2026 Lesejahr A | 30. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium nach Matthäus (Mt 22,34)

In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen.  Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.  Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Impuls:

Denkst du auch manchmal an deine Schulzeit zurück? Wie waren deine Lehrer? Alle nur lieb und nett? Ich hatte im Gymnasium einen Lehrer, der richtig aufsässig war. Er hat es genossen, mich aufs Glatteis zu führen und mich zu blamieren. Einige Zeit habe ich daran gedacht, das Gymnasium abzubrechen. Schließlich sagte ich mir: Nein, deinetwegen nicht, du pädagogische Null. Ich habe mich durchgekämpft. Und ich habe gelernt, Ungerechtigkeiten zu ertragen. Heute bin ich ihm sogar dankbar.

Jesus ist das Gleiche passiert. Ein Gesetzeslehrer will Jesus aufs Glatteis führen. Er soll sich richtig blamieren. Der Gesetzeslehrer hat die Gesetze und Vorschriften im kleinen Finger. Es sind einige Hundert. Er kennt sie alle. Er ist ein studierter Profi. Das war Jesus nicht. Nein, ein studierter Profi war er nicht. Also ein leichtes Spiel für den Profi. Er fragt Jesus aus wie einen dummen Schulbuben: Welches Gebot im Gesetzbuch ist das Wichtigste? Das kann er nicht wissen. Er kann sich nur blamieren. Von wegen. Seine Antwort ist umwerfend: Das erste und wichtigste Gebot ist die Gottes- und Nächstenliebe. Und die Selbstliebe dazu. An diesen drei Geboten hängen alle Gesetze und die Weisungen der Propheten. Mit dieser Antwort hat Jesus all die vielen Gesetze zusammengefasst in einem einzigen Gebot, im Gebot der Liebe. Das heißt: Man muss nicht mehr viele Hundert Gebote kennen und halten, um Gott zu gefallen. Ein einziges genügt.

Liebe Gläubige!
Also: Das Größte und Wichtigste im Leben: die Liebe. Ohne Liebe kein Glück. Liebe geben und empfangen, das ist das spannendste Glückspiel unter den Menschen, unter Freunden und Kameraden, unter Mitarbeitern, unter Geschwistern, unter Eltern und Kindern, unter den Ehepartnern. Täglich Liebe geben und empfangen. Liebe darf aber nie zur Einbahnstraße werden, wo der eine nur gibt und der andere nur nimmt. Eine solche Beziehung hat keine Überlebenschance, es sei denn: Der ständig Gebende und nie Empfangende wäre ein Heiliger. Der Hl. Augustinus wagt den frechen Satz: Liebe, und dann tu, was du willst. Wenn du Gott und deine Mitmenschen wirklich liebst, dann kannst du nichts falsch machen. Wenn jeder von uns aus ganzem Herzen liebt, dann können wir sämtliche Gesetzesbücher einheizen. Auch die dicke Schwarte, das Österr. Strafgesetzbuch mit 1000 Seiten Gesetzen und Strafen. Derzeit brauchen wir sie noch, weil Menschen immer wieder auf die Liebe vergessen. Wir brauchen sie noch, Gesetzesbücher, Polizisten, Richter und Gefängnisse. Es ist ein Wahnsinn, was fehlende Liebe an Steuergeldern verschlingt. Liebe! das wäre billiger und gesünder auch.

Liebe Gläubige!
Was Jesus längst gewusst hat, das haben Psychologen der Amerikanischen Universität Yale in mühsamen Studien erforscht.

Sie fanden heraus: Menschen, die lieben und anderen helfen, tun sich auch selbst was Gutes. Helfende Menschen leben im Durchschnitt um 7 Jahre länger als die Egoisten. Helfende Menschen empfinden ihre eignen Probleme weniger dramatisch. Sie leben weniger gestresst und damit viel gesünder. Liebe schüttet Glückshormone aus.

 

Also: Liebe, und dann tue, was du willst.