jahren nicht mehr wirklich zeigen, wo er gelebt hat. Das ist auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist: Wie er gelebt und was er gepredigt hat. Um das zu erfahren, braucht es keinen Flug ins Hl. Land. Es braucht nur einen Schritt – hin zum Bücherregal und einen Griff - zur Hl. Schrift. Hier finde ich, wie er gelebt und was er gepredigt hat. Je mehr ich darin lese, desto mehr lerne ich ihn kennen, desto mehr werde ich ihn lieben. Wie er den Menschen begegnet ist, mit welcher Aufmerksamkeit und Herzlichkeit, das ist einfach ansteckend sympathisch. Das möchte man nachahmen, so gut es geht. Das möchte man sogar leben und an die Kinder weitergeben. Sobald das einer will und auch wirklich tut, ist er bereits ein Jünger Jesu, auch ohne Studium und ohne Priesterweihe.

Lb. Gl. Wenn wir zu Jesus kommen, um ihn kennenzulernen, wird er auch zu uns sagen: Komm und sieh! Sieh nach in meinem Buch. Der gescheite Augustinus gibt einige Tipps dazu. Auch er meint: Nimm und lies! Und wenn du nicht auf Anhieb alles verstehst, so lies dennoch und kaue die Sätze langsam und wiederholend durch - wie die Kuh das Gras. Das klingt ein bisschen witzig. Diese Methode hat sich bewährt. Sie ist in der Spiritualität zu einem fixen Begriff geworden. Sie heißt „ruminatio", „Wiederkäuen". Das Futter des Wortes Gottes wird erst wirksam durch häufiges Wiederkäuen. Einmal lesen und das Buch kopfschüttelnd beiseitelegen, bringt gar nichts. Übrigens: Die Hl. Messe ist nicht der schlechteste Ort, Jesus besser kennen zu lernen und ihm ganz nahe zu sein. Hier bekomme ich jedes Mal einen Kleinen Happen des Wortes Gottes und eine Erklärung noch dazu. Hier kommt Jesus selbst zu mir in der hl. Kommunion. Da kann ich seine Nähe spüren - bis unter die Haut. 

2018 Lj-B: Taufe Jesu

1. Lesung

Ein Priester zelebriert im Laufe eines Jahres viele Feiern. Da gibt es Wochentagsmessen und Sonntagsmessen. Da gibt es Hochzeiten und Beerdigungen und die große Feste, wie Weihnachten und Ostern. Wenn jetzt einer hergeht und mich fragt: Was sind für dich die schönsten und berührendsten Feiern?, da muss ich nicht lange überlegen. Die Taufe ist es, egal, ob mit oder ohne Musik. Warum gerade diese Wahl? Die Taufe ist das Grundsakrament des Christen. Ohne dieses Sakrament gibt es kein anderes. Und es ist im Grunde unfassbar, was da geschieht, auch wenn der kleine Winzling überhaupt nichts mitbekommt. Nach der Taufe fragen die meisten Eltern in der Sakristei: P. Raimund, was sind wir schuldig? Ich sage: Nichts! Die Taufe ist für mich ein Liebesdienst. Und Liebesdienste sind unbezahlbar. Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass da der Gedanke aufkommt: Eine Taufe könne man kaufen. Mit allem Gold der Welt kann man nicht bezahlen, was in der Taufe passiert. Gott sagt zu mir das Gleiche wie zu seinem Sohn Jesus bei seiner Taufe: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Weißt du, was das heißt: Du bist Kind Gottes. Du bekommst sogar einen göttlichen Namen, nein nicht nur einen, es sind drei. Du wirst getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

Der Prophet Jesaja deutet es in der heutigen Lesung an, was Gott bereit ist zu geben: Alles, was wir zum Leben brauchen. Auch er gibt es ohne Bezahlung. Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst. Kommt und kauft ohne Bezahlung!

Lb. Gl. Welche Zukunft haben wir? Das fragen wir uns immer wieder, besonders am Beginn eines Neuen Jahres und bei jeder Taufe. Der große Theologe Karl Rahner meint: "Unsere Herkunft ist unsere Zukunft".

Wie Recht er doch hat. Unsere Zukunft wird davon abhängen, auf welche Herkunft wir uns besinnen. Von wem stammen wir letztlich ab?

Von Adam und Eva, von unseren Eltern, von schwachen sündigen Menschen, oder von Gott? Wenn wir nur auf unsere Stammeltern schauen, wird unsere Zukunft nicht besonders rosig werden. Wer sich nur auf die Herkunft von seinen Stammeltern besinnt, sollte auch ihre Geschichte lesen, gleich auf den ersten Seiten der Bibel. Und dann weiß er, was ihm blüht. Es ist alles andere als ein gelungenes glückliches Leben. Sie haben vom verbotenen Baum gegessen. Also: Ungehorsam gegen Gott. Die Folge: Vertreibung aus dem Paradies. Und ihre Kinder sind nicht besser. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Düstere Aussichten! Die Spielregeln der Natur sind alles andere als gnädig. Hier gilt das Recht des Stärkeren, ebenso wie im Tierreich. Der Schwache wird gefressen. Und der Starke nimmt sich alles, was er will: Hab und Gut und die Frau des andern.

Wer sich aber auf seine Herkunft von Gott besinnt, begibt sich in eine andere Verwandtschaft, auf ein anderes Niveau. Da herrschen andere Sitten und Spielregeln. Nicht das Recht des Stärkeren, sondern Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Geduld, Rücksicht auf den anderen,  Treue und Verlässlichkeit, Verzeihung... Wer sich auf Gott besinnt, baut an einer guten Zukunft, an einer Zukunft, die einen Hauch von Paradies aufleuchten lässt.

Lb. Gl. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt eine alte Volksweisheit. Denkst du daran, wenigstens ab und zu, von wem du stammst, welche Würde du hast? Du bist ein Kind Gottes? Versuche also, wie ein Kind Gottes zu leben.

2018 Lj-B: Dreikönig

Bild: Wegweiser+Stern?

Es gibt die unterschiedlichsten Wegweiser. Wir finden sie in der Natur. Sie zeigen um uns den Weg zu einer Almhütte. Wir finden sie auf der Dorfstraße ebenso wie auf der Autobahn und in der Großstadt. Manchmal richtig schwierig, sich in diesem Schilderwald zurechtzufinden. Viele Autofahrer behelfen sich mit einem Navi, ein praktisches  Gerät. Ganz einfach: Start- und Zielort eingeben und schon übernimmt eine freundliche Stimme das Kommando, zeigt die richtige Ausfahrt und schließlich das Ziel. Gesteuert wird das Ding von einem technischen Stern am Himmel, von einem Satelliten. Toll, nicht wahr? Was wir heute als technische Errungenschaft preisen, hat der liebe Gott vor 2000 Jahren schon praktiziert. Mit einem Stern am Himmel führt er die Weisen aus dem Osten zum Jesuskind. Am Start-Ort war er aufgegangen, über dem Stall von Betlehem blieb er stehen. Hat funktioniert, ganz ohne Navi. Alles Weitere macht dann Jesus selbst. Dass nämlich diese heidnischen Sterndeuter gläubig werden und die ersten Missionare in ihrem Land. Das war die entscheidende Wegweisung für sie.

Lb. Gl. Heute wollen wir uns zurückerinnern, wer für uns Wegweiser war, dass wir Jesus und zum Glauben gefunden haben. Für mich waren das zuallererst Vater und Mutter, Christen mit einem bodenständigen Glauben. Dieser Glaube hat sie geführt und getragen in guten und bösen Tagen. Sie haben ihren Glauben als hilfreich erlebt, als Geschenk, als Kraftquelle und Wegweisung. Dieses Geschenk wollten sie weitergeben an all ihre 11 Kinder. Sie haben jedes Kind in einen Buckelkorb gebettet und zur Taufe getragen, den langen Kirchweg von einer geschlagenen Stunde. Die Eltern haben mich beten gelehrt und mir die wichtigsten moralischen Spielregeln beigebracht. Die nächsten Wegweiser waren meine Lehrerin in der VS und der Pfarrer. Die Beiden haben auf dem Fundament der Eltern weitergebaut, das ergänzt, was die einfachen Eltern nicht wissen konnten. Die Lehrpersonen am Gymnasium und an der Hochschulde haben schließlich die Weichen gestellt zu meinem Priesterberuf. Ohne diese Wegweiser stünde ich jetzt nicht hier. Heut ist mein wichtigster Wegweiser die Hl. Schrift. Jeden Tag lese und bete ich darin. Hier begegne ich dem Jesus-Kind, und vor allem auch dem Messias, dem großen Prediger und lerne von ihm. Hier in der Kirche begegne ich dem Erlöser im Wort der Hl. Schrift und in den Sakramenten, besonders im Sakrament der Beichte und der Hl. Messe.

Lb. Gl. Ich denke, bei euch wird es nicht viel anders sein. Die Wegweiser sind im Wesentlichen die Gleichen: Die Eltern, Lehrpersonen und Erzieher, Priester, die Hl. Schrift und die Sakramente. Sie sind ein Stern von Betlehem, der uns zu Jesus führt. Ihnen bin ich unendlich dankbar. Und alle, die zum Glauben gefunden haben und diesen Glauben auch leben, sind mindestens genauso weise wie die Weisen aus dem Osten.

2018 Lj-B: Neujahr – Mit einem Segen beginnen

Ich bin nun schon einige Jährchen auf der Welt und habe vieles vergessen aus meiner Kindheit. Eines jedoch vergesse ich nie, und es fährt mich warm an, wann immer ich daran denke: Mein Schulweg war eine geschlagene Stunde lang. Bevor ich mich aufmachte, hat meine Mutter Weihwasser genommen und mich gesegnet. Ich hatte dann ein gutes Gefühl: Was kann mir schon passieren?

Lb. Gl. Heute haben wir uns auf gemacht – in ein neues Jahr. Und wir wissen: Da kann sehr viel passieren. Irgendwie ein komisches Gefühl. Es kann mir Gutes passieren aber auch weniger Gutes. In diese Ungewissheit hinein tut es gut, wenn wir etwas mitbekommen, das uns Kraft und Sicherheit gibt. Was ist es denn? Am Anfang steht der Segen.

Echter Segen bedeutet, dass ich spüre, dass ich ein geliebter Mensch bin - und zwar nicht deshalb geliebt, weil ich so nett bin, so schlau, so hilfsbereit, so schön, oder weil ich irgendetwas so gut kann. Segen bedeutet: ich spüre, ich bin geliebt »ohne Wenn und Aber«. Geliebt, einfach so. Das ist echter Segen.

Im Lateinischen heißt segnen »benedicere«. Das heißt: »Gutes sagen«. Ich spüre immer wieder im Leben, wie wichtig es ist, dass andere Gutes über mich sagen, und dass ich Gutes über andere sage. Wir alle brauchen das. Am Anfang steht der Segen

Ich erinnere mich gut an den Moment, als Papst Franziskus nach seiner Wahl am Petersplatz zum ersten Mal vor die Menschen trat. Nachdem er ein paar freundliche Worte der Begrüßung gesprochen hatte, sollte eigentlich der erste päpstliche Segen kommen. Nein! Papst Franziskus hat zu den Menschen in Rom und in aller Welt gesagt: »Bevor ich euch segne, möchte ich, dass ihr mich segnet.« Es war im offensichtlich ein Anlie­gen, das neue Amt nicht nur im Vertrauen auf seine Ta­lente und Fähigkeiten zu beginnen, er wollte und konnte es nur tun als geliebter und gesegneter Mensch.

Am Anfang steht der Segen.

Und so beginnen auch wir das Neue Jahr mit dem Segen Gottes, und zwar mit dem schönen alten Segen, den schon der Priester Aaron über die Israeliten gesprochen hat: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir sein Heil.« (Num 6,24-26)

Diese Segensformel stellt klar: Nicht der Mensch verfügt über die Segenskraft, sondern einzig und allein der liebe Gott. Wir stellen uns bewusst unter Gottes Schutz und vertrauen uns ihm an. Das entlastet. Wir müssen nicht alles selber machen. Wenn wir uns segnen lassen, dann brin­gen wir Gott ins Spiel, geben ihm die Möglichkeit zu wirken, geben ihm Raum und Zeit in unserem Leben. Der Segen Aarons enthält eine berührende Zusage: Gott wendet sich uns zu. Er lässt sein Angesicht über uns leuchten. Das heißt: Gott schaut uns an, voller Wohlwollen und Liebe, voller Aufmerksamkeit. Es tut gut zu wissen: Jemand schaut auf mich und denkt an mich. Und es ist schön, wenn uns das jemand direkt sagt: Eine Mutter ruft es ihrer Tochter nach, wenn sie in die Schule geht: Du, ich denk' an dich. Am Te­lefon verabschiedet sich der Mann von seiner Frau:  Du, ich denk' an dich. Mit diesen Worten schließt der Freund seinen Brief an seine Freundin. Du, ich denk' an dich! Wir sagen dies nicht nur. Wir wissen, dass solche positive Gedanken auch ihre Wir­kung haben. So dürfen wir auch den Segen Gottes verstehen. Im Segen sagt Gott zu uns: Du, ich denk' an dich!

2017 Lj-B: Hl. Familie - Erziehung

Die Hl. Familie wird uns heute als Vorbild hingestellt. Wollen wir das überhaupt, eine heilige Familie? Eher wohl eine glückliche Familie. Wenn das nur so einfach wäre. Hürden für eine glückliche Familie gibt es mehr als genug. Da ist einmal die Partnerschaft von Mann und Frau. Schwierig, erst recht, wenn die beiden grundverschieden sind. Da heißt es, sich zusammenzuraufen – ein ganzes langes Leben lang. Das kostet jede Menge Geduld, Einfühlungsvermögen und 1000-mal verzeihen.

Die 2. Hürde für eine glückliche Familie: Die Erziehung der Kinder. Mein Gott, was hat es da schon alles gegeben an Vorschlägen und Tipps, so gegensätzlich, wie es extremer nicht geht. In meiner Kindheit wurde das autoritäre Erziehungskonzept praktiziert. Da hat man den Kindern die religiösen und zwischenmenschlichen Spielregeln eingebläut mit allen möglichen Mitteln, wenn es sein musste mit Ohrfeigen und Gewalt. Dann schlug das Pendel ins Gegenteil um. Die anti-autoritäre Erziehung wurde als die einzig richtige Methode gepriesen. Was heißt das: Das Kind soll tun, was es will. Es soll durch Fehler selber entdecken, was nützlich und schädlich ist. Die Früchte, bzw. die Früchtchen dieser Erziehung waren ein Horror für jeden Lehrer und für jeden Chef. Denn Gehorsam war für diese Kinder und Jugendlichen ein spanisches Dorf.

Auch heute sind manche Eltern unsicher. Sie wollen modern sein und sagen sich: Wir möchten den Kindern nicht zu viele Vorgaben machen. Nun, bei aller Wertschätzung des freien Willens der Kinder, ist doch zu bedenken: eine „neutrale, eine wertfreie Erziehung", gibt es die überhaupt, und ist sie denn nützlich für das Kind? Eltern sind die ersten Erziehungsberechtigten. Sie haben das Recht und die Pflicht zur Er­ziehung. Es ist Plicht der Eltern ist, ihren Kindern zu geben, was gesund und nützlich ist: zunächst einmal gesunde Ernährung, gesunde Wohnung, gesunde Kleidung. Da müssen sie nicht nachfragen, ob die Kinder das wollen.

Dasselbe gilt von den geistigen Werten, vom sozialen Verhalten, von Glaube und Moral. Die moralischen Grundregeln den Kindern beizubringen, ist heute wichtiger denn je. Das wird auch von Psychologen und Therapeuten immer eindringlicher gefordert. Es ist noch nicht lange her. Ein 12-Jähriger vergewaltigt ein Kind. Bestraft kann er nicht werden, da er noch nicht strafmündig ist. Aber er wird behandelt, von einem Psychologen. Und was macht der Psychologe? Das hat er in einem Interview gesagt. Er muss mit dem Ein-mal-eins beginnen, mit dem moralischen Ein-mal-eins. Er sagt: Viele Kinder und Kids haben keine Ahnung mehr von den einfachsten Grundwerten. Kein Gespür mehr dafür, was gut ist und was schlecht. Sie wissen nicht, dass ihre Freiheit dort aufhört, wo andere belästigt oder verletzt werden. Sie haben keine Ahnung von der goldenen Regel: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu"(Mt 7,12).

Lb. Gl. Moralunterricht, das ist die Aufgabe der Priester, der Religions-Lehrer, vor allem aber Aufgabe der Eltern und Erzieher und eigentlich nicht die Aufgabe der Psychologen. Die müssen dann die Lückenbüßer sein, wenn Erziehungsaufgaben vernachlässigt werden. Heilig muss sie nicht sein, unsere Familie. Es ist schon viel, wenn sie einigermaßen glücklich ist. Und zu einer glücklichen Familie gehört nun einmal, dass alle Glieder sich an gewisse Spielregeln halten. 

2017 Lj-B: Hl. Stephanus „Ich sehe den Himmel offen"

Bild: Hl. Stephanus

Das Fest des heiligen Stephanus stört. Es platzt brutal in unsere Weihnachtsidylle. Eben noch haben wir das „Fest des Friedens" gefei­ert, sind noch ganz berührt vom Christbaum und vom holden Knaben in lockigem Haar. Einen Tag später schon erzählen die Lesungen von Gewalt, Blut, Martyrium und Tod. Die Kirche mutet uns das zu, heute am Fest des ersten Märtyrers. Denn wir können Weih­nachten in seiner ganzen Tiefe nicht verstehen, wenn wir bloß ein „Heile-Welt-Festival" daraus machen. Christus wird gerade nicht in einer heilen Welt geboren. Mitten in diese Welt voller Leid, Gewalt, Unterdrückung und Unfrieden kommt Gott! Krippe und Kreuz gehören untrennbar zusammen. Das ist die Botschaft der Heiligen Nacht: Dort, wo es am dunkelsten ist, in der tiefsten Nacht wird Gott geboren. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir leben nicht in einer heilen Welt. Ste­phanus will uns die Augen öffnen auf die Welt, wie sie nun einmal ist. Dazu gehört auch, dass Menschen um ihres Glaubens wil­len verfolgt werden. Damals Stephanus, heute unzählige andere. Christenverfolgungen haben heute ein Ausmaß erreicht wie in keiner anderen Epoche. Nicht einmal in den schlimmsten Zeiten des römischen Kaiserreiches waren so viele Christen um ihres Glaubens willen bedroht wie heute. Nach einer Statistik gibt es heute mehr als 50 Länder der Erde, in denen Christen unter­schiedlichen Misshandlungen erleiden müssen, Folter und Tod - von Nordkorea bis zu den Urlaubsparadiesen wie den Malediven. Es sind bis zu 200 Millionen Christen.

Aber - seit der Heiligen Nacht in Betlehem gibt es keine Nacht, die völlig hoffnungslos und zapfenduster ist. „Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst!" prophezeit Jesus seinen Jüngern im heutigen Evangelium. Im Schicksal des Stephanus hat sich diese Prophezeiung erfüllt.

Wichtig ist aber, auf den Tonfall zu achten, mit dem Jesus von den Verfolgungen spricht. Es ist kein klagender Ton. Es geht ihm nicht um Anklage, schon gar nicht um Selbstmitleid oder darum, Ängste zu schüren. Im Gegenteil: Jesus will Mut machen! Er öffnet seinen Jüngern die Augen für die Wirklichkeit. Vor allem aber will Jesus klar machen: Ich bin bei euch alle Tage, besonders in der Verfolgung. Mein  Geist wird für euch reden und euch verteidigen.

Stephanus ruft kurz vor seinem Sterben aus: „Ich sehe den Himmel offen!" (Apg 7,56). Dieses Wort gehört für mich zu den schönsten weihnachtlichen Texten überhaupt. Seit Weihnachten, seit in diesem Kind Gott selbst als Mensch in diese Welt gekommen ist, steht uns der Himmel offen. Weil wir in Christus den Himmel offen sehen, deshalb müssen wir die Augen verschließen vor dem Leid, vor Gewalt und Tod. Wir haben einen Ausblick, eine Perspektive, die weiter reicht als dieses Leben, hinein ins ewige Leben. Und diese Perspektive hat einen Namen und ein Gesicht: Jesus von Nazareth.

2017 Lj-B:Weihnachten  - Christrose

Bild: Christrose

Man sieht es ihr nicht an, was in ihr steckt. Zart und zerbrechlich sieht sie aus, die Christrose. Sie blüht Jahr um Jahr zur Weihnachtszeit. Sie trotzt der Kälte, dem Schnee und dem Eis. Sie ist Symbol für die unbändige Kraft des Lebens. Sie steht für die Hoffnung, dass wachsen und gedeihen kann, was beinahe unmöglich scheint.

Was von der Christrose in der Natur gerühmt wird, gilt auch für das andere zarte Geschöpf, für das Christkind, dessen Namen die Christrose trägt und dessen Geburt wir feiern mitten in der kalten Winterszeit.

So wie der Christrose Schnee und Eis nichts anhaben können, wie sie lebt und strahlt in einer lebensfeindlichen Umgebung, genauso macht es Jesus. Er bringt es fertig, verhärtete und eisige Herzen aufzubrechen und zu erwärmen. Das ist nicht nur ein frommer Wunschtraum. Das ist Wirklichkeit, die wir jedes Jahr wieder beobachten können. Wie sonst ist es zu erklären, dass in der Zeit um Weihnachten Menschen wie ausgewechselt sind?

Was im ge­samten Jahr kaum möglich war - in der Vorweihnachtszeit funktio­niert's: Wir denken uns in andere Menschen hinein und fragen, womit könnten wir ihnen Freude machen? Wir schicken Weihnachts-Karten, E-Mails und Päckchen an Verwandte und Freunde, mit denen wir sonst kaum noch Kontakt haben. Es gibt Betriebsfeiern, wo sich der spröde Chef zum Hilfsar­beiter setzt und mit ihm plaudert. Mehrmals öffnet sich das Portmonee, wir spenden für Menschen in Not. Streithähne finden Worte der Versöhnung, laue Christen finden den Weg in die Kirche und in den Beichtstuhl.

Es herrscht so was wie ein menschlicher Ausnahmezustand. Wir sind darum bemüht, uns von der besten Seite zu zeigen. Ja, selbst die sonst eher widerborstigen Ämter und Behörden machen mit. Sie vermeiden es, in dieser Zeit Strafmandate und Mahnbescheide zu verschicken. »Es geht doch!«, möchte man ausrufen. Wir müssen nicht immer mürrisch, böse, bürokratisch, nicht immer kritisch, kühl und berechnend, wir können auch menschlich sein.

Die Vor­weihnachtszeit liefert einen überzeugenden Beweis: Es gibt das Gute im Menschen. »Ja, es geht doch!« - zumindest einmal im Jahr, für eine begrenzte Zeit. Und so steht die Frage im Raum, warum geht ausgerechnet in der Advents- und Weihnachtszeit, was im Rest des Jahres eher holperig bis gar nicht geht. Mitmenschlichkeit, warum gerade jetzt? In den Tagen um Weihnachten ist gleichsam eine geheimnisvolle Kraft am Werk, die sogar die Hartherzigsten dazu verleitet, menschlich zu sein. Diese Kraft muss außergewöhnlich kraftvoll sein. Denn eine solche Wandlung schafft keine Macht der Welt, keine Gesetze, keine Vorschriften, auch kein Lohn und keine Strafe.

Lb. Gl. Genau das wollte der liebe Gott bezwecken. Er wurde Mensch, damit wir menschlich werden. Das ist ihm offenbar geglückt. Bei manchen Menschen hält das einige Tage an, bei vielen gläubigen Christen ein Leben lang. Der wirksamste Eisbrecher ist die Christrose Jesus, unser Erlöser.

2017 Lj-B: 4. Adventso: Den Stein unter die Krippe!

 

Wir sollten nicht meinen, dass nur der studierte Theologe ein guter Religionslehrer ist. Der Esel ist auch nicht schlecht, wie die folgende Legende erzählt. Sie erzählt von Joel. Joel ist Eseltreiber. Und er hat Ärger. Über ihm, dem kleinen Eseltreiber, steht nämlich ein Aufseher, Herr Amos. Dem gehören das Haus und die Weiden. Joel hat Pech. Denn sein Esel, so klug er sonst ist, der plärrt immer wieder, laut und lange. Und das geht Herrn Amos auf die Nerven. Er beschimpft Joel. Der wehrt sich und ein Wort gibt das andere. Es kommt, wie es kommen muss: Joel und sein Esel werden vom Hof gejagt. Doch bevor Joel gehen muss, sieht er einen Stein liegen, einen scharfen, kantigen Stein. Er hebt ihn auf. Er liegt ihm gut in der Hand, dieser Stein, und er weckt Rachegedanken in ihm. Joel stellt sich vor, wie er diesen Stein bei einer günstigen Gelegenheit aus der Tasche ziehen und dem verdammten Amos an den Kopf schleudern wird. Voller Wut verlässt er mit seinem Esel den Hof. Schließlich findet er einen Stall. Vor dem Eingang bindet er den Esel an. Er selbst geht einen Steinwurf weit und legt sich unter einen Baum.

Und Joel erzählt, was dann geschah: Kaum war ich eingeschlafen, der Esel hörte nicht auf zu schreien. Weiß Gott, was ihm wieder nicht passte. Jedenfalls, als ich in die Nähe des Stalles kam, sagte der Esel: Kommst du endlich, du Muffel? Muffel nannte er mich, wenn er böse auf mich war. Muffel, siehst du nicht, was hier los ist? fragte der Esel. Ich schaute in den Stall und sah zwei einfache Leute, die sich im Stall niedergelassen hatten, eine Frau und einen Mann. Das Neugeborene sah ich auch. Es weinte, und ich wusste nicht, was tun. Ich bin noch nie ein Kindernarr gewesen. Na, mach schon, sagte der Esel. Er wollte, ich soll die Krippe in Ordnung bringen. Sie wackelte, die Krippe. Ein Bein war zu kurz, deshalb konnte das Kind nicht schlafen. Leg was unter, sagte der Esel. Unterlegen? Was denn? Wie denn? Ich blickte mich im Stall um.

Es war dunkel. Nichts zu finden! Greif doch in die Tasche, Muffel! sagte der Esel. Ich griff in die Tasche, doch in der Tasche war nichts - nur der Stein. Der Esel nickte zufrieden, als ich den Stein unter das kurze Krippenbein schob. Er passte genau. Offen gestanden, ich hatte eine Stink-Wut. Nicht, dass ich dem Kind den Schlaf nicht gönnte. Aber was sollte ich jetzt ohne den Stein? Soll ich etwa meinen Groll vergessen, auf Rache verzichten? Kann ich das überhaupt?

Lb. Gl. Auch uns passiert es immer wieder, dass wir uns schlecht behan­delt fühlen. Und dann gibt es Streit geraten. Den Herrn

Amos gibt es auch in unserem Le­ben. Er hat viele Namen und Gesichter: der Lehrer, der Vater, die Mutter, der Vorarbeiter, der Chef... Leute, die über uns sind, die  Macht über uns haben und de­nen wir ausgeliefert sind. Da setzt uns jemand unter Druck, da kriti­siert jemand an uns herum, da kränkt uns jemand.

Dann geht's uns wie dem Joel. Die Wut steigt in uns hoch: Was bildet der sich eigentlich ein? Warte nur, bis ich einmal Gelegenheit habe, das werde ich dir heimzuzahlen, doppelt und dreifach! Je nach Tempera­ment lassen wir die Wut offen heraus, oder wir vergraben sie im Innern. Und da arbeitet sie weiter, verzehrt unsere besten Kräfte, macht uns verbissen und verbittert. In diesem Zustand kommen wir zur Krippe. An der Krippe steht der Esel und sagt: "Siehst du nicht, was hier los ist, du Muffel. Schau her, die Krippe wackelt, der Haussegen hängt schief. Greif doch in die

Tasche. Es gibt Besseres zu tun, als Rachepläne zu schmieden. Gib her deinen Stein und leg ihn unter die Krippe! Dann kann das Kind wieder schlafen und du kannst es auch.

Übrigens, lb. Schw. u. Br., der Engel von Betlehem hat dieselbe Botschaft wie der Esel: Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.