2020 Lj-B: 1. Adventsonntag: (siehe: Lj A)

Lesung aus dem Brief an die Römer. (Röm 13, 11)

Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt den Herrn Jesus Christus an wie ein neues Gewand.

Impuls:

Bist du ein Frühaufsteher oder eher ein Sieben-Schläfer, der immer wieder mal verschläft. Vergessen, den Wecker zu stellen - den Wecker nicht gehört. Den Wecker ge­hört, aber noch einmal umgedreht ...« Und so beginnt der Tag mit Stress, oder gar mit schlechter Laune. Verschlafen ist ganz und gar nicht toll! Dieses verflixte "Verschlafen" gibt es auch im übertragenen Sinn. Ich verschlafe die besten Chancen. Der Ehemann verschläft den Hochzeitstag. Ich verschlafe einen wichtigen Termin, eine Meldefrist.  Und wenn ich es merke, ist es zu spät. Nicht nur als Einzelner, auch eine Gemeinschaft kann Wich­tiges verschlafen. Unsere Gesellschaft ist dabei, Herausforderungen zu ver­schlafen, Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern z.B. Gleicher Lohn für gleiche Leistung, bes. für helfende und pflegende Berufe. Wir sind dabei, den Schutz unserer Mutter Erde zu verschlafen. Auch die Kirche ist in Gefahr, notwendige Änderungen zu verschlafen. In diese Schlaftrunkenheit tönt heute das Wort des Apostels Paulus, wie die Sirene der Feuerwehr: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf.

Ein Weckruf am Beginn des Advents. Augen auf - und wach durch das Leben! Das ist jetzt angesagt. Es geht um eine Lebenshaltung der Aufmerksamkeit. Die Bibel redet von der Ankunft Jesu, von der Ankunft des Menschensohnes. (Mt 24,37) Diese Ankunft wird höchst dramatisch beschrieben, in einem drastischen Vergleich. Unsere Zeit wird mit der Zeit vor der Sintflut verglichen. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging und gar nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach, so wird es bei der Ankunft das Menschensohnes sein. Nun, die Ankunft des Menschensohnes geschieht nicht erst am Ende der Welt. Sie geschieht nicht irgendwo und nicht irgendwann. Sie geschieht hier bei uns - und zwar schon heute. Ja, und es ist bei uns genauso wie in den Tagen vor der Sintflut. Die Menschen essen und trinken und heiraten.

Sie leben in den Tag hinein und schauen nicht links und nicht rechts. Sie ahnen rein gar nichts. Der graue Alltag mit den immer gleichen Arbeiten, mit 1000 Zerstreuungen, mit Shoppen, Fernsehen und Smartphone… Das alles frisst so viel kostbare Zeit. Der Alltag macht schläfrig, unsensibel und stumpf für das, was wirklich wichtig ist. Wacht auf, die Ankunft des Menschensohnes steht nahe bevor. Jeden Tag, bei jedem Gebet und bei jeder Messe spricht Gott mich an: Schau einmal hin: Was ist wichtig in deinem Leben und was ist nur Schall und Rauch und verschlafene Zeit?

Gott will bei mir ankommen in den »Alltäglichkeiten«. Dafür  muss ich wachsam sein. Ich lebe schon lange mit einem Menschen an meiner Seite. Ich habe mich an ihn gewöhnt. Ich kenne ihn auswendig mit all seinen Regungen. Und dabei verschlafe ich die Gelegenheit, ihn als Geschenk zu sehen und es ihm auch zu sagen. Zu sagen, was er mir bedeutet: seine Einmaligkeit, seine Liebenswürdigkeit, sein stilles und treues Dasein. Wenn ich aufmerksam bin, finde ich Möglichkeiten, wie ich Herz und Hände einbringen kann in meiner Familie, am Arbeitsplatz, in der Kirche und für meine Mutter Erde. Gottes Ankunft und Nähe drängt mich, auf die Wunder seiner Schöpfung zu schauen und zu begreifen: Welch ein Geschenk! Sie verdient alle Wachsamkeit und Fürsorge.

Lb. Gl. So lasst uns wach sein für die zarten Zeichen der Nähe Gottes im täglichen Leben und für sein Wort, das uns zur Liebe anspornt. Die Liebe lässt uns schon das Richtige tun. Liebe macht erfinderisch, sagt eine alte Volksweisheit.

 

 

 

2020 Lj-A: 34.So.i.J.: Christkönig

 

Evangelium nach Lukas (23,26-43)

Die Kreuzigung:

Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.  Auch die Soldaten verspotteten ihn und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.  Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.  Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.  Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

 

Impuls:

Kaiser und Könige sind nicht mehr gefragt, vielleicht auch nicht mehr zeitgemäß. In wenigen Ländern lässt man sie noch als Aufputz und Zugpferd für den Tourismus. Die alten Römischen Kaiser und Könige versprachen dem Volk Brot und Spiele, um sich beliebt zu machen. Bei unseren Politikern ist es nicht anders. Was werden da vor den Walen "Zuckerln" verteilt, um Stimmen zu gewinnen und möglichst lang im Amt zu bleiben.

So, und jetzt feiert heute die Kirche ihren König und sein Reich, das schon über 2000 Jahre besteht. Wie gibt es denn so was in Zeiten wie diesen? Es liegt ausschließlich an der Person des Königs. Da ist keine Spur von Eigennutz, keine Bereicherung auf Kosten des Volkes, sondern einfach nur Einsatz total - zum Wohl der Menschen. Einsatz bis zur Hingabe seines Lebens. Sogar seine Feinde geben ihm den Rat: Er soll sich's doch richten, wie jeder andere König. Wenn du göttliche Macht hast, so steig' herab vom Kreuz. Er macht es nicht. Er will seine Liebe und Treue beweisen bis zum letzten Atemzug. Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für die Seinen. Seine scheinbare Ohnmacht ist alles andere als machtlos. Das bekommt sogleich sein Kollege zu spüren, der neben ihm am Kreuz hängt, der Rechte Schächer: Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein. Wer kann so eine starke Zusage machen? Es sei denn, er besitzt göttliche Macht. Das ist unfassbar, einen Verbrecher auf der Stelle in den Himmel zu ziehen aufgrund einer einfachen Bitte: Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.

Lb. Gl. Genau das ist auch unsere Erwartung an unseren König: Sein Erbarmen, seine Verzeihung. Brot und Spiele brauchen wir nicht. Davon haben wir mehr als genug. Unsere Not ist eine ganz andere. Es ist die Not der Seele. Der Hunger nach Liebe und Geborgenheit.

Unsere Not sind unsere Fehler und Sünden, die unser Gewissen beißen bis zur Schlaflosigkeit. Unsere Not sind unser Egoismus, unsere Feindseligkeit, die unsere besten Beziehungen kaputt machen. In dieser Not hilft uns kein Kanzler und kein weltlicher König, sondern einzig und allein der König des Himmels und der Erde. Er ist gekommen, uns zu zeigen, wie echte Liebe geht und wie Verzeihung geht und was sie bewirkt: welch innere Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes eben. Er hat uns vorgezeigt, wie Treue geht: Durchhalten, wenn es schwer wird. Seine Macht zielt nicht darauf ab, es sich selbst zu richten. Sie hat einzig das Wohl der Seinen im Auge. Das verschafft ihm jenes Vertrauen, das ein Machthaber braucht, wenn sein Reich länger halten soll als nur ein paar Jahre.

Lb. Gl. Unser König hat bereits 2000 Jahre geschafft. Dieser König soll weiter herrschen - bis zum Ende der Welt.

 

 

 

2020 Lj-A: 33.So.i.J.: Talente vergraben?

 

Lesung aus dem Korintherbrief (1 Kor 12,1-11)

Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.  Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.  Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.  Jedem aber wird eine Fähigkeit geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern die Glaubenskraft, einem andern die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden. Einem jeden teilt Gott seine besondere Gabe zu, wie er will.

Impuls:

Schon wieder eine Himmelreich-Geschichte. Und schon wieder voller Rätsel. Drei Knechte mit unterschiedlichen Talenten und Fähigkeiten. Damit sollten sie arbeiten und sich nützlich machen im Reich Gottes. Die ersten Beiden nützen ihre Talente und machen das Beste daraus. Durch ihren beherzten Einsatz werden ihre Talente immer mehr. Sie bekommen auch ein großes Kompliment von ihrem Herrn: Du bist ein tüchtiger Diener. Nimm teil an der Freude deines Herrn. Der Dritte hingegen vergräbt sein Talent und macht überhaupt nichts. Aus Angst.

Das kennen auch wir aus unserer Schulzeit: Nichtgenügend. Setzen! Die Botschaft ist klar: Was ich tue, ist nie genug. Aber man will doch nicht immer der Dumme sein. Was könnte helfen? Ein Verstecken-Spiel? Wenn der Lehrer eine Frage in die Klasse wirft, verstecke ich mich einfach hinter meinem Vordermann, damit der Lehrer mich nicht sieht.

Der dritte Diener versteckt sein Talent, aus Angst, wie er sagt. Der Herr lässt das nicht gelten. Faule Ausrede! Ist der Herr etwa zu streng? Hätten wir nicht größere Nachsicht? Wie reagieren denn manche Eltern? Viele akzeptieren das, wenn Kinder Ausreden gebrauchen. Warum hast du das und jenes nicht gemacht? Ich habe mich nicht getraut. Schon gut! Nein, gar nicht gut. Mut-Machen wäre besser und hilfreicher für die Jungen, als ständig ein Auge zuzudrücken. Angst überwinden ist angesagt, vor allem die unbegründete Angst. Sie blockiert die besten Talente. Manche sehen überall Gespenster und Monster, die es gar nicht gibt. Der Herr im Evangelium ist richtig erbost darüber, dass der dritte Diener ihn für einen Tyrannen hält, vor dem man Angst haben muss. Also tut er lieber gar nichts, um ja keinen Fehler zu machen. Gott meint: Ich bin doch kein Ungeheuer. Ich verzeihe 1000 Fehler und mehr. Nur den einen nicht: Die Hände in den Schoß zu legen und gar nichts zu tun. Jeder von uns hat Talente und Fähigkeiten mitbekommen, der eine mehr, der andere weniger. Es gibt keinen, der gar nichts kann. Somit kann sich jeder nützlich machen im Reich Gottes und Gutes tun für Gott und für die Mitmenschen. Das meint auch Paulus, wenn er sagt: Es gibt verschiedene Gnadengaben. Die einen haben die Gabe besonderer Weisheit. Andere haben besondere Charaktereigenschaften: das Talent der Liebe, der Geduld, der Selbstbeherrschung. Diese Talente sind extrem hilfreich - besonders für Vorgesetzte, Eltern, Lehrer und Erzieher. Manche haben die Gabe der Friedensliebe. Sie sind als Vermittler und Friedensstifter gefragt – in der Familie und in verschiedenen anderen Gruppen und Vereinen. Andere haben die Gabe der Heiterkeit. Das sind die hoffnungslosen Optimisten, die es verstehen, andere aufzubauen und aufzuheitern. Solche Menschen sind gefragt – besonders in Krisenzeiten, wo so viele sich hinunterziehen lassen, so viele ungeduldig und missmutig werden.

Lb. Gl. Besinnen wir uns auf unsere Talente. Wir können weit mehr als wir meinen. Setzen wir uns ein für das Reich Gottes, zum Segen für unsere Mitmenschen und zum Segen für uns selbst. Dann bekommen auch wir das schöne Kompliment: Du bist ein tüchtiger Diener. Nimm teil an der Freude deines Herrn.

Freude, die brauchen wir gerade jetzt. Lass dich nicht hinunterziehen. Vielleicht hilft dir dieses Gebet:

Erhalte mir die Freude

Erhalte mir die Fröhlichkeit und Freude. Mache froh mein Herz und Gemüt und vertreibe aus meiner Seele alle Traurig­keit, dass nicht ängstliche Sorgen und Schwermut mein Leben verdüstern und nicht Bosheit und Leid mich bedrücken.

Lass mich glücklich sein im Wissen um Deine Liebe, die mir Nahrung und Kleidung schenkt, gute Men­schen und ein Zuhause.

Lass mich in Frieden und Wohlergehen die Frucht meiner Anstrengungen genießen und an allen Men­schen und Dingen etwas Gutes entdecken, dass ich mich ihrer freuen kann, so oft ich ihnen begegne. Lass mich das Glück suchen bei Dir und nicht nur bei Menschen und Dingen. Denn nur Du kannst auf Dauer glücklich machen, und durch Dich erhalten die Güter der Welt erst ihren wahren Wert. Lass Deine Liebe und Barmherzigkeit mir eine Quelle der Freude sein, die mir hilft, freundlich und gut zu sein.

 

 

 

2020 Lj-A: 32.So.i.J.: Klarheit über den Tod?

 

Lesung aus dem Brief an die Tessalónicher (1 Thess 4,13-18)

Brüder und Schwestern, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zur Herrlichkeit führen. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen. Dann werden die Verstorbenen und die noch Lebenden in den Himmel entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein.

Tröstet also einander mit diesen Worten!

Impuls

Der Tod ist voller Rätsel. Paulus will Klarheit schaffen. Klarheit über den Tod? Wollen wir das überhaupt? Viele wollen lieber gar nichts hören und sehen vom Tod. Wir können den Tod verdrängen ein ganzes langes Jahr hindurch. Im November geht das nicht. An den beiden Festen Allerheiligen und Allerseelen, da drängt sich der Tod unerbittlich auf. Man kann gar nicht übersehen, wie die Leute in diesen Tagen in den Friedhof gehen mit Blumen und Kerzen. Wie sie Gräber schmücken und beten. Wozu denn? Nun: der Tod hat ihnen ein Herzstück genommen. Und viele denken: Hier im Friedhof liegt es jetzt. Also muss ich am Grab dem Liebling meine Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit beweisen: mit einem Besuch, mit Kerzen und Blumen und mit Gebet. Das ist lieb und schön. Braucht mein Liebling das noch? Eher brauchen wir es – als Hilfe für unsere Trauerarbeit. Mein Liebling liegt nicht in der kalten Erde. Er ist, wie wir hoffen dürfen, im Himmel. Dort genießt er einen ganz anderen Schmuck und eine unbeschreibliche Geborgenheit und Zärtlichkeit - bei seinem Schöpfer-Gott im Himmel. Und der Himmel ist, so wie Gott, überall. Auch in meiner Stube und in meinem Herzen. Ich kann also mit meinem Liebling reden rund um die Uhr. Die Toten sind nicht tot. Das ist es, was Paulus meint, wenn er in der Lesung sagt: Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauern müsst, wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Keine Hoffnung haben würde heißen: Mit dem Tod ist alles aus und vorbei. Gläubige Christen haben eine gewaltige Hoffnung, meint Paulus: Wenn Jesus gestorben und auferstanden ist, wird er auch die Seinen auferwecken und zur Herrlichkeit führen. Er ist Herr über Leben und Tod. Und er hat uns zugesagt: Wer an mich glaubt, den werde ich auferwecken an seinem letzten Tag. Er wird leben in Ewigkeit und Freude in Fülle haben. Meinem Liebling geht es gut. Der Glaube schützt nicht vor Zweifel, aber vor Verzweiflung.  

Lb. Gl. Kann ich für meinen Liebling jetzt gar nichts mehr tun? Ein Leben lang sorgen und arbeiten wir füreinander. In Tagen der Krankheit und der Pflegebedürftigkeit bemühen wir uns um Genesung, Linderung und Bei­stand. Mit dem Eintritt des Todes müssen wir dann die Erfahrung machen: Wir können nichts mehr tun, nichts mehr gutmachen, nichts mehr mitteilen, unsere dankbare Liebe nicht mehr direkt ausdrücken. In dieser Verlegenheit hilft uns die Bibel weiter. Sie empfiehlt: Es ist ein heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten. (2 Makk 12,43-45).  Es kann ja sein, dass ein Verstorbener noch nicht reif ist für den Himmel. Dass er in manchen Belangen umdenken und umkehren muss. Das ist ein mühsamer Reifungsprozess. Unser Gebet kann ihm helfen, diesen Reifungsprozess zu beschleunigen. Unser Gebet hilft dem Verstorbenen, wie auch immer. Auf jeden Fall hilft das Gebet uns selbst, nämlich unsere Beziehung zum Verstorbenen zu reinigen. Unser Miteinander war ja nicht immer ungetrübt. Manchmal bleiben Groll und Verbitterung über den Tod hinaus. Das Toten-Gedenken ist auch eine Einladung zur Versöhnung, zum Vergeben, Frieden zu schließen. Wie es den Verstorbenen nützt, wissen wir nicht. Uns selbst tut es auf jeden Fall gut, wenn wir uns versöhnt und unbelastet dem Leben zuwenden können.

 

 

 

2020 Lj-A: Allerheiligen – White Dinner (1. Lesung!!!)

Lesung aus der Offenbarung des Johannes: (Offb 7, 2)

Ich, Johannes, sah eine große Schar aus allen Nationen und

Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron.  Sie riefen mit

lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen abwischen von ihren Augen.

Impuls:

Ich bin kein Weltenbummler. Aber vielleicht bist du schon einmal dabei gewesen, bei einem Dinner in White, bei einem Abendessen in Weiß. (Bild White Dinner).

Ein warmer Sommerabend. Ein berühmter öffentlicher Platz. Hunderte oder gar tausende Menschen, alle komplett in Weiß. Sie treffen sich zum gemeinsamen Abendessen unter freiem Himmel. Jeder ist eingeladen. Die einzige Bedingung: Jeder muss "in Weiß" erscheinen. Eine völlig neue Idee? Nein, ganz und gar nicht. Vor 2000 Jahren schon hat einer die Vision von einem "Fest in Weiß", der Apostel Johannes. In seiner Geheimen Offenbarung beschreibt er den Himmel als ein "Fest in Weiß": Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron. Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher kommen sie? Er sagte: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen.

Eine gewaltige Vision! Zunächst hat Johannes die ersten christlichen Märtyrer vor Augen. Sie sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Schließlich sind aber alle gemeint, unsere lieben Verstorbenen und wir Lebenden. Wir alle haben unsere Bedrängnisse, unsere Schicksalsschläge und Belastungen. Zurzeit belastet uns Corona. Aber es gibt nicht nur die Belastung. Es gibt auch die Lichtgestalten, die uns in dieser Zeit Mut machen, die uns Vorbild sind in Sachen Rücksicht, Geduld und Hilfsbereitschaft. In diesen Monaten sind sie wie Pilze aus dem Boden geschossen, die Helden und Heiligen des Alltags. Es sind jene, die in der Corona-Zeit an vorderster Front stehen. Die meisten arbeiten "in Weiß": Die Ärzte und das Pflegepersonal – im Krankenhaus und in verschiedenen Heimen. Manche sind in Rot, die Leute vom Roten Kreuz – oder in anderen Farben. Es sind jene, die einfache aber wichtige Dienste leisten: an der Kassa oder als Reinigungs-Kraft. Diese haben wir in den letzten Monaten besonders schätzen gelernt.

Ja, wir alle haben unsere Bedrängnisse - Bedrängnisse von Leid und Schuld. Wenn wir zu Jesus kommen, gibt er uns Kraft und Geduld zum Durchhalten. Und von der Schuld, die uns bedrückt, wäscht er uns weiß – mit seinem Blut. Dann sind wir alle willkommen beim großen "Fest in Weiß".

Lb. Gl. Das ist heute an Allerheiligen und beim Gedenken an unsere lieben Verstorbenen unsere Hoff­nung, dass wir alle einmal mit dabei sein werden, zusammen mit unseren heimgegangenen Eltern, Großeltern, Angehörigen und Freunden. Wir dürfen hoffen, was Jesus uns durch den Apostel Johannes ausrichten lässt: Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal (Offb 21,4). Das ist unsere Hoffnung: Die Tränen, die wir geweint haben beim Tod eines lieben Menschen, diese Tränen wird er in Freuden-Tränen verwandeln – wenn wir alle beisammen sind beim großen "Fest in Weiß".

 

 

 

2020 Lj-A: 30. So.i.J: Das Gebot der Liebe

Evangelium nach Matthäus (Mt 22,34-40)

In jener Zeit kam ein Gesetzeslehrer zu Jesus, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Impuls

Ein Gesetzeslehrer spielt sich heute als Oberlehrer auf. Er fragt Jesus aus wie einen Schüler, ob er wohl alles richtig gelernt und verstanden hat: Welches Gebot ist das wichtigste? Und wie ein Musterschüler sagt Jesus die Verselein auf, die in der Bibel stehen, die jedem Kind schon eingetrichtert werden: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten und ebenso dich selbst. Eigentlich sind das 3 Gebote in dem einen Liebesgebot.

So, und jetzt habe ich eine Frage an Jesus: Lieber Meister, und welches ist nun das schwierigste von den 3 Liebesgeboten? Er antwortet nicht. Also muss ich mir die Antwort selber geben aus meiner Erfahrung. Ich habe das Gefühl: Das Schwierigste für die Menschen ist offenbar die Selbstliebe, und zwar die richtige Dosis davon. Gottesliebe ist für einen normalen Christen keine Kunst. Wenn ich die Wunder der Natur betrachte, drängt es mich geradezu, zu staunen, zu danken, diesen Schöpfer-Gott aus ganzem Herzen zu lieben. Erst recht, wenn ich bedenke, was sein Sohn Jesus für mich getan hat. Er gibt mir die wichtigsten Lebensweisheiten in seiner Frohen Botschaft. Er hat sein Leben hingeopfert, um Buße zu tun für die Sünden der Menschen, auch für meine Sünden. Ich müsste schon ein Eisklotz sein, wenn da nicht ein Gefühl von Dankbarkeit und Liebe aufkommt. Ein bisschen schwierig ist vielleicht: Gott zu gehorchen.

Für einen normalen Christen ist auch die Nächstenliebe keine Kunst. Die meisten Menschen kommen von selbst darauf: Es tut gut, anderen Gutes zu tun. Nächstenliebe schüttet Glückshormone aus. Also eine Win-Win-Situation. Beide gewinnen, der andere und ich auch. 50% der Tiroler leisten auch aus diesem Grund unbezahlte ehrenamtliche Dienste.

Und jetzt zum Schwierigsten: die Selbstliebe und die richtige Dosis davon. Manche nehmen eine Überdosis, die ausgesprochenen Egoisten. Sie lieben nur sich selbst und niemanden sonst.

Ich-Sucht ist eine Krankheit, wie jede Sucht. Sie müsste therapiert werden. Ich-Sucht macht auch nicht glücklich, sondern krank an Seele und Leib. Andere wiederum haben einen Mangel an Selbstliebe. Auch das ist ein krankmachendes Defizit. Manchen wurde von Kindesbeinen an schon eingeredet: Du bist nichts, du kannst nichts. Irgendwann glauben sie es selbst, und der ganze Selbstwert ist kaputt. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist aber wichtig und hilfreich im Leben. Psychologen geben vier nützliche Tipps dazu:

1.     Behandle dich selbst wie deinen besten Freund.

Sei nicht zu streng mit dir! Manchmal bist du selber dein größter Feind. Leider! Du bist unzufrieden mit dir: Du hast ständig was auszusetzten und zu nörgeln an dir. Das fängt in aller Frühe schon an, wenn du in den Spiegel schaust. Du fühlst dich zu klein oder zu groß, zu dünn oder zu dick. Mach dir keinen Stress wegen deines Aussehens oder deiner Figur. Viel wichtiger als die Äußerlichkeiten sind die inneren, die menschlichen Werte: Liebe, Geduld, Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft.

2.     Vergleiche dich nicht mit anderen

Es ist Gift für das Selbstwertgefühl, wenn du dich ständig mit anderen vergleichst. Es wird immer Menschen geben, die schlauer, schöner oder erfolgreicher sind. Konzentriere dich lieber auf deine Qualitäten und freue dich.

3.     Vermeide Perfektionismus

Nimm dich an, wie du bist. Du bist gut genug, so wie du bist.

4.     Überwinde die Versagensangst

Es ist nicht schlimm zu versagen, es gehört zum Leben. Es gibt niemanden, der noch nie versagt hat, und das ist auch gut so.

Aus Fehlern lernen wir, sie machen stärker und reifer.

Liebe Gl. Im Grunde ist es völlig egal, was böse Leute über dich denken und reden. Wichtig ist, was du in den Augen deiner wichtigsten Menschen bist: in den Augen deiner Eltern, deiner Freunde und vor allem in den Augen Gottes. Und in ihren Augen bist du nicht ein wertloses Ding, sondern ein Schatz.

 

 

 

 

2020 Lj-A: 29. So.i.J: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser ge­hört. (siehe 2017)

Evangelium (Mt 22,15)

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.  Sie sagten: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person.  Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin.  Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

 

Impuls

Heute geht es um ein Thema, das wie kaum ein anderes die Gemü­ter erhitzt: Die Steuern. Nicht zu fassen, was es da alles gibt: Grundsteuer, Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Vermögens­steuer, Autosteuer, Hundsteuer... Ein guter Teil meines Einkom­mens wird von Steuern und Versicherungen gefressen. Und wir werden gar nicht gefragt, ob wie sie bezahlen wollen oder nicht. Was kann man da machen? Wir können uns grün und blau ärgeren. Oder wir können eine Regierung wählen, die keine Steuern verlangt. Oder wir können es einfach neh­men, wie es ist.

Auch Jesus muss sich mit dieser Angele­genheit befassen. Schon damals hat es verschiedene Parteien gegeben. Die eine war die

sogenannte Staatspartei. Diese hat mit den römischen Besatzern gepackelt. Sie hat gemeint: Natürlich muss man dem römischen Kaiser Steuern zahlen. Die Römer sorgen ja auch für die Infrastruktur, für Wasserleitungen und Straßen. Die andere Partei, die eingefleischten Juden hingegen waren der Ansicht: Was? An Leute, die unser Land besetzen, sol­len wir auch noch Steuern zahlen? In der Steuerfrage steckte also jede Menge Dynamit. Und jetzt soll Jesus Stellung beziehen. Eine raffinierte Falle, in die er auf jeden Fall hineintappen musste, egal, welche Antwort er gab. Mit irgendeiner Partei musste er in Konflikt geraten. Aber Jesus verdirbt ihnen den Spaß. Er antworte nicht mit Ja oder Nein, sondern mit Ja, aber: Gebt dem Kaiser, was er verlangt, und gebt auch Gott, was ihm zusteht. Klüger geht es nicht. Jesus meint: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es zwei getrennte Bereiche gibt, den weltlichen und den göttlichen. Der weltliche Herrscher braucht gewisse Mittel, um Land und Volk zu verwalten. Er braucht also Steuern. Aber der weltliche Herrscher soll wissen, dass es einen Mächtigen gibt, der über ihm steht, dem sogar ein Kaiser verpflichtet ist. Ein gläubiger Herrscher wird sich nach dem Gewis­sen orientieren und das Beste tun für sein Volk.

Er wird die Steuergelder in Verantwortung verwenden. Ist der weltliche Herrscher jedoch ein gottloser und gewissenloser Mann, dann haben die Menschen einen Diktator am Hals. Dann gnade ihnen Gott!

Lb. Gl. Im Unterschied zu den Juden damals haben wir heute freie Wahlen. Bei jeder Wahl können wir unsere Stimme abgeben. Wenn wir klug sind, geben wir sie dem, der einen Glauben hat und ein Gewissen. Dieser wird in großer Verantwortung vor Gott das Beste geben für sein Volk. Aus diesem Grund wird auch heute noch bei Angelobungen der Zu-Satz verlangt: So wahr mir Gott helfe. Einem gewissen­haften Volks-Vertreter kann ich ohne Groll mein Steuergeld überlassen im Vertrauen: Er wird schon das Beste damit machen: für Gesundheit, Sicherheit und Bildung, für Wasser- und Telefonleitungen, für Straßen und vieles mehr.

Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen? Jesus meint: Na klar! Aber sorgt dafür, dass Gott nicht übersehen wird – Gott als oberste Norm, als oberstes Kontrollorgan.

 

 

 

Lj. A 2020: 28. So.i.J.: Das Himmelreich ist die eine Hochzeit.

 

Evangelium nach Matthäus (Mt 22,1-14)

In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.  Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren des Mahles nicht wert. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.  Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. 

 

Impuls

Wie sag ich's meinem Kinde? Das ist die liebe Not aller Eltern und Erzieher und aller Vorgesetzten. Wie sag ich's meinen Kindern in der Schule? Das hat auch mich als Religionslehrer oft zum Schwitzen gebracht. Wie sag ich's, so, dass sie es kapieren, dass es zu Herzen geht, dass sie es annehmen können. Jesus hat offenbar dasselbe Problem: Wie sag ich's meinen Kindern? Bereits vier Sonntage hintereinander versucht er, das Himmelreich zu erklären. Gar nicht einfach: Ein Himmelreich, das hier auf Erden stattfinden soll. Er versucht es wieder mit einem Gleichnis. Das Himmelreich ist wie die Hochzeit des Königs-Sohnes. Die Vorbereitung dieses grandiosen Festes nimmt der König selbst in die Hand. Chef-Sache also. Ein Fest mit allem Drum und Dran, mit vielen geladenen Gästen und einem üppigen Mahl. Alles ist fertig. Alles ist da, nur die geladenen Gäste nicht. Was für eine Enttäuschung. Soll die Hochzeit jetzt ohne Gäste über die Bühne gehen? Undenkbar! Dann müssen halt Leute von der Straße her! Hauptsache: volles Haus. Was will dieses Gleichnis sagen? Der Königs-Sohn ist Jesus. Er will ein Himmelreich errichten, hier auf Erden. Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Gott selber organisiert dieses Vorhaben: Er schickt Propheten und Prediger, die seinen Sohn ankündigen. Schließlich schickt er seinen Sohn herab auf diese Welt. Es ist alles angerichtet für das neue Reich. Die gebildeten Religionslehrer, die religiösen Führer des Volkes sind die ersten geladenen Gäste. Sie hätten das Zeug dazu, an einem religiösen Reich mitzubauen. Aber sie wollen nicht. Was jetzt? Ein Reich ohne Menschen? Wie soll das gehen? Wenn die religiösen Führer nicht wollen, vielleicht wollen andere mitmachen? Einfache Leute von der Straße? Ungebildete Menschen, Zöllner und Sünder? Vielleicht sogar Ausländer und Heiden? Warum nicht? Der König des Himmels und sein Sohn haben einen unfassbaren Schwenk vollzogen: Vom auserwählten Volk der Juden hin zu allen Völkern auf dem ganzen Erdenrund. Von den Frommen hin zu den weniger Frommen und Sündern. Das war unser Glück. In diesem Reich haben plötzlich alle Platz, auch die Ausländer, auch wir Österreicher. Jeder ist willkommen, wenn er nur glaubt. Jesus selber sagt: Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet. Eine völlig neue Religions-Philosophie.

Lb. Gl. Übrigens: Dieses Konzept spiegelt sich wider bei unseren Gottesdiensten. Ich bin immer neu überrascht: Da sitzt der Primar neben dem Stockmädchen, der Professor neben dem Volksschüler, der Bürgermeister neben dem Hilfsarbeiter, der Geschiedene neben dem Frisch-Verheirateten, der Osttiroler neben dem Ausländer. Jeder ist willkommen im Reich Gottes, wenn er nur glaubt und wenn er nur die wichtigste Spielregel hält: das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe.

 

 

 

Lj. A 2020: 27. So.    Erntedank

Das Erntedankfest wird jedes Jahr mehr zum Klagelied. Jammer über den Klimawandel und seine katastrophalen Folgen. Heuer kommt noch ein Klagelied dazu, das von Corona, und was es alles anrichtet und kaputt macht. Erntedank ist doch ein strahlendes Fest. Es hat sich ein Krank-Jammern nicht verdient. Wir müssen das Negative nicht ausblenden oder gar verharmlosen. Aber die schwarze Brille bringt uns auch nicht weiter. Sie bewirkt nur, dass wir das Positive und Schöne nicht mehr sehn. Das wäre der größte Schaden. Wenn wir die Kostbarkeiten nicht mehr sehn, die wunderschöne Welt mit ihrer bunten Vielfalt: die Pflanzen und Tieren, die Berge und Seen und all die wunderbaren Menschen… Wenn wir das alles nicht mehr sehn, stirbt auch die Motivation, das Kostbare zu schützen. Wir können heute also nichts Besseres tun, als einfach nur: Augen auf und Danke sagen!

Manchmal braucht es eine Krise, um uns die Augen zu öffnen, für das, was wirklich wertvoll und bleibend ist – und was der Mensch alles schafft, wenn er nur will. Beispiele gibt es genug: Vor wenigen Jahren noch beklagte man ein enormes Waldsterben. Heute redet kaum noch einer davon. Die Wälder haben sich erholt. Vor 15 Jahren noch ging die Angst um vor dem immer größer werdenden Ozonloch. Das Loch in der Stratosphäre war so groß wie die Vereinigten Staaten. Heute ist es beinahe verschwunden. Manche Tiere, die vor einigen Jahren ausgestorben schienen, sind wieder zurück. Die Vernunft des Menschen hat reagiert. Wenn wir nur wollen und alle zusammenhelfen, können wir Vieles zum Guten wenden: das Waldsterben, das Ozonloch und ich bin sicher: auch den Klimawandel und Corona.

Corona hat uns gezeigt, was über die Krise trägt: Das Teilen, das Mitgefühlt, die Achtsamkeit, sich gegenseitig helfen und schützen. Genau das hat uns bisher über die Krise geholfen und wird es

weiterhin tun. Wir besorgen Lebensmittel aus der Region und halten damit unsere Betriebe am Leben. Das braucht weniger und kürzere Transporte. Das schützt zugleich unsere Mutter Natur. Wir teilen die Arbeit auf in Kurzarbeit und helfen damit vielen Arbeitern und Betrieben über die Krise. Viele Menschen, die viele kleine Schritte tun, können die Welt verändern, die Umwelt und die Mitwelt. 

Lb. Gl. Corona wird vorübergehen, das ist gut. Aber vieles soll bleiben. Vor allem der Schutz unserer Mitmenschen und der Schutz unserer Mutter Natur. Jeder von uns kann dazu einen Beitrag leisten. Was jeder von uns tun kann, habe ich zusammengefasst in sog.

10 Gebote zum Schutz der Mutter Erde

1.  Jeder kann Energie sparen, ich auch! Ich nehme kein Wannenbad, sondern eine Dusche. Und mein Wohnzimmer ist nicht wärmer als 20°.

2.  Ich will Verschmutzung vermeiden. Ich trenne meinen Müll, damit er wieder verwertet werden kann.

3.  Ich verwende wiederverwertbare Materialien.

4.  Ich nehme zum Einkaufen einen Korb oder eine

Stofftasche und verzichte auf die Plastiktasche.

5.  Ich trage natürliche Kleidung, damit beim Waschen keine Plastik-Fasern ins Abwasser kommen.

6.  Ich nehme heimische Produkte, dann fallen lange Transport-Wege weg.

7.  Ich kaufe öfters Bio-Obst und Bio-Gemüse, dann kommen weniger Pestizide zum Einsatz.

8.  Ich esse weniger Fleisch, weil die überzogene Tierhaltung große Mengen an Treibhausgasen freisetzt.

9.  Ich lasse mein Auto stehen und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder mit dem Fahrrad, oder gehe zu Fuß.

10. Ich mache Urlaub in meiner schönen Heimat. Ich muss nicht mit

      dem Flugzeug bis ans Ende der Welt fliegen.

Lb. Gl. Wir Konsumenten haben es zu einem guten Teil in der Hand, wie es mit unserer Mutter Natur weiter geht.

 

 

 

Lj. A 2020: 26. So.i.J.: Zöllner und Dirnen im Reich Gottes.

 

Evangelium (Mt 21,28-32)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Ältesten: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.  Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.  Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.  Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Impuls

Wenn ich in der Bibel lese, bin ich jedes Mal wieder erstaunt: Wie modern und zeitgemäß ist doch dieses Buch! Die heutige Geschichte z.B. von den beiden Söhnen. Liebe Eltern, wie oft habt ihr dasselbe erlebt mit euren Sprösslingen? 100-mal oder 1000-mal? Der eine sagt: Ja, Mama, das mach ich schon. Ich räume mein Zimmer auf. Machen tut er's nicht, heute nicht und morgen nicht. Und irgendwann wird’s der Mutter zu dumm, und sie macht es selbst. Ein anderer sagt bei jedem Auftrag zur Vorsicht einmal "Nein". Ich will nicht, ich mag nicht! Da gibt es dicke Luft. Dann meldet sich das schlechte Gewissen, und er tut es schließlich doch. Jesus hat dasselbe Problem, und zwar mit den religiösen Führern, den Hohenpriestern und Schriftgelehrten. Sie sagen jeden Tag ein paarmal: Ja, ja ich mache das. Ich erfülle den Willen Gottes wie keiner sonst! Aber außer ein paar frommen Sprüchen und langen Gebeten machen sie nichts. Da ist nichts von wirklicher Gottes- und Nächstenliebe. Kein Liebesdienst, kein Erbarmen. Stattdessen ein knallhartes Urteil über das dumme Volk, das keine Gesetze kennt. Neben den Ja-Sagern gibt es die Nein-Sager: die Sünder, die Zöllner, die Dirnen… Die haben jahrzehntelang "nein" gesagt zum Willen Gottes, "nein" zu seinen Geboten. Wir wollen tun, was uns gefällt, einfach nur leben und genießen. Irgendwann jedoch ist ihr Gewissen erwacht, vielleicht durch die Predigt eines Propheten oder des Messias. Sie haben erkannt: So kann es nicht weitergehen. Sie haben sich bekehrt. Ein Zöllner Zachäus z.B. beteuert: Ab jetzt gebe ich die Hälfte meines Vermögens den Armen. Welcher Trost für die Weniger-Frommen, für die Sünder, für die "Spätberufenen": Für jeden ist Platz im Reich Gottes, wenn er nur irgendwann beginnt, sich zu bekehren und zu glauben.

Lb. Gl. Diese "Spätberufenen" gibt es zu allen Zeiten, auch heute.

Einer davon ist der bekannte Journalist Dr. Günther Nenning. Er war ein beißender Kritiker und alles andere als religiös.

Zu meinem Erstaunen lese ich neulich einen Artikel von ihm. Da schreibt er über die Bibel. Er schreibt: "Moderner geht’s nicht.

Ich freu mich über alles, was wirklich modern ist - nämlich auf der Höhe der Zeit, statt in der Tiefe me­dialer Verblödung. Desto schöner die Nachricht: Die Bibel ist ein Bestseller. Die billige Einheitsüberset­zung der Bibel ist mancherorts vergriffen. Die Christus-Aktie ist hoch im Kurs. Von allen Büchern, die auf dem Markt sind, ist die Bibel am aktuellsten und modernsten. Denn was kennzeichnet den Stil der Moderne? Die Moderne bietet keinen bequemen Trost und keine billige Sicherheit. Statt Dogmen kriegt der Bibel-Leser Futter für Zweifel und Rätsel. Das Buch der Bücher ist ein schräges, queres Werk - moderner geht's nimmer. Oft frage ich mich: Wie konnte der liebe Gott ein so unkorrigiertes, ungeglättetes Buch auf den Markt bringen? Dass die Bibel ein Bestseller ist, spricht für beide: für Gott als den letztlichen und unbegreiflichen Autor und für die wachsen­de Leserschaft. Wie Gott das macht, weiß ich nicht. Mir genügt, dass er alles kann. Ich lese fast jeden Tag in der Bibel. Das ist ein Anlass für Optimismus. Wenn die Bibel gelesen wird, ist die Menschheit nicht verloren. Was für ein Buch!"

Lb. Gl. Soweit Dr. Günther Nenning. Ein Theologe könnte es nicht besser sagen.

 

 

 

Lj. A 2020: 25. So.i.J.: Jeder den gleichen Lohn: erfülltes Leben!

 

Evangelium Mt 20,1

In jener Zeit erzählte Jesus das folgende Gleichnis. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.  Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.  Um die dritte, sechste und neunte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.  Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.  Und sie gingen.  Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.  Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.  Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.  Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.  Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. 

 

Impuls

Die Schule hat wieder begonnen. Gott sei Dank, atmen die Eltern auf und viele Schüler auch. Endlich die Freunde wiedersehen! Die Masken nehmen sie locker. Was die Schüler aber ganz und gar nicht leiden können: Wenn Lehrer ungerecht sind. Aber - was ist denn ungerecht? Für gleiche Leistung gleiche Noten? Für gleiche Vergehen die gleiche Strafe? Ist das wirklich gerecht? Ich weiß nicht. Ein kluger Pädagoge wird bei einem schlechteren Schüler, der sich ehrlich bemüht, eher ein Auge zudrücken und die bessere Note geben, um ihn zu motivieren. Der faule intelligente Schüler hingegen verdient keine Nachsicht.

So, und heute haben wir noch einen, der ungerecht ist. Es ist kein Geringerer als Gott selbst. Er gibt dem, der nur eine Stunde gearbeitet hat, den gleichen Lohn wie jenen, die 12 Stunden auf dem Buckel haben. Diese beklagen sich auch dementsprechend beim Herrn: Das ist doch ungerecht! Der Herr widerspricht energisch: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Du bekommst, was ausgemacht ist: Einen Denar, den Unterhalt deiner Familie für einen Tag. Sollen die anderen, die keine Arbeit gefunden haben, die niemand angeworben hat, sollen die verhungern? Das wäre ungerecht!

Lb. Gl. In diesem Gleichnis geht es letztlich nicht um den Tageslohn. Worum es geht, wird zu Beginn gesagt: Mit dem Himmelreich ist es so… Es geht also um das Reich Gottes, um die Mitarbeit dort, um Nachfolge und aktive Jüngerschaft - und um den angemessenen Lohn dafür. Der Lohn ist für alle gleich: erfülltes Leben. Im Reich Gottes ist es nicht so wichtig, wie lange jemand dabei ist. Manche sind von Kindesbeinen an dabei, schon seit der Taufe. Sie glauben und beten mit der Familie. Führen ein christliches Leben und tun viel Gutes nach dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Andere vernehmen erst viel später die Werbung Gottes. Wichtig ist einzig, dass der Mensch sich anwerben lässt, seine Talente einzusetzen und etwas zu tun für das Reich Gottes. Arbeit gibt es genug und jedes Talent wird gebraucht. Jeder kann Nützliches leisten im Sinne Gottes: für die Familie, für die Nachbarschaft, im Verein, in der Gemeinde, in der Kirche, oder zum Schutz der Mutter Natur und vieles andere mehr. Da gibt es 1000 kleinere und größere Liebesdienste, je nach Talent und Fähigkeit. Jeder kleinste ist wichtig im Reich Gottes.

Lb. Gl. Ist Gott ungerecht? Ja, und wie! Gott sei Dank! Das ist unser Glück. Er belohnt nicht nach Leistung. Er gibt jedem, was er braucht zu einem erfüllten Leben. Gott ist gerechter als nur gerecht.

Das ist eine wirkliche Trostbotschaft, besonders für Eltern, deren Kinder oftmals andere Wege gehen, die sich von der Kirche und vielleicht sogar von Gott entfernen. Auch wer in der letzten Stunde zurück-kommt, ist bei Gott willkommen und bekommt Leben in Fülle! Dies ist eine Trostbotschaft auch für mich, denn ich kann ja auch nicht sicher sein, dass ich zu jenen gehöre, die in der ersten Stunde schon bereit stehen, die nie einen Durchhänger haben, die fleißig durcharbeiten ein Leben lang. Wie auch immer: Auch ich bekomme den Höchst-Lohn: Leben in Fülle mit Gott und zwar schon jetzt – und erst recht im Himmel.

 

 

 

Lj. A 2020: 24. So.i.J.: Siebzigmal siebenmal verzeihen?

Evangelium (Mt 18,21)

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

Impuls

christliche Religion ist allen anderen Religionen weit überlegen, was die Moral betrifft. Jesus legt die Latte ziemlich hoch. Zuallererst mit seinem Liebesgebot: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Aber auch, was das Verzeihen betrifft, und wie oft das geschehen soll. Er meint siebzigmal siebenmal. Gleich zweimal die heilige Zahl 7. Das bedeutet: Immer!

Dieser hohe Anspruch birgt eine doppelte Gefahr in sich. Die Gefahr der Übertreibung: zu viel oder zu wenig. Die weniger Eifrigen denken gleich: Nichts für mich! Das schaff ich nie 70x7x -  und probieren es gleich gar nicht. Und die Übereifrigen nehmen alles über-genau. Buchstabengetreu und oftmals ohne Vernunft. Vernunft ist dringend nötig. Denn da gibt es Leute, die sind dermaßen unverschämt, dass sie gutgläubige Christen mit ihrem zarten Gewissen schamlos ausnützen und sie abhängig machen. Das passiert sogar in vielen Ehen. Solchen Leuten aus purer Nächstenliebe alle Wünsche zu erfüllen, hieße: "Lumpen züchten". Um Gebote und Weisungen richtig umzusetzen, braucht es ein gutes Maß an Klugheit. Liebe ohne Klugheit ist Dummheit.

Ähnliches gilt von der Weisung, siebzigmal siebenmal oder immer zu verzeihen. Das ist schön und edel. Kann aber auch zur Dummheit werden, dann nämlich, wenn kein Funke guter Wille da ist, sich zu bessern.  Das meint übrigens auch Jesus, der dem "immer verzeihen" selbst eine vernünftige Grenze setzt. Für die großen Fehler und Sünden empfiehlt er einen Drei-Stufen-Plan: Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, nimm einen oder zwei Männer als Zeugen (oder Schlichter). Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide. Das heißt: Dann ist Schluss. Dann ist heilsame Distanz angesagt, sonst gehst du selber daran kaputt.  

Lb. Gl. Das gilt für die großen Fehler und Sünden. Nun, die großen sind ja nicht so häufig. Normalerweise nerven wir uns gegenseitig mit alltäglichen mittleren und kleineren Fehlern und Schlampereien. Diese wird man jedem Menschen zugestehen. Kein Mensch ist perfekt, auch wir nicht. Die alltäglichen Fehler wird man auch nicht zählen, außer man hat einen kleinen Vogel wie das englische Ehepaar Smith.

Das Ehepaar Smith hatte bereits am Hochzeitstag den 1. Streit. Die beiden waren sich uneins, wer als erster zu unterschreiben hat. Und der 2. Streit folgte binnen weniger Minuten. Einer gab dem anderen die Schuld, mit dem Streit angefangen zu haben. Also beschlossen sie am Hochzeitstag, ein Buch anzulegen und jeden Streit und den Anlass dazu aufzuschreiben. Am 40. Hochzeitstag erfuhr eine Zeitung von dem seltsamen Tagebuch und hat die Bilanz auf der Titelseite abgedruckt: Herr und Frau Smith haben sich gestritten:

1879-mal, weil das Essen nicht rechtzeitig fertig

oder missglückt war;

1430-mal, weil sie mit ihrem Haus­haltsgeld nicht auskam;

981-mal, weil er mit schmutzigen Schuhen Treppen und Teppiche

beschmutzte;

687mal, weil sie die Kinder zu sehr verwöhnte;

611-mal, weil er die Kinder zu sehr verwöhnte;

300-mal, weil er zu spät nach Hause kam;

240-mal, weil sie frühmorgens verschlafen hatte;

28-mal, weil sie grundlos mit ihm Streit anfing;

17mal, weil sie zu laut zankte;

8-mal, weil er nicht nett zur Katze war;

Lb. Gl. Habt ihr zusammengezählt, wie viele Fehler das waren? Ganz bestimmt viel mehr als 70-mal 7-mal. Die Beiden haben trotz mancher Streitigkeiten eine gute Ehe geführt. Immerhin haben sie zusammen das 40-jährige Hochzeitsjubiläum gefeiert.

 

 

 

Lj. A 2020: 23. So.i.J.: Was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein.  Sündenvergebung

 

Evangelium (Mt 18,18)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

 

Impuls:

Mein Gott, was haben sich die Menschen alles einfallen lassen, um zornige Götter zu besänftigen und Buße zu tun für ihre Sünden. Man hat Altäre gebaut und Opfer dargebracht: Tiere, Früchte oder andere Kostbarkeiten. Manche Völker haben sogar Kinder geopfert. Die Juden haben Menschen-Opfer entschieden abgelehnt. Sie wählten als Ersatz verschiedene Tiere. Martin Luther hat ein Leben lang gegrübelt: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Im Christentum kommt das "Menschen-Opfer" wieder, allerdings nicht als Brand-Opfer, sondern als Kreuzesopfer. Jesus, der Gottmensch, opfert sich freiwillig, um für die Sünden der Menschen Buße zu tun. Bei jeder Messe lebt dieses Opfer auf und beschenkt uns mit seinen Früchten: Erlösung von den Sünden und von dem, was uns belastet. Schließlich hat Jesus sein Erlösungswerk in die Hände seiner Jünger und deren Nachfolger gegeben. Beim Letzten Abendmahl feiert er "sein Opfer". Er nimmt seinen Tod voraus, feiert die erste Hl. Messe, wo er Brot in seinen Leib und Wein in sein Blut verwandelt. Er selber erklärt die Zeichen Brot und Wein: "Das ist mein Leib, der für die Menschen hingeopfert wird. Das ist mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden (Mt 26,28). Und dann sagt er noch: Tut dies zum Andenken an mich. Also: Macht ihr das in Hinkunft, jede Woche, jeden Tag, damit mein Erlösungswerk weiterwirkt für alle Generationen.

Nach seiner Auferstehung erscheint er seinen Jüngern. Er haucht sie an und sagt: Empfangt den Hl. Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert (Joh 20,22). Im heutigen Evangelium sagt er das Gleiche: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein. Und was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein.

Lb. Gl. Im Grunde nicht zu fassen, was Jesus den Aposteln und deren Nachfolgern übergibt. Früher hat es geheißen: Wer kann Sünden vergeben? Doch nur der liebe Gott! Jesus hat die Sündenvergebung in die Hände von Menschen gelegt. Wir müssen uns also nicht mehr quälen mit dem Gedanken: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Den gnädigen Gott haben wir immer. Und wenn etwas mein Gewissen belastet, geh ich zur Messe oder zur Beichte. Dort werde ich meine Sünden los. Einfacher geht es nicht. Bleibt nur zu wünschen, dass ich nicht nur einen gnädigen Gott, sondern auch einen gnädigen Priester finde – und nicht einen, der strenger ist als der liebe Gott.

 

 

 

Lj. A 2020: 22. So.i.J.: Geh mir aus den Augen, Satan!

Freunde

Evangelium: Mt 16,21-23

In jenen Tagen begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.  Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein tägliches Kreuz auf sich und so folge er mir nach.  Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen einsetzt, wird es gewinnen.

Impuls:

Der liebe Jesus konnte ganz schön in Rage geraten, wen ihm etwas gegen den Strich ging. Da hat er auch mit Schimpfwörtern nicht gespart. Die religiösen Führer nannte er Heuchler, übertünchte Gräber, Schlangenbrut und Natterngezücht. Dann sagte er noch ein Schimpfwort. Das hab' ich mich selbst in der größten Wut noch nie zu sagen getraut: Du Teufel! Genau das schleudert er nicht einem Feind ins Gesicht, sondern seinem besten Freund, dem Apostel Petrus: Geh mir aus den Augen, du Satan! Was hat er denn angestellt, dass er ein solches Schimpfwort einstecken muss? Er hat es doch nur gut gemeint. Er will ihn vor dem Untergang bewahren. Jesus redet ganz offen darüber, dass die religiösen Führer ihn beseitigen wollen. Sie werden ihn quälen und töten. Petrus ist entsetzt: Das darf mit dir nicht geschehen. Darauf Jesus: Geh mir aus den Augen, du Teufel! Teufel im Sinn von "Verführer". Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern, was die Menschen wollen. Die Menschen suchen ja immer den bequemen Weg. Hör auf, mich von dem Weg abzubringen, der mir vorbestimmt ist.

Lb. Gl. Eine sehr emotionale Geschichte. Und eine große Lebensweisheit steckt darin: Der bequeme Weg ist nicht immer der richtige. Ganz im Gegenteil. Jesus meint: Wer mein Jünger sein will, nehme sein tägliches Kreuz auf sich und so folge er mir nach. Wer also sein Leben um jeden Preis bequem machen will, wird es verlieren. Wer es aber einsetzt für Gott und die Mitmenschen, wird es gewinnen. Was wir brauchen, sind echte Freunde. Freunde, die mir nicht die bequemsten Wege, nicht alle möglichen Umwege zeigen um das Kreuz herum, sondern Freunde, die mir helfen und gut zureden. So, dass ich es schaffe, eine unausweichliche Herausforderung anzupacken und zu meistern. Was ich brauche, ist ein Simon von Cyrene, der mir im Ernstfall tragen hilft und der mir Mut macht.

Lb. Gl. Das heißt, du wirst dich nach wahren Freunden umsehen müssen. Wohlgemerkt: wahre Freunde. Gute Freundschaft entsteht nicht über Nacht. Eine Freundschaft ist wie ein Baum - zu Beginn noch zart. Ein kleiner Wind verbiegt das Bäumchen, einen Sturm überlebt es kaum. Regelmäßige Pflege sorgt dafür, dass die Freundschaft stärker wird. Nach einiger Zeit kann selbst das größte Unwetter wahre Freundschaft nicht zerstören.

Was sind wahre Freunde?

·       Es sind jene, die Dir in den schwärzesten Stunden beistehen.

·       Ein guter Freund ist zuverlässig und treu.

·       Ein guter Freund ist ehrlich.

·       Er liebt dich, so wie du bist.

·       Er zeigt Respekt und Wertschätzung.

·       Er schätzt deine Leistungen und Fähigkeiten,

ohne Neid und Eifersucht.

·       Er ist aufmerksam – beachtet sogar die Kleinigkeiten.

·       Er ist Motivator – baut dich auf und

stärkt dein Selbstbewusstsein.

·       Er ist hilfsbereit.

·       Ein guter Freund kann verzeihen.

·       Und: Ein guter Freund darf auch Fehler machen, ohne etwas von seinem Wert zu verlieren. Siehe Petrus! Trotz mancher Fehler bekommt er von Jesus das größte Geschenk: die Schlüssel des Himmelreichs.

 

 

 

Lj. A 2020: 21. So.i.J.: Für wen haltet ihr mich?

 

Evangelium (Mt 16.13)

In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.  Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.  Ich aber sage dir: Du bist Petrus, ein Felsen, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 

 

Impuls:

Für wen hältst du mich? So platzt es manchmal aus uns heraus, wenn wir uns schäbig behandelt fühlen. Für wen hältst du mich? Diese Frage ist der springende Punkt, ob eine Familie funktioniert oder nicht. Die Ehefrau fragt sich manchmal: Für wen hält mich mein Mann? Bin ich sein geliebter Schatz, oder nur eine nicht bezahlte Putzfrau? Der Mann fragt: Für wen hält mich meine Frau? Bin ich ihr geliebter Schatz, oder nur der monatliche Geldgeber? Kinder fragen: Für wen halten mich die Eltern? Bin ich die geliebte Tochter, der geliebte Sohn? Oder ein Versager, der ständig zu hören bekommt: Lass das! Das kannst du nicht! Das kann fatale Folgen haben. Solche Kinder werden sich schwertun, einen Selbstwert zu entwickeln. Sich schwertun, die eigenen Talent und Stärken zu entdecken und etwas aus dem Leben zu machen. Sie werden nicht selten tatsächlich zum Versager, obwohl auch sie ihre Fähigkeiten haben. Es ist also ganz und gar nicht unwichtig, wie man eingeschätzt wird. Das weiß auch Jesus. Deshalb fragt er seine Freunde. Für wen halten mich die Leute? Nun, da gehen die Meinungen weit auseinander. Seine Feinde halten ihn für einen, der mit seiner neuen Lehre das Volk verführt. Er ist eine Gefahr für das Volk. Er muss weg! Und das machen sie auch, gnadenlos! Seine Anhänger wiederum halten ihn für einen großen Prediger, für einen Wundertäter und Heiler. Das hat zur Folge, dass sie zu Tausenden kommen, um sein Wort zu hören oder geheilt zu werden. Soweit die Einschätzung der Leute. Viel wichtiger ist ihm aber, was seine engsten Freunde von ihm halten. Sie sind ja seine Mitarbeiter und schließlich seine geistigen Erben, die weiterführen sollen, was er begonnen hat. Petrus, der Wortführer sagt: Du bist der Messias. Er bringt es auf den Punkt: Messias. Also weit mehr als nur ein guter Prediger und Rabbi oder irgendein Prophet. Er ist Sohn Gottes, gekommen, um die Menschen zu erlösen von Sünde und ewigem Tod. Jesus ist beruhigt. Jetzt haben sie's kapiert.

Dieser Petrus ist wirklich wie ein Felsen. Auf diesem Fundament kann ich getrost meine Kirche bauen.

Lb. Gl. Petrus hat eine hohe Meinung von Jesus. Schön und gut. Aber was ist mit uns. Auch unsere Meinung ist gefragt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Die Antwort darauf kann mein ganzes Leben bestimmen und prägen. Halte ich ihn nur für irgendeine interessante Persönlichkeit aus der Geschichte, etwa wie Napoleon? Dann werde ich für ihn keinen Finger rühren. Er wird mich kalt lassen wie Napoleon. Halte ich ihn aber für den Sohn Gottes, für meinen Retter, meinen Erlöser, die mich liebt, so sehr, dass er für mich sein Leben gibt, dann schaut die Sache gleich ganz anders aus. Dann wird er für mich zum Schatz. Und wenn er mein Schatz ist, werde ich eine lebendige Liebesbeziehung zu ihm aufbauen. Dann wird Jesus wichtig für mich. Wichtig jedes Wort aus seinem Mund, alles, was er denkt und sagt, wie er fühlt und lebt. Seine Lieblingsidee wird zu meinem Grundsatz. Die Gottes- und Nächstenliebe wird zur lieben Gewohnheit in meinem Leben.

Lb. Schw. und Brüder. Für wen halten mich die Leute, will Jesus wissen. Er will es wissen - auch von dir.

 

 

 

Lj. A 2020: 20. So.i.J.: Das Brot den Hunden vorwerfen?

Beleidigung, Kränkung… wie überwinden?

 

Evangelium (Mt15,21-28)

In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon

zurück.  Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.  Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her.  Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.  Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er

erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.  Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.  Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 

Impuls:

Was da erzählt wird, ist so was von unfassbar! Jesus behandelt diese heidnische Frau wie einen Hund: "Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen", sagt er. Das ist eines Gottessohnes nicht würdig. Oder verstehen wir das Ganze nur falsch? Da gibt es Klärungsbedarf. Alles deutet darauf hin, dass Jesus einfach eine Lektion inszenieren will, so anschaulich, dass jeder sie kapieren muss. Jeder, auch die Religionslehrer. Kurz zuvor hatte Jesus nämlich ein Streitgespräch mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Sie waren eigens von Jerusalem gekommen, um ihn zu belehren über den jüdischen Glauben, und ihn zu ermahnen, dass er sich gefälligst an die alten Traditionen halten soll. Jesus will jetzt aufzeigen: So ist es bei uns. Das ist die Meinung unserer religiösen Führer, das ist die Meinung des ganzen Volkes: Wir, die Juden, sind das auserwählte Volk Gottes, die Lieblinge Gottes. Die Nichtjuden und Heiden sind Hunde, mit denen man lieber nichts zu tun haben soll. Jetzt spielt Jesus halt die Rolle des strengen Rabbi und beleidigt die Heidin.

Die Frau hätte stockbeleidigt davonlaufen müssen. Sie spielt nicht die beleidigte Leberwurst. Sie bleibt stark und lässt sich nicht abwimmeln. Die Heidin nimmt den sog. "Hausbrauch" der Juden demütig zur Kenntnis, dass sie Hunde sind. Aber dann kommt sie mit einem Argument, das umwerfend ist, das bisheriges Denken umwirft, sodass jeder einsehen muss, auch die großen Religionslehrer: Wenn man schon den Hunden ab und zu einen Brocken zuwirft, damit sie leben, dann wird man erst recht einem Menschen geben, was er dringend braucht, egal, ob Jude oder Heide. Wie Jesus wirklich denkt, zeigt er in seinem Handeln. Er macht ihr ein Riesen-Kompliment: Frau, dein Glaube ist groß, viel größer als der Glaube der frommen Religionslehrer. Was du willst, soll geschehen.

Lb. Gl. Diese Heidin ist ein Vorbild für uns alle. Ein Vorbild tiefen Glaubens und einer starken Persönlichkeit. Sie kämpft wie eine Löwin für ihr Kind. Das muss man sich erst getrauen, als Heidin in die Arena der frommen Juden zu treten. Heute drängt sich die Frage auf: Wie geht es dir mit Kränkungen? Kannst du sie locker wegstecken? Oder spielst du die "beleidigte Leberwurst"? (Bild)

Psychologen geben Ratschläge, wie man Kränkungen überwinden kann. Zunächst: Sprechen über das Problem. Hinunterschlucken bringt nur Frust und Übergewicht an Seele und Leib. Sag der Person, die dich beleidigt hat, mit einer Ich-Botschaft: Das hat mich gekränkt. Dann erfährst du auch, ob die Kränkung gewollt oder ungewollt geschehen ist. War sie ungewollt, wird sie sich entschuldigen, und die Sache ist gegessen. War sie gewollt, sprich mit einer vernünftigen Person darüber. Sie wird dir helfen, die Kränkung richtig einzuschätzen: War es ein Mückenstich oder ein Elefantentritt? War es ein Mückenstich, dann vergiss es möglichst schnell. War es ein Elefantentritt, dann sag es den Vorgesetzten: den Eltern, der Lehrerin, dem Chef. Wenn der Elefantentritt dich schwer verletzt hat an Seele oder Leib, dann ist womöglich ein Therapeut aufzusuchen. Münden Kränkungen in seelische oder körperliche Gewalt, suche sofort Hilfe bei der Polizei.

Hilfreich ist oft ein Sicherheits-Abstand. Mach einen großen Bogen um die Person, die ich ständig kränkt.

Was zudem hilft: Stärke deinen Selbstwert. Dann prallen Verletzungen leichter ab. Lobe dich selbst ab und zu: "Karin, das hast du wieder gut gemacht. Und die Schönste bist du sowieso". Und dann gibt es noch die gute altbewährte Methode: das Verzeihen. Verzeihen hilft, sagen Psychologen und die Pfarrer natürlich auch. Verzeihen kühlt dein überhitztes Gemüt. Es bewahrt dich vor Verbitterung, vor Hass- und Rachegedanken, die dir selbst am meisten schaden. Soweit die Kränkungen, die du erleiden musst.

Was aber, wenn du die Person bist, die andere verletzt? Dafür gibt Jesus den besten Tipp in seiner "goldenen Regel": Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

 

 

 

 

Lj. A 2020: 15. August - Wahre Heiligkeit ist leise

Bild (Ikone)

Wir feiern Patrozinium. Wir feiern Maria. Wir feiern nicht ausgelassen, sondern mit großer Dankbarkeit. Wir feiern Maria als Mutter Gottes, die Jesus auch uns zur Mutter gegeben hat. Die Bibel ist sehr zurückhaltend, erzählt ganz wenig über sie. Der Engel Gabriel erscheint und überbringt ihr den Auftrag Gottes: Du sollst ein Kind empfangen, Jesus, den Sohn Gottes. Viele Jahre später wird berichtet: Sie war bei einer Hochzeit zusammen mit Jesus und seinen Jüngern. Schließlich steht sie unter dem Kreuz ihres Sohnes. Das ist schon fast alles, was die Bibel von ihr sagt. Bescheidener geht es nicht. Und genau diese Bescheidenheit ist es, die sie selbst ausgezeichnet hat. Dieses un­scheinbare einfache Leben Mariens ist ein Hinweis darauf, was wahre Heiligkeit ist.

Wahre Heiligkeit besteht nicht aus Sensationen, nicht aus faszinierenden Ereignissen, au­ßergewöhnlichen Bewusstseinszuständen und Weissagungen, Schwe­ben über dem Boden, Hören von geheimnisvollen Stim­men und Privatoffenbarungen al­ler Art. Wahre Heiligkeit geht mit leisen Schritten durch die Welt. So wie das Mädchen von Nazareth unscheinbar und unauffällig durch das Leben ging: Zwi­schen Wasserschöpfen und Reisig­holen, Mühledrehen und Brotbacken. Ein großer Theologe hat einmal gesagt: Maria war so un­scheinbar - wenn sie damals an uns vorbeigegangen wäre, keiner hätte sich nach ihr umgedreht..." Wahre Heiligkeit besteht einfach in der Hingabe an den Willen Gottes, im Bemühen um das Gutsein, und in der Bewahrung des Gottvertrauens, selbst mit­ten im größten Dunkel. Ich kenne Menschen, bei denen ich eine der­artige Heiligkeit vermute: Sie kommen im mü+hsamen Alltag zu­recht, sind stille Beter, verbergen oft das eigene Leid, wollen nicht zur Last fallen, pflegen einen schwierigen Kranken oder ertragen einen komplizierten Menschen. Versehen oft über Jahre einen Dienst in der Kirche oder in der Welt, der nichts einbringt. Diese Leute flüchten nicht in ekstatische Zustände und

Über­treibungen. Sie gehen in die Kirche und ringen um jenes Maß an Gottverbundenheit, das ihnen Kraft und Frieden schenkt für ihre Seele. Wahre Hei­ligkeit geht auf leisen Schritten durch die Welt und schmückt sich nicht mit einem Heiligenschein. Das ist es, was uns die Schrift mit dem schlichten Leben der Mutter Gottes sagen will. Gleichzeitig ist das auch ein Hinweis, wie angemessene Marienverehrung geschehen soll. Diese darf nicht geprägt sein von Wundersucht und Sensationslust. Nicht geprägt von Übertreibungen. Maria darf nicht zur "Göttin" erhoben werden.

Lb. Gl. Wir Österreicher neigen dazu, den Wert eines Menschen nach seinen Titeln zu bemessen. Ist jemand Dr. oder Hofrat, dann sinken wir in die Knie. Und Fans bezahlen Millionen für das T-Short ihres Stars. Das ist Liebhaberwert. Der Liebhaberwert übersteigt den Materialwert um ein Tausendfaches so bezahlte ein Sammler 100.000 Euro für eine Locke von Elvis. Woraus ergibt sich der Wert Mariens? Er definiert sich nicht aus ihren Ehrentiteln, die in Litaneien aufgezählt werden. Ihr wahrer Wert ist ein Liebhaberwert. Dem lieben Gott ist sie alles wert. Er hebt sie heraus aus Tausenden von Frauen. Sie wird seine Mutter. Von Gott geliebte, von Gott erwählte Mutter. Gibt es einen höheren Titel?

Lb. So wie bei Maria ist es auch bei uns. Vor Gott zählen nicht unsere Leistungen und die Zahl unserer Gebete und schon gar nicht, was wir sind und haben. Es zählt allein der Liebhaberwert. Als sein Kind bist du ihm alles wert.

 

 

 

Lj. A 2020: 19. So.i.J.: mutig oder ängstlich?

 

Evangelium: Mt 14,22-33

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, mit dem Boot ans andere Ufer zu fahren. Er stieg auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.  Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.  In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.  Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.  Doch Jesus sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.  Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.  Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

 

Impuls:

Was bist du für ein Mensch? Mutig und risikofreudig? Nach dem Motto: Frisch gewagt, ist halb gewonnen? Und - hast du gewonnen? Oder bist du eher ängstlich und risikoscheu? Lieber auf Nummer sicher? Und - hat es sich ausgezahlt? Risiko oder Vorsicht - was ist besser? Schwer zu sagen. Die lockeren Typen sagen: No risk, no fun! Ohne Risiko kein Spaß! Heute erzählt das Evangelium von so einem, der das Risiko liebt. Der getraut sich was, der Petrus, der Nichtschwimmer. Er ruft Jesus vom weitem zu: Sag, dass ich auf dem Wasser zu dir kommen soll. Über das Wasser gehen so wie Jesus? Ist das aber lustig! Lustig schon, aber nur so lange, bis man absäuft. Jesus muss ihn eigenhändig aus dem Wasser ziehn. No risk, no fun?

Risiko oder Vorsicht? Was ist besser? Am besten ist wahrscheinlich eine gesunde Mischung von Beiden. Wenn man gute Berater und Freunde hat, kann man schon ein bisschen mehr Risiko wagen. Petrus hatte den besten.

Ich persönlich halte es mit der Volksweisheit: Frisch gewagt ist halb gewonnen. Risiko mit einem Funken Hausverstand. Gar nichts zu wagen aus Angst vor dem Versagen, ist die schlechteste Variante. Die Angst schnürt zu und blockiert die besten Talente, und man erreicht gar nichts. Wer Radfahren lernen will, das geht nicht ohne Schrammen und Beulen. Der wehleidige Angsthase lernt es nie. Wir sollten bedenken: Es ist keine Schande, Fehler zu machen. Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun vor lauter Angst. Eines ist klar: Angst vor Gott ist völlig unnötig. Gott verlangt von keinem Menschen mehr, als er geben kann. Er verlangt nie, dass jemand mit seinem bescheidenen Talent das Gleiche leisten muss, wie ein Muli-Talent. Und er gestattet jedem, der sich bemüht, tausend Fehler und mehr. Nur den einen Fehler nicht: die Hände in den Schoß zu legen und gar nichts zu tun. Was uns allerdings oft vielmehr zu schaffen macht als die Angst vor Gott, ist die Angst vor den Menschen, die manchmal gnadenlos sind. Oder die Angst vor uns selbst, weil wir zu uns selbst oft gnadenlos sind in unserem Perfektionismus. Wir verzeihen uns nichts, keinen Fehler, und schon gar keine Blamage.

Vom heutigen Evangelium können wir lernen: Trau dich was! Petrus traut sich was. Er denkt: Es ist doch Jesus da für den Notfall. Kurz absaufen lässt er ihn, aber ertrinken lässt er ihn nicht. Das gilt auch für uns: Trau dich was! Auch wenn du mal auf die Nase fällst, was solls! Daran stirbt man nicht. Und wenn du einen Schluck Wasser abbekommst, daran ertrinkt man nicht.

Trau dich was! Wozu hat man Freunde und Berater, die im Ernstfall zur Stelle sind? Und einen Schutzengel hast du auch für den schlimmen Ernstfall. Und für den schlimmsten aller Ernstfälle, ist auch noch Jesus da, der die rettende Hand entgegenstreckt.

Also: Trau dich was!

 

 

Lj. A 2020: 18. So.i.J.: Gebt ihr ihnen zu essen.

 

Evangelium nach Matthäus (Mt 14,13)

In jener Zeit fuhr Jesus in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach.  Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.  Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.  Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.  Darauf antwortete er: Bringt sie her! Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

Impuls:

Manchmal frage ich mich: Wie ist es möglich, dass ein so winziges Ding die ganze Welt tyrannisiert. Ein Virus, das man mit freiem Auge gar nicht sieht. Alles ist anders als vor 5 Monaten. Firmen bangen ums Überleben, Arbeiter um ihre Arbeit. Das Ortsbild hat sich verändert: Menschen laufen mit Maske herum. Sogar in die Kirche kommen sie mit Maske. Einige Wenige schimpfen auf dem Kirchplatz: So ein Blödsinn, diese Masken. Ist doch alles übertrieben! Dann gibt es wieder die ganz Frommen, die sagen: In der Nähe Jesu kann man sich doch gar nicht anstecken. Andere sagen: Jesus braucht keine Maske, ich also auch nicht. Oder Angesteckte gehen in die Kirche in der Hoffnung, dass Jesus sie heilt – und stecken andere an. Ich denke, die Wahrheit liegt in der Mitte zwischen Ängstlichkeit, Sorglosigkeit und frommer Blau-Äugigkeit. Wie sollen wir uns verhalten in der Krise? Vielleicht können uns die heutigen Lesungen weiterhelfen. Paulus hat viele schwere Krisen erlebt. Und er hat mit Jesus gute Erfahrungen gemacht. Er schreibt: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not, Verfolgung, Hunger, Kälte, Gefahr oder Schwert? Alles überwinden wir durch den, der uns liebt.

Wie denn? Jesus wird schon alles richten. Dem treuen Apostel Paulus sind die Gefahren und Bedrängnisse nicht erspart geblieben. Einmal wurde er beinahe zu Tode gesteinigt. Von wegen: In der Nähe Jesu kann mir nichts passieren! Aber - die Nähe Jesu und sein Geist geben mir Kraft und Weisheit, das Richtige zu tun.

Einen weiteren hilfreichen Tipp für die Krise finden wir im Evangelium. Tausende kommen zu Jesus, hungrig nach einem guten Wort. Nachdem sie den ganzen Tag bei ihm ausgeharrt haben, knurrt ihnen der Magen. Wie sollen sie den weiten Weg nach Hause schaffen? Die Jünger haben eine Idee: Schick die Leute weg! Sie sollen sich in den Dörfern was kaufen. Jesus aber meint: Gebt ihr ihnen zu essen. Woher denn? Sie haben ja selber nichts. Für dieses Mal springt Jesus ein, und macht mit einem Wunder Tausende satt. Das ist die Ausnahme. Im Übrigen gilt seine Weisung: Gebt ihr ihnen zu essen! Das ist es, was auch uns über die Krise trägt: Das Teilen, das Mitgefühlt, die Achtsamkeit, sich gegenseitig helfen und schützen. Genau das hat uns bisher über die Krise geholfen und wird es weiterhin tun. Wir besorgen Lebensmittel aus der Region und halten damit unsere Betriebe am Leben. Wir erledigen Einkäufe und Anderes für ältere und gefährdete Menschen. Wir teilen die Arbeit auf in Kurzarbeit und helfen damit vielen Arbeitern und Betrieben über die Krise. Wir tragen Masken, halten Abstand und Hygiene zum gegenseitigen Schutz. Interessant: Osttirol hat keine Infizierten. Wie denn so was? Kann es sein, dass Corona die Osttiroler nicht mag? Ich weiß nicht. Ich denke, die Osttiroler befolgen gewissenhaft die Sicherheitsmaßnahmen: Maske, Abstand und Hygiene. Das ist gut.

Ich empfehle zudem noch Psycho-Hygiene. Lass dich nicht hinunterziehen. Vermeide negative Nachrichten. Lies ein schönes Buch. Besuche Mutter Natur. Ich mache jeden Tag eine Runde im Klostergarten. Ich freue mich an jeder Blume, an den Bienen, die um den Bienenstock schwirren, an den Äpfeln, die schön langsam Farbe annehmen. Ich spreche immer wieder ein kurzes Gebet um Geduld und Gelassenheit. Und - ich fühle mich rundum wohl in meiner Haut, trotz Corona.

Lb. Gl. Wie sagt Paulus? Alles überwinden wir durch den, der uns liebt. Aber nicht so, dass Er alles macht, sondern, dass Er uns zeigt, wie es geht. Er zeigt es uns durch das Gebot der Nächstenliebe. Liebe macht erfinderisch.

 

 

Lj. A 2020: 17. So.i.J.: Schatz im Acker

 

Evangelium nach Matthäus (13,44-46)

In jener Zeit sprach Jesus: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

 

Impuls:

Hast du einen Schatz? Dann gratuliere ich dir. Ist es ein Mensch? Dann gratuliere ich doppelt. Denn er übertrifft alle materiellen Schätze der Welt. Hast du keinen Schatz? Kann es sein, dass du einen hast und du siehst ihn nur nicht? Jesus meint: Jeder hat die Chance, einen Schatz zu finden. Du brauchst gar nicht meilenweit zu laufen. Der Acker mit dem versteckten Schatz ist in dir. Wenn du suchst, findest du ihn irgendwann, so wie der Mann im Evangelium. Jesus erzählt da von so einem Glückspilz, der eines Tages einen Schatz entdeckt. Er denkt: Diesen Schatz muss ich haben, koste es, was es wolle. Und was der kostet! Er muss sein ganzes Geld ausgeben. Ein Schatz hat eben seinen Preis. Was nichts kostet, ist nichts wert. Welchen Schatz meint denn Jesus überhaupt? Es ist das Himmelreich, das Reich Gottes, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Letztlich ist es Gott selbst. Es ist ein geistiger Schatz, nicht zu haben um alles Geld der Welt. Zu haben jedoch für jeden, der ein Herz hat. Für jeden, der geistige und menschliche Werte schätzt. Zu haben für jeden, egal ob arm oder reich, alt oder jung, gebildet oder nicht. Ein Herz muss er haben, weiter nichts. Geld braucht er dafür keins. Heißt das jetzt, dass der geistige Schatz überhaupt nichts kostet? Ganz im Gegenteil! Er kostet jede Menge Herz, jede Menge Empathie und Mitgefühl, jede Menge Liebe. Denn im Reich Gottes gibt es nur die eine Spielregel: Du sollst Gott lieben - und den Nächsten – ebenso dich selbst. So einfach? Ja und nein! Für viele Menschen ist Liebe keine Schwerarbeit, keine große Überwindung. Ihr Herz ist voll von Liebe. Wahre Liebe hat von Natur aus den Drang, sich zu verschwenden. Für manche jedoch ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, Gott und die Menschen zu lieben, weiß Gott warum! Möglicherweise waren Erziehungfehler schuld. Heute werden viele Kinder verwöhnt und zu Egoisten erzogen, die ein ganzes Leben lang nur um ihr eigenes Ego tanzen. Für sie ist Gottesliebe, Nächstenliebe und Empathie eine völlig fremde Welt. Gesunde Selbstliebe ist ja gut, von Jesus selbst empfohlen. Aber überzogene Selbstliebe wird nicht selten zur Sucht, zur Ich-Sucht. Die ist eine Krankheit, so wie jede Sucht. Sich von seinem Ego zu lösen, ist ein schmerzlicher Prozess, beinahe wie eine Amputation. Wirklich glücklich fühlen sich die Egoisten nie. Das ist ihre Chance. Dann machen sie sich irgendwann auf die Suche. Und plötzlich finden sie den Schatz, den sie vermissen.

Lb. Gl. Ja, ohne Preis sind sie nicht zu haben, der liebe Gott und sein Reich. Dennoch gibt es Unzählige, die alles opfern für Gott und sein Reich, sogar die eigene Familie. Ich denke an Priester und Ordensleute. An viele Laien, die ihre Talente und ihr Herz verschwenden für Gott und seine Kirche. An unzählige Ehrenamtliche, die unbezahlte Dienste leisten für das Reich Gottes. Warum tun sie sich das an? Sie haben Gott und sein Reich als kostbaren Schatz entdeckt, der sie im Innersten erfüllt und glücklich macht. Diesen Schatz wollen sie haben, koste es, was es wolle.

 

 

 

Lj. A 2020: 16. So.i.Jahr: Unkraut und Weizen

 

Evangelium  nach Matthäus (Mt 13, 14)

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen:

In jener Zeit erzählte Jesus das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.  Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.  Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.  Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.  Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

 

Impuls

Mir ist schon klar: Über geistige Dinge zu reden, ist immer schwierig. Man kann sie nicht sehen und greifen, nicht zählen und messen. Das weiß Jesus auch. Er will ein Reich Gottes errichten, ein Himmelreich, ein geistiges Reich. Aber wie erklär ich's meinen Kindern? Er versucht es mit Bildern und Gleichnissen. Wobei die Gleichnisse ebenfalls erklärungsbedürftig sind. Auch heute kommen die Jünger zu Jesus mit der Bitte: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Jesus sagt: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;  der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Lichtes; das Unkraut sind die Kinder des Bösen;  der Feind, der es gesät hat, ist der böse Feind, der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen. Die unverbesserlichen Bösewichte werden dem Feuer übergeben.  Die Gerechten aber werden im Reich des Vaters leuchten wie die Sonne. Wer Ohren hat, der soll hören!

So weit die Erklärung Jesu vom Unkraut auf dem Acker. Da gibt es aber noch eine Sache, die klärungsbedürftig ist: Wie soll man mit dem Unkraut umgehen? Jesus meint: Lasst es wachsen bis zur Ernte. Das Unkraut, von dem Jesus redet, ist der gefürchtete Taumel-Lolch. Lolch ist hoch giftig. Erwischt man dieses Kraut, dann muss man mit schweren Unpässlichkeiten rechnen: Übelkeit, Sehstörungen, Schwindel und Taumel. Deshalb der Name: Taumel-Lolch oder Tollkraut. Besonders ärgerlich ist zudem, dass er dem Weizen täuschend ähnlich sieht. Diese Ähnlichkeit ist sein Schutz. So überlebt der Lolch. Und zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass der Lolch im Erdboden die Weizenwurzeln umschlingt. Will man Lolch jäten, reißt man zugleich den Weizen mit aus. Deshalb rät Jesus: Lasst alles wachsen bis zu Ernte. Erst dann wird der Unterschied erkennbar.

Das Unkraut wachsen lassen bis zur Ernte? Da wird mancher Gärtner aufbegehren: Nein, so nicht! Nun, Jesus redet ja nicht wirklich von einem Weizenacker. Er redet vom Acker der Menschen. Da geht es nicht um Blumen und Kräuter. Da geht es um Menschen, um seine Kinder. Um kostbarste Wesen allesamt, auch wenn nicht alle ganz perfekt sind. Jesus will auf keinen Fall, dass eines seiner Kinder vorschnell als Unkraut angesehen und vernichtet wird; weil es lästig ist und weil es den sog. Guten Platz und Nahrung wegnimmt. Jesus kann warten bis zum Ende eines Lebens. Bis dahin soll jeder Mensch, auch der schlechteste, die Chance haben, sich zu ändern. Und das geschieht tatsächlich oft genug. Das ist der himmelweite Unterschied zwischen dem Menschen und dem Unkraut. Der Mensch kann sich ändern, das Unkraut nicht. Wenn aber ein Mensch total verstockt ist und sich partout nicht ändern will, dann ist alles Weitere Chef-Sache. Der gnädige Richter wird wissen, wie er Menschen zur Einsicht bringt und welcher Lohn für sie angemessen ist. Auf keinen Fall ist es unsere Sache, einen Menschen zu verurteilen, oder gar zu vernichten. Was uns zusteht, ist einzig und allein, dass wir uns schützen vor gefährlichen Menschen.

 

 

 

 

Lj. A 2020: 15. So.i.J.: Gleichnis vom Sämann – Wort Gottes

 

Wir hören jetzt ein Gleichnis, das nicht ganz leicht zu verstehen ist: Evangelium Mt. 13,1 und 13,18-23

 

Verstehst du dieses Gleichnis? Nein? Macht nichts. Die Apostel haben es auch nicht verstanden. Sie haben sich sogar bei Jesus beschwert: Warum redest du in Gleichnissen, wenn keiner sie versteht? Als er dann mit den Jüngern allein ist, erklärt er es ihnen. Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.  Der Same ist das Wort Gottes. Wenn ein Mensch das Wort vom Reich Gottes hört, kann es passieren, dass böse Geister, komische Vögel daherkommen, alles zerreden und kaputt machen. Dann versteht man plötzlich gar nichts mehr. Bei diesen Menschen ist der Samen auf den Weg gefallen, wo alles niedergetrampelt wird.  Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,  aber keine Wurzeln hat. Sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, vergisst er alles und kommt zu Fall.  In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.  Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, dreißigfach oder sechzigfach oder hundertfach.

 

Lb. Gl. Der Sämann ist also Gott selbst. Ja, das Wort, das ist schon ein seltsames Gebilde. Einerseits voller Macht, so dass es Wunder vollbringen kann. Mit einem einzigen Machtwort „Es werde“ hat Gott die Welt erschaffen mit allem Drum und Dran.

 

Seit der Erschaffung der Welt wird Gott nicht müde, sein Wort auszustreuen – durch die Propheten und schließlich durch seinen Sohn. Gott streut den Samen seines Wortes in die ganze Welt, großzügig und verschwenderisch. Er hat ja genug davon. Sein Wort ist gut und voller Kraft. Er darf hoffen, dass seine Worte Früchte tragen. Andererseits ist das Wort oft genug auch wirkungslos. Der Schwachpunkt ist aber nicht das Wort, sondern der Boden, das heißt das Herz des Menschen.

 

Jesus ist aber dennoch optimistisch, dass sein Wort mancherorts sogar hundertfachte Frucht hervorbringen kann. Wie Recht er doch hat. Immerhin hat seine Botschaft in kurzer Zeit die letzten Winkel der Erde erreicht. Milliarden Christen hören heute sein Wort und versuchen, danach zu leben. Ja, das Wort Gottes ist fruchtbar und voller Kraft.

 

Lb. Gl. Jetzt frage ich mich: Wie steht es mit unserem Wort? Nun, ich weiß schon: Mit dem Wort Gottes kann sich unser Wort nicht messen. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, was manche Menschen so alles zusammenplappern, wenn der Tag lang ist, sinnloses Zeug, das niemandem nützt. Aber es gibt auch bei uns das Wort, das mächtig ist, positiv oder auch negativ. Ein Richterspruch z.B. "schuldig" oder "unschuldig" entscheidet über Gefängnis oder Freiheit. Ein einziges Wort: "Ich liebe dich" oder "Ich hasse dich" kann dein ganzes Leben verändern. Ein Wort "Ich verzeihe dir" kann Versöhnung stiften und damit einen Neubeginn. Das Wort, wir sollten es nicht unterschätzen. Hast du gewusst, dass das Wort eines Menschen gesund machen, krank machen, tot und lebendig machen kann? Hast du gewusst, dass die Stimme eines Menschen einen anderen Menschen wieder aufhorchen lässt, einen, der für alles taub war? Hast du gewusst, dass das Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente, unter Umständen mehr als eine geniale Operation? Hast du gewusst, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirken kann?

 

 

 

 

Lj. A 2020: 14. So.i.J.: Kommt alle zu mir

 

Es gibt Menschen, bei denen merkt man auf den ersten Blick, dass sie etwas zwickt. Sie werden geplagt von allen möglichen Wehwehchen oder gar von schweren Leiden, körperlichen oder seelischen. Viele sind hart mit sich selbst. Sie beißen sich durch. Andere laufen von einem Arzt zum andern, von einem Therapeuten zum andern und finden oft keine Heilung und schon gar nicht innere Ruhe. Im Gegenteil. Sie schimpfen dann über die Ärzte und Therapeuten: Ach, die können ja nichts! Und die Ärzte denken: Manchen Leuten ist nicht zu helfen. Die einen erwarten sich ein Wunder. Andere meinen: Es gibt für alles eine Pille. Wenn ich sie nehme, muss die Plage doch verschwinden. Manche wiederum gehen zu den falschen Ärzten, die für ihr Leiden gar nicht zuständig sind. Kein Wunder, wenn es dann nicht klappt.

 

Lb. Gl. Vielleicht hat das Evangelium einen nützlichen Tipp. Jesus gibt uns heute den Rat: Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Diese Einladung müssen wir genauer anschauen, dass wir sie richtig verstehen. Nicht wie einige Über-Fromme meinen: Jesus heilt alle Krankheiten. Schön wärs’s. Jesus hat schon vor 2000 Jahren nicht alle geheilt. Man kann nicht alle Krankheiten weg beten: den Krebs nicht, die Lungenentzündung nicht, auch Corona nicht. Jesus erspart uns nicht jeden Arzt-Besuch, aber vielleicht den einen und andern. Jene nämlich, wenn ein körperliches Leiden seelische Ursachen hat, eine psychosomatische Störung also. Gestörte Beziehungen z.B. können krank machen. Die Folgen zeigen sich in unterschiedlichen Formen: Verdauungsstörungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen, Depressionen und andere mehr. Das sind oft die Folgen einer langjährigen seelischen Belastung. Da helfen Tabletten und Spritzen nicht wirklich. Sie dämpfen vorübergehend die Symptome, aber wirkliche Heilung bringen sie nicht. Heilung gibt es erst, wenn die Ursache geheilt ist, die angeschlagene Beziehung. Dafür wäre Jesus nicht der schlechteste Therapeut. In herzlicher Zweisprache mit ihm komme ich zunächst einmal zur Ruhe. Schon das allein ist heilsam. Allmählich sehe ich die Dinge klarer. Vielleicht sehe ich auch wieder die guten Seiten des andern. Das befreit mich womöglich von Hass- und Rachegedanken, die das eigentliche Gift sind in meiner Seele und schließlich auch in meinem Körper.

 

Lb. Gl. Kommt alle zu mir. Ich denke, die Geplagten sollten es einfach mal probieren. Gebet, Gottesdienst mit Predigt und Kommunion sind gute Medikamente. Dazu noch das Sakrament der Beichte. Es kommt vor, dass Psychotherapeuten sagen: Sie sind bei mir falsch. Sie haben Schuldneurosen. Sie sollten einen Priester aufsuchen, der ihnen die Beichte abnimmt und damit ihre Schuld. Noch was: Von Einsamkeit und Angst geplagte Menschen können keinen besseren Zufluchtsort finden als bei Jesus. Deshalb lädt er uns ein: Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Segen - Meditation das Leben ist kostbar...

In einem Pflegeheim von Mutter Teresa hängt in der Eingangshal­le ein Poster mit folgenden Gedanken:

 Das Leben ist kostbar, geh sorgsam damit um.

 Das Leben ist eine Herausforderung, nimm sie an.

 Das Leben ist eine Pflicht, erfülle sie.

 Das Leben ist ein Rätsel, löse es.                                                '

 Das Leben ist ein Versprechen, erfülle es.

 Das Leben ist Traurigkeit, überwinde sie.

 Das Leben ist ein Lied, sing es.

 Das Leben ist ein Kampf, nimm ihn auf.

 Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.

 Das Leben ist Glück, erkenne und schätze es.

 

So segne euch +++

Lj. A 2020: 13. So.i.J.: Wer Vater und Mutter mehr liebt…

 

Koste es, was es wolle! Kannst du dich noch erinnern? Es liegt erst 3 Monate zurück. Corona hat zugeschlagen, nicht nur in Italien mit vielen Toten. Auch bei uns. Da haben alle Alarmglocken geläutet. Die Politiker hielten eine Krisensitzung nach der andern: Betriebe, Schulen, Kirchen, ganze Länder mussten in Quarantäne. Die Folge: Hundert-Tausende Menschen arbeitslos. Betreibe schlittern in die Pleite. Dann sind die Spitzen-Politiker vor die Öffentlichkeit getreten, um die Maßnahmen zu verkünden: Jetzt gilt es zuerst, alte und besonders gefährdete Menschen zu schützen. Es gilt, Betreibe und ihre Arbeiter über die Krise zu retten… Koste es, was es wolle. Und wenn es noch so große Löcher in die Staats-Finanzen frisst. So ist es eben. In Krisensituationen sind extreme Maßnahmen gerechtfertigt. Unser Krisen-Management hat offenbar geklappt. Deswegen genießen wir jetzt schon wieder viele Freiheiten. Gut so!

 

Ja, Krisen erfordern ein entschlossenes Krisenmanagement. Davon erzählt auch das heutige Evangelium. Was Jesus von seinen Jüngern verlangt, ist glatter Wahnsinn: Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Sind Familien-Bande nicht das Höchste und Wichtigste in unserem Leben? Die Familie plötzlich an die 2. Stelle zu setzen, das ist ein starkes Stück. Um das zu rechtfertigen, ist schon eine große Krise nötig. Diese Krise sieht Jesus in der Tat. Die Menschen irren durchs Leben, müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Sie suchen Wegweisung, Hilfe und Trost, und finden sie nicht. Die Hirten, die religiösen Führer haben kläglich versagt. Sie kümmern sich nur um sich selbst, nicht aber um die Menschen. Jesus schaut in die unzähligen Gesichter der leidenden, einsamen und hoffnungslo­sen Menschen. Ihr Blick geht ihm so zu Herzen, dass er sich mit ihren Schick­salen nicht abfinden kann. Heilung sollen sie bekommen, gute Zu­kunft – und nicht nur Vertröstung. Die Irrlehre muss ein Ende haben: die fatale Irrlehre, dass Gott die Armen und Kranken nicht mag und sie deshalb so bestraft. Im Reich Gottes sind alle Menschen Kinder Gottes. Alle haben den gleichen Wert, ob arm oder reich, krank oder gesund, gebildet oder nicht. Die neuen Mitarbeiter im Reich Gottes, seine Jünger, werden zuallererst zu den Armen und Be­drängten geschickt (vgl. Mt 10,8). Heilt sie, befreit sie, gebt ihnen ihre Würde zurück und zeigt ihnen einen sinnvollen Weg. Darum geht es, um nichts anderes  sonst. Habt ihr das verstanden? Jesus sieht nur noch eine Chance in der Krise: Ein neues Denken muss her, eine neue Politik. Die Politik der Egoisten macht das ganze Volk kaputt. Jesus will ein neues Reich errichten, ein Reich Gottes, wo andere Spielregeln das Leben bestimmen. Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Um ein solches Reich zu errichten, braucht es geeignete Leute. Leute mit Hand und Herz. Verwöhnte Weicheier helfen da nicht. Es braucht Leute, die alles zurückstellen, auch die eigene Familie. Leute, die nichts anderes im Sinn haben als das Reich Gottes. Koste es, was es wolle, und wenn es sein muss, auch das Leben.

 

Lb. Gl. Das klingt hart. In der Krise ist es gerechtfertigt. Es ist die einzige Chance, die aus der Krise führt. Und Jesus behält recht – bis auf den heutigen Tag.

Lj. A 2020: Herz Jesu – 12. So.i.J.: Herzlichkeit Gottes

 

Wenn ein neuer Kooperator kommt, aus einem anderen Bundesland, dann gibt es jedes Mal hitzige Diskussionen, spätestens am 1. Herz-Jesu-Freitag. Herz-Jesu? Typisch Tirol. Warum feiert ihr einen Körperteil und nicht den ganzen Jesus? Wie erkläre ich das einem Nicht-Tiroler? Nicht ganz einfach. Wir feiern nicht den Herzmuskel von Jesus, sondern das Kostbarste seines Wesens, seine Herzlichkeit und Liebe. Herz ist als Symbol zu verstehen, als Sitz der Liebe. Diese Symbolik kennt man übrigens auf der ganzen Welt und nicht nur in Tirol. Jedes Kind versteht: Mama und Papa haben ein Herz für mich. Oder: Der hat das Herz am rechten Fleck. Oder Herzlichen Glückwunsch und herzliche Grüße. Da denkt niemand an einen Herzmuskel, sondern einfach nur an Liebe. Genau das feiern wir am Herz-Jesu-Fest: Gott hat ein Herz für uns. Gott ist die Liebe. Er sorgt für uns, er führt und begleitet uns. Er ist an unserer Seite bis hinein in die Ewigkeit. Seine Worte und Lebensweisheiten zeigen uns den Weg zu einem glücklichen und harmonischen Leben. Er hat Erbarmen mit uns. Er verzeiht uns jede Schuld, und sei sie noch so schwer. Sein Lieblingsjünger Johannes bringt die Herzlichkeit Gottes auf den Punkt, wenn er sagt: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Und ich werde ihn auferwecken an seinem letzten Tag. Und Jesus selber sagt: Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben einsetzt für die Seinen. Jesus hat sein Leben hingeopfert am Kreuz, um stellvertretend Buße zu tun für unsere Sünden. Wir müssen also keine Strafe befürchten für unsere Sünden. Die Strafe hat er eingesteckt. Wir müssen gar nichts anderes tun als um Verzeihung bitten und uns bemühen, besser zu werden.

Lb. Gl. Herz-Jesu-Fest ist aber nicht nur als Lobeshymne auf die Herzlichkeit Jesu gedacht, sondern vielmehr als Lektion für uns alle. Wir alle sollen Maß nehmen am Herzen Jesu. Das wünscht sich der liebe Gott. Der Prophet Ezechiel sagt uns das: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. (Ez 36,26).

 

Herzlichkeit ist eine der wichtigsten Lebensweisheiten. Und übrigens gar keine große Kunst. Und kosten tut sie auch nichts, nur einen Funken Mitgefühl und Aufmerksamkeit.

 

Und sie macht sich sogar bezahlt. Nett sein lohnt sich. Das hat eine Studie der Uni Innsbruck ergeben. Wer freundlich zur Eis-Verkäuferin ist, bekommt eine größere Portion.

 

Schön zu wissen, dass ein Lächeln und ein freundliches Wort immer noch einen Wert haben, auch in einer kälter werdenden Gesellschaft.

 

Lb. Gl. Nett sein zahlt sich auf jeden Fall aus. Nächstenliebe schüttet jede Menge Glückshormone aus. Freundliche und hilfsbereite Menschen leben laut einer Studie im Durchschnitt um 7 Jahre länger als die Egoisten. Jesus hat also recht, wenn er nicht müde wird, uns aufzufordern: Liebt einander!

Lj. A 2020: 11. So.i.J.: Erntehelfer gesucht;

 

Gute Hirten (siehe: 4. Ostso)

 

Lj. A 2020: 11. So.i.J.: Erntehelfer gesucht;

 

Gute Hirten (siehe: 4. Ostso)

 

 

 

Hast du mitbekommen, was in den letzten Wochen bei unseren Bauern gelaufen ist? Die riesigen Felder voll mit Salat, Gemüse, Spargel und Erdbeeren. Die Früchte sind reif, aber es sind keine Erntehelfer da. Die Bauern sind verzweifelt. Die Profis aus dem Ausland sind ausgeblieben. Also müssen die Einheimischen einspringen. Erntehelfer gesucht. Ja und es haben sich tatsächlich einige gemeldet: Arbeitslose Künstler und Handwerker. Erntehelfer mit mehr oder weniger Geschick.

 

In der gleichen Notlage steckt offenbar auch Jesus. Er sieht die Menschenmassen. Ein riesiges Feld, das es zu bearbeiten gilt. Menschen, die suchen. Menschen, die hungern nach einem guten Wort, nach Wegweisung und Trost. Aber es sind kaum Erntehelfer da. Und schon gar nicht gute Profis. Die Profis, die Schriftgelehrten und Pharisäer, die hätten es eigentlich können müssen, das Predigen und die Seelsorge. Sie haben kläglich versagt. Darüber klagt schon der Prophet Ezechiel: Die Hirten, das heißt die religiösen Führer, die sorgen nur für sich selbst, arbeiten in ihre eigene Tasche und beuten die gutgläubigen frommen Leute aus. Aber kümmern tun sie sich nicht um die ihnen Anvertrauten. Die Schwachen haben sie nicht gestärkt, Kranke nicht geheilt, Verletzte nicht verbunden und Verlorene nicht gesucht. Den Wehrlosen und Kleinen haben sie nicht zu ihrem Recht verholfen. Jesus sieht, dass es auch in seiner Zeit nicht anders ist. Die Menschen irren durchs Leben, müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.

 

Die Profis, nein! Diese Leute kann Jesus als Erntehelfer nicht gebrauchen, wenn er ein Reich Gottes gründen will. Ein Reich, wo es Gerechtigkeit, Liebe und Friede geben soll. Jesus muss bei null anfangen. Er nimmt sich ganz einfache Menschen, Fischer und Handwerker.

 

Diese bildet er aus und schickt sie dann hinaus in die ganze Welt. Er braucht Erntehelfer mit Hand und Herz.

 

Ernte-Helfer gesucht. Dieser Aufruf ist zeitlos. Er gilt heute genauso wie damals. Wir sehen: Die Profis, die ausgebildeten Seelsorger, die Priester und Diakone, sie werden weniger. Was soll's. Es gibt jede Menge Christen, die sog. Laien, die 72 anderen Jünger, die Jesus ebenso beruft. Und die machen vieles genauso wie die Profis, wenn nicht besser. Da sind die gläubigen Eltern  und Großeltern, Religionslehrer und Professoren, Therapeuten, Ärzte, Berater. Sie geben den Glauben weiter, sie heilen, sie trösten und geben Wegweisung im christlichen Geist. Und sie helfen, wo sie können. Corona hat das gezeigt: Die Nachbarschaftshilfe hat funktioniert und hat uns hinübergerettet über die schlimmste Zeit. Es funktioniert hoffentlich auch weiterhin: das Mitgefühl und die Achtsamkeit. Dass wir uns weiterhin helfen, aber auch schützen vor Ansteckung. Corona ist ein Luder und noch lange nicht vorbei.

 

Lb. Gl. Gute Hirten und Erntehelfer sind gefragt, heute mehr denn je. Du bist einer davon. Dafür danke ich dir ganz herzlich, stellvertretend für den guten Hirten Jesus.

Lj. A 2020: Fronleichnam – Jesus, Brot des Lebens

 

Der Tabernakel - eine Schatz-Truhe in der Kirche

 

Kinder und Kids schauen liebend gern Abenteurerfilme. Besonders spannend finden sie die Suche nach einem Schatz. Wenn ich mit Kindern eine Kirchenführung mache, dann erzähle ich ihnen jedes Mal, dass es in unserer Kirche ein Schatzkästchen gibt. Dann schauen sie mich mit großen Augen an. Nein! Wo denn? Ich zeige ihnen einen goldenen Schlüssel, dann wissen die Schlauköpfe gleich, welches Schatzkästchen das ist. Der Tabernakel. Was macht den Tabernakel denn so kostbar? Es sind keine Diamanten und Edelsteine versteckt, nur ein paar kleine Brotstücke. Dem Anschein nach nichts Besonderes. Ihr Materialwert? wenige Cent.

 

Etwas Besonders werden diese Hostien erst, wenn wir wissen und glauben, was sich dahinter verbirgt. Es ist Jesus selbst verborgen im heiligen verwandelten Brot. Der eigentliche Schatz des Tabernakels ist Jesus. Paulus erklärt, was es mit diesem Brot auf sich hat.  Das Essen des Brotes und das Trinken des Weines schenkt Gemeinschaft mit Jesus Wenn wir davon essen und trinken, ist Jesus selbst in uns. Wir können seine Gegenwart spüren bis unter die Haut. Diese Zeichen hat er uns als Andenken hinterlassen beim letzten Abendmahl. Und er hat den Aposteln aufgetragen: Macht ihr jetzt dasselbe in meinem Auftrag: Verwandelt Brot in meinen Leib und Wein in mein Blut. Macht es jede Woche, vielleicht sogar jeden Tag. Macht es und denkt an mich.

 

Wenn jemand einen Menschen liebt, will er sich ganz tief einprägen im Herzen des Lieblings, damit dieser ihn ja nicht vergisst. Das machen Verliebte mit einprägsamen Zeichen. Sie schenken sich einen Ring oder ein anderes Schmuckstück. Im Wald findet man manchmal Herzen in eine Baum-Rinde geritzt. Jesus macht das Gleiche mit einem einfachen Stück Brot, mit unserem wichtigsten Nahrungsmittel. Ein starkes Zeichen. Dieses Andenken an Jesus ist es, das die Kirche am Leben erhalten hat durch all die 2000 Jahre hindurch, durch alle Höhen und Tiefen.

 

Gäbe es die Hl. Messe nicht und die HL. Kommunion, es gäbe längst keine Kirche mehr und keine Christen. Kein anderes Andenken und sei es noch so kostbar, kein noch so schönes Foto könnte das bewirken, was dieses unscheinbare Brot bewirkt: wirkliche Gegenwart Jesu – durch alle Zeiten und Generationen.

 

Fronleichnam feiern wir (morgen) heute. Was heißt das. Es ist nichts anderes als Teilen dieses kostbaren Schatzes mit anderen

 

Zu Fronleichnam tragen wir normalerweise den Schatz hinaus auf die Straßen, dorthin, wo wir leben und arbeiten. Was uns wertvoll und heilig ist, was wir lieben, zeigen wir gerne den anderen. Wir zeigen es, nicht weil es Brauch ist, sondern weil alle Menschen dieses Brot brauchen. In diesem Brot ist Gott sichtbar und greifbar bei uns. Brot ist Lebensmittel, und dieses Brot ist Glaubensmittel, Zeichen der Liebe Gottes. Wir können nicht leben ohne Brot. Wir können nicht leben ohne Liebe, können nicht leben ohne Gott. Materiell ist dieses Brot fast  gar nichts wert, Jesus aber ist alles wert. Er ist das Brot, das unseren Hunger stillt, den Hunger nach Liebe und Geborgenheit, den Hunger nach Frieden, den Hunger nach einem Sinn des Lebens.

 

Lb. Gl. Der wahre Schatz der Kirche sind nicht die kostbaren Kirchen, Dome und Kathedralen. Der wahre Schatz der Kirche ist dieses unscheinbare Brot, in dem sich der lebendige Gott verbirgt, Jesus, unser Retter und Erlöser.

Lj. A 2020: Dreifaltigkeit: Gott ist die Liebe; Gott ist treu

 

1.    Lesung!

 

Letzten Sonntag haben wir Pfingsten gefeiert, das Fest des hl. Geistes. Ein schwieriges Fest, weil nichts Handgreifliches da ist, im Unterschied zu Weihnachten und Ostern. Und heute das Fest der hl. Dreifaltigkeit. Noch schwieriger, weil so was von unlogisch. Gott zeigt sich in drei Personen. Und dennoch gibt es nur einen Gott. Da kommt jeder Prediger in Verlegenheit: Wie soll ich anderen begreiflich machen, was ich selber nicht begreife? Die Zisterzienser des Mittelalters fanden einen Ausweg. Die Ordensoberen gaben die Empfehlung aus: Wegen der Schwierigkeit der Materie kann die Predigt entfallen. Gute Idee? Ich weiß nicht. Ich denke, man muss ja nicht versuchen zu erklären, was unerklärlich ist, weil Geheimnis Gottes. Dennoch lässt sich an diesem Festtag einiges sagen über unseren Gott. Besser gesagt: Die Bibel selber sagt es. Da muss sich der Prediger gar nicht den Kopf zermartern. Das heutige Evangelium sagt in wenigen Sätzen, wer und wie Gott ist. Es heißt da: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Also: Wer ist Gott? Gott ist die Liebe. Das ist das kürzeste Glaubensbekenntnis. Es ist ganz einfach, kinderleicht. Das versteht jedes Kind. Gott ist also absolut nicht nur ein unbegreifliches Rätsel, unheimlich und unberechenbar. Ganz im Gegenteil. Seine Liebe macht ihn angreifbar und berechenbar. Auf ihn ist Verlass. Das beschreibt die erste Lesung noch genauer.

 

Der Herr ist ein "barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6). Er begegnet uns Menschen mit Güte und Liebe. Darauf hat er sich selber festgelegt, und dabei bleibt er auch. Er hält uns die Treue, weil wir seine Geschöpfe sind. Er hat sich ein Volk erwählt, um in seiner Mitte zu wohnen. Er sagt selbst: Es ist meine Freude, bei den Menschen zu wohnen. Er hat uns seine Gebote gegeben als Weg­weiser zu einem harmonischen und sinnvollen Leben. Sein auserwähltes Volk, dazu gehören auch wir, sein Volk wird von ihm erleuchtet und geführt und soll dann selbst anderen Menschen leuchten, damit alle Menschen die frohe Botschaft von seiner Liebe und Treue erfahren. Keine Sünde der Menschen kann diese Liebe aufhalten. Er bleibt für uns Vater und Mutter, selbst wenn wir vergessen sollten, dass wir seine Kinder sind. Im Gott-Menschen Jesus ist Gott einer von uns ge­worden und wir ein Teil von ihm. Er beschenkte uns mit seinem göttlichen ewigen Leben – in der Taufe und in jedem Sakrament und mit jedem seiner Worte. Gottes Geist belebt uns vom ersten bis zum letzten Atemzug. Und wenn wir einmal sterben, ist es derselbe Geist, der uns zu einem neuen Leben auferweckt.

 

Lb. Gl. Das sind ganz große Zusagen, fast zu groß um wahr zu sein. Man könnte daran zweifeln, hätten wir nicht seine persönliche Zusage aus der Hl. Schrift: Gott ist treu. Er hält, was er verspricht. Auf ihn ist Verlass – zu 1000 Prozent.  

 

 

 

Lj. A 2020: Pfingstmontag: Hl. Geist - Meditation

 

Was wir glauben sollen und was nicht

 

Glaube nicht, der Heilige Geist sei nur dort, wo dein Standpunkt ist.  

 

Glaube lieber: Der Heilige Geist wirkt, wo und was er will.      

 

Glaube nicht an den Geist, der dir einredet:

 

Alles ist machbar mit Planung und Intelligenz.

 

Glaube lieber: Gottes Geist hat die höchste Weisheit.

 

Glaube nicht, der Heilige Geist wollte ausschließlich eine Kirche der Braven  und Angepassten.

 

Glaube lieber: Der Heilige Geist ist Farbe und Leben, Entscheidung und Wagnis, eine explosive Kraft.

 

Glaube nicht an den Geist der Schwarzmaler und Angstmacher!

 

Glaube nicht dem Geist der Rechthaber und Fanatiker!

 

Glaube lieber: Der Heilige Geist macht erfinderisch.

 

Er gibt auch dir Mut zum nächsten Schritt.

 

Deine Phantasie soll blühen für eine bessere Welt.

 

Glaube nicht an den Geist der Ausreden und der feigen Zurückhal­tung.

 

Glaube lieber: Der Heilige Geist ist Feuer!

 

Eisiges Schweigen schmilzt er in herzliches Gespräch.

 

Die Waffen des Schreckens verbrennt er in Asche und Rauch.

 

Glaube nicht, der Heilige Geist sei unpersönlich und weltfremd!

 

Glaube lieber: Er ist mitfühlend und lebendig!

 

Du triffst ihn sowohl in der Stille einer Kirche

 

als auch im Lärm deines Betriebes.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist

 

Ich glaube,

 

dass er mir hilft, meine Niedergeschlagenheit zu besiegen.

 

Ich glaube, dass er mir helfen kann,

 

Angst und Traurigkeit zu überwinden.

 

Ich glaube, dass er mich vor Unheil bewahren kann.

 

Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube, dass er meine schlechten Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube, dass er mir Phantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mit Kraft für das Gute geben kann.

Ich glaube, dass seine Liebe mich verwandeln kann.

 

Ich glaube, dass er mir Liebe und Aufmerksamkeit ins Herz legen kann für meine Schwestern und Brüder.
Komm Hl. Geist und alles wird neu.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

 

 

 

Segen:

 

Pfingst-Menschen sind Handlanger des Heiligen Geistes

 

Sie versuchen zu verstehen und zu vermitteln. Sie reißen keine neuen Gräben auf, sondern verbinden unterschiedliche Gruppen und Interessen. Sie werben um Verständnis,

 

Sie achten das Anders-Sein der anderen und suchen Wege

 

zu versöhnter Ver­schiedenheit.

 

Sie lassen sich nicht treiben von Vorurteilen und Hass.

 

Dazu segne euch der drei-einige Gott +++

 

 

Lj. A 2020: Pfingsten – das schwierige Fest.

 

Evangelium: Joh 20,19-23

 

Die Beauftragung der Jünger: Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.  Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.  Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

 

Impuls:

 

Lb. Gl. Pfingsten, das Fest des hl. Geistes. Ein schwieriges Fest, weil gar nichts Handgreifliches da ist, im Unterschied zu Weihnachten und zu Ostern. Mein Gott, ist Weihnachten schön mit diesem süßen Jesus-Kind. Oder Ostern, wo der tote Jesus aus dem Grab steigt als souveräner Sieger über den Tod. Aber Pfingsten? Was gibt es dann da für’s Gemüt oder für die Kinder? Es ist weniger ein Fest für die Kinder, umso mehr das Fest für mündige, erwachsene Christen. Für Christen, die sich die Mühe machen, sich mit geistigen Dingen zu befassen. Ein mündiger Christ kann damit leben, dass er Gott nicht sehen und greifen kann. Die Beziehung muss auf geistiger Ebene geschehen. Das ist mühsam, aber durchaus möglich. Corona hat uns das ein Stück weit beigebracht: Beziehung mit den Großeltern ist möglich, auch wenn man sie nicht besuchen und umarmen kann. Man kann telefonieren und skypen, oder sich zulächeln und zuwinken. Das klappt ganz gut - in der Hoffnung: Es geht vorbei. Das klappt genauso gut mit dem unsichtbaren Gott. Seit dem Pfingstfest ist den Aposteln klar:

 

Es muss auch ohne den leibhaftigen Jesus weitergehen. Und wie es geht! Zu Pfingsten zeigt ihnen Jeus, wozu sein Geist imstande ist. Er ist imstande, verschiedene Völker, unterschiedliche Religionen und Kulturen zusammenzubringen. Er schafft es, dass sie sich verstehen. Der Geist bringt es fertig, aus einfachen Fischern großartige Prediger zu machen. Auch sie haben es geschafft, so mit ihrer Predigt wie Jesus Menschen-Massen zu bekehren.

 

Wer sich die Mühe gemacht hat, sich mit dem Hl. Geist anzufreunden, der erfährt auf vielfache Weise, was er alles kann und wirkt, dieser unsichtbare Gott.

 

Der Heilige Geist ist nicht ein Gespenst, sondern lebendiger Gott. Er ist die innere Stimme, das Gewissen. Die Kraft, die tröstet und stärkt, besonders dann, wenn alles hoffnungslos erscheint. Er ist der Atem, der uns leben und überleben lässt, gerade dann, wenn uns der Atem wegbleibt und uns vie­les sprachlos macht – weil so viele von allen guten Geis­tern verlassen sind und sich aufführen wir Ungeheuer.

 

Wer sich mit dem hl. Geist angefreundet hat, bekommt jede Menge Früchte des Geistes. Paulus nennt ein paar davon: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Selbstbeherrschung (Gal 5,22); und alle anderen guten Eigenschaften eines Menschen. Sie alle sind Früchte und Gaben des Hl. Geistes. 

 

Lb. Gl. Corona hat uns gelehrt, dass es möglich ist, Beziehungen zu pflegen mit Menschen, die nicht sichtbar und greifbar da sind. Das geht auch mit dem unsichtbaren Gott. Ich kann mit ihm sprechen im Gebet. Er hört und sieht mich. Ich kann mit ihm feiern. Wir haben Bilder und Figuren von ihm, die wir sehen. Wir haben sein Brot in der Hand und wissen: Er ist da. Wir lesen und hören sein Wort in der Bibel und in der Predigt. Vollständige Kommunikation mit allen Sinnen, die gibt es allerdings erst drüben. Da müssen wir uns noch ein bisschen gedulden, wie in den Zeiten von Corona. Was uns tröstet: die Vorfreude. Irgendwann ist es so weit. Das wird dann ein Fest sein. Ein Fest, das Weihnachten und Ostern bei weitem übertrifft.

 

 

 

Lj. A 2020: 7. Oster-So: Ewiges Leben, was ist das?

  

Evangelium Joh 17,1-8

 In jener Zeit, beim letzten Abendmahl, erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.  Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.  Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.  Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.  Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.  Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.  Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.  Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

 Impuls:

 

Lj. A 2020: 7. Oster-So: Ewiges Leben, was ist das?

 

 

 

Das ist doch kein Leben mehr, hört man viele Menschen jammern. Wie gibt es denn so was? Er hat ein Herz, das verlässlich schlägt. Er ist kerngesund, hat genug zu essen und zu trinken. Hat ein Dach über dem Kopf und ein warmes Bett. Und dennoch: Das ist doch kein Leben mehr. Was braucht es eigentlich zu einem guten Lebensgefühl? Psychologen nennen 4 Grundbedürfnisse für ein gutes Lebensgefühl: 1. die natürlichen Grundbedürfnisse: Nahrung, Kleidung, Schlaf und ein Dach über dem Kopf. 2. Das Bedürfnis nach Sicherheit. 3. Glückliche Beziehungen. Und 4. Selbstbestimmung in Freiheit. Es reicht also ein herrschsüchtiger Partner, und aus ist es mit der Freiheit und mit dem guten Lebensgefühl. Auch Corona hat uns verunsichert. Es hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind, trotz hochentwickelter Medizin. Das hat nicht wenige depressiv gemacht. In diese Situation hinein hören wir Jesus sagen: Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben. Er gibt sich nicht zufrieden mit einem halbwegs guten Lebensgefühl. Er will Leben in Fülle, und das soll zudem noch ewig sein. Seine Auffassung von gutem Lebensgefühl geht weit über die natürlichen Grundbedürfnisse hinaus. Selbst wenn alle gestillt sind, kann ein Mensch sich dennoch unglücklich fühlen. Augustinus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: Unruhig, d.h. unzufrieden ist unser Herz, bis es endlich Ruhe findet bei Gott. Jesus redet immer wieder vom ewigen Leben. Ewiges Leben? Da denken die meisten: Ach ja: Das Leben nach dem Tod, das ist ewig, es stirbt nicht mehr, es hört nicht mehr auf. Das ist schon richtig. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Ewiges Leben beginnt schon auf Erden, hier und jetzt. Die Psychologen sagen ja: glückliche Beziehungen gehören zu den 4 Grundbedürfnissen des Menschen.

 

Sie meinen die Beziehungen zu irdischen Geschöpfen, zu Menschen und Tieren. Diese Beziehungen greifen viel zu kurz. Sie sind extrem anfällig und brüchig. Für ein Leben in Fülle brauchen wir einen absolut verlässlichen Partner. Einen, der rund um die Uhr erreichbar ist. Bei dem wir uns sicher und geborgen fühlen. Einen, der uns zeigt, was unser Herz wirklich erfüllt und glücklich macht. Es ist interessant. Menschen, die eine herzliche Beziehung zu Gott haben, werden immer weniger abhängig von den natürlichen Grundbedürfnissen. Sie fühlen sich glücklich trotz angeschlagener Gesundheit. Sie können glücklich sein, auch wenn menschliche Beziehungen nicht gerade berauschend sind. Das Leben mit Gott hat die Qualität von Ewigkeit. Nicht einmal der Tod kann es kaputt machen.

 

Lb. Gl. Jesus beschreibt heute in wenigen Sätzen, was ewiges Leben ist. Gott Vater hat seinem Sohn alle Macht über die Menschen gegeben, damit er allen ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: Dich den einzigen wahren Gott zu erkennen und Jesus, den du gesandt hast. Erkennen ist nichts anderes als innigste Beziehung zu Gott. Aber so wie jedes Leben, muss auch das göttliche Leben regelmäßig genährt und gepflegt werden. Das geschieht durch Gebet, Lesen der Hl. Schrift, durch den Empfang der Sakramente, besonders in der Feier der hl. Messe und durch gelebte Gottes-und Nächstenliebe. Wer Gott besitzt, der hat Leben in Fülle, und zwar schon jetzt bis hinein in die Ewigkeit.

Lj. A 2020: Himmelfahrt; Träume nur Schäume?

 Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 1,1-3)

 Als die Jünger mit Jesus beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.  Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.

 

Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.  Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

 

Impuls:

 

Bist du eher ein nüchterner, sachlicher Mensch, der sich nur mit Tatsachen befasst, oder eher ein Romantiker und Träumer? Einer, der auf einer Wiese liegt, zum Himmel schaut und träumt. Die Träumer werden nicht selten belächelt: Sie schweben und stehen nicht mit beiden Beinen auf dem Boden.

 

Dabei haben die größten Ideen und Erfindungen nicht selten ihren Ursprung in einem Traum. Man  sollte die Träumer nicht verachten. Die Träumer sind in bester Gesellschaft, wie wir in den heutigen Lesungen hören.

 

Heute werden uns die Jünger auch als Träumer beschrieben. Sie starren unentwegt zum Himmel. Aber ihr Traum war bald vorbei. Engel kommen und schütteln sie wach: Was steht ihr da und starrt zum Himmel Euer Arbeitsplatz ist hier auf der Erde. Die Jünger waren zu mündigen Aposteln geworden. Bestens ausgebildet. Sie und heute wir Christen sollen die Frohbotschaft verkünden und sein Erlösungs-Werk hier auf Erden weiter führen. Jetzt kann Jesus getrost abheben und zu seinem Vater heimgehen.

 

Ist er ein Weltflüchter? Will er weg von dieser brutalen Welt, die ihm so zugesetzt hat? Die seinen Einsatz für die Menschen und seine Liebe mit der Todesstrafe vergilt. Nein, Jesus ist kein Weltflüchter. Wenn er das gewollt hätte, hätte er gar nicht erst auf die Welt kommen müssen. Er war gewiss nicht so naiv, dass er nicht vorausgeahnt hätte, was ihn hier erwartet. Und er hätte Möglichkeiten genug gehabt, sich aus der Schlinge zu ziehen, sich aus dem Staub zu machen. Er hat es nicht getan.

 

Er ist kein Weltflüchter. Er geht heim zu seinem Vater, um uns  seinen Geist zu senden und ein wichtiges Zeichen zu setzen: Gott muss nicht ständig mit einem Menschenleib herumlaufen. Er ist genauso mächtig und wirksam hier auf Erden durch seinen Geist. Nein, Jesus ist kein Weltflüchter, er lässt uns nicht als Waisenkinder zurück. Wir können uns nicht beklagen. Er hat alles geregelt, wir müssen gar nichts vermissen. Wir haben seinen hl. Geist und geisterfüllte Menschen. Durch sie geschieht heute wie damals: Verkündigung der Frohbotschaft, Verzeihung der Sünden, gute Beratung und Wegweisung, Heilung von Kranken. Es gibt auch heute reichlich Zuwendung und Liebe und Hilfe für Menschen in jeglicher Not. Das erleben wir gerade jetzt ganz intensiv in der Corona-Zeit.

 

Lb. Schw. Das Fest Christi Himmelfahrt lehrt uns ein Zweifaches: den Blick auf die Welt. Geht hinaus in alle Welt. Hier ist das

 

Arbeitsfeld des Christen. Hier müssen wir uns einsetzen, dass die Welt menschlicher und göttlicher wird. Und es lehrt uns auch den Blick nach oben, im Sinne von "lasst die Köpfe nicht hängen, Kopf hoch." Denn wir haben seine feste Zusage: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.