2026 Lesejahr A | 24. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium nach Matthäus (Mt 18, 21)

In jener Zeit kam Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder von ganzem Herzen vergibt.

 

Impuls:

Wenn ich immer wieder lese: 50 % der Ehen und Familien in Österreich werden geschieden, dann macht mich das sehr betroffen. Ich denke an die vielen Partner, wie schwer das für sie ist. Ich denke auch an die unzähligen verstörten Kinder.

Nun, das sind die einen 50%. Es gibt Gott sei Dank auch die anderen: Die meisten von ihnen führen ein Leben in Frieden und Harmonie. Manche erleben gar ein Stück Paradies. Auch das kann Familie sein. Aber geschenkt bekommt man sie nicht, die himmlische Harmonie. Sie ist zerbrechlich wie eine Christbaumkugel. Der Alltag in der Familie erfordert Liebe, Hilfsbereitschaft von jedem Glied, von den Eltern ebenso wie von den Kindern, auch Geduld und gegenseitiges Verzeihen. Denn jeder hat seine Schwächen und Fehler. Die können für eine Gemeinschaft zur Zerreißprobe werden.

Das hat auch Jesus gewusst. Aus diesem Grund redet Jesus heute noch einmal über den sündigen Bruder. Wie oft muss ich ihm verzeihen, wenn er Fehler macht, mich verletzt? Die meisten von uns denken: drei- vielmal, das müsste reichen. Petrus meint 7-mal. Und Jesus sagt: nicht 7mal, sondern 70mal 7mal. Das heißt die heilige Zahl 7 nochmals mit der heiligen Zahl 7 multipliziert.

Das bedeutet: Immer. 70 mal 7mal, das klingt sehr oft. Nicht zu schaffen. Oh doch. Ich denke, die meisten von uns hier in der Kirche haben es mindestens schon 70mal 7mal geschafft, zu verzeihen.

Beispiele: Der liebe Nachbar. Da verstellt der Nachbar mit seinem Auto immer wieder die Ausfahrt und er findet es nicht der Mühe wert, sich zu entschuldigen. Oder da hat ein anderer viel zu hohe Bäume gepflanzt und bereitet dir ein Schattendasein.

Und die Mitmenschen im eigenen Haus? Wenn der liebe Ehegatte oder der Herr Sohn nach dem Duschen immer und immer wieder die Haarbüschel im Abfluss liegen lässt. Andere müssen ständig ihren Dreck wegschaffen. Oder wenn die Tochter mit 1000 größeren und kleineren Schlampereien und Marotten an den Nerven sägt ...

Wird es da nicht höchste Zeit, einmal eine Bombe platzen zu lassen? Oder vielleicht doch lieber schlucken und 1000mal schlucken um des lieben Friedens willen; weil sonst wieder die gefürchtete Funkstille eintritt, wo man tagelang schmollt und kein Wort mehr miteinander redet.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hier nicht um die schweren Vergehen, sondern um die alltäglichen Schwächen und Fehler. Für die schweren Vergehen, die mir seelisch schaden, und wenn keine Besserung in Sicht ist, da empfiehlt auch Jesus: Trennung, Distanz. Für die alltäglichen Fehler wünscht er sich Nachsicht und Geduld, ohne Ende.

Liebe Gläubige. Wegen alltäglicher Fehler einen Partner verlassen, das ist weit überzogen. Ein schwerer Schaden für beide Partner und erst recht für die Kinder. Wir alle machen Fehler. Wir leben also alle von der Verzeihung anderer. 70mal 7mal verzeihen? Eine bessere Alternative gibt es nicht.