2026 Lesejahr A | 25. Sonntag im Jahreskreis
Evangelium nach Matthäus (Mt 20, 1)
In jener Zeit erzähle Jesus das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.
Impuls:
Wie geht es dir mit deinem Chef? Ist er gerecht? Zahlt er einen gerechten Lohn? Frauen bekommen ja immer noch für gleiche Leistung weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Das ist einfach ungerecht. Die Frauen protestieren - zurecht. Im heutigen Evangelium haben wir offenbar auch einen ganz ungerechten Gutsherrn. Es ist ausgerechnet der liebe Gott, der Herr des Himmels, der Herr im Reich Gottes. Heute wird uns erzählt, wie Jesus für das Reich Gottes Mitarbeiter anwirbt. Das macht er den ganzen Tag. So kommen manche gar erst im letzten Moment, in der Letzen Stunde. Aber alle bekommen denselben Lohn, 1 Denar. 1 Denar, das war gerade so viel, dass eine Familie einen Tag lang davon konnte. Die Mindestsicherung gewissermaßen. Die Früheinsteiger regen sich auf: Ungerecht. Der Gutsherr rechtfertigt sich. Freund, dir geschieht kein Unrecht. Du bekommest einen fairen Tageslohn, 1 Denar. Davon kannst du mit deiner Familie einen Tag lang leben. Wenn ich auch dem Späteinsteiger denselben Lohn auszahle, so ist das nicht ungerecht. Es ist einfach nur großzügig. Soll er und seine Familie hungern?
Liebe Gläubige. Im Grunde geht es hier nicht um einen Arbeitsbetrieb. Es geht um Gott, um das Reich Gottes, das er gründen will, auch um die Kirche, die am Reich Gottes weiterbaut. Es geht um das ewige Leben, um den Himmel. Jesus ist auch heute jeden Tag von früh bis spät auf der Suche nach Menschen, die zu seinem Reich gehören, die an seiner Idee mitbauen wollen. Die seine Frohbotschaft leben und verkünden wollen. Sein Reich ist ein geistiges Reich. Ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Es ist das Gegenstück zur Welt, wo es nur so wimmelt von Egoisten. Menschen, die nur auf das eigene Wohl bedacht sind. Die kämpfen und streiten, Kriege führen und sich die Schädel einschlagen. Gegen eine böse und trostlose Welt setzt Jesus das Reich Gottes, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Liebe und Frieden. Nur hier gibt es wahre Freude, Freude in Fülle.
Jeder, der auf die Einladung Gottes hört, jeder, der bei Gott sein will, der für ihn arbeiten, für ihn leben will, bekommt, was er zum Leben braucht, den lebensnotwendigen Denar. Er bekommt die heilende Nähe Gottes, die Vergebung seiner Sünden, die Kraft seiner Sakramente und schließlich den Himmel, ganz egal, ob er von Kindesbeinen an mit Gott verbunden ist, oder erst später den Ruf Gottes hört und ihm folgt - wie etwa die Zöllner und Dirnen. Die Neider regen sich auf. Die religiösen Führer sind eifersüchtig: Was? Zöllner und Sünder lässt er in seine Nähe? Ja. Er lässt, und siehe da, sie bekehren sich und fangen an, Gutes zu tun.
Liebe Gläubige. Die frommen Neider gibt es zu allen Zeiten, die sich das Maul zerreißen über die Späteinsteiger: Was macht denn die hier in der Kirche? Die hat man all die Jahre in keiner Kirche gesehen. Und jetzt macht sie sogar Dienste hier? Oder was hat ein ehemaliger Nazi in der Kirche zu suchen?
Gott sei Dank denkt Gott anders: Jeder bekommt eine Chance, einen Platz und Arbeit in seinem Reich, wenn er nur will. Egal, ob er in der ersten oder in der letzten Stunde gerufen wird. Und jeder bekommt denselben Lohn, 1 Denar: den lieben Gott und seine Freundschaft, eine sinnvolle Arbeit in seinem Reich und schließlich die Freude des Himmels.