2026 Lesejahr A | 22. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium nach Matthäus (Mt 16,21)

Eines Tages begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den religiösen Führern vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen.  Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein tägliches Kreuz auf sich und folge mir nach.  Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Impuls:

War Jesus ein humorloser Mensch? Das könnte man meinen. Denn in der ganzen Bibel findest du keinen Jesus, der lacht. Viel Öfter war er zornig und wütend. Als er z.B. im Tempel die Händler mit einer Geißel zum Tempel hinaus treibt. War Jesus ein Choleriker? Gewiss nicht. Aber manche Dinge konnten ihn schon zur Weißglut bringen, wenn man etwa dem Heiligsten und seinem Willen nicht die gebührende Achtung erwies. Heute dreht er beinahe durch. Was war geschehen? Jesus muss seinen Freunden eine traurige Mitteilung machen: Ich muss nach Jerusalem gehen. Dort werde ich von den religiösen Führern viel Schreckliches erleiden. Sie werden mich quälen und töten. Aber- am 3. Tag werde ich auferstehen. Petrus will das nicht hinnehmen. Kommt nicht in Frage!. Das darf mit dir nicht geschehen. Petrus meint es ja gut, aber er trifft es schlecht, extrem schlecht. Jesus hat schwer damit zu ringen, dass er sein Leben hinopfern soll für die Sünden der Menschen. Da hätte er einen Freund gebraucht, der ihn aufbaut, der ihm Mut macht: Du hast doch deinen Vater und Engel, die dich stärken. Einen solchen Freund hätte er gebraucht. Den hat er nicht. Nicht einmal Petrus erweist sich als hilfreicher Freund. Dafür bekommt ein Schimpfwort, das wir nicht einmal in der größten Wut in den Mund nehmen wollen: Du Teufel! Geh mir aus den Augen, du Teufel. Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will.

Dann fügt Jesus noch eine Empfehlung hinzu, Eine Empfehlung für uns alle. Das Kreuz. Das Kreuz mögen wir alle nicht. Wir mögen viel lieber Party und Wellness, süßes Leben, jeden Tag. Jesus meint: Wer mein Jünger sein will, nehme sein tägliches Kreuz auf sich und so folge er mir nach. Klingt nicht sehr toll. Aber es ist eine der besten Lebensweisheiten, die es gibt. Gerade für unsere Zeit. Ein gesunder Kontrapunkt zur verwöhnten Spaßgesellschaft. Die Spaßgesellschaft hat keinen Bock auf Opfer und Verzicht. Sie will Genuss und Leben pur. Die Schmerzgrenze ist ganz unten. Etwas aushalten und durchstehen ist da nicht drin. Das zeigt sich schon in der Schule. Immer mehr Schüler drehen durch, weil sie die Schule als unerträgliche Qual empfinden. Die Schmerzgrenze ist ganz unten. Manche Menschen wechseln jeden Moment ihre Arbeitsstelle in der Hoffnung, irgendwann werden sie einen Posten finden,  wo man überhaupt nicht mehr arbeiten muss. Die Schmerzgrenze ist ganz unten. Freundschaften und Familien gehen kaputt, weil Freundschaft und Familie halt eben nicht immer nur Spaß bedeuten, sondern auch gemeinsames Tragen von Lasten und Problemen, gegenseitiges Ertragen von Fehlern und Mängeln. Viel zu früh machen sie Schluss in der Meinung, sie könnten irgendwo auf der Welt einen Menschen finden, mit dem sie nur Spaß haben können. Und schlussendlich stehen sie vor dem Nichts. Wer sein Leben um jeden Preis gewinnen will, wird es verlieren, sagt Jesus ganz nüchtern und realistisch! Jesus fordert uns zum Umdenken auf.

Liebe Gläubige!
Wer mein Jünger sein will, nehme sein tägliches Kreuz auf sich. Das hat nichts mit Leidverherrlichung zu tun. Er will nichts anderes als ein guter Trainer. Er will unsere Schmerzgrenze nach oben bringen. Er will uns helfen, die kindliche Wehleidigkeit zu überwinden. Er will, dass wir eine wichtige Lebenskunst lernen: Geduld. Wer die Herausforderungen des Lebens geduldig und mutig annimmt, wird Leben gewinnen und Freude in Fülle.