2026 Lesejahr A | 26. Sonntag im Jahreskreis
Evanglium nach Matthäus (Mt 21, 28)
Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.
Impuls:
Liebe Eltern, liebe Erzieher, wie geht es euch mit dieser Geschichte? Habt ihr nicht auch das Gefühl: Ganz wie bei uns daheim. Die Ja-Sager und die Nein-Sager haben wir auch. Erteilt man ihnen einen Auftrag, dann kommt immer wieder: Ich will nicht, ich mag nicht. Oder was noch schlimmer ist: Ja, Mamma, ich mach das schon, und gemacht wird es nie.
Auch mit dem Sonntags-Gottesdienst ist es so. Die Mutter erinnert ihre Tochter liebevoll: Willst du nicht zum Sonntagsgottesdienst? Die Tochter will ihre Mutter nicht kränken. Sie sagt: Ja, Mama. Geht aber nicht. Nicht wenige Mütter weinen im Beichtstuhl: Was mir am meisten Sorgen macht, dass meine Kinder nicht mehr in die Kirche gehen. Wenn ich sie darum bitte, heißt es: Ich mag nicht. Oder. Ja, Mama und sie gehen nicht. Sie werden wohl nicht für die Ewigkeit verloren sein.
Ich versuche, die Mutter zu trösten. Ich frage: Aber deine Kinder sind doch im Grunde gute Menschen, oder? Ja, das schon, aber... Na also. Wenn sie gute Menschen sind, dann leben sie das wichtigste christliche Gebot, die Nächstenliebe, dann sind sie auch Christen, selbst wenn sie nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen. Wenn sie das wichtigste Gebot leben, dann können sie auch nicht für die Ewigkeit verloren gehen. Und außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass viele irgendwann zur Besinnung kommen und die Kirche wieder schätzen. Sie schätzen wieder die Sakramente und die Sonntagsmesse und die Botschaft, die darin verkündet wird. Und möglicherweise haben die jungen Leute mehr Glauben und mehr Gottesbeziehung, als sie nach außen zeigen oder zeigen können.
Liebe Gläubige. Der liebe Gott hat offenbar dasselbe Problem wie manche Eltern und Erzieher. Wenn er Menschen berufen will: Geht und arbeitet in meinem Weinberg, geht und tut etwas für mich, für die Kirche, für euren Glauben, für die Mitmenschen, dann kommt von den einen das große Geraunze: Ich mag nicht. Die Kirche, der Glaube, das ist so was von langweilig und uncool. Da weiß ich, Besseres zu tun. Aber - irgendwann kommen sie doch zur Vernunft. Und auf einmal werden passable, wenn nicht sogar eifrige Christen aus ihnen.
Andere wiederum antworten auf Gottes Aufruf mit einem lautstarken: Ja, selbstverständlich, lieber Gott, für dich tu ich alles. Aber in Wirklichkeit tun sie nichts. Sie machen dem lieben Gott und sich selbst nur ein Theater vor. Es sind Heuchler. Solche waren auch die religiösen Führer. Den Heuchlern gegenüber musste Jesus ganz hart und deutlich werden: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe. Kein Wunder, dass sie ihn abgrundtief hassen.
Liebe Gläubige, liebe Eltern und Erzieher: Die Moral von der heutigen Geschicht'
Wenn Zöllner und Dirnen in das Reich Gottes, in den Himmel kommen, dann werden es eure Kinder wohl ebenso schaffen, auch wenn sie zurzeit absolut keinen Bock haben auf Sonntagsmesse, auf Pfarrer und Predigt. Raunzen wir ihnen nicht die Ohren voll. Geben wir ein gutes Beispiel und ab und zu ein aufmunterndes Wort und beten wir für sie. Letztlich ist es der Hl. Geist, der ihnen zeigen muss, was wichtig für sie ist.